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Die Großmut der Schöpfung


 
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Lalanie
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 58
Wohnort: Bayern


BeitragVerfasst am: 10.01.2020 19:00    Titel: Die Großmut der Schöpfung eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Die Großmut der Schöpfung

Hohl hallte es von den Wänden des lang gezogenen Ganges wider, als von Ingenberg dreimal, wenn auch nicht herrisch, so doch bestimmt an eine der vielen gleich aussehenden Türen klopfte. Mochten sich auch einem uneingeweihten Besucher die von ihnen verborgenen Schätze nicht sogleich erschließen, der Freiherr wusste doch bei jeder einzelnen davon, welche seiner sorgsam ausgewählten Kostbarkeiten dahinter seiner wartete.
»Ja?«
Ohne Umstände trat von Ingenberg ein und schloss die Türe hinter sich.
»Ich grüße ihn.«
»Oh, ’Err Frei’err, Ihr seid es selbst?«
»Von Ingenberg, mein bester Jean – dass ich ein Herr bin, ist mir auch ohne Anrede erinnerlich.«
»Wie Ihr wünscht.«
Von Ingenberg legte die Hände hinter dem Rücken zusammen. Während er ein paar gemächliche Schritte in den Raum hinein tat, ließ er zuweilen einen verstohlenen Blick zu Jean gleiten, der sich noch immer nicht zu ihm umgewandt hatte. Dessen ohne Ausnahme mit dunklem Haar bewachsenes Gesicht zeigte sich dem Freiherrn lediglich im silberbläulich reflektierenden venezianischen Spiegelglas.
»Wurde ihm alles beigebracht, dessen er bedarf?«
»Seid unbesorgt. Ihr verfügt, dies sei beiläufisch gesagt, über einen vorzüglischen Schneider.«
»Wahrlich – eine von seiner wendigen Hand gefertigte Naht hält wie er ein Versprechen.«
Von Ingenberg ließ sich auf dem roten Polsterstuhl nahe dem halbhohen Schrank nieder, auf welchem bereits einige kleinere Besitztümer privater Natur verstreut lagen. Er schlug ein Bein über das andere und begann, ein Ende seines Schnurrbartes zwischen Daumen- und Zeigefinger der linken Hand zu zwirbeln, die Rechte ruhte gelassen auf der Armlehne. Jean zog seinen neuen, aus schwarz-gold gemustertem Brokat gefertigten Rock über und machte sich an der langen Knopfleiste zu schaffen.
»Mir ist zu Ohren gekommen, Ihr ’abet eine nischt unbeträchtlische Summe aufgewandt, um misch zu erwerben.«
»Wird er es mir mit seiner Dankbarkeit vergelten?«
Zum ersten Mal traf von Ingenberg ein Blick aus den dunklen, weit auseinanderstehenden, gleichwohl klugen Augen. Misstrauen las er darin, indessen auch den Anflug eines ihm mittlerweile begreiflichen Spotts, zu dem die Gestalt der breiten Nase mit ihren, gleich denen der Schnauze eines Schweins, nach vorn gerichteten Löchern nicht unwesentlich beitrug.
»Erlaubt Ihr mir – ah, wie wenisch vermag die deutsche Sprache es, in das ’Erz desjenigen zu blicken, der sich ihrer bedient; im Französischen sagen wir à la franquette – gestattet Ihr mir also, wenn auch nischt offen’erzisch, so doch freimütischleinweise Eusch zu bekennen, was isch in mir bewege?«
»So sprich er nur.«
»Ihr ’abt misch erworben als – gestattet mir auch diese Übertragung aus meiner Muttersprache, aberration ist das Wort – als Verirrung, als vom Weg der Vernunft der Natur abgekommene Kreatur.«
Jean ließ die Hände sinken und stand reglos. Sein dunkles Angesicht, die, anders als die Innenseiten, mit dichtem Haar bewachsenen Handrücken waren nun als unbewegtes Bild von Ingenbergs Blick ausgesetzt, der sich darüber gleichwohl nicht verwunderte.
»So bin isch in Euren Augen nischts als eine weitere Trophäe für Eure Wunder- und Verwunderungskammer?«
Er sprach das Wort Trophäe mehr wie dessen französisches Äquivalent aus, wodurch der Vorwurf in seinen Worten umso schlagender wurde. Langsam erhob von Ingenberg sich und wandte sich dem Fenster zu, von dem aus er den Schlosshof überblicken konnte.
»Er hat davon Kunde erhalten?«
»Wer ’at nischt davon ge’ört? », erwiderte Jean die Frage des Freiherrn mit leisem Spott. Nach einem kurzen Augenblick fuhr er fort, zu sprechen, und von Ingenberg entging das Zittern in seiner wohltönenden Stimme nicht, das von unterdrückter Empörung Zeugnis ablegte. »Einen Wolf als Edelmann Euren wohlbe’üteten und gelangweilten Mätressen vorzuführen, das gereischt Eusch wohl zum Gefallen, nischt wahr? Gewiss erwartet misch nach meinem Tode ein ewiges Leben zwischen den vielen Schränken Eures Kuriositätenkabinetts mit anderen ausgestopften Untieren, Straußeneiern, Nautiluspokalen und korallen- und karfunkelsteinbesetzten Ein’orn’örnern. So muss isch Eusch, abermals freimütischleinweise, gestehen, wie viel weniger als nischt isch Eusch danken werde, dass Ihr der Schuldige seid an meinem dépaysement – meiner Entlandung, wenn Ihr mir dieses Wort ebenfalls nachseht.«
