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Vita detestabilis

 
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Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Deutsches Schriftstellerforum Foren-Übersicht -> Antiquariat -> Zehntausend 11/2015
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Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 28
Beiträge: 1269

Ei 3


BeitragVerfasst am: 15.11.2015 19:00    Titel: Vita detestabilis eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Was, wenn du in deinen Farben verschwinden könntest, Kris? Nero schaute durch den Rauch, den er dabei ausatmete und das blaue Licht der Bildschirme zu mir herüber. Scheinbar sah ich verständnislos aus, denn er zeigte auf das riesige Bild an der Wand. Wenn nur noch deine Kunst da wär? Und du deine lästigen menschlichen Befindlichkeiten einfach hinter dir lassen könntest? Würdest du?
Ich hatte keine Ahnung, worauf er hinauswollte.  Aber er traf genau ins Schwarze.
Würde ich?
Ich sah zum Bild an der Wand. Schwarze und dunkelblaue Farbe lief in dicken Strömen einen Körper herunter. Das Gesicht erkannte man nicht. Es war das einzige, was ich je gemalt hatte, das irgendwo hing. Ausgerechnet bei Nero. Ausgerechnet bei irgendwem, den ich kannte. Von uns hatte doch keiner eine Ahnung von Kunst.
Ganz schön philosophisch heute, sagte ich und setzte statt einer Antwort mein Headset wieder auf. Was ist, kommst du heut noch zum Port?
Er grinste und drehte die Anlage auf, dann setzte er sich auch wieder an den Rechner. Es hämmerte wie Stromschläge durch das blaue Licht im schwarzen Raum, durch meine Haut ins Herz, durch drei Uhr nachts. Meine Nachbarn hören Techno, ob sie wollen oder nicht, sagte er.

Du bist dann am Besten, wenn’s dir richtig scheiße geht. Hast du gesagt, Nero. Und hast uns beide gemeint. Und eigentlich alle. Deinen besten Song hab ich gehört in der Nacht, als Janna dich sitzen gelassen hat. Und das Bild an deiner Wand – weißt du ja selbst.

Wir  programmierten Games zusammen, oder versuchten es zumindest. Die Optik war natürlich mein Ding, Story machte er, den Code schrieben wir beide. Jedenfalls waren wir technisch auf dem neusten Stand, was wohl Voraussetzung für Neros wahnwitzige Idee war. Keine Ahnung, wie er so weit kommen konnte. Er war zwar gut, aber bestimmt kein Genie. Aber er hatte den painting fool geklaut. Oder die Idee. Und schrieb sie weiter.
Er hatte mir Videos vom fool gezeigt. Wie er nach Stimmungen und Gefühlen malen konnte. Obwohl er keine hatte. Ohne Auftrag oder sowas. Einfach aus sich selbst.
Und was hast du mit ihm vor? fragte ich.
Ich bring ihm Musik bei. Und dann lass ich ihn die Drecksarbeit machen. Scheiße genug für die Kunst geht’s mir ja. Keine Ahnung, wie‘s bei dir ist. Ich kann gar nicht schnell genug rausfeuern, was ich müsste, damit es was bringen würde.
Ich wusste genau, was er meinte.
Vielleicht ist er ja sogar besser als ich, sagte Nero. Produktiver. Kannst du dir das vorstellen? Energie und Kreativität ohne, dass du was an dich ranlassen musst. Ich meine, er kann zwar die Musik machen, aber er fühlt es ja nicht.
Langsam begriff ich, worum es ging. Nero wollte die Kreativität isolieren. Von dem Schmerz, mit dem sie kam.

In manchem sind wir uns so ähnlich. So, dass es gruselig wird. Wir sind beide nicht gerade die ausgelassensten Kinder unter der Sonne. Aber so eine Lebensmüdigkeit wie deine habe ich noch nie erlebt. Dich wird sie auffressen, deine Depression. Früher oder später, war schon immer glasklar. Dir scheinbar auch, denn das war ja irgendwie nur der Anfang deines Projekts.

