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Irish Goodbye


 
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Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 29
Beiträge: 1271

Ei 3


BeitragVerfasst am: 31.08.2016 15:28    Titel: Irish Goodbye eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

In Irland, hast du mir mal erzählt, als wir auf der Steintreppe vor dem zerfallenen Haus saßen, das früher irgendsojemandem wie Vorfahren von dir gehört haben soll, am Ende dieses kleinen Weges, der im Dorf rechts vor dem Buchladen abzweigt, in dem es letzes Jahr fast gebrannt hätte, wenn Kian nicht rechtzeitig sein Club Orange über den brennenden Mülleimer nebendran geschüttet hätte, hatten sie lange keine Straßennamen, und Hausnummern erst recht nicht, also erzählte man sich die Adresse einfach so, wie man sich ihr annähert beim Ankommen, wie eine Geschichte, von hinten nach vorne, bis man kapiert hat, wo man ist. Das machen sie noch heute so, selbst für die Postboten, oder fremden Besuch, du wohnst nicht einfach in einer Nummer in einer Straße, sondern am Ende einer langen Geschichte, die Verzweigungen hat, das kannst du dir nicht vorstellen.

Vor der Bar mit den grünen Fensterläden, gleich neben dem Diner von diesem indischen Typen, der vorher nen Dönerladen hatte und der mir mal einen Burger for free gemacht hat, als ich keinen Cent in der Tasche hatte, aber ich habs nen Tag später bezahlt, standest du draußen zum Rauchen und hast mir kurz Feuer gegeben, als ich dich danach fragte, weil in deinem Blick irgendwas war, das ich wissen wollte, die ganze Geschichte, von vorne bis hinten, bis ichs verstanden hab, was mit dir ist.

Nach der WG-Party von der mit den dunklen Locken, die mit meinem ehemaligen Mitbewohner studiert hat, Elektrotechnik, glaub ich, bei der ich mit dir ins Bad bin, als du gekotzt hast, und, weil du vorher Wein getrunken hast, dort hunderte winzige blutigrote Tropfen den Keramik-Rand der Schüssel sprenkeln sah, die langsam wie aus Einschusslöchern herabliefen, bis sie sich mit Abwasser und Erbrochenem vermischten, dem, was man vom Inneren eines Menschen wirklich sehen kann, während all das idiotisch Abstrakte, was man sich sonst darunter vorstellt, eine Seele zum Beispiel, oder ein Charakter, ein leeres Versprechen bleibt, ein Papierflugzeug; nach dieser Party jedenfalls, auf dem Heimweg, da hab ich dich kennen gelernt, also zum ersten Mal gehört, was du so denkst vom Leben, dich vorsichtig deine Gedanken zerbröckeln sehen, eine Ahnung bekommen von den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.

Oben auf den Klippen, drei Kilometer saftige Wiesen hinauf, längst am Gebiet der roten Schafe vorbei, das Gebiet der blauen auch schon außer Sichtweite, weiße Mauern und von uralten Fabelwesen hinterlassene Treppchen entlang, bis man am Ende der Welt ankommt, zumindest am Ende von dieser, dort, wo man sich endlich hinter sich gelassen hat, oder es vielleicht nicht mehr muss, frag ich dich, ob du an die Zukunfst glaubst, als würd ich das einfach philosophisch meinen, so wie man auch ans Hier und Jetzt glauben könnte oder die Erinnerung, und frage nicht, was ich eigentlich wissen will, ob du an mich glaubst in deiner Zukunft, weil ich nichts kaputt machen will zwischen Kieseln und Schiefer, aufgebrachtem Atlantik, winzigen Grashalmen im Wind, und du lächelst nur schwach.

In einer der Nächte, in denen du dich nicht hinter dir lassen konntest, egal wie lange du durch die Straßen gewandert bist, runter zum Fluss, am alten Kino und den Spielos am Mauerrand vorbei, immer schneller, so dass man sich fragt, ob du deinem Schatten davon läufst, oder selbst der Schatten bist, der besser zurückgelassen werden soll, hoch zur Kirche und, als auch der abgelegene Garten nicht mehr gereicht hat, deine Atlantikwut zu beruhigen, doch noch in die Clubs bis zum Morgen, hab ich dich wieder aufgelesen und Angst davor gekriegt, dass es nicht reichen könnte, die Geschichte zu kennen, um sich nicht zu verirren.

Auf der letzten Stufe des Hauses am Ende des kleinen Wegs, der im Dorf rechts vor dem Buchladen abzweigt, der jetzt einen neuen Besitzer hat, aber es ist der Neffe des alten, drehe ich den Schlüssel im Schloss der neuen Tür, gehe über den neuen Holzboden in die alten vier Wände, hinüber zum Herd, auf dem der Wasserkessel noch steht, als hättest du nicht vorgehabt, einfach nicht mehr zu kommen, als hätte es irgendeinen Sinn gehabt, das Haus wieder aufzubauen, weil du damit etwas vorgehabt hättest, als wärst du nur kurz aus der Tür gegangen, runter ins Dorf, eine Zeitung kaufen oder Frühstück, und nicht hinaus aus der Welt. Ich lasse mich auf die Holzbank fallen. Hier drin ist es still und das Meer und der Wind draußen sind laut und ich öffne das Fenster und denke, vielleicht kommst du rein.




