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Work in process

 

 
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5664
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 29.06.2014 20:00    Titel: Work in process eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Stahlharte Schalung
trägst du nach
aussen, innen treibt ein dicker
Hefeteig aus Sand, Zement und Wasser
latente Spannung,
Blasen, noch nicht ausgetrocknet,
endgebacken. Rippen, unverschweisst, verschwitzt,
tragen nichts, bewehren nicht.
Oben scheint kein Fixstern
Neonlicht. Farb-, geruchlos,
zweifelzeitig, glimmen
einzeln nur
Ideen, keine Fertigteile, die verbindlich
tragen helfen würden.

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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 30.06.2014 08:14    Titel: Antworten mit Zitat

Auf den ersten Blick scheint das Gedicht eine Baustelle zu beschreiben. Ein Betonmischer rödelt vor sich her; die Stahlträger sind noch nicht verschweißt, es gibt offene Stellen, lose Enden. Vielleicht so viele, dass man noch gar nicht erkennen kann, welcher Art das Gebäude sein wird (weshalb im Gedicht auch nicht darauf eingegangen wird). Wenn überhaupt feststeht, welches „Gebäude“ es denn werden soll. Schließlich weisen die einzelnen Ideen auf kein übergeordnetes Ziel hin, wie durch das Fehlen des Fixsterns klar wird. Eigenschaftslos und beliebig sind diese architektonischen Einfälle, anscheinend so sehr, dass man sich gar nach Fertigbauteilen sehnt.
Auf der anderen Seite wird das Gedicht zum Spiegelbild des (eigenen?) kreativen Schaffens. Jemand wird direkt angesprochen, ein einziges Mal, und mit der harten „definitiven“ Schale eines Betonmischers verglichen wird. In dessen Innerem aber nichts Konkretes (eben nur "concrete"). Die oben angesprochenen losen Ideen, die unverbunden sind, keinem Zweck zu dienen scheinen, weil man keinen Plan (ausnahmsweise mal wörtlich gemeint) hat, was man mit ihnen anstellen soll. Das Gedicht zeigt uns diese Ideen, wie den Neologismus „endgebacken“, das mir tatsächlich nichts weiter als ein interessantes Wort zu zeigen scheint. Die Selbstbezogenheit des Gedichts auf sich selbst wird durch diesen „ungeschweißten Stahlträger“ komplett. (Das ist an sich gar nicht mal unbedingt ein Lob, muss ich gestehen ... aber es passt zu meiner Leseweise und vermittelt mir dadurch ein: „Na, immerhin hat der Autor es selbst thematisiert. ;) )
Mir hat das Gedicht sehr gut gefallen, weil die Unvollständigkeit, die (scheinbare) Ideenlosigkeit, usw. selbst kritisiert wurden, was zwar generell nichts Neues ist, aber gut zu dem Akrostichon als lyrische Form passt.
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niko
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BeitragVerfasst am: 01.07.2014 15:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Für mich ein sehr spannender text. Einer, der versucht - für mich - betonbau und mensch mit einem text gleichermaßen zu bedienen, ohne jedoch die  stahlbetonbau- ebene zu verlassen. Das finde ich sehr anspruchsvoll und zudem sehr gut umgesetzt!
*chapeau*
Beste grüße-niko


_________________
Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)
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Kissa
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 618
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Der silberne Spiegel - Lyrik Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 01.07.2014 19:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Guy,
auch hier finde ich einen baukundigen Dichter - dich.

Mir gefällt die Beschreibung des flüssigen Betons, der vorerst nur als Gedanke des fertigen Hauses daherkommt. In einem LKW?
In einem dieser riesigen Mischmaschinen? Könnte sein.

Zweifelzeitig. Ein Wort, das ich noch nie las. Es ist noch zu zeitig um zu zweifeln? Gefällt mir sehr gut! Wie dein ganzes Gedicht.

Liebe Grüße
Kissa


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Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön.
Gotthold Ephraim Lessing
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HerbertH
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Beiträge: 553
Wohnort: terra sol III


BeitragVerfasst am: 01.07.2014 20:50    Titel: Antworten mit Zitat

titel passt zum stahlbeton festwerden
stahlbetonzeit als akrostichon
das bauen eines hauses mit den phasen der entstehung, dem bauingenieurmäßigen innenleben - als bild eines characters, der sich als work in process versteht

ausserdem der process der gedichtentstehung mit den ideen in bezug zum sternen- und  neonlicht ... und der selbstreflexion dass fertigteile helfen _würden_

gute ideen die sich selbst als nicht tragend vermuten ...

viel inhalt in wenigen zeilen und lesens- und nachdenkenswert
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Stimmgabel
Geschlecht:männlichBestseller-Autor


Beiträge: 4375
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Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 01.07.2014 22:38    Titel: Re: Work in process Antworten mit Zitat

-

Work in process


Stahlharte Schalung
trägst du nach
aussen, innen treibt ein dicker
Hefeteig aus Sand, Zement und Wasser
latente Spannung,
Blasen, noch nicht ausgetrocknet,
endgebacken. Rippen, unverschweisst, verschwitzt,
tragen nichts, bewehren nicht.
Oben scheint kein Fixstern
Neonlicht. Farb-, geruchlos,
zweifelzeitig, glimmen
einzeln nur
Ideen, keine Fertigteile, die verbindlich
tragen helfen würden.


