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Duke


 
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 47
Beiträge: 684

Das goldene Schiff


BeitragVerfasst am: 31.03.2022 20:00    Titel: Duke eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Dunkelheit. Mein Kopf pochte im Rhythmus der Schaukelbewegung, das Alarmsignal folgte seinem eigenen monotonen Takt. Ein diffus grauer Balken teilte die Schwärze, als ich blinzelte.
Ich saß in der Kapsel? »Juri?« Keine Antwort. Mühsam tastete ich nach den Gurten, die mich festhielten. Wann hatte ich sie angelegt? Und warum? Ich fand Juris Platz leer und starrte auf den verwaisten Sitz.
»Nervös?« Juris Gesicht, sein Lächeln hinter dem Visier, war das letzte klare Bild in meiner Erinnerung. Danach … nur Splitter. Erschütterungen. Das Schiff ächzte, verzog und verdrehte sich. Schriller Alarm untermalte das hektische Blinken unzähliger Warnleuchten. Die Rettungskapsel. Glühendes Plasma umflirrte mich. Ausgebreitete Fallschirme vollführten jenseits des Bullauges einen hektischen Tanz …
Wie Quecksilber sickerte die Bedeutung der Erinnerungsfragmente in mein Bewusstsein, füllte es mit ihrem Gift. Es war zu einem Zwischenfall gekommen, einem Unfall, einer Fehlfunktion, irgendetwas, in dessen Verlauf die Rettungskapsel abgestoßen worden war – nur mit mir an Bord. Ich schluckte und mein Anzug wurde unangenehm eng. Bevor mich das Gefühl überwältigte, wandte ich mich von dem leeren Platz ab. Ruhig bleiben, das Schiff konnte immer noch intakt und Juri in Sicherheit sein. Erst einmal musste ich die Systeme checken, herausfinden, was passiert war und wo ich mich befand.
Hinter den Bullaugen wechselten sich die Wellenberge und -täler eines grauen, aufgewühlten Ozeans ab. Scheinbar hatte ich meinen ersten Splashdown verpasst. Wenigstens hatte die Avionik funktioniert und dafür gesorgt, dass die Kapsel sich nach dem Wassern aufgerichtet hatte, auch wenn es kein angenehmer Ritt war.
Über Funk versuchte ich das Kontrollzentrum zu erreichen, ohne Erfolg. Nach einigem Zögern aktivierte ich die Sprachsteuerung des Computers. Ich redete nicht gern mit einer Maschine, aber es war der schnellste Weg, Antworten auf meine Fragen zu bekommen.
»Kassandra?«
Ein Screen erwachte zu flackerndem Leben. »Hallo Adira, was kann ich für dich tun?« Tanzende Amplituden untermalten die Stimme des Computers.
»Ich wurde mit der Rettungskapsel ausgespuckt. Kontrolliere, ob alle Systeme laufen, und finde die Ursache für den Alarm.«
»Systemcheck läuft.« Kassandra schwieg kurz. »Defektes Stromkreismodul in Bereich F 277-z, redundante Komponente greift. Ich isoliere das defekte Modul.« Augenblicklich verstummte das nervige Piepsen. »Systemcheck abgeschlossen, keine weiteren Fehlfunktionen.«
»Ach nein? Ich kann keine Verbindung zum Kontrollzentrum herstellen!«
»Die Funkanlage funktioniert ordnungsgemäß.«
»Und der Peilsender?«
»Sendet ordnungsgemäß unsere Positionsdaten.«
»Aber-«
»Es ist keine Satellitenverbindung aktiv.«
»Bitte?«
»Es ist keine Satellitenverbindung aktiv«, wiederholte Kassandra.
»Unser Signal läuft ins Leere?«
»Korrekt.«
»Kannst du trotzdem meine Position bestimmen?«
»Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.«
»Aber ich bin schon auf der Erde gelandet«, schnaufte ich, mehr zu mir selbst.
»Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich das nicht bestätigen.«
»Das sollte eigentlich ein Witz sein …«
Kassandra schwieg.
Ich fröstelte plötzlich, als hätte jemand Eiswasser in meinen Raumanzug gegossen. »Kassandra, ich brauche eine Analyse der Atmosphäre.«
»Laut den Sensoren setzt sich die Atmosphäre außerhalb der Kapsel zu 76,025 % aus Stickstoff, 20,072 % aus Sauerstoff und 0,993 % aus Kohlenstoffdioxid zusammen.«
»Diese Zusammensetzung entspricht der Erdatmosphäre!«
»Bis auf den signifikant erhöhten Kohlenstoffdioxid-Gehalt entspricht sie annähernd der Erdatmosphäre. Dennoch könntest du die Luft atmen, Adira, der Kohlenstoffdioxid-Gehalt würde dich nicht nennenswert beeinträchtigen.«
»Ein Messfehler?«
»Einen Messfehler kann ich mit 98,75%iger Wahrscheinlichkeit ausschließen.«
»Sind Planeten bekannt, die eine vergleichbare Atmosphäre aufweisen?«
»Zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.«
»Das ergibt alles keinen Sinn, ich muss auf der Erde gelandet sein, wo sonst? Kassandra, hast du Zugriff auf die Logfiles des Hauptschiffes? Kannst du mir sagen, was dort passiert ist?«
»Die Logfiles der Argo stehen mir nicht zu Verfügung.«
»Verdammt!« Mit der behandschuhten Faust schlug ich auf meinen Oberschenkel. »Kassandra, versuch weiter die Kontrollzentrale zu erreichen. Versuch … irgendwen zu erreichen. Und lass noch einen Systemcheck laufen.«
Die Argo - der Prototyp einer neuen Generation überlichtschneller Raumschiffe. Es hätte nur ein Testflug für die Presse werden sollen, im Handumdrehen wären wir wieder in der Werft gewesen. Put the universe in your pocket? Space Folding Industries hätten ihr Geld statt in dämliche Slogans besser in die Entwicklung gesteckt. Hätte … wäre … jetzt saß ich mit einer Notfallration Nahrungskonzentrat und Wasser fest, und mein Freund Juri … Wieder schloss sich der Anzug wie eine Faust um mich. Juri … Ich brauchte Luft, kippte auf die Seitenluke zu und stemmte sie auf. Ein Schwall Meerwasser warf mich um, gleich schwappte die nächste Welle hinterher. Der Ozean schäumte und buckelte, als wollte er mich in den grauen Himmel zurückwerfen, an dem sich die Wolken nicht weniger hoch türmten. Unter großer Anstrengung schloss ich die Luke wieder und sank zu Boden. Nervös? Und ob ich nervös war!

