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Siedlung am Waldrand

 
 
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jaeani
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 159

Der bronzene Durchblick


Beitrag14.10.2018 18:00
Siedlung am Waldrand
von jaeani
eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

»Nicht alles ist anders, siehst du? Ein paar der Bäume stehen noch. Da hinten, die Rotbuche. An der hing die Schaukel, weißt du noch, Papa?«
»Einfach nur hässlich, diese Betonklötze. Ich wette, von innen sehen die genauso aus. Sichtbeton, oder wie sie den Scheiß nennen. Auf eine Wand gehört Farbe drauf, Donnerschock noch mal. Und in jedem zweiten Garten eins dieser Springdinger. Immer schön mit Netz drum herum, damit den kleinen Hosenscheißern nichts passiert.«
Mit der flachen Hand schlug der alte Mann auf die Armlehnen des Rollstuhls. Blaue Adern lagen wie Regenwürmer unter der dünnen Haut. Der alte Mann, jetzt dachte sie schon genauso wie Reiner und die Kinder. Schuldbewusst beugte Klara sich nach vorne und tätschelte die Hand ihres Vaters. Auf seiner Wange standen einzelne Barthaare. Wie viel Zeit die wohl fürs Rasieren übrig haben? Ein muffiger Geruch stieg von ihrem Vater auf und Klara richtete sich schnell wieder auf. Wahrscheinlich nicht mehr Zeit als fürs Waschen. Drei Minuten oder so? Wenn überhaupt.
 »Jetzt schieb doch mal schneller. Die denken sonst noch, wir würden denen in die Stube gucken. Wieso sind wir überhaupt hier? Die Tochter vom Gohlke nebenan geht mit ihrem Vater Eis essen, wenn sie ihn besucht. Und außerdem kommt die mit ihrem Mann und den Kindern.«
»Reiner kann heute nicht, Papa. Fußballspiel. Guck mal, das Haus da vorne. Da stand früher die Scheune, oder?«
»Meine Enkelkinder habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Genauso wenig wie deinen Mann. Immer kommst du allein. Habt ihr Streit?«
Nur sonntags, wenn es heißt ›Heimbesuch bei Opa‹, denkt Klara, und dass sie die Kinder und Reiner voll und ganz verstehen kann. Dass sie ihren Sonntag auch lieber zu Hause im Garten verbringen würde, im Liegestuhl mit einem Buch oder auf den Knien im Gemüsebeet. Dass ihr Vater seit dem Tod von Mama kaum noch zu ertragen ist und wie ein Fremder wirkt. Dass er sich genauso verändert hat, wie der Wald durch den sie jetzt laufen, wo statt Bäume Straßenschilder wie ›Zur Linde‹ oder ›Am Eichenkopf‹ stehen und eine Stadtvilla sich an die andere reiht. Vielleicht war es ein Fehler hierher zu fahren. Nichts erinnerte mehr an ihre Kindheit. Sie könnte nicht einmal mehr sagen, wo das Haupthaus gestanden hat, wo die Stallungen oder der Blumengarten. Von dem kleinen Wald, der hinter dem Elternhaus begann und die Koppeln umzäunte, war nichts mehr übrig. Nur noch die Rotbuche dort hinten.
»Du hast recht, Papa«, sagte Klara und wendete den Rollstuhl. »Die Bäume hätten sie stehenlassen sollen. Wenigstens ein paar.«
Wenn sie zu Reiners Eltern fahren, war es ganz anders. Dort stand alles noch, das Haus, die Eltern, der Springbrunnen im Vorgarten, an dem sich Reiner in der Kindheit den Schneidezahn ausschlug. ›Erinnert ihr euch noch‹, fing Hilde gerne an, wenn jeder mit Kuchen und Getränken versorgt war, ›erinnert ihr euch noch an damals, als‹. Klara pulte dann gerne voller Konzentration mit ihrer Gabel die Zuckerkrümel vom Butterkuchen, den Kopf gesenkt, damit niemand ihr Gesicht sah. Reiners Kindheit war beweisbar. Die Kerben im Türrahmen zur Küche, wo zu jedem Geburtstag gemessen wurde. Die Delle im Garagentor vom ersten Mofa. Reiners altes Zimmer mit der Matchbox-Sammung, in dem jetzt Tim und Benjamin schliefen, immer wenn sie zu Besuch kamen. Fuhren sie zu Opa Gerd und Oma Hilde musste Klara nie betteln. Da standen die Kinder abfahrbereit an der Haustür, mit einem Strahlen in den runden Gesichtern. Opa Gerds Eisenbahn im Keller war halt besser als der andere Opa, der alte Mann, der sich nicht mal an die Namen erinnern konnte.
Ihre Kindheit konnte Klara nur anhand von Fotos belegen. Ansonsten war alles weg, bis auf die Rotbuche dort hinten. Bald würde auch der alte Mann weg sein. Klara starrte auf die dünnen Haare ihres Vaters und versuchte ein Gefühl des Bedauerns heraufzubeschwören. Stattdessen empfand sie etwas, das sich am ehesten als Erleichterung beschreiben ließ. Erschrocken beschleunigte Klara ihren Schritt, schob ihren Vater an dem großen Schild vorbei, auf ihren Kombi zu, der in der ›Kastanienstraße‹ im Wendehammer parkte. ›Siedlung am Waldrand‹, stand auf dem Schild. Klara warf einen letzten Blick zurück. Welcher Waldrand? Welcher Wald?

