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Und hört im Herzen auf zu sein

 
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Amaryllis
Geschlecht:weiblichForenschmetterling

Alter: 33
Beiträge: 2001

Das goldene Stundenglas Das Silberne Pfand


BeitragVerfasst am: 11.09.2016 18:00    Titel: Und hört im Herzen auf zu sein eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gertrude keuchte und stemmte die Hände in die Hüften. Ihr war, als wäre sie gerade einen Marathon gelaufen. In ihren Oberschenkeln zuckte es, ihre Knie fühlten sich an wie Wackelpudding und in ihrem Kopf machte sich Zuckerwatte breit. Vor ihren Augen sammelten sich schwarze Sterne. Einatmen. Ausatmen. Da, da war eine Bank. Sie mobilisierte ihre letzten Kräfte und ließ sich darauf fallen. Einatmen, Ausatmen. Langsam beruhigte sich ihr Pulsschlag und sie konnte wieder klarer sehen. War da gerade eine schwarze Katze über die Straße gehuscht? Plötzlich fiel ihr ein Gedicht aus ihrer Jugend ein. Sie hatte es geliebt. Jetzt war es zu ihrem Notfallanker geworden. Leise sagte sie sich die erste Strophe vor.

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.


Sie saß auf einem Bänkchen an einer Kreuzung und hatte keine Ahnung, wie sie hier hergekommen war. Eine der Straßen war asphaltiert, die Luft schimmerte in der Mittagshitze. Die andere war nicht mehr als ein Feldweg und führte zu einem kleinen Wäldchen. Wieso war sie hier? Sie sah an sich herab. Sie trug einen scheußlichen Jogging-Anzug aus rosafarbenem Polyester und ihre Hände waren mit Altersflecken übersät. Die Füße steckten in schlichten, weißen Hausschuhen.

In der Ferne war ein Wagen zu hören. Das Motorendröhnen kam näher und näher, bevor Bremsen quietschten. Der Mann, der hinter dem Steuer des Cabrios saß, gefiel Gertrude. Sein lockiges Haar hing ihm verwegen ins Gesicht und er lächelte. Ein Grübchen-Lächeln.
„Kann ich dich mitnehmen?“
Gertrude überlegte. Ihre Mutter hatte ihr verboten, mit Fremden zu sprechen. Neulich, als sie einer der G.I.s nach dem Weg gefragt und sie ihm geantwortet hatte, war ihre Mutter sehr wütend geworden. Danach hatte sie tagelang nicht richtig sitzen können.
„Komm, steig ein, ich bring dich nach Hause.“
Gertrude überlegte nicht länger. „Ja gern, vielen Dank.“
Sie öffnete die Türe und ließ sich auf den weichen Ledersitz fallen. „Aber du darfst es meiner Mutter nicht erzählen, sie wird sonst wütend.“
Als ihren Blick von den grünen Feldern ab- und ihm zuwandte, bemerkte sie, dass sein Lächeln verblasst war.
„Wie heißt du eigentlich?“, fragte sie ihn.
„Alex“, antwortete er, sah sie aber nicht dabei an.
„Ich bin Gertrude, aber meine Freunde sagen Trudy zu mir.“
Der Fahrtwind zog an ihrem Haar und sie fühlte sich so frei wie nie. Wagemutig. Sie hatte das ganze Leben noch vor sich.
„Ich bin Krankenschwester und du?“
„Lehrer. Ich unterrichte Deutsch und Geschichte, am Gymnasium.“
Gertrude war beeindruckt. Er sah gar nicht aus wie ein Lehrer. Lehrer waren steif, förmlich, alt. Und sie fuhren sicherlich nicht so einen schnittigen Wagen.
„Wer ist dein Lieblingsdichter?“, fragte sie neugierig.
„Rainer Maria Rilke“, sagte er, wieder ohne sie anzusehen. Seine Augen glänzten, so stark konzentrierte er sich auf die Straße.
„Oh, was für ein Zufall.“ Gertrude war begeistert. „Mein Lieblingsgedicht ist 'Der Panther'“ Sie begann zu deklamieren.

