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Lichter des Lebens


 
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Herdis
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 123
Wohnort: Westfälischer Dickschädel in Nordhessen


BeitragVerfasst am: 01.01.2019 20:00    Titel: Lichter des Lebens eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lichter des Lebens

Lichter aus. Tür zu.
Der frische Duft von Rasierwasser und Deo mischt sich mit der kalten, klammen Abendluft. Jemand trägt eine Laterne vorbei und wir nicken freundlich, wünschen einen guten Abend. Wie an jedem der letzten 21 Tage werden sich heute viele in der Kirche treffen, gemeinsam beten und singen und im Anschluss zu einem Haus wandern, dort bei Glühwein und Keksen feiern. Ein lebender Adventskalender. Lichter des Lebens. Wir sind gemeinsam auf dem Weg, der Schein der Lampen spiegelt sich auf dem feuchten Asphalt, zeichnet unsere Silhouetten auf die Straße. Wir folgen ihr ein kurzes Stück hinunter ins Tal und biegen in der letzten Kurve rechts ab ins Dunkel. Wie oft sind wir diesen Weg schon gemeinsam gegangen? Unzählbar. Unser Ziel wird sichtbar,...
  leuchtet einladend am Horizont. Sie warten dort auf uns. Hinter uns lebt ein Motor auf, ein kaltes Licht braust heran, wirft im Nieselregen glitzernd unsere Schatten voraus. Es holt uns ein, erwischt uns, reißt uns vom Boden, wir wirbeln hoch, fliegen in einem fast perfekten Bogen, die Lichter verwischen wie auf einer Langzeitbelichteten Nachtaufnahme. Lichtbilder...
  des Lebens blitzen durch unsere Gedanken, fluten ineinander, überlappen sich, lodern auf, banale und wichtige, in wildem Tanz durcheinander. Die Kirchturmglocke schlägt. Wir können sie sehen, die Fenster...
  der Kirche, warm und einladend. Hinter den vertrauten weißen Mauern steht alles bereit für das Krippenspiel. Wilde Schäfer waren wir einst. Und über uns der Adventskranz. Advent...
  die drei angebrannten Kerzen auf dem Adventskranz, der vierten bleibt eine letzte Nacht. Zwei Nächte...
  bevor die Lichterketten in der Nordmanntanne erstrahlen sollten, die zu Hause noch auf das gemeinsame Schmücken im Kreis der Familie wartet. Der Glanz der Christbaumkugeln im dunklen grün, das Licht der Kerzen im Widerschein. Die bereitstehenden großen und kleinen Geschenke, versteckt hinter dem hohen Sofa, eingepackt in Vorfreude auf leuchtende Kinderaugen, Neffen, Nichten, Geschwister, Eltern, jung und alt. Alles vergeblich. Denn wir fliegen...
  und mit uns unsere Gedanken an Geschenke und Kerzen...
  so wenige davon ausgeblasen auf leckeren, selbstgebackenen Geburtstagskuchen. Geburtstage...
  Kellerpartys zu unseren achtzehnten, die bis zum Morgen dauerten. Der erste Kuss, die große Liebe. Mit ihr im letzten Sommer, Hand in Hand am Strand. Unsere Leute, lachend, die nicht ahnen, dass wir in diesem Moment fliegen. Oder doch? Zünden sie gerade Kerzen an? Kerzen wie...
  auf dem Festtisch zur Konfirmation. Ein wichtiger Tag. Im Anschluss gemeinsam durch den Ort gezogen. Der erste Kater am Tag danach. Licht war tödlich...
  aber wir fliegen, verfolgen die Lichter unseres Lebens durch die Zeiten, in den Schein von Lagerfeuern bei Zeltlagern, in das Flackern von Fackeln und Friesenfeuer auf Festen in der Aue oder an der Waldhütte. Erst letzten Monat haben wir das Wildgatter für den Winter fertig geflickt, dort wo...
  wir vor Jahren den dampfenden Meiler geschichtet und mit Hingabe gehegt und gepflegt und sorgsam bewacht haben. Wie stolz wir beim Öffnen waren. Wir glühten vor Freude und Stolz. Doch die Nacht darauf...
  Entsetzen, stille Tränen, Schweigen im unerbittlichen Brausen hell lodernden, verzehrenden Feuers. Brandstiftung, der umliegende Wald und die Tiere im Gehege in Gefahr. Wir halfen löschen und retten, doch das Gebäude zerfiel noch vor dem Morgenlicht zu Asche. Die Gemeinde beraubt, Erschütterung und Ohnmacht im ganzen Ort. Dann ein Hoffnungsschimmer, aufraffen, Gelder sammeln, Wiederaufbau, anpacken, Seite an Seite, Hand in Hand. Der Ort stand zusammen. Wir waren Macher. Kameraden. Die Kameraden...
  sie werden als erste hier sein. Mit Blaulichtern und grelles Flutlicht. Doch wir sind...
  auf der Höhe unseres Fluges. Ein letzter Blick auf die vielen kleinen Lichter unter uns, auf die umgebenden Berge mit ihren Wäldern, das lang gestreckte Tal, weit über Aue und Fluss. Von Kindesbeinen an ein vertrautes Panorama, durch die Jahreszeiten, in jedem Licht des Tages. Dort...
  das Freibad, im Sommer direkt aufs Fahrrad und ab hier her. Wärme und Wasser...
  am Abend zum Fluss, wenn die letzten Sonnenstrahlen auf den Wellen leuchten, Libellen und Wasserläufer tanzen, die Fische aufsteigen. Die ersten hungrigen Fledermäuse über uns. Stille Schatten. Stille. Schatten...
