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Risse

 
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Literättin
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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
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BeitragVerfasst am: 13.09.2015 19:00    Titel: Risse eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Risse

Sie wissen nicht, was sie tun, wenn sie unten das ganze Haus zum Beben bringen. Sie sind außer sich, während ich hier oben in meinem Zimmer versuche, die neu entstehenden Risse in den Wänden mit der Kraft meiner Gedanken zum Stehen zu bringen, sodass sie nicht weiter im Mauerwerk voranschreiten. Ich fixiere das Ende einer der feinen Linien in der Tapete und konzentriere mich. Mutters Schreie rasen auf meinen Nervenbahnen bis in mein Gehirn und stören mein Flickwerk. Sie ruinieren mir auch diesen Tag: Die Wände zittern. Das Glas in meiner Zimmertüre klirrt. Ich höre den Mörtel im Mauerwerk knirschen. Ich versuche, mich nicht zu bewegen.

Sie schreien nie mich, sie schreien sich an. Obwohl ich die Worte nicht verstehe, weiß ich, dass es wie immer um mich geht. Ich halte still und schicke meine Gedanken hinter den Wandputz. Mutter spuckt Sätze. Keift und zetert. Vater, ich sehe es vor mir, obwohl der Zimmerboden mich von ihnen trennt, ballt die Fäuste und redet kalt und sachlich von Vererbung und dass es von ihrer Mutter käme, nur, dass sie es alle immer schön unter den Teppich gekehrt hätten.

Es ist Wochenende. So ist es immer am Wochenende. Dann haben sie mich im Haus und können nicht mehr leugnen, dass ich ihr Bild durchkreuze.

Ich muss still halten und verhindern, dass sie dieses Haus zum Einsturz bringen, auch wenn Meisenbeck meint, das sei nicht meine Aufgabe. Wessen denn sonst, frage ich und er sieht mich nur mit diesem nichtssagenden Blick an. Ich weiß, was dann kommt. Jedes Mal zieht er die Augenbrauen hoch und stellt mir die Gegenfrage: was ich denn selbst dazu meinen würde.

Er verbringt seine Wochenenden nicht hier in diesem Haus und liegt nicht hier in diesem Bett und er hat keine Ahnung, wie es ist, wenn sie die Türen so laut knallen, dass die Risse im Mauerwerk weiter wandern. Ich habe es mit Bleistift auf der Tapete markiert und Meisenbeck gesagt, er solle es sich doch selbst einmal ansehen. Er lehnt sich zurück in seinem Sessel und legt die Fingerspitzen aufeinander. Ich sehe ihm an, wie er fieberhaft nach einer passenden Gegenfrage kramt. Er will, dass ich von selbst einlenke und zugebe, was ich habe. Damit er das nicht selbst übernehmen muss, nur um sich anschließend meiner Widerspenstigkeit ausgesetzt zu sehen. Dabei weiß ich es längst. Und ich kämpfe so besessen dagegen an, nicht wie Oma zu werden, dass ich darüber immer verrückter werde. Und ich schlucke die Medikamente, die Meisenbeck mir verschreibt und ich rebelliere nicht. Ich weiß nicht, wozu ich es also noch aussprechen soll.

Sie sprechen es auch nicht aus. Mir gegenüber ohnehin nicht. Sie nennen es so wenig beim Namen wie ich. Für sie ist es eine Art Konzentrationsschwäche, oder eine Art kurzfristiger innerer Abwesenheit. Eine Absence. Bis jetzt gehen sie nur aufeinander los. Was wäre, wenn sie plötzlich voneinander abließen und mich in den Blick nähmen. Wenn ich vor ihnen stünde und es uns allen mit Worten ins Bewusstsein holen würde: Ich bin verrückt. Und ich weiß es. Und es ist Schizophrenie und nicht irgend einer Form von Absence, die für sie erträglicher wäre. Schicker. Handhabbarer. Ich bin ein Unding für sie.

