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Vergiss nie, dass wir dich lieben


 
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 900



BeitragVerfasst am: 19.06.2020 17:00    Titel: Vergiss nie, dass wir dich lieben eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Als Mia durch das breite, lichtdurchfluteten Treppenhaus ging, grüßte der Hauswart wie immer freundlich aus seiner Kabine heraus.
Sie erwiderte sein Lächeln mechanisch und verließ dann das Haus.
Auf der Straße zog sie den Brief aus ihrer Tasche, eierschalenfarbenes edelstes Papier, las noch einmal die wunderschön mit Ornamenten gestaltete Einladungskarte:
„Liebe Mia,
wir haben uns lange nicht gesehen. Deshalb bitten wir dich um einen Besuch, heute Nachmittag um 15 Uhr. Deine Chefin weiß Bescheid und hat dich beurlaubt.
Wir freuen uns auf dich.
In Liebe
Almon und Ranya“
Der Absender war: Deine Familie

Da Mias Familie bis auf ihren Bruder nicht mehr existierte, konnte damit nur eines gemeint sein: die Alten und Weisen hatten ihn geschickt. Also ein behördlicher Brief. Sie hatte noch nie einen solchen bekommen, nie mit Behörden zu tun gehabt.
„Lange nicht gesehen“ stand hier – sie hatten sich noch nie gesehen.
Vielleicht als Kind, als Baby? Ja, das war wohl gemeint. Und sie konnte sich nicht daran erinnern
Mia wusste nicht, ob es eine Ehre war oder ob sie sich fürchten sollte. Ehrfurcht. Es gab tatsächlich ein Wort, das beides beinhaltete. Das faszinierte sie für einige Sekunden. Bedeutete es, die Ehre und Bedeutung des anderen flößte einem Furcht ein? Vermutlich.
Doch Furcht war unsinnig.
Sie lebten in einer Welt, die alles besiegt hatte, was hätte bedrohlich sein können.
Die Wurzeln jeglicher Bedrohung, Hass und Krankheiten, waren ausgemerzt worden.
Vor einigen Jahrzehnten war das noch undenkbar gewesen, hatten sie im Geschichtsunterricht gelernt. Fast täglich waren Morde und Gewalttaten geschehen. Epidemien hatten die Erde überzogen. Umweltbedingte Erkrankungen waren erstarkt.
Keiner hatte zu glauben gewagt, dass man diese Feinde der Menschheit in den Griff bekommen könnte.
Doch es war gelungen.
„Ja, aber um welchen Preis?“, hörte sie ihren Bruder sagen. Sie musste an das Gespräch vor ihrem letzten Treffen denken.
„Preis? Ist doch alles super. Worüber beklagst du dich?“, war ihre Antwort gewesen.
„Nur weil du dich an die vorgegebenen Grenzen hältst und sie nicht überschreitest, denkst du, es gäbe keine.“
„Ich weiß nicht, was du meinst. Ich hab keine Grenzen. Ich kann tun, was ich will.“
„Ja, weil du willst, was du sollst.“
„Moritz,  du spinnst. Und wenn du nicht mein Bruder wärst, würde ich mich erst gar nicht auf solch eine spinnerte Diskussion einlassen.“
„Mia, machst du am Sonntag einen Ausflug mit mir, dann zeige ich dir etwas?“
Mias Herz hüpfte.
Sie hing an ihrem großen Bruder. Und dies war eine andere Liebe als die, die sie allen Menschen gegenüber hegte, wie sie es in der Schule gelernt hatte, nicht die Menschenliebe, auch nicht die sexuell motivierte Liebe. Als Kind war sie ihm treu wie ein Hündchen hinterhergelaufen, hatte ihn damit genervt, und er hatte sie abgewehrt.
Und jetzt wollte er sie sehen. Natürlich kam sie mit.
„Treffen wir uns Sonntg um 11Uhr am Hocke-Park?“
Dort hatten sie sich getroffen. Und es war ihr letztes Treffen gewesen. Seither hatte sie nichts mehr von ihm gehört und gesehen. Er war einfach verschwunden.
Mias Herz zog sich bei dem Gedanken schmerzhaft zusammen, und das Gesicht, das ihr das Schaufenster, an dem sie vorüberging, zurückwarf, zeigte diesen Schmerz.
Schnell lächelte sie
So durfte die Familie sie nicht sehen.