Von Ingenberg blickte sich auch auf Jeans Rede hin nicht nach ihm um, vielmehr verfolgte er mit einer Genugtuung, die er ihres selbstgefälligen Untertones wegen verabscheute, wie der Gärtnergehilfe Sebastian im Schlosshof sorgsam die verschiedenen Teller anordnete. Sogleich kam Albin herangesprungen und griff sich eine Walnuss aus der Schale. Das weiße Eichhörnchen maß dem aufgeregten Bellen Amelies keine Bedeutung bei, und doch wusste von Ingenberg um die Vorsicht des Nagetiers, die dieses der Dogge gegenüber an den Tag legte, welche bei ihrer Geburt mit nur drei Beinen, doch deshalb mit nicht geringerer Wendigkeit als ihre Artgenossen mit vier Läufen bedacht worden war. Diese ging wiederum Claudius ab, der sich erst jetzt von der Wiese näherte, in deren hoch stehendem Grase er unter dem Quittenbaum ein Schläfchen gehalten hatte. Da der Bracke keine Macht über seine Hinterbeine hatte, war er stets der Letzte am Futternapf, und doch gelang es ihm jedes Mal, sich durch seine Schläue ein paar dicke Brocken zu sichern.
»Jedes Geschöpf, ungeachtet seiner Gestalt, ungeachtet der Umstände seiner Geburt, und mögen sich diese als noch so widrig erweisen, findet Gefallen beim Allerhöchsten und ist von seinem ersten bis zu seinem letzten Atemzug Gegenstand seiner väterlichen Liebe, wie er sie für die Welt und alles hegt, was sich darin bewegt – bedenket dies für die gesamte Zeit Eurer Regentschaft bei allem, was Ihr verfügt oder erwirkt. Sanftmut, Nachgiebigkeit und allem voran Fürsorge jeder Kreatur gegenüber stehen dem Herrschenden wohl an.«
Der Worte seines Vaters im Glauben eingedenk, setzte von Ingenberg an, etwas auf Jeans Worte zu entgegnen, als der Anblick eines Zusammentreffens zwischen seinem Hofastronomen Paul und seinem hochgeschätzten Musikus Caecilius ihn davon abhielt. Mochte der Gelehrte dem Künstler auch gerade einmal bis zur Hüfte reichen, seine aufgeregten Gesten ließen ihn mit Caecilius auf Augenhöhe erscheinen, der sein Angesicht ohnehin nur dorthin wenden konnte, wo er den Astronomen dessen Stimme nach vermutete. Nie hatten seine Augen schauen dürfen, was die Welt für ihn bereithielt, doch zeugten seine ausgesuchten Schöpfungen auf dem Gebiet der Tonkunst von einem Reichtum und einer Schönheit seiner Seelenlandschaft, die weit über das hinausgingen, was sich für gewöhnlich dem Sehenden darbot. Die beiden Männer, die von Ingenberg an seinem Hof Ursache der größten Zerstreuung waren, sprachen unterdrückt miteinander, indessen wurde der Freiherr gewahr, dass sie sich über die in Kürze bevorstehenden Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag unterhielten. Er hegte die Vermutung, Paul habe die ihm zugestandene Summe in einen Himmelsglobus umgesetzt, wie er sie an verschiedenen Fürstenhöfen als astronomische Kostbarkeit ausgemacht hatte. Von Ingenberg sah der Überreichung dieses Geschenks, sicherlich von einer eigens dafür komponierten Paduane oder Galliarde begleitet, bereits mit großer Vorfreude entgegen.
»Er spricht von Entlandung«, nahm er Jeans Worte schließlich wieder auf, als Paul und Caecilius dem Schlosse zustrebten und sich dadurch seinem Blick entzogen. »So mag ich dich entlandet haben, doch wisse zugleich, ich möchte dich auch der Jahre entheben, die hinter dir liegen, wie ich alle, die mir die Gunst erweisen, meinen Hof zu bevölkern, der ihrigen zu entledigen suche. Glaube nicht, mir bleibe verborgen, welch erschreckenden Anblick die Kuriositäten der gelebten Jahre für die überwiegende Zahl derer bieten, die sich hier um mich versammeln. Gleich Frankreich sollen mithin die deinen kraft deiner durch mich erfolgten Entlandung fernab deines weiteren Weges liegen.« Langsam wandte von Ingenberg sich um, was indessen Jean nicht dazu bewegte, sich seinerseits umzukehren. »Wisse denn also, Jean«, begann von Ingenberg eindringlich, »wie wenig ich danach trachte, dich als Trophäe auftreten zu lassen. Mir wurde zugetragen, du habest im Dienste des Duc de Récy alle dir zur freien Verfügung stehende Zeit auf die Beschäftigung mit seinen Gartenanlagen verwendet. So mögest du mir von unschätzbarem Werte auf diesem Gebiete sein, indem du meinem Gartengestalter zur Hand gehst, und fortan nicht mehr Jean genannt werden, vielmehr auf den Namen Raoul hören. Sei mir ein Radolf – ein beständiger Ratgeber in Gestalt eines Wolfes. Bedenke es recht wohl und lasse mir deinen Entschluss zukommen.«
Ihm die Verehrung zollend, die ihm gebührte, senkte von Ingenberg vor Raoul kurz den Kopf, bevor er das Zimmer verließ. Er fühlte Raouls dunkle Augen ihm auch über den weiten Gang hinweg folgen, Augen, die tief wie die eines Tieres waren und sie beide schauen ließen, was ihnen verheißen worden war.

