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wo du steckst

 

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Lesezeichenpoesie 05/2017
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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 696
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 21.05.2017 18:00    Titel: wo du steckst eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat





      die zeit zurück
      schneiden. wieder
      lesen: mitten
      drin, wo du steckst

      aufschlagen, mich
      durchbeißen und
      mitgehangen
      sein oder nichts

      mehr sehen als:
      filigran der
      durchscheinenden
      zeichen. geflecht

      mich wehren im
      suchen. fremder
      albgrimassen
      herrin werden:
      zuschlagen

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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 21.05.2017 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour,

dein Beitrag gefällt mir ausgesprochen gut. Du erfüllst für mich die Vorgaben und dir ist ein schönes Lesezeichen gelungen.

dix points.

Merci beaucoup,
Constantine
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Stimmgabel
Geschlecht:männlichBestseller-Autor


Beiträge: 4381
Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 22.05.2017 01:34    Titel: Antworten mit Zitat

-


Stolpert Lesezeichen [ scheinbar für dieses Lesezeichen ein existenzieller Kampf gegen Text und Geist der Albgrimasse Wink ] über den text_boden, queren L unentwegt Ästelungen und tückische Blattlaubmulden  / bleiben Verlockungen und verschlossene Türen, die big Frage: weiterlesen und sich weiter wehren oder nicht, wohin ... dann doch ... bis ...

die letzte Strophe bricht mir zu plötzlich den bisherigen Duktus ohne erkennbaren Grund, mir dann auch zu kryptisch, allgemeinplätzig, zu pointe'isch aufgesetzt ...



Gruß Stimmgabel ...


-


_________________
Gabel im Mund / nicht so hastig...
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1760
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 22.05.2017 07:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das ist schön, das ist durchdacht und das hat seinen Reiz. Es nimmt mich als Buchleser mit hinein in den Prozess des Aneignens, des mich Auseinandersetzens mit dem Buch, seinem Inhalt, seiner Botschaft und dem, was ein zunächst noch fremder Text, diese eigene, eigenartige Welt mit mir macht, wie es mich fordert, wie es mich verändert. Und das auf so wenig Raum! Starkes kleines Stückchen. Ein Hauch von einem winzigen Manko: Die moderne Machart, die scheint mir nicht so recht zur Gestalt des Zeichens zu passen. Trotzdem ganz oben. Auch der Titel: fein getroffen. smile
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5676
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 22.05.2017 22:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Vorgaben so verstanden, dass der Lesezeichentext auf irgendeine Art sich auf die Funktion eines Lesezeichens beziehen soll. Das war ein wesentlicher Grund für die Auswahl der Texte, die ich unter Zeitdruck kommentiere.

Dieser Text macht das sehr schön.

mitten drin, wo du steckst.

Aufschlagen, zuschlagen, und das, was dazwischen steht.
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Longo
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 863



BeitragVerfasst am: 23.05.2017 08:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ein guter Text. Man spürt, dass die Alpgrimassen eine gewisse Macht ausüben. Vielleicht noch ein Hauch mehr mit Bezug zum eigentlichen Romantext, dann wäre er ganz vorne dabei gewesen. Sprachlich: Mit „zeit zurück schneiden“ und „mitgehangen (sein)“ habe ich bezüglich meines Sprach- und Vorstellungsgefühls leichte Probleme, das eckt bisschen. Insgesamt 7 Punkte.

MFG Longo
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Municat
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 51
Beiträge: 288
Wohnort: Zwischen München und Ingolstadt


BeitragVerfasst am: 24.05.2017 13:51    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber unbekannter Dichter,

ich habe leider ziemlich wenig Ahnung von Lyrik. Meine Vorstellung geht nicht weit über Songtexte und gereimte, rythmische Texte hinaus. Den übrigen Beiträgen zu diesem Wettbewerb sehe ich an, dass moderne Lyrik mit der Moritaten-Schreiberei, die ich für Geburtstage ab und an von mir gebe, nicht viel zu tun hat. Ich werde also keine Stilmittel bewerten, weil ich nicht beurteilen kann, was in moderner Lyrik möglich, gut, verpöhnt oder schlecht ist. Ich werde nach meinem subjektiven Eindruck werten, nach dem Gefühl, das der Text bei mir verursacht ... und natürlich danach, ob ich die Vorgaben irgendwie sehe. Also bitte nicht böse sein, wenn ich wahrte Perlen nicht erkenne oder plumpe Versuche gutheiße.

