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»Jedes Mädchen träumt von einem Prinzen«


 
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Autor Nachricht
Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3745

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 13.06.2018 20:40    Titel: »Jedes Mädchen träumt von einem Prinzen« eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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    Finni ist noch nie Fallschirm gesprungen. Noch nie tiefseegetaucht. Hat nie Swahili gelernt, auch eine Menge anderer Sprachen nicht, aber das ist nichts, was sie von einem Tag auf den anderen ändern könnte. Oder jeden Tag. Sie hat noch nie, das ist übertrieben, aber schon lange nicht mehr gefrühstückt, ohne vorher schon Tinder gecheckt zu haben. Nichts, was als neue Erfahrung gälte, pfff, würde Nuria machen, erführe sie davon; der Gedanke, es könne tatsächlich so sein, ist halb erschreckend und halb belustigend: Finni, die schon vom Bett aus auf ihr Handy linst, ob es einen neuen Match gibt, einen Match zwischen ihrem sogenannten Mr. Right und einer Finni, die in nichts der richtigen Finni gleicht. Einer selbstbewussten Finni, die einen Hut mit übergroßer Krempe trägt (ausgeliehen von E.) und E-Zigarette raucht. Einer, zu der der Name Josephine besser passt als Finni. Einer, mit der man offensichtlich Spaß haben kann, die nicht so verbindlich ist, nicht auf die große Liebe wartet und nicht auf den Anruf des Flirts von gestern Abend. Oder ist das schon zwei Tage her. Einen ganzen Tag ohne Tinder, würde das als erstes Mal gelten? Sie sieht Nuria geradezu vor sich, wie sie mißbilligend den Kopf schüttelt. Zum ersten Mal in ihrem Erwachsenenleben ohne Lippenstift aus dem Haus. Andererseits schminkt sie sich ja nicht um Männern zu gefallen, sondern für sich selbst. An einem Tag wie heute Ruby Pop, wie anders sollte sie ihn durchstehen. Sie heißt gar nicht Josephine in Wirklichkeit, einfach nur Finni, schon immer, so steht es auf ihrer Geburtsurkunde. Kein Wunder, würde Nuria sagen und ihr nicht erklären, was daran kein Wunder ist.
    (Euch schon: Der Name Finni passt doch auffällig gut zu Finni. Es ist nicht der Name einer Frau sondern der eines Mädchens, sich noch unsicher ihrer Rolle und Identität, darin auch sehr charmant auf eine Art, um nicht zu sagen: niedlich. Doch ist Finni Mitte dreißig, sogar fast schon Ende dreißig, würde sie jetzt selbst hinzufügen, und in ihrer Stimme klänge all der Stress mit, den es mit sich bringt, Mitte dreißig zu sein, fast Ende dreißig und noch nicht angekommen im Leben, damit meint sie: nicht der Richtige an ihrer Seite, der Mann mit dem sie zwei goldlockige Kinder bekommen möchte, einen Bub und ein Mädel, und Sonntags segeln gehen. Wer bitte nennt sein Kind Finni und hofft ernsthaft darauf, es werde mal Mitte dreißig?)
    Sie war schon lange nicht mehr in dem kleinen Buchladen neben dem Studentenwerk, nicht noch nie, aber offenbar ist es viel leichter Dinge zu tun, die man schon lange nicht mehr gemacht hat, als etwas zum ersten Mal zu tun. Wann haben sich ihre Gewohnheiten so verändert. Samstagnachmittag im Buchladen, wo auch sonst, hätte Finni Ende zwanzig gesagt. Am Telefon, das Date für Samstagabend klarmachen, entgegnet Mitte-Ende Dreißig, selbst nicht ganz überzeugt. Es ist schon befreiend, heute keines haben zu dürfen. Denn Ende zwanzig hat sie doch nicht wirklich darauf gehofft zwischen angestaubten Büchern den richtigen Mann fürs Leben zu finden, eher den richtigen Roman, um belesen zu wirken, wenn sie sich im Park sonnte. (Das ist jetzt ungerecht, sie hat immer gelesen, diese Finni, arbeitet ja auch für den Verlag, wenngleich im Vertrieb.) Sie hat allerdings schon mal jemanden in einem Buchladen kennengelernt, ohne es darauf angelegt zu haben, wie hieß der noch, Fabian? Irgendwas mit F, wie sie selbst, F & F, das kam ihr schicksalhaft vor, Felix vielleicht auch, es ist nie wichtig geworden. Also ihm nicht. Wo hat sie eigentlich noch keinen Mann kennengelernt? Sie kauft eine Zeitschrift mit feministischen Texten aus drei Jahrhunderten und schaut den Buchhändler, der auch nichts dafür kann, böse an.
    Gemüse. In einem Gemüseladen hat sie noch niemanden getroffen, und diese Frucht hat sie noch nie probiert, eine Mispel. Sieht knuffig aus und befühlt sich wie eine Nektarine oder eine Pflaume. „Probieren?“ Scheiße, hat sie gerade an Amélie Poulain gedacht, und falls ja, war das zwanghaft die Situation romantisieren oder irgendwie diskriminierend. Der Mann, der die Gemüsekisten sortiert, sieht nicht wirklich aus wie der Junge aus dem Film, auch nicht ganz so beschränkt, er kann halt keine vollständigen Sätze auf deutsch formulieren, es wird eben nicht seine Muttersprache sein, heißt ja nichts. „Möchtest du probieren?“ Er kann doch deutsch, aber das heißt erst recht nichts. Er muss ihr ja nicht gefallen nur damit sie keine Minderheiten diskriminiert. Das wäre doch erst recht rassistisch. Kaum noch zu retten dieser Gedankengang, aber schließlich ist es nicht ihr eigener. Hält Nuria sie für intolerant? Oder will sie nur sichergehen, dass der Mann, der die Gemüsekisten sortiert, der richtige Mann für Finni ist, in dem Sinne von: der Falsche. Der Richtige für Finni, um eine garantiert nicht sexuell motivierte Freundschaft zu versuchen. Als er sagt, die Mispel sei zu schälen wie eine Banane, müsste allen Beteiligten insgeheim die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens klar sein. Noch ist Finni guter Dinge, denn erstens schmeckt die Mispel gut, so nach Stachelbeere und Kindheitssommer, zweitens ist die Mispel eine unbestreitbar neue Erfahrung für sie, und drittens ist der Gemüsemann zwar nicht ihr Typ aber lacht auf nette Weise, als sie das Gesicht ob des sauren Geschmacks theatralisch verzieht. Vielleicht kann sie das Freundschaftsunterfangen heute noch hinter sich bringen. Sie fragt ihn, wann er Feierabend hat, gar nicht so schwierig die Frage, wenn es nicht darauf ankommt, und fügt noch schnell hinzu, es sei kein Date. Und er sagt augenzwinkernd, sie könne ihn ja unverbindlich um sechs hier abholen. Wer außer Finni glaubt jetzt nicht, dass sie noch vor zehn mit dem Gemüsehändler, der wahrscheinlich nebenbei Philosophie studiert und im Nachhinein doch ganz süß ist, im Bett landen wird und ab morgen unglücklich auf seinen Anruf warten? Oder anders gefragt: Wer glaubt, er rufe tatsächlich an, und es stelle sich heraus, dass er der Prinz ist, auf den Finni all die Jahre gewartet hat. Es kommt wohl vor allem darauf an, was Nuria ihr mit dieser Geschichte beweisen will.
    Finni muss doch einfach darüber nachdenken, Nuria oder E. oder eine andere Freundin anzurufen um sich Beistand zu erbitten, das ist ja eine Art Reflex bei ihr. Doch auch muss sie wissen, was Nuria dann sagen würde. Sie ist ihr ja keine Rechenschaft schuldig. Und es ist schließlich kein Date. Sie ist pünktlich, denn es gibt nichts einzukalkulieren, nicht, welchen Eindruck es machen würde zu früh, pünktlich oder höfliche fünf Minuten zu spät zu erscheinen, und er hat schon gewartet. Sie gehen einfach gemeinsam weiter in die gleiche Richtung, in der sie allein gekommen ist. Er hat Hunger, sie lässt sich auf nicht mehr als einen Straßenimbiss ein, denn es ist ja kein Date, und gibt sich nicht zurückhaltend beim Essen ihres Döners. Sein Blick soll hoffentlich nicht heißen, es sähe sexy aus, wie ihr die Sauce aus dem Mundwinkel läuft. Sie erinnert ihn daran, dass es kein Date ist, und er bedankt sich, dass sie ihn daran erinnert. Sicherheitshalber sagt sie, dass sie gehen muss, und zum ersten Mal fühlt sie sich nicht einsam dabei, an einem Samstagabend allein zuhause fernzusehen.
    Er ruft vor zehn am nächsten Morgen an, ob sie mit ihm in die Berge fahre, es sei kein Date. In den Bergen war sie natürlich schon, aber da hat sie schon ja gesagt. Unterwegs erzählt sie ihm von den neuen Erfahrungen, wie schwierig es sei, die zu machen. Ob sie schon mal eine Nacht unter freiem Himmel verbracht habe (ja), auch schon in den Bergen unter dem hellsten Sternenhimmel (nein), ob er mit ihr flirte (ob das verboten sei). Sie übe sich gerade darin, eine Unterhaltung ohne sexuelle Metaebene zu führen, was er zu respektieren verspricht - es sei nur schwierig sich darauf zu konzentrieren, wenn sie sich gleichzeitig so anmutig die festgeklebte Haarsträhne aus der Stirn puste. Und da begreift Finni nicht nur, dass er sie nicht ernst nimmt, dass der Mann an sich sie nicht ernst nimmt, sondern auch, dass sie sich selbst nicht respektiert. Aber ist das jetzt ein plausibleres Ende als die ganz große Romantik unter alpinem Sternenhimmel? Ein glücklicheres? Warum lassen wir Finni nicht ihre Nacht in den Bergen und den Gemüse-Prinzen, der sie am nächsten Morgen nur deshalb nicht anruft, weil sie von dieser Nacht an keine mehr getrennt voneinander verbringen werden. Wenigstens eine Zeit lang wird sie nicht rumnerven mit ihren Tinder-Dates und der Frage, ob dieser Super-Match jetzt womöglich endlich der Richtige sei.


