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Unsichtbar


 
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Kiara
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 39
Beiträge: 461
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 01.01.2019 20:00    Titel: Unsichtbar eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Unsichtbar



60 Sekunden
Der Krähenschnabel hackt suchend in die Augenhöhlen, vergeblich.
Verzweifelte Nahrungssuche.
Am Maul. Weniger schmackhaft als die Augen, aber besser als nichts.
Der scharfe Schnabel bearbeitet wie wild die Lefzen des toten Wildschweins. Blut tritt aus.
Die Krähe ist nicht wählerisch.

Ein Rucksack mit Habseligkeiten. Letzte Erinnerungsstücke an das Haus am See.
Mit jedem Tag waren sie in höher gelegene Gebiete geflüchtet. Das Wasser stieg schnell.
Vorräte sind nahezu aufgebraucht. Doch sie leben. Zwei Menschen und ihr Hund.
Zusammenhalt.
Überleben.
Heute ist der Tag des Aufbruchs, die Zusammenkunft mit den anderen auf der entfernten Bergkette. Alleine ist die Existenz unmöglich geworden. Der Wunsch, sich mit Gleichgesinnten zu verbünden, ist mächtig.
Ein Drang, wieder unter Artgenossen zu sein.
Sie werden sich wundern, wie wenig Zusammenhalt sie vorfinden. Jeder kämpft ums eigene Überleben.
Doch die Einsamkeit ist schlimmer.

Ein Wildschwein prescht durch die Büsche und flieht, als es die Menschen sieht. Der Hund ist kaum zu bändigen.
Was gäben sie alle für das warme, saftige Fleisch.
Dem unwiderstehlichen Trieb nachgebend folgen sie der Sau.



50 Sekunden
Unzählige von uns sind bereits im Inneren der Krähe
und beginnen mit der Verbreitung.
Kämpfe sind entbrannt. Aussichtslose Kämpfe, denn wir sind stärker. Niemand kann sich unserem Kollektiv widersetzen.

Schnelle Schritte und ein Grunzen schrecken den Vogel auf.
Mit einem klagenden Krächzen erhebt er sich schwerfällig
und gleichzeitig galant in die Lüfte.
Lange kann er nicht mehr fliegen,
wird aber zu unserer Verbreitung beitragen.



Still hängt sie da, die Glocke. Gefühllos. Und doch scheint sie traurig, dass sie nie wieder erklingen wird. Kein helles Läuten für den Gottesdienst mehr, keine Schläge im Viertelstundentakt.
Krähen haben sich in dem verlassenen Kirchturm versammelt.
Ein einziges Nest mit zwei Küken.
Die Vögel verteidigen es, als wüssten sie, dass es ihr letztes sein wird.


Ein weiterer Wirt schnüffelt an dem Kadaver.
Lautlos greifen wir erneut an.
Mit jedem Atemzug saugt das Wildschwein
unwissend den Tod in sich ein.
Die Tiere ahnen nichts.

Im nächsten Augenblick wird die Sau wieder aufgescheucht und hetzt weiter.
Stimmen. Menschliche Laute.

Intelligent scheinen sie, diese Menschen.



Alles unter Kontrolle, hatten Politiker in die Kameras posaunt. Es gab schon immer Temperaturschwankungen.
Ruhe bewahren.
Naturkatastrophen, die schnell wieder in Vergessenheit gerieten.
Warnungen, die in den Wind geschlagen wurden.

Wir können die Erderwärmung aufhalten.
Medien verbreiteten die Hoffnung
wie schnatternde Gänse.

Jeder soll sich mit Vorräten eindecken, zur eigenen Sicherheit.
Manche bereiteten sich vor und kauften die Läden leer.
Doch sie änderten nichts an ihrer Art, zu leben.
Fuhren die Tanks ihrer Autos leer, die anschließend nutzlos waren.
Wunderten sich und schimpften, als der Strom abgeschaltet wurde. Kein Internet, kein Fernsehen, kein Mobiltelefon mehr.
Keine Ablenkung.
Nahrung in Kühlschränken verdarb.
Heizungen waren nutzlos, warmes Wasser fehlte.
Grundbedürfnisse konnten nicht mehr befriedigt werden.
Doch der Wasserspiegel stieg unaufhörlich.

Innerhalb weniger Jahre waren die meisten Flächen der Erde für die Landbewohner unwirtlich geworden.
Erst als es zu spät war, wollten die Menschen etwas ändern.
Und vergingen sich am Hab und Gut ihrer Nächsten.


