Plot

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Der Plot beschreibt die Handlung einer Geschichte. Handlungen gibt es, wie es Geschichten gibt: Krimis, Abenteuer, Liebesgeschichten – in allen passiert etwas.

Figuren handeln und treiben damit die Geschichte vorwärts, weil sie Ziele haben, die sie erreichen möchten. Das können ganz einfache sein, wie zur Arbeit gehen oder Essen einkaufen, oder weltbewegende, wie einen Krieg gewinnen, eine Krankheit bekämpfen oder einen Mörder zu fangen. Ziele alleine aber erzeugen keine Spannung. Die entsteht erst durch einen Konflikt, ein Widerstand, der die Figur verhindert, ihr Ziel zu erreichen. Wenn es Ziele gibt, muss eine Figur eine Motivation haben, um ihr Ziel erreichen zu wollen. Eine weitere Zutat zum Plot ist die Änderung. Die Situation der Figur zu Beginn sollte sich am Ende der Geschichte geändert haben.

Der Plot fasst also die Aktionen der Leitfiguren zusammen, die auf ihren Motivationen und Zielen basieren, von Anfang bis zum Ende.

Es ist ratsam, sich den Plot vor dem Schreiben zu überlegen, als Anhaltspunkt, wo die Reise hingehen soll.

Inhaltsverzeichnis

Wie fange ich an?

Wie gesagt, ohne handelnde Figuren keine Geschichte. Das Minimum ist ein äußeres Ziel einer Leitfigur und etwas, das diesem Ziel entgegensteht, denn ohne Konflikt auch keine Story. Eine Geschichte handelt von der Lösung eines Problems. Dabei kann sich die Geschichte sich um ein von außen ausgelöstes Problem handeln, zum Beispiel um ein Verbrechen oder ein Hurrikan, oder um einen inneren, psychischen Konflikt wie die Bewältigung einer Sucht oder die Verfolgung eines Lebenstraums.

Zumindest die Leitfiguren agieren und reagieren aufgrund von Ereignissen, die entweder von außen oder von ihren inneren Bedürfnissen ausgelöst werden. Am Ende sollte mindestens eine Leitfigur mindestens eins ihrer Ziele erreicht haben.

Es empfiehlt sich folgende Vorgehensweise, um ein Konzept für einen Roman oder für eine Kurzgeschichte zu erstellen:

  1. Bestimme das Genre deines Romans. Was willst du eigentlich schreiben? Einen Krimi oder Urban Fantasy? Es macht keinen Sinn, einen kombinierte Krimi/Liebesroman/Reiseerzählung schreiben zu wollen, denn damit können Verleger wenig anfangen. Damit geht auch die Bestimmung der Kernfrage einher.
  2. Bestimme Wessen Geschichte du schreiben willst, und gegebenenfalls, was das Thema und die Prämisse sein soll. Was willst du zeigen? Fasse das in der Pitch zusammen.
  3. Erstelle ein Figurenprofil, indem du Eckdaten wie Aussehen, Alter, Erziehung, wesentliche Charakterzüge, Ziele und Konflikte der Person aufschreibst. Mache das für jede tragende Figur, Protagonisten wie Antagonisten gleichermaßen. Willst du Figurentiefe, dann frage: Was erträumt die Figur sich? Was braucht sie wirklich, um glücklich zu werden? Der Unterschied zwischen äußerem Ziel (Traum) und der inneren Notwendigkeit (Braucht) ergibt den sogenannten inneren Konflikt. Der innere Konflikt birgt die Motivation für die Figur in einer bestimmten Weise zu handeln.
  4. Bestimme die Entwicklung, die deine Figuren durchlaufen sollen, falls sie sich im Verlauf der Geschichte verändern sollen. Diese Entwicklung basiert auf dem inneren Konflikt, den du bei Punkt 2 erarbeitet hast. Am Ende sollte er gelöst sein. Viele Serienhelden, darunter fallen vor allem Kommissare und Detektive, allerdings verändern sich nicht.
  5. Bestimme den äußeren Konflikt, der zumeist in Form einer Person auftritt, aber auch z.B.: die Natur sein kann. Der äußere Konflikt steht dem Ziel der Figur entgegen.
  6. Skizziere einen Plot. Ein Plot ist immer eine chronologische Abfolge von Handlungen, die im Kausalzusammenhang stehen, d.h. eine Handlung bedingt die nächste.
  7. Bestimme die Perspektive der Geschichte. Im Normalfall wird die Geschichte aus der Sicht der Person(en) geschrieben, die am meisten zu verlieren haben. Gängige Perspektiven sind der Ich- und der Er/Sie Erzähler. Willst du einen objektiven Erzähler oder einen subjektiven? Mit der Perspektive einher geht auch die Erzählform, ob du mehr berichtend oder mehr erlebend schreiben willst.
  8. Bestimme das Ende. Schreibe immer mit dem Ende vor Augen.
  9. Schreibe deine Story und passe gegebenenfalls Plot an Story und umgekehrt an.