Bei Dir sehe ich das aufklappen des Buches dort, wo das Lesezeichen steckt. Der Leser muss sich durchbeißen, fühlt sich an der Stelle nicht wirlich wohl, weil er mir gruseligem Inhalt kämpft und schlägt das Buch wieder zu. Schade für das arme Lesezeichen.

Punkte vergebe ich erst, wenn ich alle Gedichte gelesen habe.


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 100
Beiträge: 1671
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 24.05.2017 16:12    Titel: Antworten mit Zitat

Auf jeden Fall oberes Drittel.

Muss allerdings noch mehr Vergleiche anstellen.

m.

Edit: Nachdem ich das getan habe, gefällt mir dieser Text am zweitbesten.


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Alles Amok! (Anita Augustin)
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
Beiträge: 1152
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 24.05.2017 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Da steckt es drin, das Lesezeichen mit dem kleinen Dämon darauf. Das lyrische Ich liest, blättert zurück, erkennt, dass das geschriebene Wort bereits etwas Vergangenes ist, beißt sich durch, wird nicht ganz Herr(in) der Vergangenheit, des Autors bzw. der Geschichte, die er schrieb (vielleicht, weil es sich um Albtraumhaftes handelt?) und schlägt das Buch schließlich zu - offenbar handelt es sich um ein scheußliches Werk.
Mir ist das Gedicht etwas zu passiv und vergangenheitsbezogen, ich mags dann doch lieber zukunftsorientiert. Obwohl: Es passt gut zum Lesezeichen. Bin noch unentschlossen, ob es in meine Top-Ten kommt.
Es sind zwei Pünktchen geworden.


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Meer
ein Rauschen unter den Füßen
bewegen sich Blätter fliegen

zerstäuben im Wind
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Eulenbaum
Autor


Beiträge: 848



BeitragVerfasst am: 26.05.2017 14:11    Titel: Re: wo du steckst Antworten mit Zitat

Postkartenprosa hat Folgendes geschrieben:




      die zeit zurück
      schneiden. wieder
      lesen: mitten
      drin, wo du steckst

      aufschlagen, mich
      durchbeißen und
      mitgehangen
      sein oder nichts

      mehr sehen als:
      filigran der
      durchscheinenden
      zeichen. geflecht

      mich wehren im
      suchen. fremder
      albgrimassen
      herrin werden:
      zuschlagen


Das Lesezeichen, das zurückgelassen wurde.

Das nicht beim Lesen "mitgenommen" wurde.

Ich glaube, das ist mein Favorit. Die einzelnen Sequenzen sind bedenkenswert, auch wenn man sie mehrmals liest, in verschiedenen Sequenzn ist so viel Inhalt, auf ungewöhnliche Weise in Sprache gebracht.

Diese Sequenzen haben ein Eigengewicht, das den Text interessant macht, auch bei mehrmaligem Bedenken.

Ich denke, das werden die 12 Punkte.

Gruß,
Eulenbaum
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


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Das Silberne Pfand Lezepo 2015
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BeitragVerfasst am: 27.05.2017 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

zunächst ein Platzhalter für den Kommentar

Wo du steckst - das Lesezeichen/ sie, die Leserin zu sich selbst..
Sie benutzt das Lesezeichen als Hilfsmittel in ihrem Buch.

Gefällt mir in seiner unaufdringlichen, nicht verkomplizierten Art.

