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Die Nacht, als sie wieder tobten

 

 
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 13.09.2015 18:00    Titel: Die Nacht, als sie wieder tobten eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Nacht, als sie wieder tobten


Der Sender streikt heute.
Kein Tschaikowsky,
kein Mahler,
kein Brahms.

Sendersuchlauf.
Pop-Scheiße.
Nachrichten-Geschwafel.
Radio aus.

Verdammt!

Ein Zug an der Zigarette
und ein kräftiger Schluck
Rotwein.

Die Kippenpackung noch halbvoll und
mehrere Flaschen in greifbarer Nähe.

Sie müssen alleine aushelfen,
wenn mich das Radio
in Stich lässt.

Kenne ich.
Ist schon mal passiert.
Stromausfall.
Weiß genau,
was gleich passiert.

Ich gewöhne mich dennoch nicht daran.
Dickkopf eben.

Auf dem Bett sitzend,
gegen die Wand gelehnt und
den Blick auf das stumme
Radio gerichtet,
höre ich das Kriechen
sich anschleichen.

Die Wohnung verlassen?
Ich fliehe nicht.

Einen anderen Sender im Radio?
Ich puste mir eher den Schädel weg.

Trinken?
Darauf kannst du einen lassen.

Ein Mundvoll Wein.

Unter der Tapete und der Zimmerdecke.
Bewegungen.

Die Funzel pendelt
von links nach rechts.
Schatten wandern.

Durch die Ritzen der Bodenbalken.
Kratzen und Schaben.

Leckt mich kreuzweise!

Licht aus.

Weitere Mundvoll folgen.

An der gegenüberliegenden Wand
blicke ich durch das offene Fenster
in die sternenklare Nacht.

Sie wird lang heute.
Ohne Radio.

Viel zu schön,
um ans Aufhängen zu denken.

Oder an einen Fernseher.
Da könnte ich gleich dem Tod
jeden Abend den Arsch tätscheln.
Nein.

Eher an einen CD-Spieler.

Ich leere die Flasche,
und schnappe mir eine weitere
und lausche ihrem Toben.

Ich hasse CDs.

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Stimmgabel
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Beiträge: 4375
Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 14.09.2015 20:32    Titel: Antworten mit Zitat

-


Hallo Inko,

Mich erinnert dein Text an eine quasi Bukowski’sche Adapteske in ganz eigener Mensch-Absurdität, die echt schon was hat ! Hier wird mMn das Thema Ersatzwirklichkeit, nun mittels der Flucht_droge Musik/Alkohol in eine ganz eigenwillige Szenerie/Kausalität umgesetzt. Ein LI [ mMn schon ein echter Delirium_trinker ... zumindest wenn er trinkt ] sucht seine vorgestellte Wirklichkeit entweder in der klassischen Musik und/oder ersatzweise im Saufen / in beiden Ebenen kann LI [ wenigstens für diesen Zeitraum ] sein Hiersein ertragen. Und gerade heute gibt es keine klassische Musik auf keinem Radiosender zu hören. Alle anderen Empfänge oder auch andere Hör_medien sind für ihn ein Unmöglich ... ergo: er betrinkt sich restlos, fängt an zu deliren [ Thema Wände, Tapete, Zimmerdecke, Bodenbalken ] und empfindet in einer neuen Flasche endlich jenes Lauschen, das er in der K Musik wohl ebenso erführe, wenn ... / es beginnt aus der Flache, vllt der ganze um_Raum um LI zu toben ...

Die Wohnung zu verlassen kommt für LI ebensowenig in Frage, da ist eben dieses Draußen, die Norm. / ... hierzu ist Li mMn sehr fein vice-versa zynisch und wach zu sich selbst, er sagt :

 “Die Wohnung verlassen? Ich fliehe nicht.“

... quasi: Li flieht nicht vor seiner Flucht / sehr feine Ironie  Daumen hoch ... LI's irre Konsequenz ...

denn sein delrischen Freunde kommen gewiss.