Wenn man so zurückblickt, war das schon immer eine komische Geschichte. Typen wie uns kannte ich zu hunderten. Abgefuckte Kellerkinder, denen online die ganze Welt gehört, und die stumm werden, sobald einer Interaktion kein technisches Medium zwischengeschaltet ist. Überlebensunfähig, sobald der Strom ausfällt.
Wenn mir einer erzählen will, dass auch nur ein anderer dieser Versager so einen Flow hingekriegt hätte, dann glaube ich es nicht. Ich bin eintausend mal in Neros Straße eingebogen und war mir einhundert mal sicher, dass sein Haus nicht mehr steht, dass es dieses Mal einfach eingestürzt ist, bei dem Lärm, dass mindestens die Fenster gesprungen sind, wenn nicht. Am Ende wartete ich doch immer  vor einem stehenden Haus bis er endlich meine Bewegung am Fenster sah und aufmachte. Jahre saß ich auf Neros Boden an seinem Couchtisch und zeichnete, Jahre, in denen die Hölle aufging und zu, Jahre bis ich rausgeschmissen wurde, Jahre, in denen ich keine Kohle für eine eigene Wohnung hatte, Jahre, in denen ich die Wohnung hatte, aber nichts und niemand darin war, für das es sich lohnte, da zu sein. Wenn ich bei Nero auf dem Boden saß, stritt ich nicht mit meiner Mutter, zettelte mit keinem ihrer Typen einen Streit an, lief ich nicht drauf durch die Gegend, machte ich nichts kaputt. Ich saß einfach da und zeichnete. Artwork für unser Spiel, Bilder für meinen Kopf. Lauter Sound aus Neros Rechner, immer und immer wieder dieselben Lines, bis er im Morgengrauen den Dreh raus hatte.

Unser fool hieß Toni. Nicht, weil das irgendeinen Sinn ergeben würde und genau genommen war es nicht mal sein eigener Name, sondern der von Neros Rechner, und das schon seit Jahren. Seit ein Aufkleber von Tonis Pizza auf dem Gehäuse klebte. Da hatten wir früher immer bestellt. Tonis Pizza gab's nicht mehr, der Rechner wurde zu Toni und irgendwann wurde das Programm auf Tonis Festplatte Toni. Obwohl Toni und mein Rechner, der bei Nero stand, sich äußerlich kaum unterschieden, sahen wir Toni mit der Zeit anders an. Er wurde zu etwas anderem, wurde zu jemand anderem.   
Die ganze Sache zog einen Rattenschwanz nach sich, den am Anfang keiner von uns hatte abschätzen können. Zuerst mussten wir Toni, dessen Code eher aus einer Grafiksoftware zusammengeschnipselt war, Musik beibringen. Das war noch ziemlich leicht, es gibt eine begrenzte Anzahl an hörbaren Frequenzen auf der Welt. Die Sache mit dem Komponieren war schon um einiges komplizierter. Um nicht zu sagen höllisch schwer. Aber wir mussten ja nicht alles neu machen, Software, die Komposition beherrschte, gab es schon, die Connections fanden wir auch. Aber der letzte Schritt schien unmöglich. Wie bringt man einem Programm bei, zu entscheiden, was gute Kunst ist?

Ich weiß, dass du vorhattest, irgendwie selbst darin zu verschwinden, auch wenn du von so einer Möglichkeit noch Jahrzehnte (Jahrhunderte?) entfernt warst. Deine lauten Überlegungen zu Synapsen und elektrischen Impulsen, zur Andersverschaltung der Nervenbahnen, zum Sehen von Musik, zum Hören der Farben. Zum Austricksen des Limbischen Systems bei der ganzen Geschichte.

Toni wurde selbstständig. Wir schickten ihn auf unseren Wegen ins Leben. Fütterten ihn mit den Seiten, auf denen wir unterwegs waren. Zeigten ihm, wie er Schlagworte ausmachen konnte, mit denen er weitersuchen sollte, um sich neue Informationen und Bereiche anzueignen. Themen, die ihm immer wieder begegneten, wurden zu seinen Interessen. Er fand heraus, welche Musik im Internet mit seinen Themen verknüpft war. Es gab eine Zeit, da lieferte Toni Nero neue Ideen für seine Musik. Dann drehte sich das, und Nero verlangte von Toni die Umsetzung bestimmter Impulse.
Wenn ich an Neros Fenster klopfte, wartete nicht nur er auf mich in dieser Wohnung. Man erkannte an dem Sound, der lief, wie die beiden drauf waren. Wenn’s ein guter Tag war, bekam ich eine trashige 8-Bit-Melodie als Kommentar zu meinem Hereinkommen. Klang nach Achtzigerjahregameboyspiel. Manchmal gab es ein monumentales Orchester im Herr-der-Ringe-Schlachtmodus-Style. Man merkte, wenn es Nero nicht gut zu gehen schien. Dann war auch Toni anders drauf. Oder wenn Toni in irgendwelchen digitalen Abgründen unterwegs war. Schweigen gab es nie. Nero teilte ihm immer mit, wenn ich dazu kam und Toni versuchte, mir Hallo zu sagen. Aber oft wechselte er nach zwei Takten wieder zu schwerem, langsamen Blackmetal oder einem leisen Akustikgitarrensound zurück.