Es ist leiser geworden im Haus. Mir wird bewusst, dass das Türenknallen, die Schreie, Mutters hitzige Stimme und Vaters sachlich kalte verstummt sind. Seit wann? Es liegt diese stille Art Spannung in der Luft, die noch unerträglicher ist. Es knistert und es knackt in den Wänden und die Risse sind nicht mehr aufzuhalten. Ein Schrecken jagt durch meinen Körper: In der Wand gegenüber klafft ein handbreiter Spalt, der da nicht hingehört. Nicht in diese Stille hinein, in der es knarrt und knackt wie unter Wasser. Mit einem Mal klingelt es an der Haustüre. Mein Körper wird federleicht und hebt ab, als wolle er davon treiben. Ich klammere mich an die Matratze, auf der ich liege.
Eine leise Unterhaltung dringt von unten zu mir hinauf. Vater spricht mit einem anderen Mann. Mein Herz rast. Die neu hinzugekommene Stimme erkenne ich als Meisenbecks. Dann höre ich, wie sie die Treppe herauf kommen. Einer von ihnen klopft an die Zimmertür. Schemenhaft kann ich durch das Glas Meisenbecks Gestalt erkennen. Der Spalt in der Wand mir gegenüber öffnet sich mit dem Geräusch rieselnden Mörtels und polternder Steine.
Als Meisenbeck die Tür öffnet, erwischt mich ein Luftzug. Mein Körper hebt ab. Mit den Füßen voran zieht es mich in den Mauerspalt hinein. Hörst Du mich? Ruft Meisenbeck. Ich kann ihm nicht antworten von dort, wo ich bin.

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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1848
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BeitragVerfasst am: 14.09.2015 00:19    Titel: Antworten mit Zitat

„Neutraler Kommentar, um bewerten zu können.“

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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Wolfgang Rill
Geschlecht:männlichSonntagsschreiber


Beiträge: 25
Wohnort: Fulda


BeitragVerfasst am: 14.09.2015 03:04    Titel: Tiefschlag Antworten mit Zitat

Donnerwetter! Das ist ein Text wie ein Tiefschlag in den Magen. Besonders schmerzen die Stellen, an denen der Krach der Eltern die Risse in den Wänden länger, breiter (symbolisch und reall, wie ich vermute) werden lässt. Viele haben das schon erlebt: Sie saßen als Sohn/Tochter oben in ihrem Zimmer und unten tobte das Gebrüll der Eltern. Das Thema des Streits war der Sohn/die Tochter selbst. Das Türenschlagen hat innere und äußere Risse verursacht. So etwas kann symbolisch (real vielleicht nicht ganz) Häuser zum Einsturz bringen.

Beim zweiten Hinschaun allerdings die Frage, ob der Ich-Erzähler wirklich verrückt, schizophren ist. Falls ja, dann drängt sich mir etwas plump die Rückfrage auf, wie er so einen Text schreiben kann. Hätte der "Kranke" überhaupt die Distanz zum Thema und die Einsicht in sich selbst, um auf diese Weise zu formulieren?

Ein kleiner, sprachlicher Vorschlag: Anstelle des Satzes "Die neu hinzugekommene Stimme erkenne ich als ..." Würde ich nur schreiben: "Meisenbeck!"
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2936

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 14.09.2015 19:23    Titel: Antworten mit Zitat

Noch einer. *seufz* Ich schrieb es gerade schon woanders, ich finde die Tür mit e ganz fürchterlich. Aber ja, ist natürlich total erlaubt und alles. Hat auch rein gar nichts mit der Bewertung zu tun, mich stört das nur dermaßen, dass ich es mal erwähnt haben wollte.

Aber zum eigentlichen. Am Anfang ist mir das alles zu viel. Zu bildlich, zu ausgeschmückt, zu überbordend.

Ab hier:
Zitat:
Er verbringt seine Wochenenden nicht hier in diesem Haus und liegt nicht hier in diesem Bett und er hat keine Ahnung,

packt mich der Text dann erst so richtig, gegen Ende bzw. mit dem letzten Absatz flaut die Spannung dagegen wieder ab.

Hier also Schizophrenie und Risse nicht nur im Mauerwerk (sind sie da überhaupt, also sind das tatsächlich reale Risse? Wobei - das ist ja im Grunde egal), sondern auch im Mensch.

Hm. Im Grunde mag ich die Geschichte hauptsächlich wegen des mittleren Absatzes, also dem, den ich oben schon zitiert habe. Da kommt so eine widerspenstige, bockige Resignation durch, die mir total gut gefällt und die vor allem auch so richtig fühlbar ist.

weiterer Punkt am Rand:
Zitat:
Nicht in diese Stille hinein, in der es knarrt und knackt wie unter Wasser.

Knarren und Knacken unter Wasser? Unter Wasser habe ich es noch nie knarren und knacken hören. Oder meinst du, das Knarren und Knacken wäre durch die Unter-Wasser-Stille abgedämpft?
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 941



BeitragVerfasst am: 15.09.2015 14:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Trauriger Titel, trauriges Thema, schön geschrieben. Hat mir gefallen.