Resümee: eine lebhafte Szenerie, die den Anschein einer Absurderei hat, mMn aber letztlich sehr gut das Thema Flucht vor der Wirklichkeit sehr eigenwillig bebildert und wortet. Hier wird die zitatische Themenvorgabe [ Nachricht hören, Nachrichten abschalten und dann reagieren ] in seiner Abbildweite interessant vice-versa umgesetzt derart, dass nun LI seine erwartete Radio-K Musik [ Nachricht ] nicht empfangen/hören kann, LI auch keine Alternative zulässt und sich dann konklusisch in einen lauschen_Rausch säuft;

und für diesen Moment funktioniert es [ die Flucht, die Reise in die Trug_melange ] wieder einmal ... bis zur nächten anstehenden Flucht ... denn dazwischen ist ja wieder das alles sichtbar, wovor LI wegrennt ... bis wieder ein Kiff Musik [ oder ... ] notwendig wird.

Inko, mir gefällt deine Idee; ebenso dein lichtweiter, kaskadischer Aufbau einzelner Szenen, auch die teilweise eingestreute lockere Spreche. Den Titel  “Die Nacht, als sie wieder tobten“ sehe ich als inneren Spiegel des Textes selbst wie auch des LI’s gut reflektiert /  ... vllt jenes übertragene Toben, jene (W)irrgeister in LI, die dann erscheinen/passieren, wenn LI beides gleichzeitig erkennt, erfährt, initiiert: einerseits den Rausch durch die Musik oder Alkohol ... zugleich das ihm unerträgliche, permanente Rauschen der eigentlichen Wirklichkeit – und als Kombi hat es für LI vielleicht so etwas wie:  "wenn schon dieses all_seiende Rauschen der Wirklichkeit um/in mir, dann wenigstens auf meine Art und Weise" ...

und (mMn): Li weiß genau, dass sein Weglaufen nicht funktioniert, denn er läuft ja letztendlich einzig bis zu seinem nächsten Weglaufen immer die gleiche Wegstrecke.

Die Meta_ebene für LI's 'Kiffen', egal, ob nun K Musik oder Saufen steht mMn für die allgemeine Droge des Kompensierens, des Verdrängens, des Ersatz_handelns, usw ...   natürlich hat dein Bild: keine K Musik, dann kommt das Delirium_saufen einen weit aus tückerischen Wirkwert, hi hi ...


... also nochmal: mir hat dein drivender Text gut Freude und Nachdenken getückt Smile


einen Gruß, Stimmgabel ...

-------------------------------


_________________
Gabel im Mund / nicht so hastig...
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Nihil
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Moderator
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Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 15.09.2015 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Angriff der Todessilberfische oder nur das „Innere eines atmenden Hauses“?

Ich bin unschlüssig.

Nein, im Ernst. Dir ist hier ein gutes Gedicht gelungen über Einsamkeit und die Angst, sich mit der Außenwelt zu verbinden. Sei es durch „Pop-Scheiße“ – zu zeitgemäß, dann lieber die ewigen Klassiker –, sei es durch den Fernseher, der nur Müll ausspuckt und geistiges Absterben herbeiführen würde. Zuflucht findet das LI nur im Alkohol. Akustische Halluzinationen gibt es davon nicht. Das Toben der Stille, so deute ich den vorletzten Vers, lässt sich dadurch auch nicht ausschalten, nur vielleicht den Weltschmerz ein wenig dämpfen und die Zeit schneller vergehen lassen.

Soweit nichts Neues. Wie wärs denn mal mit früher aufstehen und ein bisschen Sport machen. „Wie ich durch einen gesunden Bio-Rhythmus einen formidablen Schlaf erlangte “ – das wäre doch mal ein Titel gewesen. 12 Punkte, wenn es bei so wenig Gedichten 12 Punkte geben würde. Diese Mann-ich-bin-total-abgeranzt-und-saufe-wie-ein-echter-Dichter-Gedichte sind doch total 1970.