So sind sie, unsere Wirte. Betrifft es sie indirekt,
reden sie sich die Situation schön und setzen Scheuklappen auf.
Doch geht es an ihre eigene Existenz,
werden sie zu Bestien und raffen, was sie können,
um ihr niederes Dasein zu schützen.
Uns ist das einerlei.
Ob wir einen Hund, einen Gaul oder einen Menschen befallen -
wir gewinnen mit jeder Sekunde an Stärke.
Millionenfaches Sterben hat unsere Existenz erst möglich gemacht.
Wir sind unzählige. Aufgrund ihrer schwächlichen Augen unsichtbar. Intelligentere Menschen meinen, sie können sich mittels Impfungen immunisieren. Andere bekämpfen uns mit Antibiotika.
Natürlich kostet das einigen von uns die Existenz.
Aber nicht nur uns.
Dass sie durch andere Arten unsererseits überhaupt am Leben gehalten werden, vergessen Menschen in ihrer Überheblichkeit nur zu gern.
Auch diejenigen, die das Leben verteidigen, werden dahingerafft.
Derart geschwächt sind sie leichte Opfer.
Uns interessiert letztendlich nicht, was dem Wirt widerfährt;
wir passen uns stets an.
Das haben wir immer getan.




40 Sekunden
Wasser umspielt die Hufe der toten Sau.
Gebell.
Der Verwesungsgeruch ist stark.
Er erreicht die feine Nase des Hundes und zieht ihn an - wie unter einem Bann hechelt das Tier herbei.
Summen, als der Fliegenschwarm aufgeschreckt wird.
Schnüffeln an den Hauern, am Maul, am frischen Blut an den Lefzen.


Auch hier starten wir sofort den Angriff.
Die Luft ist unser Träger, die Fliegen die Drohnen.
Es gibt kein Entrinnen.




30 Sekunden
Ihren krächzenden kurzen Bericht abgebend gesellt sich die Krähe zu ihren Artgenossen.
Endlich.
Aas.
Nahrung.


Macht euch bereit zum Aufbruch, ihr fliegenden, schwarzen Boten.
Wir werden euch erwarten.



Menschenrufe.
Der Hund schnüffelt noch einmal, bevor er sich traurig abwendet und durch das niedrige Wasser zu seinem Frauchen und Herrchen prescht.
Er ist glücklich, dass er bei ihnen sein darf.
Unbeirrbar ist seine Zuneigung,
blind seine Liebe.
Der treue Begleiter steckt seine kühle Schnauze in die warme Handfläche des Mannes.
Aas macht krank, erklärt er dem Tier.


Wie recht er doch hat.


Die Menschen bleiben stehen,
ein Bild der Idylle inmitten des unwirtlich gewordenen Waldes.
Nehmen sich an der Hand und sehen einander in die Augen.
Ein Krähenschwarm fliegt über sie hinweg.


Wir sind bereits überall.
Unaufhaltbar.




20 Sekunden
Der Ausläufer einer Flutwelle schwappt über ihre Füße. In ein paar Stunden wird diese Ebene komplett unter Wasser stehen.
Aufbruch zum Hügel!
Doch sie bleiben stehen und verharren.
Eine Umarmung.
Hoffnungsvolle Nähe, warme Körper aneinander geschmiegt.
"Hoffentlich geht es ihr gut", flüstert sie an ihre Tochter denkend, die das Elternhaus vor Jahren verlassen hatte.
Ein Kuss.
Sie wissen, dass es wenig Hoffnung gibt.
Ihre Liebe hat dennoch Bestand.
Das Paar will das gemeinsam durchstehen.


Unwissende.
Der Hund wird das erste sein, was sie entbehren müssen,
wenn sie den Hügel erreichen. Sie werden ihn gegen die anderen verteidigen. Zähnefletschend. Schreiend.
Weinend.
Das Tier, was sie geliebt haben, muss als Nahrung herhalten.
Unter Tränen werden sie es töten.
Und anschließend verzehren.
Was wird morgen sein?



10 Sekunden
Die Berge sind ihre letzte Bastion.
Sie retteten sich auf die erhöhten, trockenen Flächen.
Die Menschen sind das Zusammenleben nicht gewohnt, bauen gerne Wände
zwischen sich und ihre Artgenossen.
Tausende sind auf jedem Berg zusammengepfercht.
Zu viele.
Zu wenig Nahrung und Platz.
Viel zu viel Hunger.
Ja dort, dort am Horizont. Zur Bergkette, schnell.
Gesellt euch zueinander, ihr Narren.
Versammelt euch auf den trockenen Flächen, eng aneinander,
so ist es gut.
Die Nähe wird euer Verderben sein.
Keine Arche.
Keine Rettung.
Eure Zeit ist gekommen.

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lebefroh
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 38
Beiträge: 333
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 11.01.2019 22:47    Titel: Antworten mit Zitat

Ist das jetzt eine Genretext? Keine Ahnung. Jedenfalls ist das auch nicht mein Kritikpunkt, auch, weil ich gar nicht weiß, wie man das abgrenzt.

Ich finde allerdings, dass das nicht wirklich die Verdichtung von Geschehnissen in einer Minute ist. Dafür ist mir zu viel Rückblick drin. Mir fehlt auch Tiefe. Auf mich wirkte der Text recht vorhersehbar.

Leider keine Punkte.
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Tape Dispenser
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 278



BeitragVerfasst am: 11.01.2019 23:28    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich ein Text mit dem moralischen Holzhammer. Die Bakterien werden gewinnen, der Mensch des Menschen Wolf.
Vorgabe:erfüllt
Motto: erfüllt
Empfinde ich insgesamt zwar als stringent in der Aussage, die sprachliche Ausführung aber langweilig und vorhersehbar.
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 12.01.2019 01:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hier scheint es mir nicht nur um eine Katastrophe zu gehen, sondern um eine apokalyptische, Klimawandel.  Parasiten, Mikroorganismen überleben?