Der Sturm wütete zwei Tage. Ich wurde seekrank, was sich positiv auf meine Vorräte, aber negativ auf mich auswirkte. Am dritten Tag stieß ich die Luke auf, die Luftfilter waren offenbar nicht darauf ausgelegt, dass Crewmitglieder 48 Stunden lang durchgehend kotzten. Gierig atmete ich ein und schaute mich um. Das dunkelblaue Meer lag friedlich vor mir, freundliche Wellen wiegten sanft meine Kapsel, der Himmel, von einem etwas helleren Blau, war wolkenlos.
»Kassandra, vielleicht hat der Sturm unsere Kommunikationssysteme beeinträchtigt. Bekommst du jetzt ein Satellitensignal?«
»Nein.«
»Gut«, sagte ich, obwohl gar nichts gut war. »Versuch es weiter.«
Ich lutschte etwas Nährkonzentrat aus einem Beutel. Es schmeckte fade. Sobald ich wieder daheim war, würde ich mir eine ordentliche Portion Bratkartoffeln zubereiten. An diesem bittersüßen Gedanken klammerte ich mich fest.
Abends saß ich an der geöffneten Luke und betrachtete den Himmel, die Myriaden Sterne, aus deren Mitte ich wie Fallobst in den Ozean geplumpst war. Der Anblick brachte mich auf eine Idee.
»Kassandra, kannst du anhand der Sternbilder meine Position berechnen?«
»Dies ist mir nicht möglich.«
»Weil es deine Rechnerleistung übersteigt?«, frotzelte ich grinsend.
»Weil ich in meinem Sternatlas keine Übereinstimmung zu diesen Sternbildern finde.«
Das Grinsen verging mir. Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Ich ließ die beiden Variationen in mantraartigen, alternierenden Satz-Karawanen durch meinen Kopf ziehen.
In dieser Nacht schlief ich schlecht. Träumte von Juri, der sich außen an die Kapsel krallte, während ich geschützt in ihrem Innern der Erde entgegen fiel. Nervös?, formte sein Mund. Durch das Fenster erahnte ich das Wort nur, sah das Lachen auf seinem Gesicht, dann begann die Luft um ihn zu brennen und er verglühte in der Hitze des Wiedereintritts. Ich weinte beim Aufwachen, zog die Knie an die Brust, doch ein Geräusch ließ mich aufhorchen. Etwas kratzte und schabte an der Außenhülle, brachte meine winzige Insel zum Schwanken.
»Kassandra, Licht!«
Mit dem Aufflammen der Lichter ging ein Ruck durch die Kapsel und ich sprang auf. Was auch immer sich für mich interessiert hatte, die plötzliche Helligkeit schien es erschreckt zu haben.

Sieben Tage nach dem Absturz verhallten unsere Notrufe weiterhin ungehört im Äther. Nicht nur Suchmannschaften blieben aus, ich sah auch sonst keine Schiffe oder Flugzeuge. Ich war doch unmöglich auf einem unbekannten Planeten gelandet!
Kassandra analysierte für Havarien entwickelte Handlungsempfehlungen und bot an, meine Überlebenswahrscheinlichkeit durchzurechnen. Ich lehnte ab. In der Hoffnung auf Regen streckte ich meinen geschrumpften Wasservorrat mit Salzwasser, das verbliebene Nährkonzentrat ließ ich so lange wie möglich unangetastet. Doch der Wetterwechsel blieb aus, der Himmel unendlich blau, das Meer zahm und gleichgültig. Aus meiner Ausrüstung bastelte ich eine primitive Meerwasserentsalzungsanlage, ließ es in der Sonne verdunsten und an einer Plane kondensieren. So war ich beschäftigt, doch als ich den letzten Beutel Konzentrat aussaugte, schmeckte der Inhalt nach der Verzweiflung, die ich längst mit jeder Pore atmete.
Ich zwang mich zu täglicher Routine, sonst hätte ich nur geschlafen und wäre irgendwann nicht mehr aufgewacht. Abends spielte ich mit Kassandra Schach. Sie gewann immer. Auf Nachfrage informierte sie mich, dass wir im Sparmodus über Energievorräte für ein Jahr verfügten. Sollte mich das beruhigen oder erschrecken? Und würde ich in diesem Jahr wenigstens ein Mal gewinnen? Andererseits war ich ohne Nahrung nicht in der Position, so weit im Voraus zu planen. Dem musste ich Abhilfe schaffen.
Aus den Leinen der Fallschirme baute ich Angeln und Netze, hangelte mich damit bewaffnet an der Außenseite der Kapsel entlang und hielt Ausschau nach Beute. Vom langen Starren auf die flirrende Wasseroberfläche schmerzten bereits die Augen, da nahm ich im Augenwinkel einen Schatten wahr. Reflexhaft warf ich das Netz aus – und verlor den Halt. Mit einem lauten Platscher landete ich im Wasser, eine Hand noch immer am Netz, das kraftvoll davongezogen wurde, zusammen mit mir. Als ich endlich losließ, war die Kapsel zwischen den Wellen kaum noch auszumachen. »Kassandra!«, schrie ich. Selbst wenn sie mich hörte, was hätte der Computer ausrichten sollen? Die Kapsel war eine winzige Nussschale, die manövrierunfähig im Nirgendwo trieb. Trotzdem schrie ich weiter, schwamm auf sie zu, allein der Abstand verringerte sich nicht. Ich schluckte Meerwasser, Wellen schlugen über meinem Kopf zusammen. Vergiss es, ich gebe nicht auf! Armzug, Beinschlag. Wo war die Kapsel? Wieder ein Schatten. Links von mir, rechts … Haie? Ich sah keine Rückenflosse, ich sah … einen Fangarm, der aus dem Wasser peitschte und sich um meinen Leib wickelte. Saugnäpfe drückten sich mir schmerzhaft in die Haut. Meine Stimme schnappte über, mit Fäusten trommelte ich auf den Arm ein, bohrte meine Fingernägel in glitschiges Fleisch, bis zwei weitere Tentakel mir die Arme an den Oberkörper pressten. Aus meinem Mund drang nur noch ein Kieksen, meine Kehle brannte, der Druck um meinen Rumpf war unerträglich. Er raubte mir die Luft … ich konnte nicht atmen … dunkle Sterne flimmerten … ich …

