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Instabil


 
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Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 26
Beiträge: 4653
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 01.01.2019 19:00    Titel: Instabil eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat


Instabil


Es könnte später sein, es könnte Schnee fallen. Tatsächlich fallen hier nur Geschichten von den Bäumen, fallen sich Menschen am Bahnsteig in die Arme. In dieser Zeit duftet alles nach Tannennadeln und Frittierfett, sogar die Zeit selbst. Die Züge sind wesentlich voller als sonst, aber man lässt sich seine Vorfreude nicht verderben und verschmilzt Mantel an Mantel zu einem zähen, vorweihnachtlich gestimmten Klumpen. Vor dem Bahnhofsgebäude gehen im Quietschen der Straßenbahnen simultan die Laternen an – eine ganze Stadt wird von kleinen, hellen Punkten erleuchtet; nur das Fandango liegt im Dunkeln. Die Laterne davor blitzt kurz auf, erlischt, blitzt wieder auf und flackert mit schwachem Licht weiter. Ach weisch, die ganze Sach mit dere Erderwärmung, 1999 henn die Leut au gedacht, die Kernkraftwerke würde sich abschalte, und jetzt sitze ma immer noch hier und trinke unser Pils – also ich trink meins, du bediensch ja nur - aber des isch alles Gschwätz, die Medien liefern dere Leut nur des Drama, nach dem se verlange, beendet Volker im Inneren der Kneipe einen sehr langen Vortrag und drückt seine Zigarette aus. Im Hintergrund läuft Ton Steine Scherben. Der Barkeeper wischt die Theke, obwohl sie für Fandango-Verhältnisse bereits mehr als sauber ist; Das tut er immer, wenn Volker mal wieder Zeitung gelesen und Redebedarf hat. Im Novoline-Automaten rotieren die Früchte, Thomas hämmert seit Stunden schon geistesabwesend in periodischen Abständen auf den Taster. Ansonsten ist das Fandango leer. Der Barkeeper tut gerade so, als müsste er einen besonders hartnäckigen Fleck entfernen, weil er immer noch Volkers biergetränkten Blick auf sich spürt. Wie lange er ihn wohl anstarren und eine Antwort erwarten würde? Eine Minute? Länger? Weiß Volker eigentlich, wie bescheuert er aussieht, wenn er so starrt? Wenn die Augen diesen betrunken fiebrigen Glanz bekommen, aber dahinter nichts, absolut gar nichts zu sein scheint, als würde sein Hirn sich zwischendurch abschalten? Wenn der Schweiß im Dämmerlicht glänzt, wenn sein Mund leicht offen steht, die Lippen auf dem Weg zu einem halben Lächeln eingefroren? Vielleicht sollte irgendjemand Volker sagen, wie abgrundtief dumm er aussieht, wenn er versucht, klug auszusehen. Nicht aber der Barkeeper, dazu kennt er Volker zu gut. Der verträgt das nicht, wenn man ihn kritisiert, und dann war’s das mit dem Trinkgeld. Plötzlich bricht ein heller Schrei die Stille. Thomas hämmert auf Geldausgabe, gleich darauf klimpern 200€ in Münzen aus dem Geldspeicher. Sie hören gar nicht mehr auf, zu klimpern. Und während Thomas sich fragt, warum der Automat das Preisgeld nicht in Scheinen auszahlen kann, wirft der Barkeeper den Lappen mit einem Spritzen in den Wassereimer. Er grinst. Volkers fiebriger Blick ruht jetzt auf einem potenziellen Freibier.

Es könnte später sein, witzelt man im Kaffeezimmer. Die Uhr hängt bei 16:17, der Zeiger zuckt seit Stunden schon in periodischen Abständen vor und zurück. Brodelnd schießt der Espresso aus dem Steigrohr, das Whiteboard ist mit Molekülen und Penissen vollgekritzelt, über die Wände ziehen sich Unterschriften der Absolventinnen und Absolventen. Dahinter: nichts, die Wände sind dünn. Hier lauscht man besser in den Gang hinaus, bevor man über den Chef oder die Studierenden lästert. Eine lebhafte Diskussion zwischen Lorenz und Ralf kommt zu ihrem Ende, als letzterer plötzlich den Zeigerfinger hebt und triumphierend von seinem Smartphone abliest: nichts als eine Kostenfrage, schließlich müsste ein Spielautomat die eingegebenen Scheine erst einmal sortieren, auf Echtheit überprüfen und dann in ein zweites Fach zur Ausgabe schicken. Vielsagende Blicke, Lorenz zieht eine Grimasse und kramt in seinem Geldbeutel. Der Inhalt des Geldfachs klimpert, hört gar nicht mehr auf zu klimpern. Dann wirft Lorenz 5€ Kleingeld auf den Tisch und kommentiert die Geste trocken mit ich gebs dir wie ein Spielautomat. Gelächter. Die asiatische Post-Doktorandin hebt verwirrt ihren Kopf vom Handy und sucht einen Kontext. Sie findet keinen. Wo eigentlich Ralfs Student sei, fragt jemand.