Nee, wieder im Ernst. Ich finde das Gedicht nicht schlecht gemacht, aber es bietet mir zu wenig. Inhaltlich sitzt da einer zuhause rum und fühlt sich nicht in der Lage, sein selbst gewähltes Gefängnis zu verlassen. Das Setup ist ein Klischee. Wenn es denn statt Alkohol oder Drogen mal was anderes wäre. Tonleitern üben auf der Blockflöte. Aber vielleicht tue ich dem Gedicht auch Unrecht, weil mich der Plural im Titel noch verunsichert. Doch nicht das Toben der Stille? Das Toben der Gedanken vielleicht? Dafür sind mir die Gedanken zu harmlos. Die Umdrehungen im Blut? Das wäre ein interessanter Ansatz und wohl auch der treffendste, denn leider sehe ich nur einen Alkoholiker, der seinen Zustand mit alltäglichen Worten beschreibt.

Mal sehen, wie ich im Vergleich bewerte.

EDIT: Heel vergeeten. 5x Radio ist drin, Titel ist einer der interessanteren hier (Prosa und Lyrik).
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crim
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BeitragVerfasst am: 15.09.2015 12:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Inko,

eigentlich ein solide geschriebener Text, der seinen Ton durchhält. Was mir ihn allerdings etwas verleidet, ist das Gefühl hier ein Buk-Imitat zu lesen, das mir dann auch zu sehr mit den ganzen bekannten Klischees spielt, die einem beim alten Buk halt ständig begegnen, aber irgendwie treffender, wahrer, ehrlicher klingen, wenn er das macht. Ein wenig zu epigonal vielleicht?

Kleineres Fehlerchen:
wenn mich das Radio
in Stich lässt.

eher schief geraten:
höre ich das Kriechen
sich anschleichen.

Eigentlich mag ich den Text ja irgendwie in seiner Haltung und der direkten Sprache, aber er ist mir zu nah an dieser von mir vermuteten Vorlage und muss sich deshalb irgendwie auch daran messen lassen.

LG Crim
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Constantine
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Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 20.09.2015 15:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Bonjour!

Dein Beitrag scheint langsam ins Surreale abzudriften, wenn dieses Kriechen, Bewegen und Kratzen beginnt und ich als Leser weiß nicht genau, worum es jetzt geht, was LI "heim sucht".
Den Bezug zum Zitat spürt man und die fünfmalige Wiederholung des Begriffs "Radio" entspricht der Vorgabe.

Einige Anmerkungen im Text:
Zitat:
Die Nacht, als sie wieder tobten


Der Sender streikt heute.
Kein Tschaikowsky,
kein Mahler,
kein Brahms.

Sendersuchlauf.
Pop-Scheiße.
Nachrichten-Geschwafel.
Radio aus.

Verdammt!

Ein Zug an der Zigarette
und ein kräftiger Schluck
Rotwein.

Die Kippenpackungschachtel ist noch halbvoll und
mehrere Flaschen stehen in greifbarer Nähe.

Sie müssen alleine aushelfenreichen,
wenn mich das Radio
in Stich lässt.

Kenne ich.
Ist schon mal passiert.
Stromausfall.
Weiß genau,
was gleich passiert.

Ich gewöhne mich dennoch nicht daran.
Dickkopf eben.

Auf dem Bett sitzend,
gegen die Wand gelehnt und
den Blick auf das stumme <-- klar.
Radio gerichtet,
höre ich das Kriechen
sich anschleichen. <-- auch klar. Ein Kriechen kann nicht angerannt kommen.

Die Wohnung verlassen?
Ich fliehe nicht.

Einen anderen Sender im Radio?
Ich puste mir eher den Schädel weg.

Trinken?
Darauf kannst du einen lassen.
<-- hier hält LI wohl ein gedankliches Zwiegespräch mit sich selbst. Ich bin mir nicht sicher, ob das so funktioniert.

Einen Mundvoll Wein.

Unter der Tapete und der Zimmerdecke.
Bewegungen.

Die Funzel pendelt
von links nach rechts. <-- vielleicht: hin und her.
Schatten wandern.

Durch die Ritzen der Bodenbalken.
Kratzen und Schaben.

Leckt mich kreuzweise!

Licht aus.

Weitere Mundvoll folgen.

An der gegenüberliegenden Wand
blicke ich durch das offene Fenster
in die sternenklare Nacht.

Sie wird lang heute.
Ohne Radio.

Viel zu schön,
um ans Aufhängen zu denken.

