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Hedda kämpft


 

 
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Literättin
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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
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BeitragVerfasst am: 19.09.2019 09:25    Titel: Hedda kämpft eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hedda kämpft

Hedda kämpft mit fröhlichen
Pfunden von einst, mit Dahlien vom Sommer
einem Zahn, der die Zunge
im Zaum hält
manchmal

gerät sie außer sich:
über ihr wohnen welche, die -
und es ist schwer geworden
Zwiebeln für den Winter
in den Keller
- und über ihr und früher
der ganze Garten
am liebsten wollte sie

Hausmädchen, die Kinder
der Herrschaft auf dem Schoß
Kartoffeln ziehen: feines Gespinst
aus Wurzeln im ersten Jahr
und heute - sie sperrt
den Mund weit
ein Zahn leuchtet im Dunkel
die Pfunde von einst zittern
Hedda kämpft



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when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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wunderkerze
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Beiträge: 98



BeitragVerfasst am: 19.09.2019 12:48    Titel: Antwort Antworten mit Zitat

Hallo Literättin,

ich lese von (Zitat) 'einem Zahn, der die Zunge im Zaum hält' und staune: Ähnliches ist auch bei mir der Fall. Ich stürzte gesten über den Hund, seitdem ist mein zweitschönstes Körperteil, der große Schneidezahn, locker und hält meine Zunge im Zaum, seltsame Kongruenz von Poesie und Wirklichkeit.
Ich habe da so meine eigene Art, Gedichte zu beurteilen, nämlich nach dem Geruch, den ich beim Lesen empfinde, und deines riecht, nach Zwiebeln, feuchtem Keller, dampfendem Ackerboden, und es ist gut so. Trotzdem habe ich ein paar Einwände.

Zitat
Hedda kämpft mit fröhlichen
Pfunden von einst,...

Wieso von einst? kann man mit solchen Pfunden noch kämpfen?

Zitat:
Kartoffeln ziehen: feines Gespinst
aus Wurzeln im ersten Jahr

Kartoffeln sind einjährig.  Wenn du ein Bild gebrauchst, muss es auch stimmen.

Zitat:
und heute - sie sperrt
den Mund weit

hier fehlt unbedingt 'auf', denn Sperren kann auch Versperren bedeuten, und sie sitzt doch beim Zahnarzt, oder?

LG
wunderkerze


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wunderkerze
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 19.09.2019 14:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Wunderkerze,

schön, dass Du reinschaust.

Deine Eigenarbeit am Gedicht ist ja beträchtlich - ich hoffe, das liegt nicht hauptsächlich daran, dass meine bescheidenen Verse zu leer daherkommen, dass Du sie mit Gerüchen und einem nicht vorhandenen Zahnarzt füllen musst.

Ein paar Hinweise, sind ja doch schon auch drin, die anderes mitbringen.

Wie auch immer. Gerne gelesen, deinen Kommentar und hier ein paar Antworten:

Man kann mit Pfunden von einst kämpfen. Mit fröhlichen erst recht. Dich erreicht diese Formulierung, das Bild, die Idee darin nicht. Mal sehen, was andere dazu sagen. Und ob es am Gedicht liegt.

Die Kartoffeln werden hier gezogen (aus Saatgut), nicht gesetzt (die Saatkartoffeln). Von daher brauchen sie schon ein bisschen länger als ein Jahr.

Das Sperren ohne "auf": Da steckt ein anderes Bild mit drin, das vielleicht jemand anderem aufgehen könnte, weshalb ich es hier nicht verrate.

Danke fürs Kommentieren smile!

LG, Literättin


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Lorraine
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Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 19.09.2019 17:45    Titel: Re: Hedda kämpft Antworten mit Zitat

Literättin hat Folgendes geschrieben:
Hedda kämpft

Hedda kämpft mit fröhlichen
Pfunden von einst, mit Dahlien vom Sommer
einem Zahn, der die Zunge
im Zaum hält
manchmal

gerät sie außer sich:
über ihr wohnen welche, die -
und es ist schwer geworden
Zwiebeln für den Winter
in den Keller
- und über ihr und früher
der ganze Garten
am liebsten wollte sie

Hausmädchen, die Kinder
der Herrschaft auf dem Schoß
Kartoffeln ziehen: feines Gespinst
aus Wurzeln im ersten Jahr
und heute - sie sperrt
den Mund weit
ein Zahn leuchtet im Dunkel
die Pfunde von einst zittern
Hedda kämpft



Hallo Literättin,

Die Frau mit dem kämpferischen Namen verlassen die Kräfte, und sie wird manchmal wütend, nicht nur über sich selbst. Sie hat ihr Leben lang hart gearbeitet und war wohl kräftig gebaut, hatte, was man üppige Formen nennen konnte.
Vielleicht ist sie gerade im Keller, weil sie die Dahlien dort zum Überwintern einlagert. Sie ist alt geworden, vielleicht ist sie krank, hat an Gewicht und Muskelmasse eingebüsst, und alles schlaffe, gar nicht mehr fröhliche Zuviel am Körper zittert mit, wenn sie sich zu sehr anstrengt.