Und auf Instagram immer noch my body is my mindset #model #modeling #picoftheday #outfitoftheday #fashioninsta #fashioninspo #fashioninspiration #nature #beauty #sky #squats, und auf Chatroulette immer noch erigierte Penisse, und auf Facebook immer noch haltlose Kommentare, hunderte pro Minute. Und besorgte Bürger stopfen sich ihre Zigaretten selbst, weil die Industriekippen so teuer geworden sind, weil alles immer teurer wird, sogar die Butter, und das lassen wir nicht mit uns machen, und das kann man gar nicht oft genug sagen, man wird’s ja wohl noch dürfen. Und auf YouTube immer noch 💰 GEHEIMER ROULETTE TRICK [BEWEISVIDEO!!] 💰, immer noch Unboxing Videos. Immer noch ticken die Sekunden bei den Warehouse-Deals,
und vielleicht kaufst du dir heute einen Staubsaugerroboter, weil es morgen schon zu spät sein könnte, vielleicht schon am Ende
dieser Minute, oder wenn draußen die Lichter angehen. Immer noch musst du deinen AdBlocker deaktivieren, um diesen Text
weiterlesen zu können, da führt kein Weg

Es könnte später sein in dieser Umgebung, in der alles aufs Wesentliche reduziert ist, in der sogar die Luftströme nach determinierten Bahnen verlaufen; was bedeutet hier schon eine Minute, wo jeder Schritt, jeder Reaktionsschritt mehrere Tage dauert, wo jeder seine eigene Route läuft, die sich lediglich im Kaffeezimmer mit denen der anderen kreuzt - wo die Kolben zu trägem Trip Hop in Wasserbädern rotieren, wo Doktoranden mit Fingern an Kanülen schnippen, wo das Rattern der Ölpumpen stets von diesem Grundrauschen unterlegt ist, diesem unnatürlichen Rauschen, das dich  bis in deine Träume verfolgt, das dich morgens aus dem Bett in die Küche treibt, das schon auf dich wartet, wenn du die Brandschutztür öffnest und eintrittst - was bedeutet hier schon eine Minute, wenn sie sich immer und immer wieder zu wiederholen scheint? Wenn die Musik dein einziger Maßstab ist, weil sich alles andere fremd verhält; wenn Flüssigkeiten bei Raumtemperatur sieden, wenn Gase flüssig aus Behältern schießen, musst du jeden Schritt berechnen, jede Bewegung durchdenken, und wehe, dein Handy vibriert, wehe, du fragst dich, wer dir wohl geschrieben haben könnte, wehe, du warst jemals oder sogar gestern betrunken – wehe, du hast dich im Fandango volllaufen lassen und dein ganzes Münzgeld an den Automaten verloren, bist nach nur drei Stunden Schlaf ins Labor getorkelt, hast dich den ganzen Tag mit Kaffee am Leben gehalten und tatsächlich – ganz hinten im Lösemittelschrank findest du noch ein Gebinde Diethylether, das zwar etwas alt aussieht, aber Chemikalien werden ja nicht schlecht, und für die Extraktion muss das sowieso nicht rein sein, also hopp, schnell noch extrahieren und dann ab nach Hause. Als du deine Hand an den Deckel führst, bricht im Fandango ein heller Schrei die Stille, wackelt an irgendeiner Tischkante in irgendeiner Wohnung bedrohlich ein halbvolles Weinglas, und als du deine Finger um das Plastik legst, kratzt sich eine junge Frau am Kopf, weil sie nicht mehr weiß, was sie in der Küche eigentlich wollte, und es klimpern die Münzen aus dem Spielautomaten, und wo eigentlich Ralfs Student sei, fragt jemand im Kaffeezimmer, als du den Deckel fester greifst, um ihn aufzuschrauben –