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -


Dann stockte sie. Der letzte Vers lag ihr auf der Zunge, sperrte sich, lag quer. Das Auto blieb stehen.
„Wir sind da“, sagte Alex und da sah Gertrude, dass er sie nicht nach Hause, sondern in die Arbeit gebracht hatte.
„Danke, dass du mich mitgenommen hast.“ Sie fühlte sich noch immer wagemutig und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie ausstieg und nach drinnen ging, wo die Oberschwester sicher schon auf sie wartete.

Alexander sah seiner Großmutter lange nach. Eigentlich hatte er die zwei Stunden bis zu seinem Besprechungstermin mit dem behandelnden Arzt mit ihr verbringen wollen. Jetzt setzte er sich auf die kniehohe Steinmauer, die das Pflegeheim umgab und schloss die Augen. Er wusste auch so, was ihm der Arzt sagen würde. Sie hatte den letzten Vers vergessen.

und hört im Herzen auf zu sein.  

[Mit dem Gedicht "Der Panther", von Rainer Maria Rilke, 1902/1903]

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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 960
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 12.09.2016 09:59    Titel: Antworten mit Zitat

Wow. Was soll ich da noch groß zu sagen?
Einfach nur: Wow!
Für mich ein ganz klarer Favorit!!!!!
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halcyonzocalo
Geschlecht:männlichEinsamer Trancer

Alter: 28
Beiträge: 1252
Wohnort: Irgendwo im Nirgendwo


BeitragVerfasst am: 12.09.2016 14:11    Titel: Antworten mit Zitat

Gut, im weiteren Verlauf der Geschichte wird noch aufgelöst, von wem das Gedicht ist, denn es kam mir entfernt aus der Schulzeit bekannt vor. Very Happy Umso witziger, dass das Gedicht in gleich zwei Beiträgen des Wettbewerbs aufgegriffen wird. Aber unabhängig davon möchte ich dir sagen, dass dies hier meiner Meinung nach einer der stärksten Beiträge beim diesmaligen Wettbewerb ist. Die Geschichte ist einfach todtraurig und in meinen Augen ganz einfühlsam geschrieben. Die Vorgabe ist auch sehr schön eingebunden worden und das aufklärende Ende sehr gelungen. Eine bewegende, kleine Geschichte, wo ich mir sicher bin, dass ich sie am Ende auch entsprechend belohnen werde. Nicht schlecht, wirklich. Wink

Edit: Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich deinen Beitrag mit der Silbermedaille ehre, das heißt, dass diese Geschichte von mir mit 10 Punkten bedacht wird. smile


_________________
Die minimaldeterministische Metaphernstruktur mit ihrer mytophoben Phrasierung spiegelt den ideeimmanent abwesenden Bedeutungsraum.
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Uwe Helmut Grave
Geschlecht:männlichOpa Schlumpf

Alter: 63
Beiträge: 1029
Wohnort: Wolfenbüttel


BeitragVerfasst am: 12.09.2016 16:06    Titel: Antworten mit Zitat

Herrlich, eine Geschichte mit Plot! Und ich hatte mich bereits gewundert, warum der unverschämte Bursche die alte Lady am Straßenrand einfach so duzte. Das ist bei einigen Zeitgenossen ohne Manieren zwar gang und gäbe, doch ich finde das scheiße.

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U.H.G. - Freude am Lesen
"Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich!" - "Aber er hat ja gar nichts an!" (Hans Christian Andersen) - Die Welt ist anders(en) als sie es dir erzählen.
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V.K.B.
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 45
Beiträge: 1441
Wohnort: an der Nordseeküste
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 12.09.2016 17:58    Titel: Antworten mit Zitat

Wow! Ein tolles Gedicht Stück Prosa meine ich. Sehr bewegend geschrieben, sehr mitnehmend. Erinnerte mich gleich an meine eigene Großmutter in ihren letzten Jahren. Etwas ähnliches muss auch in ihr vorgegangen sein, dieses Springen durch diverse Zeiten und Lebensabschnitte. Wie du dann noch Rilkes wirklich tolle Panthergedicht einbringst und man den Panther im Käfig mit der alten Frau in ihren Erinnerungsfragmenten gleichsetzt, mit dem fehlenden Vers als Zusammenfassung ihrer Situation, die sie selbst nicht sieht  – ganz große Klasse! Dieser Text ist definitiv einer meiner Favoriten. Und die Vorgaben sind auch alle erfüllt.