Beispiel

Bleiben wir beim einfachen Plot. Helmut will auf die Arbeit in die Stadt fahren, um Geld zu verdienen. Das erste ist sein Ziel (zur Arbeit), das zweite seine Motivation (Geld verdienen). Beides nennt man äußere Ziele und äußere Motivation. Eine Geschichte entsteht dann, wenn der Autor Helmut Schwierigkeiten in den Weg wirft: Auf dem Weg zur Arbeit platzt ein Reifen. Was macht Helmut dann? Er wird seinen Charaktereigenschaften entsprechend reagieren. Fluchen, weinen, ruhig bleiben. Im Kofferraum ist leider kein Wagenheber. Was macht Helmut jetzt? Er will Hilfe rufen, und sein Telefon gibt den Geist auf. Verzweifelt er? Er hält ein Auto an ... Schon haben wir eine einfache Geschichte konstruiert und am Ende lassen wir einen entnervten Helmut bei der Arbeit auftauchen - oder auch nicht.

So nett das schon ist, viel interessanter wird die Geschichte, wenn wir uns sein inneres Anschauen. Er will Geld verdienen, aber nun fragen wir warum. Ist Helmut ein Normalverdiener? Macht es überhaupt etwas, wenn er nicht pünktlich ist? Oder ist er ein Unternehmer, dem ein Millionen Deal durch die Lappen gehen wird? Warum wäre das tragisch für ihn? Oder ist er ein Langzeitarbeitsloser, der endlich eine Chance wieder bekommt und nun sein Leben quasi auf dem Spiel steht?

Bleiben wir beim letzten Beispiel: Helmut will auf die Arbeit in die Stadt fahren, um Geld zu verdienen (Äußeres Ziel, äußere Motivation) Langzeitarbeitsloser bekommt zweite Chance und fährt zur neuen Arbeitsstelle. (Inneres Ziel: zweite Chance, innere Motivation: Langzeitarbeitslosigkeit). Sofort hat sich das Drama erhöht und wir haben das Grundskelett unseres Plots.

Strukturen

Natürlich kann man eine Geschichte auch völlig ohne Struktur erzählen, indem man irgendwo anfängt und irgendwo aufhört. Trotzdem lehrt die Erfahrung, dass Geschichten bestimmte Strukturen aufweisen. Die klassischen Handlungsaufbauten sind der Dreiakter und der Fünfakter. Daneben gibt es noch den Vierakter. Die Struktur hat unmittelbaren Einfluss auf die Form des Spannungsbogens.

Linear und Nicht-linear

Als linearen Plot bezeichnet man eine überwiegend chronologische Abfolge von Szenen. Rückblenden und Zeitverschiebungen können vorkommen, müssen aber dem Fortschritt der Handlung und der Lösung des Konflikts dienen.