Beim Umgang mit Ethern ist größte Vorsicht geboten, da sie unter Einwirkung von Luftsauerstoff gefährliche, schlag- und wärmeempfindliche, explosive Etherperoxide bilden. Das liegt daran, dass Peroxide sehr instabile Moleküle sind. Aber Instabilität ist nichts Schlechtes, sie ist nur ein Zeichen der Veränderung. Wenn etwas zerfällt, findet es stets eine neue Form, einen neuen Ausdruck, einen neuen Platz im großen Ganzen. Was bedeutet hier schon eine Minute, wo sich über Jahre hinweg Etherperoxid im Deckelgewinde gesammelt hat, Molekül für Molekül, immer und immer wieder, nur um innerhalb weniger Sekunden in alle Einzelteile zu zerfallen? Als das Gebinde explodiert, friert auf Chatroulette kurz das Bild ein, fällt im Vorlesungssaal klimpernd ein Schlüsselbund zu Boden, wirft der Barkeeper den Lappen mit einem Spritzen in den Wassereimer.

Und dann fällt der jungen Frau wieder ein, was sie in der Küche wollte, und das Weinglas auf der Tischkante kommt zum Stillstand, ein leerer Bus fährt mit ratterndem Motor los. Im Piepsen der Marderschrecks, im Lärm der Glühweinstände geschieht etwas Sonderbares: Menschen schauen in den Himmel, als würde es gleich schneien. Fassen sich irritiert an den Kopf. Und wenden sich wieder ihren dampfenden Tassen zu. Niemand wird sich an diesen Augenblick erinnern.

Im Kaffeezimmer, vom einen Moment zum anderen, tickt die Uhr normal weiter. Und die Münzen, die du in den Automaten warfst, gehen für zwei Bier über den Tisch. Und 4 Leute haben dein neues Profilfoto geliked. Und das Grundrauschen, dieses unnatürliche Rauschen, drückt deine Augenlider herab.  

Und die Belüftungsanlage tauscht Luft aus, 30.000 Liter pro Minute.

 



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lebefroh
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 38
Beiträge: 309
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 12.01.2019 17:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe es gelesen und dann wollte ich es noch mal lesen. Weil es mich neugierig gemacht hat. Weil so viele gute Ideen darin stecken.

Aber am Ende hat sich mir der Text nicht genug erschlossen, als dass ich ihn zufriedenstellend finden könnte.
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3106

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 12.01.2019 18:09    Titel: Antworten mit Zitat

spontaner Erstleseeindruck: Text, ich mag dich smile
Zweitleseeindruck: Text, ich mag dich noch immer smile

...

Herrje. Ich weiß einfach nichts anderes zu sagen als das, was ich eh schon gesagt habe.
Ach doch: 12 Punkte. Herzlichen Glückwunsch, du bist mein Gewinner.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
Beiträge: 1225
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 14.01.2019 08:04    Titel: Re: Instabil Antworten mit Zitat

Es sind interessante Gedanken im Text, die mir ein Gefühl von Banalitäten vermitteln, die aber in sich doch wieder wichtig und entscheidend sind für das Leben verschiedener Figuren - die Konsistenz ist aber eher breiig, es wird kein interessantes Gesamtbild am Ende sichtbar in mir. Ein allgemeinmenschlicher Zusammenhang der Figuren wird ansatzweise erlebbar, bleibt aber noch zu sehr im Verborgenen - der Text beschäftigt mich deshalb über das Lesen hinaus nicht weiter.
Diese eine Minute an einzelnen Schauplätzen zu transportieren, schafft der Text erst am Ende, die letzten beiden Absätze vermitteln dieses Gefühl, wobei sie nicht gedehnt sind, sie fühlen sich eher gerafft an. Die erste Episode kann sich so nicht in einer Minute abgespielt haben. Das liegt weniger an den Handlungen, die geschehen, sondern eher an den Gedanken, an der Figur, die hier denkt. Es sind zu viele Fragen, die sie bewegen. Hier hätte ich innere Bilder spannender gefunden, etwas, was zeitgleich im Inneren der Figur abgeht, also eine Frage, die sich dann in Bild-Form formuliert und das Geschehen dadurch dehnt.

Das ist alles gut geschrieben, schöner Stil, auch Elemente, die gewählt eingesetzt wurden mit ansprechender Formatierung, aber eben gerade bis zur Mitte des Textes spielen sich Dinge ab, die lese ich eher zeitdeckend. In einer Minute kann sich Ich nicht all diesen Weihnachtsmarkt-Sinneseindruck-Flash haben und sich mit Volker unterhalten und sich Volker Gedanken machen usw. Es wären dann eher kurze Sinneseindrücke, also, dass Ich in einer Minute das Quietschen der Straßenbahnen, zu dem simultan die Straßenlaternen angehen in einer Minute, die mir eine Dehnung vermitteln könnten. Das was dann im Inneren von Ich abgeht.
Klar werde ich noch mal lesen und gucken, ob ich anders darüber denke. Momentan denke ich so: Wenn Punkte, dann im unteren Bereich.

