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barbarossaplatz, oder woher

 

 
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1755
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 11.09.2016 18:00    Titel: barbarossaplatz, oder woher eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

barbarossaplatz, oder woher

mein versuch die schienenstränge zu fokussieren
misslingt auch das zählen ich stehe oder ich laufe
im schotter schimmernde stahlschlangen
vibrationen unter den fußsohlen und wind
aus dem tunnel oder woher die schockwelle


ein warmer luftschwall metallisches

die sechs oder die zwölf in der kurve


oder die zehn und auf welchem
ich muss nachhause und
sehe nicht in welchem gleisbett
ich stehe oder ich laufe oder die bahn
oder die bahn rauscht

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drusilla
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 36
Beiträge: 235
Wohnort: Schweiz
Ei 7


BeitragVerfasst am: 12.09.2016 19:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko oder Inka Smile

Das Gedicht gefällt mir sehr. Ich kann die Verwirrung und Orientierungslosigkeit des "Ichs" beinahe mit den Händen greifen. Ich habe nach dem Lesen einen Moment inne gehalten und mich gefragt, ob ihn die Bahn hoffentlich nicht überrollt hat Sad Nein, nein, "ich" hat es sicher noch ins Bett geschafft.

LG Drusilla
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 100
Beiträge: 1659
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 13.09.2016 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
barbarossaplatz, oder woher

mein versuch die schienenstränge zu fokussieren
misslingt auch das zählen ich stehe oder ich laufe
im schotter schimmernde stahlschlangen
vibrationen unter den fußsohlen und wind
aus dem tunnel oder woher die schockwelle


ein warmer luftschwall metallisches

die sechs oder die zwölf in der kurve


oder die zehn und auf welchem
ich muss nachhause und
sehe nicht in welchem gleisbett
ich stehe oder ich laufe oder die bahn
oder die bahn rauscht


Ein Kölner LyrIch, noch dazu nach dem Genuss zu vieler Kaltgetränke!
Das nimmt mich für den Dichter ein, musste ich doch erst gestern bei 31 ° Außentemperatur eine ausführliche Weinprobe über mich ergehen lassen, was sehr, sehr schwer war. Und irgendwie niederstreckend.

Aber beim LyrI daheim trinkt man erfahrungsgemäß mehr Kölsch. Und davon muss es schon eine Menge sein, um die Straßenbahngleise in Schwanken zu bringen. - Selbstkritisch bleibt das selbst vom knüllen Dichter nicht ganz unbemerkt:

Zitat:
ich stehe oder ich laufe oder die bahn
oder die bahn rauscht


Für mich ein schlichtes, aber ergreifendes Werk ohne Fehl und Tadel.  Und mit geschickt eingesetzten Stilmitteln.

Mitfühlende Grüße
m.
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HerbertH
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 553
Wohnort: terra sol III


BeitragVerfasst am: 13.09.2016 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

hier finde ich die bewegungsunschärfe indirekt ausgedrückt:

das lyrI bewegt sich und schaut nach zügen.

die situation und die gedanken des lyrI sind das, was unscharf ist.

was genau passiert, wird nicht klar gesagt, erschliesst sich aber auch nicht so wirklich aus dem text.


_________________
schiefwinklig ist eine kunst
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5670
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Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 13.09.2016 21:16    Titel: Antworten mit Zitat

Jemand verzählt sich in den Zügen, verlauft sich auf den Gleisen. Das ist anschaulich und sprachlich raffiniert beschrieben. Ich stelle mir diesen Platz sehr verwirrend vor.
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 959
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BeitragVerfasst am: 14.09.2016 11:02    Titel: Antworten mit Zitat

Mag ich sehr, tolle Bilder, tolle Stimmung! Smile
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 959
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 14.09.2016 11:02    Titel: Antworten mit Zitat

P.S.: Der fehlende Vers ist genial!
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poetnick
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 56
Beiträge: 404
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 14.09.2016 11:26    Titel: Antworten mit Zitat

Um eine Wertung abgeben zu können, unkommentiert. 5 Punkte.

LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1755
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 14.09.2016 14:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Heute gefällt es mir doch wieder, nachdem ich ein paar Tage haderte. Vor allem mit dem "auf welchem" anfangs der dritten Strophe. Auf welchem Gleis hieße es vervollständigt, aber zusammen mit dem folgenden "in welchem Gleisbett" sperrt es mir doch zu sehr in der Wiederholung. Auf welchen (Gleisen), verkürzt zu "auf welchen" wäre vielleicht doch schöner -oder noch anders. Wie auch immer: heute lese ich es trotzdem gerne wieder.

Soll ich euch den fehlenden Vers verraten?

Ich tu's einfach. Mittlere Strophe mit fehlendem Vers, für die, die es wissen wollen:

ein warmer luftschwall metallisches
kreischen der bremsen
die sechs oder die zwölf in der kurve
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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 696
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 16.09.2016 20:30    Titel: Re: barbarossaplatz, oder woher Antworten mit Zitat

Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:
barbarossaplatz, oder woher

mein versuch die schienenstränge zu fokussieren
misslingt auch das zählen ich stehe oder ich laufe
im schotter schimmernde stahlschlangen
vibrationen unter den fußsohlen und wind
aus dem tunnel oder woher die schockwelle


ein warmer luftschwall metallisches

die sechs oder die zwölf in der kurve


oder die zehn und auf welchem
ich muss nachhause und
sehe nicht in welchem gleisbett
ich stehe oder ich laufe oder die bahn
oder die bahn rauscht