Obwohl der Weg nicht weit war, nahm sie ein Taxi. Sie versuchte sich abzulenken, indem sie das Treiben auf den Straßen betrachtete.
Der Wagen hielt vor dem breiten Prachtbau aus Glas und Metall.
Die Eingangshalle war mit Pflanzen und Blumen im Überfluss ausgestattet.
Eine lächelnde Dame kam auf sie zu und fragte, wie sie ihr helfen könne.
Als Mia von der Einladung sprach, bat sie um die Karte. Natürlich, sonst könnte ja jeder kommen und die Familie besuchen wollen.
Die freundliche Frau begleitete sie zum richtigen Zimmer.
Im Mittelpunkt des hellen Raumes stand eine Sitzgruppe mit bequem aussehenden Sesseln. Alles bis hin zu Teppichen und Gardinen war in zarten Farben gehalten, Weiß-und Gelbtöne, sogar die Kleidung der Beiden, die sich bei ihrem Eintreten erhoben, wies nichts Dunkles auf.  Sehr schöne Menschen,
zeitlos schön, dachte Mia, unmöglich, ihr Alter zu schätzen.
Sie strahlten eine Wärme und Herzlichkeit aus, die etwas Überwältigendes hatte, wie eine Welle.
Ranya trat als erste zu ihr,  nahm Mias Hand in ihre beiden und wies ihr dann einen Sessel zu.
Mia musste an Moritz denken, das lebende Gegenbild zu diesen Lichtwesen, ja, das Wort passte zu ihnen
Moritz, ungekämmt und unrasiert, ständig in schwarzen Schlapperklamotten und nach Rauch riechend, obwohl er beharrlich leugnete zu rauchen, wenn sie ihn deshalb zur Rede stellte.
Unwillkürlich schnupperte sie den zarten Duft im Raum und überlegte, ob er von den Blumen oder den Menschen kam.
„Die weißen Rosen“, erklärte Almon und wies auf die vielen Vasen. „Ein herrlicher Duft, nicht wahr?“
Mia nickte.
„Du fragst dich, warum wir dich sehen wollen“, begann Ranya.
Mia wollte wieder nicken, unterdrückte den Impuls dann im letzten Moment und beschloss abzuwarten.
„Du weißt, dass wir für dein Wohl, für das Wohl aller Menschen zuständig sind. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es euch gut geht und dass ihr zufrieden, ja sogar glücklich seid.“
Jetzt war der Druck nicken zu müssen so stark, dass Mia nicht anders konnte.
„Wir machen uns Sorgen um dich, Mia.“
Jetzt tat sie den Mund auf, räusperte sich und sagte mit einer Stimme, die so dünn war, dass sie selbst erschrak: “Aber das ist nicht nötig. Es geht mir gut.“
Almons Lächeln wurde breiter.
„Bist du sicher?“
Jetzt nickte Mia heftig.
„Mia, dein Face-Screening sagt etwas anderes. Deine Mundwinkel haben ein zunehmende Tendenz nach unten. Dein Blick ist abwesend, hat keinen Glanz mehr. Und deine Bewegungen sind schwerer geworden. Unsere Technik lügt nicht.“
Mia schwieg.
„Deine Kollegen, deine Chefs, deine Hausgenossen bestätigen, dass du dich in letzter Zeit immer mehr zurückgezogen hast. „
Mia antwortete nicht.
„Wir wollen nicht, dass du unglücklich bist. Du weißt, dass wir dich lieben.“
„Es tut mir leid,“ sagte Mia endlich. „Ich werde mich bessern.“
„Es hat mit deinem Bruder zu tun, nicht wahr?“
Jetzt verlor Mia die Kontrolle über ihre Gesichtszüge und riss die Augen auf. Woher wussten sie das?
„Aber Mia, in einer fürsorglichen Familie weiß der eine, was der andere tut. Ihr wart am vorletzten Sonntag im Sperrgebiet. Obwohl ihr wusstet, dass es ungesund und schädlich ist für euch ist. Warum?“
Mia zuckte mit den Schultern. Wenn sie eh schon alles wussten?
„Es war Moritz‘ Idee.“
„Was suchte er dort?“
„Ich habe keine Ahnung. Er sprach von Freiheit und Wildheit. Von Abenteuer und Überraschung.“
„Und du bist mit ihm in diesem schmutzigen See schwimmen gewesen, das Risiko von Infektionen eingegangen?“
„Moritz wollte es mir zeigen.“
„Ihr habt fremde Beeren und Kräuter gegessen, ohne deren Wirkung zu kennen?“
Mia sah zu Boden.
„Wir können euch nur schützen, wenn ihr euch schützen lasst.“
„Habt  ihr mit Moritz gesprochen? Wo ist er?“, platzte es aus ihr heraus.
„Wir dachten eigentlich, du könntest uns das sagen. Wenn jemand uns nicht vertraut, wie können wir ihm dann helfen, ihm Gutes tun?“
Nach einigen Sekunden:
„Vertraust du uns. Mia?“
„Aber natürlich!“, rief sie aus.
„Das ist gut. Wir haben nämlich ein Geschenk für dich, eine Off-Zeit, eine Kur, schon morgen darfst du sie antreten. Vier Wochen in einem Wellness-Ressort. Dort wirst du verwöhnt werden mit Anwendungen und Beratungen, es gibt Kuschel und Streichelgruppen, die dir viel Zuwendung geben werden. Vielleicht wirst du sogar einen Partner finden, damit du die Liebe bekommst, die du brauchst.“
Mia konnte nicht widersprechen. Es war, als hätte jemand sie geknebelt.
„Und wenn du in einigen Wochen zurückkommst, wirst du sehen, wie gut es dir geht. Alle werden es bemerken.“
Die beiden erhoben sich, drückten Mia wieder herzlich die Hand.
An der Tür winkte Ranya ihr noch nach und rief:“Und vergiss nie, dass wir dich lieben.“