… öffnete die Augen und blickte auf die Kuppel der Kapsel. Wie war ich hierher gekommen? Im Schein der Notbeleuchtung rappelte ich mich hoch, jeder einzelne Knochen schmerzte. Die Luke stand offen, draußen vereinten sich Nacht und Ozean zu einem schwarzen Nichts. Ich erstarrte, als ich der Bewegung gewahr wurde. Ein Fangarm schob sich gemächlich tastend ins Innere der Kapsel. Mir stockte der Atem, alles fiel mir wieder ein, wie ich ins Wasser gefallen war und dieses … Vieh mich fast ertränkt oder gefressen hätte … Hektisch sah ich mich nach einer Waffe um, da folgte ein zweiter Arm, der sich entrollte und einige Fische zu Boden gleiten ließ. Sofort zogen sich beide Tentakel aus der Kapsel zurück.
Ich starrte auf die silbrig glänzenden Leiber, die keine Armlänge entfernt von mir lagen. Einer zuckte mit der Schwanzflosse, ich quiekte laut und schlug eine Hand vor den Mund. Auf Händen und Füßen kroch ich zur Luke und spähte hinaus. Dicht unter der Wasseroberfläche zog ein Körper beinah übermütige Bahnen, gut erkennbar, denn er leuchtete, fluoreszierte, schillernd regenbogenfarben. An dem keilförmigen Rumpf hingen acht, nein, zehn Fangarme. Die Ausmaße waren gigantisch, das Geschöpf maß sicher über vierzig Meter. Als es sich jedoch aus dem Wasser reckte, als mich sein traktorradgroßes Auge anglotzte, schrie ich auf, zerrte an der Luke und schloss sie panisch.

Nachdem der erste Schreck über diese unheimliche Begegnung abgeflaut war, gab es nur noch einen Gedanken: Fische! Den ersten filetierte ich notdürftig und stopfte ihn roh in mich hinein. Als er drinblieb, folgte der zweite. Mit leidlich vollem Magen bewertete ich die Situation neu. Ohne Zweifel hatte mich der Kalmar aus dem Wasser gefischt, in die Kapsel zurückgestopft und mit Nahrung versorgt. Er schien somit erkannt zu haben, dass a. Wasser nicht mein eigentliches Element war, sondern die Kapsel diesem näherkam, und ich b. Hunger hatte. Das brachte mich zu der Beobachtung, die mich, glaube ich, am meisten erschreckt hatte: Nicht die Tentakel oder ihre schiere Länge. Auch nicht die Tatsache, dass dieses Geschöpf über Augen verfügte, in deren Höhlen ich locker Platz gefunden hätte. Nein, es war der Ausdruck darin. Neugierig. Mitfühlend. Unbestreitbar intelligent.
Am Ende des folgenden Tages ließ ich die Luke aufstehen und zog mich in die hinterste Ecke der Kapsel zurück. Mit Einbruch der Dunkelheit brachte mir der Kalmar fünf Pfund Fisch, zwei Exemplare einer Art Krustentier und eine riesige, bedrohlich wirkende Muschel, die meine Kapsel dreimal verschlungen hätte. Gerührt taufte ich meinen Retter »Duke«.
»Warum Duke?«, fragte Kassandra.
»Wegen Architeuthis dux.«
»Riesenkalmare fluoreszieren nicht.«
»Dieser hier schon.«
In der Folge besuchte Duke mich regelmäßig und wir studierten einander. Glaubte ich zuerst, die Fluoreszenz würde ihm bei der Jagd nützen, hielt ich sie bald für ein Kommunikationsmittel. Sie verriet seine Gefühlslage. Changierte das Farbenspiel ins Rote, war er auf Abstand bedacht. Dann brachte er etwas zu essen und verschwand sofort wieder. In blauer Farblaune dümpelte er friedlich neben meiner Kapsel und ich erzählte ihm Anekdoten aus meiner Jugend. Natürlich wusste ich, dass er kein Wort verstand. Bei Grün hatte er das Bedürfnis, mich zu unterhalten. Meist wurde ich dabei nass, ertrank fast und war anschließend in roter Stimmung.
An einem Abend schwamm Duke blau schillernde Achten und ich betrachtete den Himmel, fest entschlossen, ein Sternbild nach ihm zu benennen. »Hier!« Aufgeregt wies ich nach oben. »Das sieht wirklich wie ein Kalmar … aus …« Ich verstummte und kniff die Augen zusammen. »Orion?«, murmelte ich. Ja, doch … mit sehr viel Fantasie …
»Kassandra? Befinden sich in deiner Datenbank Informationen über die Eigenbewegung von Sternen, aus denen du zukünftige Positionen extrapolieren könntest?«
»Ja.«
Ich zückte meine Helmkamera, Kassandras improvisiertes Auge. »Nur mal angenommen, das da oben ist … war mal Orion, wie viel Zeit müsste vergangen sein, damit er so aussieht?«
Kassandra schwieg. Sie rechnete bereits.
Ich begann zu schwitzen und Duke hielt inne. Seine Haut flackerte irritiert.
»Berechnung beendet«, vermeldete Kassandra nach einer geraumen Weile.
»Und? Wie viele?«
Keine Reaktion. Zögerte sie die Antwort etwa hinaus? War es ihr peinlich, dass ich die Idee hatte?
»Kassandra?«
»Etwa 4,2 Millionen Jahre.«
Das Ergebnis traf mich wie ein Faustschlag. Deswegen die unbekannten Sternbilder. Deswegen suchte niemand nach mir, gab es keine Satellitenverbindung, keine Flugzeuge, Schiffe, überhaupt irgendeine Spur von Zivilisation. Nicht einmal Plastikmüll! Dieser verdammte Konzern hatte mich auf seinem Seelenverkäufer weit in die Zukunft katapultiert!
War die Menschheit bereits Geschichte? Trieben nur noch kümmerliche Reste durchs All? Völlig egal, ich würde nicht mehr nach Hause kommen! Schlimmer, Zuhause gab es nicht mehr!
Ich bekam keine Luft und riss am Halsausschnitt meines Shirts. Put the universe in your pocket? Mit der Faust schlug ich gegen die Kapsel, bis mich der Schmerz zur Besinnung brachte. »Ich scheiß auf euch!«, brüllte ich, kaum dass ich wieder atmen konnte. »Hört ihr, Space F*cking Industries? Ich scheiß auf euch!«

