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Die Nacht ist eine Brücke [Prosa]

 
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Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Postkartenprosa 03/2014
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Autor Nachricht
KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 47
Beiträge: 6738

Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8
Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 30.03.2014 19:00    Titel: Die Nacht ist eine Brücke [Prosa] eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Nacht ist eine Brücke


Die Nacht ist eine Brücke, die sich über einen Abgrund schwingt in dem Hoffnung und Verzweiflung sich gegenseitig fressen.
Um drei Uhr nachts ist der Tiefpunkt dieser Brücke erreicht, dort wo die Bretter morsch sind.

Das Zimmer ist dunkel, das Ziffernblatt des Weckers leuchtet schwächlich grün.
Auf dem Monitor zuckt in Rot und Blau die Ahnung von Leben, das wach ist, voranschreitet.
Draußen peitscht Wind die Bäume, drückt Regen gegen die Scheiben.
Der alte Mann sitzt neben dem Bett, hält die Hand seiner Frau.

Gleich ist es drei Uhr.

Er spürt es als Summen in seinen Ohren.
 
Schon wird das Rauschen des Windes schwächer, das Prasseln des Regens verhaltener.
Beides erstirbt.
Das Ticken des Weckers verlangsamt sich, bleibt zwischen der Zeit hängen.
Wartet.
Das schwarze Viereck des Monitors dehnt sich vor den Augen des Mannes, bis es alles ausfüllt.
Die rote Linie schlägt in einem Zacken aus, die blaue hinkt hinterher, beide werden langsamer, kommen ins Stocken, halten inne.
Werden zum Relief eines riesenhaften Gebirges, stehen dort rot und blau.
 
3:00

Bewegung gerinnt, fällt in fedrigen Flocken zu Boden, sammelt sich in den Zimmerecken.
Der Mann hält den Atem an, fasst die Hand seiner Frau fester.
Ihr Gesicht, von Furchen durchzogen, verrät nichts.
Weiter, weiter! Drängt er sie in Gedanken.
Mit dem Finger fährt er die Linie ihres Mundes nach, seine Hand zittert.
Er blickt zum Wecker.
Der Zeiger fängt an zu pulsieren, bebt, spannt sich.

Und tickt weiter.

Die Frau seufzt.
Bewegung verflüssigt sich, wird gasförmig, steigt mit dem Atem der Frau auf, füllt den Raum.
Der Sturm kommt wieder in Fahrt, Regen peitscht gegen die Scheibe, die Linien zucken in engen Zacken über den Monitor.

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Ithanea
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 32
Beiträge: 1270

Ei 3 Pokapro 2017


BeitragVerfasst am: 30.03.2014 23:21    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr schön.
Die Sprache gefällt mir ausgesprochen gut, und dass die ganze Welt mit stehen bleibt, den Atem anhält, wenn es um das Leben seiner Frau geht. Das ist einer meiner Favoriten hier.
Die Nacht ist eine Brücke und um drei Uhr ist der Tiefpunkt. Ich glaub es sofort.

Ich federe erst am Schluss und bewerte nach Themenumsetzung (Eingehalten und Kreativität), Inhalt und Sprache/Stil.


_________________
Verschrieben. Verzettelt.
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Jack Burns
Geschlecht:männlichReißwolf

Alter: 52
Beiträge: 1547



BeitragVerfasst am: 31.03.2014 00:00    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Text verärgert mich.
Wie kann ich, als Teilnehmer, gegen solche Qualität bestehen? Sad

Die Vorgaben sind perfekt umgesetzt. Die Sprache ist professionell, künstlerisch. In der Kürze des Textes wirkt die Metaphorik noch nicht überdosiert.

Das Hinarbeiten auf den kritischen Moment ist sehr gut gelungen, ebenso wie die Erleichterung als er vorübergeht.

Verbesserungswürdiges kann ich nicht finden.

