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Waldlied

 

 
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Abari
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 38
Beiträge: 839
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 14.10.2018 18:00    Titel: Waldlied eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Waldlied

Nicht alles ist das, was es scheint zu sein:
Wie liebe ich doch Deinen kühlen Wald,
den Du aus Tönen zogst und darin bald
mir suggeriertest, dass ich vor IHm klein
und unbedeutend wirken muss: Wie flach
erscheint Musik doch ohne einen Bach.

Das Zwitschern Deiner Flöten ist im Ganzen
den Vögeln droben glücklich abgelauscht;
und wie das Cello dazu freundlich rauscht,
macht mir das Herz im Leibe selig tanzen.
Und schmettern erst die Hörner, wie von ferne,
zieht schon die Jagd einher. Wie liebend gerne

ritt ich mit ihnen hin. Die Streicher sind
das Dunkle, das im Walde manchmal wohnt
und schützend als die Decke, die mich schont,
sich um mich legt. Und weht zum Schluss der Wind
der Pauken und Posaunen in dem Saal,
wie steht vor mir ein dichtbewaldet’ Tal.

So unvergänglich steht das Grünen seines
Gezweiges, seine Früchte reifen immer
aufs Neue und ein ew'ger Morgenschimmer
durchglüht die Lichtungen. Oh Gott, ein kleines,
geliebtes Stückchen Himmel. Tausendfach
hast Du’s beschrieben; Du, der große Bach.

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Abari
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 38
Beiträge: 839
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 15:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

*seufz* Es muss ja auch einen Letzten geben. Beim Wiederlesen ist mir aufgefallen, dass da "liegt" statt "steht" ein Tal hin müsste. ZB.

Aber was solls. Ich hatte den zB Säulenwald gotischer Dome vor Augen, es aber dan verworfen, obwohl das auch meiner romantischen Ader dienlich gewesen wäre. Und das einzige gereimte Gedicht... Na wenigstens stimmt das Metrum einigermaßen.

Ich bin gespannt auf Eure Antworten.


_________________
Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 99
Beiträge: 1907
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 16.10.2018 15:52    Titel: Re: Waldlied Antworten mit Zitat

Hallo Anonymus,

dein originell verreimtes Gedicht hinterlässt bei mir einen sehr guten Eindruck.
Besonders apart finde ich die unwillkürliche Assoziationen zu einem nicht unwichtigen menschlichen Fortpflanzungsorgan. Das hat was!
Spannend auch der Einsatz der Instrumente: Ein Liebesgedicht ganz besonderer Art, der das Thema verblüffend anpackt. Ganz toll die sich entwickelnden Hinweise auf den Komponisten Bach.

Da kann es sich bei dir eigentlich nur um den Dichter David handeln, nicht wahr? wink

Liebe Grüße
m.


_________________
Alles Amok! (Anita Augustin)
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 57
Beiträge: 515
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 17.10.2018 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

das einzige 'Formgedicht' im Wettbewerb. In einem eher historischen Duktus gehalten - dem Inhalt und dem Gepriesenen auch darin nahe.
Fließend die Verse mit ihren Enjambements, fließend auch wie ein/bei Bach.
Mir gefällt dieses Stück und es grenzt an die Kunst der Fuge, wie Du das Thema "Wald, ohne Bäume" ganz unaufdringlich umgesetzt hast.
Gerne gehört, Punkte werde ich ganz am Schluss vergeben.

LG - Poetnick

Und das mit dieser knappen Zeitvorgabe...erstaunlich!


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 38
Beiträge: 1242
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 18.10.2018 19:19    Titel: Re: Waldlied Antworten mit Zitat

Irgendwie ist das Gedicht cool. Die Sprache so herrlich altmodisch. Schmetternde Hörner (erinnert mich an "lustig schmettert das Horn" von Hoch auf dem gelben Wagen). Dann das "Zwitschern deiner Flöten", ich denke hier an was Unanständiges und das freut mich irgendwie.

Insgesamt ist das ein sehr lautes, fröhliches Gedicht, mit Pauken und Posaunen. Ein musikalisches Thema zieht sich von oben bis unten durch. Zuletzt meine ich, dass es der große Bach ist, der die Musik zum Besten gibt.

Der erste Satz fügt sich allerdings nicht so recht ein, er wirkt wie außen vor. Sprachlich wie bildlich ist der Text insgesamt nicht so mein Ding, aber was solls. Bestimmt gibt es Punkte für deinen Text.

Und tatsächlich, es gibt Punkte und zwar sage und schreibe acht davon (verantwortlich hierfür sind größtenteils die Flöten).


_________________
hast du den luftblick
hast du den erdenblick oder
den fuchsblick_
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1276
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 20.10.2018 14:20    Titel: Re: Waldlied Antworten mit Zitat

Endlich mal etwas klassisch Gereimtes!