Bin mit vielem unzufrieden. Der Text läuft über vor Metaphern/Bildern, ist schon klar, dass das sein Problem bleiben könnte, aber die sollen bleiben, allerdings mache ich sowas sonst selten und finde darum oft nicht die richtigen Bilder, mir kommt vieles kitschig oder daneben oder viel zu affektiert vor. Besonders die Atlantikwut stört mich, auch diese Keramikschüssel-Bluttropfen-Kotzerei ist irgendwie nichts. Ich bin aber unsicher, was davon wirklich nicht gut ist und was vielleicht nur ungewohnt für mich.
Dann ist die zweite, vielleicht wichtigere Frage, ob und wie das mit den langen Sätzen funktioniert, denn das ist die Grundidee des Textes gewesen, diese Beschreibungen. Die sind vermutlich anstrengend zu lesen, aber Voraussetzung der ganzen Sache, darum die Frage, geht das so, macht das Spaß zu lesen oder hält man es nicht aus, bzw. hält es so zu sehr auf?
Achja, und Kommata kann ich nicht so richtig, was mir hier so ziemlich das Genick brechen dürfte.. Embarassed Ich hoffe, niemanden damit in den Wahnsinn zu treiben



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Sissi Fuß
Geschlecht:weiblichHobbyautor


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BeitragVerfasst am: 31.08.2016 16:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag lange Sätze und finde, deine haben sich sehr gut lesen lassen.
Die Geschichte ist sehr berührend, erinnert an die Gedanken, die einem durch den Kopf gehen, wenn man bei einem nahestehenden Menschen am Krankenbett steht oder auch an einem Grab. Es ist ein Herausholen von Erinnerungen und Weißt-du-nochs. Solche Details wie die Blutstropfenkotzerei und das mit der Atlantikwut sorgen dafür, dass es nicht zu schmalzig und pathetisch wird. Ich habe die Geschichte so verstanden, dass derjenige, von dem erzählt wird, nicht wiederkommen wird. Du hast vieles gemacht, was einem hier im Forum immer wieder um die Ohren gehauen wird, aber ich kann nur sagen, dass ich das Resultat gerne gelesen habe und das vermutlich auch noch ein paar Mal tun werde.
Man hätte vielleicht auch ein Gedicht oder Lied daraus machen können.

Manchmal, wenn ich so etwas lese, assoziere ich es mit Songtexten. Bei deinem war es Der Spinner von Nina Hagen. Frag mich nicht, warum.


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Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 29
Beiträge: 1271

Ei 3


BeitragVerfasst am: 01.09.2016 10:13    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich glaub, ich sollte mir abgewöhnen, gleich mit meinen eigenen Fragen im Spoiler meine Texte auseinanderzubröseln.

Hi Sissi, danke für dein Feedback.
Den Spinner kannte ich noch gar nicht, habs mir gerade angehört. Passt wirklich ganz gut. Auch, was du sonst schreibst, passt gut. Das mit dem Grab hab ich mir überlegt, bin aber froh, es doch gelassen zu haben. Hatte es aber, wie du, vor Augen. Freu mich, dass es für dich nicht zu pathetisch ist, das wäre was, was ich dringend vermeiden wollte.

Edit: Und ja, Gedicht oder Lied passt auch gut. Also, als Vorschlag. Ist mir auch die ganze Zeit so gegangen. Jetzt ist es halt nur so, dass ich keine Gedichte und Songtexte schreiben kann. ^^


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Taranisa
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 50
Beiträge: 950
Wohnort: Frankenberg/Eder


BeitragVerfasst am: 01.09.2016 13:40    Titel: Antworten mit Zitat

Man kann richtig mitgehen, durch den irischen Ort, der irgendwie altbacken gemütlich die Erinnerungen weckt.
Dein Stil ist mal was anderes, jedoch gebe ich für meinen Teil zu, dass ich mich bei der extremen Länge deiner Sätze stark konzentrieren musste. Was gehört alles zum Hauptsatz und was ist alles eingeschoben und hab ich mir bis zum Ende des Satzes gemerkt, was am Anfang steht. Natürlich fließen die Gedanken ungehindert und oft um viele Ecken und Winkel - aber manchmal auch in kürzeren Sätzen. Smile

Vielleicht solltest du tatsächlich ein Lied oder Gedicht daraus basteln? Wäre bestimmt spannend und übt, was du meinst, nicht zu können.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 38
Beiträge: 1242
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 01.09.2016 20:53    Titel: Re: Irish Goodbye Antworten mit Zitat

Hallo Ithanea,

mir gefällt deine Geschichte. Ich gebe zu, erst hat sie sich gesträubt und es hat etwas gedauert bis ich Zugang gefunden habe, aber dann hab ich sie gleich noch mal gelesen und noch mal.

Zu deiner Frage:

Ithanea hat Folgendes geschrieben:
Die sind vermutlich anstrengend zu lesen, aber Voraussetzung der ganzen Sache, darum die Frage, geht das so, macht das Spaß zu lesen oder hält man es nicht aus, bzw. hält es so zu sehr auf?


Anstrengend war es nur beim ersten Mal, dann ging es leichter und beim dritten Mal lesen war ich versucht wieder von vorne anzufangen, weil es immer wieder was Neues zu entdecken gibt.
Das ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung. Weil nur ich so lese, wie ich lese. Bestimmt schnallen anderere Leser sofort den gesamten Inhalt. Ich brauche dazu etwas länger.

Ich fand es total lustig, als ich den Spoiler las, weil du genau bei den Bildern unsicher bist, die mich am meisten beeindruckt haben:

Ithanea hat Folgendes geschrieben:
[...] als du gekotzt hast, und, weil du vorher Wein getrunken hast, dort hunderte winzige blutigrote Tropfen den Keramik-Rand der Schüssel sprenkeln sah [...]


Ithanea hat Folgendes geschrieben:
[...]und, als auch der abgelegene Garten nicht mehr gereicht hat, deine Atlantikwut zu beruhigen, doch noch in die Clubs bis zum Morgen, hab ich dich wieder aufgelesen und Angst davor gekriegt, dass es nicht reichen könnte, die Geschichte zu kennen, um sich nicht zu verirren. [...]