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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1882
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


Beitrag15.10.2018 08:19

von MoL
Antworten mit Zitat

Absolut klasse!

Michel, bist Du es?

Wer auch immer Du bist, lieber Inko: Chapeau!
Deine Geschichte ist meine Nummer 2, sehr sehr gut gelungen! Smile


_________________
NEU - NEU - NEU
gemeinsam mit Leveret Pale:
"Menschen und andere seltsame Wesen"
----------------------------------
Hexenherz-Trilogie: "Eisiger Zorn", "Glühender Hass" & "Goldener Tod", Acabus Verlag 2017, 2019, 2020.
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris 2019.
"Der Zorn des Schattenkönigs", Legionarion Verlag 2021.
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Kiara
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 43
Beiträge: 1642
Wohnort: bayerisch-Schwaben


Beitrag15.10.2018 10:13

von Kiara
Antworten mit Zitat

"Blaue Adern lagen wie Regenwürmer unter der dünnen Haut".
gefällt mir.
"Wenn ich alt bin, schimpfe ich auch nur herum", hat ein ehemaliger Kollege mal zu mir gesagt - daran wurde ich durch deine Geschichte erinnert.
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lebefroh
Geschlecht:weiblichEselsohr
L

Alter: 42
Beiträge: 383
Wohnort: Berlin
Der bronzene Durchblick


L
Beitrag15.10.2018 11:41

von lebefroh
Antworten mit Zitat

Das gefällt:

Zitat:
Reiners Kindheit war beweisbar.


Zitat:
Blaue Adern lagen wie Regenwürmer unter der dünnen Haut.


Der Text ist flüssig geschrieben, liest sich gut. Die Stimmung und die Sehnsucht nach etwas, das nicht mehr existiert, werden gut transportiert.

Die Idee mit den Straßennamen gefällt mir auch gut.

Insgesamt aber finde ich das die Geschichte so dahinplätschert. Irgendetwas Überraschenderes oder Ungewöhnliches hätte ich gebraucht, um sie besonders zu machen. Deswegen haben andere Geschichten von mir mehr Punkte bekommen, obwohl ich diese hier sprachlich gut finde.
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rncw
Geschlecht:weiblichWortedrechsler


Beiträge: 92
Wohnort: Wonderland


Beitrag15.10.2018 21:41

von rncw
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Schöner Kontrast, wie verschieden das Leben bzw. die Leute im Alter sein kann/können. Authentischer Schreibstil. Nachvollziehbar und... traurig.

_________________
Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
Denn sie stahl den Rest der Liebe
Die mir noch im Herzen blieb.