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Lorraine
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 696
Wohnort: France
Das goldene Stundenglas Ei 10
Pokapro 2016


BeitragVerfasst am: 15.06.2018 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Kaum noch zu retten dieser Gedankengang, aber schließlich ist es nicht ihr eigener.


Guten Morgen!

Auffällig an dieser Kurzgeschichte ist die ungewöhnliche Erzählsituation, dieser allwissende, demzufolge distanzierte Erzähler, der die vielen Fragen im Text ganz unterschiedlich behandelt, je nachdem, wer sie (sich) stellt oder wem sie gestellt werden.

Aber von vorn. Der Titel steht in Anführungszeichen, und nach der Lektüre der Geschichte scheint mir klar zu sein, dass es sich tatsächlich um ein Zitat handeln muss, eine Prämisse, die den Erzähler (bzw. hier noch den Autor/die Autorin) des Klischees wegen interessiert. Dem Erzähler selbst wird die Rolle zugewiesen, den zeitlichen Rahmen »Zwei Tage im Doppelleben der Finni-Josephine« immer dann zu verlassen, wenn dieses seinen Ursprüngen nach schwer auseinanderzuhaltende Gedankengemisch sich entweder Rückblenden oder Projektionen bedient. Damit erreichst du, dass zumindest eins klar wird: Ich werde mich als Leser positionieren müssen, erkennen, dass Neutralität keine Option ist, denn selbst diese übergeordnete Erzählstimme wählt aus, entscheidet darüber, was ich erfahre und von wem; so ein wenig analog dazu, wie die Figur der Finni – in einem Netz ungeklärter Fragen und Abhängigkeiten hängend – die Klärung ganz grundsätzlicher Dinge, die sie selbst und ihr Selbstbild angehen, gar nicht bewältigen kann, so lange dieses Gewirr aus wohlmeinenden und/oder manipulierenden Stimmen anhält.

Ich finde deine Herangehensweise ganz gut und es ist auch interessant zu sehen, wie du Dialoge andeutest und nur dort, wo es nötig ist, die direkte Rede einflichtst. Beispielhaft für etwas, was ich als stilistische Unsicherheit empfinde, die ich immer mal im Text (auf-)spüre:

Zitat:
Sie gehen einfach gemeinsam weiter in die gleiche Richtung, in der sie allein gekommen ist.


Allerdings ist das ein prominentes Beispiel, ansonsten sind es eher Unstimmigkeiten, die möglicherweise mein persönliches Empfinden betreffen und andere gar nicht stören. Die Fragen, die am Ende gestellt werden, scheinen nicht beantwortet werden zu wollen. Denn da geht es gar nicht um »Mädchenträume«, sondern um die Art, wie in Geschichten mit ihnen umgegangen wird, die sich um dieses Thema ranken. Und dann kommt das eigentliche Ende, ein resigniertes, wie mir scheint – nämlich die Frage

Zitat:
Warum lassen wir Finni nicht ihre Nacht in den Bergen und den Gemüse-Prinzen, […]


deren Beantwortung sich insofern erübrigt, als dass »wir« keinen Einfluss auf das Erzählte oder auf die Zukunft einer Figur nehmen (sollen), sondern mit dem zurückbleiben, was wir beim und nach dem Lesen für uns selbst hinterfragen (werden) … oder auch nicht.

Einen Gruß von der Leserin
Lorraine
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 15.06.2018 14:35    Titel: Antworten mit Zitat

Das finde ich sehr interessant geschrieben, auch deshalb, weil hier der auktoriale Erzähler als Erzählperson ernst genommen wird. Ich kann das nicht so gut analysieren wie Lorraine, aber mir gefällt das ausgesprochen gut - für eine Kurzgeschichte. Einen Roman würde ich nicht folgen wollen. Sprachlich ist es mir ein wenig unausgewogen und nicht immer leicht zu folgen - nicht, weil es poetisch oder literarisch wird, vielleicht, weil die Worte zu sehr als Mauer im Blocksatz mit wenig Absätzen daherkommen, auf meinem Bildschirm mit meinen Augen oft eine Herausforderung an sich.

Manchmal kam mir der Verdacht, als ob der Autor der Erzähler ist, wie er über seine Figur reflektiert. Die Figur als Opfer des Autors - sie handelt noch nicht eigenständig, hängt an den Fäden des Puppenspielers. Das mag auch der Grund sein, warum es mir manchmal unfertig vorkam. Noch nicht ausgearbeitet, als wäre der Autor nicht schlüssig, welchen Weg seine Figur nehmen sollte.


Meine Interpretation.
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firstoffertio
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Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 15.06.2018 21:27    Titel: Antworten mit Zitat

Erst mal: Ich finde diesen Text spannend, weil er so anders geschrieben ist. Also unüblich.

Es ist, als ob mir gar nichts erzählt wird, sondern als ob mir etwas erfunden wird, und es macht Spaß, das Spiel mitzuspielen. (Andere Prosatexte tun ja meistens zumindest so, als erzählten sie etwas Reales)

Es ist, als ob sich da jemand, die davon ausgeht, dass ein Märchenprinz nur digital, und über ein dort arrangiertes date zu finden ist, nun wie Aschenputtel sich einem solchen real gegenüber sieht, ohne es zu merken. Und hier nun verschwimmen Virtuelles, Reales und Märchen.

Das Ende hat was von: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lebten sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.


Ein verzwickt ernst-humorvoller Text.
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3047

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 15.06.2018 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Mich hast du erst im zweiten Anlauf als Leserin bekommen. Im ersten war ich zu sehr damit beschäftigt, die Augen zu verdrehen, ob dieses Titels bzw. dieser Aussage, dann kam der erste Absatz und ja, der war interessant*, aber so richtig erwischt hat er mich nicht, vielleicht auch, weil ich bei ihm gehäuft das Gefühl hatte, da stimme doch noch etwas nicht, mit dem Satz, mit den Wörtern.

Dann habe ich erst mal abgebrochen, aber hey, ein Kommentar von Lorraine, an dem Text muss wohl doch etwas dran sein und siehe da, Lorraine erklärt mir den Titel und schon kann ich zu Ende lesen und noch einmal die Augen verdrehen, dieses Mal über mich, weil ich natürlich sofort versucht bin, ihr den Gemüsetypen zu wünschen und wie passt das jetzt dazu, dass ich anfangs über den Titel die Augen verdreht habe, nun bin ich ja quasi genau in die Falle dieses Denkens hineingetappt.
Dann aber trete ich etwas zurück und denke mir, hm, dieser Erzähler, dem ist natürlich auch nicht zu trauen, es gibt ja wohl nicht nur ein entweder/oder, nein, da gäbe es doch auch noch andere Möglichkeiten.

Nun habe ich also zu Ende gelesen, finde das immer noch interessant, nichtsdestotrotz ist es kein Text, der mich wirklich erreicht, dafür ist er mir zu verkopft. Was jetzt nicht das richtige Wort ist, aber irgendwie doch, mir ist es ja am liebsten, wenn ein Text meinen Bauch trifft, das tut dieser nicht, von daher zähle ich wohl einfach nicht zu seiner "Zielgruppe."


* interessant wie: oha, das ist jetzt aber mal keine der üblichen Erzählweisen
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rieka
Geschlecht:weiblichSucher und Seiteneinsteiger


Beiträge: 974



BeitragVerfasst am: 16.06.2018 19:14    Titel: Antworten mit Zitat

Also mal so nebenbei lesen ging nicht, dazu war der Text zu unruhig und zu verschlüsselt. Manche Sätze wirkten unfertig auf mich, ob mit Absicht oder ob es tatsächlich Verdreher waren, oder ob es an meinem eingeschränkten Verständnis von dieser Tinder-Angelegenheit lag? Vielleicht zeigt es sich mir später.

Ich musste schon konzentriert lesen, um eng an Finni zu bleiben. Komplett verstanden habe ich das Geschehen nicht (musste Tinder nachschlagen etc.), aber Finni wurde mir zunehmend liebenswerter in ihrem verzweifelten Kampf um sich, ihre Selbstbehauptung, ihren Versuch sich zu befreien, ihre emotionale, so gar nicht intellektuelle natürliche Gebundenheit und ihre kleinen Selbstbetruge.
Falls ich zumindest diese Teile der Geschichte richtig verstanden habe.

