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Was nicht passiert ist


 
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3203

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 15.09.2019 19:00    Titel: Was nicht passiert ist eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Was nicht passiert ist

Alle beginnt an einem Flussufer. Der Fluss war über die Ufer getreten und führte ausreichend Wasser, um darin unterzugehen und jämmerlich zu ertrinken, aber keine Sorge, das tut in dieser Geschichte niemand (soweit ich weiß).

Margot jedenfalls hatte Gummistiefel dabei, aber was nützen die, nichts.
Theo hatte ein Tretboot dabei, das war schon hilfreicher.

Aber um die beiden soll es hier gar nicht gehen. Auch nicht um die Katze, die Theo im Tretboot hatte und die eigentlich gar nicht zu ihm gehörte, genauso wenig wie das Tretboot. Das Tretboot sah aus wie ein Schwan, es hatte auch eine Rutsche und ganz oben auf dieser Rutsche saß die Katze und ließ ihren Schwanz immerfort von links nach rechts peitschen, als warte sie auf eine Maus oder den Fisch, der vor ihr die Rutsche hochspringen wird.
Doch auch um die Katze wird es nicht gehen. Dabei ist es eine hübsche Katze, schwarz noch dazu, das böte sich doch geradezu an für eine Geschichte, das dräuende Verhängnis müsste jetzt auch der letzten Leserin* klar geworden sein, besonders, wenn man noch die Krähen hinzunimmt, die in den Pappeln am Flussufer sitzen. Genau genommen sitzen sie natürlich nicht, sie kreisen über den Wipfeln der Pappeln.
Also bitte, wenn das kein schlechtes Zeichen ist.
Vielleicht kreisen die Krähen sogar über Theo, der allerdings bemerkt es nicht, Theo ist nicht besonders aufmerksam, was die kleinen Dinge des Lebens betrifft, und jetzt, mit einem über die Ufer getretenen Fluss da hat er wirklich anderes zu tun (was eigentlich?), als nach Krähen zu horchen.

Man könnte sich jetzt wundern, wie Theo an und in dieses Boot kam und Margot, was ist eigentlich mit Margot. Bestenfalls begegnen sich die beiden jetzt endlich, dann könnte man den ersten Dialog einbauen (es wäre an der Zeit!).
Theo!, würde Margot sagen, doch Theo würde sich leider nicht daran erinnern, Margot jemals gekannt zu haben. Dabei saßen sie doch vier Grundschulklassen lang nebeneinander und besonders für Theo war es wirklich eine sehr lange Schulzeit. Womit nun jedem klar sein dürfte, Theo ist nicht die hellste Kerze auf der Torte. Natürlich hat er auch seine guten Seiten, wer hat die nicht.
Margot hatte leider nur gute Seiten. Wo ist dann das Problem könnte man fragen, das Problem ist natürlich genau das, die guten Seiten, die in Margots Fall so aussehen, dass Margot auf alles eine Antwort und für jeden einen Ratschlag hat und nicht müde wird, diese auch auszuteilen.
Wie sie dann ausgerechnet in diese Situation kommen konnte, nun, sie ist natürlich für jemand anderen unterwegs. Für die völlig aufgelöste Oma Ida zum Beispiel, deren Enkelin verschwunden ist (keine Sorge, sie ist nur auf dem Dachboden). Oma Ida wohnt ein Stück flussaufwärts und natürlich kam Margot genau zum richtigen Zeitpunkt bei ihr vorbei, um hilfreich zur Seite zu stehen. Kurzerhand lieh sie  die alten Gummistiefel von Opa Erich (tot) und ging laut nach der Enkelin (Karoline) rufend Richtung Fluss.

Vielleicht war aber auch alles ganz anders.