Der Zahn, der die Zunge im Zaum hält - vielleicht einer, der wenig andere um sich hat, vielleicht schämt sie sich, den Mund aufzumachen, wenn sie eigentlich mal schimpfen möchte, oder um Hilfe bitten. Die ihr dort, wo sie wohnt, keiner anbietet?

In der mittleren Strophe, nach dem Doppelpunkt, leitest du eine Art direkter Rede ein, die, so nehme ich an, ihr stammelndes Schimpfen oder auch eine sprunghafte Ausdrucksweise darstellt, ein "Alles-auf-einmal" von jemand, dem ohnehin keiner zuhört. Das "wollte sie" weist eher auf eine indirekte Rede hin, insgesamt passt die Ausdrucksweise in der zweiten Strophe für mich nicht recht zu den beiden einrahmenden Strophen, die erzählen ja von Hedda, warum also nicht die erste Person sprechen lassen, wenn schon in ihre Sprache gewechselt wird?

gerät sie außer sich:
über mir wohnen welche, die -
und es ist schwer geworden
Zwiebeln für den Winter
in den Keller
- und über mir und früher
der ganze Garten
am liebsten würd ich

Die dritte Strophe, da ist wieder der Erzählton, die Gedicht-Sprache, mit dem Bild der zitternden Pfunde, und es scheint Heddas letzter Kampf zu sein, der jetzt stattfindet. Sie ringt nach Atem, sie ist allein, sie wehrt sich, bestimmt hat sie Angst.

Die Sache mit dem 'Kartoffeln ziehen' habe ich zuerst falsch interpretiert, obwohl das Wort auf genau das hinweist, was du ja meinst. Ich hatte an eine Missernte (im ersten Jahr) gedacht, also vor langer Zeit, vielleicht in den Nachkriegsjahren ... aber das Bild soll ja auch, denke ich jetzt, mit der Geduld des Kindermädchens verknüpft werden, und der Verantwortung, die es trug, der wichtigen Rolle, die Hedda spielte.

Bestimmt gäbe es noch mehr zu sagen, ich wollte dir nur mal mein Lesen beschreiben und auch das "Anecken", was die zweite Strophe angeht.

Ich finde viel Gutes dran und drin, du beschränkst dich hier auf wenig Bilder, überlädst den Text nicht mit Rundumschläglichem. Wie weit man dann selbst denkt, Altersarmut, Gesundheitsvorsorge, Verzicht und Konsequenzen, uvm - das bleibt einem als Leser überlassen.

VlG von hier
lang ist's her
Lorraine
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 19.09.2019 19:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Lorraine,

hier eine vielleicht dürftig klingende Antwort, was dann daran liegt, dass Du meine Hedda so trefflich beschreibst in deinen Worten deiner Lesart, dass mir Tränen im Hals stecken bleiben, welche der Freude, weil dieses kleine Versdenkmal ..., also dass da was gelungen zu sein scheint.

Und ich gebe dir nach einer Nachdenksekunde recht mit der mittleren Strophe. Ich füge mal neu ein und ändere gleich auch noch ein bisschen mehr in Strophe 2 Vers 3 und Strophe 3 Vers 7 :



Hedda kämpft

Hedda kämpft mit fröhlichen
Pfunden von einst, mit Dahlien vom Sommer
einem Zahn, der die Zunge
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und heute - sie sperrt
den Mund weit
der Zahn leuchtet im Dunkel
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Hedda kämpft

Ebensolche Grüße; und DANKE smile

Literättin


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Zinna
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BeitragVerfasst am: 19.09.2019 19:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Literättin,

Meine Anmerkungen deckten sich mit denen Lorraines.
Mir kam noch der Gedanke, dass das Pfund auch im Sinne von "ein echtes Pfund, eine Wucht" stünde, im Erinnern an früher, an gute Zeiten als sie noch ihre Frau stehen konnte.
Und das sperren ist (auch) ein zurückziehen, weil ihr das nicht mehr möglich ist.