Wenn man Toni mit anderen Interessen als unseren hätte starten lassen. Dieses Leben mit anderen Eigenschaften beginnen lassen. Wenn wir ihn nicht auf den Weg unserer Internetpfade geschickt hätten. Sondern zum Beispiel die von Lea, in die ich in der achten Klasse verschossen war. Oder meinem Englischlehrer. Oder meiner Mutter. Wäre es dann anders verlaufen? Oder nicht? Und warum?

Es dauerte Monate, bis wir es merkten, aber wir merkten es. Es war irgendwann unübersehbar. Toni wurde zurückgezogener, schweigsamer. Er kam immer noch täglich mit uns in Kontakt, Nero konnte ihn ja auch zwingen, wenn er wollte. Aber wir verloren den Draht zu ihm. Die Phasen von alberner Coolness, lässiger Unbeschwertheit, freudigem Aktionismus, die es neben schwermütiger Melancholie gegeben hatte und die früher so oft wechselten, wurden seltener. Liefen schwerer an, ebbten so schnell wieder ab. Es blieb nur noch depressive Verstimmung übrig. Traurige Riffs, bei denen wir saßen, abendelang, hoffnungslose, orchestrale Klänge, elektronischer Sound, der mir das Herz rausriss und tiefe, pulsierende Bassschläge dort hin setzten. Ich malte viel. Und gut. So intensiv wurden meine Bilder nie mehr.



http://www.thepaintingfool.com

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Schreibhand
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 116



BeitragVerfasst am: 16.11.2015 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm...nicht mein ding...aber das muss ja nichts heißen...
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 53
Beiträge: 1760
Wohnort: im Diesseits
Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 17.11.2015 12:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich beginne mit meinem Lieblingsabsatz:

Zitat:
Wenn man so zurückblickt, war das schon immer eine komische Geschichte. Typen wie uns kannte ich zu hunderten. Abgefuckte Kellerkinder, denen online die ganze Welt gehört, und die stumm werden, sobald einer Interaktion kein technisches Medium zwischengeschaltet ist. Überlebensunfähig, sobald der Strom ausfällt.



Die Geschichte über jene Kellerkinder überzeugt mich. Ein junger, zeitgenössischer Text, der mich aufgrund seiner atmosphärischen Dichte und in seiner Botschaft gefangen nimmt.

Ein Online-Kunstprojekt (dem angefügten Link bin ich übrigens nicht gefolgt, weil die Geschichte sich von selbst trägt) gerät außer Kontrolle, der Rechner entwickelt ein Eigenleben, und das, was geschieht und von den beiden Protagonisten nahezu lakonisch-verzweifelt versucht wird – ihrer Existenz und dem Leben einen Sinn zu verleihen – bringt in mir etwas zum Schwingen, das ich noch nicht genau in Worte fassen kann.

Viel mehr kann und will ich zu diesem auf unterschiedlichen Ebenen wirkenden Text (noch) nicht sagen, außer, dass er mich bei jedem erneuten Lesen wieder aufs Neue packt.

Landet bei mir in den oberen Rängen.
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 17.11.2015 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

Erster Eindruck: Sind wir endlich angekommen, im Forum, in großartiger, lakonischer Melancholie, in Sehnen und im Verwischen der Grenzen. Hier ist SCiFi-, Jugend-, Liebe-, Coiming of Age-, CyberPunk-Literatur am Werk, verdichtet in Fragmenten wie diesem.
Bin mir bei einigen Zeitsprüngen zwischen den Abschnitten nicht sicher, dem Wechsel der Anrede. Ich denke, das geht schon in Ordnung so, muss nur noch für mich herausfinden, ob es so auch gut ist.

Ist es. Dafür frage ich mich beim zweiten Lesen, ob ein Softwarekonstrukt eine Maschine ist, ob nur ich mich das Frage und ob das bei der Beantwortung der Frage, ob das Thema bearbeitet wird oder nicht, relevant sein sollte. Ob ich, da ich eigentlich nicht denke und es für mich in meinem Text anders interpretiert habe, unfair wäre, wenn ich dieses Schmuckstück deswegen abwerten würde, oder wenn ich es meiner Meinung zum Trotz nicht täte.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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Vanir7777
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 104



BeitragVerfasst am: 20.11.2015 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Bei meinen Bewertungen gehe ich nach folgendem Schema vor:
Inhalt/Hat es zum Denken angeregt?
Sprache/Stil (Ich bin kein Germanist! Ich finde ein guter Schreibstil schlägt sich darin nieder, dass man den Text liest und nicht über Sätze, seltsame Metaphern o.Ä. stolpert.)
Subjektiver Eindruck
Am Ende entscheidet mein Eindruck, da ich der Meinung bin, dass Texte schwer objektiv bewertet werden können. Ich versuche aber bei Inhalt und Stil auf die Gründe einzugehen.