Dass nämlich Margot doch zu Theo ins Tretboot will. Oder – noch besser: Theo rettet sie aus den Fluten des Flusses ins Tretboot.
Ist sie doch seit der Grundschulzeit rettungs- und restlos in ihn verliebt (warum eigentlich?) und wann, wenn nicht jetzt, soll sie endlich ihre Liebe gestehen, eine solch romantische Situation inklusive ein klein bisschen Lebensgefahr, die kommt sicherlich so schnell nicht wieder.

Margot ruft also nicht nach der Enkelin, sondern nach Theo, denn als Oma Ida das verschwundene Tretboot erwähnt hat, da hat Margot sofort geschlussfolgert, dass Theo etwas damit zu tun haben muss, hat er doch vier Jahre lang Tretboote in Schwanenform in seine Grundschulhefte gezeichnet.

Natürlich, das ist jetzt ein bisschen sehr unglaubwürdig. Theo, der nicht mal die Krähen bemerkt, soll Tretbootschwäne zeichnen? Aber so war es, Margot hat noch mindestens zwei geklaute Grundschulhefte von Theo zu Hause, die es beweisen.

Theo!, ruft Margot jedenfalls, Theo!
So laut sie kann, es bereitet ihr wirklich extreme Mühe, der Fluss rauscht und die Krähen krähen, aber tatsächlich, Theo hält inne, soweit man mit einem Tretboot auf einem Hochwasser führenden Fluss überhaupt inne halten kann.
Doch was nützt es, nichts, Theo rauscht an Margot vorbei, erstaunlicherweise sieht er sie sogar (erkennt sie natürlich nicht), aber schon ist er vorbei, was soll er auch tun.

Und Margot, was soll sie tun. Hinterher springen, sich ins Wasser stürzen? Nein, so blöd ist sie zum Glück nicht. Statt dessen hat sie einen Moment der Erkenntnis und sieht Theo genau so, wie er nun mal ist und hätte sie jetzt Theos Grundschulhefte dabei, sie würde sie augenblicklich ins Wasser werfen. Aber so schlimm steht es um sie dann doch nicht, die Hefte liegen zu Hause unterm Kopfkissen.

Margot schaut sich um. Leider ist wirklich überhaupt keiner (mehr) da, mit dem sie in Kontakt treten könnte, da kann sie sich noch so viel Mühe geben.

Sie sieht ziemlich verloren und hilflos aus, wie sie da steht, aber der Schein trügt, denn als wäre sie von dem Baumstamm getroffen worden, der bald vorübertreiben wird, ist ihr plötzlich klar, dass sie Theo ganz bestimmt nicht mehr hinterher laufen wird. Das, was niemals war, ist nun endlich vorbei, Margot ist frei, ihr fällt ein Stein der Erkenntnis vom Herzen undsoweiterundsofort.
Und keine zwei Minuten (normalerweise länger, aber hey, FFF), nachdem sie es kapiert hat, trifft sie diesen Typen, der sich in sie und sie sich in ihn verliebt, ganz große Liebe, wirklich, jetzt wird alles gut (zumindest für Margot und den Typen).
Das wäre allerdings auch ziemlich langweilig und muss es denn wirklich immer ein Mann sein, kann sie nicht einfach so glücklich werden, mit der schwarzen Katze vielleicht, die sich – mit einem Fisch im Maul – ein paar Meter weit weg aus dem Wasser kämpft. Die Katze könnte natürlich wiederum genau diesem Mann gehören, der dann überglücklich ist, dass Margot ihm die Katze aus den Fluten des Flusses zurückbringt undsoweiterundsofort, aber bitte, wer will das lesen.

Vielleicht treibt auch einfach ein toter Fisch vorbei oder ein Fuchskadaver und „Igitt!“ wird Margot rufen und sich angewidert abwenden.

Oder es passiert einfach überhaupt nichts mehr und wie enttäuschend ist das dann erst.