---------------------------------------------


Hallo Inko,


ich denke mal, hier geht's um eine quasi retortische, betonische Welt, von Menschenhand geschaffen. Quasi das gesamte Menschgefüge als personifizierte Einheit im/in Zusammenhang/Gegenüberstellung mit/zu der Erde. Den Titel "Work in process" deute ich jetzt so: dieser Prozess der Entmenschlichung geht immer weiter, innerlich, wie auch äußerlich; hat sein Ende noch nicht erreicht [ ironisch: ist noch in Arbeit ].

bzgl drei Stellen habe ich inhaltlich Versteh-Probleme, was einerseits komplett den letzten Textteil betrifft / zum anderen oben:

Oben scheint kein Fixstern .............................. <-- (1)
Neonlicht. Farb-, geruchlos,
zweifelzeitig, glimmen
einzeln nur
Ideen, keine Fertigteile
, die verbindlich ............. <-- (2)
tragen helfen würden.


und:

noch nicht ausgetrocknet, ............................... <-- (3)
endgebacken. Rippen, unverschweisst, verschwitzt,
tragen nichts, bewehren nicht.


1) Oben scheint kein Fixstern / was hier gemeint ist, weiß ich nicht. Gerade das Sternenmeer, um uns, unsere Erde, hat doch damit nix zu tun. / Oder geht's hier darum, dass quasi ein fehlender Gott / Führer fehlt, der die Menschen aus dieser künstlichen Welt wieder herausführt?

2) nur Ideen, keine Fertigteile, die verbindlich tragen helfen würden / ... gerade doch die Freiheit der Ideen, ist der Motor für eine mögl. Veränderung - und grade "Fertigteile" sind doch Elemente des künstlichen Systems. / Dieses "nur Ideen" kann ich nicht unterbringen Rolling Eyes

3) ... auch dieses "nicht ausgetrocknet" und "unverschweißt" und "nicht bewehrt", was hier bemängelt wird, ist mir nicht so klar. Gerade diese festen Statiken sind doch ein Teil des unlebendigen Menschen.


Oder geht's hier um die auktoriale Sehnsucht, wieder von einer starken Hand geführt zu werden ... so eine Art Hommage an Fiddler'eske Zeiten???
Vielleicht ist ja auch etwas ganz anderes gemeint Embarassed ... das hermetische Geheimnis des Tür_zu bleibenden Textes.


Gleich wie! Das Gedicht nimmt mich hier nicht richtig an die Hand, zumal dann mit dem Akrostichon 'Stahlbetonzeit', als inneres Leitthema, als würde damit gerade eine starre Statik das Übel sein, die mMn im Text immer wieder fast eingefordert wird.

Und: im Text nur ein ICH /Menecken zu sehen, gelingt mir u.a. wegen der "Fertigteile" am Textende nicht, die verbindlich tragen würden.

Zur Sprache: Für mich eine Überladung beschreibender Details ... zuviel telling. Ein Telling, dass mich aber nicht an die Hand nehmen will !!! Zudem stimmen einige Zeilenumbrüche absolut nicht Wink wohl dem Akrostichon geschuldet.


Gruß, Stimmgabel


-


_________________
Gabel im Mund / nicht so hastig...
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 5664
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Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
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BeitragVerfasst am: 01.07.2014 23:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich schaue einerseits, ob ich das ganze Thema wiederfinde in den Gedichten.

Ich meine, es sind beide Thementeile drin.

Außerdem richtet sich meine Bewertung danach, ob und wie verständlich mir eins wird.

Da bin ich mir unsicher. Ich sehe mehrere mögliche Lesarten.

Und ich schaue, wie interessant das sprachliche Gestrick für mich ist.