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Kiara
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BeitragVerfasst am: 21.01.2020 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der erste Eindruck des Textes meinerseits, rein subjektiv natürlich, bitte nicht überbewerten.

Toll geschrieben, interessante Phantasie, die langsam ausgebreitet wird. Die französischen Begriffe passen gut. Teils ist es etwas schwierig, den richtigen Gedankengang zu bekommen, doch ich hoffe/glaube, es geschafft zu haben. Gefällt mir recht gut. Erfüllt den geforderten E-Lit-Anspruch.

Der Akzent ist oft eingesetzt, was gefährlich ist: Manche lesen so etwas schnell als aufgesetzt, manche stört es. Ich kam damit klar, finde es aber auch nicht unbedingt nötig.

Für hohe Punkte reicht der Text in Angesicht der starken Konkurrenz leider nicht. Dafür kommt mir bei der Unterhaltung der beiden zu wenig rüber, jedenfalls für mich. Blöd ausgedrückt, es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Sieh es mir bitte nach.

Für die Idee an sich gibt es jedoch Punkte, die Ausarbeitung ebenfalls.
2!

Mein Lieblingsteil: "...seine aufgeregten Gesten ließen ihn mit Caecilius auf Augenhöhe erscheinen, der sein Angesicht ohnehin nur dorthin wenden konnte, wo er den Astronomen dessen Stimme nach vermutete."

Liebe Grüße


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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 21.01.2020 13:23    Titel: Antworten mit Zitat

Der Freiherr von Ingenberg spielt gerne Gott und leistet sich ein Kuriositätenkabinett mit Souvenirs aus den entlegeneren Teilen der Erde. Nun wird ihm Jean, Einwohner einer französisichen Kolonie, zugeführt, dessen wildes Aussehen im krassen Kontrast zu seinen Ausdrucksformen, insbesondere seiner linguisten Feinsinnigkeit, steht. Weil die deutsche Sprache des Freiherrn ihm für seine Gedanken nicht dezidiert genug erscheint, weicht er gelegentlich aufs Französische aus. Aufgrund der unfreiwlligen Natur seines dépaysement ist er sich sicher, der Freiherr beabsichtige, ihn zu töten und für seine Sammlung auszustopfen.
Am Ende erfahren wir, dass Jean ein begnadeter Gärtner ist und von Ingenberg ihm vielmehr ein neues, würdigeres Leben ermöglichen will. An der von Jean beklagten "Entlandung" ändert das freilich nichts. Ob er das Angebot annimmt - und welche Konsequenzen eine Ablehnung hätte - lässt der Text offen.
Mir gefällt einerseits diese umständliche antiquierte Sprache, die natürlich prima mit dem historischen Kontext harmoniert. Das erinnert mich an einen ganz bestimmten Text, der vor etwa einem halben Jahr im dsfo auftauchte. Andererseits erscheint mir das an einigen Stellen doch übers Ziel hinausgeschossen ("Gleich Frankreich sollen mithin die deinen kraft deiner durch mich erfolgten Entlandung fernab deines weiteren Weges liegen."). Bei aller Geschwollenheit, die in solch erlauchten Kreisen einmal üblich gewesen sein mag: Solche Konstruktionen, in denen sich der Adressat selbst dann verirrt, wenn er sie schriftlich vor sich hat, wurden sicherlich niemals in gesprochener Sprache versucht.
Auch Jeans ausgeschriebenen französischen Dialekt ("sch" statt "ch") fand ich etwas aufgesetzt und störend - ich hätte es besser gefunden, dies einmal im Text zu erwähnen und fertig.
Dadurch, dass von Ingenberg sich mit Jeans Vorurteilen nicht auseinandersetzt - offenbar ist es ihm gleichgültig, was die Welt über ihn denkt -, entsteht eine Lücke, wo man klassicherweise eine dramaturgisch gestaltete Wendung des Dialogs erwarten würde. Dies wurde durch des Freiherrs Hinausblick auf eine Szene ersetzt, die das sorglose Leben am Hof zeigt und so für den Leser das versöhnliche Ende andeutet. Das erschien mir beim ersten Lesen als billiger Trick, mittlerweile mag ich genau das.
Das Thema ist hier eher wörtlich als tiefgründig oder metaphorisch umgesetzt, die Vorgaben - insbesondere bezüglich Kintsugi - sehe ich als erfüllt an.


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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hobbes
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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 21.01.2020 16:50    Titel: Antworten mit Zitat

Oh, oh. Ich merke schon im ersten Absatz, dass ich dem Text gegenüber vermutlich nicht sonderlich großmütig sein werde. Apropos: die Großmut?
*befragt den Duden*
Tatsächlich. Sachen gibt es. Ich hätte jetzt sämtliche Punkte darauf verwettet, dass es der Großmut heißen müsste.

Eventuell erweist sich also vielleicht auch meine spontan dem Text gegenüber gefasste Meinung als irreführend. Es bleibt spannend.