* Leser sind selbstverständlich mitgemeint

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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1265
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 16.09.2019 09:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ganz schön frech! lol2
Das hätte böse schief gehen können, lieber Inko, gefällt mri aber erstaunlich gut. Sicher kein Text, den ich mehrfach lesen würde, aber in ein Theaterstück gehe ich in der Regel auch nur einmal.
Was bleibt, ist Begeisterung und Anerkennung für den Mut. Und Punkte. Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 28. Oktober 2019.
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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 46
Beiträge: 2001
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 16.09.2019 13:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
oh, das fängt gut an, Fehler gleich im ersten Wort. Aber da sehe ich drüber weg, habe auch in meinem Text etliche Endungen falsch und keine Zeit mehr zum korrigieren gehabt. Ach was, tatsächlich bin ich froh, dass das nicht nur mir passiert ist.

Zitat:
aber keine Sorge, das tut in dieser Geschichte niemand (soweit ich weiß).
Oh, das wird meta …

Zitat:
Theo hatte ein Tretboot dabei, das war schon hilfreicher.
Brillant! Herrlich!

Zitat:
Das Tretboot sah aus wie ein Schwan, es hatte auch eine Rutsche und ganz oben auf dieser Rutsche saß die Katze und ließ ihren Schwanz immerfort von links nach rechts peitschen, als warte sie auf eine Maus oder den Fisch, der vor ihr die Rutsche hochspringen wird.
Das ist der totale Schwachsinn, aber ich kann mich vor Lachen gerade kaum noch einkriegen, genial. Ich liebe es!

Aber dann dünnt sich die Idee leider etwas aus, verläuft sich. Eine Metageschichte über gar nichts, außer ein paar Richtungen, wohin sie sich entwickeln könnte. Ich kann den Finger nicht drauf legen, aber: hat definitiv was, auch wenn ich im Folgenden nicht mehr laut lachen musste.

Aber ja, ich mag absurdes Theater, und das hat was davon. Auch wenn mir die Meta-Referenzen ("aber hey, FFF") zum Ende hin etwas zu platt wurden. Hier hat sich also jemand von der Ratlosigkeit, was man nur schreiben könnte, inspirieren lassen, auch eine tolle Idee. Sehr gerne gelesen.

Punkte verteile ich erst, wenn ich alles gelesen habe.


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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jaeani
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 115



BeitragVerfasst am: 16.09.2019 20:51    Titel: Antworten mit Zitat

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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3203

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 16.09.2019 21:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Herrje, gleich im ersten Wort ein Schreibfehler. Vielleicht hätte ich doch noch die Minute mehr investieren sollen.
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Selanna
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 502
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 02:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo 😊,

Du hast einen besonderen Kniff gewählt, indem Du zu Beginn aufzählst, worum es nicht gehen soll. Trotzdem widmest Du Tretboot und Katze einige Zeilen, wobei ich das Verhalten der Katze unlogisch fand, die sich doch eher ruhig verhalten würde, wenn sie auf der Lauer läge? Du korrigierst Dich mehrmals selbst, zB auch als Du den Ort der Krähen nachträglich umschreibst, und kommentierst Dich mit Zwischenkommentaren in der Metaebene. Der Stil ist ziemlich ausgefallen und findet gerade damit wahrscheinlich etliche Fans, meinen Geschmack trifft er leider nicht so sehr. Auch der Konjunktiveinschub war mir zu abgefahren, Margots humoristische Beschreibung hingegen fand ich amüsant. Am Schluss hatte ich den Eindruck, Dir sind die Ideen ausgegangen oder Du warst sehr gestresst, was beim FFF ja verständlich wäre.
Insgesamt interpretiere ich es so, dass Du einen auf die Spitze getriebenen allwissenden Erzähler einsetzt, um die ganze Geschichte zu ironisieren. Hat bei mir leider nicht so gezogen, wie es sollte, tut mir leid.
Liebe Grüße
Selanna


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Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


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Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 10:38    Titel: Antworten mit Zitat