Das hier, finde ich, ist der stärkste Satz, der für mich persönlich am meisten transportiert und, der mich am meisten berührt:

Ithanea hat Folgendes geschrieben:

Oben auf den Klippen, drei Kilometer saftige Wiesen hinauf, längst am Gebiet der roten Schafe vorbei, das Gebiet der blauen auch schon außer Sichtweite, weiße Mauern und von uralten Fabelwesen hinterlassene Treppchen entlang, bis man am Ende der Welt ankommt, zumindest am Ende von dieser, dort, wo man sich endlich hinter sich gelassen hat, oder es vielleicht nicht mehr muss, frag ich dich, ob du an die Zukunfst glaubst, als würd ich das einfach philosophisch meinen, so wie man auch ans Hier und Jetzt glauben könnte oder die Erinnerung, und frage nicht, was ich eigentlich wissen will, ob du an mich glaubst in deiner Zukunft, weil ich nichts kaputt machen will zwischen Kieseln und Schiefer, aufgebrachtem Atlantik, winzigen Grashalmen im Wind, und du lächelst nur schwach.


Als kitschig empfinde ich diesen Text nicht, sondern eher als nachdenklich und schön.
Wegen der Werkstattarbeit: Nun, was soll ich da groß rummäkeln? Die Länge der Sätze möchtest du nicht verändern, wäre auch unsinnig, weil du ja dadurch das zerstören würdest, was zum Ausdruck dieser Geschichte gehört. Inhaltlich, finde ich, kommt, wenn man sich erst drauf eingelassen hat, ganz viel rüber. Und bei den Kommata kann ich dir leider nicht behilflich sein. Ist nicht meine Stärke Embarassed

Soweit mein Feedback.

Liebe Grüße
Heidi


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Jenni
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Beiträge: 3876

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 01.09.2016 22:17    Titel: Antworten mit Zitat

Das gefällt mir total gut. Die Sätze funktionieren für mich großartig und transportieren die Beschreibungen der Orte ebenso wie den Versuch, in jemandes Wesen vorzudringen auf Basis der Orte der Begegnungen in Parallelität zu den Wegbeschreibungen, die auf Erlebnissen beruhen.
Ach, aber ich lese hier auf dem Handy und kann nicht so richtig kommentieren. Aber ich finde das sehr schön und sehr Irland (ich war da vor zwei Jahren zum ersten Mal und sehr begeistert) und will es noch mal in Ruhe lesen und das hier ist ein Textmarker. Mit dem Vorsatz dann richtig zu kommentieren.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 38
Beiträge: 1242
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 02.09.2016 09:37    Titel: Re: Irish Goodbye Antworten mit Zitat

Hallo Ithanea,

mir ist aufgefallen, dass ich in meinem Beitrag überhaupt nicht erwähnt habe, was genau mich an deinem Text berührt und warum ich den Satz, den ich rausgepickt habe, am stärksten finde. Hab mich etwas abstrakt ausgedrückt Embarassed

Aber zunächst möchte ich noch mal zur Satzlänge sagen, dass dadurch ein Fluss entsteht, der mich erst mal mit gerissen hat. Die Einschübe lassen immer mehr Eindrücke in den Text sprudeln, die verarbeitet werden müssen. Aber genau darin sehe ich die Qualität dieser Geschichte. Es fühlt sich an, als hätte der Erzähler lange über die Erlebnisse in Irland nachgedacht, sie in sich getragen und nach vielleicht jahrelangem „Aufgestaut-sein“ bricht es nun aus ihm hervor.
Eine Sache, die mir vertraut ist und mit der ich mich gut identifizieren kann.

Aber nun zu dem bereits erwähnten Satz:

Ithanea hat Folgendes geschrieben:

Oben auf den Klippen, drei Kilometer saftige Wiesen hinauf, längst am Gebiet der roten Schafe vorbei, das Gebiet der blauen auch schon außer Sichtweite, weiße Mauern und von uralten Fabelwesen hinterlassene Treppchen entlang, bis man am Ende der Welt ankommt, zumindest am Ende von dieser, dort, wo man sich endlich hinter sich gelassen hat, oder es vielleicht nicht mehr muss, frag ich dich, ob du an die Zukunfst glaubst, als würd ich das einfach philosophisch meinen, so wie man auch ans Hier und Jetzt glauben könnte oder die Erinnerung, und frage nicht, was ich eigentlich wissen will, ob du an mich glaubst in deiner Zukunft, weil ich nichts kaputt machen will zwischen Kieseln und Schiefer, aufgebrachtem Atlantik, winzigen Grashalmen im Wind, und du lächelst nur schwach.


Der ganze Text vermittelt eine starke irische Atmosphäre. Da ich eine intensive Beziehung zu der Insel habe, gehe ich da voll mit.
In diesem Satz finde ich es besonders schön, dass die Beziehung der Iren zu Fabelwesen mit einfließt, die farbbefleckten Schafe sehe ich vor mir, die Treppen und Steinmauern, dieses Verwitterte, das in Irland an jeder Ecke zu finden ist. Und nicht zu vergessen, der „wütende“ Atlantik, der hier zum ersten Mal erwähnt wird.
Zwar schwingt der irische Charme in der ganzen Geschichte mit, aber in diesem Satz erlebe ich eine Konzentration und das gefällt mir.
Dazu kommt noch die von mir orange markierte Passage, die ich sehr berührend finde. Dieses Hadern des Erzählers/der Erzählerin. Der Ausdruck:

Ithanea hat Folgendes geschrieben:

[...] als würd ich das einfach philosophisch meinen [...]


weil er/sie es nicht wagt zu sagen welche Empfindungen tatsächlich vorhanden sind. Die Angst vor dem „Kaputtmachen“, das alles verleiht dem Erzählerin/der Erzählerin einen sensiblen, authentischen Charakter.

Gut, der Satz ist natürlich nur deshalb ein starker Satz, weil er im Zusammenhang mit dem ganzen Text steht. Alleine hätte er nicht den Halt, den er benötigt. Aber es war mir trotzdem wichtig, dir meine Gedanken anhand dieses Beispiels mitzuteilen.

Wegen der Atlantikwut: Jeder der den Atlantik schon mal erlebt hat, wird nachvollziehen können, dass der Begriff passt, wohingegen etwa Adriawut (wenn der Text am Mittelmeer spielen würde) mMn. nicht passen würde. Warum also nicht als Bild für die Wut eines Menschen einsetzen?

