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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Risse - Kapitel 1


 

 
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Yvo
Schreiberassi

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BeitragVerfasst am: 27.06.2016 04:48    Titel: Risse - Kapitel 1 eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Moin,

nachdem ich vor einigen Tagen bereits einen Auszug aus Kapitel 9 meines Jugendromans "Risse" ins Forum geworfen habe und dort viel konstruktive Kritik erhalten habe, die dazu führte, dass ich das Kapitel verbessern konnte, möchte ich das Ganze nun einmal mit dem Kapitel 1 machen, mit dem ich noch nicht ganz zufrieden bin.

Ich lasse euch erst einmal das Kapitel lesen. Am Ende stehen noch ein paar Fragen, wo ich mir noch recht unsicher bin. Natürlich interessieren mich abseits dieser Fragen auch weitere Ideen, Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge (etc.)...


KLAPPENTEXT:
Wir wussten alle, dass mit Suro etwas nicht stimmt. Aber niemand wusste etwas Genaues. Und dann war sie einfach weg.
Mir war klar, dass ich sie suchen musste. Das war ich ihr schuldig. Ich hatte bloß Angst davor, sie zu finden.

KAPITEL 1:
Es war ausnahmsweise ziemlich ruhig im Geschichtsunterricht. Sogar so ruhig, dass ich die Träne hörte, die neben mir auf das Arbeitsblatt fiel.
„Hey, alles in Ordnung?“, flüsterte ich und bereute es schon im nächsten Augenblick, denn es führte nur dazu, dass Suro schluchzend aufstand und aus dem Klassenraum eilte. Sie drehte sich kurz vor der Tür noch kurz zu Frau Kielitz und presste ein kurzes, fast ersticktes „Entschuldigung“ heraus, war dann aber verschwunden bevor die junge, etwas pummelige Referendarin antworten konnte, die noch immer ziemlich verdutzt am Lehrerpult stand und offensichtlich keine Ahnung hatte, wie sie auf diese Situation reagieren sollte.
„Keine Sorge, Frau Kielitz. Die flennt ständig. Keiner weiß, warum.“, feixte Leon. Ich hasse seine grinsende Ottofresse. Sie war Auslöser zahlreicher Gewaltfantasien.
„Ich rede mit ihr“, meinte ich im Aufstehen und verließ ebenso schnell wie meine Freundin zuvor den Klassenraum. Frau Kielitz stammelte mir ein „Ja … nein …  doch, ist in Ordnung, Viviane“ hinterher, aber ich wäre auch gegangen, wenn sie es verboten hätte. Sie fuchtelte dabei wild mit ihren Armen herum, was wohl eine beschwichtigende Wirkung erzielen sollte. Dabei war die Klasse wesentlich ruhiger und gelassener als sie in diesem Augenblick.
So sehr ich Leon für seinen blöden Kommentar – und eigentlich auch alles andere – hasste, er hatte nicht ganz unrecht. Gut, das „ständig“ war übertrieben. Es passierte etwa alle drei Wochen. Und tatsächlich wusste niemand, warum sie weinte. Nicht einmal mir hat sie es verraten. Aber zumindest wusste ich, wohin sie zum Weinen flüchtet.
Die ersten Male waren alle noch in heller Aufregung und fast die ganze Klasse hat sie gesucht. Sie war wie vom Erdboden verschluckt, nur um eine Stunde später wie aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Alle dachten, sie hätte das Schulgelände verlassen, was sie auch selber nachher erzählt hat. Aber als ich ihr beim dritten oder vierten Mal ziemlich schnell hinterherlief, habe ich gesehen, wo sie sich stattdessen wirklich aufhielt: An der Ostseite der Schule gab es diese Metalltreppe, die zu den Notausgängen im ersten und zweiten Stock führte. Wenn man sich ganz oben auf das Geländer stellt, dann kann man sich zum Dach der Schule raufziehen. Das ganze war scheiß gefährlich und ich weiß nicht, ob mich damals mehr schockiert hatte, dass sie dort hochgeklettert war oder dass ich ihr hinterher kletterte.
Wobei man das von mir wahrscheinlich eher erwarten würde als von ihr. Sie war eine absolute Musterschülerin, fleißig, hielt sich an alle Regeln, meldete sich ständig und war in fast jedem Fach eine Einserkandidatin. Es war für die meisten wohl undenkbar, dass sie etwas so Dummes und Verbotenes machen würde. Mir würde man das wohl eher zutrauen. Ich bin einmal sitzen geblieben, habe einige Tage geschwänzt, habe – glaube ich – seit der 6. Klasse keine Hausaufgaben mehr gemacht und hatte letztes Jahr eine Klassenkonferenz, weil ich beim Kiffen erwischt wurde. Mehrere Lehrer sprachen offen aus, dass ich nicht auf ein Gymnasium gehöre. Und ich nehme ihnen das nicht einmal übel, denn wahrscheinlich haben sie damit sogar recht. Der einzige Grund, warum ich noch nicht von der Schule geflogen bin, ist wohl unser Klassenlehrer, Herr Oppmann. Aus irgendeinem Grund verteidigt der mich immer. Der ist cool, ich bin auch dankbar und alles, aber ich weiß wirklich nicht, warum er das macht. Er redet dann von „schwierigen, familiären Verhältnissen“ und ja, läuft ziemlich scheiße bei uns. Aber wenn ich Lehrerin wäre, ich würde so eine wie mich trotzdem nicht in meiner Klasse haben wollen.
Schließlich kam ich bei der Metalltreppe an. Ich blickte mich noch einmal um, um zu sehen, ob mir jemand gefolgt war, und machte mich dann auf den Weg nach oben. Oben angekommen atmete ich noch einmal durch und blickte nach unten. Obwohl ich das ganze jetzt schon ein paar mal gemacht hatte, war mir noch immer unwohl bei dem Ganzen. Auch, wenn ich jetzt schon etwas Übung darin hatte, war das ganze noch immer lebensgefährlich. Am einfachsten ging es, wenn man nicht darüber nachdachte und etwas Schwung nahm. So machte ich es auch diesmal und wie jedes mal war mir danach ein wenig schlecht.
Suro saß am Rande des Dachs und blickte den Horizont entgegen. Sie sah mich nicht an, hatte aber wohl mitbekommen, dass ich jetzt auch da war. Der Wind war ziemlich heftig und zerrte an ihren schwarzen Haaren. Sie weinte nicht mehr. Manchmal beruhigt sie sich sehr schnell wieder, aber manchmal dauert es auch eine halbe Stunde, bis sie aufhört zu schluchzen. Ich setzte mich wortlos daneben und legte meinen Arm um sie, sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter und wir schwiegen eine gefühlte Ewigkeit.
Andere hätten jetzt wahrscheinlich gefragt, was los ist und hunderte Ratschläge gehabt und tausend Fragen gestellt. Und wenn ich ehrlich bin, ist es genau das, was ich die ersten Male auch gemacht habe. Mittlerweile wusste ich aber, dass es weder ihr noch mir etwas bringt. Sie antwortet nicht darauf. Sie weicht den Fragen auch nicht aus. Nicht einmal ein Kopfnicken oder Kopfschütteln oder Schulterzucken, einfach keinerlei Reaktion. Am Anfang hat mich das noch aufgeregt und wütend gemacht, vermutlich, weil man sich dann selbst so machtlos vorkommt. Man hat dann das Gefühl, man könne nicht helfen oder man würde gerne helfen, aber die Hilfe wird abgelehnt und man weiß nicht einmal, warum. Mittlerweile habe ich das Gefühl, ich helfe ihr am meisten, wenn ich ihr beim „Schweigen zuhöre“. Klingt jetzt fürchterlich nach Emo-Kack, aber ich glaube es tut ihr schon gut, wenn ich einfach nur da bin.
Ich sitze dann neben ihr und spüre, dass sie an irgendetwas denkt. Irgendetwas geht in ihr um und beschäftigt sie, aber sie kann es mir nicht erzählen. Am Anfang regte mich das ziemlich auf. Ich dachte, sie würde es mir nicht erzählen, weil sie mir nicht vertraut oder so. Jetzt finde ich es ziemlich arrogant und arschig, dass ich damals so empfunden habe. Es geht hier nicht um mich, es geht um sie. Wenn sie darüber sprechen könnte, würde sie wohl mit mir darüber reden. Ich glaube, sie hat bisher mit noch niemandem darüber gesprochen, was auch immer es ist. Vielleicht werde ich es nie erfahren, aber das muss ich dann akzeptieren.
Natürlich habe ich mir schon einige Gedanken darüber gemacht. Aber ich habe sämtliche Theorien auch schon wieder verworfen. Es passt einfach alles nicht zusammen. Sie ist eigentlich eine Frohnatur, meist gut gelaunt, lacht viel und macht viele Scherze. Ihre gute Laune ist sogar relativ ansteckend. Und sie ist fast schon ekelerregend gutherzig. Sie möchte immer, dass es allen in ihrer Umgebung gut geht, möchte immer helfen oder irgendwen trösten oder aufheitern. Und sie ist mörderisch diszipliniert und intelligent. Sie kam ja zu Beginn der 9. Klasse vom Realschulzweig der Oberschule. Das ist jetzt ein Jahr und acht Monate her. Jetzt ist sie Klassenbeste am Gymnasium. Sie macht nicht nur immer die Hausaufgaben, sie recherchiert auch noch zusätzliche Informationen zum Thema im Internet und hat dann die wichtigsten Daten als Stichworte zusammengefasst auf einer Karteikarte mit. Ich weiß nicht, wo sie die ganze Energie her nimmt. Wenn ich ehrlich bin, ich bin manchmal ziemlich neidisch auf sie. Am Anfang war sie in der Klasse auch erst als „Streberin“ verschrien, aber weil sie eigentlich zu so ziemlich jedem nett ist und auch nicht mit ihren Leistungen prahlt, legte sich das mit der Zeit.