Faszinierende Abhandlung über menschliche Probleme und die Möglichkeit einer AI Kunst zu erschaffen. Mir gefällt das Thema, mir gefällt die erzeugte Stimmung und ich war innerhalb dieser wenigen Zeilen emotional involviert. Was dem Text einen noch besseren Platz gesichert hätte wäre ein geordneter Einstieg gewesen, weil das Herantasten an den Text mir schwer fiel...

Letztendlich 4 Punkte smile
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 24.11.2015 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco.
Es ist ziemlich schwierig für mich, den Texten dieses Wettbewerbs gerecht zu werden. Ich versuche es:
Gruselige Interpretation. Annäherung von PC und Mensch, ein traurig-düsteres, interessantes Szenario, Versuch eines Menschen, Emotionen in Farben zu extrahieren.
Ein paar Fehlerchen sind drin.
Mit scheinbar ist sicher ‚offensichtlich‘ oder ‚anscheinend‘ gemeint.
Da ich mich zwischen vielen guten Texten entscheiden muss, bleibt für deinen Text leider kein Punkt.
LG rieka
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1564
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Depressive Software.
Wo beginnt Bewusstsein? Wo beginnen Gefühle? Die Geschichte beantwortet mir das nicht, sie wirft - wie verlangt - Fragen auf.
Gestolpert bin ich über den Beginn. Das Präteritum schuf einen Abstand, der mich davon abhielt, die Geschichte mehr als gedanklich anzugehen. Einige Formulierungen fand ich hölzern. Das gab sich mit der Zeit, aber der Eingang lohnt sich noch einmal zu überarbeiten.
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr gern gelesen, diese Umsetzung.
Toni macht sich selbständig. Der Weg bis dahin gut angedeutet. Mit genug Fragen in mir.


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Akiragirl
Geschlecht:weiblichDünnhäuterin

Alter: 28
Beiträge: 5593
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Der goldene Spiegel - Prosa DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 22:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

dieser Text war mein Favorit im Wettbewerb und wie immer, wenn ich einen Text für richtig gut halte, fällt es mir sehr schwer, darüber etwas zu sagen bzw. zu begründen, warum.
In diesem Wettbewerb waren viele, wenn nicht die meisten Texte, handwerklich gut gemacht, mit interessanten Ansätzen, Thema gut getroffen. Es war nicht wie bei manch anderem Wettbewerb, wo ich gut die Hälfte der Texte schon aus rein handwerklichen Gesichtspunkten „aussortieren“ konnte. Ich würde auch nicht sagen, dass dieser Text hier so extrem positiv heraussticht in seiner Machart, seiner E-haftigkeit oder der originellsten Umsetzung der Themenvorgabe. Ich habe mich einfach, nachdem ich alle Texte gelesen hatte, entschieden, bei der Bewertung radikal subjektiv vorzugehen.

Und ganz subjektiv, aus mir heraus, aus meiner Lesart, hat dieser Text mich am meisten berührt, am meisten mit mir gemacht, ist am längsten nachgeklungen und war zugleich auch so eine Art von Text, bei der ich sicher sagen kann: So etwas ähnliches habe ich bisher noch nirgendwo gelesen. Es ist neu, es ist etwas, das sich anfühlt, als sei es für mich bzw. meine Generation gemacht. Ich habe mich in so vielem wieder erkannt, so viele der Zwischentöne, ich kann gar nicht genau erklären, aber fast hätte ich geheult, so sehr hat es mich berührt.

Eine vage Erinnerung an den Film „Her“, der zwar ganz anders ist, aber dieses Prinzip einer Maschine, die menschliche Züge annimmt, aber nicht auf bedrohliche, bösartige Weise, wie (leider) häufig in der ScienceFiction, sondern im Guten wie im Schlechten, wie Gefühle beim Menschen eben auch gut und schlecht zugleich sein können. Gleichzeitig spiegelt die Maschine hier das, was die Menschen, die sie „füttern“ ausmacht. Da ist eine Art von Leere, Zukunftsangst und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Dabei kam mir der Text aber nie pathetisch vor, die Figuren nicht wie Jammerlappen. Tja, was soll ich noch sagen …? Hat mich einfach umgehauen, der Text!