Diese  Kotzszene gefällt mir wohl deshalb so gut, weil ich direkt ein Bild bzw. eine Szene vor Augen habe. Vor allem dieser Teil gefällt mir besonders:

Ithanea hat Folgendes geschrieben:
[...]bei der ich mit dir ins Bad bin, als du gekotzt hast, und, weil du vorher Wein getrunken hast,[...]


Das hier ist schon beim ersten Lesen hängen geblieben. Ich frag mich grad warum. Vielleicht, wegen der Begründung, die ja eigentlich halb eine Wiederholung ist, weil ich den Begriff WG-Party in Kombination mit dem Badezimmer und dem Kotzen sowieso mit Alkohol assoziiere - und genau das gefällt mir. Dieses Gedankenverlorene des Erzählers.

Soweit meine wirren Gedanken dazu. Das ist eine Geschichte, die ich bestimmt noch mal lesen werde, und noch mal, und noch ...

Liebe Grüße
Heidi


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aspesp
Abc-Schütze


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BeitragVerfasst am: 02.09.2016 11:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ithanea,

stimmige Geschichte, der Hinweis mit dem Gedicht ist nicht schlecht, da sie sehr rhythmisch rüberkommt: Alle Absätze (bis auf einer) beginnen mit einer Ortsangabe und bestehen aus mehr oder weniger einem langen Satz.

Ich verstehe den Schluss so, dass die Person, von der die Rede ist, verstorben ist.

Trotz der langen Sätze noch lesbar, besser aber zweimal Smile

BG,
aspesp
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3226

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 02.09.2016 13:48    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag das total gern, das ist so ein Text zum öfter lesen, also einer, den ich mit jedem Lesen noch ein klein wenig mehr mag. Irgendjemand hat schon geschrieben, man fände mit jedem Lesen etwas neues, so ging mir das bisher auch und ich vermute, das liegt an den langen Sätzen, ich bin nämlich eher keine sonderlich genaue Leserin, also so eine, die sich nach dem ersten Lesen an sämtliche Details erinnern kann, sich Zeit und Muße nimmt und so.

An ein paar Stellen hakt es noch ein bisschen, gar nicht so sehr, aber wiederum mit den langen Sätzen - die potenzieren das irgendwie, weil sowieso schon alles eher kompliziert ist (also so Bezugssachen etwa).

Ich kann gerade nicht so gut kopieren und einfügen, das ist ein bisschen doof, aber vielleicht geht es auch so.

über den brennenden Mülleimer nebendran
nebendran? Brauchst du das Wort überhaupt? Falls ja, finde ich, es ist falsch oder ich kapiere es zumindest nicht, hat er das Getränk jetzt neben das Feuer geschüttet? Was ja überhaupt keinen Sinn macht und daher wohl eher nicht sein kann. Oder saß er daneben, war der Mülleimer neben ihm?

Dann im zweiten Absatz, dieses "nen", "habs" und so. Das steht für mich ein bisschen wie ein Fremdkörper im Text. Es liest sich nicht so gut und daher meine ich, wenn man es verwendet, sollte man schon einen guten Grund dafür haben, den kannst du ja durchaus haben, vielleicht willst du dadurch die Erzählerin (falls es überhaupt eine ist) charakterisieren. Aber warum ist es dann nur an dieser Stelle und überhaupt nimmt dieses flapsig jugendliche dann einiges von der sonst eher wehmütig-schwermütigen Stimmung weg. Kann natürlich auch Absicht sein und ebenfalls den Umgang der Erzählerin mit dem ganzen aufzeigen. Mir erscheint es eben eher wie ein Fremdkörper.

Und hast mir kurz Feuer gegeben - wieso kurz? Noch so ein unnötiges Wort (ja, das ist alles schon sehr erbsenzählerisch, aber hey, wir sind in der Werkstatt).

Oh, im nächsten Absatz ist es ja auch noch, das flapsig-jugendliche Buchstabenweglassen. Und überhaupt zieht es sich durch. Da ist es mir dann aber nicht mehr negativ aufgefallen, vielleicht, weil mich ein weggelassenes e nicht ganz so sehr beim Lesen stört wie ein habs. Äh, moment. Widersprüchlicher Kommentar. Egal.
Jedenfalls ist es mal so, mal so, vielleicht rechtfertigt das meinen Kommentar dann doch ...

Das Kotz-Bild mag ich nicht, aber das ist vermutlich mein persönliches Problem, hatte ich an anderer Stelle schon mal erwähnt - manche Dinge will ich einfach nicht lesen.  

Das mit der Atlantikwut ist auch nicht so meins, aber vielleicht auch nur, weil ich es nicht kapiere. Oder die falschen Assoziationen habe, ich dachte nämlich, es ist so dass er (er?) den Atlantik selbst in irgendeiner Form braucht, aber es ist wohl mehr so, dass er die Wut des Atlantiks in sich trägt?

Oh, Mist, ich werde anderweitig gebraucht. Ich schicke das trotzdem einfach mal ab.
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Tjana
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BeitragVerfasst am: 02.09.2016 17:08    Titel: Antworten mit Zitat

Den Text mag ich.
Ich mag grundsätzlich aber auch lange Sätze. Hier geben sie dem Text etwas vermeintlich Atemloses, und erst beim achtsam Hinschauen offenbaren sie eine Menge über die beiden Personen, um die es geht.  Allein das zu schaffen, halte ich für sehr gelungen. Und zum Ende hin, in den beiden letzten Absätzen, verliert sich das Atemlose deutlich und bringt den Leser dazu, sich zurückzulehnen und nachzudenken, fast ebenso seine Gedanken zu zerbröckeln, wie das Du der Erzählung (eine übrigens herrliche Umschreibung!)
Die erzählende Figur kommt bei mir eher sanft und sehr einfühlsam an. Deshalb bin ich über das Wort gekotzt gestolpert. Es schien mir zu drastisch für das Bild, das ich von ihr hatte. Die Szene an sich finde ich dagegen gut, das mit den roten Sprenkeln und so. Und auch dabei wieder dieses Liebevolle toll transportiert.
Werkstattmäßig schlage ich vor, dieses Satzende noch mal zu überdenken:
Zitat:
am Ende einer langen Geschichte, die Verzweigungen hat, das kannst du dir nicht vorstellen.