Hallo,

Unschärfe und wie sie wahrgenommen wird/sich darstellt, entsteht hier aus gegenläufigen Bewegungen, Gegenlicht oder Reflexionen; es sind da Sinnesreize, die der Körper des LI empfängt, die einzuordnen schwer fällt, mir kommt vor, als solle durch die Wiederholung des "oder woher" aus dem Titel die Schockwelle in einer möglichen Mehrfachbedeutung hervorgehoben werden, einzig klar scheint für LI das "ich muss nachhause";
Dieses Hin- und Her; kein Abwägen, sondern eine Unmöglichkeit des Einordnens ... müsste ich interpretieren, könnte ich auf die Idee kommen, es ist frühmorgens, LI hat eine durchwachte Nacht hinter sich und sieht sich einer gewissen Orientierungslosigkeit ausgesetzt.
Das Ganze hat was. Ich mag das Wort "fokussieren" nicht, es erspart natürlich ein "ich sehe unscharf".
Ich mag die im Schotter schimmernden Stahlschlangen, sie fallen als einzige lebende Metapher im Gedicht auf.
Ich glaube, es ist das komplett Unprätentiöse, was mir gefällt und eine Sprache, die diese "unscharfe" Art zu denken, das Stocken, das Wiederholen versucht, einzufangen.

Grüsse,
Lorraine
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MrPink
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Moderator
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Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 19.09.2016 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr dynamische Bilder und die Sprache passt ziemlich gut dazu. Hat was.
Gern gelesen.


_________________
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(Buk)
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


Beiträge: 1627
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Das Silberne Pfand Lezepo 2015
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BeitragVerfasst am: 21.09.2016 21:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

 Den Platz gibt es in mehreren Städten. Ein Knotenpunkt von Stadt- und U-Bahn, der  gleichzeitig verbindet und trennt.
Da ist ein LI, das bestimmte Dinge im Blick nicht "scharf gestellt" bekommt.
Ähnlich geht es mir als Leser, läuft das LI auf einem Weg, auf dem Bahnsteig, im Gleisbett?

In Strophe 2 der fehlendende Vers hat eine unaufdringliche Wirkung.

Finde ich in Strophe eins eher Unsicherheit und Unschlüssigkeit, wird in der dritten Strophe eine Unruhe spürbar, deren Unschärfe etwas unwirkliches hat.
(Ziemlich viele Uns, nicht?)
Un' nu?

Zum Titel, weshalb gerade dieser Platz? Weil er so einen konkreten Namen bekommt, aber dennoch nicht einmalig ist?

Liebe Grüße
Zinna

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Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2292



BeitragVerfasst am: 22.09.2016 06:23    Titel: Re: barbarossaplatz, oder woher Antworten mit Zitat

fff-lyrik ist immer schwierig zu bewerten. insgesamt fand ich das niveau der gedichte diess mal beachtlich, wenn ich an die äußerdt knappe zeit denke, in denen die texte entstanden sind.

barbarossaplatz, oder woher ist meiner meinung nach einer der beiden besteb texte im wettbewerb.

7 Punkte


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"Von Literatur verstehen Autoren so viel wie Vögel von Ornithologie." (Marceel Reich-Ranicki)

„Ist es nicht idiotisch, sieben oder gar acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann?“ (Mark Twain)
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


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Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 23.09.2016 15:31    Titel: Antworten mit Zitat

Köln, etwa?
unscharf stahlschimmerndes suchen, rastlos.


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Literättin
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Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 26.09.2016 12:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nachdem ich zwei Tage lang erkältungsmäßig etwas außer Gefecht war, schreibe ich jetzt auch noch etwas. Zunächst meinen erfreuten Dank an alle Kommentierer und Punkteschenker smile ! Mich hat das sehr gefreut und freut mich noch sehr, dass mein (recht persönliches) Köln (ja, Köln)-Gedicht Anklang gefunden hat.

Ich will inhaltlich auch gar nicht viel dazu sagen. Nur so viel, dass es kein "Rausch"-(im Sinne von Kölsch-Konsum lol )Gedicht ist. Alle anderen Sicht- und Leseweisen kann ich so stehen lassen.

Zur Entstehung: verrückter Weise kam es mir in den Sinn, als ich die Prosa-Aufgabenstellung las. Ich hatte - aus welchem Grund auch immer (ich glaube, es war bei dem Punkt mit dem Beine-Einknicken) - sofort einen bestimmt-unbestimmten Blickwinkel am Barbarossaplatz im Kopf, den Anblick eines bestimmten Hochhauses (das im Gedicht gar nicht vorkommt) und einen bestimmten Stress- und Verwirrungspegel. Es kam in meinem Leben öfter vor, da stand ich am Barbarossaplatz (dem für mich stressigsten in Köln, obwohl es vermutlich umtostere Plätze gibt) und fühlte mich ungefähr so, wie ich es dann hier im Wettbewerb in stressigen zwei Stunden in Verse gefasst habe.

Was mich in diesen zwei Stunden überrascht und beglückt hat, war die Tatsache, dass diese Verse quasi wie in einem Guss aus mir herausflossen, ich sie dann zwei- dreimal überarbeitete und umkrempelte, nur um danach nahezu wieder beim Original-Rohzustand zu landen, weil dieser sich für mich am stimmigsten anfühlte.

Es lag dann ein gewisses Wagnis darin, es tatsächlich abzuschicken (und nicht wieder zurückzuholen aus dem Postausgang), weil es mir denkbar unfertig und eben "roh" vorkam und dazu auch noch so persönlich (was ja niemand merken muss). Aber ich stelle immer öfter fest, dass es genau dieses Schreiben ist, das mich befreit und beflügelt, auch schreibend immer wieder neu anzusetzen.

Und zuletzt: Ich lese es heute tatsächlich immer wieder gerne. Weil ich inzwischen zuhause bin wink.
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