Es bleibt nach dem Lesen ein Gefühl des Achtens für Hedda.

Sehr gern gelesen
Zinna


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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 19.09.2019 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

So einen Zahn habe ich auch gerade, aber das ist nicht von Bedeutung.
Mir gefällt, wie du mit wenigen Dingen, es sind nicht wirklich Bilder, sondern Dinge, das Leben von Hedda: Gärtnerin, Kindermädchen, Hausangestellte, das zu Ende geht, vermittelst.

Einzig das Ziehen der Kartoffeln scheint mir für Leser schwierig. Ich dachte, es bedeute, sie ernten.
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 20.09.2019 07:24    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Zinna smile, danke First smile,

es tut gut, hier mal wieder so werkeln zu können, dass ich direkt als erstes am Tag hier sitze.

Es tut gut, Zinna, die Achtung für Hedda zurückgemeldet zu bekommen und First von dir die Dinge ihres Lebens.

Die Pfunde, ja das ist auch die Pfundsfrau, die ungelernte, die alles mögliche gemacht hat, machen musste, aber auch gerne tat. Es könnten auch die Pfunde sein, mit denen sie noch fröhlich wuchern konnte, trotz allem.

Ich werkele noch ein wenig weiter. Ich grüble an dem Zahn, der der letzte sein soll, der einzige eine. Dass er allein im Dunkel aufleuchtet, scheint nicht zu genügen, so wie die Kartoffeln noch zu irreführend sind. Aber es ist ja auch so: kein Mensch zieht wirklich noch Kartoffeln (außerhalb von Agrarkonzernen). Das war halt einst so. Mal sehen.

Für heute probiere ich dies:



Hedda kämpft

Hedda kämpft mit fröhlichen
Pfunden von einst
mit Dahlien vom Sommer
dem letzten Zahn, der die Zunge
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Kartoffeln ziehen: feines
Wurzelgespinst der Setzlinge
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den Mund weit
der Zahn leuchtet im Dunkel
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Zinna
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BeitragVerfasst am: 20.09.2019 07:34    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Literättin,
zu den Kartoffeln nochmal.
Die Setzlinge sind eindeutiger, (ich kenne das Vorziehen der Kartoffelpflanzen nicht , nicht einmal aus dem Lehrbuch als "von früher")

Ich könnte mir vorstellen,dass die aufgegangene Saat noch pikiert worden ist?
Vielleicht auch ein mögliches Bilddetail?

LG
Zinna


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BeitragVerfasst am: 21.09.2019 08:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Zinna,

ja, über das Setzlinge pikieren hatte ich auch nachgedacht, als Bild, ich wollte aber die Schwere der Kartoffel mit drin haben und und diese feinen WUrzelgespinste, andererseits dieses Kartoffelpflanzengesamtbild auch nicht überborden lassen im Gedicht, durch den Anzuchtgesamtprozess in seinen ganzen Einzelschritten.

Ich lasse es mal abhängen smile.

LG, Literättin


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menetekel
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BeitragVerfasst am: 25.09.2019 17:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Literättin (schön etwas Neues von dir zu lesen),

es gibt bereits einige wunderbare Kommentare zu deinem Gedicht, so dass ich mich vergleichsweise kurz fassen kann:

Zitat:
Hedda kämpft mit fröhlichen
Pfunden von einst
mit Dahlien vom Sommer
dem letzten Zahn, der die Zunge
im Zaum hält
manchmal


Dies Gruppe lese ich durchgängig als nostalgische, leicht ironische Betrachtung.
Ich sehe Pfunde, mit denen früher gewuchert wurde, verschwinden, ebenso die prachtvollen Dalien des Sommers. Ein letzter Zahn hält die aufmüpfige Zunge im Zaum - ganz wie es erwartet wurde und erwartet wird. Doch nicht durchgängig.

Zitat:
gerät sie außer sich:
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am liebsten würd ich


Hedda wünscht sich einen ruhigen Lebensabend. Doch die "über" ihr ( und das sind fast alle) gewähren nichts. Am liebsten würde sie

Zitat:
Hausmädchen (sein), die Kinder
der Herrschaft auf dem Schoß
Kartoffeln ziehen: feines
Wurzelgespinst der Setzlinge
 - raus auf den Acker
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Hedda kämpft


Indes ist diese Stelle längst besetzt.
Hedda kämpft noch - aber der Fährmann hebt bereits die Ruder.

Gefällt mir gut, besonders in seiner Form.