Ich weiß nicht, wieso sich viele immer mit gereimter Lyrik schwer tun, ich empfinde sie als besonders wohlklingend.

Dein "Wald"-Konzert, lieber Inko, gefällt mir grandios gut und ist von jener Art, dass ich mir denke: "Wieso bin ich da nicht schon früher drauf gekommen?"
Ich werde bei meinem nächsten Waldspaziergang wohl definitiv Musik im Ohr haben. Wink

Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:

Die Streicher sind
das Dunkle, das im Walde manchmal wohnt


Absolut klasse! Dein Gedicht ist meine Nummer 1! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 29
Beiträge: 7469



BeitragVerfasst am: 23.10.2018 14:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ein romantisches Waldlied in Versen. Ich gehe zwar selbst gerne im Wald spazieren, bewerte die Romantik darüber hinaus aber als eine eher abartige Epoche, der man sicher keine nachempfundenen epigonalen Reminiszenzen widmen muss. Sollte. Gut, soweit hast du mich leider auf dem falschen Fuß erwischt, was dem Gedicht nicht anzulasten ist.
Dennoch lese ich hier nichts, was man nicht schon drölftausendmal irgendwo gelesen hätte, die Hörner wie von Ferne, die Streicher sind das dunkle Waldgeheimnis, die vom ew'gen Morgenschimmer bestrahlt werden. Das war schon bei Eichendorff Kitsch und ist es auch heute noch. Dazwischen leider auch Fehlgriffe wie „suggeriertest“, die den Ton des Gedichtes konterkarieren, aber leider nicht ironisch. Von dem Bach/Bach-Witzlein weiß ein Gentleman zu schweigen.

Sorry, aber das war meiner Meinung nach nichts. Auch nicht für zwei Stunden. 2018 erwarte ich was anderes von Gedichten.
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finis
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Beiträge: 634
Wohnort: zurück
Die lange Johanne in Bronze


BeitragVerfasst am: 24.10.2018 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hi.

Meine Hochachtung zu der schönen Reim- und Taktung und das in zwei Stunden! Ein schöner Blankvers; besonders gefällt mir wie in Strophe 2 die männlichen und weiblichen Kadenzen sich den Reimpaaren anpassen.
Einzig und allein der erste Vers liest sich für mich etwas widerspenstig in dem Metrum, was sicher an dem gewählten Anfangsversatzstück liegt, aber naja. In der letzten Strophe fügt sich das Metrum auch nicht so mühelos zusammen wie in den oberen - wird zwar durchgehalten, liest sich für mich aber weniger natürlich. Das ändert aber nichts an meiner Hochachtung vor dieser Leistung in so kurzer Zeit.

Leider habe ich den Eindruck, dass der Inhalt unter dieser Formschönheit etwas zu kurz kommt. Was mir etwas fehlt, ist der doppelte Boden und etwas eigenere/eigenwilligere Metaphorik. Das ist doch sehr romantisch (im epochalen Sinne) und benutzt wenig eigenes. Klar, Musik ist hier der Wald ohne Bäume, das ist eine wirklich schöne Idee (!), aber da einfach eine Eloge auf Bach draus zu machen, greift mir dann doch etwas zu kurz. Wobei ich Dir jetzt auch nicht sagen könnte, an welcher Stelle ich weiter in die Tiefe gehen würde (noch behaupten würde, dass ich es besser gemacht hätte), ich hatte nur bei jedem Lesen ein etwas ungesättigtes Gefühl und wurde das irgendwie nicht los. Jetzt versuche ich das rational zu begründen und bin mir nicht sicher, wie erfolgreich ich damit bin. Ein Fakt ist nämlich auch, dass das nicht mehr meinen Lesegewohnheiten entspricht und ich somit vielleicht einfach aus meiner Wohlfühlzone geraten bin. Hm. Ich denke weiter darüber nach - und mir ist klar, dass das jetzt eine für Dich sehr unbefriedigende Aussage ist. Sorry. Es tut mir wirklich leid.

LG.
finis


_________________
"Mir fehlt ein Wort." (Kurt Tucholsky)
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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


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Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 26.10.2018 08:16    Titel: Antworten mit Zitat

Bepunktungszeile
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Zinna
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Das Silberne Pfand Lezepo 2015
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BeitragVerfasst am: 26.10.2018 08:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

_________________
Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 46
Beiträge: 339
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 26.10.2018 17:26    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Umsetzung des Themas, angenehm zu lesen. Eine Ode an die Musik von Bach.

Mir fehlt hier das Besondere. Das Wortspiel mit Bach alleine reicht mir nicht. Aus diesem Grund lese ich es und habe es gleich darauf wieder vergessen.