Drei Wochen sind seitdem vergangen, und langsam finde ich mich mit der Situation ab. Mehr noch, ich werde mein Schicksal selbst in die Hand nehmen, vor allem da laut Kassandras Messdaten eine ausgedehnte Sturmfront auf uns zuhält, bei deren Ankunft ich nicht mehr hier sein sollte.
Zeit zum Aufbruch also. Aus den Fallschirmen habe ich Segel gebaut, zugleich fungiert Duke, der mir nicht mehr von der Seite weicht, als eine Art Außenbordmotor. Bei all den Unwägbarkeiten, die vor mir liegen, bin ich froh, einen fünfzig Meter Kalmar im Team zu haben. Mein Kapsel-Schiff wird noch eine ordentliche Taufe erhalten, sobald Kassandra und ich uns auf einen Namen einigen können. Mein spontaner Vorschlag »IHATEFUSPFUIN« wurde von ihr abgelehnt, nachdem sie erfahren hat, für welche Einzelkomponenten das etwas sperrige Kurzwort steht. Ich denke, wir nennen das Schiff »Duke«.
Die Duke – in der Zeit gestrandet!
Nein, vom Stranden habe ich vorerst die Nase voll, das muss ich positiver formulieren.
Die Duke – auf zu neuen Ufern!
Ja, schon besser. Das hat was.

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Phenolphthalein
Geschlecht:männlichReißwolf


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BeitragVerfasst am: 31.03.2022 21:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inkognito,

die Geschichte wird für mich erst interessant, als der Kalmar auftaucht, aber sie ist mir insgesamt recht emotionslos bzw. sprunghaft. Außerdem dachte ich bei der Zusammensetzung der Atmosphäre sofort daran, dass er in die Zukunft gesprungen sein könnte (Vorhersehbarkeit) Ich ging davon aus, dass das etwas mit Klimawandel oder der gleichen zu tun haben könnte, aber das beleuchtest du ja nicht. Und dennoch überraschte mich die Geschichte nie.

Punkte? Momentan eher nicht.

Liebe Grüße,
Pheno


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Nichts ist leichter, als so zu schreiben, dass kein Mensch es versteht; wie hingegen nichts schwerer, als bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass jeder sie verstehen muss.

-Arthur Schopenhauer
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Elisa
Eselsohr


Beiträge: 226



BeitragVerfasst am: 01.04.2022 10:00    Titel: Duke Antworten mit Zitat

Mit etwas zeitlichem Abstand habe ich deine Geschichte jetzt zum dritten Mal gelesen, und finde sie immer noch
unglaublich gut, fast noch besser, weil mir noch mehr Einzelheiten aufgefallen sind.
Und dies ist ein großes Kompliment, weil ich normalerweise überhaupt keine Geschichten über Raumschiffe,
Zukunftsvisionen oder ähnliches lesen mag.

Dein Plot ist rund, handwerklich ist alles top, du weißt was du tust!

Deine Sprache ist abwechslungsreich, selbst nach "technikgeprägten" Sätzen holst du mich gleich wieder ab
und ich bleibe bei deinem Protagonisten.
Viele deiner Formulierungen lassen Bilder in meinem Kopf entstehen.
("Fallobst" / "Der Ozean schäumte und buckelte, ..."  und vieles mehr)

Kurzum: Kreativ, handwerklich gekonnt, alle Vorgaben sind umgesetzt.
Es ist ein Genuss, deine Geschichte zu lesen.

Ich gebe dir die höchste Bewertung: 12 Punkte.
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin

Moderatorin

Beiträge: 4438

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Der silberne Scheinwerfer Ei 4


BeitragVerfasst am: 01.04.2022 10:09    Titel: Antworten mit Zitat

Ich merke, ich mag das nicht, wenn einem zu Anfang erst mal lang und breit erzählt wird, was passiert ist. Na gut, "lang und breit" ist völlig übertrieben, aber mir ist das zu viel. Da werde ich lieber ins kalte Wasser ( Rolling Eyes ) geworfen und verstehe erst mal weniger, als dass mir zuallererst zu ausführlich das Setting erzählt wird.