Der Bezug ist etwas verwirrend. Der Satz beginnt ja mit hast du mir mal erzählt, da passt das du am Ende für mich nicht. Ein kann man sich nicht vorstellen könnte vielleicht schon reichen.
Und über dieses Bild habe ich auch gestutzt:
Zitat:
am alten Kino und den Spielos am Mauerrand vorbei,

Ich weiß nicht, was ich mir unter Spilos vorstellen soll, und am Mauerrand sehe ich ganz andere Dinge, jedenfalls in einer irischer Atmosphäre, wie sie hier sonst überall mitschwingt.
Die Atlantikwut kommt bei mir total richtig an, passt sich doch auch gut ein in den Satz, als Steigerung oder Begründung der Unruhe.

Wirklich sehr gerne gelesen und wirken lassen  Daumen hoch²


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Ithanea
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Ei 3


BeitragVerfasst am: 02.09.2016 18:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Ihr,
Ich freu mich wahnsinnig über so viel Feedback von euch und würd am liebsten sofort antworten, allerdings muss ich euch da jetzt ein bisschen vertrösten, da ich mich auf einer unerwartet langen Busfahrt quer durchs Land befinde und noch nicht ganz sicher bin ob ich je ankomm Shocked
Wenn nicht, bestell ich mir die nächsten Tage nen Rechner in den Bus und antworte dann. Und wenn ich doch ankomm, ist auch noch erstmal viel los, aber: Melde mich so früh ich kann zurück. Danke für eure Kommentare.


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poetnick
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BeitragVerfasst am: 02.09.2016 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ithanea,

Sprache, Stimmung und Bilder des Textes sprechen mich an.
Besonders gefallen hat mir z.B. "was man vom Inneren eines Menschen wirklich sehen kann, während all das idiotisch Abstrakte, was man sich sonst darunter vorstellt, eine Seele zum Beispiel, oder ein Charakter, ein leeres Versprechen bleibt, ein Papierflugzeug;

oder: ..."so dass man sich fragt, ob du deinem Schatten davon läufst, oder selbst der Schatten bist, der besser zurückgelassen werden soll..."

Da finde ich, treffen sich Erzählweise und Handlung so stimmig, bzw. gehen auseinander hervor. Eine Erzählweise die sich scheinbar von der Erzählenden löst, assoziativ, ohne Verzierungen.

Was für eine bessere Lesbarkeit des Textes sorgen könnte, sind  Satzzeichen über das inflationäre Komma hinaus - also, Bindestrich, Semikolon, Klammern. Damit liesse sich der Sinn während der rasanten Fahrt auf dem Erzählfluss leichter erschliessen und dessen Tiefe ausloten.
Ein solcher Text verlangt vom Leser enorme Aufmerksamtkeit, ist nichts für schnell zwischen Mailcheck und Tochter vom Musikunterricht holen. Und: ich habe ihn laut lesen.  
Habe gerade nochmal in Jack Kerouacs 'spontaner Prosa' geblättert:
Bei 'Tristessa' bsp. zieht sich der erste Satz über eine ganze Seite - eingängig und von soghafter Wirkung - ein Gesang.

LG - Poetnick


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Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Ithanea
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Alter: 29
Beiträge: 1271

Ei 3


BeitragVerfasst am: 08.09.2016 12:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo alle,

ich muss mich entschuldigen, dass es jetzt so gedauert hat, war ein unkluger Zeitpunkt den Text einzustellen, aber so hatte ich auch Gelegenheit eure Kommentare und den Text ein paarmal zu lesen und noch das ein odere andere zu überlegen.

Freu mich, dass die meisten mit den verschachtelten Sätzen mitgehen können, bzw. alle sich drauf einlassen können, denn ohne macht's ja keinen Sinn. Schön auch, dass gerade das vielleicht dazu führt, dass man noch ein-zwei mal liest und was neues findet. Bin ja fast versucht, das jetzt noch auszubauen. Aber wills auch nicht übertreiben.
Vielleicht ganz kurz zum Hintergrund, nur wen es interessiert, ich denke, das braucht man nicht zum Text, aber Ausgangspunkt waren eine Postkarte wie diese: http://static.wixstatic.com/media/2bc637_9fd84b0b01834760bb2c5a4f6eefe5d7.jpg_srz_372_265_85_22_0.50_1.20_0.00_jpg_srz, und der Versuch, in den "Nebenschauplätzen" bzw. Requisiten, die es bei einer Beschreibung so gibt, weitere Geschichten zu suchen, was mir, finde ich, nur teilweise gelungen ist, denn dazu schaut der Text vielleicht kurz in die Richtung eines Nebenpfads, aber geht ihn viel zu kurz entlang. Falls man versteht, was ich meine.
Das Du werde nicht zurückkomme, lesen einige, und liegen damit auf der Spur, die ich vorhatte. Ich schätze, es ist nicht deutlich geworden, warum. Ich finde auch in Ordnung, nicht alles ausdrückliuch zu machen, sondern jeden den Text auf seine Weise lesen zu lassen, aber diese Sache würd ich schon gern deutlicher machen, bzw. auf eure Meinungen warten. Es geht um Suizid, kann man das ahnen oder sollte ich konkreter werden?

Hallo Taranisa,
ich freu mich, dass du mitgehen konntest, auch wenn die langen Sätze dich angestrengt haben bzw. zum Verzetteln einladen. Genauso hab ich das befürchtet und beabsichtigt. Seltsamerweise hab ich ja wirklich ständig ständig auch an ein Lied gedacht, aber das, worum es mir geht im Text in die die Kürze von Liedzeilen zu bringen und dabei das Wesentliche zu erhalten, halte ich für nicht so einfach möglich, schon gar nicht mit meiner nichtvorhandenen Erfahrung. Ich denke auch, selbst wenn ich das könnte, den Text hier würde es trotzdem geben, denn das vorantreibende, lose halte ich (zumindest im Moment) für nicht so gut umsetzbar in Reim-/lLiedform. Vielleicht hast du ja ein Beispiel, dass mir anderes beweist?