Nicht-lineare Plots zeichnen sich durch die Unterbrechung der Chronologie der Sequenzen aus. Als Sortierkriterium der Reihenfolge von Szenen werden der Spannungsaufbau oder andere Kriterien benutzt. Nicht-lineare Plots finden sich vor allem in der experimentellen Literatur.

"Die Frau des Zeitreisenden" von Audrey Niffenegger ist ein Beispiel für einen Nicht-linearen Plot.

Daneben gibt es noch scheinbar völlig losgelöste Konzepte, die wie ein Aneinanderreihen von Kurzgeschichten wirken - aber auch die haben einen roten Faden.

Einakter

Die Struktur einer Novelle bietet einen ansteigenden Spannungsbogen, der zum Ende hin steil abfällt. Es gibt keine Akte, das Buch spielt in einem Akt sozusagen. Kurzgeschichten werden ebenfalls linear aufgebaut.

Rahmenstruktur

Die Rahmenstruktur hat mindestens zwei Handlungsstränge, einen Binnenhandlung und eine Außenhandlung, wobei die letztere die erstere umfasst.

Dreiakter

Der Dreiakter ist die einfachste Gliederung von Geschichten und findet in vielen Varianten ihre Anwendung. Ein Anhaltspunkt für die Länge der Akte ist: Akt 1 nimmt ungefähr ein Fünftel der Geschichte ein, während Akt 3 ein Viertel der Gesamtgeschichte ausmacht. Das Mittelstück ist demnach das längste Teil. Der Spannungsbogen ist nicht linear sondern vielmehr wellenförmig.

Akt 1: Der Anfang

Jede Geschichte hat einen Anfang. Aber wie sollte er am besten aussehen? Der Anfang erfüllt mehrere Zwecke. Er dient zur Einführung von:

  1. den Leitfiguren (Protagonisten, Antagonisten)
  2. die Welt, in der sie leben
  3. ihre inneren Ziele und Konflikte, als ihre Motivation
  4. das äußere Ziel und der äußere Konflikt
  5. den Stil des Autoren, Erzählweise und die Perspektive.

Zumindest die "inneren" Ziele und Konflikte müssen vom ersten Wort an vorhanden sein, denn sie bilden die Motivation für die Aktionen der Figur. Das "äußere" Ziel der Geschichte kann erst später dazukommen. Zum Beispiel in einem Krimi, der Kommissar hat seine inneren Ziele von Anfang an, und der Auftrag, den Fall zu übernehmen, kann erst beim Übergang zu Akt 2 kommen. Muss nicht so sein, kann so sein.

Egal, ob man einen Prolog wählt oder gleich mit Kapitel 1 anfängt, sollte bis zum Ende des Aktes 1 jede Leitfigur, vor allem, wenn sie eine eigene Perspektive hat, vorgestellt sein.

Der Übergang von Akt 1 zu Akt 2 sollte wie ein Durchschreiten einer Türe gestaltet sein, eine Türe, die nur in einer Richtung aufgeht, das heißt, hat der Held diese Türe durchschritten, kann er nicht mehr zurück.

Akt 2: Die Mitte

Sie erzählt von den Versuchen der Leitfiguren, wieder in die Normalität einzutauchen und ihr äußeres Ziel, gegebenenfalls auch ihr inneres, zu erreichen. Diese von Rückschlägen geprägte Phase kann unterschiedlich lange sein. Das Wichtigste in der Mitte ist es, nicht den Fokus zu verlieren und den Leser bei der Stange zu halten. Die Mitte dient vor allem zur Vertiefung der Charaktere und zur Vorbereitung auf den Akt 3. Wenn die Leitfigur den letzten Versuch macht, tritt sie in Akt 3 ein.

Der Übergang von Akt 2 zu Akt 3 sollte ebenfalls wie eine Türe sein. Der Held steht vor dem Nichts, er muss den letzten Schritt tun, sonst kann er sein Ziel nie erreichen.