Zitat:
Dessen ohne Ausnahme mit dunklem Haar bewachsenes Gesich

 Shocked
Ach du Schreck. Der hat wirklich allüberall Haare? Sogar auf der Stirn? Und der Nase? Und überall?
[Edit nach dem Lesen: Hat er wohl wirklich. Eventuell war ich zu blöd, dass gleich einzuordnen, aber mit so etwas würde ich es dem Leser nicht so schwer machen, das würde ich so schreiben, dass er merkt oder zumindest sicher ist, du hast es wirklich so gemeint und es ist nicht einfach eine merkwürdige Beschreibung.]

Oh weh. Dieses überzeugene Gerede mag der Zeit entsprechen und seine Richtigkeit haben, bei mir hingegen erzeugt es einen unbändigen Lachreiz. Das ist jetzt schon ein bisschen gemein, dem Text gegenüber. Aber was soll ich machen?

Und dann dieser Hang dazu, alles ganz genau zu beschreiben. Ich hab's ja leider nicht so mit Kleidung und Raumausstattung. Kommen wir endlich zu den wichtigen Dingen, will ich dem Text sagen. Und mir ist das auch echt zu überzogen, als Beispiel nenne ich mal den Vergleich der Nase mit der eines Schweins. Dieses "zu sehr" führt dann dummerweise auch wieder dazu, dass es mir schwer fällt, den Text ernst zu nehmen.

Und dieser französische Akzent. Puh. Da verliere ich die Geduld.

Hä? Der Typ ist ein Wolf? Oder sieht aus wie einer? Damit hätten sich meine Beispiele dann auch erledigt. Ich müsste das jetzt noch mal lesen, um es wirklich zu verstehen, aber mei. Mir ist so gar nicht danach.

Na ja, ich hab ja noch ein paar Tage Zeit, wer weiß. Auf jeden Fall wünsche ich dir, lieber Text, gewogenere Leser:innen.
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V.K.B.
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Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 22.01.2020 23:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
vorweg ein paar spontane Lesegedanken:

Zitat:
So mag ich dich entlandet haben, doch wisse zugleich, ich möchte dich auch der Jahre entheben
Nanu, hier plötzlich direkte Ansprache statt dritte Person? Ging dir das selbst schon auf die Nerven?

Interessante Idee, ein Schlossherr, von dem man erst annimmt, er sammle seine eigene Freakshow zusammen, diese aber wohl eher betreibt, um den darin gefangenen ein halbwegs vernünftiges Leben jenseits von Jahrmärkten zu ermöglichen.

Kommen wir jetzt zur Gretchenfrage, ist dies ein Text, wie er laut Vorgaben und Hinweise im Bewertungsfaden in diesen Wettbewerb gehört? Also nicht nur ernsthaft, sondern Zehntausender E-Lit, sperrig, anspruchsvoll, vielschichtig, interpretationsbedürftig? Sperrig ist er zweifelsohne, aber das liegt an der antiquierten Sprache und macht noch kein E. Vielschichtig und interpretationsbedürftig, leider nein, würde ich sagen. Da ist eigentlich alles sonnenklar. Hauptproblem ist das Thema der Vergangenheit. Diese ist hier ein so fernes Land wie Vanuatu in meinem Alltag, denn wann redet man schon mal über Vanuatu? (okay, Klimadiskussion mal ausgenommen). Ist es eine Themenumsetztung, wenn das Thema so gut wie nicht vorkommt? Im Mittelpunkt steht es leider keinesfalls.

Auch das Kintsugi-Konzept kann ich nicht wirklich finden. Das Wertschätzen von Makel steht zwar durchaus im Mittelpunkt, was aber fehlt, ist die Reparatur-Idee. und die Reparatur könnte eine an der Gesellschaft sein, nämlich es besser als Freakshowbetreiber auf Jahrmärkten zu machen.

Von daher sehe ich die Vorgaben des Wettbewerbs in deinem Text nicht als gerade genügend umgesetzt und muss ihn leider aus der Wertung nehmen. kann ihn in die Wertung aufnehmen. Aufgrund der Anmerkungen im Faden über Bewertung habe ich mich dieses Jahr entschlossen, die Vorgaben wirklich extrem und quasi fundamentalistisch auszulegen. Tut mir leid, dass es (auch) deinen Text trifft, neben vielen anderen. Da ich aber mittlerweile händeringend nach etwas in Texten suche, das ein Verlassen der gewöhnlichen Pfade zeigt, sollte deine komplizierte und antiquierte Sprache dazu auch genügen.

Trotzdem beste Grüße und gerne gelesen,
Veith

Abschließend, nach ewigem einigem hin und her Überlegen, wüsteste Flüche über den Wettbewerb ausstoßen, Tischkanten zerbeißen und das gesamte Dictionnaire Infernal rauf und runterbeschwören, landet deine Geschichte im gelben Bereich und erfüllt damit die Anforderungen an den Wettbewerb, wie ich sie momentan verstehe, teilweise. Sie schafft es leider nicht in meine Top Ten und erhält damit keine Punkte.


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Literättin
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:28    Titel: Antworten mit Zitat

Da hat also der Freiherr von Ingenberg alle möglichen und "unmöglichen" Geschöpfe auf seinem Gut angesammelt, gehortet, gehütet ... und ... ist nun Willens, diese "Sammlung" aufzulösen?

Der Jean jedenfalls revoltiert, moniert die "Entlandung" und den Missbrauch. Und nagelt den Freiherrn am Ende mit Blicken fest.

