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(Prosa) Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte


 

 
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Eredor
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Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 29.08.2014 12:38    Titel: (Prosa) Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte


Der Dampf aus Leos Mund spielte mit dem Mondlicht. Linien schwebten. Linien und Kreise und Wellen und Schlangen. Alle Formen vibrierten im Bass, zerstäubten sich, tanzten und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Der Vollmond verändert uns.
Leo nahm noch einen Zug und verbrannte sich fast die Lippen. Du musst alles bis zum Schluss auskosten. Noch während er die Kippe auf dem Lenkrad ausdrückte, tastete seine andere Hand nach dem Beutel mit dem Gras. Wenn sein Auto hier stehen bleiben wollte, würde Leo sich nicht dagegen sträuben. Im Grunde war es egal, wo er sich befand – in einem Motel wäre er nicht weniger allein gewesen.  
Als der Song endete, hörte man im Auto nur noch das Rascheln von dünnem Papier, während Leos Finger aus dem Tabakhaufen eine Wurst drehten. Irgendwie hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden.

Michał drehte eine weitere Zigarette und ließ die Beine vom Wellblechdach baumeln. Der Mond war riesig heute Nacht. Mondlicht ist Freiheit, Sonne ist Liebe. Irgendwo in der Nachbarschaft bellte ein Hund, jemand rief etwas auf Polnisch und ein Rolladen knallte auf ein Fensterbrett.
Geräusche waren gut. Geräusche lenkten ab von Dingen, über die man nicht nachdenken wollte.
Michał. Dieser Name, der ganz eindeutig polnisch war. Ein komischer Name unter komischen Umständen. Mit Deutschland verband Michał seine Sprache, mit Polen seinen Namen. Nur seinen Namen.
Und jetzt saß er hier auf einem Wellblechdach in Ocice. Bis auf diesen Namen verstand er nichts. Der Mond sah herab auf Michał, beobachtete ihn.

 Leo war auf der Flucht. An jenem Morgen hatte er seinen Wecker ausgestellt, sich ein Glas Whiskey eingeschenkt und die Altklausurensammlung in den Mülleimer geworfen. Er hatte seine Sachen gepackt, den Autoschlüssel umgedreht und war einfach gefahren. Sich krank zu verhalten ist besser als krank zu werden.
Irgendein Gedanke hatte ihn in den Wald gelenkt. Das Auto rumpelte sich über Schlaglöcher hinweg, Äste kratzten am Außenspiegel, und dann: Stille. So oft er es auch versuchte, das Fahrzeug sprang nicht mehr an.
Es musste wohl genau der Ort gewesen sein, an dem er hatte landen wollen. Ein Wald, ein Mond, ein Joint und laute Musik. Alles andere war nicht mehr wichtig.

Michałs Gedanken schweiften ab. Eine Tür knarrte. Der Geruch von Schimmel, verbrannter Milch und kaltem Rauch. Geräusche eines Fernsehers. Orange gestrichene Wände, nur an der Decke war noch das Nikotingelb zu erkennen. Von der Lampe hing ein Fliegenfänger herab – er war voller kleiner, schwarzer Leiber. Großvater blickte ihn an. Seine ausgemergelten Arme umklammerten die Bettstange; ein Fuß, schwarz wie Mohn, lugte unter der Decke hervor.
Aber Michał vergaß alles als er seinem Großvater in die Augen blickte. Eisblau waren sie, eisblau und nass von Tränen. So war das also mit dem Leben: Michał war gewachsen, Großvater war geschrumpft. Michał hatte aufgehört zu weinen, Großvater hatte damit angefangen. Michał konnte einst nicht laufen, jetzt konnte Großvater nicht mehr laufen. „Dziękuję“, schluchzte er leise und seine Augenlider zitterten. „Dziękuję bardzo, Michaszku.“

Mit einem Mal legte sich das Gewicht der Welt auf Leos Oberschenkel. Es lief aus seinem Kopf heraus, rann die Lederjacke herab und sammelte sich auf seinen Oberschenkeln. Es war nichts. Der Wald wurde immer dunstiger durch den Dampf. Leo schloss seine Augen und ließ die Gedanken kommen. War es nicht genau diese Alternanz, die jeder anstrebte? Mit Liebe gab sich keiner zufrieden. Mit Besitz nicht, mit Trauer nicht, mit Erfolgen nicht. Es musste eine Frequenz geben, eine Amplitude. Ein Yin und ein Yang. Einen kalten Tag und einen heißen Tag. Liebe und Freiheit.