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nicolailevin
Geschlecht:männlichLeseratte


Beiträge: 130
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 04.07.2020 12:47    Titel: Antworten mit Zitat

Unverkennbar ein irreales Setting. Liest sich flüssig und gut, die Dialoge passen, handwerklich gibts wenig zu bekritteln.

Die Utopie besteht aus dem Sieg über Hass und Krankheit, das wird nicht näher ausgeführt, kein Erklärbär, das gefällt mir.

Die Schattenseite der Welt ist eine allumfassende erdrückende Einmischung der Obrigkeit, die mit einer fürsorglich-bemutternden Attitude daherkommt, dabei aber knallhart keine Abweichler duldet.

Das ist hypsch ausgeführt, wenn auch nicht neu.

Meine größte gedankliche Hürde ist der unterstellte Nexus zwischen der Utopie und der Bevormundung. Klar, man kann etliche Gefahrenquellen reduzieren, wenn man Leute screent und ihnen bestimmte Orte verbietet, aber damit bekommt man doch nicht alle Krankheiten in den Griff!

Ich kaufe den Deal Unterwerfung gegen Gesundheit und Frieden einfach nicht und kann deshalb den Konflikt von Mia nicht so richtig nachempfinden.
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Hummelchen48
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 105
Wohnort: Rheinland-Pfalz


BeitragVerfasst am: 05.07.2020 06:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

hat mir gut gefallen.

Schon fast unheimlich lieb und freundlich.

Grüße

Hummelchen
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d.frank
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 41
Beiträge: 1021
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 05.07.2020 10:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hier bin ich lange hängengeblieben, weil´s mir da eiskalt den Rücken runterläuft. Was man unter dem Synonym: "aus Liebe", so alles machen kann...
Missbrauch, Gehirnwäsche, dem Wahnsinn anheimfallen.

Aber trotzdem, ich hätte mir mehr Ambivalenz gewünscht, denn so einfach, wie hier dargestellt, ist es dann ja doch nicht, oder? Hier haben wir eben die bösen Sektenführer, den Rebellen und die Unentschlossene und sehr wenig Experiment mit Sprache - aber das ist und bleibt auch Ansichtssache.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 900



BeitragVerfasst am: 05.07.2020 11:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Oje! Fehlender Endschliff: ... jetzt ... jetzt ... jetzt. Wusste ... wusste ... u.a.
Andererseits: was hätte Moritz dazu gesagt?! Very Happy

Was ich vergaß anzufügen: Die Geschichte wurde inspiriert (natürlich zunächst dankenswerterweise durch die Themenstellung des Teams) von Juli Zehs "Corpus Delicti", daher die Namensgebung der Protas. Eine Verbeugung vor dieser Autorin.
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3596

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 05.07.2020 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. Schwierig. Was ich an der Geschichte mag, ist der letzte Satz bzw. das sich mit ihm durchziehende Thema. Obwohl dieser letzte Satz im Grunde ja schon ein bisschen sehr Silbertablett ist, aber mei. So ist das ja auch mit den Leuten, die alles nur zu deinem Besten tun und es auch wirklich nur gut meinen. Die schmieren dir das sicherheitshalber auch lieber noch drei Mal aufs Brot, damit du es auch wirklich blickst.