Ja. Also. Was mache ich damit? Ich ziehe zunächst den Hut vor dieser sprachlichen Glanzleistung in all ihrer Konsequenz. Zugleich gelingt es dieser Sprache bei aller Skurrilität der Szenerie, die eine fabelhafte im wahrsten Wortsinn ist, ihr in aller Konterkarierung (falls das überhaupt der richtige Begriff ist, für das, was ich meine) eine Würde zu verleihen, die bis in die Haarspitzen des Freiherrn zu spüren ist.

Es ist ein Unrecht geschehen. Die angesammelten (Fabel)Wesen wurden von irgendwoher ihrem Ursprung entrissen, sie wurden gehortet, zu Schau gestellt, nach Gutdünken benutzt, missbraucht und dennoch auch gehütet.

Gleichzeitig wohl eine Gnade erwiesen, die titelnde Großmut erwähnt es zuerst, dann im Kopf des Freiherrn dessen Glaubensvater :"Jedes Geschöpf, ungeachtet seiner Gestalt, ungeachtet der Umstände seiner Geburt, und mögen sich diese als noch so widrig erweisen, findet Gefallen beim Allerhöchsten (...)". Versehrte haben hier ihre Chance.

So. Da kommt also viel zusammen.

Und mir scheint, am Ende hat der Jean, der Wolf, der zum Radolf wird dennoch, trotz gescheiterter Revolte, denn er muss bleiben, wenn auch in anderer Funktion, gewonnen. Wobei dessen Schicksal gleichzeitig mit dem des Freiherrn verschränkt zu sein scheint. Mal sehen, wie ich das für mich einordnen werde, denn wie das jetzt zum Kintsugi, zum fremden Land der Vergangenheit (ja, welcher?) sich verhält ...


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Christ wird nicht derjenige, der meint, dass "es Gott gibt", sondern derjenige, der begonnen hat zu glauben, dass Gott die Liebe ist.
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Im günstigsten Fall führt literarisches Schreiben und lesen zu Erkenntnis.
- Marlene Streeruwitz - (Danke Rübenach für diesen Tipp.)
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Ribanna
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 07:31    Titel: Antworten mit Zitat

Der erste Satz ist zu lang und zu umständlich, daher bin ich gar nicht erst richtig "in den Text" gekommen. Der französische Akzent liest sich mühsam, macht mich aber nicht neugierig.
Auch im weiteren Verlauf sind mir die Sätze zu langatmig. Da wird viel geredet, aber nichts davon erreicht mich.


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Kojote
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 13:13    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, nix für mich.

Zunächst der hochtrabende Erzählstil. Okay, ich weiß, ich habe mit Sheldon-Cooper-Rhetorik selbst eine gewisse Vergangenheit – nein, eine Gegenwart sogar!, sprich: ich selbst bevorzuge einen eher exklusiven? arroganten? ostentativ konservativen Sprachstil.

Das Problem: Wenn du als Erzählfigur so redest, springen dir die Leser rasch ab. Es ist immer wieder überraschend, wie schon allein ein anderer Sprachstil des Erzählers sich auf die Atmosphäre des Textes auswirkt. Und so, wie ein Instrument für unsere Ohren dann am harmonischsten tönt, wenn es der Vox humana am ähnlichsten klingt, empfindet jeder Leser einen Text dann am flüssigsten und lesbarsten, wenn die Sprachmelodie so ist, dass die innere Erzählstimme in deinem Kopf klingt wie du selbst. Ein paar Charaktere mit delikater Ausdrucksweise, schön und gut. Aber wenn du von Anfang an so auf den Leser einwirkst, vergraulst du ihn rasch. Hinzu kommt der Akzente-Dump. Weniger ist hier mehr.

Ach ja, und: Wenn man nicht im Plural, sondern im Singular der dritten Person siezt, sollte, soweit ich weiß, auch dann das Personalpronomen großgeschrieben werden. (Ich nehme Irrtumsmeldungen gern entgegen, falls es jemand genauer weiß.)


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traumLos
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, bei dieser Geschichte, besonders auch in dem Versuch alte Sprache zu imitieren, sowie französische Fragmente zu setzen, sticht der Eindruck von Genre am deutlichsten hervor. Der geforderte Rahmen ist erfüllt, das Thema weniger hinter dem Historiengewandt durchscheinend. In meinem Lesen, nur in meinem Lesen.

Gleichwohl, habe ich diesen Text mehrfach mit Vergnügen und Genuss gelesen.

Leider jedoch ohne Punkte.


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Catalina
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BeitragVerfasst am: 23.01.2020 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Freiherr holt sich Menschen mit sehr auffälligem Äußeren bzw. Besonderheiten auf sein Anwesen. Am Anfang der Geschichte glaubt sowohl der neu "erworbene" Wolfsmensch wie auch der Leser, dass dies aufgrund einer "Kuriositätensammlung" passiert. Im Laufe der Geschichte lernen wir aber, dass es dabei (auch) um die jeweiligen Fähigkeiten dieser Menschen geht.

"Die Vergangenheit ist ein fremdes Land" ist hier frech ganz wortwörtlich umgesetzt worden. Das, gepaart mit der herrlichen "Entlandung", brachte mich zum Schmunzeln. Mir gefällt diese Umsetzung gut. Extrapunkt.