Nachdem eine halbe Ewigkeit vergangen ist, senkte Suro den Kopf, atmete jetzt langsamer und entspannter und betrachtete ihre Hände. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie war das immer das Zeichen, dass wir reden konnten.
„Geht es wieder?“
„Ja.“
„Du weißt schon, dass ich immer halb sterbe, wenn du hier raufkletterst, oder?“
„Ja. Tut mir leid.“
„Nicht so schlimm, Kurze.“
Ich blickte in den Himmel und wusste nicht, was ich noch sagen sollte. Es ist ziemlich schwierig, immer um das gleiche Thema herumreden zu müssen. Mir fiel nichts besseres ein, als Leon zu erwähnen.
„Leon hat wieder Sprüche gerissen.“
„Hm, Arsch.“
Ich musste lächeln. Damit war dazu eigentlich auch alles gesagt. Auch Suros Lippen deuteten einen Hauch eines Lächelns an. Sie fuhr fort.
„Wie hat eigentlich Frau Kielitz reagiert, als ich weg war?“
„Die war ziemlich fertig mit den Nerven und total überfordert. Die kannte deine Macken ja noch nicht.“
„Shit. Ich sollte mich bei ihr entschuldigen.“
„Jetzt nicht. Die hat jetzt eh Unterricht. Was hätten wir jetzt eigentlich?“
„Physik.“
„Bei Herrn Uhlmeier? Dreck. Lass uns da bitte nicht hin, okay?. Der hat mich doch eh auf dem Kieker und dreht durch, wenn ich jetzt 15 Minuten zu spät komme. Da komm ich lieber gar nicht. Außerdem kriege ich eh eine Fünf in Physik, aber das ist schon in Ordnung. Eine Fünf kann ich mir leisten.“
Suro lächelte.
„Ist okay.“
Wir schwiegen ein paar Atemzüge, dann sah Suro mich wieder sehr ernst an und flüsterte: „Danke“.
„Wofür?“
„Das du da bist.“
„Schon gut, Kurze.“
Sie umarmte mich dann ziemlich heftig, so, dass es fast weh tat. Als sie die Umklammerung löste, ging es ihr schon sichtlich besser. Sie stand auf und streckte sich erst einmal, bevor sie mir die Frage stellte, die ihr vermutlich schon seit heute morgen auf den Nägeln brannte:
„So. Da wir jetzt eine halbe Stunde Zeit haben, erzähl: Wie war eigentlich jetzt dein Treffen mit 'du weißt schon wem' ?“


FRAGEN:
1.) Das größte Problem habe ich mit dem blau markierten Abschnitt. Dies ist ein recht langer "Beschreibungsblock", der von der eigentlich Handlung wegführt. Ich spiele mit dem Gedanken, diesen komplett zu streichen. Was haltet ihr von der Idee? Gibt es in diesem Abschnitt Informationen, die so wichtig sind, dass ich sie doch irgendwo im ersten Kapitel unterbringen sollte?

2.) Ist es schlimm / störend, dass das Aussehen der Protagonistinnen nicht beschrieben wird? Tatsächlich habe ich bisher noch nirgends ihr Aussehen beschrieben, obwohl ich da sehr konkrete Vorstellungen habe (und gerade Suro einen äußerst ungewöhnlichen Kleidungsstil hat). Mir fällt es allerdings schwer, dies zu thematisieren.

3.) Ich habe noch eine Szene im Kopf, wie sich Viviane und Suro kennengelernt haben und Freundinnen wurden. Da könnte man auch das Aussehen schildern. Es wäre eine Rückblende von fast zwei Jahren. Aus bestimmten Gründen macht diese Rückblende in Kapitel 2 und 3 keinen Sinn, Kapitel 4 wird dann langsam zu spät. Seht ihr eine Möglichkeit, diese noch in Kapitel 1 "reinzuquetschen" oder wäre es besser, dem Leser einfach zu sagen "das sind halt sehr gute Freundinnen, frag nicht, warum!"?[/b]

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Saraa
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 09:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hi, smile

ich mag deinen Text sehr gerne. Jetzt will ich wissen was mit ihr los ist lol2

Also das ist der Anfang der Geschichte? Oder gibt es noch einen Prolog oder ähnliches? Wenn nicht, geht es mir ehrlich gesagt zu schnell. Dieser Problem oder Geheimnis der Freundin scheint das Hauptthema deiner Geschichte zu sein und im ersten Kapitel als Leser direkt so reingeworfen zu werden, geht mir zu schnell.
Mein Vorschlag wäre früher am Tag anzufangen, die Hauptprotagonistin zu Hause, wie sie sich aus dem Bett quält, frühstückt etc. Da kannst du dann auch die Infos über sie einbringen, wie ihre Familiengeschichte oder so.
Ich würde lieber erst die Hauptperson genauer kennenlernen und dann die Freundin, denn hier in diesem ersten Kapitel schreibst du ja mehr über die Freundin als über die Ich-Erzählerin und das finde ich zu Beginn der Geschichte irgendwie unpassend.

So zu deinen Fragen:
1. Ich finde den blau markierten Absatz gut und wichtig. In einer Situation in der nicht viel Handlung statt findet, finde ich es sehr wichtig zu wissen was in den Köpfen der Menschen vorgeht. Es ist wichtig für die Stimmung und um weitere Hintergrundinfos zu bekommen. Deswegen finde ich ihn dort auch sehr passend und würde ihn nicht streichen.
2. Störend nicht, aber gut zu wissen wäre es schon, um ein genaueres Bild zu haben. Mit dem Aussehen kannst du dem Leser ja auch Rückschlüsse auf den Charakter der Leute möglich machen, ohne diese direkt zu beschreiben. Sowas finde ich schon wichtig.
Wenn du noch etwas früher mit Viviane anfängst, kannst du sie morgens vor dem Kleiderschrank stehen lassen und in diesem Zuge ihr Aussehen beschreiben, zum Beispiel. Bei Suro wäre es passend an der Stelle wo du auch ihre Haare beschreibst, da könntest du doch einfach etwas weiter ausholen.
Hat der Name eigentlich eine besondere Bedeutung? Wird das noch aufgeklärt oder spielt die Geschichte in einem asiatischen Land? Darüber fänd ich Infos auch wichtig.
3. Wäre eine Rückblende nicht als Prolog möglich? Mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich nicht weiß was sie inhaltlich enthält wink Aber in einem Prolog sind Rückblenden eigentlich gut passend, vor allem auch um eine Grundspannung aufzubauen

Viel Spaß und Erfolg weiterhin mit deinem Buch!


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Saraa
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 09:34    Titel: Antworten mit Zitat

Achso eine Sache noch,

wie alt sind die beiden? Oberstufe? Und ich schätze mal ca gleich alt?
Dann finde ich es unpassend, dass Viviane Suro mit "Kurze" anspricht, da ist ja kein großer Altersunterschied, der das rechtfertigen würde. Und wenn ich so an meine Schulzeit zurückdenke, ich hätte niemals jemanden so angesprochen, damit macht man die Leute ja kleiner als sie sind, auch wenn es vielleicht nett gemeint ist.
Wenn die beiden unbedingt Kosenamen verwenden müssen (was ich allgemein eher kitschig finde), dann nimm doch lieber "Süße" oder ähnliches, etwas was die beiden trotzdem auf der gleichen Ebene stehen lässt.


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Yvo
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 13:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin Saraa,

danke schon mal für dein Lob und dein Feedback.

Ich merke, dass ich tatsächlich nicht viele Informationen zu den beiden, dem Ort der Handlung, dem Alter (etc.) gebe.

Erstmal reich ich ein paar Informationen nach: Viviane ist 17, Suro 16, sie gehen in die 10. Klasse eines Gymnasiums. Die Handlung spielt in Bremen (ab Kapitel 13 dann Amsterdam), Suro ist aber tatsächlich asiatischer Herkunft (Thailand), Viviane ist "Halbrussin".

Ich bin kein großer Freund von Prologen. Die Geschichte beginnt so und tatsächlich ist das Geheimnis um Suro ein wenig das Leitmotiv. Allerdings mag ich es, direkt ohne großes Vorgeplänkel mit der Handlung zu beginnen. Würde dazu aber gerne noch ein paar weitere Meinungen hören.