LG,
Seraiya


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Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand eigener Erfahrungen nicht erklären kann.
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2278



BeitragVerfasst am: 16.09.2015 18:02    Titel: Antworten mit Zitat

Psychiatrie/Psychotherapietext V (in alphabetischer Reihenfolge)

Außer meinen üblichen Vorbehalten* gegenüber Texten, in denen der Erzähler in die Rolle eines Menschen schlüpft, den die Gesellschaft psychisch krank nennt, habe ich hier nicht viel zu sagen, also nichts zu meckern.

So wie es bis jetzt aussieht, der beste Text im Wettbewerb.

Edit: So wie es zunächst aussah, so blieb es dann auch. Zwölf Punkte.


*Grundsätzliche Bedenken:
Ist es legitim, einfach mal so in die Rolle eines Folteropfers, Gefangenen, Psychiatrieinsassen, Flüchtlings etc. reinzuschlüpfen, ohne diese Erzählhaltung in irgend einer Weise zu reflektieren? Ich habe damit meine Schwierigkeiten. Von der Legitimation abgesehen kann man an den Texten dieses Wettbewerbs gut sehen, dass dies auch nur in wenigen Fällen überzeugend gelingt. Okay, dieser Text scheint einer dieser wenigen Fälle zu sein.


_________________
"Von Literatur verstehen Autoren so viel wie Vögel von Ornithologie." (Marceel Reich-Ranicki)

„Ist es nicht idiotisch, sieben oder gar acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann?“ (Mark Twain)
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 6668
Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 19.09.2015 16:59    Titel: Antworten mit Zitat

Beachtliche Schreibleistung. Tolle Themenumsetzung. Für mich (eigentlich mit zwei anderen Texten) Höchstpunktzahl.
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Drakenheim
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Alter: 38
Beiträge: 268
Wohnort: Daheim


BeitragVerfasst am: 19.09.2015 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß nicht, was für psychisch Kranke schlimmer ist: Die Krankheit an sich, oder das gesellschaftliche Stigma, mit dem sie nicht mal die schubfreien Tage genießen können. Dein Text drückt das echt gut aus. Auch den beginnenden Schub.

Themenvorgabe eingehalten, Tempus auch, der Titel passt perfekt.
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Nina
Bestseller-Autor


Beiträge: 4123



BeitragVerfasst am: 19.09.2015 22:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hier wird das Bild von einem gezeichnet, der an Wahnvorstellungen leidet. Die Risse in der Wand entstehen (vielleicht) durch den Riss, der durch diese Familie geht. Der Sohn ist anwesend und abwesend zugleich, er lebt in seiner eigenen Welt, die er zu schützen versucht. Gefallen hat mir der Satz: Ich habe es mit Bleistift auf der Tapete markiert und Meisenbeck gesagt, er solle es sich doch selbst einmal ansehen. Die Übertragung von Rissen, die durch diese Familie geht und auch durch den Prota, aufs Mauerwerk übertragen, ist eine interessante Idee.

Zitat:
Ich muss still halten und verhindern, dass sie dieses Haus zum Einsturz bringen, auch wenn Meisenbeck meint, das sei nicht meine Aufgabe. Wessen denn sonst, frage ich und er sieht mich nur mit diesem nichtssagenden Blick an. Ich weiß, was dann kommt. Jedes Mal zieht er die Augenbrauen hoch und stellt mir die Gegenfrage: was ich denn selbst dazu meinen würde.


Dieser Abschnitt ist irritierend und zwar weil der Prota sagt, er denke, es sei seine Aufgabe, das Haus nicht zum Einsturz zu bringen. Er sagt es auch Meisenbeck gegenüber. Dann kommt: Er stellt mir die Gegenfrage, was ich selbst dazu meine. Das steht ja einen Satz vorher, was er selbst dazu meint.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2569

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 20.09.2015 16:44    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!

Das Thema Schizophrenie in der Familie und deren Auswirkung auf Familienmitglieder. Die Eltern sind am Schreien, während die Prota in ihrem Zimmer versucht die Risse an der Wand Kraft ihrer Gedanken am Ausbreiten einzudämmen. Bevor der helfende Psychologe eingreifen kann, wird die Prota von ihren Wahnvorstellungen eingesogen.
In der Kürze der Zeit ist dir eine komplexe Bildhaftigkeit mit den Rissen, der psychischen Krankheit und dem schiefen Haussegen gelungen, was mir gut gefallen hat.

