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sonette an natascha k.


 
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 13:11    Titel: sonette an natascha k. eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

I.

als er dich nahm da nahm er dich ganz einfach
er nahm dich so als wäre das erlaubt
du warst – noch nicht ganz baum – entlaubt
schon da als er dich nahm nahm er dich einfach

am gleichen tag als er dich nahm nahm er dich
nochmal an diesem ersten tag der flucht durch wien
du spürtest haut und sein adrenalin
als er dich nahm und nahm und schrie: he! wehr dich

es ist sein atmen das am tiefsten rührt
du hast dich nicht gewehrt und warst genommen
und er steigt ab und atmet immerzu

flach sein atem vor der tür wenn du benommen
vor hunger fantasierst er sei wie du
und nichts sei wahrer als sein tritt durch diese tür

12345Wie es weitergeht »




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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 13:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

II.

und als du flohst: was für ein aufbegehren
du hast gehungert jahrelang und auch für ihn
wie seltsam seinen hunger zu verlieren
sich gegen das was du doch bist zu wehren

wie seltsam dass sein körper totgeschliffen
und aufgetrennt an diesem bahnsteig liegt
als hätte er sich selbst um dich bekriegt
und diesen krieg als krieg erst jetzt begriffen

beim sieg. dann kam und kam der zug
wie er in dich als du noch eingemauert
und auf dem bauch dicht vor ihm lagst

vielleicht hat es dich einmal kurz durchschaudert
als er sein ding von liebe in dich trug
denn keiner spürt was du zu spüren wagst

« Was vorher geschah12345Wie es weitergeht »



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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 13:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

III.

der priklopil war tot und du auf ORF
es sind die dinge die du nicht erwähnst
(nur: wie du freiheit sagst und wie du es zerdehnst
als kaum begehbar schroffes relief)

die davon sprechen warum deine augen flattern
als wäre all die welt den blick nicht wert
als wär der blick oder die welt verkehrt
sie beide sagen warum deine augen flattern

nur: wie du freiheit sagst und dabei wieder
als stände sie dir gut die augen niederschlägst
als wäre diese freiheit die du meinst erträglich

als hätte er dich nicht ganz ausgeprägt
als beugte er sich nicht mehr zu dir nieder –
er tut es weiterhin er tut es täglich

« Was vorher geschah12345Wie es weitergeht »



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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 13:14    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

IV.

und deine mutter hat dir nie ein grab gebaut
doch spracht ihr nicht da war nur lautes stammeln
als du zurück kamst scheinbar aufgetaut
und so begann sie doch noch mit dem steine sammeln

heut siehst du sie nicht mehr und nur die steine
die sie nicht schlucken konnte zeugen noch
von dem was einst aus deiner mutter kroch
beim zweiten mal dann war der schoß der seine

es hat dich ohne blut und nachgeburt
aus diesem keller in die welt gespült
wie sehr hast du dich drinnen taubgewühlt?

und wie sehr wühlst du weiter dass das taube
– und taub ist jeder finger jedes wort –
vergeht? nur fehlt der taubheit wegen glaube

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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 13:15    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

V.

und wenn du einmal in die trambahn steigst
am zweiten märz vielleicht nach niederösterreich
dann sitzen da die leute mit den illustrierten
mit denen sie dein leben abonnierten

sie flüstern heimlich richtung nebenmann
die zeitung hat sie bunt und wortgewaltig
darüber informiert du wärst nie vergewaltigt
worden. nein. du hast es gern getan

der trambahnführer ächzt wie er im letzten augenblick
dem mann der auf den schienen liegt ausweicht
wie sehr die tram dem weißen kleintransporter gleicht

der dich mitnahm hast du gedacht im augenblick
als dieser mann – du kennst ihn beinah – überlebte
und neben dir das fensterglas zerbebte

« Was vorher geschah12345



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Zinna
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Roman,

ich habe deine eben frisch eingestellten Gedichte gelesen.