Die Ich-Erzählerin wird im 2. Kapitel recht umfangreich vorgestellt. Viviane erzählt von ihrem Freund und wie sie diesen kennengelernt hat, kommt dann nach Hause, stellt fest, dass ihre Eltern (bzw. Mutter und Stiefvater) ihr Zimmer durchsucht haben, während sie in der Schule war (...)
Da gibt es ziemlich viele Informationen über sie, ihre Familie und ihren Alltag und ihre Leben. Mit dem 2. Kapitel bin ich auch schon recht zufrieden. Allerdings gibt es da auch kein einziges Wort zum Aussehen von Viviane, weil ich es irgendwie schwierig finde, eine Ich-Erzählerin über ihr Aussehen reden zu lassen. Gibt es da irgendeinen Trick? (Außer sich selbst im Spiegel zu betrachten?)

Mit den blauen Abschnitt bin ich jetzt wieder ins Schwanken geraten. Da sammle ich erstmal ein paar mehr Meinungen / Argumente, bevor ich eine Entscheidung treffe.

Grüße,
Yvo
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ArtFaulII
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich bin diesbezüglich einer ganz anderen Meinung bin als Saraa.
Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich hauptsächlich im Kurzgeschichten-Genre unterwegs bin, also kann es sein, dass meine Anmerkungen nicht unbedingt auch für einen Roman optimal sind.
Aber ich nehme mir die Freiheit und mache sie einfach trotzdem Wink

1. Der blaue Absatz: Ich stimme dir da zu, dass einen dieser Absatz zu stark aus der Szene herauswirft. Ganz streichen würde ich ihn allerdings nicht, nur sehr stark verkürzen. Dinge, die ich aus dem Absatz mitnehme:

Zitat:
Mittlerweile habe ich das Gefühl, ich helfe ihr am meisten, wenn ich ihr beim „Schweigen zuhöre“.


Das fasst all ihre vorhergehenden Erfahrungen mit Suro reagiert nicht, am Anfang hat sie das noch aufgeregt, in Suro geht irgendetwas vor etc. ziemlich gut zusammen und ist außerdem auf dem aktuellen Stand ihrer Gefühle, sodass du nicht ewig die Routine aus der Vergangenheit schildern musst. Vielleicht noch ein, zwei Sätze dazu und gut.

Zitat:
Wenn sie darüber sprechen könnte, würde sie wohl mit mir darüber reden.


Das finde ich auch wichtig, weil es 1. zeigt, dass Suro auf gar keinen Fall darüber sprechen KANN, warum auch immer und 2. das starke, innige Vertrauensverhältnis der Protagonistinnen betont: Viviane ist Number One Vertrauensperson in Suros Leben.

Dann, der ganze nächste Absatz ist ein Beschreibung von Suro und das bringt mich richtig raus, aus der Geschichte.
Du hast vorher schon in wenigen Zeilen Suro ein wenig beschrieben:

Zitat:
Sie war eine absolute Musterschülerin, fleißig, hielt sich an alle Regeln, meldete sich ständig und war in fast jedem Fach eine Einserkandidatin.


Da hast du das meiner Meinung nach gut gelöst! An dieser Stelle passt es gut, vielleicht kannst du die Quintessenz vom Suro-Absatz hier noch mit einschieben. Nach dem Motto: Himmel, sie bringt sogar vorbereitete Karteikarten mit in den Unterricht! (Das muss doch auch auf Viviane am Anfang befremdlich gewirkt haben, oder?) Ihr Glück, dass sie so ekelerrend gutherzig ist, sonst…
Oder so ähnlich smile

An der Stelle vom blauen Absatz würde ich mich aber tatsächlich auf Suros Schweigen konzentrieren und das nicht mit Reingerede über ihre ausführliche Biographie unterbrechen.

Nur Vorschläge, wie gesagt smile

2) Ich finde es nicht schlimm, wenn das Aussehen von Protagonisten nicht so stark beschrieben wird. Im Gegenteil, Haarfarbe/Augenfarbekombinationen, die zusammenhangslos reingequetscht werden, finde ich furchtbar. Mein Vorschlag: gib nur kleine, also die wichtigsten Details über ihr Aussehen preis, und das immer in einem emotional- oder handlungsgefärbten Kontext.
zB: Viviane könnte über einen Teil von ihrem Körper nachdenken, der ihr überhaupt nicht gefällt, entweder, weil er sie bei irgendwas behindert (Haare, die ihr ins Gesicht fallen, ihr Körper, der beim Raufklettern auf die Leiter entweder zu groß und schlaksig oder ein kleines bisschen zu moppelig ist, im Gegensatz zu Suro, die etc) oder vielleicht hat Suro ja eine süße Nase, die sie nicht hat.
Oder: Sie verheddert sich beim Umarmen in einer von Suros riesigen, flippigen Ketten.
Oder: Ihr steigt der beißende Geruch von Suros Haarfärbemittel in die Nase, weil Suro erst vor kurzem gefärbt hat.
Oder: Ihr Freund macht ihr irgendwann mal ein schmalziges Kompliment oder fragt sie zu einem Detail nach ihrem Kleidungsstil etc.

Wenn Suros Kleidungsstil so ausgefallen und wichtig ist, würde ich das im ersten Kapitel nur andeuten, damit man eine ungefähre Vorstellung von der Richtung bekommt. Das kannst du später ja noch ausbauen, wenn Suro verschwindet. Wird da nicht irgendwann mal jemand von der Polizei fragen, wie sie aussieht und was für Kleidung sie bei letzter Sichtung getragen hat?

3) Wenn dieses Kennenlernen wichtig ist, würde ich es schon reinnehmen! Da die Freundschaft von Viviane und Suro ja ein zentrales Motiv ist (nehme ich an), interessiert mich das als Leser auch, vor allem, wenn es ein eher ungewöhnliches Kennenlernen ist. Allerdings bin ich gar kein Freund von Rückblenden oder Prologen! (Es sei denn sie sind berechtigt Very Happy ) Was ist denn mit dem Freund von Viviane? Vielleicht hat sie im nie erzählt, wie sie sich kennengelernt haben? Und dann fragt er sowas wie: "Du warst noch nie bei ihr zuhause, man, wie kann das überhaupt sein und wieso seid ihr denn so gute Freundinnen, dass du dir so nen Kopf machst und wir sogar einbrechen müssen etc pp" und dann kann sie ihm das erzählen. Oder einer anderen Person ihres Vertrauens.

Hoffe, da war was Hilfreiches dabei!

Liebe Grüße,
Arty
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ArtFaulII
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 14:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ach ja, und das da

Zitat:
Mein Vorschlag wäre früher am Tag anzufangen, die Hauptprotagonistin zu Hause, wie sie sich aus dem Bett quält, frühstückt etc. Da kannst du dann auch die Infos über sie einbringen, wie ihre Familiengeschichte oder so.


bitte, bitte nicht machen! Das ist nicht böse gemeint, Saraa Wink
Aber für mich ist das einer der schlimmsten Einstiege in einen Roman, die ich mir vorstellen kann! Es sei denn, es ist aus irgendeinem Grund zwingend notwendig (wie immer die Ausnahme von der Regel und so).

Ich finde den Einstieg so gut und auch den Text gut und würde weiterlesen! smile
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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 17:44    Titel: Antworten mit Zitat

FRAGEN:
1.) Das größte Problem habe ich mit dem blau markierten Abschnitt. Dies ist ein recht langer "Beschreibungsblock", der von der eigentlich Handlung wegführt. Ich spiele mit dem Gedanken, diesen komplett zu streichen. Was haltet ihr von der Idee? Gibt es in diesem Abschnitt Informationen, die so wichtig sind, dass ich sie doch irgendwo im ersten Kapitel unterbringen sollte? [/quote]
Ich würde es runterkürzen. Zumal du schon davor erwähnst, dass sie 'ne Streberin ist. Das musst du nicht zehn mal erwähnen. Insgesamt würde ich einige der Erklärungen weglassen und später einbauen.

Zitat:


2.) Ist es schlimm / störend, dass das Aussehen der Protagonistinnen nicht beschrieben wird?

Bis jetzt nicht.
Zitat:
Tatsächlich habe ich bisher noch nirgends ihr Aussehen beschrieben, obwohl ich da sehr konkrete Vorstellungen habe (und gerade Suro einen äußerst ungewöhnlichen Kleidungsstil hat). Mir fällt es allerdings schwer, dies zu thematisieren.

Bau es dezent ein. Zum Beispiel kann Suro an ihren bunten Rock nesteln. Und schon habe ich als Leserin ein Gefühl für sie.

Zitat:


3.) Ich habe noch eine Szene im Kopf, wie sich Viviane und Suro kennengelernt haben und Freundinnen wurden. Da könnte man auch das Aussehen schildern. Es wäre eine Rückblende von fast zwei Jahren. Aus bestimmten Gründen macht diese Rückblende in Kapitel 2 und 3 keinen Sinn, Kapitel 4 wird dann langsam zu spät. Seht ihr eine Möglichkeit, diese noch in Kapitel 1 "reinzuquetschen" oder wäre es besser, dem Leser einfach zu sagen "das sind halt sehr gute Freundinnen, frag nicht, warum!"?