Re-De-Konstruktiv. Theo treibt auf einem Schwanentretboot vorbei, Margot steht am Ufer, der Erzähler wendet sich aktiv an den Leser und ist äußerst unzuverlässig. Ein wenig wie das „Ich stelle mir vor“ in Frischs „Mein Name sei Gantenbein“, oder, etwas neuer: „Lola rennt“, nein: Theo treibt. Nur finde ich das hier nicht so schlüssig, nicht so integriert, aber gut: Das ist auch kein Roman oder Film. Für mich weiß die Geschichte nicht so recht, wohin sie will, nur, worum es nicht gehen wird. Der etwas spöttische Ton hält mich auf skeptischer Distanz.
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 26
Beiträge: 217
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 12:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannte(r),
um es transparent zu machen, habe ich zehn Punkte in folgenden Kategorien verteilt. Dein Text bekommt von mir:

Vorgaben: 1/1
Inhalt: 3/3
Sprache: 3/3
Charakterisierung / Perspektive: 3/3

Dieser Text ist so herrlich auf der Meta-Ebene und so sarkastisch, dass ich mehrmals breit gegrinst habe. Besonders gut: "aber hey, FFF" lol2
Volle Punktzahl! Ich habe wirklich rein gar nichts zu meckern.
12 Federn.

Liebe Grüße
die Kirsche
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Soraja
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 232

DSFx


BeitragVerfasst am: 18.09.2019 20:01    Titel: Was nicht passiert Antworten mit Zitat

Für mich mit Abstand die beste Geschichte. Witzig, stimmig und den eigenen Humor nicht verleugnend geschrieben. Das unterbringen der ausgewählten Aufgabenstellung ist aus meiner Sicht ebenfalls super gelungen. Das Lesen war mir eine Freude.

_________________
Soraja wünscht Dir einen wundervollen Tag!
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 46
Beiträge: 339
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 21.09.2019 10:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schmeiß mich weg! Was für ein Fest, welch Feuerwerk!
Genau mein Humor.

Natürlich könnte ich auch was zum Meckern finden (die Wortwiederholung gleich im ersten Satz macht den Einstieg etwas schwer) - will ich aber gar nicht. Besonders zum Lachen gebracht hat mich Deine Umsetzung der Vorgaben. Ganz großes (Impro-)Theater!

Als ich Deinen Text las, war ich gerade im Spa, umgeben von dutzenden Ruhesuchenden. Spätestens als aus meinem Schmunzeln ein lauthalser Brüller wurde, waren drei Dinge klar:
Ich werde da bald rausgeschmissen, ich will Dich heiraten und Du bekommst von mir zwölf Punkte. Danke für diesen Spaß.
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nebenfluss
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3812
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 21.09.2019 13:43    Titel: Antworten mit Zitat

Der Anfang macht schon mal Spaß: eine Trigger-Warnung, die keine ist, denn wie soll man als Erzählerin einer improvisierten Geschichte wissen, was geschehen wird? Außer, man berücksichtigt, dass alles, was dasteht, sowieso nicht passiert, passieren wird, passiert ist – sagt schon die Überschrift. Damit erübrigt sich auch eine Inhaltsangabe, wie ich sie meinen meisten Kommentaren vorangestellt habe, wobei das Argument eigentlich nicht gilt, denn es passiert doch sowieso selten genau das wirklich, was in prosaischen Geschichten steht. Andererseits, eine Inhaltsangabe von diesem Text, wie viele Alternativen gäbe es da und wie lang soll das werden, da müsste ich ja quasi alles abtippen, da habe ich wie Theo wirklich anderes zu tun (und was eigentlich, darum soll es hier gar nicht gehen). Hochwasser, aber schon irgendwo noch Ufer, wahrscheinlich geklautes Tretboot, diverse Tiere, eine Enkelin auf dem Dachboden, Margot liebt Theo – so, das muss reichen. Nachdem das alles nicht passiert ist, passiert am Ende eventuell einfach überhaupt nichts mehr, diese Sternstunde der Philosophie sollte vielleicht noch erwähnt werden.
Die restliche Zeit nutze ich lieber, mit der Autorin ein ernstes Wörtchen reden.

