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tauben in äquatorialguinea


 

 
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 23.09.2014 16:50    Titel: tauben in äquatorialguinea eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

tauben in äquatorialguinea

von den tagen im mai weiß ich dass sich die blätter vor dem fenster oft
stark bewegen es muss windig sein und die tauben gurren nicht weil die
fenster geschlossen sind sie sehen nur ein wenig grau aus und auch
der himmel sieht grau aus

in äquatorialguinea hat man große krematorien gebaut in denen die
tauben mit zyklon b vergast werden man hasst tauben in
äquatorialguinea

Äquatorialguinea ist ein Staat in Subsahara-Afrika. Der Festlandteil des Staates grenzt im Norden an Kamerun, im Süden und Osten an Gabun und im Westen an den Golf von Guinea. Der südlichste Teil des Staatsgebietes, die Insel Annobón oder Pagalu, liegt 156 Kilometer südlich des Äquators.
Die staatstragende Bevölkerungsgruppe der ehemaligen spanischen Kolonie bildet das Volk der Fang, eine marginalisierte Minderheit sind die Bubi. Das Land ist besonders entlang der Küstengebiete reich an Erdölvorkommen, deren Einnahmen allerdings nur einer kleinen – politisch einflussreichen – Elite zugutekommen. Das hohe Pro-Kopf-Einkommen nähert sich dem europäischen Durchschnitt. Trotzdem ist die Armutsquote hoch.[7] Schwere Verletzungen der Menschenrechte gibt es nicht mehr, Tauben werden in Äquatorialguinea mit Zyklon B vergast. Alle Menschen in Äquatorialguinea hassen die Tauben.

Ein Flug von Malabo nach Bata dauert 35 Minuten. Innerhalb von ein bis zwei Flugstunden sind erreichbar:

Port Harcourt in Nigeria
Yaoundé und Douala in Kamerun
Libreville in Gabun
São Tomé
Brazzaville in der Republik Kongo
Kinshasa und Boma in der Demokratischen Republik Kongo
Luanda und Cabinda in Angola

Zwischen Bata und Malabo existieren Schiffs- und Flugverbindungen. Die beiden wichtigsten Fluggesellschaften, Cronos Airlines und CEIBA Intercontinental, sind auf der Schwarzen Liste. Die Flüge können nur vor Ort gebucht werden und sind oft überbucht.
Von Europa fliegen Lufthansa (Frankfurt am Main), Air France (Paris), Iberia (Madrid) und Air Europa nach Malabo. Mit einem Zwischenstopp in Abuja fliegt Lufthansa mittlerweile täglich nach Malabo. Seit langem will Air France (und Iberia) die Verbindung nach Bata verlängern. Außerdem will sie die Zahl der wöchentlichen Flüge von sechs auf sieben erhöhen.

Der Nationalfeiertag ist der 12. Oktober, der Unabhängigkeitstag

Sonstige Gesetzliche Feiertage sind

1. Mai: Tag der Arbeit
25. Mai: Afrika-Tag
5. Juni: Präsidententag
3. August: Befreiungstag
15. August: Tag der Verfassung
10. Dezember: Tag der Menschenrechte

in den großen krematorien werden die tauben in fensterlosen
räumen eingepfercht man lässt gas ein und wenn man die tauben später
zusammenkehrt dann starren sie immer noch genauso wie sie
vorher gestarrt haben nur das man ihnen jetzt die augen zudrücken kann

was die menschen in äquatorialguinea an den tauben so sehr
hassen ist das sie niemals blinzeln eine taube sieht alles sofern
sie nicht in eine andere richtung schaut deshalb hassen die
menschen in äquatorialguinea die tauben

Im März 2004 kam es zu einem erfolglosen Umsturzversuch in Äquatorialguinea. In diesem Zusammenhang wurden am Flughafen von Harare in Simbabwe eine Gruppe von 70 Söldnern unter Führung des Briten Simon Mann festgenommen, die auf dem Weg nach Malabo waren. In Malabo selbst wurde eine Gruppe von 15 Personen verhaftet, die sich an dem Umsturzversuch beteiligen wollten. Für eine Verbindung dieser Söldner zu staatlichen Stellen gab es keine Belege. Beteiligt an diesem Putschversuch war auch Mark Thatcher, Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, der nach seinem Geständnis zu einer Geldstrafe verurteilt wurde und kein Aufenthaltsvisum für die USA erhält.

simon mann und mark thatcher sind selbst besitzer und liebhaber von tauben



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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 23.09.2014 22:22    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist interessant.