Was ich nicht mag, ist, dass mir das alles zu unausgereift ist. Bzw. halt doch zu sehr Silbertablett. Da ist Mia, Mia ist ein bisschen naiv, aber hey, sie hat einen großen Bruder und der ist von der dunklen Seite. Oder halt von der guten, je nachdem, wie man es nimmt.

Aber das ist halt schon alles ein bisschen sehr schon mal gelesen, schon mal gehört, da kommt nichts neues dazu und noch dazu ist es halt schon auch ein bisschen sehr auserzählt, lässt mir als Leserin zu wenig Spielraum.
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Gast







BeitragVerfasst am: 06.07.2020 05:21    Titel: Antworten mit Zitat

gut geschrieben, wobei die Geschichte die Sprache noch übertrumpft.

Kleine Entdeckungen wie zur Ehrfurcht freuen mich persönlich immer.

Zitat:
“Und vergiss nie, dass wir dich lieben.“

Wow, der Satz kam bei mir genau wie beabsichtigt an, wage ich zu behaupten!
Da ist tatsächlich keine weitere Drohung nötig.

sehr schön und ein Top-Kandidat.

Vorgaben
Es ist alles da.
In meinen Augen ein hervorragendes Beispiel der Interpretation einer "Welt, in der alles so ist, wie es sein sollte"
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 45
Beiträge: 477



BeitragVerfasst am: 07.07.2020 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Text,

die Grundidee finde ich echt nicht schlecht, mit diesen beiden Lichtwesen, der "Familie", die in unerschöpflicher, grenzenloser Liebe um uns alle besorgt ist. Gruselig!
Aber ich habe echt gedacht, die beiden hätten Moritz eingesackt. Darauf habe ich am Schluss quasi gewartet. Die Antwort "Wir dachten eigentlich, du könntest uns das sagen", hat mich dann fast ein wenig enttäuscht.
Die "Off-Kur" ... ich weiß nicht. Ich glaube, ich möchte die nicht.

Lieblingssatz: Und vergiss nie, dass wir dich lieben. Es läuft mir eiskalt den Rücken runter. Vielleicht habe ich auch zu viele schlechte Filme gesehen.

Auf meiner Liste sind noch zwei Plätze frei. Mal sehen ...

Herzlichst
Silke
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V.K.B.
Geschlecht:männlich[Error C7: not in list]

Alter: 47
Beiträge: 2939
Wohnort: Nullraum
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 09.07.2020 02:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo unbekannt,
ich werde leider nicht ganz schlau aus der Geschichte. Eine Welt, in der die sogenannte "Familie" für alle sorgt, Mia geht mit ihrem Bruder in ein Sperrgebiet, sieht ihn danach nicht wieder und sie soll zur Kur, um wieder glücklich zu werden. Ich verstehe nicht ganz, was mir das sagen soll. Haben die ihren Bruder verschwinden lassen, weil er Dissident war, und jetzt wollen sie, dass sie ihn vergisst? Aber das ist nur eine Mutmaßung, die Geschichte liefert mir keine richtigen Hinweise über seinen Verbleib. Und auch sonst nicht, was ich damit anfangen soll.

beste Grüße,
Veith


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Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Heidi
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 39
Beiträge: 1307
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 10.07.2020 20:30    Titel: Antworten mit Zitat

Diese Gesellschaft wird von zwei Menschen regiert, die dafür sorgen, dass es allen gut geht. Die Liebe wird hier groß geschrieben. Auch gibt es keine Kriege mehr, die Menschen sind versorgt, Krankheiten ausgelöscht, Hass existiert nicht mehr. Almon und Ranya lieben ihr Volk und so auch Mia, die zu ihnen gerufen wird, um darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass es verboten sei, ins Sperrgebiet zu gehen. Das hat Mia gemeinsam mit ihrem Bruder, der seither verschwunden ist, getan.