Es ist Witz drin, das mag ich. Auch wieder so ein unaufdringlicher nebenbei-Witz.

Hm. Eigentlich sehr okay, die Geschichte. Problem: Sie ist halt nichts für mich. Es geht mehr ums Was und weniger um Wen. Und ich mag ja leider lieber Geschichten, in denen Menschen die Hauptrolle spielen. Klar, hier spielt auch ein Mensch die Hauptrolle und es ist ja nicht so, als käme der völlig austauschbar daher. Aber der Schwerpunkt ist eben doch nicht da, wo ich ihn gern hätte.

***

Und trotz allem 4 Punkte.


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Don't play what's there, play what's not there.
Miles Davis
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Stefanie
Reißwolf


Beiträge: 1710



BeitragVerfasst am: 01.04.2022 13:35    Titel: Antworten mit Zitat

Stimmig und mit einer interessanten Entwicklung, gefällt mir.
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RAc
Klammeraffe


Beiträge: 647



BeitragVerfasst am: 01.04.2022 15:51    Titel: Antworten mit Zitat

Tragödie im All: Ein Außeneinsatz auf einer Space Station geht schief und zwingt einen der beteiligten Astronauten dazu, in seiner Kapsel eine Notwasserung auf der Erde vorzunehmen. Sein einziger Kommunikationspartner ist eine industrielle Siri mit dem Namen Kassandra. Im Laufe der Erzählung finden sie gemeinsam heraus, dass sie im Zuge der Notwasserung in so eine Art Nexxus geraten sind und dabei 4,2 (mit offensichtlicher Anspielung auf Douglas Adams) Millionen Jahre übersprungen haben.

Vorgabentreue: Ja.

Hallo holg (das sieht sehr nach deiner Handschrift aus; solltest Du nicht holg sein, so sieh die Anrede als Kompliment an):

Mal wieder eine Punktlandung. Einwandfrei geschrieben, tolle Idee, meisterhaft ausgeführt, dabei das Motto "auf zu neuen Ufern" gekonnt mit eingebaut. Das mit ähnlichem Sujet geschriebene "Verpasste Begegnung" hat noch eine Schippe mehr Esprit, deswegen "nur" 10 Punkte von mir.

Lieblingstextausschnitt: "Abends spielte ich mit Kassandra Schach. Sie gewann immer. Auf Nachfrage informierte sie mich, dass wir im Sparmodus über Energievorräte für ein Jahr verfügten. Sollte mich das beruhigen oder erschrecken? Und würde ich in diesem Jahr wenigstens ein Mal gewinnen?"

Chapeau!

Nachtrag: Könnte es sein, dass die story auch von der (medial durchaus aufgebauschten) ersten Außenmission von Matthias Maurer ein paar Tage vorher inspiriert war?...
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Minerva
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 717

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BeitragVerfasst am: 01.04.2022 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, geliebter Text, wer schrieb dich denn? love

Science Fiction wird zu Fantasy, Monster zu Freund.
Fiese Saugnäpfe Very Happy

Der Text ist unterhaltsam, interessant, packend. Es war (durch meine Zufallsprinzipwahl) der erste, den ich gelesen habe und ist bis zum Schluss auf Platz 1 geblieben, obwohl der letzte Text versuchte, ihn anzugreifen.

Sicher erzählt, routiniert geschrieben, bestimmt mehrmals gelesen und daran gearbeitet. Sprachlich auf gutem Niveau, sehr gut lesbar + ab und zu ein hübsches Bild dabei und etwas Humor. Beklemmung!
Mehrere Twists, die ich nicht kommen sah.

Alles sauber geschrieben. Das ist Mindestvoraussetzung. Den ersten Platz gibt es auch, weil der Text es schaffte, mich emotional zu berühren. Das ist bei einem Kurztext nicht so leicht, vor allem, wenn es so intensiv ist!
Nämlich an dem Punkt, als die 4,2 Millionen Jahre verkündet wurden. (Zwar dachte ich einen Moment, es wäre in die Vergangenheit, aber ist irrelevant). Jedenfalls traf mich das sehr (es gibt auch keine Rückkehr mehr Crying or Very sad ), was beweist, dass die Kniffe im Aufbau der Geschichte funktionierten. Ich spürte Hilflosigkeit und Leere, Mitgefühl und Verzweiflung cry
Und wie schön es dann noch gelindert wurde mit dem neuen Freund, der weiterhilft, der Hoffnung, die trotz der Situation aufrecht bleibt.
Ach ja, bittersüß.

Alles, was eine gute Geschichte braucht, ständig getragen von der Spannung, wie sie ausgehen mag (auch wichtig!), die zieht sich von Anfang bis Ende durch.

Zitat:
»Nervös?« Juris Gesicht, sein Lächeln hinter dem Visier, war das letzte klare Bild in meiner Erinnerung.

Zitat:

Nervös? Und ob ich nervös war!

Zitat:

Träumte von Juri, der sich außen an die Kapsel krallte, während ich geschützt in ihrem Innern der Erde entgegen fiel. Nervös?, formte sein Mund.

 love
Diese Wiederholungen bspw. wirken einfach mächtig! Nichts wird behauptet, nichts beschrieben, aber es ein Symbol, ein Detail für den Verlust des Freundes, für die Einsamkeit und baut u.a. die emotionale Wirkung für den späteren Schock mit auf. Und es sorgt für eine frühe Identifikation mit dem Charakter. (Schaut, wie wenig es dafür bedarf!)
Das kennzeichnet den ersten Teil der Geschichte, wird dann nicht mehr wiederholt - was auch "richtig" ist, denn jetzt geht es weiter, keine Zeit für Sentimentalität mehr.