der Fluss liegt zwischen uns und dem Festplatz mit seiner Halle, so nah, wir könnten kurz rüber fliegen, sanft gleiten, wie die Fledermäuse des Sommers. Wir könnten...
  dort die unschätzbaren Erinnerungen an so viele mit dieser Stelle verbundenen Ereignisse, an helfende Hände, treue Freunde, an Familie, Gemeinschaft, an Kirmes, an Tanz, Gesang und Lachen und Literweise Bier einsammeln. Wie oft sind wir, erst als Kindergarten und Schulkinder, die selbst gebastelten Schilder in Händen, begleitet von Marschmusik durch die Straßen bis hier herunter marschiert. Sind als Vereinsmitglieder auf geschmückten Festwagen gesessen, die wir Jahre später selbst gezogen haben. Mit unseren eigenen Traktoren. Haben am Abend vorher den Maibaum die Hauptstraße hinunter in die Aue getragen. Erinnerungen an fröhliche Tage, spätnachts im Schein von Mond und Taschenlampen, wahlweise erst im Morgengrauen, nach Hause. Es ist nicht weit von hier- und doch so fern. Straßen,...
  in denen wir für einen Eierlohn die Löschbrunnen kontrolliert und gereinigt haben. Der Duft gebratener Eier in der Halle nach getaner Arbeit oder von...
  Harz und Nadeln der Weihnachtsbäume, für das Osterfeuer gesammelt. Wir haben die Kettensägen angeworfen, Stämme geschnitten, den großen Scheiterhaufen hoch oben über dem Ort errichtet und darüber manche bitterkalte Nacht unter Sternen gewacht. Mächtig strahlte dann endlich der Schein des Feuers, hoch hinauf stoben die Funken in den dunklen Himmel auf. Es leuchtete lang und bis weit in die Nacht. Hoffnungsfunken, geboren aus einer brennenden Quelle. Ein Licht des Lebens nach der Dunkelheit. In diesen vielen Momenten wussten wir, tief in unseren Herzen und Seelen, was Heimat bedeutet. Während andere in die Ferne zogen, sind wir dem Ort treu geblieben, fest verwurzelt mit und aktiv in dieser eingeschworenen Gemeinde. Feuer, Gemeinschaft...
  oh, könnten wir dem Weg des Flusses noch ein Stück weit folgen, ein letztes Mal die dampfenden Schornsteine und die wabernde Hitze über der rotgoldenen Glut sehen, den bogenförmigen Funkenflug erleben, wenn das flüssige, spritzende Eisen abgegossen wird. Ein letztes Mal in den blendenden Abguss schauen- und auf die treuen Kollegen, Kameraden, die Gesichter in Schweiß und Ruß. Drei Schichten, sieben Stunden, oft sieben Tage die Woche, zwölf Monate im Jahr. Erst gestern das letzte Mal gestempelt. Fast unser halbes Leben waren wir dort. Ein Knochenjob, Sommer wie Winter, in einer alles andere als eine Schokoladenfabrik. Kein Job für jedermann. Aber für uns. Morgens kurz nach sechs, nach getaner Arbeit, im ersten Licht der Sonne stehen, der Nebel noch tief über den Feldern, schweigend die erste Zigarette nach Schichtende in der Hand, hundemüde, aber stolz, die Haare noch feucht von der Dusche und über uns am Himmel den lautstarken Flug der Schwäne verfolgen. Frische Luft atmen und den Beginn des neuen Tages genießen. Sich auf das wartende Bett freuen. Sich später erschöpft hineinfallen lassen. Fallen...
  wir fallen. Immer schneller, zurück der Erde zu. Weiter steigen, höher und höher, noch ein Stück in Gedanken fliegen, bleibt unerfüllt. Es gibt unzählige Erinnerungen, die wir einsammeln und retten möchten, bevor sie am Boden zerschellen. So viele Lichter in unseren Leben- Menschen und Orte. Das alles ein letztes Mal mit wachen Augen sehen. Unser Ziel des Abends ist sichtbar...
  am Horizont. Aber es ist nicht mehr das unsere. Sie warten dort heute vergebens auf unser Kommen. Das Licht in den Fenstern brennt umsonst. Für uns wird ein anderes Ziel sichtbar. Feuer und Licht...
  waren stets ein Teil von uns. Wir beide sind miteinander durch Feuer gegangen und wir beide werden gemeinsam in Flammen aufgehen. Und dann sind wir es, die auf euer Kommen warten. Nicht begierig. Mögen euch viele Jahrzehnte mehr Zeit zum Leben gestundet sein. Heißt es nicht...
  `Der Tod dauert schließlich noch die ganze Ewigkeit.´?
Und sagt man nicht...
  `Unsere Zeit hier ist nur geliehen.´ ?
  Hätten wir, rückblickend, anders gelebt, wenn uns bewusst gewesen wäre, dass unsere Zeit heute widerrufen wurde? Dass uns nicht mehr Zeit gestundet ist? Es gibt darauf keine Antwort. Es ist nicht mehr wichtig. Von diesem Weg gibt es kein Entkommen und kein zurück. Für niemanden. Es gibt nur ein weiter und ein voraus. Wie viel Zeit wir darauf wandeln dürfen, durch wie viele Kurven, Höhen und Tiefen er uns führt- das alles wissen wir nicht, wenn wir ihn betreten.
Niemand sieht den Docht seines Lebenslichts, kennt sein Maß. Wir wissen nur, dass er eines Tages flackern und verglühen wird. Das ist der Moment, wenn der Weg endet und das Ziel erreicht ist.
Wir beide gehen jetzt schon mal vor.
Rote Heckschweinwerfer spiegeln sich auf nassem Asphalt.
Vor uns stirbt ein Motor.
Eine Tür öffnet sich.
Lichter aus.