Die Geschichte hat mich neugierig zurückgelassen. Ich möchte ihre Aussage besser verstehen (Finni interessiert mich) und wissen, wer sie fabriziert hat.

Ja und zu dem Erzählstil kann ich wieder mal nichts Fachliches sagen.
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3745

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 16.06.2018 22:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ihr fünf. Ihr sprecht schon ziemlich genau die Aspekte an, deren Wirkung wegen ich unsicher war und worüber mir hier Aufschluss erhoffte - so könnte ich bislang gar nicht erfreuter sein über die Kommentare.
Inkognito diskutieren macht für mich keinen Sinn, den Text auf diese Weise für sich selbst sprechen lassen dagegen schon, deshalb möchte ich noch ein bisschen warten, ob noch jemand einen möglichst unbeeinflussten Leseeindruck dalassen möchte. Ihr sollt jedoch wissen, dass ich eure Gedanken interessiert mitlese, sehr hilfreich finde und darauf noch ausführlich eingehen werde (das offline für mich auch schon getan habe).

Eine Frage aber doch: Ist dies ein Text, der nur Frauen anspricht? Wobei sich die Frage vielleicht schon selbst beantwortet hat, wenn man die Rezensentinnen sieht. Anders: Liegt es an der Erzählweise oder an der Thematik (gar am Titel?), wenn dieser Text nur Frauen anspricht?
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3745

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 18.06.2018 20:43    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
Der Titel steht in Anführungszeichen, und nach der Lektüre der Geschichte scheint mir klar zu sein, dass es sich tatsächlich um ein Zitat handeln muss, eine Prämisse, die den Erzähler (bzw. hier noch den Autor/die Autorin) des Klischees wegen interessiert.

So ist es natürlich. Diese Aussage habe ich im Radio gehört anlässlich der Hochzeit des englischen Prinzen, und ich habe zu meinem eigenen Erstaunen nicht nur wie Hobbes die Augen verdreht, sondern mich richtig geärgert. Die Überlegung darüber, warum mich das ärgerte, war initialer Zündfunke für eine Idee, als Teil deren dieser Text entstanden ist (und weitere entstanden, in Arbeit und in Planung sind).
Lorraine hat Folgendes geschrieben:
Damit erreichst du, dass zumindest eins klar wird: Ich werde mich als Leser positionieren müssen, erkennen, dass Neutralität keine Option ist, denn selbst diese übergeordnete Erzählstimme wählt aus, entscheidet darüber, was ich erfahre und von wem; so ein wenig analog dazu, wie die Figur der Finni – in einem Netz ungeklärter Fragen und Abhängigkeiten hängend – die Klärung ganz grundsätzlicher Dinge, die sie selbst und ihr Selbstbild angehen, gar nicht bewältigen kann, so lange dieses Gewirr aus wohlmeinenden und/oder manipulierenden Stimmen anhält.

Da sprichst du gleich zwei Punkte an, die mir wichtig erscheinen. Die Positionierung des Lesers einerseits und die manipulierenden Stimmen. Ich glaube, da gehen meine Gedanken bezüglich dieser Geschichte(/n) ganz stark hin, die Art wie wir über andere urteilen (Frauen über Frauen im speziellen), wie wir sie darüber definieren und ja, auch ihr Selbstbild dadurch beeinflussen. Und deshalb freut es mich, wenn ich dir als Leserin eine Positionierung gegenüber Erzählerin und Figur abverlange.
Lorraine hat Folgendes geschrieben:
Und dann kommt das eigentliche Ende, ein resigniertes, wie mir scheint – nämlich die Frage (…) deren Beantwortung sich insofern erübrigt, als dass »wir« keinen Einfluss auf das Erzählte oder auf die Zukunft einer Figur nehmen (sollen), sondern mit dem zurückbleiben, was wir beim und nach dem Lesen für uns selbst hinterfragen (werden) … oder auch nicht.

Als resigniert empfindest du das Ende. Mir selbst kam es (im Verhältnis zu der Abrechnung, die ich erwartet hatte) eher versöhnlich vor, das gesetzte Urteil doch letztlich in Frage stellend.
Und natürlich hoffe ich ganz stark auf ein Hinterfragen durch den Leser (die Leserin!), wenn nicht jetzt, dann im Laufe der (geplanten) Geschichten.
Lorraine hat Folgendes geschrieben:
Beispielhaft für etwas, was ich als stilistische Unsicherheit empfinde, die ich immer mal im Text (auf-)spüre:

Zitat:
Sie gehen einfach gemeinsam weiter in die gleiche Richtung, in der sie allein gekommen ist.

Grauenvoller Satz, ja. Ist der Satz nur sperrig konstruiert oder sogar der Bezug falsch?
Der ist mir nicht mal einfach so passiert, ich hatte schon eine Vorstellung, warum man an dieser Stelle hängenbleiben darf oder gar soll (weil was er metaphorisch ausdrücken soll so verführerisch einfach erscheint wie m.E. unmöglich ist, wenn man wie Finni schon ziemlich lange alleine eine Richtung eingeschlagen hat) - aber am Ende funktioniert er als Satz wohl einfach nicht. Da muss ich das Bild für mich noch klarer kriegen und das anders lösen.


Murmel hat Folgendes geschrieben:
Die Figur als Opfer des Autors - sie handelt noch nicht eigenständig, hängt an den Fäden des Puppenspielers. Noch nicht ausgearbeitet, als wäre der Autor nicht schlüssig, welchen Weg seine Figur nehmen sollte.

Das möchte ich mal vorwegnehmen (auch wenn es eher dein Fazit war). In gewisser Weise ja, unter Berücksichtigung dessen, über welche Figur als Opfer des Autors wir sprechen - und da bin ich nicht sicher, ob das für euch deutlich geworden ist (oder überhaupt hätte werden können): Objekt meines Interesses (und verbindendes Element der wie oben erwähnt mehreren - inhaltlich und thematisch lose zusammenhängenden - Geschichten) ist die Figur der Nuria, in meinem Rahmenkonstrukt die Erzählerin, die ihre Mitmenschen analysiert und als Figuren weiterentwickelt/manipuliert/erzählt - aber letztlich sich selbst, worüber sie sich im Laufe ihrer Geschichten bewusster wird, so meine Vorstellung. Während sich Nuria sehr sicher darüber ist, welchen Weg ihre Figuren nehmen sollten (was sie so aber nicht unbedingt tun), bin ich mir tatsächlich noch unsicher, welchen Weg Nuria als Figur nimmt.

Murmel hat Folgendes geschrieben:
Das finde ich sehr interessant geschrieben, auch deshalb, weil hier der auktoriale Erzähler als Erzählperson ernst genommen wird.

Es war mir gar nicht so bewusst, aber im Effekt verhält es sich vielleicht tatsächlich so. Interessant eigentlich. Womöglich näher zu bedenken oder zumindest im Hinterkopf zu behalten. Nuria als Erzählerin über eine Person, der sie Gedanken und Handlungsweisen unterstellt (eine Mischung aus dem Versuch sich hineinzuversetzen und dem Wunsch sie beeinflussen zu können), und über die sie urteilt - erfüllt sie die Kriterien eines auktorialen Erzählers?

Murmel hat Folgendes geschrieben:
Manchmal kam mir der Verdacht, als ob der Autor der Erzähler ist, wie er über seine Figur reflektiert.

Das wird wohl zugleich Spannungsfeld und Problem sein, dessen ich mir bewusst bleiben muss - Nuria als Erzählerin reflektiert über Finni (u.a.), und ich als Autorin über Nuria als Figur, die über andere urteilt und glaubt deren Probleme analysieren und lösen zu können - meine eigenen (Vor-)Urteile von ihren abzugrenzen.

Zu deinen Zweifeln noch, Murmel, ob der Erzählstil auf Romanlänge tragen würde, möchte ich (mich anschließen und) sagen, dass ich anstrebe den Erzählstil der Geschichten ihrer jeweiligen Thematik und handelnden Figur anzupassen. Die nächste besteht zum Beispiel fast durchgehend aus Dialog.


firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Es ist, als ob mir gar nichts erzählt wird, sondern als ob mir etwas erfunden wird, und es macht Spaß, das Spiel mitzuspielen. (Andere Prosatexte tun ja meistens zumindest so, als erzählten sie etwas Reales)

Auch das sehr hilfreich, da ich (nicht so sehr hier aber auf die Dauer) vorhabe den Entstehungsprozess der Geschichten darin zu thematisieren, muss ich ausloten wie deutlich das wann zutage tritt, und es freut mich, dass dir dieses „Spiel“ Vergnügen bereitet hat.
firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Ein verzwickt ernst-humorvoller Text.

Das beschreibt ziemlich genau, wie ich über die Themen, die mir vorschweben, gerne erzählen würde, ich bin gespannt, ob es (weiterhin) funktioniert.


hobbes hat Folgendes geschrieben:
Dann habe ich erst mal abgebrochen, aber hey, ein Kommentar von Lorraine, an dem Text muss wohl doch etwas dran sein und siehe da, Lorraine erklärt mir den Titel und schon kann ich zu Ende lesen und noch einmal die Augen verdrehen, dieses Mal über mich, weil ich natürlich sofort versucht bin, ihr den Gemüsetypen zu wünschen und wie passt das jetzt dazu, dass ich anfangs über den Titel die Augen verdreht habe, nun bin ich ja quasi genau in die Falle dieses Denkens hineingetappt.
Dann aber trete ich etwas zurück und denke mir, hm, dieser Erzähler, dem ist natürlich auch nicht zu trauen, es gibt ja wohl nicht nur ein entweder/oder, nein, da gäbe es doch auch noch andere Möglichkeiten.