Da kann ich nur sagen, dass es beim Schreiben Spaß gemacht hat, also da  als interessant empfunden wurde. Das lag aber sicher mehr an der Aufgabe als am Resultat.
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Rainer Zufall
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Alter: 64
Beiträge: 803

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 03.07.2014 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
hätte dir gerne Punkte gegeben oder eine entsprechende Anzahl Federn, denn ich finde dein Gedicht sprachlich gesehen nicht weniger gut als viele andere.
Es war nur so, dass ich mich ja entscheiden musste und da habe ich das Ausschlusskriterieum gewählt, dass die anderen gedichte alle eine symbolische Sicht auf die Themen angelegt haben, sie haben es übertragen auf andere Vorstellungen, Situationen. Di hingegen hast dich ganz auf das Thema und das, was es ganz direkt ausmacht, beschränkt. Ja, so ähnlich, wei wenn man eine Geschichte lesen würde, die jetzt von der Herstellung des Stahlbetons handeln würde.
Viele Grüße
Zufall
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Strichpunkt
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Beiträge: 166

Bronzene Neonzeit


BeitragVerfasst am: 03.07.2014 17:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lieber Autor,

"Work in process" heisst dein Text. Hier geht es um etwas, was noch in Arbeit ist; wahrscheinlich ein Gebäude (aus Beton natürlich).

Form und Inhalt:

Bei der Form entdecke ich nichts Besonderes. Die Vorgabe wurde mMn gut umgesetzt, sie drängt sich nicht auf. Ich glaube ja, dass es hier um ein Gerüst geht, dass später ein Gebäude hält.
Aber es hat für mich ein, zwei Stolpersteine drin, die mir nicht ganz stimmig erscheinen. Zum Beispiel das "endgebacken", das krieg hier nicht so wirklich rein. Warum sind die Rippen "unverschweisst" und gleichzeitig "verschwitzt"?  Plötzlich taucht im Text der Fixstern auf, da gab es vorher keinerlei kontextuale Anzeichen dafür.

Themenvorgabe:

Stahlbetonzeit: Ja.
Neonlicht: Hm, eigentlich ja, passt aber irgendwie nicht zum Rest des Textes, finde ich.

Alles in allem:

… beginnt es gut, doch dieser Bruch (Fixstern) tut dem Text meiner Meinung nicht gut, da passt was nicht.

Gruss
Strichpunkt
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 59
Beiträge: 1819



BeitragVerfasst am: 06.07.2014 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

Man kann bei diesem Text kaum sagen, dass er schwer zu verstehen ist, trotzdem ist er ein feines Gedicht. Am meisten grübele ich über diese Rippen, die ,nichts tragen nach. Es ist wie ein eingeknickter Brustkorb, der immer nach vorne geneigt über der Schreibtischplatte hängt und sich seinen dichterischen Odem abringt.
Doch, es gefällt mir ausnehmend gut, dass dieser Text mir so eingeht.

LGM


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Ridickully
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


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BeitragVerfasst am: 06.07.2014 18:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

hier sehe ich ein direktes Herangehen an die Vorgabe Stahlbetonzeit, sehe Work in process in echt. Cool
Der obere Teil ist bildlich griffig, der (Auf)Bau erlebbar.

Bei den Rippen komme ich ins Schwimmen.
Rippen, unverschweisst – OK, Streben stehen noch unvergossen heraus- nehme ich dem Text ab.
Doch beim Zusammenhang Rippen, … verschwitzt, schiebt sich eine diffuse, körperliche Auslegung der Bilder hinein.
Versuche mich davon zu lösen und überlege, ob es Rippenschalung gibt.

Ab der Fixsternzeile ist mein Zugang weg, tut mir leid.
Schade, die Idee finde ich gut, erlaubt mehrere Auslegungen. Ich frage mich, ob es um (ein) Fundament geht, nach oben alles offen.
Das ist mir für mich zur Erklärung zu mager, deshalb bin ich gespannt auf die anderen Kommentare zu deinem Gedicht.

Liebe Grüße
Zinna


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(c) Zinna
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Honig
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Bronzene Neonzeit


BeitragVerfasst am: 07.07.2014 11:47    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Umsetzung des Themas. Der Klang/Rhythmus der Aufzählung ist nicht so meins.

_________________
@kerstinhonig
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Einar Inperson
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BeitragVerfasst am: 07.07.2014 19:17    Titel: Antworten mit Zitat

gelöscht

_________________
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Malaga
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BeitragVerfasst am: 08.07.2014 11:04    Titel: Antworten mit Zitat

Neutraler Bewertungskommentar. Drei Punkte. Und meine Hochachtung dafür, unter Zeitdruck zu dichten!
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appo
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BeitragVerfasst am: 09.07.2014 08:44    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Inko,

knapp drei Tage noch bis zur Auflösung des ganzen Wettbewerbspektakels. Dein Gedicht ist das zehnte und letzte, das ich kommentiere. Ein Gedicht pro Tag, oft mit einmal drüber schlafen. Ich bin einfach nach dem Alphabet vorgegangen. Also noch einmal anstrengen und schauen, was dein Poem mir sagt.
Den Titel kann ich auch nach mehrmaligem Lesen nur in eine ungefähre Beziehung zum Text setzten. Okay, man liest im Text eine gewisse Entwicklung, es wird deutlich, das da innerlich etwas gärt, ein Prozess stattfindet.
Zitat:
Stahlharte Schalung
trägst du nach
aussen, innen treibt ein dicker
Hefeteig aus Sand, Zement und Wasser
latente Spannung,
Blasen, noch nicht ausgetrocknet,
endgebacken. Rippen, unverschweisst, verschwitzt,
tragen nichts, bewehren nicht.