---

Nach erneutem Lesen:
Das Thema selbst wird vermittelt, das hat einerseits mit der Formatierung zu tun, aber auch mit dem Schluss, der mir die (Un-)Haltbere Gegenwart nahebringt, das Motto kann ich allerdings nicht erspüren. Die Dehnung ist mMn, wie oben beschrieben nicht gänzlich gelungen.

Der Text ist knapp aus den Punkten raus.


_________________
unsichtbare gesichter in bewegung
sehen dasselbe vieraugen

dann eins
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UtherPendragon
Hobbyautor


Beiträge: 337



BeitragVerfasst am: 15.01.2019 06:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ein sehr, sehr schöner Zeitgenössischer Text, an dem mich auf den ersten Blick ein einziger Satz stört:

"Volkers fiebriger Blick ruht jetzt auf einem potenziellen Freibier. " Den find ich schlecht. Das darf ich so drastisch (wird man ja noch...) sagen, da ich sonst nichts formal zu kritisieren habe - im Gegenteil atme ich auf, die Zeitdehnung so schön vors innere Auge geführt zu bekommen. Danke übrigens für den Kippen stopfenden besorgten Bürger. Daran ist so viel Wahres. Ich glaube, dass in diesem Text auch etwas sehr Persönliches steckt über die Gesetzmäßigkeiten des Schreibens hinaus, aber ich kann micht irren. Die außertextliche Gestaltung ist Geschmackssache, ich bin tendenziell und konservativer Weise immer dagegen, kann aber ihren Sinn und Zweck hier einordnen und erkenne ihren Nutzen für die Gesamtwirkung.

"(Un)haltbare Gegenwart" finde ich in diesem Text wieder wie in keinem anderen. Die "gestundete Zeit" und die Motive aus den beiden Gedichtzeilen kommen dabei etwas kurz, aber der Titel macht einiges gut und hat eine beispiellose Klammerwirkung, sodass man immer mehr auch in den Text interpretieren will. Bisher für mich der zweitbeste, den ich las!
Bin sehr gespannt auf weitere Meinungen.


_________________
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Mardii
Stiefmütterle

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Beiträge: 1841



BeitragVerfasst am: 15.01.2019 14:00    Titel: Antworten mit Zitat

Das Thema des Textes: Minute in einer Stadt. Hier mal etwas variiert mit Zeitraffung und Zeitdehnung. Der Text des ersten Abschnitts wiederholt sich in Fragmenten in den anderen Abschnitten. Gute Idee. Stilistisch ein wenig inkohärent.

_________________
`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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firstoffertio
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Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 15.01.2019 22:32    Titel: Antworten mit Zitat

Das:

Zitat:
Tatsächlich fallen hier nur Geschichten von den Bäumen, fallen sich Menschen am Bahnsteig in die Arme.


erinnert ein bisschen an einen anderen Text hier.

Dieser Minutentext ist aber anders. Es gibt ein besonderes Ereignis.

Das aber letztlich untergeht.

Keine Ahnung,ob das Genre ist. Geschrieben ist es gut.
Ungefügig? Mehrschichtig?

Dieses wiederholte "Es könnte später sein" wird mir nicht ganz klar.
Dass, was hier beschrieben wird, auch zu einer anderen Zeit genauso stattfinden könnte? Es auf die Minute nicht ankommt?
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Nihil
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Moderator
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Beiträge: 7462



BeitragVerfasst am: 16.01.2019 16:02    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Dennis,
hier mein Bewertungserinnerungskommentar: Mir haben besonders die japanischen Smilies gefalllen. Erstaunlich wie fröhlich man sein und bleiben kann, wenn man sich seine Brille völlig falsch über die Birne stülpt. Und das in nur einer Minute. Toll.

Nein, im Ernst. Das ist so ein Text, bei dem es mir schon Leid tut, das man nur einen ersten Platz vergeben kann, denn den hier mag ich ebenfalls sehr. Es ist einer der wenigen Texte, die Zeitdehnung nicht durch das Auflisten von Gebäuden, Berufen und Wetterzuständen erreichen, sondern durch tatsächliche Handlung. Wie du da dein Chemiestudium eingeflochten und durch die schnelle Zersetzung der Stoffe gezeigt hast, wie schnell eine besondere Atmosphäre verfliegen kann, ist schon klasse. Und das ohne es dem Leser auf die Nase zu binden. Dabei ist die Atmosphäre nicht einmal eine besondere, sondern der Schluss eigentlich eine Einladung zur Melancholie. Was eventuell besonders hätte werden können, ist am Ende genau so belanglos, austauschbar und irrelevant wie die zahllosen Momente davor.