Das meinte ich weiter oben damit, dass der Text sich m.E. in seinem Urteil selbst in Frage stellt. Dass die Erzählerin zuletzt eine Art von Verständnis für Finnis Weltsicht entwickelt und vielleicht wird sie sich ja des Dazwischen auch noch bewusst(er). Schön für mich, was das bei dir beim Lesen ausgelöst hat, auch wenn du dich nicht als Zielgruppe definierst.

Auch was rieka schreibt:
rieka hat Folgendes geschrieben:
Finni wurde mir zunehmend liebenswerter in ihrem verzweifelten Kampf um sich, ihre Selbstbehauptung, ihren Versuch sich zu befreien, ihre emotionale, so gar nicht intellektuelle natürliche Gebundenheit und ihre kleinen Selbstbetruge.
Falls ich zumindest diese Teile der Geschichte richtig verstanden habe.

Ich finde es jedenfalls gut, dass du es so verstehst und sie sich für dich positiv entwickelt, liebenswerter wird, denn ich denke, das passiert auch der Erzählerin.

rieka hat Folgendes geschrieben:
Manche Sätze wirkten unfertig auf mich, ob mit Absicht oder ob es tatsächlich Verdreher waren, oder ob es an meinem eingeschränkten Verständnis von dieser Tinder-Angelegenheit lag?

Dazu kann ich jetzt natürlich nichts sagen, weil ich nicht weiß, welche Stellen das sind. Ich weiß aber auch nicht, ob das detaillierte Auseinandernehmen von Textstellen unter stilistischen Gesichtspunkten mir zu diesem Zeitpunkt viel weiterhelfen würde. Mir ging und geht es momentan darum, mich an an die Erzählweise heranzutasten, zu sehen, ob das Was und Wie generell (zusammen) funktionieren kann. Interessant für mich allerdings, dass der Text offenbar ein Vorwissen bzgl. Tinder voraussetzt, wo ich gedacht hätte, davon mal gehört zu haben reicht. (Mein eigenes Verständnis geht auch nicht darüber hinaus, mal einen Abend lang unter fremdem Profil damit gespielt zu haben, zu „meinen Zeiten“ gab es sowas noch nicht. Als ich in jener Nacht auf dem Nachhauseweg darüber nachdachte, wie spaßig dieses damit Spielen war aber wie anonym und künstlich zugleich auch, da wurde ich mitten in meine Überlegungen hinein von der anderen Straßenseite treffsicher mit einem Schneeball beworfen und dachte: ja, so ging ein „Match“ früher.)

rieka hat Folgendes geschrieben:
Ich möchte ihre Aussage besser verstehen (Finni interessiert mich) und wissen, wer sie fabriziert hat.

Zumindest bei Zweiterem kann ich weiterhelfen und bin jetzt nicht mehr inkognito.


Danke euch allen. Ich finde eure Kommentare wie gesagt sehr hilfreich. Ermutigend auch, weil doch einiges von der Wirkung her bei euch so aufging, wie ich es mir erhofft hatte.

LG Jenni
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Lorraine
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Das goldene Stundenglas Ei 10
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BeitragVerfasst am: 20.06.2018 07:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Jenni!

Jenni hat Folgendes geschrieben:
Da sprichst du gleich zwei Punkte an, die mir wichtig erscheinen. Die Positionierung des Lesers einerseits und die manipulierenden Stimmen. Ich glaube, da gehen meine Gedanken bezüglich dieser Geschichte(/n) ganz stark hin, die Art wie wir über andere urteilen (Frauen über Frauen im speziellen), wie wir sie darüber definieren und ja, auch ihr Selbstbild dadurch beeinflussen. Und deshalb freut es mich, wenn ich dir als Leserin eine Positionierung gegenüber Erzählerin und Figur abverlange.

Ja, ich finde schon, dass zu spüren ist, wo deine Gedanken als Autorin hingehen und dass das titelgebende Zitat eine Art Zündfunke war, sich mit Urteil/Selbstbild und deren Ursprüngen und Wechselwirkungen zu beschäftigen, das kommt an, würde ich sagen. Nun war es naturgemäß in diesem Rahmen hier nicht möglich, diese Kurzgeschichte als Teil eines Projekts einzuordnen, daher wahrscheinlich das Gefühl der Resignation, das bei mir ankam – ich konnte ja nicht wissen, dass oder inwiefern die Figur der Nuria noch weiterdenken kann/gedacht wird; dass das Ende der Geschichte szs nur das Ende vom Lied, nicht des Konzerts ist.

Jenni hat Folgendes geschrieben:
Als resigniert empfindest du das Ende. Mir selbst kam es (im Verhältnis zu der Abrechnung, die ich erwartet hatte) eher versöhnlich vor, das gesetzte Urteil doch letztlich in Frage stellend.
Und natürlich hoffe ich ganz stark auf ein Hinterfragen durch den Leser (die Leserin!), wenn nicht jetzt, dann im Laufe der (geplanten) Geschichten.


Versöhnlich … mir kam es ein wenig vor, als wolle sich die Erzählstimme einen großzügigen, verständnisvollen Ton geben, (selbst) wohl wissend, wie schwer es sein kann, Verhaltensmuster zu ändern, und die Unsicherheit darüber, ob der eigene Standpunkt der richtige ist und wer oder was dafür verantwortlich ist, wie man dorthin kam – die schwingt ebenfalls mit. Und die Erleichterung darüber ...
Zitat:
Wenigstens eine Zeit lang wird sie nicht rumnerven mit ihren Tinder-Dates und der Frage, ob dieser Super-Match jetzt womöglich endlich der Richtige sei.

… dass eine Weile lang Ruhe ist. Darin zeigt sich für mich schon ein Stück Resignation, dieses »Soll sie doch. Wird schon sehen, wie es (wieder) ausgeht.« Wie sich die Gefühlswelt der Nuria im einzelnen zusammensetzt und was es über sie selbst aussagt, wie sie urteilt, manipuliert und wie oder von wem sie selbst geprägt wurde – das zu untersuchen, wird bestimmt noch interessant für dich.

Jenni hat Folgendes geschrieben:
Objekt meines Interesses (und verbindendes Element der wie oben erwähnt mehreren - inhaltlich und thematisch lose zusammenhängenden - Geschichten) ist die Figur der Nuria, in meinem Rahmenkonstrukt die Erzählerin, die ihre Mitmenschen analysiert und als Figuren weiterentwickelt/manipuliert/erzählt - aber letztlich sich selbst, worüber sie sich im Laufe ihrer Geschichten bewusster wird, so meine Vorstellung.
Während sich Nuria sehr sicher darüber ist, welchen Weg ihre Figuren nehmen sollten (was sie so aber nicht unbedingt tun), bin ich mir tatsächlich noch unsicher, welchen Weg Nuria als Figur nimmt.


»Nuria« taucht mehrmals auf, und ich habe den Namen einfach nur des Klangs wegen (nourrir – nähren, versorgen) mit etwas Mütterlichem assoziiert, was für mich auch zu diesem manipulierenden, dennoch (irgendwie) wohlmeinenden Charakter passte. Ich habe dann mal nachgesehen, und siehe da, der Name bedeutet soviel wie »die Lichttragende«. Erhellend, finde ich, und passend, wenn man bedenkt, was du so vor hast mit der Figur. Über Wikipedia landet man sogar bei Andorra, diese Bezeichnung könnte denselben Ursprung haben wie der Name Nuria. Dann ist es natürlich nicht mehr weit zur Schullektüre/dem Theaterstück von Max Frisch und diesem Themenbereich Wechselwirkung (Vor-)Urteil/Identität.

Jenni hat Folgendes geschrieben:
Mir ging und geht es momentan darum, mich an an die Erzählweise heranzutasten, zu sehen, ob das Was und Wie generell (zusammen) funktionieren kann.


An dieser Stelle noch etwas zu diesem »sperrigen Satz«.
Jenni hat Folgendes geschrieben:
Der ist mir nicht mal einfach so passiert, ich hatte schon eine Vorstellung, warum man an dieser Stelle hängenbleiben darf oder gar soll (weil was er metaphorisch ausdrücken soll so verführerisch einfach erscheint wie m.E. unmöglich ist, wenn man wie Finni schon ziemlich lange alleine eine Richtung eingeschlagen hat) - aber am Ende funktioniert er als Satz wohl einfach nicht. Da muss ich das Bild für mich noch klarer kriegen und das anders lösen.