Liebe und Freiheit. Michał drückte die Kippe auf dem Wellblechdach aus und sprang. Der Aufprall oszillierte in seinen Knien. Alt und jung. Traum und Realität. Er stieß die Tür auf, setzte sich in die Küche und schlürfte kalten Kaffee im silbrigen Licht des Mondes. In diesem einen Moment als er sich die Zigarette angezündet hatte, war das ein ganz sonderbares Gefühl gewesen. Im Mondlicht, im Wind, in der Freiheit hatte es sich so angefühlt, als säße jemand neben ihm. Und jetzt gab es nur noch den kalten Kaffee, den kalten Rauch, die kalten Augen seines Großvaters.








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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
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Soraja
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Beiträge: 218

DSFx


BeitragVerfasst am: 01.09.2014 07:40    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Eredor, Very Happy

klasse und sehr feinfühlig Deine Geschichte. Du klingst auch toll wir sollten über eine Radiokarriere nachdenken smile

Lieben Gruß Angelina


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Soraja wünscht Dir einen wundervollen Tag
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holg
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Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 01.09.2014 09:16    Titel: Antworten mit Zitat

Draussen ist Nebel. Die Straße, die Bäume, die ich sonst scharf umrissen aus meinem Arbeitszimmer sehen kann, fließen ins weiße Nichts. Ich höre einen Text aus einem Wettbewerb, der völlig unverdient beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Eine mild verzerrte Gitarre schwebt hinter dem Gesprochenen, ein paar Soundschnipsel, erst spät im Text und sparsam eingesetzt, lassen die Wettbewerbsvorgaben mehr erahnen als wissen. Ich lese mit, muss nach jedem Satz auf den Sprecher warten. Das gibt Zeit, in der Wiederholung die Worte zu reflektieren. Das ist wie Lesen mit Echo. Der Text ist unglaublich gut. Er ist voller Melancholie und Leben. Voller Erwachsen und Zauber. Eine Vollmondgeschichte, in der genau drei Dinge stören. Das Wort Alternanz. Es passt nicht in den Zauber dieser Nacht. "Der Aufprall oszillierte in seinen Knien" Das klingt unfreiwillig wie ein Cartoon: Boioioioing! Und der Grund, warum ich nicht am Podcastwettbewerb teilgenommen habe: das Problem mit der natürlichen Intonation. Es sind diese leicht verschobenen Betonungen, diese einen Hauch zu sehr artikulierten Endsilben. Die Stimme ist toll. Der könnte ich ewig zuhören, wenn sie diese Art Geschichten erzählte, einfach nur erzählte, ohne zu versuchen, sie einzusprechen. Ich würde zuhören, vielleicht dazu ein paar Harmonien auf der Gitarre klimpern (ich sollte wieder öfter üben) und zusehen wie die Worte und ihre heraufbeschworenen Bilder sich im Nebel verlieren. Ich glaub, die sechs Minuten gönn ich mir noch einmal.

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Froh zu sein bedarf es wenig.
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 19:19    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Eredor,

eine schöne Geschichte über zwei ferne Existenzen, die sich in der Nacht des Supermondes aufgrund ihrer inneren Stimmungen leicht berühren und dann wieder auseinandergehen. Deine Stimme bringt die Melancholie deiner beiden Protagonisten gut rüber. Faszinierend wie unterschiedlich dein Text gelesen und gehört wirkt.
Die Aufgabenstellungen sehe ich erfüllt.

Als Erbse:
Deine sensible Geschichte wird für mich aufgrund mancher unpassender Wortwahl (ich stimme Holgs Beispielen zu) und schon etwas erzwungen/gezwungen wirkender Symbolik mit Freiheit und Liebe erdrückt. Mit etwas zurückschraubendem Feintuning könntest du den Protagonisten und der Geschichte etwas mehr Luft zur Entfaltung geben.

Ansonsten, toll gemacht.

LG,
Constantine
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Einar Inperson
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Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 19:52    Titel: Re: (Prosa) Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte Antworten mit Zitat

Hallo Eredor,

ein inszenierter Text zu einer inszenierten Lesung oder umgekehrt. Ganz stark gemacht. Hart an der Grenze da, wo es kippen könnte. Mutig und hervorragend gelungen. Text und Lesung sind zwei eigene, zwei starke Werke.

Eredor hat Folgendes geschrieben:
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Michał. Dieser Name, der ganz eindeutig polnisch war. Ein komischer Name unter komischen Umständen. Mit Deutschland verband Michał seine Sprache, mit Polen seinen Namen. Nur seinen Namen.
Und jetzt saß er hier auf einem Wellblechdach in Ocice. Bis auf diesen Namen verstand er nichts. Der Mond sah herab auf Michał, beobachtete ihn.


Warum aber hier nur über den Namen diese starke Fixierung auf Polen? Wie hätte es den Text verändert, wenn Michal nun zufällig Tscheche gewesen wäre? Wie hätte es den Text verändert, wenn die polnischen Wurzeln nur beiläufig wahrgenommen worden wären?

Die Bedeutung für den Text ist mir jedenfalls nicht schlüssig geworden.