Ich halte es oft so, dass ich meinen spontanen Eindrücken nachgebe und sie unmittelbar nieder schreibe.
Gestatte mir also bitte ein paar kommentierende Worte, wenn sie auch aus meinem Tal der Ahnungslosen kommen.
Ich bin nicht bewandert mit der Sonettkunst, kann mich nur äußern, wie die Stücke auf mich wirken.
Krampfig, verkrampft nämlich. Zum großen Teil jedenfalls.
Wie gesagt, ich habe keine wirkliche Ahnung, mein Kommentar ist rein intuitiv.
Ich glaube, dass das fünffache Sonett-Korsett nicht die richtige Kleiderauswahl und eine günstige Anzahl hier ist. Das engt und zwängt.
Nur mein Eindruck.
Ich kann mich an deine Accra-Sonette erinnern, die wirken auf mich ganz anders.
Dort haben deine Verse ebenso ernste Bilder anders transportiert, teilweise wie ... hingerotzt.
Und auf dieser Weise wirkten sie, knallten rein, nahmen mich mit rein, blieben haften.
Dort empfinde ich nicht so ein Krampfen wie hier.
Fühlt sich für mich an wie der Unterschied zwischen Bauch- und Kopf-Schreibe. Hier spüre ich fast nur Kopf. (Bauch noch am meisten in Nr. IV)

Sorry Roman, ich liege bestimmt ziemlich allein mit meinen Eindrücken.
(Man kann gerne schonmal Steine sammeln und zielen.)

LG
Zinna


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Wenn alle Stricke reißen, bleibt der Galgen eben leer...
(c) Zinna
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Mettbrötchen
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 17:08    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Roman,

wenn wir schon bei Spontaneindrücken sind, kann ich ja kundtun, dass es mir ähnlich geht wie Zinna. Positiv hervorzuheben ist der Wille, in fester Sonettform modern zu schreiben. Das ist zwar wieder ein bisschen im Kommen, aber allzu viele tun es immer noch nicht. Jedoch machen diese Gedichte auch auf mich den Eindruck, als wäre ihr Inhalt zum großen Teil von der Suche nach Reimwörtern geprägt, soll heißen, die Form übt hier solch eine Herrschaft aus, dass der Inhalt klein beigibt.

Zitat:
als er dich nahm da nahm er dich ganz einfach
er nahm dich so als wäre das erlaubt
du warst – noch nicht ganz baum – entlaubt
schon da als er dich nahm nahm er dich einfach


Wiederholungen können eine starke Wirkung ausüben und im weiteren Verlauf des ersten Gedichtes setzt du sie auch gut ein. Diese erste Strophe wirkt aber doch sehr unbeholfen, gerade durch diesen identischen Reim.

Eine weitere Frage ist natürlich die der Relevanz, da das Ganze ja schon eine Weile her ist. Ich denke, das müsste schon auf eine höhere Ebene überführt werden, einen breiteren Fokus bekommen.
In die anderen Gedichte schaue ich ein anderes Mal rein. Doch dieser Eindruck des Erzwungenen zieht sich durch.

LG
Mettbrötchen


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I read somewhere how important it is in life not necessarily to be strong... but to feel strong.
(Christopher McCandless
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 22.09.2014 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

Mir geht es ähnlich wie meinen Vorrednern. Die Sonette sind sicher gut gemacht, aber, ja, wie soll ich sagen, mir kommen sie inhaltlich nicht echt vor.
Du hast eine Geschichte verarbeitet, zu der du nur second bis ten hand oder mehr Zugang hast. Das merkt man einfach. Auch ist sie zu alt, um in dieser Aufbereitung zu wirken.
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 23.09.2014 04:27    Titel: Antworten mit Zitat

ich bin wohl der einzige hier, der das sowohl formal als auch inhaltlich ziemlich gelungen  findet?
dass das LI  einen wirklich guten zugang zum thema hat (nämlich die eigene, feine beobachtungsgabe) , zeigt sich mir an vielen stellen. um nur eine zu nennen:


Zitat:
es sind die dinge die du nicht erwähnst
(nur: wie du freiheit sagst und wie du es zerdehnst
als kaum begehbar schroffes relief)
 


um die diskussion mal anzuheizen: was wirkt an diesem zitat unecht, firstoffertio? vielleicht siehst du ja etwas, das ich nicht sehe...ist ja auch viel zu früh um noch klar zu denken Laughing

romsch: ich melde mich noch mal. den Text muss ich noch sehr oft lesen, bevor ich was dazu sagen kann. und jetzt gibt's sowieso erstmal Kaffee

Schlafen ----> Shocked


Lg Denis


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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 23.09.2014 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich nur das Zitat auf mich wirken lasse, unabhaengig, dann finde ich es stark. Da sind viele starke Formulierungen. Aber im Zusammenhang mit dem bestimmten Fall, der mir durch den Titel nahegelegt wird, wirkt das Gesamtwerk auf mich unecht.

Vielleicht liegt es nur daran, dass es so tut, als kenne Autor Personen und Umstände. Ich weiß, das ist nicht so gedacht, aber dass es so wirkt, ist nicht ausgeschlossen.
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finis
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Die lange Johanne in Bronze


BeitragVerfasst am: 23.09.2014 21:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Meine ganz bescheidene Meinung: Vielleicht wirkt das nur so gedehnt, weil der Inhalt auf zu viele Sonette gestreckt wird? Frage mich, ob es nicht Sinn machen würde, das auf ein oder zwei zusammenzukürzen, quasi als best-of Version. Weil da sehr schöne Stellen drin sind, aber es trotzdem insgesamt "zerdehnt" wirkt.

Spontangruß
finis


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Mettbrötchen
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BeitragVerfasst am: 23.09.2014 22:20    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
es sind die dinge die du nicht erwähnst
(nur: wie du freiheit sagst und wie du es zerdehnst
als kaum begehbar schroffes relief)


Naja, der Knaller ist das aber nun auch nicht. Das kann Roman besser (siehe Accra-Gedichte) Wink Ich finde, man merkt beim Vergleich sehr schön, wie viel es ausmacht, ob man einen persönlichen Bezug zum Thema hat oder eben nicht.  Ich denke, es ist schon schwer, sich in Opfer sexuellen Missbrauchs hineinzuversetzen (ich denke, ich spreche da für fast alle Autoren, denen das wie mir zum Glück nicht widerfahren ist), aber Natascha Kampusch ist einfach nochmal ein Sonderfall. Für mich eines der wenigen Themen, an denen man als außenstehender Autor eigentlich nur scheitern kann. Mutig ist es natürlich, sich trotzdem heranzutrauen.


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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 24.09.2014 15:01    Titel: Antworten mit Zitat

firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht liegt es nur daran, dass es so tut, als kenne Autor Personen und Umstände. Ich weiß, das ist nicht so gedacht, aber dass es so wirkt, ist nicht ausgeschlossen.


Mettbrötchen hat Folgendes geschrieben:
Ich denke, es ist schon schwer, sich in Opfer sexuellen Missbrauchs hineinzuversetzen (ich denke, ich spreche da für fast alle Autoren, denen das wie mir zum Glück nicht widerfahren ist), aber Natascha Kampusch ist einfach nochmal ein Sonderfall. Für mich eines der wenigen Themen, an denen man als außenstehender Autor eigentlich nur scheitern kann. Mutig ist es natürlich, sich trotzdem heranzutrauen.