Mich erinnert das ein wenig an die Übersetzung des Titels eines Romans von A. Gavalda. »Ensemble, c’est tout« - da wurde »Zusammen ist man weniger allein« draus. Du wolltest dieses Wortpaar »gemeinsam – allein« in einem Satz haben, und das ist hier nicht das Problem, sondern die Schwierigkeit, mehr als das in ihn legen zu müssen oder zu wollen, was gesagt wird. Ich habe das so aufgefasst, dass das gemeinsame Weitergehen in derselben Richtung, aus der Finni allein gekommen ist, eben keine Metapher für Übereinstimmung sein soll, was das Ziel betrifft, oder den Beginn einer Zweisamkeit. Ob ein Satz es leisten kann, etwas zu sagen, was nicht ist, obwohl es den Anschein hat? In der Form tut er das wohl noch nicht, oder auf unbeholfene Weise? Du wirst das schon lösen, da bin ich zuversichtlich.

Mich freut es sehr, über diese Kurzgeschichte etwas von deinen (Schreib-)Plänen zu erfahren und möchte noch mal sagen, wie gut gemacht ich sie fand, im Sinne von: mutig. Nicht ganz bequeme Wege zu gehen, Geduld mit sich zu haben und dennoch voranzukommen: gar nicht so einfach. Ermutigung!

GlG nach dort!
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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 23.06.2018 11:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
Nun war es naturgemäß in diesem Rahmen hier nicht möglich, diese Kurzgeschichte als Teil eines Projekts einzuordnen, daher wahrscheinlich das Gefühl der Resignation, das bei mir ankam – ich konnte ja nicht wissen, dass oder inwiefern die Figur der Nuria noch weiterdenken kann/gedacht wird; dass das Ende der Geschichte szs nur das Ende vom Lied, nicht des Konzerts ist.

Da hast du natürlich Recht. Ich habe kurz überlegt, ob ich etwas dazu vorwegschicke, aber ich wollte ja gerade wissen, ob die Geschichte für sich alleine funktioniert und ob und wieviel sich von selbst über die Erzählsituation offenbart.

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
Versöhnlich … mir kam es ein wenig vor, als wolle sich die Erzählstimme einen großzügigen, verständnisvollen Ton geben, (selbst) wohl wissend, wie schwer es sein kann, Verhaltensmuster zu ändern, und die Unsicherheit darüber, ob der eigene Standpunkt der richtige ist und wer oder was dafür verantwortlich ist, wie man dorthin kam – die schwingt ebenfalls mit. Und die Erleichterung darüber ...
Zitat:
Wenigstens eine Zeit lang wird sie nicht rumnerven mit ihren Tinder-Dates und der Frage, ob dieser Super-Match jetzt womöglich endlich der Richtige sei.

… dass eine Weile lang Ruhe ist. Darin zeigt sich für mich schon ein Stück Resignation, dieses »Soll sie doch. Wird schon sehen, wie es (wieder) ausgeht.« Wie sich die Gefühlswelt der Nuria im einzelnen zusammensetzt und was es über sie selbst aussagt, wie sie urteilt, manipuliert und wie oder von wem sie selbst geprägt wurde – das zu untersuchen, wird bestimmt noch interessant für dich.

Die Unsicherheit über den eigenen Standpunkt, das ist schön gesagt und das viel mehr als Resignation finde ich (oder möchte ich finden) im Ende. Ich glaube, sie ist sich hier nicht mehr sicher, ob sie in ihren Ansichten bestätigt wird, obwohl sie ja die Erzählerin ist.
Und ja, für mich wird es definitiv interessant, diese Figur auseinanderzunehmen (und ihre Untersuchungsobjekte mit). Es ist nur so, dass mir mehr als sonst daran liegt es so zu schreiben, dass es auch für andere interessant wird.

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
»Nuria« taucht mehrmals auf, und ich habe den Namen einfach nur des Klangs wegen (nourrir – nähren, versorgen) mit etwas Mütterlichem assoziiert, was für mich auch zu diesem manipulierenden, dennoch (irgendwie) wohlmeinenden Charakter passte. Ich habe dann mal nachgesehen, und siehe da, der Name bedeutet soviel wie »die Lichttragende«. Erhellend, finde ich, und passend, wenn man bedenkt, was du so vor hast mit der Figur. Über Wikipedia landet man sogar bei Andorra, diese Bezeichnung könnte denselben Ursprung haben wie der Name Nuria. Dann ist es natürlich nicht mehr weit zur Schullektüre/dem Theaterstück von Max Frisch und diesem Themenbereich Wechselwirkung (Vor-)Urteil/Identität.

Das mit Andorra wusste ich nicht, also dass das Wort gemeinsame Wurzeln hat. Jetzt (also jetzt, hab gestern Nachmittag damit begonnen) lese ich Andorra, um zu erfahren, ob das etwas miteinander zu tun hat. Nur als Grundthematik, glaube ich bislang. Aber jedenfalls hast du mich damit auf etwas gestoßen, das ich viel unmittelbarer interessant finde für mein Projekt. Ich habe nämlich Andorra nicht in der Schule gelesen, habe überlegt was stattdessen und da fragte ich mich, warum eigentlich überhaupt nur männliche Autoren, und als ich das so weiterverfolgte - bin ich auf viel Stoff und einen möglichen Aufhänger gestoßen für das Kapitel, das ich über die Autorin zu schreiben plane, die nur über männliche Protagonisten schreibt. Cool

Lorraine hat Folgendes geschrieben:
Mich freut es sehr, über diese Kurzgeschichte etwas von deinen (Schreib-)Plänen zu erfahren und möchte noch mal sagen, wie gut gemacht ich sie fand, im Sinne von: mutig. Nicht ganz bequeme Wege zu gehen, Geduld mit sich zu haben und dennoch voranzukommen: gar nicht so einfach. Ermutigung!

GlG nach dort!

Danke dir sehr, liebe Anja, für dein immer wieder so aufmerksames Lesen und fürs Mutmachen. Ich habe so lange nichts geschrieben und endlich gerade wieder richtig Lust dazu.
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 17.07.2018 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

So. Der Quotenmann des Fadens wäre dann auch endlich eingetroffen Laughing
Es hieß, ich könnte hier schreiben was ich will, aber statt was draus zu machen, werde ich wohl einfach nur schreiben was mir gerade einfällt Laughing Ist halt doch spät geworden.

Puh, wo anfangen. Vielleicht ganz unoriginell beim Titel, der nur durch die Anführungszeichen gerettet wird? Diese Binsenweisheit, Mädchen träumt von Prinz, braucht ja echt kein Mensch, aber ein Kommentar dazu, womöglich ein böser, das gefiele vielleicht ... andererseits war das ja auch nicht zu erwarten, Autorin ist Jenni, die ist höchstens mal kurzstreckenzynisch. Gelesen habe ich's natürlich trotzdem, denn wie gesagt, Autorin ist Jenni.
War jetzt nicht so'n doller Anfang für einen Kommentar. Vielleicht sollte ich hier gar nichts über Jenni schreiben, sondern lieber über Finni. Aber das ist gar nicht so einfach, denn klingt ja schon ähnlich, Jenni, Finni ... da frage ich mich doch unwillkürlich, ob denn auch die Konnotation des Namens Finni ("noch unsicher ihrer Rolle und Identität", "niedlich" etc.) nach Meinung der Autorin ebenso auf den Namen Jenni anzuwenden wäre, was aber egal ist, wichtiger: ob die Ähnlichkeit der Namen generell egal ist(?), denn das Ganze, inklusive der Fragen, die da auftauchen, mutet doch sehr wie ein Selbstgespräch der Autorin mit ihrer Figur an, und hier dockt dann auch endlich etwas an bei mir, nämlich die Ansicht, literarische Figuren hätten grundsätzlich ihren Ursprung in der Person des Autors, seien quasi dessen Alter Egos und müssten sich erst von ihm emanzipieren, um als eigenständige Charaktere in einer Geschichte bestehen zu können.
Überzeugt mich aber nicht wirklich als Grundkonstruktion dieses Textes, denn da hockt ja die namentlich abweichende Nuria dazwischen, Funktion Erzählerin, wenn ich nicht völlig auf dem falschen Zug bin.

Emanzipation jedenfalls schon das Thema, Emanzipation von Mr. RightWrong, Emanzipation vom eigenen inneren Kind (dem Prinzentraum), Emanzipation aber eben auch von Nuria sowie von Tinder (Zielgruppe laut wikipedia bis 35), irgendwie Emazipation von ihrem gesamten bisherigen Leben, endlich Erwachsenwerden halt.

Früher, auf den Kindergeburtstagen, haben wir Topfschlagen gespielt. So ungefähr geht's mir mit diesen Text: Wo wird's heiß ... in irgendeinem Faden hast du kürzlich gesagt, Prosa solle Fragen stellen, was für mich gewissermaßen die Antithese war zu Klemens' viel diskutierter "zu Ende denken"-Äußerung im 10k-Smalltalk (weil das für mich mehr nach Antworten-geben klingt). Ich habe für mich festgestellt, dass ich gerne eine Meinung dazu hätte, und das ist wohl der Grund, warum ich eine Meinung zu diesem Text finden will. Brutalerweise müsste ich nun sagen: Wenn ein Text schon nur Fragen stellt, dann sollten es die richtigen sein.
Und damit bin ich dann bei den ganz unverhohlenen Fragen, die hier gestellt sind, und wo mich die Geschichte dann auch verliert:
Zitat:
Und da begreift Finni nicht nur, dass er sie nicht ernst nimmt, dass der Mann an sich sie nicht ernst nimmt, sondern auch, dass sie sich selbst nicht respektiert. Aber ist das jetzt ein plausibleres Ende als die ganz große Romantik unter alpinem Sternenhimmel? Ein glücklicheres?