Der Wechsel von rechts zu linksbündig verhindert nicht, dass für mein Gefühl hier zu viele Worte gemacht wurden. Die Situation bleibt eine erfundene. Irgendwie zu bombastisch geschildert, als dass sie mich überzeugt.

Zeitdehnung beinhaltet nicht viele verschiedene Orte hier.
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 12.01.2019 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Der Text erfüllt alle Vorgaben und liest sich flüssig. Mir gefällt das Motiv der Krähen, das sich durch den Text zieht. Bei der Frage, ob das E-Literatur ist, muss ich jedoch lange überlegen. Gerade das Ende, das mir ein wenig zu pathetisch ist, kommt zu geradlinig daher; ich erkenne keine zweite Ebene, die im Text auftaucht - andererseits werfen manche Sätze interessante Fragestellungen auf, z.B.:

Zitat:
Die Krähe ist nicht wählerisch.


Zitat:
Sie werden sich wundern, wie wenig Zusammenhalt sie vorfinden. Jeder kämpft ums eigene Überleben.
Doch die Einsamkeit ist schlimmer.


Ich ordne deinen Text eher als U-Literatur ein. Was nicht schlimm ist, es ist gute U-Literatur, ich will mehr davon lesen. Im Hinblick auf die Vorgaben muss ich deinen Text jedoch im unteren Segment ansiedeln.


_________________
"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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UtherPendragon
Hobbyautor


Beiträge: 335



BeitragVerfasst am: 12.01.2019 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

Jetzt wurde meine ganze schöne Antwort gelöscht. Seis drum. Ich hoffe, sie gerät jetzt in meinem Anflug von Wut nicht zu lieblos.

Dieser Text hat mich zwiespältig zurückgelassen.

Einerseits mag ich den aktuellen Themenbezug, halte ihn aber für nicht produktiv umgesetzt. Außer der Ästhetik einer Dystopie kann ich diesen Absätzen nichts abringen, keine Moral oder sonstige Erkenntnis, d.h. für mich entwickelt der Text seine volle Wirkung auf der Basis seiner Ästhetik.

Diese Ästhetik, und damit sind auch schonmal zwei der drei für mich wichtigsten Kritikpunkte benannt, gefällt mir außerordentlich gut. Krähenschwärme werden nie verbraucht sein als literarisches Motiv.

Hierzu trägt sicherlich auch die Erzählperspektive der Destruenden, so nenne ich sie mal, oder Parasiten bei, die offensichtlich einige dieser Absätze erzählerisch für sich eingenommen haben. Einerseits, und hier komme ich auf die Zwiespältigkeit zurück, habe ich für die Idee und das Konzept große Sympathie, andererseits finde ich sie nicht konsequent umgesetzt.

Wenn die Erzählinstanz Feststellungen trifft wie:
"So sind sie, unsere Wirte. Betrifft es sie indirekt,
reden sie sich die Situation schön und setzen Scheuklappen auf." erzeugt das für mich eine vermutlich nicht intendierte Komik. Das funktioniert für mich einfach nicht.

Weiterhin stören mich vereinzelte, tendenziell redundante Sätze wie: "Die Krähe ist nicht wählerisch" oder "Das Paar will das gemeinsam durchstehen". "Ihre Liebe hat dennoch Bestand" ist für meinen Geschmack auch zu dick aufgetragen.

Die formale Anordnung der Absätze ist Geschmackssache. Mir gefällts! Wäre der Wechsel von Erzählinstanzen konsequenter vorgenommen worden, hätte das ganze m.E. noch mehr Potential.

Poetisch gesehen gefällt mir die Wortwahl um die Themenkreise Fleisch, Tier, Bestie und den Freudschen Atavismus der Menschen, das Primitive etc. Die Moral von der Geschicht' ist mir nur wie gesagt noch zu dünn.

Dann gibt es wieder Textstellen, wo ich noch mehr Tiefe vermute: "Millionenfaches Sterben hat unsere Existenz erst möglich gemacht. " ist einer der starken Stellen, die leider durch die nachfolgenden Ausführungen über die Medizin geschwächt wird.

Inhaltlich finde ich, dass der Text eine gelungene Collage ist. "Die gestundete Zeit" ist hier in ihrer Rolle ja recht offensichtlich - nun läuft sie ab. In dieser Hinsicht finde ich nicht mehr viel zu analysieren.

Alles in allem... Viel Potential, aber irgendwie sind Inhalt, Erzählinstanz und diese doch gelungene Atmosphäre nicht so zusammengeführt, dass ich mir denke: Jawohl, ich nehme jetzt wirklich etwas daraus mit.

Bezüglich der Destruenden musste ich übrigens an Hildegunst von Mythenmetz, das Gedicht "Der Sieger Wurm" von Walter Moers denken:)

Liebe Grüße, mal schauen, wie man diese Bewertung vergibt..