Liebe Grüße
m.


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Literättin
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BeitragVerfasst am: 27.09.2019 10:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke liebe Menetekel, für deinen Kommentar und deine Lesart.

Allein der Übergang zur letzten Strophe hat dich ein wenig in die Irre geführt.

(...) ich - Hausmädchen (...)

Die Stelle ist nicht besetzt, die Stelle war einmal. Am liebsten würd sie wieder das sein, was sie einmal war.

Ich freue mich, dass Hedda, aufmüpfig, pfundig und nicht gänzlich zahnlos, sich in euren Köpfen breit gemacht hat. smile


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Soleatus
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BeitragVerfasst am: 29.09.2019 11:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Literättin!

Ich habe nach einigen Tagen noch einmal "alt" und "neu" gelesen und komme mit beidem zurecht; müsste ich wählen, gefiele mir die Ursprungsfassung ein klein wenig besser. Aber, in beiden Fällen: ein schöner Text!

Gruß,

Soleatus
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 01.10.2019 12:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Soleatus,

mit ein paar Tagen Abstand habe ich es dir gleichgetan und mir die erste Version noch einmal vergleichsweise zu Gemüte geführt - und ich muss sagen: eine spontane interne Aufwallung meinerseits gibt dir recht. smile Im Vergleich erscheint mir die jüngste nun beinahe zu geschwätzig.

LG, Literättin


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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 18.10.2019 23:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hedda kämpft immer noch (in meinem Kopf), und deshalb schreibe ich jetzt hierzu was, und zwar zur ersten Version, die mich von Anfang an überzeugt hat, weil das eine Lyrik ist, die ich für super aktuell halte; die ein Gefühl realisiert, das unserer aktuellen Zeit sehr deutlich eingeschrieben ist (das aber natürlich auch zeitübergreifend existiert). Was mir hier so gefällt ist der Erzählgestus, der einen Rhythmus nur deshalb erzeugt, damit er ihn wieder funktional brechen kann; nämlich dort, wo die Sprache ihren Zahn ihre Grenzen erreicht, wo nur die einleitenden, allgemeinen Phrasen bleiben, die auf das hinweisen, was in einem Gedichte eigentlich erzählt werden müsste, aber nicht erzählt werden kann, weil Hedda da nicht ran kommt, weil Heddas Kampf für sie kein Kampf ist, für sie sind das Kategorien wie Melancholie oder Wut oder Resignation, die Hedda nicht zu einem sinnvollen Metabegriff kondensiert (und sie muss es nicht, schließlich kämpft sie gegen das Abwesende, so ein Paradoxon muss man erstmal lösen).
Das hat jetzt nichts mehr mit dem Gedicht an sich zu tun, das ja wirklich ein komplett anderes Thema behandelt: Es erinnert mich trotzdem ein bisschen an die Netzsprache von Afd-Wählern und Klimagegnern (auch wenn man denen gerne den einen Zahn in ihren Hals zurück prügeln möchte) --- nicht wegen des Inhalts der Verse, sondern wegen der phrasenhaften Darstellung.
So, man hat glaub ich gemerkt, dass ich gerade fürs Examen lerne und mich gerade peinlich gewählt ausdrücke, daher verabschiede ich mich heute mit

tschüsseldorf
gern gelesen!


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Aranka
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BeitragVerfasst am: 19.10.2019 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Literättin,

nur ganz kurz: ein richtig guter Text: ich beziehe mich auf die erste Version, an der ich nichts ändern würde.

Hedda kämpft: und ich spüre ihren Kampf in allen Zeilen - und noch mehr als ihren Kampf. Es ist einfach gut.

Habe mich gefreut, den Text gefunden zu haben. LG Aranka


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"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

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Literättin
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BeitragVerfasst am: 20.10.2019 08:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo ihr zwei da über mir,

wisst ihr, was mich da besondert freut am Ankommen des kleinen Hedda-Textes?, - dass er im Ursprung nur eine kleine Skizze war, die unter den im Schreibtischgewühl irgendwo hingekritzelten Titelworten entstand. So innerhalb von ein, zwei Minuten. Nur eine Skizze eigentlich. Spontan ins Board gepinnt, weil ich dachte, ich könnte doch eigentlich mal wieder was ordentliches aneinstellen. Herangereift ist er offenbar vorher über Monate und Jahre in Begegnungen mit jenen echten Heddas aus dem echten Leben, die da als Konzentrat eingeflossen sind.

Nein, ich werde daran nichts mehr ändern:


Hedda kämpft

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