Der Kontakt zu dem Wesen wird zum Trost, das Wesen wirkt ebenso einsam wie fehl am Platz, ein schillernder, floureszierender Riesentintenfisch im Meer, auf einer Erde ohne Menschen, die ihn bewundern könnten (oder wahrscheinlich jagen und töten, wie Menschen das so tun, also ist es doch gut, dass sie weg sind Laughing )

So und zuletzt noch das Detail der Put-the-universe-in-your-pocket-Company. Allein der Slogan reicht aus, um genug zu wissen. Auch er wird später wiederholt, zum Symbol der Wut. Er passt auch so perfekt, ist so typisch und glaubwürdig.

Prinzip Hoffnung ist die Fertigkeit der Prota, sich selbst zu behelfen, am Ende sogar ein Boot zu bauen. Überhaupt lässt sie sich nicht entmutigen, der Lebenswille ist ungebrochen. Es wird nicht gejammert, es wird gehandelt, wie es sich für Protagonisten gehört.
Schmerz ohne Negativität.

Das Prinzip Kooperation, das schon immer Grundlage für Überleben war, greift durch den neuen Freund Duke. Hoffnung ist schön zu lesen, und sie bietet mir einen Trost, in der Geschichte und generell. Duke heißt dann auch das Boot.

Hier noch was zu Meckern:
Die angeschleppte Riesenmuschel irritierte mich, weil wie hantiert Kraki bitte damit herum bzw, legt sie (?), aber na ja ... es ist auf jeden Fall hilflos süß von Kraki, sie konnte die Muschel ihr aber kaum hinlegen ...
Und einmal war Kraki Duke 40 Meter, später 50, das fiel mir aber erst beim zweiten Lesen auf.
(Scheinbar --> Anscheinend)
EGAL!

12 Punkte!


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... will alles ganz genau wissen ...
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 01.04.2022 23:27    Titel: Antworten mit Zitat

Dadurch dass das über Umwege auf die Pointe Zeitreisen hingeschrieben ist, verliert das ein bisschen von seinem Charme. Ansonsten mag ich den Nebendarsteller (erinnerte mich an eine Doku, in der Mensch und Tintenfisch eine Art Freundschaft aufbauen) und die Hoffnung, selbst, wenn sie reiner Überlebenswille und Feindbild ist.

4 Punkte für Duke


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Heidi
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Der goldene Durchblick


BeitragVerfasst am: 02.04.2022 19:42    Titel: Antworten mit Zitat

Adira (ich lese diese Figur weiblich) wird vom Weltall in einer Notfallkapsel auf die Erde bugsiert und freundet sich mit einem Kalmar an, der überdimensionale Maße für sich einnimmt. Bald wird ihr dank ihres plietschen Bordcomputers klar, dass sie in der Zukunft gelandet ist und zwar sage und schreibe 4,2 Millionen Jahre nach aktueller Zeitrechnung.

Was mir an dieser Geschichte - zusätzlich zum fesselnden Schreibstil und gut ausgearbeiteten Spannungsbogen -  gefällt, ist die Freundschaft, die zwischen Duke und Adira entsteht. Die Kommunikationsform mittels Farben finde ich eine sehr fantasievolle und zauberhafte Schöpfung. So wird auch Duke zu einer Figur, die einen individuellen Ausdruck findet.
Auch mag ich es, dass Duke nicht gemäß seiner monsterhaften Dimensionen zum Biest geformt, sondern als Teammitglied aufgenommen wird. Nebenbei werden Kassandra wie auch Adira als eigenständige Persönlichkeiten lebendig - sofern man das von einem Computer behaupten darf. Mir gefällt, dass Kassandra ist was sie ist. Ein Rechner, der als eben solcher agiert. Sie nimmt hierbei keine menschlichen Züge an sondern rechnet. Die Umsetzung ist aber so gut, dass sie dennoch etwas Liebenswertes bekommt.

Zu bemängeln habe ich lediglich, die mangelnde Logik, was das Überleben von Kassandra auf diesem Planeten in der Zukunft betrifft. Die "Nahrung" eines Rechners ist Strom und den haben die drei Gefährten nicht, sie müssten ihn erzeugen. Aber vielleicht ist Adira schon dabei, hierfür gemeinsam mit Duke eine Lösung zu finden?

Diese Stelle mag ich besonders gerne:

Zitat:
»Ich scheiß auf euch!«, brüllte ich, kaum dass ich wieder atmen konnte. »Hört ihr, Space F*cking Industries? Ich scheiß auf euch!«


Mit Scheiße kriegt man mich meistens. Und wenn auf die Industrie geschissen wird: wundervoll.

Sieben Punkte für dich!
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Murnockerl
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BeitragVerfasst am: 03.04.2022 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hat mir wirklich gut gefallen. Das Ende war nicht ganz so überraschend für mich (und ich frage mich, ob Sterne sich wirklich so "schnell" bewegen? Aber keine Ahnung), was aber nichts macht. Ich mag den Erzählton, das Setting und die Hauptfigur.

Edit: 10 Punkte - ich mag die Geschichte und das Thema ist komplett erfüllt.
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Reimeschreiberin
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Beiträge: 154



BeitragVerfasst am: 03.04.2022 16:50    Titel: Antworten mit Zitat

Der Anfang katapultiert einen direkt in die Geschichte, verstärkt noch durch die Ich-Perspektive. Durch den spannenden Erzählstil fiebert man richtig mit. Schön auch der Kniff mit der KI, durch die Dialoge wird der Text lebhaft. Eine rundum gelungene Geschichte.
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Abari
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Der bronzene Durchblick


BeitragVerfasst am: 03.04.2022 16:55    Titel: Antworten mit Zitat

Der Einfachheit und Übersichtlichkeit halber schreibe ich zu Anfang eine Kürzestzusammenfassung, damit ich mich dann beim Bewerten besser orientieren kann:

Eine Astronautin landet auf der Erde der Zukunft und wird von einem Riesenkalmar gerettet.