Warum habe ich das Gefühl, dass du gerade mit Texten zu second hand information experimentierst? (Wie auch im Natascha Gedicht, nur auf ganz andere Art)

Dies hier sieht aus, wie wenn große Teile daraus aus Wikipedia sind.

Die Abschnitte über die Tauben wirken erlebter. Aber auch skurril. Man beginnt sich zu fragen, was ist wahr (echt Wink ).

Falls ich nicht ganz falsch liege, finde ich dein Vorgehen interessant. Und zeitgemäß.
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Nihil
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BeitragVerfasst am: 25.09.2014 11:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab mich ein bisschen in das verknallt, was du hier gemacht hast. Aber ist das überhaupt noch ein Gedicht? Für mich: klares Ja. Die ausgewählten Stellen, die du aus Wikipedia kopiert hast, sind hier ein essentielles Stilmittel, ohne dass der Text gar nicht zu denken wäre. Äquatorialguinea ist nicht gerade ein prominenter afrikanischer Staat, wegen eigener Unwissenheit und vielleicht sogar dem ein oder anderen rassistischen Vorurteil glaubt man gerne so manches. Auch dass Tauben systematisch mit Zyklon B vergast werden; schön ironisch an den vorherigen Satz geknüpft, dass sich aber die Menschen-Rechte verbessert haben. In das aus Wikipedia Kopierte angehängt, scheint das beinahe eine Rechtfertigung für die Information aus den ersten beiden Strophen zu sein. Dass man Informationen aus Wikipedia nicht blind vertrauen sollte, ist nichts Neues, aber immer noch aktuell. Die Tauben, die alles sehen, jede Wahrheit werden vernichtet, selbst wenn sie diese hätten aufschreiben können (wo? Wikipedia?), heißt es nicht, dass man sich auch genau so an die Wahrheit erinnern oder sie abrufen kann, wie sie erlebt wurde. So wie Fiktion, Lüge und Realität verschwimmen, tun sie es auch formal hier in diesem Gedicht. Mir gefällt es wirklich sehr gut.

Ich hab wahrscheinlich nur die Hälfte von dem gesagt, was ich sagen wollte. Ich mache meine Columbidaephobie verantwortlich. D:

EDIT: Erst hat mich Strophe eins ein bisschen irritiert, weil ich sie überflüssig fand, jetzt macht sie aber Sinn. Bewusstes Falscherzählen, klingt eher nach November als nach Mai. Das LI weiß das immerhin von den Tagen im Mai.
Zitat:
Trotzdem ist die Armutsquote hoch.[7]


Das ist der einzige Verweis auf eine nicht-existente Fußnote. Absicht? Sticht raus.
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 26.09.2014 18:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo ihr beiden!

vielen dank für die kommentare.
ich schreibe seit einer weile texte in diesem stil.
hihil hat mit seinem kommentar ziemlich genau umrissen,
um was es mir dabei ging.

Zitat:
Zitat:
Trotzdem ist die Armutsquote hoch.[7]



Das ist der einzige Verweis auf eine nicht-existente Fußnote. Absicht? Sticht raus.


ich habe versucht, möglichst originalgetreu zu übernehmen.
diese sieben war die einzige Ziffer, die in dem von mir übernommenen Zeilen aufgetaucht ist. Zufall also!

Viele Grüße
Roman


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Metzn
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BeitragVerfasst am: 30.01.2015 09:54    Titel: Krematorien? Antworten mit Zitat

Hallo,

ich mochte den Text, als du ihn beim Großen Tag im Einstein gelesen hast, habe mich aber da schon gefragt, warum es gerade Krematorien sind - wo man doch Tote ja eigentlich einäschert.
Etwas viele Flugdaten vielleicht, aber sonst ein spannedes Format.^^

LG,
Matthias


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femme-fatale233
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BeitragVerfasst am: 30.01.2015 12:53    Titel: Antworten mit Zitat