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Tape Dispenser
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BeitragVerfasst am: 12.01.2019 00:57    Titel: Antworten mit Zitat

Eine bodenständige Dorfidylle, bei der mehrere Menschen anscheinend von einem Auto getroffen werden und durch die Luft wirbeln. Während es Fluges eine Blick zurück auf das bisherige Leben, wobei hier Zeitraffung (die Leben) auch Zeitdehnung (der Flug) trifft. Angelehnt an die berühmten letzten Sekunden, bei denen man angeblich noch einmal sein gesamtes Leben an sich vorüberziehen sieht. Handwerklich gut gemacht. Kritikpunkte sind die Lebensschnippsel, die hier serviert werden. Dergleichen habe ich so oder so ähnlich schon zu viele gelesen, als dass ich mich dafür begeistern könnte.
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 13.01.2019 00:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hier war ich mir erst unsicher, ob das Variante 1) oder 2) ist.
Nun lese ich 2). Ein Autounfall, die Betroffenen, Umgefahrenen, Getöteten
resümieren dabei Teile ihres Lebens, oder?

Ich glaube, dass mir hier zu viel Augenmerk auf den beiden liegt, und zu wenig auf der Gegend in dieser Minute. Zu wenig verschiedene Orte.

Und mir ist das doch zu sehr eine Geschichte.
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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 13.01.2019 10:33    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Es gibt unzählige Erinnerungen, die wir einsammeln und retten möchten, bevor sie am Boden zerschellen.


Sätze wie diesen hätte ich gerne häufiger gelesen. Große Teile deiner Erzählung sind mir zu selbsterklärend, zu wenig E-Literatur. Ich finde keinen doppelten Boden, weil der Text sich bereits selbst interpretiert:

Zitat:
Feuer und Licht...
waren stets ein Teil von uns.


Das ist das einzige Motiv, das im Text wiederholt verwendet wird, und wenn es mir vorgekaut wird, habe ich daran keine Freude mehr. Passagen wie diese hier:

Zitat:
Niemand sieht den Docht seines Lebenslichts, kennt sein Maß. Wir wissen nur, dass er eines Tages flackern und verglühen wird. Das ist der Moment, wenn der Weg endet und das Ziel erreicht ist.  


Erinnern mich an Kirchenpredigten. Generell glaube ich, aus der Erzählerstimme hätte man mehr machen können. Warum zum Beispiel erzählt das alles nicht ein Priester auf der Beerdigung, während parallel die Sache mit dem Unfall abläuft? Das bekäme mehr Spannung, mehr Anreize. So auf die Art ist mir das einfach zu kitschig - nichts für ungut.