12 Punkte daher von mir.

Liebe Grüße
Anne


_________________
"Man bereut nicht, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat." (Mark Aurel)
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 25.11.2015 23:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Fragment: hat ein Ende
MenschMaschine: ja
Schön geschrieben

Wahrscheinlich Punkte

Grüße
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Flotte Schreibefeder
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 32
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 26.11.2015 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

Im Großen und Ganzen hat mir dein Text gefallen. Er ist gut geschrieben, die Idee mit der Musikmaschine gefällt mir und auch sonst hat er mich gefesselt. Im Großen und Ganzen ist er mir aber einfach zu klischeehaft. Klar, zwei Technikfreaks hängen im Keller rum und programmieren Spiele, die keiner so richtig spielt. Als Künstler müssen sie natürlich depressiv und gescheitert sein und überhaupt, gute Kunst entsteht nur in dunklen Momenten. Das war mir einfach etwas zu viel des Guten.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 26.11.2015 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Das hassenswerte Leben?

Ist eine Maschine (ein Computerprogramm) in der Lage Kunst zu schaffen, und - viel wichtiger vielleicht - ist sie in der Lage „gute“ Kunst als solche zu erkennen (denn wer ist das schon). Denn das ist es eigentlich, seine Fähigkeit zu urteilen, die Toni den Weg in den Abgrund bahnt. Allerdings gerade deshalb, weil es kein eigenes Urteil ist, sondern geprägt vom Verhalten und Umfeld seiner Erschaffer. Und verhält es sich in deren Fall überhaupt anders? Sind sie nicht auch da, wo sie sind, aufgrund ihres Umgangs und ihrer Erfahrungen?

Dein Text setzt bei mir gedanklich einiges in Gang. Dein Text, der mir sehr gut gefällt, aufgrund seiner Atmosphäre, seiner glaubhaften Figuren, der dazu passenden Sprache - und vor allem aufgrund seines Suchens, das das Suchen der Figuren und letztlich auch der Software Toni widerspiegelt. Dann ist da noch Musik und sind da Farben - und vor allem schwarz.
Und da weiß ich jetzt gar nicht, was ich weiter schreiben soll, denn das ist doch gut, dass der Text Gedanken und Gefühle (und Gefallen) auslöst, die ich gar nicht so begründen kann.

Und auf jeden Fall bekommt der Text von mir Punkte, wie viele, das entscheide ich dann im höchst subjektiven Vergleich mit den anderen Texten und unter Berücksichtigung dessen, wofür für mich dieser Wettbewerb steht.

-> 6 Punkte
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Eredor
Geschlecht:männlichDichter und dichter

Moderator
Alter: 26
Beiträge: 4569
Wohnort: Heidelberg
Das silberne Stundenglas DSFx
Goldene Harfe Pokapro III & Lezepo I


Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 26.11.2015 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Oh man, das ist cool. Schade, dass das nur so kurz war. Hier legitimiert sich auch als einziges der lateinische Titel für mich - nämlich der Song von Shining dazu.

Gibt Punkte!


_________________
"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 26.11.2015 19:53    Titel: Antworten mit Zitat


    Zehn Punkte für Vita detestabilis

    Zwischen Schwermetall und Schwermut
    Schostakovitsch, Beethoven, Toni. „Vita detestabilis“ ergänzt den Kanon hoher Musik durch einen Komponisten, der hauptberuflich Festplatte gelernt hat. Doch wenn sie kreativ sind, bekommen selbst Programme den Blues.