Auf jeden Fall im oberen Bereich

Grüße
Martin

Edit: Jetzt, nach gründlichem Vergleich, habe ich den Text zum Gewinner erklärt.  Wink


_________________
Monster.
How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
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Eulenbaum
Klammeraffe


Beiträge: 877



BeitragVerfasst am: 31.03.2014 08:38    Titel: Antworten mit Zitat

Das Bild metaphorisch umgesetzt ins Konkrete, in eine Szene versetzt, die mit genauen und trotzdem loslassenden Worten eine Sterbende begleitet.

Eine der schönen und überraschenden Stellen:
Zitat:
Weiter, weiter! Drängt er sie in Gedanken.


Berührend, kleinteilig. Dicht am Geschehen.

Gruß,
Eulenbaum


PS:
Zitat:
Die Nacht ist eine Brücke, die sich über einen Abgrund schwingt in dem Hoffnung und Verzweiflung sich gegenseitig fressen.

Diese Worte sind nicht erzählend, wie es der Text aber an sich ist. Das reißt dann, wenn man den Text gelesen hat, aus der Stimmung raus, die ansonsten durch eine bestimmte Art Genauigkeit und durch Fluß geprägt ist.

Es ist ein anderer Modus. Es steht "über" der Geschichte.
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 68
Beiträge: 826

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 31.03.2014 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich finde den Text beeindruckend, Frau/Herr Unbekannte/r,
es gibt nur zwei Stellen, die mich sprachlich ein bisschen rausgebunkert haben. Der flüchtige Moment ist klar, die Brücke natürlich auch. Und die Wacht hält der alte Mann für seine Frau. Ein wirklicher schöner, melancholischer Text, der einem ein wenig den Atem nimmt. Wer hätte sie nicht schon erlebt, die Nachtstunden, in denen man glaubt, dass es nicht weitergeht. Das hast du toll eingefangen.
Bin mir aber bei den beiden Schattengestalten nicht so sicher.

Zitat:
Die Nacht ist eine Brücke, die sich über einen Abgrund schwingt in dem Hoffnung und Verzweiflung sich gegenseitig fressen.

Das ist die eine Stelle. Das fressen ist mir ein bisschen zu gewollt. Ich verwende das Wort selbst sehr häufig, vielleicht bin ichdeswegen sokritisch. smile

Zitat:
Auf dem Monitor zuckt in Rot und Blau die Ahnung von Leben, das wach ist, voranschreitet.

Das find ich ein bisschen holprig und im übrgen redundant. wach ist und voranschreitet nehmen sich ein bisschen den Raum durch die Zusammenstellung.

Also - schöner Text. Sehr hintergründig.
Viele Grüße von Rainer
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KeTam
Geschlecht:weiblichUngeduld

Alter: 47
Beiträge: 6738

Das goldene Gleis Ei 1
Ei 10 Ei 8
Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 31.03.2014 12:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Na, du mickriger Text?

Da hat dir aber jemand das Bild ziemlich plump als Metapher rein gequetscht.

Du wirkst irgendwie schlaff, soll ich dir was zu Trinken bringen?

Einen Schnaps? Ists dafür nicht ein bisschen früh?

Damit du die Fehler aushalten kannst? Komm schon! Soll das ein Vorwurf sein?! Mad

Ich meine ... hättest du das nicht etwas früher sagen könne, dass dir das weh tut und wo genau? Jetzt isses leider zu spät zum Heulen ...

Okay. Hier, dein Schnaps! Wink
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Piratin
Geschlecht:weiblichExposéadler

Alter: 57
Beiträge: 2544
Wohnort: Mallorca
Ei 2


BeitragVerfasst am: 31.03.2014 18:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

warum verflüssigt sich Leben und steigt gasförmig zur Zimmerdecke? Soll das der flüchtige Augenblick sein?
Der Mann wacht am Bett seiner Frau, also ist der Teil der Aufgabe erfüllt. Der flüchtige Augenblick ... okay. Aber das Bild der Aufgabenstellung sehe ich nicht oder soll das metaphorisch der erste Satz ausdrücken?