Und weil andere mir auch nicht davon kommen, muss ich auch noch was bemängeln: dass mir nämlich vor allem Anfang und Ende des Textes zu - tja, jetzt fehlt mir das richtige Wort -, vielleicht: wirkungsbewusst sind? Es ist kein Kitsch, aber durch diese sachliche Beschreibungsweise bekommen die Dinge manchmal einen scheinbar objektiven Pathos untergehoben, bei dem ich, anderen mag es anders gehen, mich unangenehm vereinnahmt fühle. Mehr als meinen emotionalen Eindruck beschreiben, kann ich an dieser Stelle aber auch nicht.
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
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BeitragVerfasst am: 16.01.2019 16:28    Titel: Antworten mit Zitat

Der Anfang schwächelt etwas hölzern - dass die Zeit nach Tannen und Frittierfett riecht wirkt so gewollt wie unfreiwillig banal (Weihnachtszeit halt) und die Geschichten, die von den Bäumen fallen na ja .., aber das Fandango macht mir Spaß. Das ist geschmeidig und gekonnt in Worte gefasst, die Figuren sind greifbar und lebendig. Sogar der Dialekt liest sich süffig weg wie nichts. Und ehrlich, ich finde das gerade sehr erfrischend. Der Text nimmt Fahr auf. Und selbst das anfangs leicht bemühte "es könnte später sein" wirkt allmählich mit seiner kleinen Zeitverzögerung in den Text hinein.  Und das Kaffeezimmer – Penisse und Moleküle auf dem Whiteboard das ist so herrlich trocken und blöd, das ist zum kaum die Lippen zum Lächeln verziehen und gleichzeitig zum Brüllen komisch und doof, und der Spielautomat aus dem Fandango taucht wieder auf - und den virtuellen Ausschnitt, der mir sagt, es macht nicht die Bohne, dass ich da schon abgehängt bin, weil es nicht mehr meine Welt ist, die da abläuft. Dieser Text lebt und nimmt mich mit, er reißt mich mit. Das ist ganz fabelhaft gemacht: Luftströme auf determinierten Bahnen, das Durchdrungen sein vom Grundrauschen, die Getriebenheit, die Fremdheit: das ist einfach genial eingefangen. Und ich spar mir jetzt die weiteren Worte: hier zefällt die (un)haltbare Gegenwart, ohne irgendeine fürchterliche Betroffenheit, eher wie im Rausch und das rührt mich nicht an, das rührt mich auf, das treibt mich am frühen Morgen aus dem Bett, um mit gestocktem Atem lachend Halt! zu schreien und aus der nächsten Minute das Leben selbst zu extrahieren.

Das ist E, das hat die Vorgaben erfüllt. Und mehr brauche ich jetzt wohl echt nicht zu sagen.

Nach ein paar Tagen sacken lassen, frage ich mich, ob ich mit meinem Favoriten bezüglich der vorgaben zu nachlässig oder nachsichtig war, denn wo, bei diesem "rauschenden" Text war noch gleich die Dehnung? Doch, sie ist da, und spürbar, in einer Art "Massenträgheit", die nicht im einzelnen konkret an etwas festzumachen ist (außer in diesem es könnte später sein, edit: nee und auch am trägen Trip Hop) , die aber auch in den Figuren, im Geschehen und in der Atmosphäre wirkt - das Rauschen quasi gegen den Strich bürstend. Spätestens hier ist mir klar, wer hier Autor ist, bzw. scheint er sich mir zu bestätigen, den ich am Textanfang nie und nimmer im Sinn gehabt hätte. Und letzteres wollte ich mir eigentlich verkneifen. Vielleicht lösch ich's auch wieder.


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when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -
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Municat
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 51
Beiträge: 360
Wohnort: Zwischen München und Ingolstadt


BeitragVerfasst am: 17.01.2019 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Inko smile

Ein Mitarbeiter in einem Labor löst eine Esplosion aus, weil er eine alte Flasche Ether benutzt, deren Inhalt am Schraubverschluss oxidiert ist ... weil er am Ende eines Tages nicht mehr aufmerksam ist. Die Druckwelle schubst den festgfrorenen Uhrzeiger in der Cafeteria wieder an. Gleichzeitig gewinnt an anderer Stelle der zweite Gast einer halbvergessenen Pinte am Spielautomaten. Gleichzeitig macht sich an der Uni jemand Gedanken darüber, eben diese Automaten auf Schein-Auszahlung umzurüsten. Das Labor ist wohl an der selben Uni. So schließt sich dann also der Kreis.