Hi Heidi,
danke für deine Doppelantwort, die ziemlich aufschlussreich war. Die roten Sprenkel kommen weitgehend gut an, war klar, sind ja auch wahr. Die "Doppelerklärung", die du liest, war gar nicht so beabsichtigt, weil, wie du sagst, klar, dass Alkohol im Spiel ist, ich habs nur wegen des Weins extra erwähnt, damit geklärt ist, warum rot. Aber ich denke, kann man so lassen, da du ja auch gerade wegen der Doppelung aufmerksam geworden bist?
Sehr froh bin ich über die Rückmeldungen von euch Irland-Kennern, dass das mit der Atmosphäre passt. Ich habe befürchtet, viel zu plakativ zu sein, bzw. zu altbekannte Bilder zu benutzen mit den Schafen und den Mauern usw.
Zitat:
Wegen der Atlantikwut: Jeder der den Atlantik schon mal erlebt hat, wird nachvollziehen können, dass der Begriff passt, wohingegen etwa Adriawut (wenn der Text am Mittelmeer spielen würde) mMn. nicht passen würde. Warum also nicht als Bild für die Wut eines Menschen einsetzen?

Ganz genau so ist die Wut gemeint. Und ich wollte natürlich den "Bezug" zur Herkunft des Du nochmal aufgreifen. Ich hab nur, auch hier, befürchtet, dass das viel zu platt ist. Also Wut und Atlantik. Weil, ist ja klar, dass der Atlantik nicht ruhig ist und ja, Irland und Atlantikküste. Also ich fands so naheliegend und deshalb vielleicht abgegriffen, aber ich sehe, die meisten teilen meine Bedenken nicht.

Danke, aspesp, fürs Hereinschauen.
Freu mich, wenn der Text Lust macht, ihn ein weiteres Mal zu lesen. Wie oben schon geschrieben: Ja, hab ich mir auch so gedacht, dass der Du nicht zurückkommt. Welche Vermutungen lässt der Text für dich zu?

Hi hobbes,
danke für den Hinweis auf die hakeligen Stellen, der ist wichtig, weil einerseits offensichtlich und andererseits für mich unerkennbar, weil (womöglich kennt man das von mir) ich erstens oft so unsorgfältig schreibe und zweitens mit vielen Texten eben genau in der Jugendsprache drin bin, wo die fehlenden "e"s und Apostrophe dann Absicht sind. Hier nicht. Werd ich also nochmal "vererwachsenlichen".
Der Mülleimer nebendran. Also der Mülleimer ist neben dem Buchladen. Und der Mülleimar hat gebrannt. Und das Fanta hat er in den Mülleimer/auf das Feuer geleert. Nicht so sauber, das seh ich ein. Seh ich mir nochmal an, die Stelle. Überhaupt stößt mich dein Kommentar auf noch viel mehr Stellen, die völlig unsauber sind, die letzte Stufe des Hauses, z.B. auf der man einen Schlüssel im Schloss dreht. Also das ist doch irgendwie nichts. Einmal schreibe ich "Weges", einmal "Wegs".
Die Kotzsatz gefällt mir, wie gesagt, auch noch nicht, aber nicht wegen der Szene, sondern wegen des Auseinanderstückeln dieses Satzes
Zitat:
bei der ich mit dir ins Bad bin, als du gekotzt hast, und, weil du vorher Wein getrunken hast, dort hunderte winzige blutigrote Tropfen den Keramik-Rand der Schüssel sprenkeln sah,*

*Hervorhebung wie auch Originaltext von mir, haha
in drei Teile, das klingt doch irgendwie seltsam, oder?
Am Vorgang der Szene werd ich wohl nichts ändern, ich danke also fürs trotzdem Durchkämpfen, aber ich denke auch über das Wort nach, da auch von Tjana die Rückmeldung kommt, das sei zu unschön. Wobei, macht ein salonfähigeres Wort das Geschehen jetzt unekliger?


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Ithanea
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BeitragVerfasst am: 08.09.2016 12:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oh Mist, ich hab ja nur die Hälfte von deinen Sachen beantwortet, also nochmal, hi hobbes. Das "kurz" beim Feuer ist quatsch, fliegt raus. Ich danke für die Erbsenzählerei, denn ich hab das ja nicht umsonst in die Werkstatt gestellt (war mir diesmal zum ersten Mal sicher, dass er hier her gehört, also wär ich ja schön blöd Werkstattarbeit zu vermeiden).
Die Atlantikwut ist so gedacht, wie ich an Heidi geschrieben habe. Siehe oben auch für Bedenken meinerseits. Spontante Ideen, was es bräuchte, um dich auf die "richtige" Assoziation zu bringen?


Hi Tjana,
vielen dank für dein Feedback zum Tempo und den Formulierungen. Mit dem Zerbröckeln habe ich lang rumgemacht, ich habe etwas gesucht, dass ein Bild wie ein stückweises Abbrechen von etwas, das man teilen will, aber nur ganz langsam, herstellt. Wie von einem Brot als Reiseverpflegung, von dem man aber nur hin und wieder kleine Stücke abgeben kann, nicht weil es sonst nicht reicht, sondern, weil man Angst hat, was der andere damit macht (und hier taugt dann das Brotbild nicht mehr, denn was soll einer schon schlimmes mit einem Brotbröckel anstellen Laughing ).
Zitat:
Die erzählende Figur kommt bei mir eher sanft und sehr einfühlsam an. Deshalb bin ich über das Wort gekotzt gestolpert. Es schien mir zu drastisch für das Bild, das ich von ihr hatte. Die Szene an sich finde ich dagegen gut, das mit den roten Sprenkeln und so. Und auch dabei wieder dieses Liebevolle toll transportiert.