ich finde, das sind ganz interessante gesichtspunkte.
ist das werk schlecht, wenn die identifikation mit dem subjekt (hier: kampusch) nicht funktionieren kann? darf man das überhaupt, also kreativ fremdbiografisch arbeiten? dürfte man dann heute noch über den holocaust schreiben? ich finde, das geht. und dass das werk dadurch nicht schlechter wird. müssen wir unbedingt mal ausdiskutieren, das thema
aber nicht hier, sonst bringt der roman uns noch um Laughing
warum diskutieren wir eigentlich so wenig über sowas?
ich find das richtig interessant, sagmal

roman: ich hab ja schon mal irgendwo einen vorherigen natascha k. ansatz von dir gelesen, der von einer ganz anderen seite beleuchtet hat
der hier gefällt mir besser, weil du die reime und wiederholungen so einsetzt, dass es eine atmosphäre aufklappt
natürlich gehe ich unter der vorraussetzung an den text, dass du beobachter bist. der titel heißt ja "gedichte an natascha k."
und ich kann das alles sehr gut nachvollziehen was du schreibst
denke auch du bist da tiefer eingedrungen als so manch anderer
vielleicht ist das auch z.t. subjektiv, aber ich mag das ziemlich, und zwar genau so wie es ist, selbst nach mehrmaligem lesen
man könnte jetzt sagen, dass ich eh leicht zu beeindrucken bin Very Happy
aber ich find das wirklich gut

lg dennis


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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 26.09.2014 19:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo ihr alle,

vielen dank für eure kommentare.

Zitat:
Ich kann mich an deine Accra-Sonette erinnern, die wirken auf mich ganz anders.
Dort haben deine Verse ebenso ernste Bilder anders transportiert, teilweise wie ... hingerotzt.


ich habe in den accra-sonetten ein ganz anderes und sehr viel freieres versmaß benutzt. vielleicht liegts daran. wobei ich mit den freieren versmaßen auf der anderen seite auch schlechtere erfahrungen gemacht habe. persönlich bin ich mit den accra sonetten nicht mehr zufrieden, was aber mehr mit dem inhalt zusammenhängt. sie sind mittlerweile überarbeitet und auf zwei sonette geschrumpft. bei gelegenheit kann ich diese im entsprechenden thread nochmal vorstellen.

Zitat:
Eine weitere Frage ist natürlich die der Relevanz, da das Ganze ja schon eine Weile her ist. Ich denke, das müsste schon auf eine höhere Ebene überführt werden, einen breiteren Fokus bekommen.


hier würde ich dir wiedersprechen und dich fragen, wer denn festlegt, was relevant ist und was nicht. ich würde vielleicht sogar behaupten, dass sich der dichter um relevanz gar nicht kümmern sollte. sobald etwas für ihn selbst relevanz besitzt, sollte er darüber schreiben, denke ich. ich persönlich sehe in der geschichte der natascha kampusch auf seine ganz eigene art auch ein bild der gesellschaft. der unsägliche öffentliche umgang mit einem opfer hat ein abstoßendes gesicht der gesellschaft gezeigt und ihr gleichzeitig den spiegel vorgehalten. ich denke durchaus, dass das relevanz hat. du hast natürlich recht, wenn du von einem "auf die höhere Ebene führen" sprichst. das wäre dann auf jeden fall eines der ziele des textes gewesen.

Zitat:
Vielleicht wirkt das nur so gedehnt, weil der Inhalt auf zu viele Sonette gestreckt wird? Frage mich, ob es nicht Sinn machen würde, das auf ein oder zwei zusammenzukürzen, quasi als best-of Version. Weil da sehr schöne Stellen drin sind, aber es trotzdem insgesamt "zerdehnt" wirkt.


dass werde ich versuchen!

Viele Grüße,
Roman


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Cora
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BeitragVerfasst am: 29.10.2014 15:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jim Knopf,

das erste Sonett labert sich so durch, es sagt nicht viel, außer dass er sie nahm, wahrscheinlich nicht nur einmal, sondern er nahm sie fast in jedem Vers - es ist eine einzige Nehmerei. Ich setze voraus, dass er sie nicht nur einmal nahm. Du wirst verstehen, dass ich da keine Lust auf mehr von dieser Sorte habe.

Zunächst bin ich der Ansicht, bei der alten Form des Sonetts solltest du dich schon wegen der Lesbarkeit zur Interpunktion bequemen, auch wenn du da nicht sicher bist, es gibt hier bestimmt jemand, der dir helfen könnte. Im allgemeinen habe ich nichts gegen das interpunktionsfreie Schreiben einzuwenden, aber beim Sonett stört es mich doch gewaltig.