Aber die kleine Knittelei lässt einen starken Text stark bleiben.


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Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

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Jenni
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Beiträge: 3745

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 20:52    Titel: Antworten mit Zitat

Dennis!

Das ist einfach wunderbar. love

Der Text ist toll, über zwei Menschen die zufällig in dieser Nacht zusammentreffen, oder eigentlich auch nur fast, aber beide verlieren für einen Moment das Gefühl, allein zu sein. Das ist schon so schön. Wie du diese Stimmung dann aber akustisch umgesetzt hast - echt, Respekt!

Am allerwunderbarsten finde ich allerdings die Amplitude aus Liebe und Freiheit, das ist so wahr und traurig und schön zugleich.

Wieso darf ich dir jetzt eigentlich nicht neun Federn geben? Da steht "keine Bewertung mehr möglich"?!


An dieser Stelle tausend Dank an die neutrale Person meines Vertrauens, die mich davon abhielt, mein halbgares Zeug hier gegen ins Rennen zu schicken!
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7452



BeitragVerfasst am: 02.09.2014 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mags auch gern. Wäre bei mehr Texten im Spiel auch weit oben gelandet. :)
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hobbes
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Beiträge: 3039

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 02.09.2014 22:17    Titel: Re: (Prosa) Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte Antworten mit Zitat

Oh. Hach. Das ist ja schön. So schwelg-melancholisch-schön. So "ich will noch viel mehr von dieser Geschichte lesen" schön. So "es ist zwar fürchterlich traurig und schwermütig aber schön" schön.
Es gibt sie also tatsächlich, diese Frequenz smile


Lieblingsstelle:
Eredor hat Folgendes geschrieben:
So war das also mit dem Leben: Michał war gewachsen, Großvater war geschrumpft. Michał hatte aufgehört zu weinen, Großvater hatte damit angefangen. Michał konnte einst nicht laufen, jetzt konnte Großvater nicht mehr laufen.
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 03.09.2014 19:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank, liebe Leute!

Soraja:
Zitat:
Du klingst auch toll wir sollten über eine Radiokarriere nachdenken


Das sollten wir! Radiomoderatoren müssen ja sowieso nur irgendwas reden; meistens ist egal was, und das kann ich ganz gut.

holg:

Ich liebe deinen Kommentar.
Deine Verbesserungsvorschläge nehme ich dankend an!

Constantine:

Zitat:
Mit etwas zurückschraubendem Feintuning könntest du den Protagonisten und der Geschichte etwas mehr Luft zur Entfaltung geben.


Guter Punkt. Zum Schreiben hatte ich leider nicht viel Zeit, und da übergeht man ja gerne solche Dinge. Auch dir vielen Dank!

Einar:

Zitat:
Warum aber hier nur über den Namen diese starke Fixierung auf Polen?


Ebenfalls ein guter Punkt. Für die Handlung ist eigentlich nur relevant, dass er in einem Land ist, in dem er bis auf seinen Namen kein einziges Wort der Sprache versteht, die dort gesprochen wird.
Polen ist für mich da der Einfachheit halber sofort ins Auge gefallen. Im Grunde wär's egal gewesen, da hast du recht. Danke für dein Lob!

Jenni:

Zitat:
Wieso darf ich dir jetzt eigentlich nicht neun Federn geben? Da steht "keine Bewertung mehr möglich"?!


Gib sie mir einfach persönlich! Dann pack ich die in mein Kopfkissen. Vielen Dank für das tolle Feedback!

Nihil:

Jetzt hast du wieder einen Respect-Credit. Musstest ja von vorne anfangen. Danke!

hobbes:

Zitat:
So "es ist zwar fürchterlich traurig und schwermütig aber schön" schön.


Sowas zu hören freut mich besonders. Ich danke dir!



So.
Sorry, dass ich mich knapp halte, mir fliegt gerade nur alles um die Ohren. Das mindert nichts an dem Lächeln, dass ihr mir beschert habt!

lg Dennis


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KeTam
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Alter: 43
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Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Dennis,

der Text ist melancholisch auf eine traumhafte Art.
Ich habe ihn jetzt ein paar mal angehört und werde ihn sicher wieder hören.

Mich fasziniert, wie sehr du deinen eigenen Stil hast, deine eigene Sprache, die für mich in diesem Text so klar raus kommt und ihn zu einem echten "Dennis" macht.

Liebe Grüße, KeTam.


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FUCK NAZIS!

... ansich ist die Nudel ja auch eine Art Waffe.*

*Anne Mehlhorn
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Akiragirl
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Der goldene Spiegel - Prosa DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 04.09.2014 22:45    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Dennis,

ich habe deinen Text zuerst nur gelesen. Dann habe ich den Ton angeschaltet und den Text weggeklickt. Zuletzt habe ich es noch einmal mit Ton angehört und dabei mitgelesen.