Das ist so eine Frage, die man nicht beantworten kann, ohne die gesamte Story zu lesen. Ich denke, es wäre nicht schlimm, wenn du es dezent einbaust. Aber nicht als eine große Rückblende.
Ich tue mir immer so schwer mit Rückblenden. Allein die Erzählung, wo Suro sich ständig versteckt, hätte man dezenter beschreiben können. Du hast daraus gleich eine eigene Geschichte gemacht. Ist bestimmt Geschmackssache, aber mir gefällt das nicht.

Mir gefiel die Story. Da gibt es noch einige Sachen zu verbessern, aber sie nahm mich mit und weckte meine Neugierde.
Der erste Satz als Einstieg finde ich jedoch misslungen.

LG NIR


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nothingisreal
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 17:48    Titel: Antworten mit Zitat

Jetzt sage ich mal was zu den anderen Kommentaren:

Zitat:
Also das ist der Anfang der Geschichte? Oder gibt es noch einen Prolog oder ähnliches? Wenn nicht, geht es mir ehrlich gesagt zu schnell. Dieser Problem oder Geheimnis der Freundin scheint das Hauptthema deiner Geschichte zu sein und im ersten Kapitel als Leser direkt so reingeworfen zu werden, geht mir zu schnell.
Mein Vorschlag wäre früher am Tag anzufangen, die Hauptprotagonistin zu Hause, wie sie sich aus dem Bett quält, frühstückt etc. Da kannst du dann auch die Infos über sie einbringen, wie ihre Familiengeschichte oder so.
Ich würde lieber erst die Hauptperson genauer kennenlernen und dann die Freundin, denn hier in diesem ersten Kapitel schreibst du ja mehr über die Freundin als über die Ich-Erzählerin und das finde ich zu Beginn der Geschichte irgendwie unpassend.


Wenn du das machst, würde ich das Buch weglegen, noch bevor ich die erste Seite zu Ende gelesen habe.
So wie es ist, ist es perfekt. Es gibt sofort einen Konflikt, deine Prota hat ein Ziel etc. Fast schulbuchförmig. Es funktioniert.


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MosesBob
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BeitragVerfasst am: 28.06.2016 21:38    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Yvo! smile

Ich muss mich leider mal kurz als Moderations-Heini melden. Laut unseren Regeln sehen wir pro Geschichte nur einen Thread vor. Für weitere Teile und Kapitel haben wir die Fortsetzungs-Funktion eingerichtet. Die Funktion hat nur einen Knackpunkt: Sie arbeitet chronologisch. Wenn, wie in deinem Fall, zuerst das neunte Kapitel veröffentlicht wird und dann das erste, stünde das neunte Kapitel vor dem ersten. Dann käme vielleicht das fünfte, dann das dritte, dann das zweite, etc. Das heißt, ich würde in diesem Fall zugunsten der Lesbarkeit und Nachvollziehbarkeit davon absehen, beide Threads zusammenzufügen. Ich bitte dich nur, bei etwaigen weiteren Kapiteln die Reihenfolge einzuhalten. Das heißt: Als nächstes das zweite, das dritte, das vierte, ... oder in dem anderen Thread das zehnte, das elfte, das zwölfte, ... Bist du damit einverstanden?

Sorry für die Umstände!

Beste Grüße,

Martin


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Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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Yvo
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BeitragVerfasst am: 29.06.2016 17:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin,

@Arty / @NothingIsReal:
Danke fürs Lesen und fürs Feedback. Die zwei von Arty zitierten Sätze finde ich jetzt auch gar nicht mehr so schlecht. Ich werde die lassen und dann versuchen, den blauen Abschnitt auf 2-5 Sätze herunterzukürzen.

Werde dann auch versuchen, zumindest 1-2 kurze Sachen zum Aussehen zu schreiben. Vielleicht sollte ich zumindest irgendwie erwähnen, dass sie Asiatin ist... ...das steht bis jetzt glaube ich erst einmal in Kapitel 10 irgendwo, da wäre man sicher überrascht, wenn man bis dahin ein anderes Bild im Kopf hatte.

Sander und Viviane reden in Kapitel 4 kurz über Suro. Das ist schon recht voll, aber ich schau mal, ob ich Viviane da kurz schildern lasse, wie sie sich kennengelernt haben.

Und nochmal das für das Feedback, setze ich morgen, bzw. spätestens am Wochenende um.

@MosesBob:
Sorry, habe das bei den Regeln wohl übersehen. Bin ja noch neu hier. Werde dann diesen Thread verwenden und weitere Kapitel chronologisch reinstellen.

Yvo
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Yvo
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BeitragVerfasst am: 03.07.2016 20:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin,

ich habe mal den blauen Abschnitt heruntergekürzt. Einige Informationen habe ich etwas nach oben geschoben, weil ich sie für wichtig halte und sie oben meiner Meinung nach weniger stören.

Ich habe außer den blau markierten Teilen nichts geändert, so dass Leute, welche die obere Version gelesen haben, nicht alles noch einmal lesen müssen.

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KAPITEL 1


Es war ausnahmsweise ziemlich ruhig im Geschichtsunterricht. Sogar so ruhig, dass ich die Träne hörte, die neben mir auf das Arbeitsblatt fiel.
„Hey, alles in Ordnung?“, flüsterte ich und bereute es schon im nächsten Augenblick, denn es führte nur dazu, dass Suro schluchzend aufstand und aus dem Klassenraum eilte. Sie drehte sich kurz vor der Tür noch kurz zu Frau Kielitz und presste ein kurzes, fast ersticktes „Entschuldigung“ heraus, war dann aber verschwunden bevor die junge, etwas pummelige Referendarin antworten konnte, die noch immer ziemlich verdutzt am Lehrerpult stand und offensichtlich keine Ahnung hatte, wie sie auf diese Situation reagieren sollte.
„Keine Sorge, Frau Kielitz. Die flennt ständig. Keiner weiß, warum.“, feixte Leon. Ich hasse seine grinsende Ottofresse. Sie war Auslöser zahlreicher Gewaltfantasien.
„Ich rede mit ihr“, meinte ich im Aufstehen und verließ ebenso schnell wie meine Freundin zuvor den Klassenraum. Frau Kielitz stammelte mir ein „Ja … nein …  doch, ist in Ordnung, Viviane“ hinterher, aber ich wäre auch gegangen, wenn sie es verboten hätte. Sie fuchtelte dabei wild mit ihren Armen herum, was wohl eine beschwichtigende Wirkung erzielen sollte. Dabei war die Klasse wesentlich ruhiger und gelassener als sie in diesem Augenblick.
So sehr ich Leon für seinen blöden Kommentar – und eigentlich auch alles andere – hasste, er hatte nicht ganz unrecht. Gut, das „ständig“ war übertrieben. Es passierte etwa alle drei Wochen. Und tatsächlich wusste niemand, warum sie weinte. Nicht einmal mir hat sie es verraten. Aber zumindest wusste ich, wohin sie zum Weinen flüchtet.
Die ersten Male waren alle noch in heller Aufregung und fast die ganze Klasse hat sie gesucht. Sie war wie vom Erdboden verschluckt, nur um eine Stunde später wie aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Alle dachten, sie hätte das Schulgelände verlassen, was sie nachher auch selber  behauptet hat. Aber als ich ihr beim dritten oder vierten Mal ziemlich schnell hinterherlief, habe ich gesehen, wo sie sich stattdessen wirklich aufhielt: An der Ostseite der Schule gab es diese Metalltreppe, die zu den Notausgängen im ersten und zweiten Stock führte. Wenn man sich ganz oben auf das Geländer stellt, dann kann man sich zum Dach der Schule raufziehen. Das ganze war scheiß gefährlich und ich weiß nicht, ob mich damals mehr schockiert hatte, dass sie dort hochgeklettert war oder dass ich ihr hinterher kletterte.
Wobei man das von mir wahrscheinlich eher erwarten würde als von ihr.
Sie war eine absolute Musterschülerin, fleißig, hielt sich an alle Regeln, meldete sich ständig und war in fast jedem Fach eine Einserkandidatin. Sie kam ja zu Beginn der 9. Klasse vom Realschulzweig der Oberschule und jetzt – ein Jahr und acht Monate später – war sie Klassenbeste auf unserem Gymnasium. Dies hätte unter normalen Umständen wohl dazu geführt, dass sie als „Streberin“ in der Klasse gegolten hätte und eher unbeliebt wäre. Doch zum einen bestätigte sie nahezu perfekt das Klischee der „fleißigen und ehrgeizigen Asiatin“, so dass viele in der Klasse diese Eigenschaften bei ihr als fast naturgesetzlich bedingt einfach hinnahmen. Zum anderem war sie auch eine Frohnatur, lachte häufig und war fast ekelerregend gutherzig und freundlich zu jedem.
Jedenfalls war es für die meisten wohl undenkbar, dass sie etwas so Dummes und Verbotenes machen würde, wie auf das Dach der Schule zu klettern.
Mir würde man das wohl eher zutrauen.
Ich bin einmal sitzen geblieben, habe einige Tage geschwänzt, habe – glaube ich – seit der 6. Klasse keine Hausaufgaben mehr gemacht und hatte letztes Jahr eine Klassenkonferenz, weil ich beim Kiffen erwischt wurde. Mehrere Lehrer sprachen offen aus, dass ich nicht auf ein Gymnasium gehöre. Und ich nehme ihnen das nicht einmal übel, denn wahrscheinlich haben sie damit sogar recht. Der einzige Grund, warum ich noch nicht von der Schule geflogen bin, ist wohl unser Klassenlehrer, Herr Oppmann. Aus irgendeinem Grund verteidigt der mich immer. Der ist cool, ich bin auch dankbar und alles, aber ich weiß wirklich nicht, warum er das macht. Er redet dann von „schwierigen, familiären Verhältnissen“ und ja, läuft ziemlich scheiße bei uns. Aber wenn ich Lehrerin wäre, ich würde so eine wie mich trotzdem nicht in meiner Klasse haben wollen.
Schließlich kam ich bei der Metalltreppe an. Ich blickte mich noch einmal um, um zu sehen, ob mir jemand gefolgt war, und machte mich dann auf den Weg nach oben. Oben angekommen atmete ich noch einmal durch und blickte nach unten. Obwohl ich das ganze jetzt schon ein paar mal gemacht hatte, war mir noch immer unwohl bei dem Ganzen. Auch, wenn ich jetzt schon etwas Übung darin hatte, war das ganze noch immer lebensgefährlich. Am einfachsten ging es, wenn man nicht darüber nachdachte und etwas Schwung nahm. So machte ich es auch diesmal und wie jedes mal war mir danach ein wenig schlecht.
Suro saß am Rande des Dachs und blickte den Horizont entgegen. Sie sah mich nicht an, hatte aber wohl mitbekommen, dass ich jetzt auch da war. Der Wind war ziemlich heftig und zerrte an ihren schwarzen Haaren. Sie weinte nicht mehr. Manchmal beruhigt sie sich sehr schnell wieder, aber manchmal dauert es auch eine halbe Stunde, bis sie aufhört zu schluchzen. Ich setzte mich wortlos daneben und legte meinen Arm um sie.
Am Anfang habe ich noch versucht, mit ihr zu sprechen. Ich fragte sie, was passiert sei und ob ich ihr irgendwie helfen könne. Doch sie antwortete nie. Sie wollte nicht darüber sprechen. Oder sie konnte es nicht.
Mittlerweile habe ich das Gefühl, ich helfe ihr am meisten, wenn ich ihr beim „Schweigen zuhöre“.
Vielleicht werde ich nie erfahren, was sie manchmal so traurig macht, aber das muss ich dann akzeptieren.