Es wäre aber vielleicht angebracht, da du das Sonett mit regelmäßiger Füllung geschrieben hast, auch den Vers "er spürte Haut und sein Adrenalin"
in gleicher Weise zu füllen. Einige Formulierungen gefallen mir, andere könnte ich mir gekonnter vorstellen, sie überwältigen mich nicht, aber bei uns Dilettanten sollte man schon mal Abstriche machen.

Ich bin keine Freundin des Sonetts, die Sonettschreiber treten immer im feinen Armani auf, auch wenn er hier und da schon einen Sektfleck aufweist. Sie wollen eben was darstellen. Und du willst gleich fünffach was darstellen, da ziehe ich mich lächelnd zurück.

Gruß, Rita
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Cora
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BeitragVerfasst am: 29.10.2014 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Cora hat Folgendes geschrieben:
Hallo Jim Knopf,

das erste Sonett labert sich so durch, es sagt nicht viel, außer dass er sie nahm, wahrscheinlich nicht nur einmal, sondern er nahm sie fast in jedem Vers - es ist eine einzige Nehmerei. Ich setze voraus, dass er sie nicht nur einmal nahm. Du wirst verstehen, dass ich da keine Lust auf mehr von dieser Sorte habe.

Zunächst bin ich der Ansicht, bei der alten Form des Sonetts solltest du dich schon wegen der Lesbarkeit zur Interpunktion bequemen, auch wenn du da nicht sicher bist, es gibt hier bestimmt jemand, der dir helfen könnte. Im allgemeinen habe ich nichts gegen das interpunktionsfreie Schreiben einzuwenden, aber beim Sonett stört es mich doch gewaltig.

Es wäre aber vielleicht angebracht, da du das Sonett mit regelmäßiger Füllung geschrieben hast, auch den Vers "er spürte Haut und sein Adrenalin" in gleicher Weise zu füllen. Einige Formulierungen gefallen mir, andere könnte ich mir gekonnter vorstellen, sie überwältigen mich nicht, aber bei uns Dilettanten sollte man schon mal Abstriche machen.

Ich bin keine Freundin des Sonetts, die Sonettschreiber treten immer im feinen Armani auf, auch wenn er hier und da schon einen Sektfleck aufweist. Sie wollen eben was darstellen. Und du willst gleich fünffach was darstellen, da ziehe ich mich lächelnd zurück.

Gruß, Rita
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Eulenbaum
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BeitragVerfasst am: 31.10.2014 06:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jim,

Deine Texte werde ich noch mal und mehrmals lesen. Schon die erste Strophe hinterläßt bei mir sofort Spuren.

Und dann z.B. diese Zeile:
"wie seltsam seinen hunger zu verlieren"

Ich werde mich auf jeden Fall reinlesen in Deinen Text! Es haben sich schon Brocken in meinen Kopf gesetzt.

Bis dann.

Gruß,
Eulenbaum
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jim-knopf
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BeitragVerfasst am: 31.10.2014 09:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hallo cora, hallo eulenbaum,

vielen dank für eure antworten.
schön, dass ihr zeit gefunden habt, hier reinzuschauen!

viele grüße
roman


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Eulenbaum
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Beiträge: 847



BeitragVerfasst am: 31.10.2014 20:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Roman,

eine neue Rückmeldung nach nochmaligem Lesen und Draufeinlassen:

Eine Sicht von innen, die nahe an mich herankommt, in manchen Zeilen atme ich sozsuagen mit dem LI(?) bzw. mit dem LD.
Du bist dicht an dieser Figur in Deinen Texten dran mit Bildern, die beschreiben, und die das, was beschreiben wird, an mich ranziehen.

Ich werde die Texte aber nochmal lesen.