Es ist schade, dass der Text nicht im normalen Wettbewerb sich beweisen konnte; ich hätte dir sicher einiges an Federn dagelassen. Trotzdem möchte ich dich auch mit Kritik nicht ganz verschonen wink Denn die hätte es auch gegeben, wenn ein richtiger Wettbewerb zustande gekommen wäre.

Ich mag deinen Text sehr gern, er hat eine gute Atmosphäre. Man spürt die Ruhe, die Stille der Nacht, die irgendwie davon ausgehen. Du hast versucht, dies mit deiner Sprechweise (sehr langsam, getragen, monoton) rüberzubringen. Das hat bei mir leider nicht so gut funktioniert. Ich mochte den Text in geschriebener Form deutlich lieber. Du hast eine sehr angenehme Stimme, aber mir war das Sprechtempo insgesamt deutlich zu niedrig; es gab keine Abwechslung in Intonation oder Geschwindigkeit, was ich beim Zuhören - sorry - etwas ermüdend fand. Ich weiß, dass es auch Teil der stilistischen Umsetzung ist, aber ich hätte mir etwas mehr Lebendigkeit bei dem Vortrag gewünscht, mehr Gefühl irgendwie ...

Liebe Grüße
Anne


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BlueNote
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Ei 4



BeitragVerfasst am: 05.09.2014 14:21    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist einfach der Flow, der mich immer wieder hinreißt bei deinen Texten, der hier mit dem Vorlesen und der ruhigen Musikuntermalung noch viel mehr zur Geltung kommt. Man wünschte sich, diese Geschichte würde  weitergehen, sich entwickeln, von diesem flow irgendwo hingetragen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser "flow" mich auch in einen Roman hineintrage würde - weil es ist meistens (und manchmal auch nur) die Sprache, die mich in einen Text hineinzieht.

Ja, gut gemacht! Und die Geräusche ... waren eben die Aufgabenstellung ... Einmal zumindest konnte ich es jedenfalls nicht identifizieren und es hörte sich an wie ein Fehler bei der mp3 Komprimierung.

Die etwas zu tief gestimmte G-Seite hat mich ein wenig gestört.
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Rainer Zufall
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Beiträge: 803

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 05.09.2014 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Eredor,
sehr sehr schöner berührender Text. Das zufällige Zusammentreffen der beiden jungen Männer unter dem Riesenmond und ihr gleiches Empfinden, obwohl sie doch weit voneinander entfernt sind. Das ist eine kleine, aber sehr sehr schöne Geschichte.
Mir gefällt sie übrigens nicht nur inhaltlich, sondern du hast auch einen tollen Sprachrhythmus. Das merkt man schon, dass du auch Lyrik schreibst. Wenn ich mir nur die Alliterationen anschaue, oder die Aufeinanderfolge zweisilbiger Wörter, die deinem Text so eine nach vorwärts gerichtete Struktur geben, die aber nicht zu schnell wird, sondern wunderbar schön fließt.
Was ich auch überlegen würde, sind die Wörter Alternanz und oszillieren. Mehr aber noch die Alternanz. Die wirkt wie ein Fremdkörper in dem fließenden Text.
Der Hörtext dann hat mir nicht so ganz gefallen. Aber pass auf, das ist jetzt Mecker auf hohem Niveau. Die Klavierbegleitung fand ich schön, die passte für mich echt gut. Auch dass du sehr langsam gesprochen hast, gefiel mir. Man darf nur nicht mitlesen dabei, da fand ich es schwierig, das liegt aber vielleicht auch an meiner Ungeduld und du kannst gar nichts für mich Hektiker. Denn wenn man sich textlos dem Hörtext überlässt, ist die Langsamkeit gerade gut. Deine Stimme ist übrigens auch klasse.
Was ich bedenkenswert finde, das sind zwei Sachen:
Ich fand manche Silben, besonders Endsilben zu übergenau gesprochen. Und was mir noch auffiel, du betonst oft viele Wörter ähnlich. Das wirkt dann so ein bisschen, als ob du auf und ab wippst. Ich weiß nicht genau, ob ich das richtig heraushöre und benenne, aber da gibt es jedenfalls was Auffälliges. Manchmal könntest du vielleicht ein bisschen  mehr mit der Stimme runtergehen am Ende eines Satzes oder Wortes.
Die eingesetzten Geräusche habe ich als angenehme Untermalung begriffen, also das fand ich passend. Das war recht leise, aber das mochte ich gerade gerne, weil es nicht von deiner angenehmen Stimme abgelenkt hat und von deiner Geschichte, sondern sie unterstützt haben.
Schon geil, was ihr da hingekriegt habt, die Soraja und du.
Beste Grüße von der Zufall
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 05.09.2014 19:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

ihr seid zu gütig.