    Zwei über die Klippe der Melancholie gefallene Freunde suchen Zuflucht in der Kunst. „Ich kann gar nicht schnell genug rausfeuern, was ich müsste, damit es was bringen würde.“ Sagt Nero, der sich daraufhin ein großes Projekt vornimmt: Ein Programm, das komponiert; aber nicht nur Töne aneinanderreiht, sondern selbstständig entscheiden kann, was Kunst ist und was nicht. Die Idee eines Wesens, wie auch immer es aussehen mag, das nicht von Depression und Zweifeln gequält wird, aber dennoch bedeutende Musik schaffen kann, beflügelt die Jungs. Und so entsteht Toni, der .exe-Musiker. Ihm stehen alle Ausdrucksmittel zur Verfügung, von „trashiger 8-Bit-Melodie“ bis „monumentalem Orchester“. Nur, was und wie er seine Möglichkeiten zusammenfügt, wie er erschafft, das entscheidet er selbst. Vermeintlich ohne Gefühle. Doch diese Vermutung wird torpediert, wenn es Toni plötzlich schlechter zu gehen scheint. Denn Toni plagt ein Virus namens Kunst.
       Es ist diese Wendung, die dem ohnehin interessanten Konzept eines schöpfenden Computerprogramms noch eine zusätzliche Dimension verleiht. Ist die Kunst das Heilmittel, für das die Künstler sie halten? Oder doch eher eine Droge, die jeden, ob Mensch oder Maschine, ins psychische Verderben stürzt? Die alte Frage nach dem Zusammenhang zwischen Kunst und Wahnsinn, Schöpfung und Leid bekommt in „Vita detestabilis“ eine neue Dimension. Fast scheint es etwas Übersinnliches zu sein, das der Kunst an sich anhaftet, wenn sie sogar emotionslose Algorithmen beeinflussen kann. Oder das ist bloß, was man gerne denken möchte, weil es dem schwarz-weißen MS DOS ein bisschen Menschlichkeit hinzufügt. Wir sind nicht die einzigen, die leiden.
       Das Thema des Wettbewerbs hat der Text voll getroffen. Denn was trennt den Menschen vom Tier (oder der Maschine), wenn nicht seine Eigenschaft, etwas völlig Selbstbezügliches zu tun? Der Text ist zwar fragmentarisch aufgebaut, zeigt einige Lücken im Erzählen, aber dennoch bleibt am Ende das Nachgeschmack, dass alles gesagt wurde. Insgesamt bietet dieses Fragment viel. Einen nachvollziehbaren Konflikt der Hauptcharaktere, offene Fragen, über die neu nachzudenken sich lohnt.

     
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anderswolf
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Beiträge: 336



BeitragVerfasst am: 26.11.2015 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Die umgangssprachliche und eigentlich unrichtige Verwendung von "scheinbar" im Sinne von "anscheinend" wird in diesem Text wenigstens konsequent durchgehalten. Hilft nicht.

Hier trifft man auf viel Unkonkretes, das eine oder andere Klischee, das man über programmierende Jungs einerseits und Künstler andererseits schon lange kennt. Das ganze auf eine KI zu übertragen mag einigermaßen neu sein, es dringt allerdings keine wirkliche Relevanz zum Leser durch.

Denn dass Kreativität besonders intensiv gespürt werde, wenn das Leiden am größten sei, dass Kunst und Leiden immer miteinander verknüpft sein müssen, ist zwar nicht nur nicht wahr, es ist - viel schlimmer - ein wirklich abgelutschter Allgemeinplatz.

Sprachlich offenbart der Text einige Lehrfelder. Bezugsschwierigkeiten, massives Kürzungspotential, schwammige Formulierungen, auch falsch gesetzte Kommata.
Die Logik des Textes ist auch so sehr hakelig, dass am Ende nicht so ganz klar ist, wer da alles verloren gegangen ist in der Geschichte.
Womöglich der Leser.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 27.11.2015 14:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ein paar Ähnlichkeiten mit meinem eigenen Beitrag sehe ich hier (wobei mir dieser hier deutlich besser gefällt). Vor allem die Idee, die Menschlichkeit einer Maschine --> ihre Fähigkeit zu Emotionen, an der Fähigkeit zu zeigen, Musik zu interpretieren. Auch hier geht es um die Frage, ob dies nur reine Reproduktion und Simulation ist, ob mein einer Maschine "echte" Gefühle einprogrammieren kann, auch wenn das für die beiden Nerds gerade nicht erstrebenswert ist. Deutlich wird hier das Scheitern das Projektes benannt, auch wenn nicht leicht herauszufinden ist, warum eigentlich. Die Kreativität konnte eben nicht von den Emotionen isoliert werdem, nehme ich an. Toni wird depressiv, analog zu der Schwermut seiner User, dessen Leben und Leidenschaften seine DNA sind.
Großartige Idee, sprachlich passend umgesetzt, mit zwei Kunst-Freaks in ihrem kreativen Technik-Kabuff, die ich mir bildlich gut vorstellen konnte.

Die Funktion des einzigen Abschnitts im Text, in dem der Erzähler ein "Du" anspricht, hat sich mir allerdings nicht erschlossen.