Nett.
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Abari
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 38
Beiträge: 839
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 26.10.2018 20:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey,

das Gedicht hat ja besser abgeschnitten, als ich zu träumen gewagt hätte. Nihil brachte es auf seine Art auf den Punkt:
Zitat:
2018 erwarte ich was anderes von Gedichten.
Dennoch schreibe ich genau so, wenngleich es nicht modern ist. Ich weiß das, aber was soll ich machen?

Nun zu Euren Kommentaren, für die ich sehr dankbar bin und mit großem Interesse  gelesen habe.

@menetekel: Schön, dass Dir der Text so gut gefällt. Wie Du siehst, irrst Du in Deiner Annahme, aber David wäre der andere "Kandidat" für diese Art Texte gewesen. Und ja, ich liebe die Musik von Bach sehr.

@Poetnick: Ja, das 'Formgedicht' ist es, was mich unsicher gemacht hat und bis zum Schluss zweifeln ließ. Den Vergleich zur Kunst der Fuge scheue ich zwar, aber es freut mich, dass ich Dein Ohr hatte.

@Heidi: Danke für erstaunliche acht Punkte. Natürlich hast Du recht, der erste Satz sperrt sich. Aber da war ich noch auf einem anderen Dampfer. Was Ihr hier Lesen könnt, ist das Produkt eines Prozesses, der nicht abgeschlossen worden ist. Zwei Stunden sind schon knapp...

@MoL: Freut mich sehr, dass Gereimtes Dir so gut eingeht und ich meine Sinneswahrnehmung vermitteln konnte. Denn das ist eine derer, die ich habe, wenn ich Bach höre: Der Bilder sind noch viele.

@Nihil: Ich hatte noch mehr Kommentare im Stil des Deinigen erwartet. Ja, vielleicht ist es kitschig und ich weiß, dass Dir das so garnicht liegt und schmeckt. Vielleicht bin ich da einfach zu weich, um Bach aufzurocken. Wer weiß das schon.

@finis: Dein scharfer Blick ist mir eine große Hilfe. Ich danke Dir für den Respekt vor dem Metrum und Reimen. Sicher hätte ich mit ein wenig mehr Zeit in die Tiefe gehen können, aber das war nun nicht. Wie ich bereits schrieb, hat der Text einen Vorlauf und ich hatte mir ein Limit gesetzt, bis zu dem ich entweder eine Idee habe oder aufgebe. Das ist es nun geworden, und ich habe mich für Deinen Geschmack wohl zu sehr an den falschen Gedanken gehängt. Sorry auch von mir.

@Lorraine: Kurz und knackig. Magst Du noch etwas sagen?

@Zinna: Schade, dass Dir die Feder brach. Dein Urteil ist mir wie das von Lorraine viel wert.

@Catalina: Da darf ich noch wachsen, nachhaltigere Texte mit mehr Gehalt zu schreiben. (das sage ich auch zu den anderen KomentatorInnen)

Insgesamt hat es mir Spaß gemacht, mitzumachen. Ich danke Euch für Eure Kommentare und Bewertung. Bleibt gesund.


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LG
Abari
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Soleatus
Autor


Beiträge: 789



BeitragVerfasst am: 28.10.2018 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Abari!

Abari hat Folgendes geschrieben:
Dennoch schreibe ich genau so, wenngleich es nicht modern ist. Ich weiß das, aber was soll ich machen?


Ich denke, die Frage, wie modern dein Gedicht ist, führt nicht wirklich zum Ziel; die Frage ist eher: wie eigenständig ist es? Und da sind Bedenken angebracht, finde ich. Die Zahl der Gedichte über Bach ist groß, die Versuche, das Wesen seiner Musik zu beschreiben, auch; und der Wald ist ein deutsches Überthema. Du reihst dich bei allem ein, ohne eine wirklich eigene Stimme zu finden. Hm. Ich schaue kurz bei Hermann Hesse vorbei, das war ja auch so einer, der stur an den Darstellungsmitteln seiner Jugend (= spätes 19. Jahrhundert) festgehalten hat und sich dadurch genau mit denselben Schwierigkeiten rumplagen musste wie du. "Zu einer Toccata von Bach" hat, wie dein Text, sechs gereimte Fünfheber je Strophe (allerdings nur drei Strophen). Die letzte Strophe:

Und weiter schwingt sich, gottwärts rückbezogen,
Und drängt durch aller Kreatur Getriebe
Dem Vater Geiste zu der große Drang.
Er wird zu Lust und Not, zu Sprache, Bild, Gesang,
Wölbt Welt und Welt zu Domes Siegesbogen,
Ist Trieb, ist Geist, ist Kampf und Glück, ist Liebe.