Das Setting und auch einige inhaltliche Aspekte erinnern mich an die Hunger Games von Suzanne Collins. Denn es handelt sich hier um eine Utopie mit Grenzen, die sehr offensichtlich sind. Wer ins Sperrgebiet geht, bekommt Probleme. Die Menschen werden also überwacht, ansonsten wüssten Almon und Ranya nichts davon.
Wie auch in den Hunger Games zieht sich ein beklemmendes Gefühl durch die Geschichte. Das hat mitunter mit den weißen Rosen (auch solche spielen in den Hunger Games eine bedeutende Rolle) zu tun, aber auch mit der Liebe, die die Mächtigen ausstrahlen und verkörpern, die doch irgendwie falsch und geheuchelt wirkt. Mir machen die beiden Herrscher*innen während des Lesens Angst. Von Beginn an lese ich diese Geschichte mit Misstrauen gegenüber der Liebe dieser Personen gegenüber Mia.

An sich ist der Text solide geschrieben. Ich kann mich gut in Mia hineinversetzen, empfinde ihre Ängste mit, auch ihre Ehrfurcht. Sie wird zu einer lebendigen Figur. Unabhängig davon, dass diese Utopie eher Dystopie-Charakter hat, fehlt mir dennoch etwas Besonderes. Ich sehne mich nach etwas Irritierendem, oder Ausblicke für mich, etwas, das nachhallt, mich mitnimmt, nicht mehr loslässt.

Es sind keine Punkte mehr übrig.


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der Phallus braucht Flügel
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Ribanna
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 57
Beiträge: 553
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 11.07.2020 07:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ein guter Text, angenehm zu lesen. Gut geschrieben, fein ausgedacht.

Mich stört ein bisschen das Klischee vom rebellischen Bruder: Raucher, Schlabberklamotten in schwarz, ungekämmt. Die "Guten" als wunderschöne Lichtgestalten.

Ich lasse Punkte da.


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Constantine
Geschlecht:männlichExposéadler


Beiträge: 2920

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 11.07.2020 18:01    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Nicht verwundern, das ist ein Platzhalter.

Merci beaucoup
Constantine
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chaoticinfinity
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 28
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 12.07.2020 07:36    Titel: Antworten mit Zitat

kommentar um bewerten zu können
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Xeomer
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 32
Beiträge: 136
Wohnort: Xeothon


BeitragVerfasst am: 12.07.2020 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe unbekannte Autorin,
lieber unbekannter Autor,

bisschen creepy die Vorstellung dieser Utopie. Cool Fast schon eher eine Dystopie. Gefällt mir aber, ob es für Punkt reicht, kann ich noch nicht sagen.

Viele Grüße,
Xeomer


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firstoffertio
Geschlecht:weiblichShow-don't-Tellefant


Beiträge: 6138
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BeitragVerfasst am: 12.07.2020 21:19    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist gruselig. Auf recht subtile Art. Dieses von oben organisierte und erwartete gluecklich sein muessen. Dieses Zuviel des Guten. Uh.
Und nicht zu viel Sci-Fi.
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Vogelsucher
Geschlecht:männlichSchmierfink

Alter: 15
Beiträge: 92



BeitragVerfasst am: 13.07.2020 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

Das schreibe ich nur, weil ich bewerten möchte.
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 376



BeitragVerfasst am: 13.07.2020 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

- Welche Krise(n) wurde(n) überwunden? Hass und Krankheiten

- Wie? wird nicht erklärt

- Aus welchem Blickwinkel wird das Geschehen geschildert? Eine zufriedene Teilnehmerin des Systems

- Wer ist der in der Ausschreibung geforderte Unzufriedene? Der Bruder der Protagonistin

=> Anforderungen erfüllt? Ja

-----------------------------------------------

- Hat die Darstellung logische Fehler? Ist die Handlung schlüssig?

- Wie ist die handwerkliche Ausgestaltung? Liest sich wie eine auf Papier des Jahres 2020 gepauste Kopie von Brave New World, wobei die Unterdrückung aber als "weich" dargestellt wird (das Druckmittel ist nicht Angst und Folter, sondern vorgeschobene Fürsorge). Das passt recht gut zum Facebook Modell der Sanktionierung (nicht gelikt ist gescholten genug) und hat damit einen Aktualitätswert, bringt aber keine neuen utopischen Ideen ein. Sprachlich solide aber ohne highlights.


- Punkte und Begründung: 2. Leider verfallen die lt. Wettbewerbsregeln, da keine 10 Beiträge punktwürdig erscheinen.

----------------------------------------------

- Welche anderen Einreichungen sind vom Sujet her vergleichbar?