So nun zu meinen Federn, die ich versuche in ein Schema zu bringen (Themaerfüllung -> maximal 3 Federn, Idee -> maximal 3 Federn, Sprache und allgemeiner Eindruck -> maximal 2 Federn, maximal einen Zusatzpunkt für persönliches besonderes Gefallen):
Themaerfüllung: 1
Idee: 1
Sprache und allgemeiner Eindruck: 1
macht 3 Federn
Viele Grüße
Piratin


_________________
Das größte Hobby des Autors ist, neben dem Schreiben, das Lesen.
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Nordlicht
Geschlecht:weiblichWaldschrätin


Beiträge: 4189



BeitragVerfasst am: 31.03.2014 18:52    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, ist das ist ein toller Text love

Ich verteile keine Federn, möchte dir aber sagen, dass dein Text mein absoluter Favorit ist. Mir gefällt, wie mit deiner Sprache die Atmosphäre einfängst und es schaffst, in wenigen Worten eine Geschichte Szene bildlich darzustellen.

Das Thema selbst hast du in allen drei Punkten (Wacht, Augenblick, pointenlos) super umgesetzt. Ich huldige deiner Schreibkunst, das ist ein durch und durch gelungenes Stück smile


_________________
If I waited for perfection, I would never write a word - Margaret Atwood
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Constantine
Geschlecht:männlichBücherwurm


Beiträge: 3400

Goldener Sturmschaden Weltrettung in Bronze


BeitragVerfasst am: 31.03.2014 22:44    Titel: Antworten mit Zitat

Positiv:
Die Vorgabe der maximalen Wortanzahl wurde beibehalten: hier 278 Wörter. check.
Thema. Die Wacht. ja. Der Ehemann wacht über seine Frau. check.
Das Bildmotiv fand Verwendung. Insgesamt finde ich es interessant im Text verwobene Bildfragmente aus der Bildvorgabe wiederzuentdecken. Im Vergleich mit anderen freien Interpretationen des Bildthemas gefällt mir diese hier gut. check.
Formale Umsetzung: bis auf einige Details insgesamt ok.


Negativ:
Bereits im ersten Satz ein Interpunktionsfehler.
Zitat:
Die Nacht ist eine Brücke, die sich über einen Abgrund schwingt (Komma) in dem Hoffnung und Verzweiflung sich gegenseitig fressen.



Ausdruck:
Zitat:
Das Zimmer ist dunkel, das Ziffernblatt des Weckers leuchtet schwächlich grün.

eher: schwach grün leuchten.


Zitat:
Auf dem Monitor zuckt in Rot und Blau die Ahnung von Leben, das wach ist, voranschreitet.

Da passt was von den Bildern und von der Sprache nicht: die Ahnung von Leben zuckt auf dem Monitor, das Leben ist wach, das Leben schreitet voran.
Wenn das Leben wach ist, dann ist es mehr als nur Ahnung von Leben, auch wenn es nur eine Darstellung auf dem Monitor ist.

Der flüchtige Augenblick:
Zitat:
Um drei Uhr nachts ist der Tiefpunkt dieser Brücke erreicht, dort wo die Bretter morsch sind.

Für mich zu konstruiert. Eine feste Uhrzeit, die den flüchtigen Augenblick markieren soll, es aber für mich nicht tut. Es liest sich wie eine Gesetzmässigkeit. Das hat mit "flüchtig" für mich leider nichts zu tun. Auf die Uhrzeit hätte ich verzichtet, sondern hätte irgendeinen flüchtigen Moment in der Nacht gewählt. Der Wecker kann ruhig ticken.
Der ansonsten in der Gesichte erzählte Moment ist ein Augenblick, nur kein flüchtiger.

Zitat:
Weiter, weiter! Drängt er sie in Gedanken.

Der Ehemann arbeitet, hofft auf den Gang seiner Frau über die Brücke. Für mich ein Indiz, dass es kein flüchtiger Moment ist.


Eine Pointe erkenne ich am Ende:
Zitat:
Die Frau seufzt.
Bewegung verflüssigt sich, wird gasförmig, steigt mit dem Atem der Frau auf, füllt den Raum. Der Sturm kommt wieder in Fahrt, Regen peitscht gegen die Scheibe, die Linien zucken in engen Zacken über den Monitor.