Nachdem eine halbe Ewigkeit vergangen ist, senkte Suro den Kopf, atmete jetzt langsamer und entspannter und betrachtete ihre Hände. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie war das immer das Zeichen, dass wir reden konnten.
„Geht es wieder?“
„Ja.“
„Du weißt schon, dass ich immer halb sterbe, wenn du hier raufkletterst, oder?“
„Ja. Tut mir leid.“
„Nicht so schlimm, Kurze.“
Ich blickte in den Himmel und wusste nicht, was ich noch sagen sollte. Es ist ziemlich schwierig, immer um das gleiche Thema herumreden zu müssen. Mir fiel nichts besseres ein, als Leon zu erwähnen.
„Leon hat wieder Sprüche gerissen.“
„Hm, Arsch.“
Ich musste lächeln. Damit war dazu eigentlich auch alles gesagt. Auch Suros Lippen deuteten einen Hauch eines Lächelns an. Sie fuhr fort.
„Wie hat eigentlich Frau Kielitz reagiert, als ich weg war?“
„Die war ziemlich fertig mit den Nerven und total überfordert. Die kannte deine Macken ja noch nicht.“
„Shit. Ich sollte mich bei ihr entschuldigen.“
„Jetzt nicht. Die hat jetzt eh Unterricht. Was hätten wir jetzt eigentlich?“
„Physik.“
„Bei Herrn Uhlmeier? Dreck. Lass uns da bitte nicht hin, okay?. Der hat mich doch eh auf dem Kieker und dreht durch, wenn ich jetzt 15 Minuten zu spät komme. Da komm ich lieber gar nicht. Außerdem kriege ich eh eine Fünf in Physik, aber das ist schon in Ordnung. Eine Fünf kann ich mir leisten.“
Suro lächelte.
„Ist okay.“
Wir schwiegen ein paar Atemzüge, dann sah Suro mich wieder sehr ernst an und flüsterte: „Danke“.
„Wofür?“
„Das du da bist.“
„Schon gut, Kurze.“
Sie umarmte mich dann ziemlich heftig, so, dass es fast weh tat. Als sie die Umklammerung löste, ging es ihr schon sichtlich besser. Sie stand auf und streckte sich erst einmal, bevor sie mir die Frage stellte, die ihr vermutlich schon seit heute morgen auf den Nägeln brannte:
„So. Da wir jetzt eine halbe Stunde Zeit haben, erzähl: Wie war eigentlich jetzt dein Treffen mit 'du weißt schon wem' ?“
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BeitragVerfasst am: 06.07.2016 16:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ivo,

ich finde es toll, dass Du nun auch den Anfang Deines Jugendromans ins Forum gestellt hast. Ich hab mich mal drauf gestürzt und ein paar Sachen angeregt.

Es war ausnahmsweise ziemlich ruhig im Geschichtsunterricht.
Sogar – an dieser Stelle würde ich das „sogar“ löschen und den Satz direkt beginnen, denn ohne das Füllwort kommt die Betonung der Ruhe noch einmal besser zum Ausdruck.
So ruhig, dass ich die Träne hörte, die neben mir auf das Arbeitsblatt fiel.

„Hey, alles in Ordnung?“, flüsterte ich und bereute es schon im nächsten Augenblick, denn es führte nur dazu, dass Suro schluchzend aufstand und aus dem Klassenraum eilte.
Kurze Bemerkung zu diesem Satz: Mir fehlt hier ein kurzer Blickkontakt, der Suro einführt.
Zum Beispiel so: Ich sah / blickte Suro an. „Hey, alles in Ordnung?“, flüsterte ich und bereute es schon im nächsten Augenblick, denn es führte nur dazu, dass sie schluchzend aufstand und aus dem Klassenraum eilte.
Sie drehte sich kurz vor der Tür noch kurz zu Frau Kielitz
Das würde so formulieren: Kurz vor der Tür drehte sie sich kurz zu Frau Kielitz um – weil es um den logischen Anschluss an den vorherigen Satz geht.
und presste ein kurzes, fast ersticktes „Entschuldigung“ heraus. Hier würde ich einen Punkt setzen, sonst wird der Satz zu sehr verschachtelt, um so fortzufahren:
Bevor die junge? – ich denke dieses Adjektiv benötigt der Text nicht, denn das Wort „Referendarin“ drückt meiner Meinung bereits aus, dass sie U-30 ist.
Sie drehte sich kurz vor der Tür noch kurz zu Frau Kielitz, die noch immer ziemlich verdutzt am Lehrerpult stand. Sie hatte offensichtlich keine Ahnung, wie sie auf diese Situation reagieren sollte. Doch bevor die etwas pummelige Referendarin antworten konnte, verschwand sie / Suro/ war sie / Suro verschwunden.  
Im nächsten Absatz würde ich den Leon auch vor Beginn des Dialogs einführen, weil es für den Leser übersichtlicher ist.
So z.B.: Leon feixte. „Keine Sorge, Frau Kielitz. Die flennt ständig. Keiner weiß, warum.“
Ich hasse – hier nicht die Zeitform ändern. Ich hasste seine grinsende Ottofresse. Sie war Auslöser zahlreicher Gewaltfantasien. „Ich rede mit ihr“, meinte ich im Aufstehen und verließ ebenso schnell
Hier: der Ort gehört vor den Vergleich: den Klasse wie meine Freundin zuvor.
Frau Kielitz stammelte mir ein „Ja … nein …  doch, ist in Ordnung, Viviane“ hinterher. Hier Punkt. Dann zuerst den Satz: Sie fuchtelte dabei wild mit ihren Armen herum, was wohl eine beschwichtigende Wirkung erzielen sollte. Dabei war die Klasse wesentlich ruhiger und gelassener als sie in diesem Augenblick. Jetzt könnte es so weitergehen: Außerdem wäre ich auch gegangen, wenn sie es verboten hätte.
So sehr ich Leon für seinen blöden Kommentar – und eigentlich auch alles andere – hasste, er hatte nicht ganz unrecht. Gut, das „ständig“ war übertrieben. Es passierte etwa alle drei Wochen. Und tatsächlich wusste niemand, warum sie weinte. Nicht einmal mir hat sie es verraten.
Mit diesem Absatz kann ich mich nicht anfreunden. Jetzt Leons Kommentar noch einmal zu erklären, kommt mir etwas verspätet, weil es an dieser Stelle aus dem Zusammenhang gerissen ist.