Dir hat sie ihn übergeben
Meines Lebens Vollgewinn,
Daß ich nun, verarmt, mein Leben
Nur von dir gewärtig bin.

Doch ich fühle schon Erbarmen
Im Karfunkel deines Blicks
Und erfreu in deinen Armen
Mich erneuerten Geschicks.

(J. W. Goethe, Hatem)
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V.K.B.
Geschlecht:männlich[Error C7: not in list]

Alter: 49
Beiträge: 5343
Wohnort: Nullraum
Das goldene Rampenlicht Das silberne Boot
Die lange Johanne in Silber Goldene Gabel
Goldenes Licht Weltrettung in Silber


Beitrag15.10.2018 22:45

von V.K.B.
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Hallo Inko,
gleich am Anfang stutzte ich und hab nochmal in die Vorgaben geschaut. Meiner Erinnerung nach scheint das wirklich der einzige Text zu sein, der mit dieser Variante anfängt (wobei ich einen noch nicht gelesen habe).

Zur Geschichte: Gut geschrieben, wenn auch bitter, aber gefällt mir.  Du beschreibst und zeigst sehr anschaulich und bildlich, man kann sich alles ganz genau vorstellen und kriegt ein völlig klares Bild, sprachtechnisch also nichts auszusetzen. Der abgeholzte Wald, von dem nichts mehr übrig ist, toll verwendet als Metapher für die Vergangenheit deiner Protagonistin. Der alte Mann tut mir trotzdem leid, auch wenn er nur ein weiteres kaputtes Relikt ihrer Vergangenheit ist. Dement wirkt er auf mich aber nicht, und völlig unsympathisch auch nicht. Klar, er meckert viel rum, aber hat auch allen Grund dazu, denke ich. Noch ein Charakter, den die Zeit überrollt und zum unerwünschten Relikt gemacht hat, findet man in mehreren Geschichten hier (und passt ja auch zum Thema).
Aber auch die Protagonistin kann ich verstehen, und natürlich die Kinder. Gefällt mir, dass hier niemand zu "falsch" abgestempelt wird. Die Dinge sind eben, wie sie sind, und nicht, wie man sie gerne hätte. Und das gilt gleichermaßen für alle hier. Hat mir sehr gefallen.

Punkte vergebe ich erst, wenn ich alles gelesen habe.
beste Grüße,
Veith

Edit: 6 Punkte von mir


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Catalina
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 50
Beiträge: 419
Wohnort: Berlin


Beitrag16.10.2018 16:57

von Catalina
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Die Geschichte hat bei mir funktioniert, ich bekam beim Lesen ein ganz schales Gefühl. Angenehmer Stil, das Thema ist auch gut umgesetzt.

Gutes Mittelfeld.
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d.frank
Geschlecht:weiblichReißwolf
D

Alter: 43
Beiträge: 1198
Wohnort: berlin


D
Beitrag16.10.2018 18:20

von d.frank
Antworten mit Zitat

Das ist routiniert geschrieben
Die Bäume, das sind im übertragenen Sinne wohl die Mitglieder? Und der Wald, das ist dann vielleicht die Familie? So richtig will das nicht passen.
Klar, da ist auch der echte Wald, die Erinnerungen, aber eigentlich ist da fast gar nichts mehr, weder vor Ort, noch zwischen Vater und Tochter.
Mag sein, dass die Tochter den Wald nicht sieht, weil sie die riesigen Bäume einer trostlosen Kindheit  vorm Kopf hat. Ah, ich nähere mich an. smile
Trostlos ist das auf jeden Fall und ohne verstellten Blick müsste es vielleicht nicht trostlos sein?


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Heidi
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 41
Beiträge: 1435
Wohnort: Hamburg
Der goldene Durchblick


Beitrag16.10.2018 18:56

von Heidi
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Vater und Tochter schwelgen in Erinnerungen an damals, als es noch den Wald gab, den es jetzt nicht mehr gibt (überhaupt an damals, das Heute ist in der Geschichte weniger wichtig). Streng genommen wäre das hier eine Geschichte, die nicht von einem Wald ohne Bäumen erzählt, sondern von einem Wald ohne Wald.