Oder an einen Fernseher.
Da könnte ich gleich dem Tod
jeden Abend den Arsch <-- Du könntest damit sicherlich seinen Frust betont haben wollen und wie vieles Geschmackssache, aber Hintern fände ich sympathischer und vom Kontext her wäre die Frustration bestimmt auch damit spürbar. tätscheln.
Nein.

Eher an einen CD-Spieler.

Ich leere die Flasche,
und
<-- Möchtest du mit der Komma-Und-Konstruktion den Moment etwas dehnen, eine kleine Pause einbauen und dein LI die Flasche austrinken lassen? Hätte es nicht auch ein Punkt anstelle des Kommas getan und der Verzicht auf das "und"? Vielleicht funktioniert es in dieser Form ja trotzdem. Alternativ vielleicht auch eine Überlegung: Komma oder "und". Eines von beiden würde ich entfernen. schnappe mir eine weitere
und lausche ihrem dem Toben.

Ich hasse CDs.


Vom Text her könnte einiges überarbeitet werden. Die kurzen zwei Stunden Schreibzeit merkt man. Da sind dir an manchen Stellen Fehler durchgerutscht und einige Kürzungen wären angebracht.

Entweder braucht dein LI einen guten Kammerjäger oder er phantasiert und sollte sich einem guten Therapeuten anvertrauen. Ich empfehle ihm beides, damit liegt er auf der sicheren Seite. Warum er so missgelaunt ist, kommt leider nicht rüber und diese ständigen Andeutungen an Selbstmord verdeutlichen nicht unbedingt, welches Problem er hat.
So eine Mimose. Nur weil sein geliebter Klassikradiosender streikt, geht nicht gleich die Welt unter, oder?

Abhaken. Weitermachen.

Merci beaucoup.

Constantine
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


Beiträge: 1627
Wohnort: zwischen Hügeln und Aue...
Das Silberne Pfand Lezepo 2015
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 22.09.2015 20:40    Titel: Antworten mit Zitat

.
Hallo Inko,

zunächst möchte ich auf den Titel eingehen.
Die Nacht, als sie wieder tobten. Der ist weit auslegbar.
Nicht eine, irgendeine Nacht sondern eine bestimmte, die nämlich, als sie tobten, wieder tobten.
Diese sie kann mehrfach besetzt sein, Nachbarn, junge/alte Leute, Gedanken, Gefühle, Ängste und ...
Und diese sie tobten, nicht zum ersten mal. Der Titel steht in der Vergangenheitsform und klingt von der Stimmung her, die er vermittelt, nicht glücklich.
Das hat sicher damit zu tun, dass diese sie anonym bleiben und dass man häufig toben nicht unbedingt mit Erfreulichem in Verbindung bringt.
Tobende Kinder schon eher, aber da steht hier das Nacht im Weg.
Nach Lesen des Titels erwarte ich rein subjektiv keine gute, angenehme Situation.

Das Gedicht lässt sich glaubhaft nach dem Zitat in der Aufgabenstellung lesen. Das LI stellte das Radio an, fand "seine" Musik nicht sondern von ihm verabscheute U-Musik sowie Nachrichten. Das stellte er wieder ab und lässt uns wissen, dass "sie" wieder toben.
Es ist ein langer Beitrag, dem man die knappe, verfügbare Schreibzeit anmerkt.
Es sind Stellen dabei, die sich deutlich als Prosa oder Stichpunkt lesen lassen.

Da ist jemand, in dessen Radio der Klassiksender streikt. Etwas anderes als diese Musikrichtung (v)erträgt LI offensichtlich nicht.
Seine Unruhe, ein Unbehagen wird sofort spürbar. Er greift zu Zigarette und Rotwein, ein kräftiger Schluck darf es sein.
Hier wünschte ich mir ein mehr an Detail, eine Weinsorte, Merlot, Dornfelder, Chianti. Dann wäre es nicht ein Rotwein, er bekäme Eigenschaften.

Zitat:
Die Kippenpackung noch halbvoll und
mehrere Flaschen in greifbarer Nähe.

Das, besonders den zweiten Vers finde ich prosaisch zu erzählend.