KeTam:

Zitat:

Mich fasziniert, wie sehr du deinen eigenen Stil hast, deine eigene Sprache, die für mich in diesem Text so klar raus kommt und ihn zu einem echten "Dennis" macht.


Danke, liebe Hennie!

Akira:

Zitat:
Das hat bei mir leider nicht so gut funktioniert. Ich mochte den Text in geschriebener Form deutlich lieber. Du hast eine sehr angenehme Stimme, aber mir war das Sprechtempo insgesamt deutlich zu niedrig; es gab keine Abwechslung in Intonation oder Geschwindigkeit, was ich beim Zuhören - sorry - etwas ermüdend fand. Ich weiß, dass es auch Teil der stilistischen Umsetzung ist, aber ich hätte mir etwas mehr Lebendigkeit bei dem Vortrag gewünscht, mehr Gefühl irgendwie ...


Auch dir vielen Dank für das Lob.
Die Qualität der Audiodatei lässt sich vielleicht damit argumentieren, dass ich tatsächlich nur einen Take aufnehmen konnte. Hatte nicht viel Zeit.
Prinzipiell hast du recht, da hätte ich viel mehr intonieren können. Das schien ja auch der Verbesserungsvorschlag vom Rainen Zufall gewesen zu sein, auf den ich gleich noch zu sprechen komme. Gutes Feedback!

BN:

Zitat:
Ich könnte mir vorstellen, dass dieser "flow" mich auch in einen Roman hineintrage würde - weil es ist meistens (und manchmal auch nur) die Sprache, die mich in einen Text hineinzieht.


Die Frage ist natürlich immer, ob so ein "flow" nicht zu sehr fließt. Der Text ist verhältnismäßig dicht geschrieben, einen Roman möchte ich in diesem Stil niemandem zumuten. Aber das hab ich ja schon anderswo getan...oder? Very Happy
Ich danke dir für dein Feedback. Gerade das mit dem flow ist etwas, das meine Brust vor Stolz anschwellen lässt.

Rainer:

Zitat:

Mir gefällt sie übrigens nicht nur inhaltlich, sondern du hast auch einen tollen Sprachrhythmus. Das merkt man schon, dass du auch Lyrik schreibst. Wenn ich mir nur die Alliterationen anschaue, oder die Aufeinanderfolge zweisilbiger Wörter, die deinem Text so eine nach vorwärts gerichtete Struktur geben, die aber nicht zu schnell wird, sondern wunderbar schön fließt.


Das freut mich besonders. Ich lege sehr viel wert auf ebenjenes Fließen, auf das Gesamtbild der Sprache. Ist vielleicht gefährlich, weil ich manchmal dazu neige, die Sprache vor den Plot zu stellen. Daran muss ich eh noch arbeiten.
Die Alternanz  und oszillieren werde ich ändern. War ja bei vielen ein Kritikpunkt. Danke nochmal fürs  Aufzählen!

Zitat:
Ich fand manche Silben, besonders Endsilben zu übergenau gesprochen. Und was mir noch auffiel, du betonst oft viele Wörter ähnlich. Das wirkt dann so ein bisschen, als ob du auf und ab wippst. Ich weiß nicht genau, ob ich das richtig heraushöre und benenne, aber da gibt es jedenfalls was Auffälliges. Manchmal könntest du vielleicht ein bisschen  mehr mit der Stimme runtergehen am Ende eines Satzes oder Wortes.


Wie schon bei Akira erwähnt, hatte ich nur einen Take. Und da ich als Badener sehr gern dazu neige, die letzte Wortsilbe zu vernuscheln, habe ich mir wohl zu viel Mühe bei der Betonung von Endsilben gemacht.
Vielleicht lags auch daran, dass im Zimmer nebenan meine Mitbewohnerinnen gelernt haben und ich deshalb nicht laut sprechen wollte. Wer weiß. Auf jeden Fall verstehe ich was du meinst und stimme dir zu, was die Umsetzung des Gesprochenen angeht. Da hätte ich um einiges mehr rausholen können. Ich merk's mir fürs nächste Mal!

Und meine Gitarre stimm ich natürlich auch besser. Sowas blödes, dass BN so ein gutes musikalisches Gehör hat. Mad

lg Dennis


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gold
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BeitragVerfasst am: 06.09.2014 21:04    Titel: Re: (Prosa) Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte Antworten mit Zitat

Eredor hat Folgendes geschrieben:
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Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte

Der Dampf aus Leos Mund spielte mit dem Mondlicht. Linien schwebten. Linien und Kreise und Wellen und Schlangen. Alle Formen vibrierten im Bass, zerstäubten sich, tanzten und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Der Vollmond verändert uns.
Leo nahm noch einen Zug und verbrannte sich fast die Lippen. Du musst alles bis zum Schluss auskosten. Noch während er die Kippe auf dem Lenkrad ausdrückte, tastete seine andere Hand nach dem Beutel mit dem Gras. Wenn sein Auto hier stehen bleiben wollte, würde Leo sich nicht dagegen sträuben. Im Grunde war es egal, wo er sich befand – in einem Motel wäre er nicht weniger allein gewesen.  
Als der Song endete, hörte man im Auto nur noch das Rascheln von dünnem Papier, während Leos Finger aus dem Tabakhaufen eine Wurst drehten. Irgendwie hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden.