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"vielleicht ist der mensch das was man in den/ ersten sekunden in ihm sieht/ die umwege könnte man sich sparen/ auch bei sich selbst"
- Lütfiye Güzel
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Literättin
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Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 14.01.2019 12:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ein solide geschriebenes, leider recht vorhersehbares Idyll. Die letzten Momente eines Lebens, die inneren Bilder in der Ahnung des Todes laufen ab, die auf der Hand liegenden Fragen gestellt, zielen aber für mein Empfinden gradlinig am Thema vorbei, das mir in beiden Inspirationsstücken: der (Un)Haltbaren Gegenwart und der gestundeten Zeit am Horizont doch anders gelagert erscheinen. Hier ist das Thema der Reflexion über das eigene abgelaufene Leben zu vordergründig: War es gut so? Hätte ich etwas anders machen müssen? War es das wert?, deuten etwas anderes als die (Un)Haltbarkeit der Gegenwart, die am Lebensende logisch nicht mehr haltbar ist, aber so auch eigentlich nicht Thema und nicht Thema des Textes. Und Stundung bedeutet nicht, wie hier im letzten Absatz, dass da eigentlich noch etwas hätte kommen können, oder müssen.

Was gelungen ist, rein schreibtechnisch, ist diese kompakte, fast üppige Schilderung eines Idylls, das nicht einmal durch harte Arbeit getrübt werden kann. Oder durch diesen Unfall, der da so böse hereinbricht. Tatsächlich ist der für mich so wenig tragisch, wie diese Szene, diese Landschaft, dieses Weihnachtsidyll mir real erscheinen. Das Ganze wirkt auf mich fast wie eine Märchenwelt, die es gar nicht gibt (nicht abwertend gemeint). Das Idyll also entwickelt von daher durchaus einen eigenen Reiz, geht für mich aber an der Aufgabenstellung zu gerade, zu vordergründig vorbei. Kriterium E sehe ich nicht erfüllt. Die Vorgaben wie gesagt zu vordergründig verarbeitet.


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when I cannot sing my heart
I can only speak my mind
- John Lennon -

Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
- Tomás Halík -

Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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Heidi
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BeitragVerfasst am: 14.01.2019 22:39    Titel: Re: Lichter des Lebens Antworten mit Zitat

Der Text will zu sehr, dass ich das Motto darin verstehe, es wird in den letzten Absätzen direkt als solches genannt, weshalb ich es als nicht-zugehörig empfinde. Ich selbst finde es wichtig, dass gerade das Motto zwischen den Zeilen mitschwingt. Ich will es im Text spüren, aber so, dass ich während des Lesens zu jeder Zeit das Gefühl habe: da erlebe ich ganz viel Motto.
Insgesamt liest sich diese Lebensgeschichte etwas langatmig. Es geschehen Äußerlichkeiten, die sicherlich ganz viel im Inneren deiner Figur etwas bewirken, diese Umstülpung von einem "Arbeitsfeld" ins nächste, ginge sicher spannender. Am Ende bleibt keine Figur an mir haften, ich bewege die Geschichte nach dem Lesen auch nicht weiter in mir.

Die Wiederholung des Titels im Text macht vieles nicht besser.
Ist das Thema erfüllt? Ich werde nicht drumherumkommen und noch mal lesen müssen, um das herauszufinden.

---

Und nun nach erneutem Lesen: Doch (Un-)Haltbare Gegenwart ist schon drin, finde ich, aber das Motto noch immer nicht. Zur Raffung hab ich noch nichts gesagt: Ich finde, der erste Teil des Textes liest sich noch nicht wie eine Raffung, sondern eher wie ein Einstieg in eine Geschichte.

Die Punkte sind alle, dein Text geht leider leer aus.


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Mardii
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BeitragVerfasst am: 15.01.2019 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

Zuerst glaubte ich eine Biographie in Feiertagen zu lesen, dann wurde ich eines Besseren belehrt und war enttäuscht. Ohne Zweifel ist der Text gut geschrieben, sehr anheimelnd und stimmungsvoll. Nur meine ich in Erinnerung zu haben, dass es eine Biographie einer Person sein sollte, die dargestellt werden sollte.

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lilli.vostry
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BeitragVerfasst am: 16.01.2019 02:10    Titel: aw:LichterdesLebens Antworten mit Zitat

Hallo,

ein Text, den ich gern gelesen habe und der mir nahegeht, mit sehr detaillierter, bildhafter Beschreibung, teils etwas zu ausführlich, die vielen Umzüge, Feste und Lichter... Hier könnte man etwas straffen Textwiederholungen.