Das ist jetzt interessant. Zum gekotzt hab ich ja schon an hobbes was geschrieben, ich denke darüber nach. Wobei ich immernoch frage, inwiefern ein weniger flapsiges Wort etwas am Vorgang ändert.
Ich weiß, welchen Kontrast du ansprichst, aber ich mag da nochmal nachfragen: Findest du, eine Sprache wie diese kann nicht zu einer Person passen, die sehr einfühlsam ist? Und ich habe da hier ja wirklich keine schweren Geschütze aufgefahren. Ist ne interessante Linie zwischen Echtheit und, ich nenne es mal "roher" Sprache, auch wenns das sicher nicht ist, einerseits und Sanftheit/träumerisch Einfühlsamem andererseits. Bin offen für das, was euch noch dazu einfällt.

Zitat:
Der Bezug ist etwas verwirrend. Der Satz beginnt ja mit hast du mir mal erzählt, da passt das du am Ende für mich nicht. Ein kann man sich nicht vorstellen könnte vielleicht schon reichen.

Das ist ein wichtiger Hinweis. Ich hatte vor, dass sich das Erzählte von der Ortsbeschreibung durch die Erzählerin weg hin zum (wörtlichen) Wiedergeben dessen, was der Du gesagt hat, bewegt. Klappt wohl so nicht. Auf das "man" würd ich gern verzichten, denn das sind nicht mehr die Worte der Erzählerin, sondern die des Du, und ich hab mir vorgestellt, der würde das so sagen. "Kannst du dir nicht vorstellen." Da muss ich nochmal überlegen.

Zitat:
Ich weiß nicht, was ich mir unter Spilos vorstellen soll, und am Mauerrand sehe ich ganz andere Dinge, jedenfalls in einer irischer Atmosphäre, wie sie hier sonst überall mitschwingt.

Da wird noch ein weiteres Problem deutlich, das ich vermutet habe. Der Text spielt nicht ausschließlich in Irland, sondern auch in Deutschland (oder halt sonstwo anders). Der Du kommt aus Irland, lernt das Ich in einer Bar und bei der WG-Party in D kennen (zweiter und dritter Absatz), nimmt sie mit an seinen Heimatort (erster und vierter Absatz). Wieder zuhause (fünfter Absatz) wird Ich langsam klar, dass das problematisch wird. Irgendwann nach seinem Tod geht sie zurück an den Ort (letzter Absatz). Spielos sind Spielotheken, die können wahllos durch irgenwas anderes Belangloses in einem Stadtsetting ersetzt werden. Mit dem Mauerrand habe ich mich unglücklich ausgedrückt. Es soll sich um eine Mauer neben den Fluß durch die Stadt handeln, der gegenüber sind Kneipen und Spielos und Läden usw., also auf der anderen Straßenseite. Ich hab dieses Problem häufiger, dass ich die Dinge so klar sehe, dass ich vergess, sie richtig darzustellen. Danke fürs aufmerksam machen! Bis dann


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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 08.09.2016 13:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

natürlich verfolge ich diesen Faden auch schon, seit du den Text eingestellt hast, es ist mir aber noch nicht gelungen, etwas Schlaues dazu zu formulieren. Und eigentlich, merke ich grade, ist mir auch gar nicht danach, diesen Text zu zerreden. Dazu gefällt er mir zu sehr.

Ganz konkret fiel mir aber etwas ein:

Ithanea hat Folgendes geschrieben:
Die Kotzsatz gefällt mir, wie gesagt, auch noch nicht, aber nicht wegen der Szene, sondern wegen des Auseinanderstückeln dieses Satzes
Zitat:
bei der ich mit dir ins Bad bin, als du gekotzt hast, und, weil du vorher Wein getrunken hast, dort hunderte winzige blutigrote Tropfen den Keramik-Rand der Schüssel sprenkeln sah,*

*Hervorhebung wie auch Originaltext von mir, haha
in drei Teile, das klingt doch irgendwie seltsam, oder?


Ließe sich das eventuell einfach so lösen?

Zitat:
bei der ich mit dir ins Bad bin, als du gekotzt hast, und dort, du hast zuvor Wein getrunken, hunderte winzige blutigrote Tropfen den Keramik-Rand der Schüssel sprenkeln sah

Hervorhebung von mir

Insgesamt ist das aber mein Lieblingsabschnitt, womöglich, weil sich die dort enthaltene Erkenntnis so nüchtern (no pun intended) und nur scheinbar harmlos in diesen Satz schiebt.

Mit der Atlantikwut hatte ich keine Verständnisprobleme. Man könnte evtl auch über ein Auseinanderziehen des Wortes nachdenken:
Zitat:
hoch zur Kirche und, als auch der abgelegene Garten nicht mehr gereicht hat, den wütenden Atlantik in dir zu beruhigen, doch noch in die Clubs bis zum Morgen

Hervorhebung von mir
Das birgt aber die Gefahr, schon wieder zu ausführlich/erklärend zu werden.

Würde mich gern mal ausführlicher melden, mag aber nicht zu viel versprechen/androhen.


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BeitragVerfasst am: 08.09.2016 13:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Jenni,
sehe gerade, dass ich dich ausgelassen habe. Shocked
Ich hab es jetzt schon dreimal bemerkt und dir auch schon wohin geschrieben, du triffst den Nagel einfach immer auf den Kopf:
Zitat:
den Versuch, in jemandes Wesen vorzudringen auf Basis der Orte der Begegnungen in Parallelität zu den Wegbeschreibungen, die auf Erlebnissen beruhen.

Zitat:
Aber ich finde das sehr schön und sehr Irland (ich war da vor zwei Jahren zum ersten Mal und sehr begeistert)

Gottseidank, ich hab befürchtet, dass jeder Irlandkenner jetzt gleich kommt und sagt: "Moment mal, das sind doch nicht nur Schafe und Wiesen und Mauern, da gibt's doch noch ... usw." Gibt's ja auch, das weiß ich schon, aber die Landschaft ist halt die Landschaft und ... ja. Du weißt, was ich meine. Bin froh, dass es funktioniert und nicht zu abgegriffen kommt. Danke fürs Kommentieren.