Der mitteilungsbedürftige Säufer bleibt mir im Kopf, obwohl er eigentlich nur Statist ist.

Das Zeit-Thema finde ich, die Flüchtigkeit in der Aufgabenstellung steckt aber auch in der instabilen Verbindung selbst.

Punkte vergebe ich erst, wenn ich alle Texte zweimal gelesen und einmal kommentiert habe.


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 17.01.2019 23:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
wow, das ist von der Aussage her in etwa die gleiche Geschichte, die ich vorher las und der ich null Punkte gab. Hier sieht das wahrscheinlich (ich verteile erst, wenn ich alles gelesen habe und bin etwas über die Hälfte) anders aus. Ja, der Moment ist letztendlich belanglos, niemand wird sich an ihn erinnern, aber das ist so gekonnt rübergebracht, dass ich es gerne lese. Auch entstehen Gedanken bei mir, interessante Gedanken, instabil wie Etherperoxide.

Thema getroffen, Vorgaben erfüllt, E isses auch noch obendrein – was will man mehr? Bestimmt bei den Punkten dabei, hoffentlich, sage ich mal, denn die Verteilung in meinem Kopf ist im Moment noch etwas … instabil.

sehr gerne gelesen,
Veith


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d.frank
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Beiträge: 899
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 18.01.2019 19:16    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich bin kein Chemiker. Ich hab mal von einem Fall gelesen, wo in, ich glaube Kanada, mehrere Säuglinge an Lungenschäden starben, weil die Klimaanlage die Toxine eines im Keller sprießenden Schimmelpilzes durch alle Wohneinheiten gepustet hat. Bei diesem Text hänge ich mich irgendwie an dem Schlusssatz auf und grüble die ganze Zeit darüber nach, ob diese Explosion, das Feuer nun minutenschnell auf das ganze Gebäude übergreifen wird. Ob das dem Text jetzt so guttut, ist die andere Frage. Es lenkt schon sehr ab, man, also ich, vergisst über die mögliche Katastrophe was der Text eigentlich aussagt. Ich habe auch Schwierigkeiten, dem Erzähler zu folgen, weil er an bestimmten Stellen in die Leute reinspringt und ich die Motivation dazu nicht finden kann. Warum die Gedanken über den Stammtischverlorenen? Der eine denkt über die Auszahlung nach, der andere spricht sie plötzlich an. Da ist eine Verbindung, aber dann auch wieder nur eine, die sich der Autor ausgedacht hat. Vielleicht übersehe ich was, aber auf mich wirkt das noch unausgegoren. Ich merke da was, was der Text mir sagen will, aber letztendlich werde ich immer wieder rausgerissen und abgelenkt. Also im Gesamten lässt mich das eher unbefriedigt zurück.

Edit:
Also ich glaube ja, irgendwo da ganz tief in meinem Inneren, dass ich diesem Text Unrecht tue, indem ich ihm nur vier Punkte gebe, und ich glaube, am Ende werde ich von den anderen Kommentatoren, dem Autor und der Jury geläutert, weil ich wieder mal nicht richtig hingesehen, nicht ausreichend nachgedacht habe. Vielleicht ist das ein Text, den ich schlicht verkenne..
Das Risiko muss ich jetzt aber eingehen, weil ich schon so ewig im Anlauf gebraucht habe und weil mir langsam die Zeit davonläuft und weil irgendwann die Punkte ja auch mal stehen bleiben müssen. Es ist immer noch der letzte Satz, die Effekthascherei, die mir nicht so zusagt und dass das Geschehen so willkürlich wirkt. Aber vielleicht ist es eben das, was ich übersehe, dass es hier ja eben auch um die Willkürlichkeit geht. Tut mir schon im voraus leid, wenn ich an dieser Stelle eventuell die nötige Sorgfalt vermissen lasse, aber das ist ja, und bei aller Objektivität, immer auch eine sehr persönliche Entscheidung, die dem eigenen Geschmack und Identifizierung zu Grunde liegt.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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a.no-nym
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BeitragVerfasst am: 19.01.2019 00:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
Dein Text gehört klar zum Kreis meiner Favoriten. Das liegt nicht nur (aber auch) daran, dass sich zu jedem der Orte so viele Bilder aufbauen, dass ich nach jedem Lesen das Gefühl habe, einen Film gesehen zu haben. Auch der unaufgeregte Erzählton, die fein beobachteten Figuren, die Art, wie alles miteinander verwoben ist - und gleichzeitig schwingt immer etwas mit, das weit über das hinausgeht, was der Text vordergründig erzählt. Was soll ich sagen - außer "Hut ab"?!