Dem LI fehlt seine Klassik- Radiomusik ganz entschieden. Sie kann nicht übertönen, was sich an sein Ohr, in seine Gedanken schleicht.
"Sie" kriechen heran.
Andere Ablenkung lehnt er ab, stellt sich mit Wein und Tabak ruhig, ohne wirklich beruhigt zu werden.
Er ahnt, was ihn erwartet, ist die Situation nicht neu.
Es klingt nach Ängste, die ihn beschleichen, wenn er sie nicht übertönen kann.
Es (LI) gibt sich keine Gelegenheit, sich frei zu machen, will es durchstehen.

Für mich ist das ganze nicht ausgegoren, besonders am Schluss kann ich dem Gedankengang nicht immer folgen.
Zitat:
Ich puste mir eher den Schädel weg.

Gut, das LI will stak erscheinen, doch das liest sich als leere Redewendung.

Zitat:
Sie [die Nacht] wird lang heute.
Ohne Radio.
Viel zu schön,
um ans Aufhängen zu denken.


 Die Sterne, die das LI durchs Fenster sieht sind gewiss ein schöner Anblick, dennoch finde ich das widersprüchlich zu dem Rest des Gedichtes.

Es pendelt eine Lampe, wodurch wird sie in Bewegung versetzt?
Der Grundgedanke des Gedichtes ist gut, es sind auch gute Bilder enthalten und kräftige Worte, doch insgesamt ist es nicht durchweg schlüssig für mich.
Die für zwei Stunden Schreibzeit üppige Textlänge ist ein Grund dafür, denke ich.

Lieber Gruß
Zinna


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Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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Lorraine
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Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 13:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo.

Mehrmals, beim Lesen hier, ist mir der Gedanke gekommen, dass es sich hier um verhinderten Prosa handelt (ein, zwei durch sie beim Toben zugeschlagene Türen und hopp! hätten die Gespenster aus der Vergangenheit auch beim anderen Thema landen können - aber egal.

Das Toben bleibt ein angekündigtes, aber gerade (wenn es szs zur Sache geht) hier vermisse ich ... ja was eigentlich?

Zitat:
Auf dem Bett sitzend,
gegen die Wand gelehnt und
den Blick auf das stumme
Radio gerichtet,
höre ich das Kriechen
sich anschleichen.


Zitat:
Unter der Tapete und der Zimmerdecke.
Bewegungen.


Zitat:
Durch die Ritzen der Bodenbalken.
Kratzen und Schaben



Li hört, wie "ein Kriechen" sich anschleicht? Vage werden "Bewegungen" angedeutet, dann folgen noch "Kratzen und Schaben" - das war's dann mit dem Toben. Ich muss mir also vorstellen, wie der Rest der Nacht verläuft, wenn's dann richtig los geht. Ehrlich? Mir ist das, bedenkt man die Länge des Textes, viel zu wenig, zu viel Geschwafel, mit dem ich nichts anfangen kann, das Radio bleibt ausgeschaltet, nachdem klar ist, dass es keine klassische Musik geben wird, die die "Tobenden" fernhalten kann, kurz der Bezug zum Zitat: "Nachrichtengeschwafel", tja ... und am Ende wird noch mit "Ich hasse CDs" die Erklärung geliefert, warum um Himmels Willen sich LI eine Nacht ohne Musik antun muss, obwohl er weiss, was dann passiert ...

Du ahnst es schon, ich finde nicht viel, was mich hier packen könnte oder auch nur berühren. Im Text kommt durch den Mangel an Bewegung und Rhythmus recht gut heraus, wie es dem LI geht, ohne "seine" Musik aus dem Radio, die ihm durch solche Nächte hilft, vielleicht kann man das zugute halten?

Aber wenn schon so prosamässig, dann würde ich etwas mehr auf Sorfalt/Korrektheit der Konstruktion achten:

Zitat:
An der gegenüberliegenden Wand
blicke ich durch das offene Fenster
in die sternenklare Nacht.

Nicht LI, sondern das Fenster befindet sich dort. Es sei denn, es sieht sich selbst, ich bezweifle aber, dass das so gemeint war.