Hey, verdammt, das ist um Klassen besser als mein eigener Text! Und den fand ich schon gelungen (ohne mich selbst loben zu wollen). Muss noch 9 lesen, und wenn die nicht alle noch viel besser sind (was ich bezweifle) dann bist du ganz oben in meinen Punkten.

Edit: Jupp, meine 12 Punkte hast du. Nach mehrmaligem Lesen: Das ist ganz große Literatur, eine tolle Geschichte. Und das in nur zwei Stunden? Ich gebe mich geschlagen, dagegen kann ich nur meine übliche over-the-top-bullshit-fantasy, auch wenn ich wie hier versuche, was ernsthaftes zu schreiben. Oh, ein klitzekleiner Kritikpunkt: Ich hätte die Erwähnung der Altersflecken ziemlich am Anfang weggenommen, denn damit wird schon alles klar. Soll der Leser sich doch ruhig erstmal wundern, was das Rumgespringe bezüglich des Alters soll, dann würde die Geschichte noch stärker wirken.

Chapeau!,
Veith


_________________
»Sticks & stones may break your bones – but words … they will define you!«
(Phil Orani)
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Oktoberkatze
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 53
Beiträge: 324

Ei 1 Ei 9


BeitragVerfasst am: 13.09.2016 14:57    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin beeindruckt, wie du in dieser kurzen Zeit eine so runde und zu Herzen gehende Geschichte in Worte fassen konntest Daumen hoch

_________________
Die meisten Denkmäler sind innen hohl
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 37
Beiträge: 1152
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 13.09.2016 19:08    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich eine richtig gute Idee, die Vorgaben wurden fast wie angegeben erfüllt. Warum fast? Die Sache mit der Kreuzung kommt zu spät, sie lässt sich auf eine Bank fallen und blickt einige Zeilen später auf eine Kreuzung. Ich würde ein Auge zudrücken, wenn da nicht noch der Schreibstil wäre, der mir nicht so gefällt (Wackelpudding, Zuckerwatte usw.). Das ist natürlich eine rein subjektive Sache, aber für mich dann inkl. der zu spät kommenden Kreuzung doch ein Kriterium dem Text keine Punkte zu geben.

Oder, weißt du was, du bekommst doch einen Trostpunkt smile für das berührende Thema und deine Einfühlsamkeit, was die demente Gertrude betrifft.


_________________
Meer
ein Rauschen unter den Füßen
bewegen sich Blätter fliegen

zerstäuben im Wind
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Einar Inperson
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1742
Wohnort: Auf dem Narrenschiff


BeitragVerfasst am: 13.09.2016 20:31    Titel: Antworten mit Zitat

die 6

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Traurige Grüße und ein Schmunzeln im Knopfloch

Zitat: "Ich habe nichts zu sagen, deshalb schreibe ich, weil ich nicht malen kann"
Einar Inperson in Anlehnung an Aris Kalaizis

si tu n'es pas là, je ne suis plus le même

"Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzer
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Municat
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 51
Beiträge: 288
Wohnort: Zwischen München und Ingolstadt


BeitragVerfasst am: 14.09.2016 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hey unbekannter Autor smile

Der Vers, den Du Dir als Thema ausgesucht hast, geht sehr tief und ist auf mehr als nur eine Art mit der Geschichte verwebt. Alleine schon der Vergleich der alten Dame mit der gefangenen Raubkatze. Ist sie gefangen in ihrem Körper, dem es immer schwerer fällt, zu funktionieren? Ist sie gefangen in ihrem Geist, der sich an alte Erinnerungen klammert und neue Impulse aussperrt? Ist sie gefangen in dem Pflegeheim, in dem sie ihren Lebensabend verbringen soll?