Aber zumindest wusste ich, wohin sie zum Weinen flüchtet. Die ersten Male waren alle noch in heller Aufregung und fast die ganze Klasse hat sie gesucht. Sie war wie vom Erdboden verschluckt, nur um eine Stunde später wie aus dem Nichts wieder aufzutauchen. Alle dachten, sie hätte das Schulgelände verlassen, was sie nachher auch selber  behauptet hat. Aber als ich ihr beim dritten oder vierten Mal ziemlich schnell hinterherlief, habe ich gesehen,  - Hier stimmen die Zeitformen nicht. Da müsste der Tempus gewechselt werden.
Aber als ich ihr beim dritten oder vierten Mal ziemlich schnell hinterhergelaufen war, hatte ich gesehen, wo sie sich stattdessen wirklich aufhielt. – Hier besser einen Absatz
An der Ostseite der Schule gab es diese Metalltreppe, die zu den Notausgängen im ersten und zweiten Stock führte. Wenn man sich ganz oben auf das Geländer stellt, dann kann man sich zum Dach der Schule raufziehen. – Nochmal falsche Zeitform.
Wenn man sich ganz oben auf das Geländer stellte, konnte man sich zum Dach der Schule raufziehen. Das ganze war scheiß gefährlich KOMMA und ich weiß nicht, ob mich damals mehr schockiert hatte, dass sie dort hochgeklettert war oder dass ich ihr hinterher kletterte. – Zweimal kletterte in einem Satz, eins würde ich durch ein Synonym ersetzen. Wie wäre es z.B. mit nach oben hangeln? Und die Zeitform scheint mir auch nicht korrekt zu sein.

Wobei man das von mir wahrscheinlich eher erwarten würde als von ihr. Hier würde ich ein Komma setzen und fortfahren
… sie war eine absolute Musterschülerin, fleißig, hielt sich an alle Regeln, meldete sich ständig und war in fast jedem Fach eine Einserkandidatin. Sie kam ja – ich finde die Formulierung unglücklich.
Ich würde mit obwohl fortfahren: obwohl sie erst zu Beginn der 9. Klasse vom Realschulzweig der Oberschule – ohne „und jetzt“, besser so: zu uns gewechselt war / oder ähnlich. und jetzt – ein Jahr und acht Monate später – war sie Klassenbeste auf unserem Gymnasium. Dies hätte unter normalen Umständen wohl dazu geführt, dass sie als „Streberin“ vorziehen: in der Klasse gegolten hätte und eher unbeliebt wäre.
Dies hätte unter normalen Umständen wohl dazu geführt, dass sie in der Klasse als „Streberin“ gegolten hätte und eher unbeliebt wäre. Doch zum einen bestätigte sie nahezu perfekt das Klischee
Kurze Anmerkung: Ich bin unsicher, ob Leser der AK bis 14 ein Klischee schon richtig zuordnen können. Ich bin auch unsicher, ob fleißige und ehrgeizige Asiatinnen wirklich ein Klischee beschreiben. Für mich ist das eher eine Eigenschaft.
Nicht der, sondern einer „fleißigen und ehrgeizigen Asiatin“, so dass viele in der Klasse diese Eigenschaften bei ihr als fast naturgesetzlich bedingt einfach hinnahmen. Zum anderem war sie auch eine Frohnatur, lachte häufig und war fast ekelerregend gutherzig und freundlich zu jedem. Jedenfalls war es für die meisten wohl undenkbar, dass sie etwas so Dummes und Verbotenes machen würde, wie auf das Dach der Schule zu klettern. – In diesem Absatz finde ich auch sehr oft war. Das eine oder andere würde ich ersetzen.
Mir würde man das wohl eher zutrauen. Ich bin einmal sitzen geblieben, habe einige Tage geschwänzt, habe – glaube ich – seit der 6. Klasse keine Hausaufgaben mehr gemacht und hatte letztes Jahr eine Klassenkonferenz, weil ich beim Kiffen erwischt wurde. – Hier auch zu viele Hilfsverben.
Mehrere Lehrer sprachen offen aus, dass ich nicht auf ein Gymnasium gehöre. Und ich nehme ihnen das nicht einmal übel, denn wahrscheinlich haben sie damit sogar recht. Der einzige Grund, warum ich noch nicht von der Schule geflogen bin, ist wohl unser Klassenlehrer, Herr Oppmann. Aus irgendeinem Grund verteidigt der mich immer. Der ist cool, ich bin auch dankbar und alles, aber ich weiß wirklich nicht, warum er das macht. Er redet dann von „schwierigen, familiären Verhältnissen“ und ja, läuft ziemlich scheiße bei uns. Aber wenn ich Lehrerin wäre, ich würde so eine wie mich trotzdem nicht in meiner Klasse haben wollen.
Schließlich kam ich bei der Metalltreppe an. Ich blickte mich noch einmal um, um zu sehen, ob mir jemand gefolgt war, und machte mich dann auf den Weg nach oben. Oben angekommen atmete ich noch einmal durch und blickte nach unten. Obwohl ich das ganze jetzt schon ein paar mal gemacht hatte, war mir noch immer unwohl bei dem Ganzen. Auch, wenn ich jetzt schon etwas Übung darin hatte, war das ganze noch immer lebensgefährlich. Am einfachsten ging es, wenn man nicht darüber nachdachte und etwas Schwung nahm. So machte ich es auch diesmal und wie jedes mal war mir danach ein wenig schlecht.
Suro saß am Rande des Dachs und blickte den SO: dem Horizont entgegen. Sie sah mich nicht an, hatte aber wohl mitbekommen, dass ich jetzt auch da war. Der Wind war – Warum lässt Du den Wind nicht blasen, klingt meiner Meinung nach besser als das Hilfsverb „war“. ziemlich heftig und zerrte an ihren schwarzen Haaren. Sie weinte nicht mehr. Manchmal beruhigt sie sich sehr schnell wieder, aber manchmal dauert es auch eine halbe Stunde, bis sie aufhört zu schluchzen. ABSATZ
Ich setzte mich wortlos daneben und legte meinen Arm um sie. Am Anfang Nicht: habe SO: hatte ich noch versucht, mit ihr zu sprechen. Ich fragte sie, was passiert sei und ob ich ihr irgendwie helfen könne. Doch sie antwortete nie. Sie wollte nicht darüber sprechen. Oder sie konnte es nicht.
Mittlerweile habe falsche Zeitform, besser wäre so: Mittlerweile beschlich mich das Gefühl, dass es ihr eher hilft, wenn ich ihr beim Schweigen zuhöre.
ich das Gefühl, ich helfe ihr am meisten, wenn ich ihr beim „Schweigen zuhöre“.
Vielleicht werde ich nie erfahren, was sie manchmal so traurig macht, aber das muss – Warum muss? Hier passt „würde“ besser, also Konjunktiv. ich dann akzeptieren.
Nachdem eine halbe Ewigkeit vergangen ist, senkte Suro den Kopf, atmete jetzt langsamer und entspannter und betrachtete ihre Hände. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie war das immer das Zeichen, dass wir reden konnten.
„Geht es wieder?“
„Ja.“
„Du weißt schon, dass ich immer halb sterbe, wenn du hier raufkletterst, oder?“
„Ja. Tut mir leid.“
„Nicht so schlimm, Kurze.“
Ich blickte in den Himmel und wusste nicht, was ich noch sagen sollte. Es ist ziemlich schwierig, immer um das gleiche Thema herumreden zu müssen. Mir fiel nichts besseres ein, als Leon zu erwähnen.
„Leon hat wieder Sprüche gerissen.“
„Hm, Arsch.“
Ich musste lächeln. Damit war dazu eigentlich auch alles gesagt. Auch Suros Lippen deuteten einen Hauch eines Lächelns an. Sie fuhr fort.
„Wie hat eigentlich Frau Kielitz reagiert, als ich weg war?“
„Die war ziemlich fertig mit den Nerven und total überfordert. – Anhand der Reaktion der Referendarin erkenne ich den Nervenzusammenbruch nicht. - Die kannte deine Macken ja noch nicht.“
„Shit. Ich sollte mich bei ihr entschuldigen.“

Kurze Idee: Ich fände es passend, auch mal die Schulklingel zu hören. Dann würde die Physikstunde mehr Sinn machen.