Und dann ist da noch die Erkenntnis am Ende, dass der Vater irgendwie auch stört, oder eher, dass in Klara bei dem Gedanken, dass ihr Vater auch in naher Zukunft sterben wird (vermutlich), Erleichterung aufkommt. Eine Story mit Aussage, also der Aussage, dass junge Menschen Altes weghaben wollen (überspitzt ausgedrückt). So ungefähr.
Mir ist das inhaltlich etwas dünn und Aussagen/Botschaften in Texten sind nicht so mein Ding; es kommt nicht so recht ein Gefühl auf in mir bzw. ist die Geschichte dann zu Ende, wenn dann ein unangenehmes Gefühl einsetzt. Der Text fesselt mich nicht von der ersten Zeile an.
Weiß nicht. Erste Gedanken dazu erst mal.

Tage später:
Und weitere wollen gerade nicht kommen. Aber: Es sind noch 3 Punkte übrig; die kannst du haben.
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Lapidar
Geschlecht:weiblichBücherwurm

Alter: 60
Beiträge: 3341
Wohnort: in der Diaspora


Beitrag16.10.2018 19:04

von Lapidar
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Erschreckend ehrlich... Interessante Umsetzung des Themas. Gefällt mir.

_________________
"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
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Poolshark
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 40
Beiträge: 903
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Wohnort: Berlin


Beitrag17.10.2018 10:37

von Poolshark
Antworten mit Zitat

Eine unaufgeregte Geschichte über Familie und Veränderung. Du hast es geschafft, beide Seiten darzustellen. Die neue Welt ist schwer für Opa, aber Opa macht es der Welt auch ganz schön schwer.

Die Umsetzung halte ich für rund, aber ich werde trotzdem nicht viele Punkte dafür übrighaben, weil es mir nur wenig Neues aufzeigt. Vielleicht auch deshalb, weil es mich so traurig zurücklässt.


_________________
"But in the end, stories are about one person saying to another: This is the way it feels to me. Can you understand what I'm saying? Does it also feel this way to you?"
-Sir Kazuo Ishiguro
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d.frank
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D

Alter: 43
Beiträge: 1198
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D
Beitrag17.10.2018 18:22

von d.frank
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8 Punkte

Wald ohne Bäume und ziemlich trostlose, vernebelte Sicht, passt.


_________________
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Michel
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Beitrag19.10.2018 22:11

von Michel
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Puh, wilder Tempuswechsel. Ich würde mich auf Gegenwartsform schmeißen, diese Geschichte wäre unmittebarer erlebbar. Eigentlich ein kleines Stück Alltag, in das Du ein ganzes und ein halbes Leben hineingepackt hast. Pferdehof? Jedenfalls Landwirtschaft, dann Verkauf und Erschließung als Bauland. Von Vaters Werk ist nichts geblieben. (Offenbar auch kein Geld, die Tochter fährt nichts Schickes.) Aber in seiner kleinen, umgrenzten Weise gefällt mir dieses Stück verlorenes Leben ausgesprochen gut, bringt das Verlieren näher als die Weltuntergangsszenarien anderer Geschichten.
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shatgloom
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Beitrag20.10.2018 15:28

von shatgloom
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Berührende Geschichte, wie die Tochter ihren alten Vater im Rollstuhl durch die frühere Heimat fährt, die so total verändert ist. Auch die Schwierigkeit der Beziehung der Familie der Tochter zum alten Vater ist hier gut geschildert. In vielen Familien mag es ähnlich zugehen.
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Tjana
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Beitrag20.10.2018 17:31

von Tjana
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Naheliegend, abgeholzte Wälder / Bäume mit ebenso verlorener Kindheit zu verknüpfen.
Das meine ich keineswegs abwertend. Hier ist es gut gelungen mit feiner Sprache. Dazu noch ein Schilderwald ohne Bäume.
Solide Geschichte.