Gruß,
Eulenbaum
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Eulenbaum
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Beiträge: 847



BeitragVerfasst am: 02.11.2014 19:47    Titel: Re: sonette an natascha k. Antworten mit Zitat

jim-knopf hat Folgendes geschrieben:
I.

als er dich nahm da nahm er dich ganz einfach
er nahm dich so als wäre das erlaubt
du warst – noch nicht ganz baum – entlaubt
schon da als er dich nahm nahm er dich einfach

am gleichen tag als er dich nahm nahm er dich
nochmal an diesem ersten tag der flucht durch wien
du spürtest haut und sein adrenalin
als er dich nahm und nahm und schrie: he! wehr dich

es ist sein atmen das am tiefsten rührt
du hast dich nicht gewehrt und warst genommen
und er steigt ab und atmet immerzu

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vor hunger fantasierst er sei wie du
und nichts sei wahrer als sein tritt durch diese tür

Hallo Roman,

diese Verbindung hier habe ich erst nicht verstanden
"vor hunger fantasierst er sei wie du
und nichts sei wahrer als sein tritt durch diese tür
"

Aber nach einer Weile "Reinmeditieren" hat es sich mir erschlossen, was es heißen könnte.


Zitat:
schon da als er dich nahm nahm er dich einfach


Das ist für mich eine Wiederholung zu viel.
Ich mag die anderen Teile und Bilder dieses ersten Textes sehr gern, sie machen mir etwas verständlich, worüber ich so nicht nachgedacht habe, und zwar durch eine Art wird das gesagt, die etwas deutlich macht - aber aber ich habe nicht das Gefühl, daß es "vordergründig" wird.

Schön!

Gruß,
Eulenbaum
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Eulenbaum
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BeitragVerfasst am: 03.11.2014 07:32    Titel: Antworten mit Zitat

Der zweite Text steht unter dem Thema "Sieg" für mich: dreimal Sieg: "Er" siegt, "der Zug" siegt, sie siegt (indem sie ihn "verliert").

Verknüpfung von mehreren Ebenen. Ineinandergewoben. Sie ist entflohen, und es wird für mich speziell (sie ist entflohen) zu diesem Zeitpunkt das Thema Traumaverarbeitung durch die Art der Verknüpfung hier der Ebenen angetippt.

Ich denke fast, daß Du das nicht bewußt so angelegt hast, dieses Thema zu diesem Zeitpunkt.

Aber du warst so in dem Gesamt-Thema drin, daß es bei der Arbeit so entstanden ist. Ist nur mein Eindruck, absolut gelungen für mich!

Gruß,
Eulenbaum

EDIT: Es muß Traumaverarbeitung heißen, nicht Traumverarbeitung...
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Eulenbaum
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BeitragVerfasst am: 03.11.2014 14:13    Titel: Antworten mit Zitat

jim-knopf hat Folgendes geschrieben:
III.

der priklopil war tot und du auf ORF
es sind die dinge die du nicht erwähnst
(nur: wie du freiheit sagst und wie du es zerdehnst
als kaum begehbar schroffes relief)

die davon sprechen warum deine augen flattern
als wäre all die welt den blick nicht wert
als wär der blick oder die welt verkehrt
sie beide sagen warum deine augen flattern

nur: wie du freiheit sagst und dabei wieder
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als wäre diese freiheit die du meinst erträglich

als hätte er dich nicht ganz ausgeprägt
als beugte er sich nicht mehr zu dir nieder –
er tut es weiterhin er tut es täglich


Freiheit, bleibende Unfreiheit. Bezogensein des Lebens auf das, was immer noch real ist, auch wenn es nicht mehr geschieht.

Ver- und Bearbeitung der Vergangenheit N.s durch die Umwelt, Einsamkeit der N. selber in all der Thematisierung und öffentlichen Bewältigung ihres Schicksals (das der N.).

Das jedenfalls wird mir in diesem Text(teil) deutlich.

Nach meinem EDIT im Beitrag vorher also gleich das Besprechen hier des nächsten Textes...

Gruß,
Eulenbaum
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