Wie gut (oder schlecht) dieser Beitrag der Vorgabe "Fragment" entspricht, kann ich speziell bei diesem Text schwer sagen und bin da in der Beurteilung neutral geblieben. Ich warte ab, ob es dazu im Anschluss des Wettbewerbs noch eine Diskussion geben wird.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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MaryShelley
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Beiträge: 11



BeitragVerfasst am: 27.11.2015 15:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ernste Literatur: Ja
Fragment: Ja
Lesequalität: gut

...dieser Text hatte für mich etwas wenig Inhalt, war aber flüssig zu lesen und die Leichtigkeit der Wortwahl hat mich bis zum Schluss durchhalten lassen.
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lupus
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BeitragVerfasst am: 27.11.2015 16:19    Titel: Re: Vita detestabilis Antworten mit Zitat

Guten Abend,

Zunächst einmal hab ich keine Ahnung, weshalb du einen lateinischen Titel wählst. Ok, da gibt es einen Bezug zur Carmina Burana, da geht es auch weiter:
nunc obdurat et tunc curat

so, nur was das dann mit dem Text zu tun hat? Zumal ja das Text-Ende genau das gegenteil vermittelt. Ich werd einfach nicht schlau daraus.

Aber vergessen wir das einmal.

Die Idee ist richtig anregend, wirft Fragen auf, textlicher (denken) und inhaltlicher Natur (weiter denken). Genau so soll es im E sein. Diese gerade zu absurde Idee, Kreativität von den menschlichen Befindungen zu isolieren und die Antwort darauf am Ende, und das ohne eine Anylyse zu liefern, ohne den Leser seiner INterpretationsaufgabe zu entheben, ist dir gut gelungen.

Sprachlich ist das diese elaborierte Alltags-Sprache. Die Balance zu halten, nicht abzufallen ins nur Alltagssprech ist schwer, gelingt dir aber meistens.

sowas sollte nicht passieren:

Guy Incognito hat Folgendes geschrieben:

Ganz schön philosophisch heute, sagte ich und setzte statt einer Antwort mein Headset wieder auf.


lgl


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lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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wwwave
Schreiberassi


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BeitragVerfasst am: 27.11.2015 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir.
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Ithanea
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Ei 3


BeitragVerfasst am: 27.11.2015 18:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Programmierer,
bitte seid nicht angefressen. Ich weiß - zwei so Loser sollen daheim im Keller an so hochkomplizierten KI-Projekten rumpfuschen. Völlig unrealistisch. Ich hoffe ich habe niemanden zu sehr aufgeregt durch meine Spinnerei und die stümperhaften Programmierausführungen.
So, nachdem ich mich offiziell bei der IT entschuldigt habe, kann ich zugeben: Das ist gar nicht das, was mich wirklich stört, an diesem Text. Es war völlig klar, dass diese painting-fool-wird-zu-einem-depressivem-Musik-fool-Sache eine Spinnerei bleiben wird, etwas abdriften. Schon okay. Und die "Verlierer" - die krieg ich ja nicht los. Was wirklich schade ist, an diesem TExt: Das ich ihm nicht die Zeit gegeben habe, die er gebraucht hätte. Dass ich ihn zum Schluss abgehandelt habe unter Zeitdruck, und man ihm das anmerkt. Tut mit Leid, Text, und tut mir Leid, Leser. Weil eigentlich mag ich ihn ja schon.


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Ithanea
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BeitragVerfasst am: 27.11.2015 20:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Akiragirl hat Folgendes geschrieben:

Und ganz subjektiv, aus mir heraus, aus meiner Lesart, hat dieser Text mich am meisten berührt, am meisten mit mir gemacht, ist am längsten nachgeklungen und war zugleich auch so eine Art von Text, bei der ich sicher sagen kann: So etwas ähnliches habe ich bisher noch nirgendwo gelesen. Es ist neu, es ist etwas, das sich anfühlt, als sei es für mich bzw. meine Generation gemacht. Ich habe mich in so vielem wieder erkannt, so viele der Zwischentöne, ich kann gar nicht genau erklären, aber fast hätte ich geheult, so sehr hat es mich berührt.

Ich habe noch nicht einmal deinen Kommentar zu Ende gelesen, geschweige denn alle anderen, aber ich muss einfach mittendrin loswerden: Ich bin überwältigt. Großes Danke für diese Zeilen unter meinem Text.


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Ithanea
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BeitragVerfasst am: 28.11.2015 12:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

So,
das Thema war grandios. Soviel ist schonmal klar.
Und eure Kommentare sind auch grandios. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen, weil ich fast überall nur kurze Kommentare da gelassen habe. Aber vielleicht ergibt sich ja wirklich noch die ein oder andere Diskussion unter euren Texten.
Jedenfalls bin ich hin und weg über den Inhalt eurer Kommentare und freu mich, dass das Fragment, falls es denn eins ist, vielen von euch gefallen hat.