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
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Nihil
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Moderator
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Beiträge: 7629



Beitrag22.10.2018 13:49

von Nihil
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Das ist ein ganz nettes Erzählüngchen ohne TamTam und Rambazamba, wodurch es einerseits besticht, wovon es andererseits aber durchaus eine Messerspitze voll hätte vertragen können. So geschrieben, hat der Text die Minimalanforderungen des Wettbewerbsthemas zwar erfüllt, liefert aber darüber hinaus nichts, was keine schnell beifußspringende stereotype Charakterisierung wäre – bei der Zeitknappheit natürlich verständlich, aber dennoch. Der Opa ein Griesgram im Rollstuhl, wie er im Buche steht (und nicht nur in einem), die Tochter bedauert auf einem Pflichtbesuch mal hier und da jenes und dieses. Schnitzer oder Aufreger finde ich ebenso wenig wie Zungenschnalzer.

Stiftung Warentest sagt: Normal. Im Vergleichstest schnitten X Produkte besser bzw. schlechter ab.
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menetekel
Geschlecht:weiblichExposéadler

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Beiträge: 2355
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


Beitrag22.10.2018 16:06

von menetekel
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Gruezi,
mir scheint die Schlussfolgerung nicht falsch, das Ende der Wälder an ein Ende der ("beweisbaren") Erinnerungen zu knüpfen, also letztlich an ein Ende von allem.
Interessant auch die Schuldweisung zu einem der Opfer. Daumen hoch

Insgesamt ist mir der Text einen Tic zu rührselig; vermutlich ist das aber eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Liebe Grüße
m.


_________________
Alles Amok! (Anita Augustin)
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Eliane
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 849



Beitrag23.10.2018 21:29

von Eliane
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Ähnliches Thema wie bei dem Text vorher("Schattenwurf"): Mit dem Wald verschwindet die Geschichte. Und ebenfalls brillant umgesetzt, die Straßenschilder als einziges Überbleibsel der Bäume. Liest sich flüssig und stilistisch sicher, die Personen charakterisieren sich schon durch ihre Sprache. Das Einzige, das mich stört, sind die rhetorischen Fragen am Ende, die hätte ich weggelassen, weil ich glaube, "›Siedlung am Waldrand‹, stand auf dem Schild." hätte einen stärkeren Schluss hergegeben.

Meine 12 Punkte.
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Constantine
Geschlecht:männlichBücherwurm


Beiträge: 3433

Goldener Sturmschaden Weltrettung in Bronze


Beitrag25.10.2018 18:06

von Constantine
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Bonjour!

Eine schöne Umsetzung der Vorgaben. Ich mag diesen Kontrast der beiden Kindheiten, die gegenübergestellt werden, mit der Gegenwart.
Insgesamt eine runde Sache das Ganze. Hab den Text gern gelesen.

Punkte? Wir werden sehen.

Merci beaucoup
Constantine
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 897



Beitrag26.10.2018 12:29

von Malaga
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Diese Umsetzung des Themas gefällt mir, auch die Melancholie des Textes. Für den engen Zeitrahmen eine schöne Geschichte.
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nebenfluss
Geschlecht:männlichShow-don't-Tellefant


Beiträge: 5400
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


Beitrag26.10.2018 12:59

von nebenfluss
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Klara schiebt ihren verbitterten Vater im Rollstuhl durch die Siedlung am Waldrand, in der sie aufgewachsen ist. Umsetzung des Themas ähnlich wie bei "Der Mann und der Wald": Ein Wald, den es nicht (mehr) gibt, wird als existent behauptet - hier allerdings nicht vom Baubeamten, sondern nur von einem Schild, einer Namensgebung, wie sie in unzähligen Fällen nicht mehr zutreffend ist. Auch ist die Erzählung etwas widersprüchlich, ob denn da noch ein paar Bäume stehen, oder gar keiner, auf jeden Fall ja doch noch die Rotbuche. Von daher eher "Baum ohne Wald" als "Wald ohne Bäume".
Mittelfeld, wird wohl auf den sechsten Platz hinauslaufen.


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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