Akt 3: Das Ende

Das Ende beendet die Geschichte, entweder zu einem glücklichen oder unglücklichen Ausgang. Das Ende sollte schlüssig und folgerichtig sein. Plötzlich auftretende Charaktereigenschaften oder von außen eingreifende Personen betrügen den Leser um seine Erfahrung. Vor allem die von außen eingreifende Person, deus ex machina genannt, die vor allem nicht in den durch Kausalzusammenhang geprägten Handlungsablauf eingebunden ist, kann einen schalen Geschmack hinterlassen.

Das letzte Kapitel sollte auch einen Zukunftsaspekt aufweisen, um des Lesers Neugierde, was mit seinen Charakteren passieren wird, zu befriedigen. Dazu eignet sich auch der Epilog.

Vierakter

Viele Geschichten, die auf einem charaktergetrieben Plot basieren, sind in vier Akte aufgeteilt. Darunter fallen Liebesgeschichten genauso wie Spannungsromane. Oft ist der Dreiakter in Wahrheit ein Vierakter, in dem Akt 2 und 3 zu einem zusammengefasst werden. Der Vierakter findet auch im Action/Abenteuer-Bereich seine Anwendung.

Die Figuren erleben dabei eine Berg- und Talfahrt an Emotionen, und der sich daraus ergebende Spannungsbogen lässt sich durch ein W darstellen. Dieses W muss nicht symmetrisch sein, das heißt, die Viertel müssen nicht die gleiche Länge und Tiefe haben.

Die Tiefpunkte des W werden Wendepunkte genannt.

Akt 1: Einleitung

Die Helden, Heldinnen und auch der Böse werden vorgestellt, möglichst in ihrer Normalsituation. Schon jetzt sollte deutlich werden, wo ihre inneren Konflikte und Bedürfnisse liegen. Dieser Einleitung kann natürlich ein Spannungselement vorangestellt sein, zum Beispiel ein Mord oder eine andere Konfliktsituation, die zumeist das externe Ziel des Plots verdeutlichen. Auch wichtige Nebenfiguren sollten hier schon eingeführt werden, wenn das möglich ist. Akt 1 endet mit dem äußeren Konflikt: Der Held/die Heldin nimmt seinen/ihren Weg auf, ohne einen Grund zu erkennen, warum er von seinem üblichen Handlungsschema abweichen sollte.

Akt 2: Die Komplikation

Dieser Teil vertieft die Charaktere, indem der Autor den Figuren allerlei Hindernisse in den Weg legt, die sie im Rahmen ihrer Motivation zu lösen haben und diese auch oft in Frage stellt. Das Ende des zweiten Aktes ist der Mittelpunkt.

Akt 3: Die Katastrophe

Der Mittelpunkt stellt ein kurzer Ruhepunkt dar, bei dem entweder alles anders ist, als gedacht, oder die Figuren glauben, an ihren inneren Zielen angekommen zu sein, aber nach dem sie ihre wahren Bedürfnisse noch nicht gestillt bzw. ihr Handlungsschema noch nicht verändert haben, steuern sie auf den 'Schwarzen Moment' zu, in dem alles verloren erscheint. Dieser Tiefpunkt ist Anlass zum Umdenken.

Akt 4: Die Auflösung

Die Auflösung kann positiv oder negativ sein. Die Figuren haben in jedem Fall ihre Lebenslehre oder auch die Moral der Geschichte verinnerlicht.

Fünfakter

Die klassische 5-Akt-Struktur des Dramas ist schon seit der Antike bekannt und hat seine häufigste Anwendung im Theater erfahren. In einem Roman müssen die Akte nicht gleich lang sein. Auch der Fünfakter kann als Dreiakter dargestellt werden, die Akten 3-4 werden einfach in einem zusammengefasst. Viele Krimis sind so aufgebaut.

Akt 1: Einleitung

Die handelnden Personen werden eingeführt, der dramatische Konflikt kündigt sich an.

Akt 2: Komplikation

Steigende Handlung – mit erregendem Moment. Die Situation verschärft sich.