„Jetzt nicht. Die hat jetzt eh Unterricht. Was hätten wir jetzt eigentlich?“
„Physik.“
„Bei Herrn Uhlmeier? Dreck. Lass uns da bitte nicht hin, okay?. Der hat mich doch eh auf dem Kieker und dreht durch, wenn ich jetzt 15 Minuten zu spät komme. Da komm ich lieber gar nicht. Außerdem kriege ich eh eine Fünf in Physik, aber das ist schon in Ordnung. Eine Fünf kann ich mir leisten.“
Suro lächelte.
„Ist okay.“
Wir schwiegen ein paar Atemzüge, dann sah Suro mich wieder sehr ernst an und flüsterte: „Danke“.
„Wofür?“
„Das du da bist.“
„Schon gut, Kurze.“
Sie umarmte mich dann ziemlich heftig, so, dass es fast weh tat. Als sie die Umklammerung löste, ging es ihr schon sichtlich besser. Sie stand auf und streckte sich erst einmal, bevor sie mir die Frage stellte, die ihr vermutlich schon seit heute morgen auf den Nägeln brannte:
„So. Da wir jetzt eine halbe Stunde Zeit haben, erzähl: Wie war OHNE: eigentlich jetzt - dein Treffen mit 'du weißt schon wem'?“

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Yvo
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BeitragVerfasst am: 06.07.2016 23:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Moin Diamond,

danke für deine Änderungsvorschläge und deinen Blick fürs Detail. Habe jetzt etwa 80% deiner Vorschläge übernommen. (Die anderen 20% sehe ich anders). Ich setze jetzt mal keine neue Version hier rein, weil sich nur einzelne Wörter oder Formulierungen geändert haben.

Die Schulklingel wurde eingebaut, statt zwei mal "klettern" im Satz "folgt" Viviane nun Suro, "Sogar" ist weg, viele Sätze wurden umgestellt (u.s.w.).

Habe mich in zwei Fällen jedoch entschieden, beim Präsens zu bleiben (Ich hasse Leon / an der Stelle kann man raufklettern...): In meinem Kopf erzählt Viviane die Geschichte vielleicht zwei Monate später, da hasst sie Leon immer noch. Wenn ich schreibe "Ich hasste seine grinsende Ottofresse" könnte man es so verstehen, dass es nun nicht mehr so ist oder als ob dies schon lange her ist und Viviane die Schule schon beendet hat.

Was du über Klischees geschrieben hast ("Ich bin unsicher, ob Leser der AK bis 14 ein Klischee schon richtig zuordnen können. Ich bin auch unsicher, ob fleißige und ehrgeizige Asiatinnen wirklich ein Klischee beschreiben. Für mich ist das eher eine Eigenschaft."), verstehe ich nicht so ganz.

Zum einen ist das Buch eher für Leser ab 14 Jahren geeignet. (Ich peile ca. 15-19 Jahre als Zielgruppe an.)
Zum anderen bestehen Klischees ja daraus, dass man einer bestimmten Herkunft (oder Beruf, Geschlecht, Religion...) bestimmte Eigenschaften zuordnet:
Afrikaner sind faul.
Asiaten sind fleißig.
Russen sind Säufer.
Franzosen sind arrogant.
...
Meinst du, "Asiaten sind fleißig" sei kein gängiges Klischee?

Wie dem auch sei, ich denke mit Kapitel 1 bin ich vorerst durch. Ich fahre mal fort mit Kapitel 2.

Grüße,
Yvo
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Yvo
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BeitragVerfasst am: 07.07.2016 00:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich fahre mal fort mit dem zweiten Kapitel. Bzw. mit der ersten Hälfte des zweiten Kapitels, denn 3000 Worte wollte ich hier nicht auf einmal reinstellen.

Interessieren würde mich, ob Sander und Göcke / "Goku" gut umschrieben wurden und ob das Verhältnis zwischen "zusammenfassender Beschreibung" und "aktiver Handlung" für das zweite Kapitel gut gelöst ist.
Und natürlich auch alle weiteren Anregungen / Änderungsvorschläge.
(Anmerkung: Melanie wird nicht beschrieben, weil sie im weiteren Verlauf keine Rolle mehr spielt...)

Ich freu mich auch über kurze Mitteilungen, Einschätzungen oder Fragen.


Kapitel 2 - Teil 1

Wir redeten dann noch eine Weile über Sander, meinen neuen Freund. Ich lernte ihn auf der Geburtstagsfeier von Melanies älteren Schwester kennen. Die studierte schon und feierte in ihrer WG. Größtenteils waren da nur Studentinnen und Studenten, bestimmt fünfzig oder sechzig Leute, es war irrsinnig voll. Melanie, Suro, Gökce und ich waren die einzigen dort, die noch etwas jünger waren. Und Sander war auch da. Gökce, die wir alle eigentlich immer Goku nannten, war die erste, die ihn gesehen hat und mich ganz aufgeregt mit den Ellenbogen anstieß.
„Vi, der da in dem weißen T-Shirt mit den Tattoos! Das ist doch genau dein Typ, oder?“
Natürlich war sie dabei viel zu laut und auffällig. Und obwohl die Musik laut war und etwa fünfzehn weitere Partygäste sich hier unterhalten haben, hat er es wohl mitbekommen, musste  verlegen lächeln und kam ein paar Sekunden später auf uns zu. Mir war das unglaublich peinlich und eigentlich wollte ich mich noch umdrehen und Goku erwürgen, aber die war schon halb zur Tür raus, rief mir noch gackernd ein „Viel Spaß!“ hinterher und verschwand dann mit Suro und Melanie im Hausflur. Noch bevor ich überlegen konnte, wie ich aus der ganzen Situation wieder rauskomme, stand der Kerl auf einmal vor mir.
„Hallo, ich heiße Sander. Entschuldigung bitte, wenn ich nicht so gut deutsch spreche. Ich bin erst eine paar Monaten in Deutschland.“
Goku hatte recht. Das war ziemlich genau mein Typ. Mittelgroß, schlanke Statur, dunkelblond, zerwaschene Jeans, Tunnel in den Ohren und mehrere Tätowierungen auf den Armen, die irgendwelche Science-Fiction-Motive oder Computerplatinenmuster zeigten. Um seinen Hals hing ein überraschend großer und tatsächlich auch recht teuer aussehender Kopfhörer, was ihn als Musikfan outete. Er hatte ein schmales, recht kantiges Gesicht, blasse Haut und blaugraue, klare Augen.
Wir unterhielten uns dann drei Stunden lang. Wie sich herausstellte, war er 21 Jahre alt, kam aus Kopenhagen und war jetzt nach Bremen gezogen, um hier Informatik zu studieren. Ich liebte seinen dänischen Dialekt und die vielen kleinen Grammatikfehler, die er beim Sprechen machte, und das er sich für jeden Fehler immer gleich entschuldigte. Das war irgendwie niedlich. Wir sprachen über seine Tätowierungen (er war tatsächlich ziemlich nerdy), Musik, Videospiele, darüber, dass seine Mutter aus Amsterdam kommt, er deswegen einen niederländischen Namen hat und auch niederländisch sprechen kann, er neben dem Studium Webseiten programmiert und Server einrichtet, um etwas Geld zu verdienen und über seine Reise quer durch Europa, die er nach der Schule gemacht hatte. Und dann redeten wir noch über Politik, den Weltraum, Außerirdische, darüber, was Aliens wohl über die Menschen denken würden, wenn sie auf die Erde kämen, Selfie-Sticks und darüber, wie sinnlos und dumm homophobe Menschen doch sind. Was mir aber am meisten gefallen hat – außer, dass wir in vielen Dingen ähnliche Ansichten hatten – war, dass er mich kaum fünf Sekunden ansehen konnte ohne verlegen zu lächeln. Er war, obwohl er schon viel erlebt und gesehen hatte, doch ziemlich schüchtern und nervös.
Als meine Mädels dann nach drei Stunden wieder zu mir kamen und meinten, dass wir los müssten, war ich allerdings doch ein wenig enttäuscht, dass er nur meinte „Oh, okay.“ und dann ziemlich geknickt da stand und mich wohl einfach hätte gehen lassen. Dabei hatte ich ihm so viel „grünes Licht“ gegeben, dass ich nicht mehr wusste, wie ich es hätte noch offensichtlicher machen können. Also nahm ich meinen Mut zusammen und meinte schließlich: „Du musst mich jetzt übrigens nach meiner Nummer fragen.“
„Oh. Ja, richtig.“
Er war doch ziemlich überrascht und hätte fast sein Smartphone noch fallengelassen. Nachdem wir Nummern ausgetauscht hatten, fing er sich aber wieder und sagte zum Abschied: „Ich würde wirklich gerne dich wiedersehen, Viviane“.
Jetzt war wiederum ich recht verlegen und stammelte ein „Ich dich auch“, dann schnappte ich mir schnell meine Mädels und verschwand, da ich schon gemerkt hatte, dass die kurz vorm Losgackern waren. Das machten sie dann auch, sobald wir zur Tür raus waren, als wären wir alle wieder zwölf und man hätte zum ersten Mal mit einem Jungen geflirtet. Vor allem Goku war kaum zu berühigen.
„Und? Erzähl! Wie war es? Ich hab dir gesagt, dass ist dein Typ! Ich hab den gesehen und gleich gewusst: Der passt zu Vi! Ich hab das gewusst! Stimmt doch, oder?“
„Jaja, der ist schon ganz in Ordnung. Dreh nicht durch.“
Ich war immer noch ein wenig sauer auf Goku, dass sie so dreist und laut war, aber irgendwie auch dankbar. Das war halt ihre Art. Goku ist die übelste Kupplerin an unserer Schule. Eine türkische Kurdin, 17 Jahre alt, die zur Hälfte aus schwarzen, glänzenden Locken besteht. Immer ziemlich aufgetakelt, fast immer sehr enge Jeans mit breiten Gürteln und einen Körperbau, um den man sie eigentlich nur beneiden konnte. Die Jungs standen bei ihr Schlange, sie ließ aber alle immer abblitzen. In der Schule war sie durchschnittlich, das Zeugnis bestand aus Dreien und Vieren, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass sie ein Abitur braucht. Ich konnte mir für sie nur drei mögliche Berufe vorstellen: Weddingplaner, irgendwas bei einer Partnervermittlung oder Klatschblatt-Reporterin. Liebe und Beziehungen schienen das einzige zu sein, was sie wirklich interessiert. Sie hörte auch immer so fürchterliche türkische Liebesschnulzen oder unterhielt sich mit Nesrin aus der Parallelklasse über irgendwelche türkischen Soaps. Außer diesen ganzen Liebeskram gab es nur ein Thema, für welches sie sich wirklich interessierte, und das war diese Kurdensache. Immer, wenn es Angriffe oder Unterdrückung von Kurden irgendwo auf der Welt gab, erzählte sie es am nächsten Tag jedem. Und außerdem sei Merkel eine „blöde Hure“, weil die mit Erdogan gemeinsame Sache gegen die Kurden mache, und deswegen wäre jeder, der die wählen würde, ihr Feind. Die war da ziemlich extrem in ihren Ansichten und sehr emotional, aber ihre Eltern und ihr Bruder waren bei dieser Kurdensache auch ziemlich engagiert, sammelten Spenden und veranstalteten Demos und so.
Jedenfalls löcherten meine Freundinnen mich noch eine ganze Weile mit fragen. Ich wollte es nicht zugeben, aber Sander gefiel mir schon vom ersten Tag an ziemlich gut und jetzt waren wir seit etwa vier Wochen ein Paar.