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Literättin
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BeitragVerfasst am: 13.01.2019 09:25    Titel: Antworten mit Zitat

Auffällig in der Formatierung, doch nicht wirklich konsequent ausgearbeitet, finden sich im Text für mich zu viele Ungenauigkeiten und Unstimmigkeiten. Links ein allwissender, höchst subjektiver Erzähler, rechts die Sicht moralisierender Mikroben auf triumphalem Rachefeldzug. Der Tonfall und Funktion der Aufteilung jedoch überschneiden sich im Verlaufe mehr und mehr und sind am Ende nicht mehr zu unterscheiden, erscheinen z.B.: hier versehentlich oder willkürlich rechtsbündig:

Zitat:
Unwissende. 
Der Hund wird das erste sein, was sie entbehren müssen, 
wenn sie den Hügel erreichen. Sie werden ihn gegen die anderen verteidigen. Zähnefletschend. Schreiend. 
Weinend. 
Das Tier, was sie geliebt haben, muss als Nahrung herhalten. 
Unter Tränen werden sie es töten. 
Und anschließend verzehren. 
Was wird morgen sein?


Erzählt wird das nahende Ende der Menscheit – bzw. das Ende allen „höherer“ Lebensformen. Für mich geht das Experimentelle hier nicht auf, weil das formal und inhaltlich in sich nicht stimmig ist und bereits mit Fehlern im Detail beginnt, die mich (sei es kleinlich oder nicht) gleich zu Beginn aus dem Text werfen: Wildschweine haben keine Lefzen, doch schon vorher wird aus auktorialer Sicht recht eigenwillig festgestellt, dass Wildschweinschnauze weniger schmackhaft für die Krähe ist als Auge? Wer erzählt das (und wozu, aus schreibhandwerklicher Perspektive betrachtet?).
Vielleicht soll es ein wenig mehr Grusel in die Horror-Inszenierung bringen, aufgrund eines lakonischen Tonfalls? Jedenfalls stechen solche „Störfaktoren“ im Text so hervor, dass ich mich als Leser vorwiegend damit befasse, wer hier erzählt: der Erzähler oder der Autor selbst? Und was eigentlich? Und wozu? Und das tut dem Text nicht gut. Auch die moralische Schlagseite der Mikroben tut dem Text nicht gut, der mehr und mehr den Leser bevormundet und ihn nicht seinem eigenen Texterleben überlässt. Mir wird als Leser vorgezeichnet, was ich über das Ende der Welt und über die Menschheit zu empfinden habe. Auch die vordergründigen Fragen, was denn nun die Menschheit bewegt oder zu bewegen hat, wie ignorant, animalisch, blind, selbstsüchtig oder sonst was der Mensch an sich ist, werden mir hier vorgezeigt und streckenweise ausformuliert.

Ein Beispiel für Ungenauigkeit:

Zitat:
Ein weiterer Wirt schnüffelt an dem Kadaver. 
Lautlos greifen wir erneut an. 
Mit jedem Atemzug saugt das Wildschwein 
unwissend den Tod in sich ein. 
Die Tiere ahnen nichts. 

Im nächsten Augenblick wird die Sau wieder aufgescheucht und hetzt weiter. 
Stimmen. Menschliche Laute. 

Intelligent scheinen sie, diese Menschen.



Der „weitere Wirt“: ist es das Wildschwein, das eben durchs Bild geprescht ist? Müsste dieses nicht verschwunden sein? Wenn nicht: an was schnüffelt es, am Wildschwein vom Textbeginn? Sind wir da nicht längst vorbei, auf dem Weg zur fernen Bergkette? Und dann: „Stimmen. Menschliche Laute – Intelligent scheinen sie, diese Menschen.“ Wie macht selbst eine reflektierte Mikrobe das an „Stimmen“ und „menschlichen Lauten“ fest?

Und immer wieder bricht umgangssprachlicher Jargon sich Bahn, der einfach nicht passen will: das Wildschwein prescht, oder es werden Worte gesetzt, die nicht stimmen: „die Krähe erhebt sich schwerfällig und gleichzeitig galant“? Ich schätze, es soll elegant heißen (Für Galanz, bräuchte es ein Gegenüber für eine solche Interaktion). Vielleicht ein Text der mit zu heißer Nadel gestrickt wurde. Insgesamt erscheint mir das zu bemüht, zu grob zusammengeschustert und als einziges Kriterium springt mir die Sache mit der Minute ins Auge, die sich hier formal auch nicht so zum Inhalt fügt, dass es in meinen Augen einen gelungene Passung ergäbe. Fazit: Der Text, der mir wie ein erster Versuch mit experimentellem Schreiben vorkommt, hat mich nicht überzeugt.

Die Kriterien: E -ein Versuch experimenteller E, der in meinen Augen nicht gelingt. Tendenz zum Sci-Fi-Thrill der Sorte „Der Schwarm“. Das (un)haltbare Gegenwart – gestundete Zeit-Thema – finde ich nicht. Was anklingt: die Menschheit hat ihre Zeit nicht gescheit genutzt.