Lieber Gruß
Zinna


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Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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gold
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Alter: 65
Beiträge: 5415
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DSFo-Sponsor Ei 10


BeitragVerfasst am: 28.05.2017 09:50    Titel: Antworten mit Zitat

Obwohl mir dieser Text mit Ausnahme des Ausdrucks "die Zeit zurückschneiden" gefällt, tue ich mich schwer, ihn zu kommentieren.

 "die Zeit zurückschneiden"
 ist mir irgendwie zu destruktiv.


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es sind die Krähen
die zetern
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Make Tofu Not War (Goshka Macuga)
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 960
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 28.05.2017 09:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ganz schön brutal, aber gefällt mir! Gratulation: Von mir gibt es den 3. Platz und damit satte 8 Punkte! Smile

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"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Gühernder Hass", acabus Verlag, Frühjahr 2019.
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Aranka
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


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Wohnort: Umkreis Mönchengladbach
Pokapro und Lezepo 2014



BeitragVerfasst am: 30.05.2017 00:19    Titel: Antworten mit Zitat

Das Lesezeichen: Kompass und Standortprotokoll im Lesekampf

Das Lesezeichen wird mMn hier gesehen als „Standortbestimmung“ in zweierlei Hinsicht:
a) rein auf die Buchseite bezogen: an welcher Stelle im Buch befinde ich mich als Leser
b) wo befinde ich mich emotional in der Auseinandersetzung, was passiert mit mir, dem Leser, wenn ich wieder und wieder einsteige / was passiert mit den Figuren im Buch / was mit der Zeit ...

Mir fällt auf, dass hier der „Leseprozess“ ein anstrengender ist. Verben wie: sich durchbeißen, sich wehren, zuschlagen holen mir eher ein Gefecht vor Augen, denn ein Geflecht. (lese das auch als so gewollt, daher das blass blaue „l“ im Wort Geflecht)

Ich kann diesen Lesezeichengedanken bedingt folgen und beschließe, es muss am Inhalt des Buches liegen, in dem sich fremde „Albgrimassen“ tummeln.
Vielleicht hat der Autor sogar ein konkretes Buch vor Augen. Oder ist die „Albgrimasse“ der Versuch einer Anknüpfung an das vorgegebene Bildmotiv?
Mir erscheinen diese letzten drei Zeilen nicht wirklich gelungen.

Der Anfang des Textes lässt mich besser mitgehen.

Es gibt Umbrüche, die gut gesetzt sind und dem Leser Textspielräume öffnen. Manchmal spürt man jedoch den Zwang der vier Silben.

Der Text bekommt sicherlich Punkte. Mal sehen, an welcher Stelle er sich in meiner Rangliste einreihen wird, wenn ich alle Texte kommentiert habe.


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Terhoven
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 329



BeitragVerfasst am: 30.05.2017 20:00    Titel: Re: wo du steckst Antworten mit Zitat

Ich als Lyriklaie kann nur bewerten, ob Bilder bei mir anschlagen.

Ich weiss nicht, was ich von zeit zurück schneiden halten soll. Aber es bleibt irgendwie hängen. Das ist schonmal super.

Ganz groß, weil starker Kontrast:
Zitat:
mitgehangen
sein oder nichts


Mag ich nicht (find ich floskelhaft, pardon):
Zitat:
mich wehren im
suchen.


Wieder großartig, weil doppeldeutig:
Zitat:
herrin werden:
zuschlagen


Mir gefällt auch, dass ich Strophe 1 und 2 alleine oder übergreifend lesen kann, ebenso Strophe 2 und 3.
Bei Strophe 3 und 4 klappt das leider nicht, vielleicht mag ich deshalb auch nicht dieses mich wehren im suchen.

Aber insgesamt ein sehr schönes Lesezeichen.
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V.K.B.
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Beiträge: 1441
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 02.06.2017 10:04    Titel: Antworten mit Zitat

Da ich zu Lyrik sowieso nur wenig Qualifiziertes sagen kann, nur ein stummer Bewertungskommentar, um bepunkten zu können. Denn bepunkten will ich trotzdem. Auch auf die Gefahr hin, dass meine Bewertung nicht wirklich qualifiziert ist, sondern größtenteils mein persönliches Gefallen an dem Gedicht, Originalität der Sprache sowie von mir erkennbaren Themenbezug widerspiegelt.