Diesen Abschnitt hätte ich weggelassen. Für mich geschieht hier der Übergang der Frau zum Hoffnungsvollen, zum Leben hin.

-----------------------------------

Trotz der Mängel ist die Idee toll. Da steckt einiges drin in der Geschichte, sprachlich gut geschrieben, die Wettbewerbsvorgaben sind fein verwoben.

Von der Befederung her liegt dieser Text für mich im zweiten Drittel.
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fancy
Geschlecht:weiblichSchmuddelkind

Alter: 63
Beiträge: 3571
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BeitragVerfasst am: 01.04.2014 14:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

man merkt deinem Text an, das du dir Gedanken gemacht hast, und ich schätze, du hast dir beim Überarbeiten Zeit gelassen und nach optimalen Formulierungen gesucht.

Mir gefällt dein Text bis jetzt ganz gut und ich danke dir.

Später ggf. mehr.

Liebe Grüße

fancy

Gut geschrieben!


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Don't start doing things, just do them. Fang nicht an, Dinge zu tun, tu sie einfach! (Me)
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Dienstwerk
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DSFo-Sponsor Goldene Harfe


BeitragVerfasst am: 01.04.2014 16:24    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Pokapro-Teilnehmer/in!

Herzlichen Glückwunsch, Du hast es geschafft, einen Text zu schreiben, der auf eine Postkarte passen könnte, zumindest, wenn man ihn mit einer Lupe liest. Möglicherweise ist Dein Werk ein Gewinnertext, vielleicht landet er im guten Mittelfeld, unter Umständen fällt er auch völlig durch und purzelt auf den stark umkämpften letzten Platz.

Erhält Deine Ministory unterirdisch wenige Federn von mir, dann könnte das an mir liegen, weil ich sie nicht verstanden habe oder an Dir, weil Du es nicht verstanden hast, sie mir verständlich zu machen. Vermutlich kommt eine Mischung aus beiden Gründen in Betracht. Gleiches gilt für übermäßig viele Federn - nur umgekehrt.

Ich bewerte tagesformabhängig, nach Bauchgefühl, persönlichem Gefallen und ich versuche, fair zu sein. Manchmal ist es draußen schon dunkel, oft ist es gar nicht mehr hell. Es ist wirklich sehr schwierig, um diese Uhrzeit die Sonnenuhr zu lesen. Aber ich gebe mir Mühe. Ah, cool, die Sonne scheint - da unten rechts blinkt 16.07. So, es geht los. Ich beginne zu lesen:

Thema:
„Die Wacht“ (Wächter, Wache, Aufsicht, Bewahrer, wachen, überwachen, bewachen, bewahren, beobachten, aufpassen, kontrollieren etc.) - szenischer Augenblick, OHNE Pointe (aber nicht zwangsläufig ohne Spannung), direkter oder metaphorischer Bezug zum Bild (Brücke/Übergang, Leute, Gestalten/Schatten/Hügel, Wald/Schlucht/Abgrund...)

Meine Bewertungskriterien:
- Thema nicht getroffen, teilweise, gut bis perfekt getroffen (0-3)
- Thema sauschlecht, irgendwie, gut oder grandios umgesetzt (0-3)
- Zusatzfedern für Idee, Sprachgefühl, nach Gutdünken oder als Trost (1-3)
- Titel lasse ich außen vor, es sei denn, er ist total daneben, dann Abzug

Anmerkung:
Bewertung erfolgt erst, wenn ich alle 41 40 Texte gelesen habe, aber ich mache mir natürlich zu jedem einzelnen Text meterweise Notizen. Schließlich kann sich nach oben oder unten bis zur letzten Sekunde noch was ändern. Eine Feder hast Du in jedem Fall sicher. wink