Wo aber ist Kintsugi? Ich habe lange überlegt, aber finde ich leider nicht. Die "Kuriositäten" haben besondere Fähigkeiten - diese sind ja aber nicht wegen ihrer Unvollkommenheit entstanden. Wo ist also der Zusammenhang?

Dein Stil gefällt mir ausgesprochen gut. Nur ein einziges Mal klingt es für mich etwas holprig, das ist bei dem Schnurbartzwirbeln (links und rechts und diverse Finger).

Leider nimmt mich Dein Text nicht so richtig mit. Zumindest aber kann ich sage: ich habe mich sehr gut unterhalten.

R
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Babella
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Beiträge: 695

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 24.01.2020 08:19    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Herr spricht mit einer Kreatur, die er erworben hat, und dann wird allerlei geschwurbelt.

Darf ich offen sprechen? Dieser Text macht mir schlechte Laune. Diese künstlich auf altertümlich gestylte Sprache, diese Mühsal von Satzungetümen in dem Teil, der wohl philosophisch sein soll - warum wird es mir so schwer gemacht, mich mit diesem Text anzufreunden?

Also, ich reise weiter.
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a.no-nym
Hobbyautor


Beiträge: 382



BeitragVerfasst am: 25.01.2020 01:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lieber Inko,
obwohl mir Dein Text sprachlich und inhaltlich sympathisch ist, gelingt es mir nur teilweise, die Erfüllung der Wettbewerbsvorgaben zu erkennen. Das Gespräch zwischen zwei Personen an einem begrenzten Ort ist fraglos da, als Scherben kann ich mir z.B. die Schicksale der Menschen vorstellen, die der Adelige an seinem Hof versammelt. Wie Du Dir das mit der Vergangenheit als unbekanntes Land vorgestellt hast, klingt im Text ja sogar an (wirklich thematisiert wird es aber m.E. nur sehr am Rande). Im Ganzen liest sich der Text (für mich) wie der Einstieg in einen historischen Roman (mit einer sehr interessanten Idee!). Den E-Anteil kann ich in diesem Fall nicht ausmachen – das muss aber nichts heißen, ich fühle mich da immer noch kein bisschen kompetent.
Ich bin sehr gespannt auf die Kommentare anderer Leser – die eröffnen oft nochmal ganz neue Blickwinkel (und wahrscheinlich werde ich mich dann mal wieder fragen, wie mir das Wichtigste entgehen konnte ... Embarassed

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen
a.
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schreiberlinga
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Beiträge: 81



BeitragVerfasst am: 25.01.2020 01:37    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe die Wettbewerbstexte in der Regel nur einmal durchgelesen. Mein Kommentar darunter ist also eine ziemlich spontane Reaktion. Ich hoffe, dass du trotzdem - oder gerade deswegen - von meinem ersten Eindruck profitierst.

Ich stehe vor einem Rätsel. Etwas gefällt mir an der Sprache; wie sie fließt, etwas Altmodisches, etwas Edles enthält. Aber ich verstehe wenig, von dem, was los ist. Ich müsste diesen Text wohl einige Male lesen, vielleicht würde ich dann ein paar Nüsse knacken. Im Moment fühle ich mich jedoch so, als wäre ich erst spät in einen Film eingestiegen und das Wer, Wo, Was verpasst hätte.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2831

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 25.01.2020 13:16    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour

Eine Geschichte über Freiherr Von Ingenberg, einen Tier-Menschen-Sammler, der seinen Sammelobjekten eine Zuflucht und eine Möglichkeit zum friedlichen und respektvollen Leben bieten möchte:
Zitat:
»Er spricht von Entlandung«, nahm er Jeans Worte schließlich wieder auf, als Paul und Caecilius dem Schlosse zustrebten und sich dadurch seinem Blick entzogen. »So mag ich dich entlandet haben, doch wisse zugleich, ich möchte dich auch der Jahre entheben, die hinter dir liegen, wie ich alle, die mir die Gunst erweisen, meinen Hof zu bevölkern, der ihrigen zu entledigen suche. Glaube nicht, mir bleibe verborgen, welch erschreckenden Anblick die Kuriositäten der gelebten Jahre für die überwiegende Zahl derer bieten, die sich hier um mich versammeln. Gleich Frankreich sollen mithin die deinen kraft deiner durch mich erfolgten Entlandung fernab deines weiteren Weges liegen.« Langsam wandte von Ingenberg sich um, was indessen Jean nicht dazu bewegte, sich seinerseits umzukehren. »Wisse denn also, Jean«, begann von Ingenberg eindringlich, »wie wenig ich danach trachte, dich als Trophäe auftreten zu lassen. Mir wurde zugetragen, du habest im Dienste des Duc de Récy alle dir zur freien Verfügung stehende Zeit auf die Beschäftigung mit seinen Gartenanlagen verwendet. So mögest du mir von unschätzbarem Werte auf diesem Gebiete sein, indem du meinem Gartengestalter zur Hand gehst, und fortan nicht mehr Jean genannt werden, vielmehr auf den Namen Raoul hören. Sei mir ein Radolf – ein beständiger Ratgeber in Gestalt eines Wolfes. Bedenke es recht wohl und lasse mir deinen Entschluss zukommen.«