Akt 3: Peripetie

Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt (Klimax) in der Krise, die die Schicksalswende bewirkt. Die Figuren sind am weitesten entfernt vom Erreichen ihrer Ziele. (Siehe auch: Spannungsbogen)

Akt 4: Retardation

Fallende Handlung – mit retardierenden (aufschiebenden, hinhaltenden, verlangsamenden) Momenten. Die Handlung verlangsamt sich, um in einer Phase der höchsten Spannung auf die bevorstehende Katastrophe hinzuarbeiten. Oft werden Scheinlösungen geboten.

Akt 5: Katastrophe und Lösung

Es kommt zur Katastrophe, diese stellt den eigentlichen dramatischen Höhepunkt dar. Danach werden alle Konflikte gelöst (Dénouement).

Plot kommt von plotten

Handlungsgetriebener Plot

Handlungsgetriebene Plots verlangen keine Charakterentwicklung. Der Held und die Heldin brauchen sich also nicht zu entwickeln (aber sie können es natürlich).

Der Plot sollte im Vorfeld definiert sein. Der Autor schreibt eine Zusammenfassung, in der die Handlung im Vordergrund steht. Abenteuer, Thriller und Kriminalromane sind typische Vertreter der handlungsgesteuerten Plots. Der Vorteil ist, dass der Plot sich aus einer Ereigniskette logisch entwickelt, der Nachteil ist, dass sich Figuren schablonenhaft darstellen und oftmals die Motivation der Handlung schwer nachvollziehbar ist.

Im handlungstriebenen Plot reagieren die Helden und die Heldin stets auf Einflüsse von außen. Sie reagieren mehr als dass sie agieren.


Charaktergetriebener Plot

Der charaktergetriebene Plot oder auch der motivationsgetriebene Plot entwickelt sich aus der Motivation und dem Handlungschema der Figur heraus. Oft beginnt der Autor mit einer vagen Idee und lässt seine Figuren den Plot selbst bestimmen. Andere Autoren entwickeln einen Charaktergraphen oder ein Profil, wonach sich die nächsten Schritte des Charakters in der Handlung folgerichtig ergeben. Der Vorteil ist, dass die Figuren leichter lebensnah und facettenreich dargestellt werden. Der Nachteil ist, dass der Plot auseinander fallen oder zu langsam werden kann. Wichtig ist, dass die Motivation, und damit die inneren Ziele und Konflikte, die Geschichte vorantreiben. Das externe Ziel des Plots muss dazu im Einklang stehen.


Typische Vertreter der charaktergetriebenen Plots sind Psychologische Novellen und Spannungsromane, aber auch viele Liebesgeschichten/Romanzen fallen darunter, da hier der Hauptaugenmerk die Liebesbeziehung und die Entwicklung der Charaktere zueinander ist.

Der Leser erwartet im charaktergetriebenen Plot eine innere Entwicklung der Figur, das heißt, Held und Heldin haben am Ende etwas gelernt und verhalten sich in Zukunft anders. Ein geschicktes Gegenübersetzen von Motivationen und Zielen ermöglichen Konfliktstoff für die Handlung.

Der Spannungsaufbau folgt oft dem Vierakter. Spätestens in der Schlussszene sollte der Beweis angetreten werden, dass sich die Figur tatsächlich innerlich gewandelt hat.

Externe und innere Ziele dürfen sich ändern, die Motivation (= inneres Bedürfnis) dagegen solange nicht, bis die Figur die wahren Zusammenhänge seiner Handlungsweisen erkennt und sie ändert.

Themen- und Prämissengetriebener Plot

Ein anderer effektiver Weg einen Plot zu gestalten, ist Plot, Charaktere und Hintergrund simultan zu kreieren, indem der Autor sich ein Thema und die dazugehörende Prämisse aussucht.

Dazu beantwortet der Autor folgende Fragen:

  1. Was soll die Geschichte aussagen (Thema)und was soll der Lernerfolg für die Figur sein (muss nicht positiv sein)?
  2. Welche Figur kann das am besten ausdrücken, was sind ihre Motivationen und Ziele?
  3. Wo kann die Aussage am besten dargestellt werden?