Michał drehte eine weitere Zigarette und ließ die Beine vom Wellblechdach baumeln. Der Mond war riesig heute Nacht. Mondlicht ist Freiheit, Sonne ist Liebe. Irgendwo in der Nachbarschaft bellte ein Hund, jemand rief etwas auf Polnisch und ein Rolladen knallte auf ein Fensterbrett.
Geräusche waren gut. Geräusche lenkten ab von Dingen, über die man nicht nachdenken wollte.
Michał. Dieser Name, der ganz eindeutig polnisch war. Ein komischer Name unter komischen Umständen. Mit Deutschland verband Michał seine Sprache, mit Polen seinen Namen. Nur seinen Namen.
Und jetzt saß er hier auf einem Wellblechdach in Ocice. Bis auf diesen Namen verstand er nichts. Der Mond sah herab auf Michał, beobachtete ihn.

 Leo war auf der Flucht. An jenem Morgen hatte er seinen Wecker ausgestellt, sich ein Glas Whiskey eingeschenkt und die Altklausurensammlung in den Mülleimer geworfen. Er hatte seine Sachen gepackt, den Autoschlüssel umgedreht und war einfach gefahren. Sich krank zu verhalten ist besser als krank zu werden.
Irgendein Gedanke hatte ihn in den Wald gelenkt. Das Auto rumpelte sich über Schlaglöcher hinweg, Äste kratzten am Außenspiegel, und dann: Stille. So oft er es auch versuchte, das Fahrzeug sprang nicht mehr an.
Es musste wohl genau der Ort gewesen sein, an dem er hatte landen wollen. Ein Wald, ein Mond, ein Joint und laute Musik. Alles andere war nicht mehr wichtig.

Michałs Gedanken schweiften ab. Eine Tür knarrte. Der Geruch von Schimmel, verbrannter Milch und kaltem Rauch. Geräusche eines Fernsehers. Orange gestrichene Wände, nur an der Decke war noch das Nikotingelb zu erkennen. Von der Lampe hing ein Fliegenfänger herab – er war voller kleiner, schwarzer Leiber. Großvater blickte ihn an. Seine ausgemergelten Arme umklammerten die Bettstange; ein Fuß, schwarz wie Mohn, lugte unter der Decke hervor.
Aber Michał vergaß alles als er seinem Großvater in die Augen blickte. Eisblau waren sie, eisblau und nass von Tränen. So war das also mit dem Leben: Michał war gewachsen, Großvater war geschrumpft. Michał hatte aufgehört zu weinen, Großvater hatte damit angefangen. Michał konnte einst nicht laufen, jetzt konnte Großvater nicht mehr laufen. „Dziękuję“, schluchzte er leise und seine Augenlider zitterten. „Dziękuję bardzo, Michaszku.“

Mit einem Mal legte sich das Gewicht der Welt auf Leos Oberschenkel. Es lief aus seinem Kopf heraus, rann die Lederjacke herab und sammelte sich auf seinen Oberschenkeln. Es war nichts. Der Wald wurde immer dunstiger durch den Dampf. Leo schloss seine Augen und ließ die Gedanken kommen. War es nicht genau diese Alternanz, die jeder anstrebte? Mit Liebe gab sich keiner zufrieden. Mit Besitz nicht, mit Trauer nicht, mit Erfolgen nicht. Es musste eine Frequenz geben, eine Amplitude. Ein Yin und ein Yang. Einen kalten Tag und einen heißen Tag. Liebe und Freiheit.

Liebe und Freiheit. Michał drückte die Kippe auf dem Wellblechdach aus und sprang. Der Aufprall oszillierte in seinen Knien. Alt und jung. Traum und Realität. Er stieß die Tür auf, setzte sich in die Küche und schlürfte kalten Kaffee im silbrigen Licht des Mondes. In diesem einen Moment als er sich die Zigarette angezündet hatte, war das ein ganz sonderbares Gefühl gewesen. Im Mondlicht, im Wind, in der Freiheit hatte es sich so angefühlt, als säße jemand neben ihm. Und jetzt gab es nur noch den kalten Kaffee, den kalten Rauch, die kalten Augen seines Großvaters.






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Hallo Eredor,


Was für ein wunderbarer Beitrag, lieber Eredor, die Atmosphäre ist so klasse, so nachvollziehbar. Beim Anhören durchfährt mich ein Schauer weil ich in die Szenen mit hineingezogen werde.