Liebe hobbes,
dieser Beitrag ist natürlich eine einzige Frechheit. Statt brav die Figuren auf die Bühne zu schubsen und sie zur Entwicklung einer gesprächsbasierten Handlung zu motivieren, die irgendwo hinführen könnte, zumindest theoretisch, boykottierst du sie, ersetzt sie durch eine Erzählerin, die dem Publikum mal das abgekartete Spiel erläutert, wie ein „Making of“, das einem die Lust auf den eigentlichen Film verderben soll. „Ja, ja, ja“, „nein, nein, nein“, „Ja aber, ja aber, ja aber“ - diesen Quatsch macht sie nicht mit. Hier bleibt nur noch „aber, aber, aber“ übrig, denn nur so improvisiert es sich wirklich frei von irgendwelchen Regeln. Die Vorgaben werden natürlich beachtet, die sind so nutzlos wie irgendwelche anderen, wie in Gummistiefeln am Rand rumzustehen oder in einem Tretboot auf der Flut innezuhalten. Der Text ist sogar größtenteils ganz lustig worden, einer im Publikum lacht jedenfalls des öfteren, aber selbst das ist der Erzählerin in ihrer Stinkefingerigkeit wurscht, denn hey, FFF, da ist jede Hoffnung auf ein nicht-enttäuschendes Ende vergebens, und das wird vorsichtshalber noch betont, damit es ganz sicher hängenbleibt.
Punkte hat diese Erzählerin eigentlich nicht verdient, der Text wird aufgrund seiner kleinen improvisatorischen Glanzmomente im Rahmen des Wettbewerbs aber doch einige bekommen.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2755

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 23.09.2019 20:12    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour



Ich vermute als Vorgaben: 1A / 2A-C / 3A-C

Es war nicht verboten, mehrere Vorgaben in seinen Text einzuweben, anstelle nur jeweils einer von den dreien. Insgesamt ließen es die Vorgaben zu, diese zu kombinieren. Soweit so gut.
Aber: Ich lese hier eine Vermischung der Vorgaben 2 und 3, die mir als zu viel, zu überfrachtet und zu "unspezifisch" rüber kommt, vor allem mit der Meta-Ebene des Schreibprozesses, Adressierens an Leser bezüglich worum es nicht geht oder doch geht, inklusive Möglichkeiten, die eine Handlung nehmen kann, verschiedener Motivationen der Protagonisten und des generellen Bezugs zum FFF, macht für mich das Geschilderte zu beliebig.
Zu Beginn noch behäbig, etwas zu viel Katze, dann zum Finale hin eher abgehackt zwischen den Vorgaben à la Namedropping springend, verlierst du mich leider in der für mich aufkommenden Hektik.
Der beste Satz, weil so treffend: "Wer will das lesen."
Ja. Wer? Ich bin mir da nicht sicher. Mir hat es leider keinen Spaß gemacht zu lesen, auch wenn ich das Ambitionierte sehe und auch anerkennen muss.
Vom Erzählton gut, aber das war's dann auch. Es tut mir leid.

Im Vergleich mit den anderen Beiträgen hast du es leider nicht in meine Top 10 geschafft: zéro points.

Merci beaucoup
Constantine
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6038
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 23.09.2019 22:54    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir recht gut, diese tatsächlich ja improvisierte Geschichte, die ihr Entstehen mit thematisiert. Ein bisschen klingt's nach Verballhornung, aber das darf ja sein, nicht?

Die verschwundene Enkelin ist (auf dem Dachboden) ein wenig untergegangen.
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poetnick
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 57
Beiträge: 504
Wohnort: Möglichkeiten


BeitragVerfasst am: 25.09.2019 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco,

Dein Text ist nicht in meine Punktewertung geraten. Das soll nichts über dessen Qualität aussagen, sondern obliegt meiner neigungsbedingten Entscheidung unter den vielen Einsendungen. Vielen Dank!