Nicht unbedingt gebraucht hätte ich die Abbildung aus dem Chemiebuch, regelrecht gestört fühlte ich mich durch die "gelben Säcke". Beides hat der Text in meinen Augen überhaupt nicht nötig, aber das ist sicher erstens reine Geschmackssache und zweitens Kritik auf sehr hohem Niveau... edit: Die Stelle mit dem verblassenden Text dagegen finde ich klasse Smile

Für Text und Inko alles Gute!
Freundliche Grüße
a.
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Catalina
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Alter: 46
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BeitragVerfasst am: 20.01.2019 10:58    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Text war gleich beim ersten Lesen unter meinen Favoriten.

Ich dachte an Quantengravitation, an den Schmetterlingseffekt, an größere Zusammenhänge, an deterministisches Chaos.

Beim Lesen bekam ich eine absolute Selbstverständlichkeit, dass alles zusammenhängt. Schließlich konntest Du mir das überzeugend aufzeichnen.

Hier dehnt sich die Minute nicht nur, hier breitet sie sich regelrecht aus, nimmt alles ein. Bis der Zeiger weiterläuft. Der Moment ist haltbar und unhaltbar, vorhersehbar und unberechenbar zugleich. Fast so etwas wie ein pointenloser Mindfuck.

Schöne Sprache, sehr angenehmer Stil.

"man... verschmilzt Mantel an Mantel zu einem zähen, vorweihnachtlichen gestimmten Klumpen" Smile

Das Internet in die "Gegend" mit einzubeziehen ist raffiniert, noch raffinierter die Zustände der Moleküle.

Insgesamt eine sehr, sehr interessante Umsetzung. Sie beansprucht meinen Kopf, gibt mir aber auch ein gutes Gefühl für  den Moment: 10 Punkte
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Eredor
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BeitragVerfasst am: 20.01.2019 21:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So ein großer Feuerball, Junge! Bumm!

_________________
"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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MoL
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Beiträge: 1099
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Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 21.01.2019 19:48    Titel: Antworten mit Zitat

Eine hochinteressante Idee, lieber Inko, auch wenn mich der Text an sich etwas ratlos zurücklässt. Das gibt noch einen Punkt. Smile

_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
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lilli.vostry
Wortschmiedin


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BeitragVerfasst am: 21.01.2019 23:45    Titel: aw:Instabil Antworten mit Zitat

Hallo,

der Titel klingt interessant. Doch der Text sagt mir wenig, reiht einzelne Eindrücke an verschiedenen Orten einer Stadt, kurz vor Weihnachten, zur gleichen Zeit, wenig spannend aneinander. Vorgabe eingehalten.

Doch wo ist das Verbindende, außer dieser einen Minute??! Das wirkt recht bemüht, umständlich formuliert und langweilig zu lesen... Nichts, was einen packt oder von tieferem Sinn.

Sprachlich auch nicht so überzeugend. Ein schiefes Bild für mich:
"sogar die Zeit selbst duftet..." (nach Tannennadeln)??!

Doch wohl eher die Luft in diesem Moment.

Und dass alle auf dem Weihnachtsmarkt gleichzeitig in den Himmel nach Schnee Ausschau halten, wirkt auch unglaubhaft.

Der letzte Satz ebenso zusammenhanglos. Liest man und fragt sich: Hhm, warum schreibt er das jetzt?!

Tut mir leid, Dein Text ist nicht unter meinen zu befedernden Texten.

Grüße,
Lilli


_________________
Wer schreibt, bleibt und lebt intensiver
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1695
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 14:58    Titel: Antworten mit Zitat

Verschiedene miteinander verbundene Szenen, am Ende explodierender Ethylether (oder so), Text ausgesprochen E. Die Minute ist eingehalten, die gestundete Zeit? Zumindest für den, dessen Reagenz gerade explodiert, scheint das Ende der Stundung nahe. Sehr gelungen, schwer zu lesen.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3786

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 00:15    Titel: Antworten mit Zitat