_________________
when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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Herdis
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 110



BeitragVerfasst am: 13.01.2019 16:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ein bestimmter Ort, während einer Minute betrachtet. Diese Vorgabe ist für mich erfüllt.

Von der Mottovorgabe "(Un-)Haltbare Gegenwart "Die gestundete Zeit" von Ingeborg Machmann:
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont."
inspiriert oder sich damit auseinandersetzend?

Nicht wörtlich. Ansonsten, aber ja. Die Vorgabe wurde m.E. nach eingehalten.

Ob E-Lit oder U-Lit- da halte ich mich (bei allen Texten, die ich hier bewerte) raus.

Zugegeben, für mich etwas umständlich zu lesen. Hat man sich aber eingelesen, dann, spätestens, wenn die "Unsichtbaren", die hier- zunächst unsichtbar- selbst zu Wort kommen, dem Leser in Gedanken sichtbar werden, gruselt es mächtig. Ging mir zumindest so. Erinnerte mich ein wenig an meinen Biounterricht- da war, dank dem Lehrer- ein Krimi nichts dagegen.
Die Idee dahinter ist- grausam aber wahr- auch nicht völlig abwegig.
Der arme Hund... (so was kann ich so gar nicht lesen, will da auch überhaupt nicht dran denken)  ... trotzdem, der Text hat mich nachdenklich zurückgelassen (erst mal die Hunde und Katzen knuddeln).


_________________
"Wenn ich nicht schreibe, fühle ich, wie meine Welt schrumpft. Ich empfinde, wie ich mein Feuer und meine Farben verliere." Anais Nin
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V.K.B.
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 46
Beiträge: 1775
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 14.01.2019 03:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
Die Vorgaben sind gut umgesetzt und alle wiederzufinden. E-igkeit versuchst du zu erreichen, indem du viele Ellipsen und Partizipkonstruktionen verwendest. Und durch die tolle Idee, dass die Pathogene als antiker Chor auftreten, was mir sehr gefällt.

Die Umsetzung hingegen überzeugt mich gar nicht. Inhaltlich ist das flach, zwar ein Thema, über das viele nicht gerne nachdenken (Was wird der Mensch, wenn die parasitäre Zivilisation der Verschwendungs- und Raubbaugesellschaft sich nicht länger trägt und zusammenbricht?) aber trotzdem geschenkt. Das ist für mich nichts neues und gibt mir auch nichts, das ich aus der Geschichte mitnehmen könnte. Ferner versuchst du, deine Thesen darüber mit dem Holzhammer rüberzubringen. Und erklärst auch einfach viel zu viel. Frage ist nur, wem. Mir ist das alles zu trivial, und von daher finde ich den E-Anspruch im Inhalt leider überhaupt nicht.

Auch erschließt sich mir deine große Notsituation nicht. Das Endzeitszenario ist globaler Erwärmung und dem Anstieg des Wassers geschuldet, aus dem der Zusammenbruch der Zivilisation resultiert. Aber die Natur bleibt davon doch intakt. Es müsste also genug Nahrung für die Überlebenden zum Jagen da draußen geben. Warum also den Hund essen müssen und später (nur ganz vage angedeutet, warum?) vielleicht zu Kannibalismus übergehen? Das erschließt sich mir nicht. Änderungen durch globale Erwärmung sind schleichend und gehen langsam voran. Klar kommt es gebietsweise zu Naturkatastrophen, aber globaler Zusammenbruch? So plötzlich? Das Szenario kommt mir nicht schlüssig und unglaubwürdig rüber. Da helfen dann leider Chor und Einrückung auch nicht mehr.

Ansonsten fand ich den Text nicht schlecht geschrieben, aber für einen 10K Wettbewerb ist mir das zu wenig.

Grüße,
Veith


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Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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Municat
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BeitragVerfasst am: 14.01.2019 16:16    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Inko smile

Die Ausbreitung einer tödlichen Epidemie - abwechselnd aus der Perpektive der Erreger und der Opfer dargestellt: sehr interessante Idee, wie ich finde! Die einzelnen Bilder (von der Suche nach einem sicheren Ort bis zu der Vorstellung, den geliebten Hund zu verspeisen, um nicht zu verhungern) sind stark und empotional, ohne pathetisch zu werden. Der gesellschaftskritische Rundumschlag lässt wenig aus. Er umfasst Egoismus, Rücksichtlosigkeit und Gier, benutzt Bilder aus der Bibel (Arche Noah) und aus dem modernen Leben.

Der letzte Abschnitt lässt mich - im Zusammenhang mit dem Gedanken davor - ganz besonders schlucken. Das unschuldige, bedingungslos liebende Geschöpf wird vermutlich gemeuchelt werden, um Menschenleben um eine kurze Zeit zu verlängern. Da schreit es in mir! Ganau das soll dieser Text erreichen. Und er tut es. Definitiv.

Die Minute ist eindeutig aufgezeigt, verschiedene Orte auch. Das Thema der endlichen, nicht greifbaren Zeit sehe ich auch. Stilistisch erinnert mich der Beitrag an einen anderern Zehntausender, den ich auch sehr mochte.