Am Ende muss die Prämisse bestätigt werden.

These, Prämisse und das Thema

Eine These ist eine Behauptung, deren Wahrheitsgehalt bewiesen werden muss. Thesen finden sich hauptsächlich im wissenschaftlichen Bereich.

Eine Prämisse ist eine Vorgabe oder Voraussetzung. Zum Beispiel: "Lügen haben kurze Beine" Unter der Voraussetzung, dass Lügen kurze Beine haben, kann die Figur nicht lange ihr Lügengebäude aufrechterhalten. Der Roman beschäftigt sich dann entsprechend mit Lügen, die den Lügner nur kurzfristig decken. Oder: "Geiz führt zur seelischen Verarmung". Der Plot wird dann die Geschichte einer Figur zeigen, wie sie durch Geiz eben seelisch verarmt. Eine Prämisse muss nicht wahr sein.

Ein Thema entspricht dem Grundgedanken der Geschichte. Typische Themen sind Liebe, Treue, Loyalität, aber auch Neid und Hass. Die Geschichte dreht sich um dieses Thema, das Thema kehrt immer wieder.

Zusätzlich sollte der Einsatz eines Motivs erwogen werden, das das Thema unterstützt.

Der Plot in einem Satz

Der 'Plot in einem Satz' folgt der Formel:

Jemand möchte etwas erreichen, weil er etwas braucht, aber jemand/etwas kommt dazwischen.

Oder Allgemein: Ziel - Motivation - Konflikt.

Der 'Plot in einem Satz' entsteht dann nach der Formel: ______(Figur) möchte _______(Ziel), weil er _________(Motivation), aber ___________(Konflikt) kommt dazwischen.


  • Stiefkind möchte auf den Ball, um den Prinzen heiraten (Ziel), weil sie aus ihrem Elend entfliehen will (Motivation), aber die böse Schwiegermutter sperrt sie ein (Konflikt).


Spätestens dann, wenn man einem Agenten oder auch nur einem Bekannten seine Geschichte erklären will, braucht man den Plot in einem Satz oder die Pitch. Auch komplexe Geschichten können so dargestellt werden, indem man sich auf die wichtigste Figur fokussiert oder für jede Figur und deren Handlungsstrang einen erstellt.

Von hier aus kann man mit der Schneeflocken-Methode weiterarbeiten.

Im Prinzip ist der Plotsatz mit einer Projektdefinition vergleichbar. Jeder, der Projektmanagement kennt, weiß um die Wichtigkeit, ein Projekt genau zu definieren und es abzugrenzen, damit beim Eisenbahnbau die Eisenbahnschienen genau an der Brücke ankommen und nicht daneben.

Der Sonderfall Heldenepos (5-Akt-Struktur)

Viele Heldenepen sind Bestseller und Geschichten, die uns ein Leben lang begleiten. Nicht nur die klassischen Heldenepen, sondern auch moderne wie Der Herr der Ringe von Tolkien, Star Wars und Harry Potter folgen diesem Schema.

Während in anderen Genres der Held von Anfang an ein Held sein kann, ist der Held im Heldenepos oft ein unauffälliger "Underdog" der Gesellschaft. Ein Waisenjunge, ein Hobbit oder ein Junge, der in der Wüste Roboter repariert. Ein normaler Mensch sozusagen, der aber vom Schicksal prädestiniert ist, der Retter der Welt zu sein.

Verlust ist ein wichtiger Bestandteil des Heldenepos. Harry Potter musste Sirius verlieren, dann seinen großen Mentor Dumbledore, um zum Helden reifen zu können. Der Hobbit Frodo Beutlin im Herrn der Ringe denkt, er hätte seinen Mentor Gandalf verloren. Bei Star Wars erleidet Luke Skywalker den Verlust von Obi-Wan Kenobi.