- Sonstige Kommentare:
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poetnick
Geschlecht:männlichKlammeraffe

Alter: 58
Beiträge: 684
Wohnort: Europa


BeitragVerfasst am: 16.07.2020 21:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

die Geschichte liest sich gut strukturiert. Es wird mir jedoch auch hier
zu erzählend und erklärend. Es geht dabei, durchaus mit Spannung, in
eine erwartbare Richtung.
Habe andere Geschichten für eine Punktevergabe ausgewählt.


LG - Poentnick


_________________
Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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Michel
Geschlecht:männlichExposéadler

Alter: 48
Beiträge: 2695
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 17.07.2020 09:48    Titel: Antworten mit Zitat

Utopie? Das glückselige Lächeln bleibt einem ein wenig im Halse stecken in dieser utopischen Glücks-Diktatur. Vermutlich genau das, was Du bezweckst. Bei mir funktioniert das. Der innere Motor der Geschichte springt bereits im zweiten Satz an, beim Wort „mechanisch“. Da hast Du mich am Haken; für eine Kurzgeschichte gut, wenn das früh kommt. Aufpassen würde ich mit Worten wie „wunderschön“; das zeigst Du mir nicht, sondern behauptest es; vielleicht sind es Blumenranken, die ich ganz grässlich finde? Smile
Wie in den meisten Geschichten hast Du einen Infodump-Teil eingebaut (ich auch), in dem die gravierenden Veränderungen erklärt werden. Das haben einige im Wettbewerb höchst elegant gelöst, ich nicht – hier kommt es angenehm knapp, fällt mir aber ins Auge, Schön gebrochen durch den Bruder, der sich der Glücksdiktatur widersetzt. Aber wer ist am Ende die unzufriedene Person: Bruder oder Mia? Beide, vermutlich. Ob sie so glücklich wird im Holiday-Resort, wage ich zu bezweifeln.


_________________
Ab November 2019 im Handel: "Shevon", erster Band der Flüchtlings-Chroniken
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 900



BeitragVerfasst am: 19.07.2020 18:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Herzlichen Dank allen für das Lesen, Kommentieren und ggf. Bepunkten.
Eine ausführlichere Antwort kommt noch.
Schönen Restsonntag!
M.
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Elbenkönigin1980
Klammeraffe


Beiträge: 517
Wohnort: Trier


BeitragVerfasst am: 19.07.2020 18:43    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir sehr gut, erinnert mich ein wenig an den Roman "Hüter der Erinnerung".
Für mich ist der interessanteste Charakter Mias Bruder, ich mag solche widerständigen Charaktere die aus der Diktatur ausbrechen möchten.
Gruselig, dass das Gesicht gescannt wird, und genau überwacht wird, wie sich jemand fühlt.
Die Sache mit dem Wellnessressourt bereitet mir großes Unbehagen, denn gerade als die Alten und Weisen Mia sagen, dass sie nach ein paar Wochen sehen wird wie gut es ihr geht.
Da kommt mir der Verdacht, dass keine Wellnessoase auf Mia wartet, sondern eine Art Knast mit fieser Gehirnwäsche.
Und das mit den Kuschel und Streichelgruppen klingt auch etwas merkwürdig, fast so als würde man die Leute dort vielleicht zur Partnersuche und engem Körperkontakt zwingen.
Gruselig, so eine Diktatur, die einen auf freundlich macht....dahinter steckt meistens nichts Gutes.
In dem Roman "Hüter der Erinnerung" mussten die Protas Pillen nehmen, die ihre Gefühle abtöteten und alle Menschen die dort lebten, wurden getötet, wenn sie drei Fehler in ihrem Leben machten. Neugeborene wurden auch getötet, wenn sie nicht den Erwartungen entsprachen.
Ich vermute mal, dass deine Welt auch alles andere als freundlich ist und diese Alten und Weisen es sicherlich nicht gut mit Mia meinen sondern sie nur auf Linie bringen und zu einem fügsamen Unertan machen wollen.
Schreibst du eigentlich noch weiter und stellst noch mehr rein? Würde mich echt freuen, wenn ich erfahren könnte wie es mit Mia und Moritz weitergeht.
Ein sehr spannender, vielversprechender Anfang, so liebe ich Dystopien.
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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 900



BeitragVerfasst am: 20.07.2020 12:30    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Stimmt, eigentlich eine Dystopie, keine Utopie. Aber ich finde ja eh: des einen U. ist des anderen D. Very Happy
Danke für die freundliche Rückmeldung. Das Ganze war nur als KG mit offenem Ende geplant, aber stimmt, vielleicht könnte man mehr draus machen.
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