Charakterentwicklung

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Die Charakter- oder besser Figurenentwicklung ist einer der wichtigsten Schritte zum fertigen Roman. Denn nur durch vielschichtige, dreidimensionale Charaktere kann ein Roman zum Leben erweckt werden. Niemand liebt es, Personen zu erleben, die stets nur schüchtern, nur impulsiv, immer nur nachdenklich sind. Jede Romanfigur sollte einen Konflikt mit sich selbst oder ihrer Umwelt auszutragen haben und zwischen verschiedenen Handlungsweisen schwanken. Nur wenn man das Gefühl hat, von einem fühlenden und denkenden Menschen zu lesen statt von einer Idee, leidet man auch mit den Figuren mit. So ist Charaktertiefe ein entscheidendes Element für den Erfolg einer Erzählung.

Inhaltsverzeichnis

Möglichkeiten der Figurenentwicklung

Charakterkarten

Stellt euch vor, Romanfiguren würden genau so in unserer Welt existieren wie leibhaftige Menschen. Die Autoren brauchen für einen neuen Roman lediglich ein Inserat in die Zeitung setzen und "Romanfiguren gesucht" darauf schreiben. Schon meldet sich eine lange Schlange von Interessenten und stellt sich vor. Auf ihren Visitenkarten steht das Wichtigste, was der Autor über diese Figur wissen muss. So kann er entscheiden, welche der Figuren für seinen Roman interessant sind und welche nicht.

Wie würde diese Visitenkarte bei euren Titelhelden aussehen?

  • Name
  • Ziel
  • Veränderung im Laufe der Geschichte
  • kurzer Abriss, was diese Figur erlebt

Denkt daran, dass diese Karte absolut prägnant und auch interessant gestaltet sein muss, damit eure Figur aus den ganzen anderen "Bewerbern" hervorsticht.

Perspektivenwechsel

Wenn bereits erste Kenntnisse von Szenen des Romans vorhanden sind, kann man sich eine davon heraussuchen, und sie aus den verschiedenen Blickwinkeln der Charaktere schreiben. So lernt man seine Figuren sehr viel besser kennen, selbst wenn man bislang noch keinen genauen Eindruck von ihnen hatte. Denn die routinierte Hausfrau wird einen Einkauf im Großmarkt sicher anders erleben als ein Witwer, der in seinem Leben noch nie einkaufen war, nun aber keine andere Wahl hat.

Folgende Fragen können dabei hilfreich sein:

  • Was geschieht in der Szene mit der Person?
  • Wie ist die Person gegenüber ihrer Umwelt eingestellt?
  • Gibt es in der Szene ein Problem, das die Person lösen muss?
  • Wenn ja, wie löst sie es?
  • Wie muss die Erzählung sprachlich gestaltet werden, damit die Figur authentisch wirkt?

Das Interview

Alternativ kann man seine Helden auch einem Interview unterziehen, wie etwa bei einer Radio-Show. Die entsprechende Figur muss dann von sich preisgeben, was gefragt wurde. Auch hier muss wieder auf eine authentische sprachliche Gestaltung geachtet werden. (Vermeidet, durchgängig in eurem persönlichen Stil zu schreiben. Lasst euch auf eure Figuren ein, auch wenn sie möglicherweise nur Fäkalwörter oder Goethe-Zitate verwenden sollten.)

Folgende Fragen können verwendet werden (natürlich beliebig erweiterbar):

1) Wie sehen Sie aus?

2) Wie wirken Sie auf einen Fremden?

3) Wie sind Sie aufgewachsen?

4) Haben Sie noch eine enge Bindung zu den Menschen aus Ihrer Jugend?

5) Haben Sie etwas erlebt, das Sie aus ihrer Alltagswelt gerissen hat?

6) Haben Sie in Ihrem Leben schon viel erlebt und gesehen?

7) Glauben Sie an Gott? Haben Sie Moralprinzipien?

8) Für wen oder was würden Sie Ihr Leben riskieren? Würden Sie das überhaupt tun?

9) Was ist ihr größter Wunsch?

10) Was fürchten Sie mehr als alles andere auf der Welt?

11) Was ist Ihre größte Stärke?

12) Was ist Ihre größte Schwäche?

13) Sind Sie ein geselliger Mensch oder bevorzugen Sie die Einsamkeit?

14) Welches Erlebnis in Ihrem Leben werden Sie niemals vergessen?

15) Wenn Sie für einen Tag eine andere Person sein könnten, wie wäre diese Person?

16) Welchen Beschäftigungen gehen Sie in Ihrer Freizeit nach?

17) ...

Fehler in der Charakterentwicklung

Es ist sehr wichtig, sich bei der Charaktererstellung nicht zu widersprechen. Denn im schlimmsten Fall kann man dann seinen gesamten Plot in den Papierkorb werfen. Dass ein in der Vergangenheit verurteilter Frauenmörder keine große Beliebtheit in der Dorfgemeinde findet, dürfte nur allzu klar sein. Oder man stelle sich vor, man lese ein Buch, in dem ein Basketball-Nationalspieler nur 1,60 m groß ist. Das ist unglaubwürdig. Deshalb ist es sehr wichtig, sich bei der Figurenerstellung Zeit zu lassen. Es ist besser, tausend Mal zu hinterfragen, warum man der Figur eine gewisse Eigenschaft gibt.

Tipp: Schreibt für den Charakter einen tabellarischen Lebenslauf, kontrolliert ihn auf Fehler und schreibt diesen Lebenslauf dann in ausführlicher Form. Bindet in dieser ausführlichen Form ruhig Antagonisten oder Nebenfiguren ein, um Kollisionen und Ungereimtheiten zu vermeiden. So könnt ihr am besten sehen, ob zu jedem Topf ein Deckel passt.

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