Ja, also ... soviel zu deinem Beitrag, mir ist klar, dass es nicht ganz einfach ist, in kurzer Zeit ein Gedicht zu "liefern", wie gesagt lese ich hier jedoch eher den Ansatz zu einem Stück Kurzprosa.
Grüsse von
Lorraine
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Jack Burns
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Alter: 48
Beiträge: 1559



BeitragVerfasst am: 23.09.2015 17:54    Titel: Antworten mit Zitat

Da ich meine Bewertung nicht fachlich unterlegen kann, lass ich es sein.
Viel Glück!


_________________
Monster.
How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
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Drakenheim
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Beiträge: 268
NaNoWriMo: 50166
Wohnort: Daheim


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

Lang. Beeindrucken.

Das bringt die Frustration gut zum Ausdruck. Obwohl ich die Abneigung gegen CDs nicht teile.
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firstoffertio
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Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 21:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hhm. Das ist mir zu lang für das, was mir da erzählt wird.

Jemand, der keine Nachrichten hören will, findet seinen bevorzugten Sender mit klassischer Musik nicht?

5 x Radio.

Den Titel bringe ich nicht in Zusammenhang mit dem Text. Daher ist er für mich nicht aussagekräftig.

Ich stehe hier auf dem Schlauch.
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Abari
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Beiträge: 717
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BeitragVerfasst am: 25.09.2015 12:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannte/r.

Der Text ist recht umfangreich geworden in der Kürze der Zeit. Das Bild des
medial Frustrierten kann ich gut nachvollziehen und es ist Dir gelungen,
es mir deutlich vor Augen zu bringen.
Deinem Titel hingegen kann ich leider nicht ganz folgen, weil mir die
textimmanenten Informationen über "sie" als die Tobenden zu dünn sind -
zumal sie sich ja in der Wand zu verbergen scheinen.
Vielleicht war das ja Deine Absicht und ich bin ein wenig kurzsichtig.

LG
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2291



BeitragVerfasst am: 25.09.2015 17:55    Titel: Antworten mit Zitat

zwei

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"Von Literatur verstehen Autoren so viel wie Vögel von Ornithologie." (Marceel Reich-Ranicki)

„Ist es nicht idiotisch, sieben oder gar acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann?“ (Mark Twain)
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Tjana
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Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 26.09.2015 11:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ich frage mich, was mit dem Gedicht gezeigt werden soll. Ich finde das Bild nicht.
Lässt das Radioprogramm das LI verzweifeln?
Oder der Stromausfall?
Oder die gruseligen Visionen?
Und wer tobt?

Vielleicht liegt es ja nur an mir. Bin gespannt auf die Kommentare


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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 29.09.2015 15:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Von 0 bis 5 Punkten ist alles dabei.
Die Vorgaben meine ich erfüllt zu haben, das fünfmalige Radio ist und bleibt fünfmalig ein konkretes Radio und ich finde, der Bezug zum Zitat ist deutlich gegeben.

Da ist in den 2h Schreibzeit einerseits ein für manche doch zu langer, unspektakulärer Beitrag mit einem zu kryptischen Titel und der Frage, wer oder was da konkret tobt, entstanden, andererseits freut es mich ungemein, dass manche Leser ihren Spaß hatten und mit dem Beitrag etwas anfangen konnten.
Was da tobt, stand bei mir von Anfang an fest und während des Schreibens überlegte ich, ob es mehr Fleisch auf die Rippen bekommen soll oder nicht. LI in seiner beginnenden Angeheitertheit meinte, nein, das ist meine Psychokiste. Ich sagte, ok, dann behalt's für dich, du sturer Bock.

Eine Hommage war der Leitgedanke und ich freue mich, dass das einige erkannt haben, meine Befürchtung, dies dem Verfasser durchweg anzukreiden, bewahrheitete sich nicht. Danke.

Ich danke allen Kommentatoren für ihre Mühen, meinen Beitrag gelesen und ihre Gedanken dagelassen zu haben.

Noch etwas zum Lyrik-FFF:
Schade, dass so wenige in der Lyrik mitgemacht haben. Insgesamt nur fünf Beiträge. Von den vier Beiträgen, die ich bepunkten konnte, haben mich als Bewerter nur zwei überzeugt, zwei erfüllten nicht die Vorgaben.