(Aus Hermann Hesse: Die Gedichte, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977, S. 632)

Das ist zugleich wirkungsvoll und wenig einprägsam; ich denke, die Wirksamkeit fließt aus rhetorischer Quelle, der Mangel aus der Übermenge eigentlich leerer Wörter?! Bei dir wirkt das Gleichsetzen von Musik und Wald, und der Mangel ist die abgegriffene Bildlichkeit.

Klar, niemand kennt alles; aber manches ist so verbreitet, dass es heutzutage einem Warnschild gleichkommt. Nimm "Dom" und "Bogen" bei Hesse - als ich mit den Gedichten angefangen habe, schrieb ich diese beiden Distichen über ein Klavierkonzert Mozarts:

Über nach langem Spiel im Schoße entschlummerten Kätzchen
Richtet Mozarts Musik auf einen schwebenden Dom -
Durch geschwungene Bögen, durch Streben und ragende Pfeiler
Zieht ein herrlicher Traum endloser, glücklicher Jagd.


Das sind einmal sehr ungelenke Hexa- und Pentameter; aber vor allem greifen sie auf eine sehr, sehr naheliegende Bildlichkeit zurück - Musik = (ausgefüllter / umschlossener) Raum, Gebäude, und irgendwann lernt man, dass das zumindest ein zweischneidiges Schwert ist ...

Na, und so bei vielen Dingen. Nimm den Tonfall: Das ist einer, in dem das 19. Jahrhundert seine Vorbilder gefeiert hat. Du:

Wie liebe ich doch deinen kühlen Wald

Friedrich Leopold Stolberg ("Bei Homers Bilde"):

Du guter, alter, blinder Mann,
Wie ist mein Herz dir zugetan!


Ganz früh, aber dieser kindlich-naiv-ehrfürchtige Ton, den Stolberg hier bewusst wählt (er konnte anders), ist danach häufig anzutreffen.

Na gut, das Andererseits:

Das ganze ist ein Wettbewerbstext, und ich finde, in diesem Rahmen ein gut gemachter. Sicher, wenn du drüber geschlafen hättest, wäre dir zum Beispiel aufgefallen, wie entsetzlich fremd das "suggeriertest" im Text steht; und dass S1, V1 arg ungelenk ist. Aber die Zeit war stark begrenzt, und dann ist es immer ein Schuss ins Blaue, zumindest teilweise; der Text bleibt uneben. Und die Frage ist auch: Was will ich im Wettbewerbsrahmen? Gewinnen?! Dafür ist dieser Text sicher nicht geeignet - ich denke, das ist ein Mittelfelds-Gedicht; so vertraut, dass man beim Bewerten sofort Zugang hat, aber eben auch so uneigenständig, dass es sich kaum heraushebt. Was man halt so schreibt, wenn man sehen möchte, ob man den Herausforderungen des Wettbewerbs gewachsen ist, unabhängig von der Platzierung.

Gruß,

Soleatus
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Abari
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 38
Beiträge: 839
Wohnort: ich-jetzt-hier


BeitragVerfasst am: 28.10.2018 13:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hey Soleatus,

zuvörderst danke, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, so ausführlich auf den Text einzugehen. Das freut mich wirklich sehr.

Ich bin - wie immer - gern Deinen Gedanken gefolgt. Ja, wenn mehr Zeit gewesen wäre, hätte ich sicher auch diese Idee, mindestens etliche Worte, verworfen. Aber das war nicht und das Thema war nicht das einfachste, wenn man von den "naheliegenden" Sachen absieht, was ja auch andernorts thematisiert worden ist. Wenn gar eine Nacht zum drüber schlafen gewesen wäre, wäre der Text ein anderer. Aber Konjunktive nützen nichts; die Vorgaben sind, wie sie sind.

Um beim Dialektischen zu bleiben: Andererseits habe ich mir bei aller Beschäftigung und Durchdringung Bachs den kindlichen Blick, wie Du es so treffend nanntest, bewahrt. Ich bin mit diesem Ausnahmemusiker seit meiner Kindheit unterwegs und ich bin immer noch nicht fertig, zu erstaunen: Wann immer ich denke, jetzt hab ich ihn aber begriffen! kommt er um die Ecke und schreibt einen neuen musikalischen Gedanken. Und er wird nie langweilig, je oft ich ihn auch hören/spielen mag.

Ich danke Dir für das Lob und den Respekt, den Du letztlich dem Text zollst. Mir ging es nie darum, zu gewinnen; auch wenn das im Nachhinein leicht zu behaupten ist. Ich hatte mit allem gerechnet, wie Du oben sehen kannst. Und ja, es war ein "Schuss ins Blaue". Deswegen ging ich so sehr davon aus, nicht getroffen zu haben. Aber es fanden sich offenbar dennoch Freunde, sonst wäre der Text nicht da, wo er nun gelandet ist. Es sei ihnen an dieser Stelle nochmals gedankt.

LG
abari


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Abari
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