Ich finde, das wäre überhaupt kein irgendwie befriedigendes Ende.
Plausibel ist in der fiktionalen Prosa das, was dem Leser vom Autor plausibel gemacht wird, und ob das in dem einen oder anderen Fall wahrscheinlicher ist, wer wollte darüber auf dieser Entwicklungsstufe urteilen? Das Sternenhimmel-Ende funktioniert ja bis jetzt vor allem deshalb nicht, weil dafür überhaupt keine nennenswerten Hindernisse überwunden werden mussten. Entsprechend läse sich auch das Glück der beiden einfach nur kitschig. Andererseits würde ich auch die mit Finnis Selbsterkenntnis endende Variante nicht als glücklich bezeichnen, sondern höchstens als Vorgeschichte für ein noch auszuerzählendes Glück: Fallschirmspringen, Tiefseetauchen, Swahili lernen.
Lauter Dinge, die Jenni - vermute ich jetzt einfach mal - aber auch noch nie gemacht hat. Wie also glaubwürdig darüber schreiben.

Ich geb's auf. Ich dachte, wenn ich mich reinschreibe, stoße ich vielleicht auf etwas Konkreteres, aber für mich beißt sich dieser Text selbst in den Schwanz, was natürlich der Sinn der Übung sein könnte, mir als Leser aber zu sehr Frage, zu wenig Antwort ist.

Und jetzt lese ich mal die anderen Kommentare, was ich mir die ganze Zeit verkniffen habe. Vielleicht geht mir ja da ein Licht auf? Wink


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 18.07.2018 21:12    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nebenfluss hat Folgendes geschrieben:
Puh, wo anfangen.

Puh, und wo fange ich an, das zu beantworten. wink
Erstmal freue ich mich über meinen Quotenmann im Thread, denn für mich ist es eine Frage, die mich (vielleicht naiv) doch unbedingt beschäftigt: Wenn ich über explizite „Frauenthemen“ schreibe (sind sie das und warum und ist das gleichbedeutend mit „für die Allgemeinheit irrelevant“, und warum und von wem wird die Allgemeinheit als so männlich definiert, wie es mir vorkommt, da könnte ich mich jetzt fünf Seiten auslassen), ist meine Zielgruppe dann schon aufgrunddessen weiblich. Oder liegt es an der Art, wie ich darüber schreibe, und das ist jetzt natürlich ein weites Feld, denn es hat erstmal mit Wollen und Können zu tun, aber danach damit, welche Art des Stils, oder: der Kommunikation (denn das ist definitiv auch ein oder das Grundthema meines Vorhabens), angemessen wäre das zu erzählen, und ist diese Art der Kommunikation dann explizit „weiblich“, muss oder sollte er das sogar sein oder gerade nicht und warum. Ich lass das jetzt mal bzw. nehm die Fragen mit in die Texte.
Jedenfalls stimme ich zu, dass Emanzipation ein Thema ist, und zwar auch und gerade feministische Emanzipation, was mich selbst überraschte. (Weil ich dieser post-feministischen Generation angehöre, die in dem Glauben aufgewachsen ist, als Frau bereits emanzipiert zu sein und sich allenfalls vom Feminismus emanzipieren zu müssen, und im Laufe ihres Lebens feststellt, dass tatsächlich nur alle so tun als ob, ein Schock, über den man sich am besten mit Sarkasmus hilft - haha, na klar, total feministisch das alles. *zwinker* *smile*)

So, und jetzt die Frage, wie viel die Figur mit der Autorin zu tun hat. Die ist nämlich total unangemessen, diese Frage, gerade unter Autoren, aber gleichzeitig total bedenkenswert in diesem Fall. Wegen der Erzählsituation und wegen des Themas des übereinander Urteilens, meine ich, bedenkenswert, und jetzt dann auch noch wegen des Feminismus. Vielleicht hast du ja inzwischen die Kommentare gelesen und weißt, dass Nuria mein roter Faden ist und nicht Finni. Erstmal Finni: „Finni“ ist viel niedlicher als „Jenni“ und nicht bewusst (aber vielleicht ja unbewusst) ähnlich, sondern 1. zu niedlich, bedeutet 2. laut irgendeiner Vornamenseite (unverifiziert) „die Suchende“ und klingt 3. wie französisch „fini“, was bedeutet „beendet“ (man könnte auch sagen „erledigt“ und über die Interpretation dieses Wortes und deren Bedeutung für die Figur fünf Seiten schreiben). Finni befindet sich, wie du weißt, in einer der meinen unähnlichen Lebenssituation (und auch früher war ich nie aktiv oder gar verzweifelt „auf der Suche“, dazu bin ich viel zu gern allein). Finni ist eher eine dieser Frauen, über deren Verhalten ich mich wundere und das ich zu verstehen versuche, als ein Alter ego, aber natürlich hast du Recht damit, dass in jeder Figur etwas von uns steckt und das ist sicherlich in diesem Projekt ganz besonders so. Also wahrscheinlich ist Finni genau wie ich nur ganz anders. Und Nuria: Sie erlaubt mir, mein eigenes Urteil, mein (Un)verständnis, meine Empathie oder deren Fehlen den Figuren gegenüber (von denen manche mir, bzw. deren Leben meinem, ähnlicher sein werden als Finni/s) in gewisser Weise zu reflektieren. Ansonsten gilt für sie das Gleiche: ganz anders aber ich.
Zitat:
Fallschirmspringen, Tiefseetauchen, Swahili lernen.
Lauter Dinge, die Jenni - vermute ich jetzt einfach mal - aber auch noch nie gemacht hat. Wie also glaubwürdig darüber schreiben.

Da vermutest du aber viel. Tatsächlich bin ich früher mit Begeisterung getaucht, fallschirmgesprungen dagegen nie (und habe das auch nicht vor). Swahili habe ich nicht gelernt. Ist aber völlig egal da metaphorisch. Es geht darum, dass Finni neue Erfahrungen machen soll, in dem Sinne ihre Grenzen zu erweitern. Nach oben und nach unten. Swahili (bzw. das arabische Wort sāḥil, von dem die Bezeichnung stammt) bedeutet: „Grenze“.
Darüber erzählen will ich nicht, bzw. habe ich schon: darüber, wie es der Erzählerin nicht annähernd gelingt, Finni an ihre Grenzen oder darüber hinaus zu führen. Und noch erzählen möchte ich: wie die Erzählerin sich dessen und der Konsequenzen bewusst wird oder aber, wie ihr das noch gelingt mit den Grenzen (aber ohne Finni), da bin ich noch nicht ganz sicher.

Zitat:
Wo wird's heiß ... in irgendeinem Faden hast du kürzlich gesagt, Prosa solle Fragen stellen, was für mich gewissermaßen die Antithese war zu Klemens' viel diskutierter "zu Ende denken"-Äußerung im 10k-Smalltalk (weil das für mich mehr nach Antworten-geben klingt). Ich habe für mich festgestellt, dass ich gerne eine Meinung dazu hätte, und das ist wohl der Grund, warum ich eine Meinung zu diesem Text finden will. Brutalerweise müsste ich nun sagen: Wenn ein Text schon nur Fragen stellt, dann sollten es die richtigen sein.

Topfschlagen? Dafür haue ich dich, wenn wir uns wiedersehen, aber ich tu nur so.
Mich haben Klemens’ Ausführungen zum bis zu Ende Denken ja  theoretisch überzeugt - und trotzdem bin ich immer noch so weit davon entfernt. (Übrigens liebt es Klemens, als Beispiel für alles herangezogen zu werden in Threads, die er noch nie betreten hat - nicht.) Fragen beantworten ist mit „zu Ende denken“ allerdings m.E. nicht gemeint, eher sich den Fragen zu stellen und zwar bis zum Ende. Ich bin aber bislang nicht mal bei der eigentlichen Frage angekommen, so mein Gefühl. Jedoch auch noch weit entfernt vom Ende. Es könnte halt wirklich sein, dass die Fragen, auf die es hinausläuft, nicht deine sein werden.

Zitat:
Ich dachte, wenn ich mich reinschreibe, stoße ich vielleicht auf etwas Konkreteres, aber für mich beißt sich dieser Text selbst in den Schwanz, was natürlich der Sinn der Übung sein könnte, mir als Leser aber zu sehr Frage, zu wenig Antwort ist.

Nein, das ist ganz sicher nicht Sinn der Übung. Jetzt denke ich angestrengt darüber nach, wie du das meinst, mit dem Schwanzbeißen, im Sinne einer Rückbezüglichkeit, oder in Bezug auf fehlende Konkretisierung, fehlende Aussage? (Und haben diese Rückschlüsse mit deiner fehlenden Zugehörigkeit zu einer vermeintlich weiblichen Zielgruppe zu tun oder mit dem Text.) Und ob ich im Laufe der Texte zu einer Aussage kommen werde und ob das („im Laufe“) ausreichend sein wird.
Ich erwäge, noch einen Text hier dazu zu stellen, andere Figur, andere Erzählweise. Denn mich würde interessieren, bzgl. der Zielgruppe und auch im Hinblick auf
reflektiertes Erzählen, das Was und das Wie für mich auseinander zu kriegen. Vielleicht schicke ich ihn dir auch, wie wäre das?