LG - Poetnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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traumLos
Schreiberling


Beiträge: 294



BeitragVerfasst am: 26.09.2019 21:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inco

Diese Geschichte, wenn es sie denn gäbe, muss in Bielefeld geschrieben worden sein. Anders lässt sich nicht erklären, dass sie sogar bis zum Ende; leider weiß ich nicht, wie ich sonst sagen soll, dass Schluss ist, obwohl es im eigentlichen Sinne kein Ende hat. Was ich aber wirklich sagen wollte, irgendwas mit minus mal minus, damit wenigstens Bielefeld einen, spielt aber keine Rolle.


_________________
Meine Beiträge geben nur meine Meinung wieder. Jede Einbeziehung realer oder fiktiver Personen wäre nur ein Angebot. Zwinkersmiley
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Eliane
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 674



BeitragVerfasst am: 27.09.2019 00:48    Titel: Antworten mit Zitat

Vorgaben:
1) Flussufer/Spa/Tankstelle -> Fluss. Check.
2) kontaktfreudige/glückliche/Ruhm kassierende Person -> das wäre dann wohl Margot, die Dauerratgeberin smile
3) Verliebtheit/Enttäuschung/Ekel -> seit der Grundschule. Ja. Oder doch nicht, weil es ja gar nicht so war? smile extra

Bewertung:
Ab hier
Zitat:
aber keine Sorge, das tut in dieser Geschichte niemand (soweit ich weiß).

hast Du mich gehabt. Und was hab ich gelacht! Zum Beispiel hier
Zitat:
die alten Gummistiefel von Opa Erich (tot) und ging laut nach der Enkelin (Karoline) rufend Richtung Fluss.

oder hier
Zitat:
Und keine zwei Minuten (normalerweise länger, aber hey, FFF)


Ich finde Deine Idee großartig, das Pferd quasi von hinten aufzuzäumen und die Geschichte durch ihr Gegenteil zu erzählen. Hätte schiefgehen können, ist es aber nicht, und das beruht auf dem locker-flockigen Erzählstil, der die vollkommene Unlogik des Ganzen gekonnt absurd verkauft. Mag ich. Unheimlich gern.

Punkte: Und ob - und zwar 8.
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Terhoven
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Beiträge: 380



BeitragVerfasst am: 27.09.2019 08:10    Titel: Antworten mit Zitat

Diesen Text würde ich als Brainstorm einordnen. Ja, da sind ein paar gute Ideen dabei.
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Bananenfischin
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Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 27.09.2019 14:30    Titel: Antworten mit Zitat

Wieder einmal war ich begeistert, was für Texte in zweieinhalb Stunden entstehen können: Geschichten mit schlüssiger Handlung, rotem Faden, guten Dialogen, aber auch stilistisch ausgefeilte Texte, innere Monologe und Betrachtungen (oder beides). Die Punktevergabe in den oberen Rängen fiel mir leichter als die in den unteren. Aus Zeitmangel kann ich keine ausführliche Begründung dalassen, will aber kurz sagen, was mir an jedem bepunkteten Text gefallen hat.
Dieser Text gefällt mir vor allem wegen seines Stils sehr gut (ich mag die Anmerkungen in Klammern). Am Ende wird es mir dann aber ein bisschen zu viel (die Anspielung auf den FFF).
7 Punkte von mir.