Allerdings gibt es leider einige Punktabzüge, aufgrund mMn einiger logischen Unstimmigkeiten:

Zitat:
Sie wissen nicht, was sie tun, wenn sie unten das ganze Haus zum Beben bringen. Sie sind außer sich,[...]


Zitat:
Sie schreien nie mich, sie schreien sich an. Obwohl ich die Worte nicht verstehe, weiß ich, dass es wie immer um mich geht. Ich halte still und schicke meine Gedanken hinter den Wandputz. Mutter spuckt Sätze. Keift und zetert. Vater, ich sehe es vor mir, obwohl der Zimmerboden mich von ihnen trennt, ballt die Fäuste und redet kalt und sachlich von Vererbung und dass es von ihrer Mutter käme, nur, dass sie es alle immer schön unter den Teppich gekehrt hätten.


Zitat:
[...]die Schreie, Mutters hitzige Stimme und Vaters sachlich kalte[...]

Ich bekomme das nicht zusammen, dass beide Elternteile das Haus zusammenschreien sollen, wie mir dein Einstieg erklärt: Die Eltern schreien sich gegenseitig an, schreien sozusagen das Haus zusammen und sie sind außer sich. Es ist aber eigentlich nur die Mutter, die wie eine Furie schreit, denn den sachlich und kalten Vater kann ich nicht mit schreiendem Streiten in Einklang bringen.



Zitat:
Das Glas in meiner Zimmertüre klirrt.


Zitat:
Einer von ihnen klopft an die Zimmertür. Schemenhaft kann ich durch das Glas Meisenbecks Gestalt erkennen.

Das klirrende Glas der Zimmertür entspricht der Wahnvorstellung deiner Prota. In ihrer "Realität" dürfte ihre Zimmertür kein Glas haben und ich vermisse hier einen Versuch der Erklärung deiner schizophrenen Prota, das Nicht-Erkennen der anklopfenden Person bzw. das schemenhafte Erkennen von Meisenbeck in ihrer "Realität", anstelle der eigentlichen Realität. Sie befindet sich in einer Stresssituation und wird von ihrer Wahnvorstellung überwältigt. Da ist mir diese rationale Ebene, dass das Glas der Tür nun doch vorhanden ist und deine Prota nur Schemen erkennt, unpassend. Weiter oben im Text stellte sie sich aber beim Streit ihrer Eltern die geballten Fäuste ihres Vaters durch den Zimmerboden hindurch vor.
So ganz sauber ist mir dieser Aspekt noch nicht herausgearbeitet worden.

Der Titel ist passend gewählt zur Thematik, weckt Neugierde und verrät nichts, wodurch mir als Leser die Spannung erhalten bleibt.

Du hast es in meine Top Ten geschafft: trois points.

Merci beaucoup.

Constantine
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Literättin
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BeitragVerfasst am: 21.09.2015 16:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich muss mich hier einfach mal selbst ermutigen. Das ist mein erster FFF und eigentlich wollte ich gar nicht teilnehmen. Dann dachte ich: guck halt mal, was als Thema kommt.

Dann saß ich fünf Minuten wie gelähmt herum, mit Blatt und Papier, weil mir an Lyrik null und rein gar nichts einfiel. Und die Zeit lief. Und dann beschloss ich: Nein, lass es sein. Und als ich es entspannt sein lassen konnte, war ich frei genug, um mich an den ersten Satz einer KG zu setzen. Da war es bereits viertel nach sieben.

Ich hatte allerdings nichts zu verlieren, weil ich schließlich gar nicht teilnahm. Jedenfalls nicht bis halb acht. Dann kam eine Art Eifer auf. Der reichte bis viertel nach acht und ich gab auf. Fand meine Story einfach nicht tauglich. Eine Weile setzte ich mich auf die Bettkante und blätterte frustriert in der TV-Zeitschrift. Dann kam der Rappel und die Idee, wie mein Anfang doch noch rund werden könnte.

Das Ergebnis habt ihr gelesen.

Und mir sind, seit ich auf senden gedrückt habe, sämtliche Fehler echt peinlich: überflüssige Sätze, Widersprüchlichkeiten, Flüchtigkeitsfehler und was sonst noch. Und wieso schreibe ich plötzlich immerzu Türe statt einfach Tür?! Embarassed

Und trotzdem: im Großen und Ganzen lese ich meine Geschichte immer mal wieder gerne und finde sie nicht mal soo übel, obwohl ich hier handwerklich und literarisch besseres gefunden habe.