Spannend geschrieben, flüssig erzählt und sauber komponiert: Hier hat jemand ganze Arbeit geleistet. Nicht geleistet hast Du Dir Schusselfehler. Da hat jemand Versiertes geschrieben.


_________________
Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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weltverbesserer
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BeitragVerfasst am: 03.04.2022 17:19    Titel: Antworten mit Zitat

So faszinierend ich die Geschichte auch finde, ich musste mit mir ringen, ob sie nun Phantastik oder Sci-Fi ist und habe mich dafür entschieden: sie muss eine phantastische Geschichte sein. Mitreißend geschrieben, so dass ich in der Geschichte war und alles beobachten konnte. Schreib doch bitte einen Roman darüber. Kurz: die Geschichte hat mich begeistert, sie gehört zu meinen Lieblingen.
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Taranisa
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Alter: 53
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BeitragVerfasst am: 04.04.2022 11:29    Titel: Antworten mit Zitat

Die Geschichte schaffte es bei mir unter die ersten zehn. Gut erzählt, obwohl sie für meinen persönlichen Geschmack zu viel Technik enthielt. Ich stehe aber auch nicht auf Science Fiction.

_________________
"Henkersweib", Burgenwelt Verlag, ET 12/18
"Die Ehre des Henkersweibs", Burgenwelt Verlag, ET 12/20
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Globo85
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BeitragVerfasst am: 04.04.2022 15:51    Titel: Antworten mit Zitat

Plant der Affen, nein Oktopusse, äh Dekapusse …

Vorgaben:
Phantastik: sowas von Check. Und zwar einmal wegen der Scienceficitonkomponente dann aber auch wegen dem wahnsinnig knuffigen, fluoreszierenden Riesenkalmar. "Fern der letzten Ufer" für mich in seiner besten Umsetzung und damit auch so ein bisschen entscheidend für den Triumph dieser Geschichte im Vergleich meiner Top 3. Wenn man die "letzten Ufer" nicht nur wörtlich (und wer weiß schon, wie der Planet jetzt aussieht) sondern auch metaphorisch nimmt, wie könnte man als Menschin dann ferner "ihres" letzten Ufers sein, als 4,2 Millionen Jahre in der Zukunft.

Eindrücke:
Astronautin unterwegs im neuen Überlichtgeschwindigkeitsschiff landet auf "fremdem" Planeten. Eigentlich aber auf ihrem Planeten, wie sie dann merkt, nur nicht im Jetzt sondern in der Zukunft. Und zwar so aberwitzig weit in der Zukunft, dass klar ist: mit Menschheit ist Essig. Der Twist ist vielleicht nicht überragend einmalig, aber ich finde er ist hier wirklich überragend verpackt. Insgesamt ist die Geschichte wahnsinnig gut geschrieben, die Stimmung der Protagonistin sickert aus jeder Pore. Zuerst die Panik, dann die Verzweiflung. Dann ganz am Ende diese Aufbruchstimmung. Dazu Duke der Kalmar als mein Lieblingscharakter im ganzen Wettbewerb. Hach, das ist einfach schön. So eine Feelgoodstory, bzw. ja eigentlich gerade nicht, aber mit dem hoffnungsvollen Aufbruch am Ende eben mit einem Feelgood!-Moment. Und da trifft diese Geschichte einfach einen Nerv bei mir. Mit diesem hoffnungsvollen, unverbesserlichen "Menschtum", dieser Doch-ich-mache-jetzt-weiter-und-wisst-ihr-was-Umstände?-Fickt-euch!-Einstellung. G. R. A. N. D. I. O. S. Ansonsten passt hier einfach alles für mich, quasi perfekt austariert das ganze, auch von der Länge her. Winzig kleiner "Kritikpunkt": Wenn es die ersten Tage (und Nächte) so klar ist, hätte sie dann nicht den Mond sehen und dann auch erkennen müssen? Eine der ganz ganz (wirklich ganz!) wenigen Geschichten (soweit ich mich erinnere hier im Forum bislang die einzige!), die ich nicht nur wirklich wahnsinnig gut finde und super gerne gelesen habe (EDIT: hab sie auch nach meiner Bewertung noch dreimal gelesen), sondern die ich tatsächlich selbst gerne geschrieben hätte. Bzw. irgendwas, was so unfassbar rund wirkt. Weil das was Tolles ist, was schreiben zu können, was jemand anderen (in dem Fall mich), so sehr berührt und begeistert. Scheiß auf Mark Whatney! Das hier ist großes Kino und ich würde einen Roman lesen über Die Abenteuer von Astronautin und Kalmar.

Lieblingsstelle:
Zitat:
Bei Grün hatte er das Bedürfnis, mich zu unterhalten. Meist wurde ich dabei nass, ertrank fast und war anschließend in roter Stimmung.


Fazit:
Mein erster Platz. 12 Punkte.
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Jenni
Geschlecht:weiblichPapiertiger


Beiträge: 4193

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 04.04.2022 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ja. Das ist ein schöner Science Fiction Text. Rund und schön, dramaturgisch gekonnt aufgebaut, die angebrachte Prise Nachdenklichkeit, die richtige Menge dezent platzierter und nicht zu intellektueller Anspielungen auf Mystik und Menschheitsgeschichte, glaubhafte Zukunftsvision, sympathischer Meeresbewohner. Da weiß jemand, was er oder sie tut. Ich dagegen weiß gar nicht, was ich da noch weiter zu sagen soll. Gerne gelesen. Punkte ja.