Oh, sehr schön, ein weiterer Favorit! Ein oder zwei fehlende Kommas sind mir aufgefallen und eine Formulierung haut für mein Verständnis nicht richtig hin oder klingt zumindest holprig: "Auf dem Monitor zuckt in Rot und Blau die Ahnung von Leben, das wach ist, voranschreitet." Ansonsten habe ich überhaupt nix zu meckern. Die Umsetzung gefällt mir sehr, sehr gut, die ausgefeilte Sprache macht mich neidisch, saugt mich mit (holt mich ab, würde Nena sagen, die ich eigentlich gar nicht leiden kann). Der Bezug zum Thema wurde gleich am Anfang erfüllt und zieht sich metaphorisch durch den gesamten Text. Selbst die zwei Gestalten/Schatten/Berge sind perfekt untergebracht. Zuletzt die Hoffnung, dass es doch noch einen Moment weitergeht, eine Stunde, einen Tag, vielleicht noch eine Woche. Aber wem bringt diese Hoffnung am Ende etwas - der Sterbenden, dem Mann, dem Leser (also mir)? Vielen Dank für diesen Beitrag! Federn zu gegebener Zeit.

Ende blinkt: 16.23

Liebe Grüße, Ana

*
*
*

Nachtrag 04.04.14

Das ist mein persönlicher Siegertext, dicht gefolgt von dem verrückten Mann im Kopf. Mal sehen, ob es die anderen Bewerter ähnlich sehen.


Meine Bewertungen im Detail:

2 x 1
9 x 2
8 x 3
4 x 4
6 x 5
5 x 6
3 x 7
1 x 8
1 x 9
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timcbaoth
Leseratte


Beiträge: 117



BeitragVerfasst am: 01.04.2014 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich der beste Text im Wettbewerb.

Idee: 8
Stil: 8
Vorgabe: 9
Gefühl: 9

=> 9 Punkte


_________________
Liebe Grüsse
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 7405
Wohnort: NBY



BeitragVerfasst am: 01.04.2014 17:35    Titel: Antworten mit Zitat

Für meinen Geschmack einbissen over-lyrikt.
Aber noch besser, als was ich sonst so gelesen habe.
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Nicnak
Eselsohr

Alter: 37
Beiträge: 207
Wohnort: Pendler zwischen Berlin und Bayern


BeitragVerfasst am: 01.04.2014 20:13    Titel: Antworten mit Zitat

Schwierig zu bewerten. Den Text finde ich gut, an den Vorgaben hapert es, da du es mit einer Pointe enden lässt und sich, für mich, auch das Bild nicht wirklich wiederspiegelt.
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 01.04.2014 21:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Pokaproschrei,

jetzt erst einmal still, ich muss mich konzentrieren.

Einer von mehreren Monitortexten. Dieser hat das Wettbewerbsthema erkennbar verarbeitet, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Das Thema ist stimmig in diesen für mich intensiven Text eingearbeitet.

Als Leser folge ich dem Spannungsbogen zu einem Abschluss des gezeigten Augenblicks.

7 Federn


_________________
Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
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holg
Geschlecht:männlichExposéadler

Moderator

Beiträge: 2138
Wohnort: knapp rechts von links
Bronzenes Licht Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 02.04.2014 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Bild - metaphorisch ist alles da.
Wacht - hält der Mann
Moment - Der Moment zwischen drei und 3:00

"Die Nacht ist eine Brücke, die sich über einen Abgrund schwingt in dem Hoffnung und Verzweiflung…" das ist stark
"...sich gegenseitig fressen." das nicht

Ein intensiv geschilderter Augenblick. Die Zeit hält inne. Der Mann nicht, in seiner Wache am Bett der Frau. Monitore mit zuckenden Linien - Intensivstation. Ein Zögern zwischen Tod und Leben.

Paar Erbsen. Geschenkt.
Ein paar Tricks, die ich nicht mag - aber wirken.


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Why so testerical?
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Lapidar
Geschlecht:weiblichBücherwurm

Alter: 60
Beiträge: 3321
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 02.04.2014 09:17    Titel: Antworten mit Zitat

Da gibt es doch einen Ausdruck in der Schifffahrt für. Diese dunkelste aller Stunden mitten in der Nacht.

Ich finde dieses Gefühl ist sehr gut eingefangen. Auch die Umsetzung der Vorgabe ins Allegorische gefällt mir.
Sehr gerne gelesen.