Der Aufbau des Heldenepos im Überblick:

1 Die Welt des Helden

2 Der Ruf oder die Störung der Welt des Helden

3 Der Held ignoriert den Ruf

4 Der Held folgt dem Ruf

5 Ein Mentor erscheint

6 Verschiedene Begegnungen mit den dunklen Mächten

7 Der Held zweifelt an sich oder spielt mit dem Gedanken, den dunklen Mächten zu folgen

8 Ein Talisman hilft in seinem Kampf

9 Der letzte Kampf

10 Der Held kehrt zurück

Beispiel: Das Märchen von Hänsel und Gretel der Gebrüder Grimm

Akt 1

1 Die Welt des Helden: Die Familie ist vom Hungertod bedroht.

2 Der Ruf oder die Störung der Welt des Helden: Die Stiefmutter lässt die Kinder im Wald aussetzen.

3 Der Held ignoriert den Ruf: Beim ersten Mal finden die Kinder mit Hilfe weißer Steine den Weg zurück nach Hause.

4 Der Held folgt dem Ruf: Beim zweiten Mal streuen sie Brotkrumen auf den Weg, die von Vögeln aufgepickt werden. Anstatt zu verzweifeln, machen sie sich auf, den Weg selber zu finden.

Akt 2

5 Ein Mentor erscheint: Ein Vogel zeigt ihnen den Weg zum Hexenhaus.

6 Verschiedene Begegnungen mit den dunklen Mächten: Hänsel wird von der Hexe eingesperrt und gemästet.

7 Der Held zweifelt an sich oder spielt mit dem Gedanken, den dunklen Mächten zu folgen: Anfangs bekommen die Kinder viel zu essen und fühlen sich wie im Himmel.

8 Ein Talisman hilft in seinem Kampf: Hänsel hält der Hexe statt seines Fingers einen Stock hin.

Akt 3

9 Der letzte Kampf: Gretel überlistet die Hexe und stößt sie in den Ofen.

10 Der Held kehrt zurück: Die Kinder kommen nach Hause, der Vater ist überglücklich, die böse Stiefmutter ist inzwischen gestorben.

Das Ende

Irgendwann ist auch das schönste Buch zu Ende, irgendwann setzt der Autor das Wort 'Ende' unter sein Werk. Doch wann ist es erreicht? Immer dann, wenn die Hauptziele der Protagonisten erreicht sind. Allerdings sind auch andere Enden möglich.

Das Happy End

Gerade das Happy End wird durch das Erreichen der Ziele gekennzeichnet. Der Protagonist erreicht sein äußeres Ziel und erfüllt seine inneren Bedürfnisse. Dies zeigt er im Schlusskapitel deutlich.

Das schlechte Ende

Hier erreicht der Protagonist seine Ziele nicht, oder er erkauft sie sich mit einem schweren Verlust. Zum Beispiel der Held zieht in die Schlacht, gewinnt sie, doch seine Frau daheim stirbt.

Das offene Ende

Hier erreicht der Protagonist sein äußeres Ziel, aber er hat sein inneres noch nicht (oder umgekehrt), und es bleibt dem Leser überlassen, ob er es noch schafft, oder nicht.

Klischee

Es gibt verschiedene Arten von Klischees, davon das Plotklischee und Charakterklischee. Während das Charakterklischee zu vermeiden ist, kann das Plotklischee nicht immer vermieden werden, da die Verlegerindustrie zu bestimmten Genres genau festgelegte Vorstellungen hat. Vor allem betroffen sind Fantasy, romantische Literatur und Kriminalromane. Hier etwas Neues, Frisches zu erfinden ist nicht einfach, das Klischee kann aber durch Zusatzelemente und überraschende Wendungen aufgebrochen werden.

Quellen

  • Zum Heldenepos: Die Odyssee des Drehbuchschreibers von Christopher Vogler 2001; lässt sich nicht nur für Filme, sondern auch auf Romane anwenden, enthält viele Beispiele.

Siehe auch

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