Im Gegensatz zu Rilkes Panther, der weitgehend resigniert hat, ist die alte Dame glücklich in ihrem scheinbaren Flirt, erlebt die Gefühle ihrer Kindheit (mit Gertrudes Mutter müsste man allerdings ein ernstes Wort reden ... ihrer Tochter den Po versohlen, weil sie mit den falschen Leuten redet ...) nochmal auf eine prickelnde Art.

Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass sie im Herzen aufhört, zu sein - sie schafft sich ihre eigene kleine Realität. Alex ist wohl derjenige von den beiden, der die größeren Probleme hat, die Demenz zu akzeptieren. Gertrude sieht eine Welt hinter den Stäben - auch, wenn es ihre eigene ist.

Sehr einfühlsam geschrieben, finde ich smile


_________________
Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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Lilly_Winter
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 38
Beiträge: 275
Wohnort: Dortmund


BeitragVerfasst am: 15.09.2016 17:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Vorgaben:
Thema »Der fehlende Vers«
Der letzte Vers in dem Gedicht.
Jemand steht an einer Kreuzung und kann sich nicht auf den Beinen halten / während einer Autofahrt kann einer der Insassen nicht sagen, ob der Wagen sich bewegt, oder nicht.
Protagonistin kann nicht mehr stehen, setzt sich auf eine Bank.
Jemand wartet auf ein Ereignis, dessen Eintreffen in zwei Stunden erwartet wird.
Zwei Stunden bis zu dem Gespräch mit dem Arzt.

Mir sind keine Fehler aufgefallen. Hier gefällt mir der fehlende Vers im übertragenen Sinn, als Zeichen ihrer Demenz. Auch gefällt mir, wie man erst nach und nach von ihrer Demenz erfährt, erst als Ahnung häppchenweise gestreut, mit der Gewissheit am Ende.
Sehr schön.
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Kopfkino
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 35
Beiträge: 268
Wohnort: zwischen Fluss und Wald


BeitragVerfasst am: 17.09.2016 20:04    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir. Nun ja. Wie es gemacht ist. Traurig ist es ja eigentlich, wenn Menschen sich selbst verlieren. Auch wenn sie selbst es zum Glück vielleicht nicht bemerken.

_________________
Lächeln!
____
...
Stop complainig said the farmer
who told you a calf to be?
...
But whoever treasures freedom
like a swallow has learned to fly.
...
(Donna Donna, Zeitlin und Secunda, Übers. Joan Baez)
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2983

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 17.09.2016 20:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, schwierig. Eigentlich müsste ich den Text gut finden. Aber ich will nicht. Das mit dem letzten Vers ist natürlich richtig gut gemacht, also, dass es gerade dieser ist, dass er am Ende steht, den Abschluss bildet.

Jetzt könnte ich noch ein wenig herummotzen, von wegen, was ist er (Alex) so überrascht, bzw. so getroffen, das kam doch sicher nicht aus dem Nichts. Andererseits ist das Quatsch, ich war in den letzten Jahren in genug Krankenhäusern, um zu wissen, dass Wissen und Live-Erleben etwas völlig anderes ist.

Vielleicht könnte ich auch sagen, das ist mir zu dick aufgetragen, ist es aber eigentlich auch nicht.