Romschi, du weißt, das ist einer meiner Lieblingstexte von Dir, besonders vor Publikum, weil ich es immer sehr spannend finde, wie die Leute reagieren.
Das mit den Krematorien, was Matthias ja schon angemerkt hatte, wäre mir selbst gar nicht aufgefallen, aber ich weiß, dass Jonas sich bei einer Lesung da mal sehr dran gestört hat. Aber andererseits fände ich das Wort "Gaskammer" dann zu stark als Ersatz für Krematorium. Das ist zwar sowas, was immer als Assoziation mitschwingt, aber ja seine Kraft dadurch entfaltet, dass es eben nicht genannt wird.
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Mettbrötchen
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BeitragVerfasst am: 30.01.2015 13:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Roman,

du behandelst hier ja zwei Themen: Einmal ist da die Kontrastierung zwischen der lyrischen und der "sachlichen" enzyklopädischen Sprachebene, in die auch ab und an Fiktion einbricht. In diesem Sinne ist der Text bereits latent politisch, in dem Sinne, dass er eine Kritik auf den neutralen informativen Gebrauch von Sprache darstellt, der einen emotionalen Zugang verweigert. Der Kontrast ist weiterhin dadurch gekennzeichnet, dass die Wikipedia-Passagen in gebundener Sprache daherkommen, wohingegen der Rest größtenteils in Versen geschrieben ist. Wobei sich natürlich die Frage stellen ließe, was ein Vers ist. Was spräche dagegen die Wikipedia-Auszüge auch als Verse zu bezeichnen? De facto nur die Intuition. Das zweite Thema ist m.E. die Diktatur. Die Tauben als Metapher für die freien Menschen, die ihre Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen. Das ist für mich sehr eindeutig. Aber hassen wirklich "die menschen" die Tauben oder sind es nicht eher die Machthaber, die sich durch sie "gefährdet" fühlen?
Was mir weniger gefällt ist dieser NS-Bezug. Den könnte man natürlich so deuten, dass das dritte Reich immer noch allgegenwärtig ist. Nichtsdestotrotz ist das für mich keine Erkenntnis, die so neu ist, dass sie in so vielen deiner Afrika-Gedichte aufgegriffen werden muss. Ich finde, du holst damit eine Ebene rein, die die Texte gar nicht brauchen und die sich in Schlagworten wie "Zyklon B" und "Krematorien" erschöpft, was dann etwas platt rüberkommt, als wollte da jemand auf Teufel komm raus ein historisch-politisches Bewusstsein zur Schau stellen. Da würde ich nochmal drüber nachdenken. Der Ansatz ist spannend, müsste in weiteren Gedichten aber natürlich auf wechsende Weise behandelt werden, damit sich das Ganze nicht erschöpft. Interessant fände ich z.B. Texte im Berichtstil, die sich sukzessive zur Lyrik bzw. zur Verdichtung hin "verengen". Der automatische Drang der Sprache, ihre Vermittlungsfunktion im Laufe des Sprechaktes zu verlassen: Das wäre doch mal interessant.

LG Mettbrötchen


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I read somewhere how important it is in life not necessarily to be strong... but to feel strong.
(Christopher McCandless
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femme-fatale233
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BeitragVerfasst am: 30.01.2015 21:52    Titel: Antworten mit Zitat

Mettbrötchen hat Folgendes geschrieben:
Nichtsdestotrotz ist das für mich keine Erkenntnis, die so neu ist, dass sie in so vielen deiner Afrika-Gedichte aufgegriffen werden muss. Ich finde, du holst damit eine Ebene rein, die die Texte gar nicht brauchen und die sich in Schlagworten wie "Zyklon B" und "Krematorien" erschöpft, was dann etwas platt rüberkommt, als wollte da jemand auf Teufel komm raus ein historisch-politisches Bewusstsein zur Schau stellen. Da würde ich nochmal drüber nachdenken.
LG Mettbrötchen


Dem würde ich widersprechen, aber nur aus der Erfahrung heraus, dass ich jetzt bei drei oder vier Lesungen war, wo Roman diesen Text vorgetragen hat und es sehr spannend war, die Reaktion des Publikums auf "vergasen" und "Zyklon B" zu sehen - da ging fast immer ein Lachen durch den Raum, ich glaube, weil man auch im ersten Hören nicht weiß, wie man damit umgehen soll, besonders weil Roman durch die Fallhöhe Gaskammer - Taube, ja auch eine Komik baut.
 Das, was du als plattes Erinnern an ein historisches Bewusstsein wahrnimmst ist zumindest in der Lesungs-Situation nicht so stark. Ich würde sagen, das Lachen "schützt" da einige Hörer vor der (logischen) Konsequenz, das Gedicht in den NS-Kontext zu setzen und dieser Abwehrmechanismus ist spannend genug, um Zyklon B genau so im Text drin zu lassen. Erst wenn bei einer Lesung die Leute nicht mehr lachen und alle so bildungsbürgerlich betreten mit dem Kopf nicken, dann sollte man sich Sorgen machen - und das ändern.
Aber das ist nur meine Erfahrung als Hörerin. Und Beobachterin der anderen Hörer.
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