Jean ist hierbei die Tier-Person mit dem Kintsugi-Makel: Ein Wolfsmensch mit Gärtnerei-Erfahrung.
Der Freiherr sieht Jean nicht als Trophäe an, sondern als eine wertvolle Ergänzung zu seinem Personal. Inwiefern diese Wolfseigenschaft wertgeschätzt wird, weiß ich nicht, denn ich weiß nicht, welche wertvollen Eigenschaften das Wolfsäußere mit sich bringt. Es könnte egal welcher Makel sein, nicht zwangsläufig das Äußere eines Wolfes, das wertgeschätzt wird, sondern im Allgemeinen ein erschreckender Anblick, eine Kuriosität. So gesehen wird dieser Makel stark verwässert und verkommt zu einem unter vielen. Dahingehend sehe ich das Kintsugi-Prinzip teilweise erfüllt. Sicherlich, für Jean als Individuum, der davon betroffen ist, ist es wichtig, aber für den Freiherrn scheint es hier nicht um diesen speziellen Makel zu gehen, sondern einfach zu seiner Rastersuche zu passen. Well.

Was die Bearbeitung des Themas angeht
"Die Vergangenheit ist ein fremdes Land"
so kann ich diese in deinem Text leider nicht erkennen.
Jean kennt seine Vergangenheit, weiß wo er zuvor gearbeitet und gelebt hat, ich denke, sein früheres Leben ist ihm nicht fremd, sonst würde er nicht von "Entlandung" sprechen; auch der Freiherr kommt mir nicht wie jemand vor der irgendetwas Fremd-vergangenes zu bearbeiten hätte. er weiß, Jean war im Dienste des Duc de Récy und was er dort gearbeitet hat. Nein, beim besten Willen erkenne ich das Thema nicht erfüllt.

Du hast dich für die Variante 1 entschieden: Der Prosatext muss aus einem Gespräch von zwei und nur zwei Personen bestehen.
Ok.

Deinen Text fand ich insgesamt gut zu lesen, die Idee Tierschutz, Tier- und Menschenrechte, Toleranz und Nächstenliebe finde ich gut und wichtig:
Zitat:
»Jedes Geschöpf, ungeachtet seiner Gestalt, ungeachtet der Umstände seiner Geburt, und mögen sich diese als noch so widrig erweisen, findet Gefallen beim Allerhöchsten und ist von seinem ersten bis zu seinem letzten Atemzug Gegenstand seiner väterlichen Liebe, wie er sie für die Welt und alles hegt, was sich darin bewegt – bedenket dies für die gesamte Zeit Eurer Regentschaft bei allem, was Ihr verfügt oder erwirkt. Sanftmut, Nachgiebigkeit und allem voran Fürsorge jeder Kreatur gegenüber stehen dem Herrschenden wohl an.«


Merci beaucoup
Constantine
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1425
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 26.01.2020 08:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lieber Inko!

Bislang der für mich ungewöhnlichste Text: Du nimmst die Vorgabe und machst sie zum kompletten Setting, statt "nur" zum Inhalt oder Thema!
Das ist sehr schlau, ein wirklich ganz wunderbarer Einfall! Smile

Bisschen an einer Vorgabe vorbei geschrappt: Meiner Ansicht nach sind die anderen Protagonisten - Eichhörnchen, Bracke, Gärtnergehilfte Sebastioan, Hofastronomen Paul und Musikus Caecilius - von ganz extremer Bedeutung. Ohne sie würde Jean kein Vertrauen fassen - und der Leser auch nicht! Sie sind der elementare, existenzielle Beweis für eben jenen titelgebenden "Großmut der Schöpfung".

Aber mal ganz ehrlich: Du hast so viele Vorgaben hervorragend umgesetzt, dass mir das egal ist.

Mit der Sprache an sich kann ich nicht so viel anfangen. Es sind viele, sehr schöne Bilder dabei, aber es ist mir einfach zu gestelzt. Geschmackssache.

Ob es Punkte gibt, muss ich noch schauen. Auf jeden Fall ein sehr schöner, orgineller Einfall und ein ganz tolles Setting! Smile


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1503
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 26.01.2020 20:41    Titel: Antworten mit Zitat

Ein großer Titel,
Viel Pomp, gestelzte Sprache, die nicht immer beherrscht wird.
Zitat:
Mochten sich auch einem uneingeweihten Besucher die von ihnen verborgenen Schätze nicht sogleich erschließen, der Freiherr wusste doch bei jeder einzelnen davon,
So Frage ich mich hier, wo der Gegensatz sein soll. Die Türen verbergen den Inhalt der Zimmer, uneingeweihte Besucher wissen, wie das Adjektiv sagt, selbstverständlich nichts und der Hausherr sollte sich schon auskennen.

Zitat:
vielmehr verfolgte er mit einer Genugtuung, die er ihres selbstgefälligen Untertones wegen verabscheute, wie der Gärtnergehilfe
hier musste ich ein paarmal nachlesen, ob da was fehlt oder ein Bezug falsch ist, denn ich bezweifle, dass eine (eigene, nicht geäußerte) Empfindung (Genugtuung) einen Unterton haben kann.

Der Französische Akzent wirkt mir übertrieben.

Ich finde keinen Anschluß an den Text.

Das Thema finde ich nicht wirklich. Eine Kintsugi-Inspiration ein wenig.