Tja, keine Ahnung. Das ist gut gemacht, vor allem für zwei Stunden, ich weiß im Grunde auch nicht, was für ein Problem ist damit habe.
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5676
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Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 17.09.2016 23:41    Titel: Antworten mit Zitat

Dieser Text ist gut gemacht. Zügig und ohne unnütze Worte,  dabei auch rührend. Und originell.
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Ithanea
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 28
Beiträge: 1269

Ei 3


BeitragVerfasst am: 18.09.2016 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Guter Text. Gertrudes Wahrnehmung ist nicht mehr zuverlässig, mal weiß sie, dass ihre Jugend länger her ist, mal ist sie wieder Kind. Ihr Enkel weiß von ihrem Lieblilngsgedicht, was eine Ahnung von der Zeit bringt, in der man diese und andere Sachen miteinander teilen konnte.
Der Verdacht im fehlenden Vers ist fast zu schwer, um ausgesprochen zu werden, aber Alex hat ihn sowieso schon. Was bleibt vom Wesen eines Menschen übrig, wenn er seine Geschichte, seine Beziehungen, sein Leben vergisst?
Meine Fragen, während ich gottseidank nicht in Alex' Position bin, von soetwas beim eigenen Familienmitglied Abschied zu nehmen, gehen da ja weiter: Reicht es aus, im Hier und Jetzt zu sein, zu wissen, wen und was man jetzt mag, was sich gut anfühlt und welches Gedicht man gerne hört/spricht? Und wenn nein, warum nicht?
Guter Text, hab ich das schonmal gesagt?


_________________
Verschrieben. Verzettelt.
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Pudelzucker
Schreiberassi

Alter: 30
Beiträge: 42



BeitragVerfasst am: 18.09.2016 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne, wirklich bewegende Geschichte! Punkte dafür! smile
Ohne die direkten Hinweise auf das Alter der Prota am Anfang der Geschichte (Altersflecken) wäre der Plot Twist meiner Meinung nach noch besser gekommen.
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1566
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 19.09.2016 12:14    Titel: Antworten mit Zitat

Der Gertrudenpanther im Gefängnis des Gehirns.
Im ersten Absatz dachte ich: Nö. Das will ich nicht lesen. Wackelpudding, Zuckerwatte, das ist so abgedroschen und ... alt. "Plötzlich fiel ihr ein Gedicht ein" - och.
Das Rätsel ist schnell gelöst, ich begleite Getrude zurück in die Einrichtung. Das könnte zu rührselig werden oder sie ins Lächerliche ziehen. Aber ich finde, der Ton ist gut gewählt, die Angst, genau so etwas früher oder später zu erleben, schwingt im Hintergrund mit.
Die Auflösung hätte ich nicht en detail benötigt, auch der letzte Vers dürfte weiter fehlen. Und ja, in den ersten Absätzen darf noch abgespeckt werden.
Aber der Grundton sitzt. Der graue Panther auch, hinter Gittern.
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 19.09.2016 18:42    Titel: Antworten mit Zitat

Was für ein berührender Text. Schön geschrieben, ohne ins Jammern zu geraten.
Das Thema Demenz ist (jedenfalls soweit ich es leider mal miterlebt habe) gut gezeichnet, insbesondere die Sprunghaftigkeit des Geistes, der mal wach, und dann plötzlich wieder ganz weit in der Vergangenheit feststeckt. Ansonsten hätte Gertrude weder die Hässlichkeit des Jogginganzuges erkennen, noch den Enkel nicht erkennen können.
Vorgaben erfüllt, Titel passt in besonderer Hinsicht, über ihn nachzudenken, macht die Geschichte noch berührender  – wird wohl höhere Punkte geben


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 972



BeitragVerfasst am: 19.09.2016 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo unbekannter Dichter. Erst einmal – Respekt, Respekt. Einen brauchbaren Text in zwei Stunden aus dem Nichts zu fertigen ist in meinen Augen eine tolle Leistung.
Bei der Punktevergabe war ich stark zerrissen zwischen meinen Vorlieben und dem Versuch, die Aufgabenstellung korrekt zu beachten. Das wirst du kennen.