8 Punkte.
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tronde
Eselsohr


Beiträge: 462

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 05.04.2022 22:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Es waren durchweg gute Texte und aufgrund ihrer Verschiedenheit ist es mir sehr schwergefallen, sie gegeneinander abzustufen. Verschiedene Genres, verschiedene Ansätze von „Phantastik“, je nachdem, wo ich den Schwerpunkt hingelegt habe, war die Reihenfolge dann wieder eine andere.

6 Punkte. Jetzt nach oben wird es sehr subjektiv, ohne dass ich so recht sagen könnte, warum jetzt hier ein Punkt mehr oder weniger.

Das ist mir aufgrund der Zeitreise ausreichend phantastisch im Vergleich zu nicht bepunkteten SciFi-Geschichten. Gut geschrieben. Tolle Idee mit dem Kalmar.

Danke für den Text!
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V.K.B.
Geschlecht:männlich[Error C7: not in list]

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Das goldene Rampenlicht Das silberne Boot
Goldenes Licht Weltrettung in Silber


BeitragVerfasst am: 06.04.2022 02:25    Titel: Antworten mit Zitat

Mein lieber unbekannter (?) Autor,

Kraft meines Amtes als Literaturgegenpapst aus dem Paralleluniversum jenseits des Schwarzen Lochs muss ich Ihnen mitteilen, dass ich gerade ins Bett will bzw dringend ins Bett muss und es deshalb kurzmachen muss. Tut meinem Gefallen aber keinen Abbruch. Toll geschrieben, gut zu lesen, interessanter Inhalt, der sich trotz aller Phantastik noch im Bereich des denkbar möglichen befindet. Ich habe gleich eine Ahnung, wer der Autor sein könnte. Aber auch das ändert nichts an meiner Wertung, die Geschichte ist definitiv ein Punktekandidat. Lediglich die "Wendung", dass er sich in einer anderen Zeit befindet, kam mir sehr schnell in den Sinn, ich hatte allerdings eher auf die Vergangenheit getippt, und dass seine DNA irgendwie der Ursprung des Lebens auf der Erde werden würde. Aber man kann ja nicht immer recht haben. Nächste Mutmaßung: Gibt bestimmt Punkte dafür.

Noch sind die Punkte allerdings in Superposition und werden erst verteilt worden sein, wenn ein Beobachter in diesen Spoiler schaut: 8 Punkte

Mit verdammenden Blicken,
Ihr unfreundlicher Literaturgegenpapst aus dem Paralleluniversum

Und so beginnt es. Weißes Hintergrundrauschen. Ein versehentliches Markieren mit der Maus holt mich an die Oberfläche. Jetzt habe ich euch!

Hallo Leute, Veith hier. Ich weiß nicht genau, was da passiert ist, anscheinend wurde mein Konto gekapert, dabei war mein Passwort so sicher! Tut mir leid, wird nicht wieder passieren, ich habe es jetzt durch ein noch sichereres ersetzt. In der Zwischenzeit hat irgendeine seltsame Entität die Kommentare und Bewertungen für mich übernommen. Kommt wohl dabei raus, wenn hier so viele im Vorfeld mit Schwarzen Löchern rumgespielt haben. Weil ich zu faul war, selbst noch was zu schreiben, habe ich die gehackten Kommentare und Bepunktungen so stehenlassen – ich bin sicher, dieses Wesen hat bestimmt nichts böse gemeint und wollte nur spielen.


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John McCrea
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Wohnort: OWL


BeitragVerfasst am: 06.04.2022 16:47    Titel: Antworten mit Zitat

Angenehm zu lesende Geschichte, mit einer positiven Weltsicht.
Gerne gelesen.
Manche inhaltliche Dinge habe ich nicht verstanden:
-die Muschel, welche das Schiff zweimal verschlingen kann, wird gegessen?
-der mögliche Name des Schiffes
Ansonsten mochte ich die Idee des Kalmaren, auch die Beschreibung.
Chamäleons kommunizieren ebenfalls mit Ihrer Hautfarbe. Sie zeigen auch ihren emotionalen Zustand hierüber an. Ebenso Fische. Bei Kalmaren war mir das neu.
Sprachlich und strukturell gut. 5 Punkte von mir.


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Katinka2.0
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Beiträge: 362



BeitragVerfasst am: 06.04.2022 18:06    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Inko,

Zitat:
Die Duke – in der Zeit gestrandet!
Nein, vom Stranden habe ich vorerst die Nase voll, das muss ich positiver formulieren.
Die Duke – auf zu neuen Ufern!
Ja, schon besser. Das hat was.

Ich finde auch, dass das etwas hat! Obwohl deine Protagonistin allen Grund der Welt hat, traurig und verzweifelt zu sein, steckt sie den Kopf nicht in den Sand. Im Gegenteil, sie denkt positiv und es ist ihre innere Haltung, trotz Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft zu sehen, die ich sehr schön finde. Deine Geschichte ist mit Abstand die spannendste, die ich hier im Wettbewerb lesen durfte, ich habe mich von Anfang bis Ende gut unterhalten gefühlt und dafür bekommst du einen Daumen hoch von mir ...

... und den ersten Platz in meiner Top Ten!

Liebe Grüße,
Katinka
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holg
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Moderator

Beiträge: 2058
Wohnort: knapp rechts von links
Bronzenes Licht Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 06.04.2022 21:56    Titel: Antworten mit Zitat

Solide S/F.
Absturz, alleine in Kapsel auf dem Ozean treibend. Gesellschaft durch intelligenten Riesenkalmar, der Bruchpilot mit Fisch versorgt. Nach der Erkenntnis, dass der Absturz einer in die Ferne Zukunft war, greift der Üerlebenswille.


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Constantine
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Beiträge: 3279

Goldener Sturmschaden Weltrettung in Bronze


BeitragVerfasst am: 07.04.2022 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour Inko

Es tut mir leid. Die Zeit hat nicht gereicht, um ein ausführliches Feedback zu verfassen.


Constantine
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