Der „humanistische“ (passt nicht ganz, denn wir sind ja hier in einer Fantasywelt mit Wolfsmenschen) Ansatz ist schön.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6108
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 27.01.2020 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Das halte ich eindeutig für Genre.
(Eins, mit dem ich leider nicht viel anzufangen weiß,)
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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichSchreiberling

Alter: 45
Beiträge: 237



BeitragVerfasst am: 28.01.2020 11:56    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Text,

hach, ich liebe "freimütischleinweise". Dieses reizende Wort reicht aber nicht für Punkte. Du verlangst mir Konzentration ab, zeigst eine interessante Szene, aber um das Thema zu erkennen, meine ich, mich arg verbiegen zu müssen.

Herzlichst,
Silke
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Michel
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

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Beiträge: 2277
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Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 28.01.2020 13:49    Titel: Antworten mit Zitat

Großherziger Adeliger sammelt Freaks und seltsame Geschöpfe, um ihnen eine sinnvolle Tätigkeit anzubieten. Das Ganze in altertümlicher Sprache. Der französische Akzent der Neuerwerbung liest sich für mich etwas übertrieben; nach Einführung bräuchte es nur noch ganz wenige „Erinnerungshilfen“, um den Klang aufrecht zu erhalten.
Mir ist das insgesamt eher zu langatmig, zu adjektiv- und adverbüberladen („hohl“, „langgezogen“, „herrisch“, „bestimmt“, „viele“, „gleich“, „uneingeweiht“, „einzeln“, „sorgsam“ - das allein im ersten Absatz). Auch wenn mir die Grundidee der Inklusion gefällt, läuft das hier doch nach strengen Regeln, die keineswegs Augenhöhe darstellen.
Und: Für mich ist es Histo.


_________________
Ab November 2019 im Handel: "Shevon", erster Band der Flüchtlings-Chroniken
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3936

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 29.01.2020 23:45    Titel: Antworten mit Zitat

In blumig-antiquierter Sprache wird hier erzählt, wie Diskriminierung in grauen Vorzeiten aussah. Für den überheblichen Grafen ist es schon fortschrittlich und tolerant gedacht, die seltsame Kreatur in seinem Besitz für sich arbeiten zu lassen, statt sie in einem Kuriositätenkabinett auszustellen. Und was will uns das jetzt sagen? Stellt es das fremde Land Vergangenheit dar? Spannend wäre dann vielleicht gewesen, einen wirklichen, konkreten Bezug zur Gegenwart herzustellen, und wäre das Gelungen, in dem Sinne, hierdurch zu einer neuen Erkenntnis bezüglich aktueller Ereignisse, festgefahrenen Denkens, im besten Fall persönlicher Vorurteile zu führen, das wäre was. Vielleicht hast du das ja versucht und es entgeht mir nur? Zum Beispiel weil die antiquierte Sprache, nicht nur innerhalb des Dialogs, sondern auch in der Erzählstimme, schon arg ist, arg gewollt, arg übertrieben, was das Risiko birgt, vom Inhalt abzulenken. Rein als historische Anekdote ist mir das zu uninteressant, und auch zu mühsam zu lesen, als dass es mich wirklich unterhalten würde.
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gold
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger

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BeitragVerfasst am: 02.02.2020 10:16    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Inco,

zunächst ein Kompliment: Du hast viel Fantasie und es ist dir gelungen, diesen schwülstigen Stil durchzuhalten.

Aber ich habe mich schwer getan, deine Geschichte zu Ende zu lesen und als ich es endlich geschafft hatte, wusste ich nicht, worum es geht. Rolling Eyes

Ich mag zwar außergewöhnliche Redeweisen, wie Sprachfehler, Dialekte und Akzente, aber hier bin ich ausgestiegen, da ich die Konversationsart von Jean übertrieben finde.

Die schwülstige Ausdrucksweise mag zu der Story passen, für meinen Geschmack aber ist sie gewöhnungsbedürftig.

Zu den Vorgaben:  
Die Vergangenheit als fremdes Land wird mir nicht ersichtlich.
Jean hat den Makel, wie ein Wolf auszusehen. Der Protagonist "repariert" den Makel, indem er Jean nicht dem Kuriosenkabinett zuführt, wo er begafft und weiter seelisch verletzt würde, sondern ihn die Gartenanlagen seines Schlosses gestalten lässt. Inwieweit die Betonung des Makels erfolgt, wird mir nicht klar.

Nichts für ungut. Dabeisein ist doch schon die halbe Miete. Smile

Liebe Grüße
gold


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es sind die Krähen
die zetern
in wogenden Zedern

Make Tofu Not War (Goshka Macuga)

Seufzend die Hausfrau: "Spinnen sind kleine Schweine" ...
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poetnick
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BeitragVerfasst am: 02.02.2020 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Unbekannt,

diese Geschichte ist für mich zum Favoriten geworden.

Stilistisch sicher durchgezogen - und das auf einem sprachlich und kulturell
eher ungewöhnlichem Gebiet und Niveau. Gefällt mir sehr; zumal, ohne dass sich etwas aufdrängt ein feiner Humor durch die Zeilen sickert.
Göstlieesch, dabei nicht die Tiefe des Themas zu verlieren: Ein Panoptikum von ausgestellten, bis dahin heimatlosen Figuren,
die nun die 'Segnungen' eines zu ihrer Rettung erkorenen Zwecks bewohnen dürfen.
  

LG - Poetnick


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Wortlos ging er hinein,
schweigend lauschte er der Stille
und kam sprachlos heraus
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