Hi poetnick,
danke für deine Rückmeldung, dass das Assoziative funktioniert und insbesondere, dass du den Text laut gelesen hast (freut mich besonders, denn ich glaub, da verändert sich nochmal was) und ihn auch als einen, der Aufmerksamkeit fordert annimmst.
Ja, die Kommata (noch dazu mehr nach Gefühl, als nach grammatikalischer Sicherheit gesetzt) gehen wahrscheinlich auf die Nerven. Aber ehrlich gesagt kann ich mir andere Zeichen als Alternative nicht so richtig vorstellen. Ich glaube irgendwie, das sieht dann albern ober viel zu bunt aus. Wie ein verläpperter Satzzeichensalat. Ich werds mal Ausprobieren, danke für den Input jedenfalls.


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BeitragVerfasst am: 08.09.2016 13:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Mensch Klemens, jetzt musst du mir dazwischen kommentieren, bevor ich meine umfangreichen Schreibfehler aus dem Vorkommentar wegediten kann. Verstecken
Danke fürs Melden, komme später wieder.

Edit: Dass außer dem letzten Absatz auch noch völlig ohne chronologischen oder sonstigen Grund der dritte im Präsens ist, während die anderen einen wilden Perfekt-Präteritum-Mix beisteuern, hat noch niemanden gestört?


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Klemens_Fitte
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BeitragVerfasst am: 08.09.2016 13:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ithanea hat Folgendes geschrieben:
Edit: Dass außer dem letzten Absatz auch noch völlig ohne chronologischen oder sonstigen Grund der vierte im Präsens ist, während die anderen einen wilden Perfekt-Präteritum-Mix beisteuern, hat noch niemanden gestört?

Korrektur von mir

Nö, so was überlässt man doch der Schlussredaktion.


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BeitragVerfasst am: 08.09.2016 13:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dozey
Wenn in der Werkstatt der Autor die eigenen Absätze nicht mehr auseinander halten kann und die Textarbeiter sich nicht mal mehr an Zeitfehlern stören, ist wohl alles gesagt. =D


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BeitragVerfasst am: 24.09.2016 11:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jahaa, Klemens, das hättest du jetzt wohl nicht gedacht, dass ich mich hier nochmal melde.
Und eigentlich ist es auch eine ziemliche Luftnummer, weil ich nicht viel zu sagen habe außer: deine Anregung zur Wein-Stelle find ich gut und werd ich übernehmen.
Die Atlantikwut werd ich lassen, da ich aus den Kommentaren so mitnehme, dass das doch nicht too much / zu gekünstelt ist und ich eigentlich lieber eine Wut hätte, die wie der Atlantik ist, und nicht einen Atlantik, der die Wut symbolisiert. Hach, diese Erklärung von mir ist mal wieder so herrlich inhaltsleer Laughing

Zitat:

Insgesamt ist das aber mein Lieblingsabschnitt, womöglich, weil sich die dort enthaltene Erkenntnis so nüchtern (no pun intended) und nur scheinbar harmlos in diesen Satz schiebt.

Gut. Also, dass das klappt. Was soll man denn eigentlich jemals vom anderen verstehen können, wenn man nie, bis zum letzten, die gleiche Sprache sprechen kann, weil man nicht dasselbe gesehen hat, weil keiner dasselbe sieht.
Ich heute, fest im Griff der Melodramatik. Rolling Eyes


Zitat:
Würde mich gern mal ausführlicher melden, mag aber nicht zu viel versprechen/androhen.

Das wär ja was, wenn diese Drohung wahr werden würde, aber tu dir keinen Zwang an. Weiß ja, du hast zu tun und der Text hier hat Zeit. Viel. wink


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Fion
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BeitragVerfasst am: 26.09.2016 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Ithanea

Und knapp einen Monat später ... gibt es immer noch Erstleser.

Die Story ist (gefühlt) : Traurig, windig, rau, irisch.
Ich sehe die Insel.
Vieles ist unausgesprochen und doch gehört.
Bravo

Lange Sätze ...
Schau doch mal in Roy Peter Clark`s Buch
-Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben-
Kap 6: Fürchte nicht den langen Satz.
Oder lass es mich mit eigenen Worten sagen:
(Absatz-lange-Sätze) Nimm mich (Leser) an die Hand und führe mich durch die Szene. Ganz chronologisch/geographisch. Springe nicht mit mir hin und her. Bei so langen Sätzen brauche ich Ruhe, die Umgebung (etc.) erschließt sich mir dann.

Hoffentlich nehme ich mir den neunmalneun-klugen Sermon selbst zu Herzen!

Lieben Gruß
Fion
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Municat
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BeitragVerfasst am: 27.09.2016 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Mehr als nur einen Erstleser ...

Die Geschichte berührt mich sehr. Spätestens beim zweiten Lesen kommt neben der irischen Redseligkeit, der einzigartigen Lebensart und der Landschaft (die gleichzeitig anmutig und rau, verwittert und blühend sein kann) auch die Komplexität des Menschen an, der nicht mehr zurück kommt. Innerlich zerrissen, wütend, auf der Flucht vor sich selbst oder den Schatten, die er selbst wirft. Auch das ist Irland. Irland hat unzählige Gesichter. In Deiner kurzen Geschichte sehe ich viele davon.

Sehr gut gefällt mir zum Beispiel der Bezug zwischen
Zitat:
während all das idiotisch Abstrakte, was man sich sonst darunter vorstellt, eine Seele zum Beispiel, oder ein Charakter, ein leeres Versprechen bleibt, ein Papierflugzeug;
und
Zitat:
und ich öffne das Fenster und denke, vielleicht kommst du rein.
Trotz der frustrierten, desillusionierten Haltung im ersten Zitiat bleibt zumindest eine vage Vorstellung davon, dass etwas zurückbleibt, wenn ein Mensch geht.

Ich will nach Carna ... jetzt sofort Wink


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