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»Sticks & stones may break your bones – but words … they will define you!«
(Phil Orani)
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albaa
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Beiträge: 143



BeitragVerfasst am: 03.06.2017 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lorraine,

Herzliche Glückwünsche! Mich macht das ganz wuselig, dass ich bei der Einschätzung deiner Lyrik immer so weit vom Mainstream entfernt bin. Dein Beitrag liegt mit großem Abstand an der Spitze und ich begreife nicht warum.

In meinem Ranking hatte er 0 Punkte. Und so war es schon in einem anderen Wettbewerb.

Was begreife ich nicht an deiner Poesie? Die Kommentare der anderen geben mir keine wirklichen Aufschlüsse. Ich versuche es nochmals:

Zitat:
die zeit zurück
schneiden. wieder
lesen: mitten
drin, wo du steckst


" zrückschneiden"?? Ich kann hier weit und breit kein Schneidewerkzeug erkennen.

aufschlagen, mich
durchbeißen und
mitgehangen
sein oder nichts

***gähn***

mehr sehen als:
filigran der
durchscheinenden
zeichen. geflecht

*??* wo ist hier ein "Filigran durchscheinender Zeichen" - in deinem Gedicht jedenfalls nicht - und was interessiert mich der Kampf des LI mit dem Inhalt des Buches,  wenn ich nicht einmal andeutungsweise erfahre, worum es da geht und was das LI für Probleme damit hat?

mich wehren im
suchen. fremder
albgrimassen
herrin werden:
zuschlagen

"mich wehren im suchen" - klingt mir nach einer dieser Leerformeln aus Esoterikkreisen, die völlig inhaltslos, aber leicht nachzuplappern sind.

"fremder grimassen herrin werden: zuschlagen" - erscheint mir nichsagend und allgemeinplätzig.

Ich wäre wirklich froh, wenn mir jemand für mich verständliche Argumente liefern könnte, warum dieses Werk diesen Spitzenplatz verdient hat, weil ich es nicht mag, wenn ich jemanden Unrecht tue.


Lieben Gruß
albaa
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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 696
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 04.06.2017 07:11    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schlüge ich ein Buch (wieder) auf, dort, wo dieses Lesezeichen steckte, dann müsste ich durchaus die Zeit zurückschneiden, das Verholzte, alles, was inzwischen passiert ist, woanders gelesen wurde und so womöglich die (Rück-)Sicht versperrt, wegschneiden, um weiterlesen zu können.
Auf das Motiv bezogen, kann ich sagen: Ein aus dem Holz eines Baumes geschnittenes, zum Schrei verzerrtes und im Schreien erstarrtes Gesicht: Erst einmal wuchs ein Baum, wurde Jahr um Jahr die Zeit in Ringe gelegt, unabhängig davon, was irgendjemand viele Jahre später, nachdem der Baum gefällt und sein Holz zu Material geworden sein würde, damit anstellen sollte.

Um diesem Holz seine Grimasse schneiden zu können, hat jemand um das, was heute noch zu sehen ist, seinerzeit das Material bearbeitet, ins Holz hinein geschnitten. Alles, was quer oder längs der verholzten Zeit entlang herausgeschält wurde, hat keine Bedeutung mehr; was ich betrachte, ist die Abbildung dessen, was zumindest bis zum Moment des Abfotografierens sichtbar geblieben ist. Ich lese einem Gesicht den Schrei ab, der ihm ins Gesicht geschrieben steht, Ornamente, Spiralen sind außerdem zu sehen. Für den, der die Grimasse geschnitten hat, steckte sie mitten drin im Holz – er hat sie sichtbar gemacht. Was ich sehe, ihr ablese, hat immer mit Kontext zu tun. Einem Drumherum. In diesem Fall (des »ausgeschnittenen«, zum Lesezeichen bestimmten Motivs) ist das Drumherum ein Buch, das zu lesen ich schon begonnen hätte, sonst steckte kein Lesezeichen drin.