Punkte vergebe ich, wenn ich alle Beiträge ein zweites Mal gelesen und bewertet habe.

EdiTier
4 Punkte


_________________
Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 01:07    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist mir insgesamt zu splatter? Kann man das so sagen?
Ginge es hier um die Einschätzung zu einem Film, würde ich es jedenfalls so stehenlassen. Ich mag solche expliziten Szenen nicht, jedenfalls, wenn sie vornehmlich Selbstzweck sind. Die Bedrohung, das kollektive Gedächtnis bleibt ziemlich gesichtslos. Es mag ein interessanter Aspekt sein, das Ganze mal von der anderen Seite aus zu sehen, aber letztendlich mag ich die Umsetzung nicht. Es ist ziemlich schnell klar, auf was das hinausläuft, deshalb hat es mich zum reinen Überfliegen gereizt. Die Vorgaben dagegen sind gut und originell umgesetzt.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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hobbes
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Beiträge: 3129

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 16:15    Titel: Antworten mit Zitat

Was mir auch auffällt, bei diesem Wettbewerb: Dieses Zack!Zack!Zack!-Muster. Da, ich werfe dir ein Wort vor die Füße. Da, noch eins. Jetzt ein ganzer Satz. Noch einer. Das nächste Wort.
Ein wirklicher Lesefluss kommt nicht auf. Nun ja, müsste vielleicht auch nicht, aber genau das ist wohl die Frage: Muss das so sein? Muss dieser Text derart daherkommen? Was ist der Mehrwert?
Mir fällt spontan der andere Text ein, der in Blöcken daherkommt und ich frage mich, wie dieser hier wohl auf mich gewirkt hätte, ob und was es geändert hätte, würde das rechts/links anders aussehen, eine andere Form haben. Womit dann wohl unwillkürlich auch ein anderer Inhalt einhergeht (also natürlich kein völlig anderer Inhalt, aber - so denke ich mir - wenn man die Form ändert, ändern sich auch die Worte).
Da fällt mir ein, ich könnte auch für diesen Text den Print-Button bemühen und herausfinden, ob und was das ändert.
Na, dann mache ich das mal.

...

In der Tat, es ändert was. Ich konzentriere mich ungleich mehr auf den Inhalt, weil mich die Form nicht so ablenkt. Das ist aber eher schlecht, denn der Inhalt kommt für mich beispielsweise Ende des ersten Absatzes eher phrasenpreschend daher. So etwas hier
Zitat:
Sie werden sich wundern, wie wenig Zusammenhalt sie vorfinden. Jeder kämpft ums eigene Überleben.  
Doch die Einsamkeit ist schlimmer.

Große Sätze, große Worte - und im Gegensatz dazu kommt wenig bei mir an.

Natürlich auch immer das Problem mit dem Thema. Etwas Unsichtbares bedroht die Welt. Tja nun. Interessiert mich leider überhaupt nicht.

Ich werde einfach noch mal wiederkommen und versuchen, völlig unvoreingenommen aufs Neue zu lesen.

Na gut, im Grunde ist es wohl der Mensch selbst, der die Welt bedroht. Da geht es hin, mein "science fiction ist nicht meins"-Argument.
Tja nun. Ändert trotzdem nichts daran, dass ich mich mit dem Text nicht anfreunden kann.
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Heidi
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Beiträge: 1223
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 15.01.2019 22:30    Titel: Re: Unsichtbar Antworten mit Zitat

Eine Umweltgeschichte.
Ich finde ja den Anfang recht beeindruckend, dann aber frage ich mich mittendrin, welche der beiden Varianten du eingesetzt hast. Momentan kann ich weder eine Raffung, noch eine Dehnung entdecken.
Ich komme also noch mal und melde mich erneut.

---

Hier bin ich also wieder und ja, du hast dich für ein absolut wichtiges Thema entschieden. Ich hab vor wenigen Tagen den Film Before the Flood gesehen. Deine Geschichte scheint (in Teilen) wie das Resümee davon zu sein.
Der Text soll die Minutendehnung darstellen, so jedenfalls glaube ich das nun, nach nochmaligem Lesen zu erkennen. Das ist mMn nicht zu hundert Prozent gelungen. Es gibt keine unterschiedlichen Figuren, an unterschiedlichen Orten, die zur selben Zeit diese eine Minute durchleben. Vielmehr wirkt dein Text wie ein Aufruf an die Vernunft von Menschen, am Ende aber gibt es keine Rettung. Auch zwischendrin ist von "keinem möglichen Entrinnen" die Rede. Es geht äußerst apokalytisch zu in diesem Text, der eher allgemein verfasst ist, von außen auf eine größere Menschengruppe schaut, nicht auf einzelne Schicksale.
Das Thema kommt gut raus, allein durch den Inhalt, den der Text transportiert, da steckt es schon drin.
Das Motto: Nein, das kann ich im Text nicht erspüren. Vielleicht auch, weil es keine Figuren gibt, keine einzelnen Menschenleben, durch die ich einen tieferen Einblick bekomme, es wird eher von der Gesamtmenschheit berichtet, über ihre Zukunft.