Die Zeitstraffung der Vorgabe - Lebensverlauf einer Figur - ist erfüllt. Hier erzählt ein Paar, so deute ich es, das an einem Adventlichterabend unterwegs ist, von einem Auto angefahren wird seine letzten Lebensminuten. Bilder und Lichter ihres Lebens ziehen vorbei, während sie/ihre Seelen davon fliegen; im Flug sehen sie auf die Stadt, Menschen, die auf sie warten, auf früher, auf die Fabrik, wo sie schufteten und in der Morgensonne standen (sehr schön beschrieben); sie wollen Erinnerungen einsammeln und retten, bevor sie am Boden zerschellen.
Und werden sich schmerzlich des alles Vergänglichen, Unentrinnbaren bewusst und dass alles so passiert wie es passiert und man erst im Nachhinein den Weg erkennt, ohne etwas rückgängig machen zu können. Das Sinnbild mit dem Kerzendocht ist schön.

Teils zu viel Pathaos: "Mögen euch viele Jahrzehnte mehr Zeit zum Leben gestundet sein." (damit das Motto bzw. Bachmann-Zitat sehr direkt in den Text eingebracht)

Ich gebe Dir eine Feder für den Text.

Grüße,
Lilli


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lilli.vostry
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BeitragVerfasst am: 16.01.2019 02:11    Titel: aw:LichterdesLebens Antworten mit Zitat

Hallo,

ein Text, den ich gern gelesen habe und der mir nahegeht, mit sehr detaillierter, bildhafter Beschreibung, teils etwas zu ausführlich, die vielen Umzüge, Feste und Lichter... Hier könnte man etwas straffen Textwiederholungen.

Die Zeitstraffung der Vorgabe - Lebensverlauf einer Figur - ist erfüllt. Hier erzählt ein Paar, so deute ich es, das an einem Adventlichterabend unterwegs ist, von einem Auto angefahren wird seine letzten Lebensminuten. Bilder und Lichter ihres Lebens ziehen vorbei, während sie/ihre Seelen davon fliegen; im Flug sehen sie auf die Stadt, Menschen, die auf sie warten, auf früher, auf die Fabrik, wo sie schufteten und in der Morgensonne standen (sehr schön beschrieben); sie wollen Erinnerungen einsammeln und retten, bevor sie am Boden zerschellen.
Und werden sich schmerzlich des alles Vergänglichen, Unentrinnbaren bewusst und dass alles so passiert wie es passiert und man erst im Nachhinein den Weg erkennt, ohne etwas rückgängig machen zu können. Das Sinnbild mit dem Kerzendocht ist schön.

Teils zu viel Pathaos: "Mögen euch viele Jahrzehnte mehr Zeit zum Leben gestundet sein." (damit das Motto sehr direkt in den Text eingebracht)

Ich gebe Dir eine Feder für den Text.

Grüße,
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 16.01.2019 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
eine der besten Geschichten, die ich bis jetzt gelesen habe. Vorgaben alle umgesetzt, das Thema gut getroffen, E isses auch. Das Leben der beiden (Moment, sollte das laut Vorgaben nicht nur einer sein? – egal, passt für mich) wird gut sichtbar, nachvollziehbar, nachfühlbar. Am Schluss die interessante Frage, hätten wir anders gelebt, wenn wie gewusst hätten, wie es endet? Stark.

Einzige Sache, wo ich ein paar Fragezeichen über dem Kopf habe: Wie genau kommt es zu der Situation? Ist das ein Unfall, oder Absicht? Aber okay, das wissen die vom Fahrzeug Getroffenen ja auch nicht, kann also ruhig im Dunkel bleiben. Was mir dabei nicht klar wird, ist das "Fliegen". Klar fliegen die Gedanken, aber die Körper auch. Dazu bedarf es einer gewissen Wucht, mit dem das Fahrzeug die Personen trifft. Warum soll jetzt der Aufprall auf der Erde danach tödlich sein, das Aufprallen des Fahrzeugs aber noch nicht? Hier kommt mir das Plot Device, noch Zeit für Gedanken zu haben, etwas zu deutlich durch. Aber sonst habe ich nichts auszusetzen. Obwohl die Erinnerungen etwas persönlicher hätten sein können. So sind es eher die kollektiven Erinnerungen eines Dorfes. Aber passt ja auch, die beiden waren da ja sehr integriert, und somit kann auch ihr Ableben exemplarisch/universal stehen.