Wenn ich mich darauf einlasse, ein Gedicht nach Vorgaben zu verfassen, dann muss ich das Widersinnige des Unterfangens hintanstellen und schauen, ob eins oder mehrere »meiner Themen« darin stecken, um überhaupt etwas formen zu können.
Für mich steckte dieses Lesezeichen also mitten in einem Buch, dessen Lektüre ich in meiner Vorstellung nach langer Unterbrechung wieder aufgenommen hätte. Ich schlage auf, platze sozusagen mitten rein, muss den Faden aufnehmen, den ich vielleicht verloren habe, sehe schon Gelesenes als von der Rückseite her durchscheinende (Wasser-)Zeichen, weiß, dass ein Teil von mir bereits mit diesem Text verflochten ist. Es ist doch so: Lesen (und das gilt auch für Gedichte), es ist ein Sich-Einlassen. Worauf ich mich einlasse, entscheide ich zwar selbst, das heißt aber nicht, dass irgendein Text (Gewebe) nach einem mir (gefälligst) gefälligen Muster hergestellt sein muss.
Dieses Buch, von dem im Gedicht die Rede ist, ist eins von denen, die ambivalente Lesegefühle auslösen. »Wo du steckst« - geht es da nur ums Lesezeichen und um die Stelle im Buch, wo das Lesen unterbrochen wurde?
Es gibt ein »bis dahin« und ein »ab dort«; Lesen, das bedeutet durchaus (für mich), den eigenen Dämonen begegnen zu müssen, manchmal auch: gefangen zu sein; im Extremfall: das Eigene vorübergehend zu verlieren. Es passiert mir durchaus, dass eine Art Gefecht stattfindet, dass ich mich wehre gegen das, was ich lese; nicht vereinnahmt werden will, von der Sicht, den Gefühlen, der Technik oder gar der Sprache des Autors. Wenn es nicht so sehr um den Pakt geht, den ich für die Zeit des Aufenthalts in einer erzählten Welt schließe, sondern darum, dass ich manipuliert werden soll, oder geblendet, dann kann es sein, dass ich zuschlage. Das Buch, die Tür. Wie auch immer.
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Stimmgabel
Geschlecht:männlichBestseller-Autor


Beiträge: 4381
Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 05.06.2017 00:35    Titel: Antworten mit Zitat

-

Lorraine hat Folgendes geschrieben:

Es ist doch so:
Lesen (und das gilt auch für Gedichte), es ist ein Sich-Einlassen. Worauf ich mich einlasse, entscheide ich zwar selbst, das heißt aber nicht, dass irgendein Text (Gewebe) nach einem mir (gefälligst) gefälligen Muster hergestellt sein muss.

---------------------------------------

 
... dass ich mich wehre gegen das, was ich lese; nicht vereinnahmt werden will, von der Sicht, den Gefühlen, der Technik oder gar der Sprache des Autors.
.


Hallo Lorraine,

nicht nur, dass ich diesen quasi unsäglichen Einton-Kampf dieses gedichteten Lesezeichens [ oder den dahinter stehenden Leser ] in seinem quäl_Grund nicht verstand, verstehe [ wird ja auch in keiner Weise im Kontext konturiert ], verstehe ich noch viel weniger deine obige Erklärung, die mMn einzig einen unüberwindbaren Widerspruch beinhaltet.

Dort: einerseits stellst du quasi als Maxime das sich Einlassen auf den Text voran [ ein fremd_Text ist ja quasi kein Wunschkonzert ], andererseits wehrst du dich mit Händen und Füßen als Leser, vom Text des Autoren, von den Gedanken des Textes irgendwie vereinnahmt zu werden ...

... ja, was denn nun? Geht's dir um einen frend_Text mit fremden Gedanken oder geht's dir darum, dass du diesen Text in deinem Kopf umschreibst?

ehrlich, so etwas verstehe ich nicht Embarassed

... anscheinbar geht's hier den meisten Kommentierern sehr ähnlich deinem wohl permanent_Kampf beim Lesen ... verstehe, deswegen ... Wink

obwohl sie sich ja eigentlich gegen deinen text_Gedanken wehren müssten [ gemäß deiner Einforderung ].