FFF an sich ist ganz schön heftig, aber doch ein lohnendes Experiment. Auf alle Fälle hätte ich nicht gedacht, dass es prinzipiell doch möglich ist, überhaupt eine Kurzgeschichte in dieser Zeit zu schreiben.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3701

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 22.09.2015 10:54    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Kind leidet unter den Streitereien seiner Eltern, für die es sich in gewisser Hinsicht verantwortlich fühlt. Seine Angst manifestiert sich in Rissen in der Hauswand, durch die es letztlich verschwindet oder sich vorstellt (wünscht?) zu verschwinden. (Haben wir nicht über ein sehr ähnliches Phänomen schon mal in einem früheren Text in einem früheren Wettbewerb gelesen? Nur so am Rande.)

Mir gefällt der Text sehr gut, die Beklemmung des Kindes finde ich sehr nachfühlbar und in diesem Zusammenhang auch den metaphorischen Riss gut ausgearbeitet. Das Thema ist deutlich umgesetzt, der Titel passt auch.

Für mich ziemlich weit oben dabei. 8 Punkte.
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Michel
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Beiträge: 1506
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 22.09.2015 12:37    Titel: Antworten mit Zitat

Wochenendurlaub von der stationären Behandlung.

Vielleicht spricht mich dieses Thema an, weil ich immer wieder mal beruflich mit Schizophrenie und den teils katastrophalen Folgen zu tun habe. Aber es steckt mehr drin: Die gelungene Verschränkung zweier Themen, den angstauslösenden Symptomen und dem Umgang der Familie mit dem "Makel". Und das in einem Tonfall, der dem Ich-Erzähler und Erkrankten die Würde lässt. Halluzinationen werden so unaufdringlich und normal geschildert, dass ich denke: Das könnte mir auch passieren. Der Familienkonflikt ist nur durch den Boden zu hören und wird doch so präsent, dass ich die Dramatik hinter den Satzfetzen spüren kann.
Sehr beeindruckend. Und mein Favorit.
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7399



BeitragVerfasst am: 22.09.2015 15:14    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, eine gelungene Kurzgeschichte, in der die Scheidungsdramatik der ersten Absätze im späteren Verlauf noch eine Wendung ins Wahnsinnige erhält. Und die ist meiner Meinung nach das, was diesen Text dann doch nur gutes Mittelmaß sein lässt. Viel interessanter hätte ich gewunden, wenn nicht zum hundertsten Mal oberflächlich bechriebene psychische Krankheiten zum Thema gemacht werden, die doch nur aus dem Hörensagen und abermals nacherzählten Klischees bestehen. Immerhin wird Schizophrenie hier nicht, wie sonst üblich, mit MPS verwechselt. Der Dreh, dass die Risse doch nur im Kopf des Protagonisten existent sind, kam dir spontan während des Schreibens, vermute ich, ebenso wie das Ende und das gelegen kommende Verschwinden in den Rissen selbst. So ist das beim FFF nun mal, und das lege ich dir auch nicht als Fehler aus. Aber mich hätte die Magischer Realismus, wie ich sie aus den ersten Absätzen herausgelesen habe, mehr interessiert. Streit und Spaltung, die nicht dort stattfindet, wo sie sollte, auf dem Papier, zwischen Mann und Frau, sondern sich durch die ungelöste Problematik ins Phantastische übersteigert. Ins Phantastische, nicht ins Wahnsinnige. Ich habe es mir glaube ich auch mit dem/der AutorIn eines anderen Textes verscherzt, weil ich diese Art der stereotypen Reproduktion, die beim FFF so oft autaucht, oft nicht mehr lesen kann. Dann lieber über Alltägliches schreiben oder alles Bekannte hinter sich lassen. Soweit der Ausflug in meine Metagedanken.

Diesen Beitrag halte ich aber für gelungen, auch deshalb, weil sich die Klischees noch in relativ engen Grenzen halten und weil das Thema so gut umesetzt wurde. Die Türen knallen und haben auch direkt das „Ding“ zur Folge, das laut Vorgabe fünfmal wiederholt werden sollte: die titelgebenden Risse. Ich denke, das ist trotz aller Kritik ein rundes bis ovales Ding für zwei Stunden und bekommt vielleicht ein, zwei Pünktchen als Kitt für die Risse.
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shatgloom
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 316
Wohnort: ja, gelegentlich


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Einer meiner Lieblingstexte.
Mir gefällt der Titel, mir gefällt die Sprache und mich berühren die Gedanken des schizophrenen Protagonisten.
Und dass es in diesen Gedanken die zuknallenden Türen sind, die die Risse erzeugen, wird auch glaubhaft vermittelt.