Gerne gelesen,
Veith

Ob es Punkte gibt, kann ich noch nicht sagen, weil ich erst ein Drittel der Geschichten gelesen habe, aber ich gehe davon aus.


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Warning: Cthulhu may occasionally scare people …
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Municat
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Alter: 51
Beiträge: 365
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BeitragVerfasst am: 16.01.2019 17:28    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Inko smile

Dein Text erfüllt irgendwie sogar beide Alterniven zur Umsetzung des Themas. Der Moment, in dem der (bzw. die) Erzähler von dem Amok-Fahrer erfasst werden und in der Erwartung, zu sterben, durch die Luft fliegen, wird so weit gedehnt, dass die Erinnerung an ein ganzes Leben hinein passt. Okay, man könnte jetzt sagen, das ist keine Minute, aber wenn man die EInleitung dazu rechnet (also das los laufen bis zu dem Punkt, an dem das Fahrzeug in die Gruppe rast), könnte eine Minute daraus werden.

Die Überlegung erübrigt sich allerdings, weil Dein Text ja eine Raffung ist: einzelne Bilder von erlebten Momenten ploppen auf und fügen sich zum Bild eines Lebens zusammen, dass nun unerwartet beendet wird. Diese Bilder sind intensiv und authentisch. Groteskerweise findet der Erzähler sogar noch die Zeit, sich über eine perfekte Flugkurve Gedanken zu machen.

Du greifst einzelne Formulierungen aus der Vorgabe auf und fügst sie in Deinen Text ein, ohne dass diese wie Fremdkörper wirken. Auffällig gut finde ich die Übergänge zwischen den einzelnen Bildern, die dem Erzähler in den Sinn kommen.

Ja, das hat was.

Punkte vergebe ich erst, wenn ich alle Texte zweimal gelesen und einmal kommentiert habe.


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Gräme dich nicht, weil der Rosenbusch Dornen hat, sondern freue dich, weil der Dornbusch Rosen trägt smile
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 16.01.2019 23:55    Titel: Antworten mit Zitat

Und in der letzten Minute zieht das Leben an einem vorbei. Ich wundere mich gerade darüber, dass ich auf diese Idee so gar nicht kam. Wo es doch eigentlich völlig naheliegend ist.

Aber zum Text. Die hier ... nerven mich ganz fürchterlich. Vermutlich weil sie zu dieser wolkenschwebenden Atmosphäre beitragen, als wären diejenigen, die da durch die Luft fliegen, längst auf ihrer Wolke angekommen und würden schon mit Engelsflügeln und verklärten Gesichtern herumlaufenfliegen.
Diese Atmosphäre ist denn auch der Hauptgrund warum ich mit dem Text nichts anfangen kann. Weil, so ist es nicht, dieses durch die Luft fliegen, dass nehme ich diesem Wir nicht ab. Mein Wir ist das nicht, mein Wir ist da viel brutaler.
Erinnert mich spontan an Yoga-Videos, in denen biegsame, selig lächelnde Menschen mir "Und jetzt atmen! Und lächeln!" zurufen, während ich gerade völlig verknäult und nach Luft japsend zur Seite kippe.

Zu diesem "wolkigen" Empfinden trägt natürlich vor allem die Sprache bei, die ungemein "rüschig" daherkommt und dadurch ebenfalls meine Geduld mit dem Text strapaziert.

Und das, bzw. die beschriebenen Leben, die tragen auch dazu bei. Auch da ist alles rüschig und rosarot, sogar der Knochenjob. Na gut, verklärte Erinnerungen, im Nachhinein ist alles besser, vielleicht würde ich den Text tatsächlich besser ertragen, wäre von Anfang an klar, dass ich es mit Engeln zu tun hätte. Na ja, vielleicht auch nicht.
So etwas wie das hier
Zitat:
Wir beide sind miteinander durch Feuer gegangen und wir beide werden gemeinsam in Flammen aufgehen.

treibt das Ganze für mich auf die Spitze.

Aber hey, den letzten Satz mag ich smile
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 17.01.2019 23:36    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Text, der mir insgesamt zu luftig ist?
Ich habe viele Anläufe gebraucht, ihn zu beenden, er ist mir zu ausladend, zu gesprächig, das ist einfach nicht mein bevorzugter Ton wahrscheinlich. Ich mag es knapp und aufs Wesentliche konzentriert. Hier fliegt und gleitet alles so dahin. Das mag passen zu dieser Stimmung, dem Thema und den Gedanken, aber es bekommt mich nicht, meine Aufmerksamkeit geht immer wieder auf eigene Wege und ich fliege aus dem Text.