Jetzt zum Inhalt:   
Schön. Mir gefällt das, inhaltlich und mit kleinen Abstrichen auch die Art zu schreiben. Lebendig und klar.
Den Einstieg, also die Beschreibung von Gertruds Zustand empfand ich ein wenig mächtig beschrieben, es passt, finde ich, nicht so sehr zum weiteren Fluss des Textes. Etwas später kommt eine solche Stelle noch mal. Dort ist die Betonung auf die auseinanderklaffende Alterswirklichkeit mir ein wenig zu ausgeprägt beschrieben. Sowas ist aber nun mal individuelle Sicht, andere finden vielleicht grade dies gut. Außerdem hat sich hier die begrenzte Schreibzeit vielleicht ausgewirkt.
Das Gedicht mag ich auch sehr.
Das Spiel mit Gertruds Alter ist dir ansonsten gut gelungen. Ich nahm sie als betagte Frau wahr und schwankte doch tatsächlich anfangs einen kleinen Moment. Allerdings war mir dann sehr schnell das Geschehen klar. Vielleicht brauchte es deshalb die spätere Betonung auf das Auseinanderklaffen der Wahrnehmung ihres Alters und der Realität darauf nicht mehr.
Wirklich gelungen fand ich die Übersetzung, in der Gertrude, ohne es zu erfassen, über ihre eigene Diagnose stolperte. Anfangs fand ich den Titel ein wenig kitschig. Hier aber fügte es sich ein und war mir verständlich.
Vorgaben erfüllt.
Der fehlende VERS ist offensichtlich,
Gertrude sitzt hinfällig und erschöpft an einer Kreuzung,
im Auto fährt sie auch, und
mit dem auf die Arztbesprechung zwei Stunden wartenden Alexander hast du auch eindeutig diese Kurve genommen.
Punkte: 7
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 20.09.2016 10:06    Titel: Antworten mit Zitat

Altersdemenz/Alzheimer.

Berührende kleine Geschichte, die jeder kennt, der privat oder beruflich mit dezenten Alten zu tun hat.
Der Ton ist ruhig, da wird nicht groß Pathos aufgesetzt, was ich dem/der Autor echt hoch anrechne, und dennoch. Die feuchten Augen des Fahrers kommen nicht von der Konzentration. Da ist fein beobachtet und vorsichtig formuliert.

Nur die Auflösung am Schluß hätte ich mir etwas weniger paukenschlagig gewünscht, auch wenn das nur ein ganz kleiner war.

In Klammern:
Rilke. Schön. Der Panther. Schön, aber wie die andere Geschichte mit dem gleichen Gedicht zeigt, etwas abgedroschen. Und schwinden tun demente nicht vom Herzen her, sondern vom Verstand.

Und die 2 Stunden Vorgabe ist eher nicht als doch umgesetzt. Aber Schwamm drüber. Das hab ich auch verbockt.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 21.09.2016 08:04    Titel: Antworten mit Zitat

Aufgrund von Zeitmangel beschränke ich mich auf das Nötigste.
Für mich auf Platz 2.

LG,
Seraiya


_________________
Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand eigener Erfahrungen nicht erklären kann.
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Amaryllis
Geschlecht:weiblichForenschmetterling

Alter: 33
Beiträge: 2001

Das goldene Stundenglas Das Silberne Pfand


BeitragVerfasst am: 21.09.2016 16:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Liebe Ama,

sehr einfallsreich ist das ja nicht, Rilke ist ja nicht nur dir eingefallen. Sonst bin ich aber eigentlich noch immer (erstaunlicher Weise) zufrieden mit dem Text. Sehr fein.

Alles Liebe,
Ama


_________________
Mein Leben ist ein Scherbenhaufen...
Aber ich bin der Fakir.
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Flush
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling

Alter: 44
Beiträge: 80



BeitragVerfasst am: 21.09.2016 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Teilnehmer,
deine Geschichte gefällt mir, sie ist stimmig, auch in ihrer Umsetzung und bis zum Schluss
denkt man nicht an eine Frau mit Demenz oder Alzheimer, ein aktuelles und sensibles Thema.
Ja, aber erinnert man sich dann nicht eher ganz an Dinge aus dem Früher??
Aber ich denke, es geht hauptsächlich um die Aussage dieser letzten Zeile.
Grüße
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