Jedenfalls klemmten wir Physik ab und ich erzählte Suro, was ich gestern mit Sander unternommen habe. Sie war ziemlich enttäuscht, dass es keine Sexgeschichten zu berichten gab. Wir haben schon miteinander geschlafen und wenn es nach mir ginge, könnten wir das auch gerne öfter machen. Das war aber ziemlich kompliziert, weil meine Mutter und mein Stiefarsch nichts von Sander wussten und das auch gerne so bleiben konnte. Und Sander wohnte in einer größeren WG mit ziemlich dünnen Wänden, wo eigentlich ständig irgendwelche Leute rumhingen. So hatten wir keinen Sex, wenn uns danach war, sondern wenn es halt möglich war. Meist lief das relativ spontan. Er schrieb dann eine Whatsapp-Nachricht, dass jetzt zufällig seine Mitbewohner alle an der Universität oder sonst wo waren und ich überlegte mir zu Hause irgendeine Ausrede, dass ich nochmal in die Stadt müsse oder mich mit einer Freundin treffe oder so. Ich möchte das aber gar nicht schlecht reden. Waren die besten Nachrichten, die ich bekam.
Wir sind dann kurz vor der großen Pause vom Dach runter und zur fünften Stunde wieder zum Deutschunterricht von Herrn Oppmann erschienen. Der ermahnte uns mal wieder, dass es nicht ginge, ganze Stunden abzuhängen und wie immer spielten wir das „Tut uns wirklich leid, es wird nicht wieder vorkommen!“-Spiel. Und wie immer passierte dann auch nicht mehr. Am Anfang waren die Lehrer da wesentlich engagierter. Es gab Diskussionen unter ihnen, sie wollten mit Suro sprechen, sie haben Suro zur Schulsozialarbeiterin geschickt und auch bei einem Elternabend ist das Thema angesprochen worden, wie mir meine Mutter erzählte. Aber mittlerweile hat man sich daran wohl gewöhnt. Oder man hat akzeptiert, dass man da nichts machen kann.

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Diamond
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BeitragVerfasst am: 07.07.2016 00:38    Titel: Antworten mit Zitat

Yvo hat Folgendes geschrieben:
Moin Diamond,

danke für deine Änderungsvorschläge und deinen Blick fürs Detail. Habe jetzt etwa 80% deiner Vorschläge übernommen. (Die anderen 20% sehe ich anders). Ich setze jetzt mal keine neue Version hier rein, weil sich nur einzelne Wörter oder Formulierungen geändert haben.

Die Schulklingel wurde eingebaut, statt zwei mal "klettern" im Satz "folgt" Viviane nun Suro, "Sogar" ist weg, viele Sätze wurden umgestellt (u.s.w.).

Habe mich in zwei Fällen jedoch entschieden, beim Präsens zu bleiben (Ich hasse Leon / an der Stelle kann man raufklettern...): In meinem Kopf erzählt Viviane die Geschichte vielleicht zwei Monate später, da hasst sie Leon immer noch. Wenn ich schreibe "Ich hasste seine grinsende Ottofresse" könnte man es so verstehen, dass es nun nicht mehr so ist oder als ob dies schon lange her ist und Viviane die Schule schon beendet hat.

Was du über Klischees geschrieben hast ("Ich bin unsicher, ob Leser der AK bis 14 ein Klischee schon richtig zuordnen können. Ich bin auch unsicher, ob fleißige und ehrgeizige Asiatinnen wirklich ein Klischee beschreiben. Für mich ist das eher eine Eigenschaft."), verstehe ich nicht so ganz.

Zum einen ist das Buch eher für Leser ab 14 Jahren geeignet. (Ich peile ca. 15-19 Jahre als Zielgruppe an.)
Zum anderen bestehen Klischees ja daraus, dass man einer bestimmten Herkunft (oder Beruf, Geschlecht, Religion...) bestimmte Eigenschaften zuordnet:
Afrikaner sind faul.
Asiaten sind fleißig.
Russen sind Säufer.
Franzosen sind arrogant.
...
Meinst du, "Asiaten sind fleißig" sei kein gängiges Klischee?

Wie dem auch sei, ich denke mit Kapitel 1 bin ich vorerst durch. Ich fahre mal fort mit Kapitel 2.

Grüße,
Yvo


Hallo Ivo,

Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht in welche Schublade Asiaten gehören. Deshalb kann ich Dir die Frage nach dem gängigen Klischee auch nicht beantworten. Aber mich amüsiert, was Du zu Franzosen und Afrikanern geschrieben hast. Ich denke allerdings, dass man grundsätzlich nicht alle über einen Kamm scheren sollte, denn es ist ja auch nicht jeder Deutsche ein Dichter und Denker.

VG Diamond
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Orpheus
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BeitragVerfasst am: 18.07.2016 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ivo,
ich habe mich nun einmal intensiv mit dem Kapitel 1 beschäftigt. Zunächst einmal: Die Geschichte beginnt direkt spannend und du pflegst einen coolen Sprachstil.
Allerdings musst du dich dringend entscheiden ob du im Präsens oder Imperfekt schreiben willst. Die Geschichte ist so etwa halbe halbe.
Ein weiterer Punkt ist manchmal dein Satzbau. Du schreibt Schachtelsätze, und die machen das Lesen schwer. Mach einfach öfter einmal einen Punkt. Und vermeide Füllwörter wie "eigentlich" oder "relativ".

Zu deinen Fragen:

1.) Das größte Problem habe ich mit dem blau markierten Abschnitt. Dies ist ein recht langer "Beschreibungsblock", der von der eigentlich Handlung wegführt.
Lass ihn auf jeden Fall stehen. Er sagt viel über deine Hauptfigur, wie sie tickt und wo ihre Stärken und Schwächen sind.
2.) Ist es schlimm / störend, dass das Aussehen der Protagonistinnen nicht beschrieben wird?
Da finde ich die Idee von Saraa gut. Lass Viviane doch morgens verkatert vom Kiffen aufwachen und sich vor den Spiegel stellen. Lass sie sich mit Suro treffen auf dem Schulhof. Viviane sieht die perfekt gestylte Suro, ihr genaues Gegenteil. Da kannst du dich auslassen.

3.) Ich habe noch eine Szene im Kopf, wie sich Viviane und Suro kennengelernt haben und Freundinnen wurden. Da könnte man auch das Aussehen schildern. Es wäre eine Rückblende von fast zwei Jahren.

Wenn du den Rückblick willst, dann lass ihn auf der Treppe spielen, da wo Viviane mitbekommt, wie Suro sich langsam beruhigt. Allerdings ist es in einem Roman schwierig, das Stilelement "Rückblick" nur einmal anzuwenden.

Was ich noch sagen wollte:Auch wenn ich es gerade mache, lass dich nicht einengen und beschneiden. Vor allem nicht beim ersten Entwurf. Damit läufst du Gefahr, den Sprachfluss zu verlieren, und das wäre schade.
Wenn dein Werk wirklich reift, dann wird dich irgendwann dein Lektor knechten, dann ist es früh genug.

Viel Spaß weiterhin beim Schreiben. Ich bin gespannt.


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