_________________
»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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fabian
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BeitragVerfasst am: 27.09.2019 19:56    Titel: Re: Was nicht passiert ist Antworten mit Zitat

Hei Gei Achtzehn

Bis auf ein paar Ungenauigkeiten (z.B.: seit wann krähen Krähen?), von denen ich fast vermute, dass sie absichtlich eingestreut worden sein könnten liest sich dieser Text über das Schreiben einer Geschichte unter Berücksichtigung vieler guter Ratschläge und Anweisungen wunderbar leicht und flüssig und ich fühle mich wie Theo in seinem Tretboot, einen mäandernden Fluss von Assoziationen immer weiter hinunter treibend, einem Strom von Seifenblasen hinterher schauend (ich, nicht Theo), und mit Margot habe ich einen Moment der Erkenntnis, das Ende ist erreicht, es hat Nachtisch gegeben, Zitronenrolle vom Feinsten, leicht, locker, luftig – ich könnte immer weiter schwärmen aber irgendwann muss auch mal Schluss sein und deshalb schmeiß ich jetzt wie Hans im Glück die Last meiner douce points gleich nach dem ersten Durchgang von mir, leg mich fest und in die Abendsonne und träume. Von Lust und Leichtigkeit, von Entspanntheit und Neugierde, vom Spaß, den ich beim Schreiben auch so gerne hätte.
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 27.09.2019 23:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Auch hier noch mal: Danke!

Ich finde die Wettbewerbe hier unter anderem auch deshalb immer so spannend, weil ich hinterher oft zwischen den Punkten:
Welchen Text haben die eigentlich gelesen?
und
Das habe ich geschrieben?
schwanke. Wobei das ja irgendwie ein bisschen das gleiche ist. Was ich so ungefähr damit meine: Ich bin ja immer fürchterlich schlecht darin, auf so Fragen wie: Was für Geschichten schreibst du denn? oder Um was geht es denn eigentlich? zu antworten und bin daher immer sehr erleichtert, wenn mir andere Leute Antworten darauf geben. Die dann nicht unbedingt immer mit dem übereinstimmen, was für mich den Text ausmacht (was ich zwar nicht benennen könnte, aber natürlich trotzdem weiß), aber das kann ja auch (oder erst recht) hilfreich sein.

Jedenfalls hätte ich nie damit gerechnet, jemals jemanden mit einem Text zum Lachen zu bringen. Ich hatte allerdings selbst ziemlich viel Spaß beim Schreiben smile

Außerdem hatte ich vorher gerade Wir gegen euch von Fredrik Backman gelesen und fand die Erzählstimme dort (und was sie mit mir beim Lesen gemacht hat) ziemlich spannend. Da war ziemlich viel "und dann wird noch dies passieren" "aber das nicht" und ich dachte zuerst, ich mag das, aber am Ende war ich mir doch nicht mehr sicher, denn es fühlt sich dann doch ziemlich nach Manipulation an, vor allem in der geballten Menge.
Jedenfalls hatte ich das noch so im Kopf. Ich habe jetzt nicht gedacht, Oh, FFF, super Möglichkeit, das selbst mal auszuprobieren, so funktioniert Schreiben bei mir nicht, aber so im Hinterkopf war es vielleicht doch genau das oder zumindest ein bisschen was davon.

 Ein bisschen ärgere ich mich ja darüber, den Teil mit "Nein, auch kein Selbstmord*" herausgenommen zu haben
*winkt zu BN
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3203

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 29.09.2019 18:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

MoL hat Folgendes geschrieben:
Was bleibt, ist Begeisterung und Anerkennung für den Mut.

Das ist mir ja schon öfter passiert, dass Leute mir Mut attestieren. Und ich dann so denke: Hä? Was war denn daran mutig?
Aber Begeisterung verstehe ich natürlich Cool lol
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 29.09.2019 18:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

V.K.B. hat Folgendes geschrieben:
Ich liebe es!

Hallo nochmal smile,
das (zitierte) und die damit verbundenen 12 Punkte hätte ich nun auch nicht unbedingt von dir erwartet smile

Freut mich jedenfalls smile

(du liebe Zeit, drei Smileys in nicht viel mehr als 200 Zeichen. Wo soll das hinführen)
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