Nebenfluss, danke dir sehr, dass du trotz schwierigem Zugang versucht hast in den Text zu finden. Ich habe das Gefühl trotz vieler Worte nur unzureichend auf deine Überlegungen eingegangen zu sein, aber ich kann meine Gedanken auch einfach so schlecht erklären. Ich lasse das jetzt trotzdem so stehen und nehme den Rest mit in das Schreiben.

Und voll schön übrigens, dass du mich für des Zynismus unfähig hälst. Es gab zynische Zeiten in meinem Leben. Ich denke, es gibt sogar Menschen, die kennen mich gar nicht anders als zynisch. Aber ich bin froh, dass diese Zeiten weit in der Vergangenheit liegen, denn das waren echt nicht so gute Zeiten.
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 19.07.2018 13:41    Titel: Antworten mit Zitat

Jenni hat Folgendes geschrieben:
Ich erwäge, noch einen Text hier dazu zu stellen, andere Figur, andere Erzählweise. Denn mich würde interessieren, bzgl. der Zielgruppe und auch im Hinblick auf
reflektiertes Erzählen, das Was und das Wie für mich auseinander zu kriegen. Vielleicht schicke ich ihn dir auch, wie wäre das?

Das wäre schlecht, weil, ich will den auch lesen.
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Catalina
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BeitragVerfasst am: 20.07.2018 09:54    Titel: Antworten mit Zitat

Was bei mir beim Lesen passiert ist:

Am Anfang wollte ich mich mit Nuria verbünden und herablassend und mitleidig auf Finni schauen. Aber schon bald dachte ich: Dieser verfluchte innere Kritiker, verwechselt kollektives Gesellschafts-Blöken mit Moral oder Weisheit. Und ich schlug mich auf die Seite von Finni.

Zum Schluss dachte ich, dass Finni doch nur Nurias (der Gesellschafts) wegen leidet: Die große Liebe sucht sie, weil sie zu oft gehört hat, dass mit ihrem Lebensstil was nicht stimmt. Sie respektiert sich nicht selbst, weil man ohne Partner und/ohne konkretes Ziel weniger gilt.

Persönliche Parallelen sind natürlich rein zufällig! wink
Aber den Satz: "Ich kann gar nicht verstehen, warum Du keinen Partner hast: Du bist doch eine attraktive Frau!" zog sich durchgängig durch mein Leben. Das macht was mit einem.
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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 20.07.2018 15:00    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Catalina hat Folgendes geschrieben:
Zum Schluss dachte ich, dass Finni doch nur Nurias (der Gesellschafts) wegen leidet: Die große Liebe sucht sie, weil sie zu oft gehört hat, dass mit ihrem Lebensstil was nicht stimmt. Sie respektiert sich nicht selbst, weil man ohne Partner und/ohne konkretes Ziel weniger gilt.

Ha, genau das. Wie der Blick von außen das Selbstbild beeinflusst. Und eigentlich, so glaube ich, entsteht ja diese Herablassung, mit der Frauen so gerne den Lebensstil anderer kritisieren (und so erlebe ich es, als ob das Frauen deutlich mehr als Männer tun), aus einer ganz großen Unsicherheit. Als müsse man sich dadurch der Richtigkeit des eigenen Lebensstils (seiner nicht mehr so definierten Rolle als "Frau"?) versichern oder eher: sich selbst davon überzeugen. Wäre man mit dem eigenen Lebensweg zufrieden, sich seiner selbst sicher, dann müsste man doch ohne Groll andere Lebensentwürfe als gleichwertig tolerieren können.

Wie du dein Empfinden beim Lesen schilderst, das freut mich wirklich sehr. Gerade wenn (wie du andeutest) du dich mit Finni identifizieren kannst und da Parallelen zu dir selbst siehst, dass das Gefühl von Herablassung für dich verblasste. Ich möchte natürlich unbedingt hinbekommen, dass meine Figuren keine Schablonen sind, die man leicht einordnen und verurteilen kann, sondern gerade letzteres in Zweifel ziehen.

Vielen Dank für deinen Kommentar, Catalina, der mir das Gefühl gibt, tatsächlich etwas mit dem Text vermittelt zu können, was mich umtreibt.
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Jenni
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Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 20.07.2018 21:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

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    Die Perfektion des Augenblicks


    Charlotte hat die Nüsse vergessen. Protein (Sojaflocken), komplexe Kohlenhydrate (Weizenkleie), Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren: die Nüsse. Wie konnte sie die Nüsse vergessen. Hundert mal die Haare kämmen, damit sie schön glänzen. Morgens nur noch Kraftsport, morgens ist das Testosteronlevel besonders hoch, hat sie gelesen, Joggen nach der Arbeit, zum Runterkommen. Heute will sie früher da sein, um sich auf das Meeting vorzubereiten und wegen des freien Freitags, bei ihr bleibt nie was liegen, darauf verlässt man sich, und Johannes blockiert schon seit einer halben Stunde das Bad. Das macht er doch mit Absicht.

      - Johannes?
      - Hmhm.

    Dann bügelt sie doch schnell ihre Hose noch mal, die schon wieder verknittert aussieht. Ser. Soy, eres, es, somos, sois, son. Estar. Estoy, estás, está, estamos, estáis, están. Er sitzt schon in der Küche und liest auf dem Smartphone Nachrichten, den Kaffee hat er auch leer gemacht, die einzige Sünde, die sie sich ernährungstechnisch erlaubt, sehr rücksichtsvoll. Aber sie ist keine Zicke, sie ist Zen. Sie kann sich im Büro neuen kochen.

      - Ah, das Bad ist also jetzt frei.
      - Hm.
      - Das Bad ist also jetzt frei.
      - Hab ich dir doch gesagt. Hast du wahrscheinlich nicht gehört wegen dem Kopfhörer.
      - Wenn du das doch gesehen hast, warum - ach, vergiss es!

    Zen! In neunzehn Minuten fährt der Bus, sie muss noch ihre Monatskarte erneuern. Make-Up mit Feuchtigkeitscreme mischen, dann ist es fast unsichtbar, Puder nur mit dem Pinsel, sonst wird es immer zu viel. Im September wird sie 46, aber mit etwas Geschick sieht sie noch aus wie ungeschminkte Mitte dreißig. Für auf die Toilette reicht die Zeit nicht mehr, Geldbeutel, Handy, Schlüssel, der Schlüssel liegt immer genau - unter Johannes' Brieftasche, danke auch.

      - Es wird spät heute.
      - Charlotte?
      - Tut mir leid, ich habe es eilig.
      - Wie war denn das Wochenende?

    Er war noch wach, als sie in der Nacht nach Hause gekommen ist, das hat sie an seinem Atem gehört, er atmet anders, wenn er schläft. Da hat er kein Wort verloren.

      - Schön.
      - Wie, schön? Einfach nur schön, oder besonders schön?
      - Du, geht das heute Abend, mein Bus fährt in …

    Vier Minuten. Jetzt muss sie rennen, um noch rechtzeitig zu sein, und wenn sie ins Schwitzen gerät, gibt das unschöne Flecken auf dem Leinen.

      - Wir reden später darüber, okay?
      - Also doch.

    Die Tür ist schon halb geöffnet. Sie könnte so tun, als ob sie ihn nicht mehr gehört hätte, den impliziten Vorwurf in seinem "also doch". Sie hat keine Lust "also doch" zu diskutieren, nicht schon wieder.

      - Wenn ich dir sage, dass ich am Wochenende keinen Geschlechtsverkehr mit "Mister Unbekannt" hatte, kann ich dann jetzt gehen?

    Frau Matthis aus dem dritten Stock schaut irgendwas zwischen verstört und empört.
    Sie drückt die Tür wieder ins Schloss, der Bus ist sowieso verpasst. Sie hat noch zehn Minuten Puffer, mit dem nächsten ist noch nichts verloren.

      - Ist es so schlimm, wenn Miss Perfect einmal zu spät zur Arbeit kommt?
      - Nenn mich nicht so, "Miss Perfect".
      - Du sagst doch immer, dass du dich optimieren willst und den Anspruch an dich selbst nicht verlieren.
      - Eben. Weil ich dir meine Ängste anvertraut habe, und jetzt verwendest du das gegen mich.
      - Und das Wochenende?
      - Das Wochenende was?!