_________________
"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
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Sanuk
Geschlecht:männlichWortedrechsler

Alter: 58
Beiträge: 63
Wohnort: Frankfurt am Main


BeitragVerfasst am: 02.04.2014 11:38    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es interessant, das Bild als Metapher für den Tod eines Menschen (wenn ich mich nicht irre) zu verwenden.

Finde es ziemlich gelungen.
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Jenni
Geschlecht:weiblichPapiertiger


Beiträge: 4197

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 02.04.2014 13:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Die Nacht ist eine Brücke, die sich über einen Abgrund schwingt in dem Hoffnung und Verzweiflung sich gegenseitig fressen.
Schön! smile
(Als Metapher - du hättest dem Satz noch ein Komma gönnen können, und ob eine Brücke sich "schwingt"? Aber das ist jetzt echt mäkeln auf hohem Niveau.)

Auch sonst gefällt mir der Text sehr gut. Die Vertraulichkeit in diesem nächtlichen Moment zwischen Hoffnung und Verzweiflung wird für mich sehr gut vermittelt, und auch sprachlich ist das schön umgesetzt.
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Berti_Baum
Reißwolf


Beiträge: 1682
Wohnort: Immerheim


BeitragVerfasst am: 03.04.2014 09:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hui, da hat sich der Schreiber aber wirklich Gedanken zum Thema gemacht. Dabei ist weniger sie Szene, vielmehr die Umsetzung interessant. Beeindruckende Vorstellung! Da werde ich schon ein wenig neidisch, auch wenn mir derartiger Stil überhaupt nicht liegt.
Dass es nicht zu Höchstpunktzahlen reicht, ist dem geschuldet, dass ich persönlich andere Favoriten habe. Dennoch gibt es gute 7 Punkte!


_________________
Der Junge, der Glück brachte (Jugendbuch/2013)
Das Mädchen, das Hoffnung brachte (Jugendbuch/ November 2014)
Tod und tiefer Fall (Thriller/18. Mai 2015)
Rache und roter Schnee (Thriller/Oktober 2015)
Blut und böser Mann (Thriller/März 2016)
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Blinde Krähen (Thriller/März 2017)
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Piezke
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 35
Beiträge: 134



BeitragVerfasst am: 03.04.2014 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

Einer meiner liebsten Beiträge.
Die Brücke ist Metapher für die Nacht, aber nicht für irgendeine Nacht, sondern die entscheidende, die, die ein Leben nimmt oder ein Leben rettet. Ein Mann hält Wacht am Krankenbett seiner Frau, draußen Bäume im Wetter, drinnen die beiden Sinusriesen, die sich ein kleines Display teilen müssen, aber das ganze Blickfeld des Mannes ausfüllen. Das ist wunderbar leise, eine sehr elegante Umsetzung der Vorgaben.
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Akiragirl
Geschlecht:weiblichDünnhäuterin

Alter: 32
Beiträge: 5657
Wohnort: Leipzig
Der goldene Spiegel - Prosa DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 04.04.2014 22:07    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r PoKaPro-Teilnehmer/in!

Wie beim letzten FFF beschränke ich mich auf eine stichpunktartige Bewertung. Ich habe jedoch jeden Text mindestens zweimal gelesen und mich um annähernd objektive Kriterien bemüht.

Zur Geschichte „Die Nacht ist eine Brücke“:
+ super, super schön geschrieben; allein den ersten Absatz habe ich mir komplett grün angemarkt; am besten: „Um drei Uhr nachts ist der Tiefpunkt dieser Brücke erreicht, dort, wo die Bretter morsch sind“
+ tolle Atmosphäre
+ Vorgaben gut umgesetzt
+ ein eher leiser, unaufgeregter Text, der mich aber tatsächlich berührt hat – mein Favorit
- leider einige kleine Unachtsamkeiten bei Kommasetzung und Rechtschreibung

Bewertung: 8 Federn.

Liebe Grüße
Anne


_________________
"Man bereut nicht, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat." (Mark Aurel)
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