Diese Verse lese ich zum einen als lyrische Umschreibung eines modernen Hochhauses, aber gleichzeitig bewegt sich etwas innerhalb der stahlharten Schalung, scheint noch unfertig in seiner Entwicklung. Darüber hinaus ahnt man durch Wörter wie "Hefeteig, endgebacken, Rippen, verschwitzt" etwas Organisches, vielleicht Menschliches befindet sich hinter der "Stahlharten Schalung". "Rauhe Schale, weicher Kern", kommt mir in den Sinn. Der Anfang deines Gedicht könnte auch für einen nach außen "stahlharten", innen aber weichen, unsicheren Menschen stehen. Vielleicht auch für die jetzige Zeit, unsere Epoche?
Zitat:
Oben scheint kein Fixstern
Neonlicht. Farb-, geruchlos,
zweifelzeitig, glimmen
einzeln nur
Ideen, keine Fertigteile, die verbindlich
tragen helfen würden.

Die letzten Zeilen weisen von innen nach außen, an den Himmel, ans Firmament. Und da ist kein Fixstern, nichts, was den Menschen führt. Letztendlich ist alles nur Materie:Neonlicht. Farb-, geruchlos, " Der Mensch soll seine Ideen nutzen, äußere Konstrukte helfen ihm nicht weiter.  Da sind keine Fertigteile, auf die man sich verlassen, die einem weiterhelfen könnten.
Inko, du hast das Bild des Hochhauses als Metapher für unsere Zeit, unser Dasein, den Menschen in der heutigen Zeit genommen. Das lese ich zumindest heraus. Ich bin gespannt, was andere Kommentatoren zu deinem Text sagen.
Ich habe mich gern mit deinem Gedicht beschäftigt.

Gruß von Apo
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HerbertH
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BeitragVerfasst am: 11.07.2014 20:32    Titel: Antworten mit Zitat

für mich der favorit.

schade, dass andere anders dachten.
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firstoffertio
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Beiträge: 5664
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BeitragVerfasst am: 11.07.2014 23:53    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Herzlichen Dank für eure Kommentare.

“Baustelle”(Nihil) trifft es schon ganz gut, was dieser Text beschreibt und ist.

Ganz ehrlich: Ich hatte schon beschlossen, gar nicht mitzumachen. Betonstahlzeit, Neonlicht sagten mir gar nichts. Die einzige Assoziation zu Betonstahlzeit, die ich hatte, war eine harte Zeit, die jemand durchlebt. Das ist auch ins Gedicht eingeflossen. (Dachte ich).

Aber sonst? Also schaute ich in mein mehrbändiges altes Taschenbuchlexikon und schrieb mir Wörter aus den Gott sei Dank kurzen Einträgen zu den beiden Begriffen heraus. Dann schaute ich, ob ich sie zu einem Text zusammenbasteln kann. Von dort her rühren auch die Rippen u.a.  (Betonrippengestuehl, Bewehrung, etc.). Ich dachte, ich kann diese Wörter als Metaphern einsetzen. Oder aber auch anschaulich, wie die Blasen, die man bekommt, Rippen, die einem wehtun, wenn man koerperlich Anstrengendes, Verletzendes erlebt hat...

Bei Neon las ich: Farb- und geruchloses Gas … Auf den Fixsternen ist es nach Wasserstoff und Helium häufigstes Element. Fixstern als Wort klang für mich gerade nach dem, was ich nicht hatte: Etwas, was mir klar war, worauf ich hinauswollte, so eine Art Stern wie der, der die drei Könige leitete...

Das Einzige, was aus eigener Erfahrung stammt, ist der Hefeteig. Seit ich vor Jahren zum ersten Mal Beton angemischt habe, denke ich beim Hefeteig machen immer daran. In beiden Fällen ist die Menge von Wasser, die man beigibt, kritisch, das Verhältnis der Zutaten zueinander eigentlich. Das passte für mich wieder zum Verarbeiten von etwas. Und ja, dann sah ich, dass sich das Ganze auch auf das Machen des Textes selber beziehen kann.

Manchmal mag ich das ja gerade: Wenn die Wörter und Sätze gar nicht so mit Absicht geschrieben wurden, aber doch Bedeutung(en) haben können.

Also schickte ich ihn ein.

Und freue mich über die Platzierung. Mehr aber noch über eure Kommentare, (die doch zum Teil so ähnlich gedacht haben. )Danke dafür.
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