    Das zweite Wochenende auf der Suche nach den perfekten Momenten ihres Lebens. Das erste hat er ja noch akzeptiert, hat es sogar eine gute Idee gefunden, dass sie mal rauskommt aus ihrem getakteten Alltag und ihren Excel-Tabellen und Listen, mit den Freundinnen von früher, von denen sie ihm schon so viel erzählt hatte, dass es sich anfühlte, als kenne er sie. Und diese Art von Nostalgie hat ihm auch gefallen, das erste Mal das Mittelmeer sehen, 1990 in Italien, mit dem Abitur in der Tasche, ihren Mädels an ihrer Seite und der Welt plötzlich so groß. Das Wiedersehen war furchtbar. Beate hundertfünfzig Kilo depressiv, Mandy bei Licht betrachtet schon damals reichlich unterbelichtet, und Bibione, das sie dieses Mal dank Navigationsgerät auf Anhieb gefunden haben, ein lärmüberfülltes Kaff. Sogar das Meer war nicht so blau wie damals. Sie haben zusammen darüber gelacht, Johannes und Charlotte, in lange nicht gekannter Eintracht.
    Der zweite perfekte Moment ereignete sich kurz vor Ende ihrer Zwischenprüfung in Germanistik, sie hat ein Praktikum beim Goethe-Institut in Athen gemacht. Mister Unbekannt, wie Johannes ihn nennt, dabei wusste sie immerhin noch seinen Vornamen, Castor, wie der Doppelstern im Zwillingssternbild, trug dort bei einer Lesung ein paar mittelmäßige Gedichte vor, die er in der Muttersprache seiner deutschen Großmutter verfasst hatte, und später nahm er sie in seinem Auto mit, weil ihre Fahrgemeinschaft aus dem Studentenwohnheim sie hatte stehenlassen. Sein Auto lag voller Bücher, zerfledderte Gedichtbände und Geschichtensammlungen, sein Onkel war Antiquar. Sie las ihm zur Unterhaltung ein paar mit Bleistift unterstrichene Stellen vor, ob er sie markiert hatte oder ein früherer Besitzer, erfuhr sie nicht, noch was die Worte bedeuteten. Er lächelte über ihre dilettantische Aussprache des Griechischen, und kurz bevor sie ihre Unterkunft erreichten, fragte er sie, ob sie seine Lieblingsstelle in Athen sehen wolle. Sie wusste nicht, weshalb er fragte, es war ihr egal, so wollte sie damals sein, spontan und offen für jedes Abenteuer. Als sie das Zentrum hinter sich ließen und irgendwann auch die Stadtgrenze, machte sie ihn darauf aufmerksam, dass sie jetzt nicht mehr in Athen seien, da lachte er und sagte, ja eben. Ob sie weiter bis zum Meer fahren wolle. Sie war noch nicht sicher, ob sie das wollte, schließlich kannte sie ihn kaum, als das Auto liegenblieb. Willst du nicht nachsehen, fragte sie und zeigte auf die Motorhaube. Wieso, fragte er, und trommelte auf dem Lenkrad, der Tank ist leer. So beiläufig. Und jetzt? Wenigstens sei es an seiner Lieblingsstelle passiert. Was, hier, fragte sie, und versuchte irgendetwas draußen zu erkennen. Hier oder anderswo, er zuckte mit den Schultern. Sie stiegen aus und liefen ein paar Mal um das Auto herum, weit weg wagten sie sich nicht, denn eine Taschenlampe hatte er natürlich auch nicht dabei. In der Dunkelheit konnten sie außer den Sternen am Himmel keine Lichter entdecken und auch war es kein Sommer, die Nächte noch kalt. Viel später schlief sie ein paar Stunden auf dem Beifahrersitz eingerollt in eine Decke, die er im Kofferraum gefunden hatte. Geweckt wurde sie vom ersten Sonnenaufgang ihres Lebens. Dann hast du bisher noch nicht gelebt, sagte er. Ein Anwohner, der am Vorabend schon geschlafen hatte, versorgte sie mit Benzin und Kaffee. Castor fuhr sie zurück in ihr Wohnheim und sie sahen sich nie wieder.

      - Wenn es dir wenigstens geholfen hätte.

    Er klingt so enttäuscht. Er kennt nicht die ganze Geschichte, natürlich nicht, und füllt die Lücken mit seiner Version der Wahrheit. Wie enttäuscht wäre er erst, wenn er von der Abtreibung wüsste. Vielleicht konnte sie deshalb später, mit ihm, keine Kinder bekommen.

      - Die Nüsse. Ich habe heute morgen die Nüsse vergessen.
      - Wenn das kein Fortschritt ist.

    Fast will sie ihm sagen, wo sie das Wochenende wirklich verbracht hat, bei ihrer Schwester in Traunstein. Dass sie nach dem Streit am Freitagmorgen, nach ihrem wortlosen Abgang und Türknallen, nicht nach Athen geflogen ist um Castor zu suchen.

      - Mein dritter perfekter Moment, den haben wir zusammen verbracht. Weißt du noch unsere Wanderung mit dem plötzlichen Regenguss, da kannten wir uns noch gar nicht lang? Wir haben uns in dieser Betonröhre verkrochen, die dann in kurzer Zeit zum Sturzbach wurde.
      - Das ist einer deiner Top drei perfekten Momente gewesen?
      - Top eins sogar.

    Er greift nach seinem Smartphone. Das meint er nicht ernst, sich nach diesem Entgegenkommen kommentarlos wieder seinen Nachrichten zuzuwenden, denkt sie noch, doch er sagt:

      - Dann will ich gleich Regen bestellen, wie wäre Samstag um halb drei?

    Charlotte weiß gar nicht, ob sie über seinen Witz lacht oder über sich selbst oder über die so augenscheinliche Moral dieser Geschichte, die darin einfach perfekt zu ihrem Problem passt.

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Rose Kane
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BeitragVerfasst am: 30.07.2018 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

ich konnte den einstieg (noch) nicht zuende lesen.

a) mich verwirren diese unterschiedlichen gedankengänge? sind das welche?

und b) mich langweilen märchenprinzen- /-prinzessinnenstories zu tode. weil es die nämlich nicht gibt. und weil ich persönlich sowieso nicht der "standard"typ ala mein-auto-mein-haus-meine-frau-meine-kinder bin. zu mir passt *das* nicht.

ich versuche morgen aber noch einmal einen leseanlauf.

versprochen.


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~r.k. ~
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Anoa
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BeitragVerfasst am: 31.07.2018 08:52    Titel: Finni Antworten mit Zitat

Guten Morgen!

Der Text muss gut sein, denn ich habe ihn trotz der Hitze gelesen. Diese Finni kam mir nah.

Es ist auch eine angenehme Abwechslung, dass es eine Erzählerin gibt. Vielleicht wäre weniger Kommentar besser. Aber die Geschichte ist gut.

Liebe Grüße,

Anoa, mit Schweißperlen auf der Stirn...


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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 31.07.2018 12:53    Titel: Antworten mit Zitat

Oha, dieser zweite Teil ist irgendwie unbemerkt an mir vorüber gezogen.
(wollte ich nur kurz erwähnen und dass ich den jetzt aber auf dem Zettel habe)
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 01.08.2018 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mag das!

Kennst du "Tiere für Fortgeschrittene" von Eva Menasse?
Das mochte ich auch und das hier erinnert mich dran. smile


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 01.08.2018 20:57    Titel: Antworten mit Zitat

Jenni hat Folgendes geschrieben:
(...) oder über die so augenscheinliche Moral dieser Geschichte, die darin einfach perfekt zu ihrem Problem passt.

Öhm. Ich sehe sie nicht. Die so augenscheinliche Moral. Sollte ich? Und das Problem? Hat sie eins? In den Kommentaren hast du geschrieben, dass es dir (auch?) um Urteile geht, Urteile über andere, über sich selbst.
Ich finde in diesem Text keine (Urteile). Ist das Absicht? Und stimmt das überhaupt, ich meine du reitest ja ganz offensichtlich auf Charlottes Perfektionismus herum, aber ist das für sie ein Problem? Eher nicht, so scheint es mir.
Für Johannes aber schon und ok, doch ein Urteil im Text. Aber was er von ihr hält - nun ja, das scheint ihr jetzt auch nicht so wichtig zu sein?
Oder ist Charlottes "Urteil" das "sich fertigmachen", wenn es mit der Perfektion eben nicht so recht hinhaut? Nur das finde ich eigentlich auch nicht unbedingt im Text, denn es scheint doch so, als hätte sie selbst dafür immer eine Lösung?

Irgendwie erschließt sich mir der Text nicht. Er ist überaus angenehm zu lesen, aber am Ende weiß ich immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll um was es eigentlich geht*.

Oder hat die Moral damit zu tun, dass Johannes, der das mit der Perfektion eher doof findet, sofort mit der Umsetzung derselben bzw. des perfekten Moments beginnt, sobald sie ihm nützlich sein könnte?

Der perfekte Moment. Muss ich mich an dem aufhängen? Die Frage, ob es ihn überhaupt geben kann? Sicher nicht, wenn man vergangenes wiederaufleben lassen will.

Ich interpretiere wild um mich, weil ich gern was schreiben würde, aber nicht so recht weiß, was.

Die Erzählperspektive finde ich jedenfalls auch wieder spannend. Theoretisch bin ich ja bei Charlotte, aber komischweise bringt sie mir das überhaupt nicht näher, eher im Gegenteil.


* Könnte wohl bitte Lorraine vorbeischauen und mich aufklären? smile
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 01.08.2018 21:11    Titel: Antworten mit Zitat

Erst dachte ich, es geht weiter. Aber nun haben wir andere Personen. Eine neue Frau, die einen Märchenprinz sucht? Geht das so weiter, immer wieder neue Beispiele dafür?

Im zweiten Teil klingt fast Satire an. Der Perfektionismus der Frau erscheint dumm. Soll ich das als Kompensation auslegen? Die Abtreibung, so nebenbei erwähnt, erscheint mir auch wie ein Klischee. Braucht es die?
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