Volker versteckt sich vor der Gegenwart (und einer Zukunft, die er aktiv verleugnet) in der Kneipe. Im Kaffeezimmer will man wohl lieber nicht erwachsen werden. Und die asiatische Post-Doc stellt fest: Im Internet bleibt eh alles das Gleiche (der verblassende Text, wo ein Werbefenster überblendet, das finde ich eine sehr gelungene Spielerei). Und „Du“ (warum eigentlich, anders als bei dem Hamburg-Text erkenne ich hier nicht, inwiefern die Geschichte diese Perspektive erfordert, weshalb sie mir vorkommt wie ihr eigener Daseinszweck, also: weil das irgendwie in zu sein scheint in der jungen Literatur) spielt mit instabilen Chemikalien und hat keine Angst vor Veränderungen. Im Sinne des Themas verstrickst Du, der Autor, hier verschiedene Gedanken zur (Un-)Haltbaren Gegenwart, und das ideenreich, stilsicher und angenehm zu lesen. Da ist schon nichts falsch. Und überhaupt will ich das mögen, und ich weiß gar nicht warum. Womöglich allein wegen deiner Sprache, die bildhaft und ausgereift ist und alles zusammenhält, ohne aber den Inhalt zu überholen. Dafür fünf Punkte.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

nun ja, es könnte später sein.
Und jedes Mal, wenn es mal wieder später ist, wenn ich ein weiteres Mal gelesen habe, zeigt sich dieser Beitrag instabil in meinen Punkterängen – dass er dort landen würde, war aber immerhin früh klar. Jetzt, wo ich mich langsam festlegen muss, sieht es nach dem 2. Platz aus, weil mich nicht nur die inhaltliche, sondern auch sprachlich spielerische(...) Leichtigkeit, mit der hier der sorglose Umgang mit der Natur (den Dingen) thematisiert wird, fasziniert. Das wiederkehrende „Es könnte später sein“ integriert sich perfekt, die intertextuellen Querbezüge bewirken im positiven Sinne Unterhaltungswert.
Was ich bei „Hamburg 19441945“ noch vorsichtig kritisiert habe (die Perspektive in der 2. Person) funktioniert hier für mich sehr gut, vielleicht gerade, weil sie temporär ist und mich genau in dem Moment adressiert, wo ich besser mal aufpassen sollte, wo das Alltagsrauschen auf fatale Art durchstoßen wird – es funktioniert, weil ein persönliches Gemeintsein im Sinne von „Du könntest jeder sein/das könnte jedem passieren“ transportiert wird.
Kommt mir jetzt als Kommentar sehr unvollständig vor, aber es sollen ja auch andere noch ein paar Worte abkriegen …


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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anderswolf
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Beiträge: 421
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

An sich ist das alles ja recht hübsch (bis auf das mit den von den Bäumen fallenden Geschichten, das klingt dermaßen nach "Oh, eine vierte Wand, die ich durchbrechen kann", auch wenn es wahrscheinlich ganz anders gemeint ist), aber irgendwie geht mir da die Vorgabe verloren, was in einer Minute so passieren kann. Gezeigt ist nämlich eigentlich irgendwie nur die Sekunde und alles, was davor war, was aber schätzungsweise länger dauert als eine Minute. Mir fehlt auch irgendwie, gerade im ersten Absatz, die Resonanz des Themas oder der Überschrift, denn da gibt es ja im Kulminationspunkt der Geschichte eine Explosion, die sich natürlich nicht ankündigen soll (sonst ist ja der genrebedingte Überraschungseffekt weg), der sich aber hätte ankündigen können in Andeutungen, als Schatten einer Endlichkeit, und da reicht "es könnte später sein" nicht, denn das passt ja schon im ersten Moment nicht. Später als was denn bitte? Und ja, ich verstehe, dass da eine chemische Formel durchaus passt, weil man ja auch dadurch einen Spannungsmoment erzeugen kann, aber erstens brauche ich in einem E-Text keine Spannung und zweitens erhellt das hier nix, selbst wenn ich (einigermaßen) verstehe, was da passiert.
Ach ich weiß auch nicht.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2681

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 25.01.2019 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Der Ausdruck "1 Minute" wird wiederholt, aber mir kommt hinter den Szenen zu Spielautomaten, Peroxidether und Instagramm nicht wirklich diese 1 Minute als gedehnt rüber.
Es wird hier auch mMn versucht, krampfhaft die einzelnen "Storyelemente" miteinander zu verbinden, aber gerade dies scheitert für mich und hätte es nicht gebraucht. Damit kommt für mich eine Künstlichkeit in den Text rein, die du als Autor z.B. mit dem Dialekt oder dem wissenschaftlichen Arbeiten gut vermeidest und authentisch triffst. Für mich zerfällt dein Text: zu verkrampft, zu künstlich, zu unausgegoren und leider zu geschwätzig.

Es tut mir leid: zéro points.

Merci beaucoup.
Constantine
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