En detail:

Zitat:
Ein Yin und ein Yang. Einen kalten Tag und einen heißen Tag. Liebe und Freiheit.



Interessant finde ich die Gegensätze, die du dann in zwei Nichtgegensätzen enden lässt, es praktisch abrundest und somit die Schärfe nimmst.

Immer wieder beschreibst du Parallelen in den Texten. Die Geschichten sind verbunden durch die zwei jungen Protagonisten, die parallel nebeneinander her laufen mit gemeinsamen Elementen.
 Zum Beispiel: - das Gewicht der Welt auf Leos Oberschenkel in der einen Szene- der Großvater, der dieses Gewicht der Welt bis zum bitteren Ende getragen hat, in der anderen.
Oder: Die Wellen am Anfang der ersten Szene - kommen in der zweiten als Well-Blechdach vor.
 
Doch die Szenen führen zum Schluss nicht zusammen. Das Ende bleibt offen, der Wald  könnte derselbe sein, aber auch völlig verschieden, der Zuhörer kann die Geschichte für sich weiter spinnen.

Auch eine zweite Sprache mit in den Text hineinzunehmen, hat was, dann im Hintergrund…die anderen Geräusche: das Hundebellen, es wirkt   unheimlich, der Rollladen knallt - das Krachen ist  bedrohlich.
Die Geschichte, beschränkt sich nicht nur auf drei Szenen, sondern eine vierte wird angedeutet durch die Geräusche in der Ferne, die Rollo und Hund erzeugen.

Wellblechdach im Mondlicht-das hat was, ärmlich durch Mark und Bein gehend.
Wellblechdach in Polen, Sprache geheimnisvoll, das Michal (Michau) passt zum kalten Blechdach.

Der Mond beobachtet… hat auch etwas Bedrohliches, Ungemütliches, die Szene ist ungemütlich, genau wie die im Auto …

Auch ist interessant, dass Leo auf der Flucht ist, man weiß nicht, warum und wohin.

Gut finde ich auch den ungewöhnlichen Schluss, in dem nicht Michal dem Großvater dankt, sondern der Großvater Michal, das weicht ab vom Üblichen. Ein Überraschungseffekt, der den Leser zunächst stutzen lässt.


Zu den auditiven Effekten:
 Ohne Musik wäre es m.E. eindrucksvoller. Aber die Vorgabe hast du gut erfüllt mit den Geräuschen.- Eigentlich schade, dass diese als Vorschlag vorgegeben waren.

Und zum Schluss zum Anfang, dem Titel:
Strange Balloons Mount Towards Infinity (Bye Horus) – Zwei Gedrehte

zwei Gedrehte ist verständlich- Zigaretten bzw. die Protagonisten sind gedreht (verdreht): der eine auf der Flucht, der andere wird verdreht durch das Leid seines Großvaters. Okay, nachvollziehbar, aber dann:
seltsame Ballons steigen der Unendlichkeit entgegen (Auf Wiedersehen Horus (= ein Gott))
oder aber:
seltsame akustische Gitarren steigen in die Unendlichkeit (by vom- was soll das e?) Horus Sound Studio

das hab´ich gegoogelt. Also den Titel finde ich schon etwas skurril.

Ansonsten alles sehr gern gelesen und gehört! Wink
Selbst wenn viele User teilgenommen hätten, hättest du an der Spitze rangiert. Wink Daumen hoch²

Liebe Grüße
gold


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es sind die Krähen
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 07.09.2014 14:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Gold,

herzlichen Dank für den wirklich (!) ausführlichen Kommentar. Das freut mich besonders!

An erster Stelle steht der Titel. Du hättest ihn einfach in Youtube eingeben müssen: http://youtu.be/iDaljHK6bu4
Den habe ich aus mehreren Gründen gewählt. Einmal, weil ich das Lied in Dauerschleife während dem Schreiben gehört habe. Außerdem, und das mag allen außer mir total unlogisch erscheinen, hat mir die Vorstellung sehr gefallen, dass die Gedanken der Protagonisten zwei einsame Luftballons sind, die in den Himmel steigen und sich auf dem Weg zum Mond kurz begegnen. Aussagetechnisch hat der Titel also gar keine Funktion, ich wollte nur auf das Lied hinweisen.

Zitat:
Die Wellen am Anfang der ersten Szene - kommen in der zweiten als Well-Blechdach vor.


Das ist einer der Gründe, aus denen ich Textarbeit so sehr liebe. Das Wellen habe ich nämlich nicht bewusst zueinander konnotiert. Danke für diesen Blickwinkel!

Den Rest des Kommentars lass ich mal so stehen, das macht mich alles sehr glücklich. Vielen Dank, Gold!

lg Dennis


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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 08.09.2014 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Dennis,

ich habe mir die Vorgaben des Wettbewerbes nicht durchgelesen - irgendwie habe ich ganz verpasst, dass es ihn gab.