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Catalina
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Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 21.01.2019 07:20    Titel: Antworten mit Zitat

Der Unfalltod ist mir persönlich zu pathetisch (geschrieben), er hätte mich wohl mit trockeneren Worten besser erreicht. So aber bekomme ich dazu Abstand und mich berührt die ganze Geschichte nicht.

Was mir gut gefällt, dass der Schluss den Anfang wieder aufnimmt. Auch sehr gut gefallen hat mir, wie Du das Gemeinschaftsgefühl eines kleinen Dorfes einfängst. Das gelingt Dir so gut, dass ich annehme, Du hast es selbst erlebt.

Auch die Idee gefällt mir. Das in den letzten Sekunden vorbeiziehende Leben, mehr noch die Lichtbilder, die aufblitzen. Ich nehme an, jedes dieser Bilder ist durch die ...-Absätze gekennzeichnet (ganz erschließt sich mir das nicht)?

Die Vorgaben hast gut vorbildlich erfüllt. Die gestundete Zeit greiftst Du sogar in Deinem Text auf. Ich glaube, Du bist auch die Einzige, die die Iterative Zeitraffung genutzt hat. Und das ziemlich gut.

Aufgrund der harten Konkurrenz habe ich jedoch leider keine Punkte für Dich.
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MoL
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Beiträge: 1128
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 21.01.2019 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

Tolle Idee, lieber Inko! Inhaltlich spricht mich der Text nicht so sehr an, aber stilistisch, das reicht für ein paar Punkte. Smile

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"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
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Michel
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Beiträge: 1826
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 22.01.2019 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zuerst gedacht: Jetzt wird‘s aber wildromantisch. Der Schluss fängt es dann wieder ein, aber die zweite Hälfte empfinde ich als zu schwärmerisch, sie reicht nicht an den Beginn heran.
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Jenni
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Beiträge: 3805

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 23.01.2019 01:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zwei Menschen („wir“) gehen im Dunkeln zu einer Adventsveranstaltung mit dem Motto „Lichter des Lebens“, doch unterwegs werden sie von einem Auto erfasst und sterben. „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ … sagt man. Deine beiden überfliegen im Moment des Sterbens die Gegend, in der sie gelebt haben, und erinnern sich. Das gefällt mir sehr gut als Idee, diesen Zusammenhang herzustellen zwischen den Orten und der Lebenszeit, wie unterschiedliche Orte Stationen des Lebens darstellen und das Leben quasi als Landschaft erzählt ist. Die Umsetzung begeistert mich nicht ganz so. Dabei findest du Erinnerungen, die als persönlich durchgehen und deine Figuren charakterisieren, das ist gut, aber du entwickelst keine Bilder daraus. Du verwendest unausgearbeitete und oftmals abgerissene Sätze, um die Erinnerungsfetzen darzustellen, aber im Zusammenhang mit deiner Idee wären m.E. individuelle (Sprach-)Bilder passender und jedenfalls interessanter zu lesen. Und dann ist da all der Kitsch, das Weihnachtliche, das „Oh, könnten wir doch noch einmal“, die Sprichwörter und recht banalen Fragen am Ende, all das offensichtlich abzielend auf eine oberflächliche emotionale Reaktion.
Ich finde, dass der Text etwas enthält, was sich vielleicht lohnen würde herauszuarbeiten. So wie er jetzt ist, überzeugt er mich nicht.
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anderswolf
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Beiträge: 423
Wohnort: Bad Nauheim


BeitragVerfasst am: 25.01.2019 17:07    Titel: Antworten mit Zitat

Prima, in der Mitte ein bisschen träge, aber ist vielleicht auch zum Grundbild passend, denn am obersten Punkt des "Fluges" ist der Fliegende am wenigstens schnell, die potentielle Energie am höchsten. Von wegen prima: da sterben zwei Menschen. An Weihnachten bzw. kurz davor. Das muss ja nun wirklich nicht sein. Gibt aber keinen Punktabzug für Grausamkeit dem Leser gegenüber.  Ansonsten Thema und Motto sehr gut getroffen, schön auch die Irreführung, es könnte sich um eine Dehnung handeln, geht es dann letztlich doch um eine Raffung. Muss nochmal nachsehen, ob die Vorgabe das wirklich zulässt. Die Sprache ist nicht abgehoben, verliert sich nicht in Sprachspielereien, könnte vielleicht ein bisschen anspruchsvoller sein, insgesamt souverän.
Außerdem wird angesprochen, was ich aus meinem Text wieder gestrichen habe: was hätten wir anders gemacht, hätten wir die Zukunft gekannt, hätten wir überblicken können, was uns an diesen Ort brachte. So habe ich das bislang noch nicht gelesen in diesem Wettbewerb, sehr erfrischend (also bis auf die Toten).
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fabian
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 121



BeitragVerfasst am: 25.01.2019 18:10    Titel: Re: Lichter des Lebens Antworten mit Zitat

Kommentiert um noch bewerten zu können.
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Herdis
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 123
Wohnort: Westfälischer Dickschädel in Nordhessen


BeitragVerfasst am: 27.01.2019 11:39    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

vielen Dank an alle, die meinen Text gelesen, kommentiert und in Teilen sogar mit Punkten bedacht haben. Vielen lieben Dank für alles drei.