Ich mag den Titel, aber das hilft vermutlich auch nicht weiter, was Punkte betrifft. Inhaltlich vermittelt mir der Text zu wenig, was mich nachdenklich stimmt, die Erkenntnisse, die er mir präsentiert, kenne ich, sie stimmen mich schon längere Zeit traurig. Dafür kann Text natürlich nichts und Autor auch nicht.
Vielleicht gibt es einen Trostpunkt, weil mir der Anfang gut gefällt. Mal sehen.

Es sind sogar vier Trostpunkte geworden. Wegen des Titels, den ich gerne mag.


_________________
Hand_Tuch

Mein salzig nasses Haar
und deine Füße frieren nicht mehr
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1790
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 17:00    Titel: Antworten mit Zitat

Weltende – aus Sicht der Bakterien, die die Minute aus ihrer Sicht kommentieren, die Ansteckungswege, das steigende Wasser. Achtung, Genre-Alarm: Dystopie! Die Sprache erfüllt ihren Zweck und transportiert die Geschichte, spielt aber darüber hinaus kaum eine Rolle. Ich muss den Text nicht zweimal lesen.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3805

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 01:03    Titel: Antworten mit Zitat

Nach der Apokalypse wird die Menschheit und Tierwelt von Bakterien ausgerottet. Haben sie ja auch nicht anders verdient, die bösen Menschen, die die Umwelt zerstört haben und das Klima kaputt gemacht. Offensichtlich hast du deine Zielgruppenrecherche gemacht, beim letzten Wettbewerb hat ein Pilz von der Wiedereroberung des ausgerotteten Waldes erzählt und damit gewonnen, da gehen bestimmt auch Bakterien als molekulare Racheengel gut.
Dieser Zielgruppe, die zweifelsohne existiert, gehöre ich nicht an. Ich lese schon eh nicht gerne Geschichten aus Sicht von Tieren oder anderen nichtmenschlichen Lebewesen, vor allem nicht, wenn diese Perspektive als Basis verwendet wird, sich in extrem naivem Tonfall eine moralische Überlegenheit zuzuschreiben. Das Thema „(Un)Haltbare Gegenwart“ als bakterielle Zombie-Postapokalypse - kann man natürlich machen, mich interessiert das nur nicht.
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Catalina
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BeitragVerfasst am: 23.01.2019 08:25    Titel: Antworten mit Zitat

Mensch, schade. Hier ist bei mir einfach die Klappe zugefallen, weil für mich in dem Text zu viel Holzhammer war, das Ende zu pathetisch.  Und nun bekomme ich sie nicht wieder auf. Ich hab's versucht. Es tut mir leid.

Dabei ist es eigentlich eine gute Idee. Du beschreibst Mensch, Tier und Bakterien in einem Gebiet. Und das es hier um gestundete Zeit geht, wird Dir sicher niemand absprechen. Dein Stil ist angenehm.

Allerdings hätte ich auch mit offener Klappe keine Punkte mehr übrig gehabt, dafür ist die Konkurrenz einfach zu stark.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

einen Punkt hast du nun noch bekommen.
Dein Beitrag stand zunächst höher in meiner „Gunst“, in der Hoffnung, dass ich ihn noch besser verstehen würde. Ist aber nicht passiert.
Was bleibt, ist eine Art atmosphärischer Endzeitkampf unter der Prämisse des Klimawandels. Auf der einen Seite Menschen, auf einer anderen Krähen und anderes Getier, siegreich aber die Viren.

Die Sekundenangaben kommen mir dagegen etwas fadenscheinig vor, sich hinsichtlich der Vorgaben abzusichern. Etwas Sinnvolles hinzufügen tun sie dem Text an sich nicht.
Auch der links- und rechtsbündigen Formatierung konnte ich so, wie sie ist, wenig abgewinnen.

Den Punkt gibt es letztlich für die gelungene unheimliche Stimmung.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 25.01.2019 17:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hello Postapokalypse, my old friend. Dystopischer geht es nicht, denn die Erde versinkt in Wassermassen, die es auf ihr rein rechnerisch nicht gibt, die Berge sind nicht nur begrenzt, sondern auch die letzte Zuflucht der Überlebenden. Doch die Menschen zählen nicht, es sind die Bakterien, die zählen und erzählen, erschreckend omnipräsent und -sapient führt das Kollektiv durch eine Geschichte vermeintlicher 60 Sekunden, ist aber eigentlich nur eine Tüte gemischter moralinsaurer Drops: Eine Rückblende erzählt, wie alles dazu kam, dass jetzt die Menschen menschlicher sind als sonst, einander übelwollend nämlich und gleichzeitig sehnsüchtend nach Geborgenheit. Dass der Hund so lange überlebt hat, ist dabei irritierend. So schnell kann das Wasser nicht steigen, dass man Haustiere mit sich führte, wenn alle andere Nahrung verloren ist. Wovon soll das Tier denn leben? Von Blumen und Borke?
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 29.01.2019 10:59    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

lebefroh hat Folgendes geschrieben:
Ich finde allerdings, dass das nicht wirklich die Verdichtung von Geschehnissen in einer Minute ist.