Gruß Stimmgabel ...


-


_________________
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Oliver.Twist
Schreiber-Lehrling

Alter: 33
Beiträge: 123
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BeitragVerfasst am: 05.06.2017 01:07    Titel: Antworten mit Zitat

Die Aufgabenstellung nötigt einen ja zur Silbenzählerei. Wenn man diese mal betreibt, merkt man ja, dass Du das Angebot der versweisen Viersilbigkeit weitgehend im Sinne eines durchgehenden Gleichmaßes ausgeschöpft hast. Der "Lesefluss" (des lesezeichenpoetischen Gedichts wie des imaginären Buches) wird lediglich im finalen Vers gebrochen: mit dem Zuschlagen des Buches. Auch die Überschrift fügt sich nicht dem allzugewohnten 4/4-Takt: mit "wo du steckst" könnte sich hier eine (wiedererwachte) Neugier ankündigen, die noch nicht durch eine abrundende vierte Zählzeit gesättigt wird.

Das "Zurückschneiden" könnte man auch als den reverse Vorgang jedes "Zuschlagens" begreifen, bei dem die noch zu verlebenden Minuten und Stunden der Buch-Zeit mit einem sie brechenden Ruck en bloc "vorgezogen" bzw. "übersprungen" werden.

Sprachstilistisch mag ich die recht organische Fügung aus Alltagsdeutsch ("mittendrin, wo du steckst") und dem Poetisch-Pathetischen (wie im sächsischen Genitiv von "fremder Albgrimassen Herrin") ganz gern.

A propos Holz, Jahresringe etc.: ich hätte angesichts der Abbildung gedacht, dass es sich eher um Bronze handelt? (So gefällig die Metapher auch ist, "einem Holz seine Grimasse zu schneiden"...)

Das Stilmittel der "durchscheinenden" Schrift ist in dem von Dir ins Feld geführten Sinne nur sinnfällig, wenn das Lesezeichen auf der bereits gelesenen (in westlichen Schriftkulturen also linken) Buchseite liegt. Ich bin auch nicht überzeugt von der Anwendung eines so avantgardistischen/elektronikaffinen Stilmittels im Kontext eines (noch dazu recht "traditionell" daherkommenden) Lesezeichens.

Wenn ich eine Kleinigkeit ändern würde, würde ich aus "Wo du steckst" (im vierten Vers; ad libitum auch im Titel) "Wo ich steck" machen. Ich erläuter das nicht weiter, das kannst du ganz gut selber ;-) Glückwunsch zum wohlverdienten Preis!
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albaa
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 143



BeitragVerfasst am: 05.06.2017 10:47    Titel: Re: wo du steckst Antworten mit Zitat

Zitat:
      die zeit zurück
      schneiden. wieder
      lesen: mitten
      drin, wo du steckst

      aufschlagen, mich
      durchbeißen und
      mitgehangen
      sein oder nichts

      mehr sehen als:
      filigran der
      durchscheinenden
      zeichen. geflecht

      mich wehren im
      suchen. fremder
      albgrimassen
      herrin werden:
      zuschlagen


Hallo Lorraine,

Danke für deine ausführliche Stellungnahme! Das erleichtert mir den Zugang und ich kann dabei viel von dir lernen.

Zitat:
Um diesem Holz seine Grimasse schneiden zu können, hat jemand um das, was heute noch zu sehen ist, seinerzeit das Material bearbeitet, ins Holz hinein geschnitten. Alles, was quer oder längs der verholzten Zeit entlang herausgeschält wurde, hat keine Bedeutung mehr; was ich betrachte, ist die Abbildung dessen, was zumindest bis zum Moment des Abfotografierens sichtbar geblieben ist. Ich lese einem Gesicht den Schrei ab, der ihm ins Gesicht geschrieben steht, Ornamente, Spiralen sind außerdem zu sehen. Für den, der die Grimasse geschnitten hat, steckte sie mitten drin im Holz – er hat sie sichtbar gemacht.