Da der Text zu persönlich ist und es sich um ein sehr reales Ergeignis aus meinem Ort handelt, das tatsächlich, so grausam es ist, im letzten Dezember zwei Tage vor Weihnachten so passiert ist, möchte ich nicht weiter auf die Kommentare eingehen.
Das Thema des Wettbewerbs war für mich in dem Moment einfach ein Zeichen und die Möglichkeit, mit dem grausamen Geschehen umzugehen, das unsere ganze Dorfgemeinschaft und auch die meines (unseres gemeinsamen) lokalen Arbeitsgebers noch sehr lange beschäftigen wird.
Erst vorgestern kam ich als Fahrer auf dem Weg zur Arbeit selbst unvermittelt in eine ähnliche Situatuation wie der Fahrer, der im Dezember zwei Freunde (seine Freunde) getroffen hat. Kaum ein Meter vor mir lief jemand auf meiner Seite in dunklen Klamotten auf einer an sich schon engen und durch Eisplatten und Schnee noch mehr verengten Fahrbahn. Ich fahre zum Glück nicht schnell und zum Glück waren entgegenkommende Autos noch etwas entfernt, aber es war knapp. Und da machst du nix. Das Erlebnis spühlte alle Gedanken und Gefühle in Sekunden und voller Härte wieder an die Oberfläche. Das ist da und bleibt.

Mir persönlich kam es mit dem Text darauf an, die Zeit und das Ereignis irgendwie zu verarbeiten, um damit einen Weg zu finden, selbst damit klar zu kommen. Wenn man am vierten Advent in der Kirche sitzt, die schon bereit für die Weihnachtsandacht ist, die Utensilien für das Krippenspiel sauber in einer Ecke stehen und der Pfarrer kaum die Stimme halten kann, ohne dass sie bebt, wenn um dich herum Freunde, Bekannte, Kollegen, Ortsansässige und Ortsfremde, still vereint in den Bänken sitzen und das blanke Entsetzen und die Ohnmacht so spürbar ist, wenn gestandene Männer in Tränen ausbrechen,... dann ist Weihachten nicht so, wie es sein soll... aber erschreckend real.


Vielen lieben Dank an alle,
Herdis


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"Wenn ich nicht schreibe, fühle ich, wie meine Welt schrumpft. Ich empfinde, wie ich mein Feuer und meine Farben verliere." Anais Nin
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Catalina
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 46
Beiträge: 288
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 27.01.2019 12:03    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, dass Du das mit uns geteilt hast. Es berührt mich sehr.

Ich hoffe, das Schreiben konnte Dir ein Stück weit helfen. Das Verfassen war sicher nicht leicht.
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Herdis
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 123
Wohnort: Westfälischer Dickschädel in Nordhessen


BeitragVerfasst am: 27.01.2019 12:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Catalina,

danke. Und nein, das war es wirklich nicht. Aber das Schreiben hat tatsächlich ein Stück weit geholfen. Als ich das Thema und die Gedichtzeilen las, da war mir klar, dass es nur dieses und kein anderes Thema geben konnte. Es sollte in dem Moment so sein. Ich wollte das Geschehen festhalten, für mich und für andere. Mit meinen Worten und so, wie an die beiden erinnert wurde- und ich mich erinnere.  
Ich werde noch lange auch weiter morgens durch das Drehkreuz gehen und einen der Kollegen am Eingang nach geschaffter Nachtschicht dort rauchend warten zu sehen hoffen. Oder beim Hundespaziergang beim Klang eines Traktors zur Seite treten in Gedanken, da kommt der andere mit seinem Traktor vom Wildgehege. Und selbst während ich diese kurzen Zeilen tippe, fließen Tränen. Das Ereignis war für den Ort und unseren Arbeitgeber vergleichbar mit Katastrophen, die die ganze Welt geschockt haben und noch heute schocken. Und so eine Trauerfeier, für die statt der Friedhofskappelle die im Text erwähnte Festhalle genutzt wurde, hat es noch nie gegeben und wird es-so hoffe ich- auch nicht mehr geben müssen.

LG,
Herdis


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