_________________
Gruß von Karolin
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Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 48
Beiträge: 1559



BeitragVerfasst am: 23.09.2015 14:09    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, ich kriege keine guten Kommentare hin. Deshalb von mir nur die Wertung. Ich hab mich an den Vorgaben und meinem Geschmack orientiert. Wenn beides passt gibt es Punkte.
Viel Glück!


_________________
Monster.
How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 406

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Schöner Text. Auseinandersetzung mit der eigenen Krankheit. sprachfluss gefällt mir.
Zitat: Die Türen, das Zitat, kommen mir zu kurz.
Titel/Text: ja.

Sprachlich auch eher oben, aber das Zitat finde ich nicht so gelungen abgebildet.

Grüße
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Merope
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 746
Wohnort: Am Ende des Tals
Der Goldene Käse


BeitragVerfasst am: 24.09.2015 10:53    Titel: Antworten mit Zitat

- Thema erfüllt: Ja.
- Originalität: Gut.
- Form: Ok.
- Fehler: Ok.
- Passt der Titel: Ja, passt.
- Bleibt etwas davon im Gedächtnis: Durchaus: Stimmung, Gefühl.
- Wie hat's mir gefallen: Recht gut.
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Violet_Pixie
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 446
NaNoWriMo: 20863



BeitragVerfasst am: 25.09.2015 09:46    Titel: Antworten mit Zitat

Interessanter Text, zu einem schweren (Schizophrenie) Thema.

Gut gelungen.

Thema sauber umgesetzt.
Titel passt.

LG
Violet
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Piratin
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Alter: 53
Beiträge: 2374
Wohnort: Mallorca
Ei 2


BeitragVerfasst am: 25.09.2015 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

schöne Umsetzung der Vorgabe und besonders die letzten Sätze haben mir sehr gut gefallen.
Viele Grüße
Piratin


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Das größte Hobby des Autors ist, neben dem Schreiben, das Lesen.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 25.09.2015 14:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das gefällt mir.
Die Wirkung der Türen, beim Zuschlagen die Risse in der Wand zu verstärken, finde ich gar nicht weit hergeholt; funktioniert in diesem Kontext jedenfalls gut. Fast scheint es, als würde dem Prota mit dem drohenden Zusammenbruch des Hauses auch der Schutz vor der Erkenntnis der eigenen psychischen Erkrankung wegbröckeln. Die Darstellung von Meisenbeck als Psychiater gelang auch recht überzeugend, jedenfalls deutlich glaubwürdiger als die der Therapeutin in "lola"".

Den Titel fand ich etwas einfallslos. Ich habe den Eindruck, jeder Autor, der regelmäßig schreibt, produziert irgendwann eine Kurzprosa (oder ein Gedicht) mit dem Titel "Risse". Und das Ende ließe sich sicher noch optimieren. Insgesamt aber überzeugt mich der Text sowohl sprachlich als auch inhaltlich. Deshalb: Glückwunsch zu meinem persönlichen 3. Platz!


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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halcyonzocalo
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Beiträge: 1252
Wohnort: Irgendwo im Nirgendwo


BeitragVerfasst am: 26.09.2015 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Diesen Beitrag finde ich nicht schlecht. Ich bin ehrlich gesagt verwundert, wie viele Leute sich bei dem Thema für das Szenario entschieden haben, den Blick auf die Welt aus Sicht eines "Sonderlings" (sei es psychisch krank, Menschenfeind etc.) zu schreiben. Dieser Text hat meiner Meinung nach keine gravierenden Schwächen und lässt sicher sehr flüssig lesen. Das Motiv der Risse finde ich sehr ansprechend und wurde auch konsequent im ganzen Beitrag verwendet. Insgesamt ist das jetzt zwar nichts, wo ich in Begeisterungsstürme ausbrechen würde, aber doch ein sehr solider Text, der für mich im oberen Mittelfeld liegt.

Edit: Mein persönlicher Sieger stand direkt nach dem Lesen fest. Bei den weiteren Platzierungen habe ich mich erwartungsgemäß wieder sehr schwer getan. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, deinem Text 3 Punkte zu geben. smile


_________________
Die minimaldeterministische Metaphernstruktur mit ihrer mytophoben Phrasierung spiegelt den ideeimmanent abwesenden Bedeutungsraum.
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