Zitat:
(1) In deinem Gedicht ist die fünffache Wiederholung eines Begriffs deiner Wahl erforderlich. Aber es gibt eine Einschränkung für den Begriff: Es muss etwas sein, das man anfassen kann, etwas Gegenständliches / Materielles / Körperhaftes. Der Begriff muss fünfmal in exakt der gleichen Form vorkommen (nicht verwandt, gebeugt o.ä.).

Mein Verständnis war, dass der Begriff nicht nur vom Wort, sondern auch vom kontextuell-generierten Bild fünfmal das gleiche sein soll. In der Klammer wird beispielhaft aufgezählt, was der Begriff nicht sein soll, und "o.ä." (oder ähnliches) lässt meiner Meinung nach nicht viel Freiraum, als die Konklusion: Es muss fünfmal das gleiche materielle Objekt sein.
Somit vergab ich nur die beiden Höchstpunktzahlen und ich entschuldige mich bei Zinna und Stimmgabel, dass meine Punkte leider nicht zählen.
  
Der Wettbewerb hat Spaß gemacht.

LG,
Constantine
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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 29.09.2015 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Ohne jetzt blöd von der Seite reinquatschen zu wollen (und auch wenn sich die Organisation noch nicht zu Wort gemeldet hat):

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Mein Verständnis war, dass der Begriff nicht nur vom Wort, sondern auch vom kontextuell-generierten Bild fünfmal das gleiche sein soll. In der Klammer wird beispielhaft aufgezählt, was der Begriff nicht sein soll, und "o.ä." (oder ähnliches) lässt meiner Meinung nach nicht viel Freiraum, als die Konklusion: Es muss fünfmal das gleiche materielle Objekt sein.


Aber genau die Klammer zeigt doch, dass damit nur das Wort gemeint sein kann, denn die Begriffe "verwandt" und "gebeugt" sind im Kontext der Vorgabe nur in Bezug auf Wörter, nicht auf materielle Objekte sinnig.

Angenommen, man hätte als materielles Objekt einen Rücken gewählt (geht ja, kann man anfassen) – darf der dann an keiner Stelle gebeugt sein, oder wie?


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Constantine
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Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 29.09.2015 20:06    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Klemens_Fitte hat Folgendes geschrieben:
Ohne jetzt blöd von der Seite reinquatschen zu wollen (und auch wenn sich die Organisation noch nicht zu Wort gemeldet hat):

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Mein Verständnis war, dass der Begriff nicht nur vom Wort, sondern auch vom kontextuell-generierten Bild fünfmal das gleiche sein soll. In der Klammer wird beispielhaft aufgezählt, was der Begriff nicht sein soll, und "o.ä." (oder ähnliches) lässt meiner Meinung nach nicht viel Freiraum, als die Konklusion: Es muss fünfmal das gleiche materielle Objekt sein.


Aber genau die Klammer zeigt doch, dass damit nur das Wort gemeint sein kann, denn die Begriffe "verwandt" und "gebeugt" sind im Kontext der Vorgabe nur in Bezug auf Wörter, nicht auf materielle Objekte sinnig.

Wie gesagt, es handelt sich um mein Verständnis der Aufgabenstellung und warum ich wie bewertet habe. Das sagt dann sicherlich mehr über mich, als die Wortwahl der Aufgabenstelung aus.

Klemens_Fitte hat Folgendes geschrieben:

Angenommen, man hätte als materielles Objekt einen Rücken gewählt (geht ja, kann man anfassen) – darf der dann an keiner Stelle gebeugt sein, oder wie?

 Laughing
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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 29.09.2015 20:13    Titel: Antworten mit Zitat

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Wie gesagt, es handelt sich um mein Verständnis der Aufgabenstellung und warum ich wie bewertet habe.


Okay, verstehe. Aber (Miss)Verständnisse ändern sich ja bisweilen, wenn neues Wissen gesammelt wird.

Diese Stelle
Constantine hat Folgendes geschrieben:
"o.ä." (oder ähnliches) lässt meiner Meinung nach nicht viel Freiraum, als die Konklusion: Es muss fünfmal das gleiche materielle Objekt sein.

las sich für mich so, als handelte es sich dabei immer noch um deine Meinung.


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