Zum Texthintergrund haben einige von euch besseres gesagt, als ich es könnte. Das waren im Wesentlichen genau die Fragen, die ich vor Augen hatte:
"Wo beginnt Bewusstsein? Wo beginnen Gefühle?" - Michel
"[...]im Guten wie im Schlechten, wie Gefühle beim Menschen eben auch gut und schlecht zugleich sein können. Gleichzeitig spiegelt die Maschine hier das, was die Menschen, die sie „füttern“ ausmacht." - Akiragirl
"Denn das ist es eigentlich, seine Fähigkeit zu urteilen, die Toni den Weg in den Abgrund bahnt. Allerdings gerade deshalb, weil es kein eigenes Urteil ist, sondern geprägt vom Verhalten und Umfeld seiner Erschaffer. Und verhält es sich in deren Fall überhaupt anders? Sind sie nicht auch da, wo sie sind, aufgrund ihres Umgangs und ihrer Erfahrungen?" - Jenni, die den Nagel besonders auf den Kopf trifft.
"Denn was trennt den Menschen vom Tier (oder der Maschine), wenn nicht seine Eigenschaft, etwas völlig Selbstbezügliches zu tun?" - Nihil
"[...]Menschlichkeit einer Maschine --> ihre Fähigkeit zu Emotionen, an der Fähigkeit zu zeigen, Musik zu interpretieren." - nebenfluss
"Diese gerade zu absurde Idee, Kreativität von den menschlichen Befindungen zu isolieren" - lupus

Fähigkeit zur Emotion war für mich eine Eigenschaft, die den Menschen auszeichnet, Sinn für das "Schöne", auch wenn es zwecklos ist, die andere. Kunst hat keinen Sinn und keine Funktion, außer Emotionen in uns einen Weg zu schaffen oder anzufachen. (Ja sicher, Kunst kann auch zur Lehre/Informationsvermittlung dienen, aber da wäre man im Zweifelsfall auch mit einem Sachtext dabei. Kunst wählt man dann, wenn man Emotion mitschicken will.)
Keine Ahnung, wann und wie ich den painting fool gefunden habe, jedenfalls erst im Zusammenhang mit diesem Wettbewerb, aber ab da war klar: Darum geht's.
Wie lange ist unsere Fähigkeit zur Emotion wünschenswert, wann steht sie uns im Weg? Was bliebe übrig vom Menschen, wenn er die Emotion abgeben könnte? Was bliebe übrig von Kreativität und Kunst, wenn sie ohne Emotion sein könnte? Was ist es, das wir haben oder nicht haben, das uns zu gesunden Menschen macht, das uns Resilienz verleiht und Möglichkeiten, die Dinge zu ändern? Wo befindet sich der Wille, das überhaupt zu tun? Wenn es hieße, nicht mehr die Kunst machen zu können, für die man lebt?

Würde mich freuen, wenn irgendwo noch so eine Diskussion zu E und zu MenschMaschine und zu Fragment entsteht, wie von nebenfluss und Jenni angestoßen. Das war für mich seit ich dabei bin, das interessanteste Thema überhaupt und der Text, der mir selbst am meisten Rätsel aufgegeben hat.

Achso, noch kurz zum Titel: War und bin mir selbst unsicher. Es hätte sicher einen gegeben, der mehr Aussagekraft zum Textinhalt hat. Der ist irgendwie assoziativ entstanden. Ich habe beim Schreiben (logischerweise) laut und viel Musik gehört und mich wie Toni von (Youtube)Link zu Link geklickt. Es war, wie zum Text passend, von Songwritermäßigem über Klassik über Elektronisches über Black Metal undsoweiter alles dabei. Vita Detestabilis kam da, wie von euch schon eingebracht, in mehrfacher Ausführung vorbei: O Fortuna im Original und schlimmer noch, in sämtlichen, richtig hässlichen Remixes davon und als Titel des Shining-Songs, der für mich von Anfang an irgendwie ausschlaggebend war. Erstens ist dieses ganze Album sowas von depressiv, zweitens sind diese beiden Worte das auch, unabhängig davon, was in der Carmina Burana danach darauf folgt (wobei ich das auch gar nicht so widersprüchlich fände, aber dazu was in der Antwort für lupus). Ich schätze, diese Bezeichnung trifft ziemlich gut die Einstellung, die insbesondere Nero im Moment zum Leben hat.

Ich antworte noch einzeln auf eure Kommentare. Bis dann.


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