Das erste Problem war schon, dass ich nicht wusste, dass das Lesezeichen aus Holz ist und das geht aus deinem Gedicht auch in keinster Weise hervor. Es bleibt natürlich in diesem schmalen Lesezeichen wenig Platz, aber in deinem Kommi steckt ja allerhand Bildliches, das man verwenden könnte, nur als Gedanke: Verholztes weg / schneiden suchen / wo du  steckst / mitten drin
statt der abstrakten "Zeit", die es ja bekanntlich gar nicht gibt wink

Zitat:
... dass ich mich wehre gegen das, was ich lese; nicht vereinnahmt werden will, von der Sicht, den Gefühlen, der Technik oder gar der Sprache des Autors. Wenn es nicht so sehr um den Pakt geht, den ich für die Zeit des Aufenthalts in einer erzählten Welt schließe, sondern darum, dass ich manipuliert werden soll, oder geblendet, dann kann es sein, dass ich zuschlage. Das Buch, die Tür. Wie auch immer.


Das ist hier der spannenste Teil deiner Anwort: Im Gedicht wird nicht klar, was dem LI nicht gefällt, Inhalt, Sichtweise, Gefühle, Technik, ja vielleicht sogar eine politische Einstellung oder Fachwissen, wenn es ein Sachbuch ist - vielleicht komme ich deshalb nicht in den Text hinein.

Ich spüre nicht, was das LI bewegt. Ist es Angst, ist es Ärger, einfach Langeweile - ich spüre nichts. Am ehesten dachte ich an Angst wegen der "Albgrimmassen"

Aber wenn ich deine Erklärung lese, dann steht da: "manipuliert und geblendet" (Egal, ob das nun wirklich die Absicht des Buchautor ist oder nur eine Empfindung/gar Projektion des LI.)  

Aber das lese ich nicht im Gedicht. Ich bin mir ziemlich sicher, du kannst das auch auf diesem "kleinsten Raum" präziser treffen.

Ich habe immer noch den Eindruck, dass es dir nicht gelungen ist, die Grimasse aus dem Holz herauszulösen, sondern dass es ein stellenweise ziemlich floskelhaftes Herumschreiben um den "heißen Brei" geworden ist.
Tut mir leid! Es ist nur meine subjekte, vielleicht völlig falsche Sicht und Empfindung, und mir ist bewusst, wie schwer diese Aufgabe war Für mich war sie jedenfalls zu schwer!.
Lieben Gruß
albaa
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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 696
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 06.06.2017 05:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Möchte mich gern noch bei allen bedanken, die das Gedicht kommentiert und bepunktet haben - mich wundert im Nachhinein, warum es so viele Punkte geworden sind, gefreut hatte ich mich dennoch, als ich am Samstagmorgen das Ergebnis entdeckt habe.
Ich hätte jedem eurer Kommentare geantwortet, das hat sich verzögert und ist, denke ich, inzwischen hinfällig - mich hat das, was albaa dem Gedicht bzw. mir schrieb, nach dem eigentlichen Wettbewerb, weniger kalt gelassen, als mir lieb wäre. Weniger des Inhalts, sondern der Art wegen.
Die Antwort, die folgte, galt weniger ihr, sondern v.a. all denen, die die ersten Verse hinterfragt hatten.
Stimmgabel? Deine Kommentare zu beantworten, dazu habe ich im Moment leider die Energie nicht, nimm es nicht persönlich, wenn's geht.
Oliver.Twist - ich weiss es sehr zu schätzen, dass du da warst, nicht zum ersten Mal geht es mir so: du bringst Lob und Kritik auf eine Art unter, die mir tatsächlich etwas sagt. Dankeschön.

*Habe gelöscht, was zuvor an dieser Stelle stand - mir ging mein eigenes Gedröhn auf die Nerven.
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