Daher möchte ich dir mal einfach nur zum Text was sagen:

In erster Linie finde ich, du hast sehr schöne Atmosphäre erschaffen. Deine Stimme ist voll und beruhigend, hat etwas von diesen Entspannungs-CDs bzw. heute sagt man da eher: Relaxvideos auf YouTube.  Die Bilder sind vor meinen Augen entstanden, das hast du auf jeden Fall gut gemacht.
Die Musik war passend.
Der Vergleich zwischen Michal und sein Großvater (er hörte auf zu weinen, er begann) fand ich toll.

Die Kritik (da ich schlechter im Loben bin, verzeihe mir die vielen Anmerkungen):
Generelle Sachen zum Ton: Teilweise war die Musik für mein Empfinden zu laut. Rausgerissen haben mich die fehlenden Geräusche, die du nicht eingebaut hast, die man aber erwartet hatte.
Zur Sprache: Wie holg bereits bemerkt hatte, gab es hier und da ein paar kleine Patzer. Vor allem das Oszillieren. Mich erinnerte es nicht an ein Cartoon, ich wusste, was du meintest und das Bild war für mich stimmig. Allerdings war das Wort an sich schlecht gewählt, er hat was, sagen wir, "wissenschaftliches", etwas "fachsprachliches", was zu dem Text einfach nicht passen will. Auch "Wurst" war für mich ein falsches Wort. Ich weiß nicht warum, vielleicht weil Joins für mich immer etwas Zartes, Schönes sind... Das manche sie so nennen, macht es nicht besser.
Den Anfang finde ich nicht sehr schön, ich hätte gleich mit dem nächsten Absatz angefangen - ich denke, dass ist aber so eine eigene Meinung.
Weiterhin störte mich, dass er den zweiten Joint drehte, bevor er den ersten geraucht hatte. Das fand ich merkwürdig und dachte schon, ich habe mich verhört. (Ich habe den Text mir nur angehört.)
Es gab noch etwas, was mich störte: Das Rollen des Joint als Thema. Warum? Warum saß er da und nippte nicht an einer Cola oder trank eine Capri Sonne? Warum rauchte er Gras? Irgendwie kam das bei mir nicht ganz durch. Vielleicht sehe ich den Sinn dahinter nicht. Vor allem, weil es als solches nicht behandelt wurde. Was ich meine? Was fühlt er dabei? Macht er das schon öfters? Wie ich das sehe: Da hat er Gras im Auto und dreht sich einfach mal paar Joints. Einfach mal so, weil er's kann.
Und im letzten Absatz komme ich noch nicht ganz dahinter, wie er vom Auto in die Küche gekommen ist.
Ich glaube, irgendwie raff ich deinen Text nicht ganz.


Somit sehe ich den Text zwar als sehr stimmungsvoll, aber auch nicht mehr.

EDIT: Okay, ich nehme ein paar Sachen zurück, wie gesagt, ich habe ihn mir nur angehört, aus welchen Gründen auch immer, habe ich den Namen Leo überhört. Für mich gab es immer nur den Michel und seinen (Leos?) Großvater. Sorry.


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Rike Charlotte
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Beiträge: 248
Wohnort: In den Wäldern des Einhorns


BeitragVerfasst am: 01.11.2014 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne, ruhige Erzählsprache trifft auf sonore Stimme und Gitarrensound - ganz toll gemacht, ich habe gerne zugehört und höre es auch noch ein zweites Mal.

Inhaltlich kann ich dir nicht ganz folgen. Ich gehe davon aus, dass der Prota nach Polen fährt, um sich um die Belange seines bettlägrigen Großvaters zu kümmern. Mit diesem scheint ihn nicht viel mehr als unliebsame Erinnerung zu verbinden. Da er die Augen des Großvaters als kalt gewichtet, und das in der Sekunde, in der er seinem weinenden Großvater ins Gesicht schaut, muss ich davon ausgehen, dass er von seinem Opi misshandelt wurde als Kind. Leider erfahre ich davon nichts als Leser. Auch nicht, warum die Verpflichtung schwerer wiegt als die üble Erinnerung.

Schließlich fällt noch eine Vokabel, die ich nicht übersetzen kann - vielleicht ist die der Schlüssel des Geheimnisses der Beziehung zwischen den Beiden?

Mit Liebe gibt sich niemand zufrieden... wahrscheinlich sagt das die "Alternanz", ein Gleichgewicht und Abwechseln zwischen mindestens zwei der großen, lebensnotwendigen Kräfte: Liebe und Geld - Aktivität und Ruhe etc.

Aber wie übertrage ich das auf das Verhältnis zwischen Opa und Enkel?

LG, Rike!
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