Ich habe versucht, die verschiedenen Schauplätze so zu beschreiben, dass alles innerhalb einer Minute passiert. Anscheinend nicht gut genug.
lebefroh hat Folgendes geschrieben:
Dafür ist mir zu viel Rückblick drin.

Rückblicke sind erlaubt, evtl. habe ich zu viele verwendet.
lebefroh hat Folgendes geschrieben:
Mir fehlt auch Tiefe.

Das ist jetzt wirklich schade. Aber nicht zu ändern - der Text hat dich wohl nicht "erreicht".
lebefroh hat Folgendes geschrieben:
Auf mich wirkte der Text recht vorhersehbar.

Vorhersehbarkeit wollte ich natürlich nicht. Die Endzeitstimmung ist natürlich immer irgendwie ein Hinweis auf das Ende, doch eigentlich sind genügend kleine Wendungen im Text enthalten, die so nicht vorhersehbar sein sollten. Schade - klappt wohl nicht...

lebefroh hat Folgendes geschrieben:
Leider keine Punkte.


Verständlich von deiner Warte aus.

Dennoch Danke für den Kommentar und das Auseinandersetzen mit dem Text!
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 29.01.2019 11:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Tape Dispenser hat Folgendes geschrieben:
Für mich ein Text mit dem moralischen Holzhammer. Die Bakterien werden gewinnen, der Mensch des Menschen Wolf.
Vorgabe:erfüllt
Motto: erfüllt
Empfinde ich insgesamt zwar als stringent in der Aussage, die sprachliche Ausführung aber langweilig und vorhersehbar.


Auch dir war es vorhersehbar - habe wohl zu viel mit der Moralkeule gewirbelt. Dass dir die sprachliche Ausführung nicht gefallen hat, finde ich schade, ist aber nicht zu ändern.

Danke fürs Kommentieren und Lesen!
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 29.01.2019 11:07    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Hier scheint es mir nicht nur um eine Katastrophe zu gehen, sondern um eine apokalyptische, Klimawandel.  Parasiten, Mikroorganismen überleben?

So in der Art. "Virus gewinnt".
firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Der Wechsel von rechts zu linksbündig verhindert nicht, dass für mein Gefühl hier zu viele Worte gemacht wurden. Die Situation bleibt eine erfundene. Irgendwie zu bombastisch geschildert, als dass sie mich überzeugt.

Ha, da sprichst du ein wahres Wort. In der Ursprungsidee kam ich nicht mal auf die Hälfte der Zeichen. So war der Text viel geraffter, spannender - ja sogar intelligenter zu lesen.
Dann musste ich ihn aufplustern - und nix wars.
Wollte ihn einfach nicht wegwerfen und es dabei belassen - er sollte mit dabei sein, egal, was dabei herauskommt.
firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Zeitdehnung beinhaltet nicht viele verschiedene Orte hier.

Dachte schon, hatte folgende Ort im Kopf: In der Nähe des Hauses / Da, wo die tote Sau liegt / Der Krähenturm / Da, wo die Menschen stehenbleiben

Egal, der Text war nicht nach deinem Geschmack.
So ist das eben smile

Danke fürs Lesen und die Kommentare!
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Kiara
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BeitragVerfasst am: 29.01.2019 11:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Eredor hat Folgendes geschrieben:
Der Text erfüllt alle Vorgaben und liest sich flüssig.

Vielen Dank für dieses Lob!
Eredor hat Folgendes geschrieben:
Mir gefällt das Motiv der Krähen, das sich durch den Text zieht.

Auch hierfür vielen Dank.
Eredor hat Folgendes geschrieben:
Bei der Frage, ob das E-Literatur ist, muss ich jedoch lange überlegen.

Da bist du nicht alleine. Bei nahezu allen Texten....
Eredor hat Folgendes geschrieben:
Gerade das Ende, das mir ein wenig zu pathetisch ist, kommt zu geradlinig daher; ich erkenne keine zweite Ebene, die im Text auftaucht - andererseits werfen manche Sätze interessante Fragestellungen auf, z.B.:
- Die Krähe ist nicht wählerisch.
- Sie werden sich wundern, wie wenig Zusammenhalt sie vorfinden. Jeder kämpft ums eigene Überleben. Doch die Einsamkeit ist schlimmer.
Ich ordne deinen Text eher als U-Literatur ein. Was nicht schlimm ist, es ist gute U-Literatur, ich will mehr davon lesen. Im Hinblick auf die Vorgaben muss ich deinen Text jedoch im unteren Segment ansiedeln.


Die Moral ist etwas arg überzogen - wohl ja...
Schön, dass dir einige Textpassagen besonders gefallen haben!

Ein großes Lob von dir, der ja in diesem Wettbewerb nicht schlecht abgeschnitten hat: Dass es gute Unterhaltungsliteratur ist.

Dass ich damit das Thema verfehlt habe, ist natürlich nicht ganz so dolle, aber ich freue mich dennoch sehr über deinen Kommentar. Danke für das Lob und die kritischen Anmerkungen.
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