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der turm

 

 
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Strichpunkt
Geschlecht:männlichSchreiberling


Beiträge: 166

Bronzene Neonzeit


BeitragVerfasst am: 29.06.2014 20:00    Titel: der turm eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

stromfinger
tanzen am himmel.
auch durch die fensterläden drückt es:
helligkeit. die metallene stadt atmet und
lässt sich am
blaurauch erkennen. mittendrin
errichtet hat sich dort ein
turm -
ohne uns und brennt sich auf die
netzhaut durch das
zuckende licht.
er zwingt uns
in seinen ewigen, traumlosen
tag.

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Stimmgabel
Geschlecht:männlichBestseller-Autor


Beiträge: 4398
Wohnort: vor allem da
Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 30.06.2014 10:33    Titel: Re: der turm Antworten mit Zitat

-

der turm

stromfinger
tanzen am himmel.
auch durch die fensterläden drückt es:
helligkeit. die metallene stadt atmet und
lässt sich am
blaurauch erkennen. mittendrin
errichtet hat sich dort ein
turm -
ohne uns und brennt sich auf die
netzhaut durch das
zuckende licht.
er zwingt uns
in seinen ewigen, traumlosen
tag.


-------------------------------------------------


Hallo Inko,

das unpersönliche Gesicht der Mensch-inszenierten, beton-metallenen Stadt, sein Refugium, brennt sich quasi abbildend in das ICH des Menschen ein; wie ein grell-beißender [ sich verselbständigter ] Turm, dem man nicht entrinnen kann. Diese quasi unwirkliche, retortische Wirklichkeit wird zu einem unentrinnbaren Tagtraum.

Das Akrostichon 'Stahlbetonzeit' wird hier zum Mahnwert, wie der Mensch sich selbst entwirklicht und einkäfigt. MMn sehr gut eingearbeitet und umgesetzt.

Vers-Libre: gut umgesetzt, daktylische Strukturen / bei manchen Umbrüchen bin ich mir betonend nicht sicher ... klar, wegen des Akrostichons geschuldet Wink

MMn ein Gedicht, das sicher auf das Treppchen kommt !!!

Habe folgende Idee - zu einer Stelle:


der turm

stromfinger
tanzen am himmel.
auch durch die fensterläden drückt es:
helligkeit. die metallene stadt atmet und
lässt sich am
blaurauch erkennen. mittendrin
errichtet hat sich dort ein
turm -
ohne uns - und brennt sich auf die .................. <-- hier auch einen Bindestrich, quasi als optische Betonung
netzhaut durch das
zuckende licht.
er zwingt uns
in seinen ewigen, traumlosen
tag.


Gruß, Stimmgabel ... gerne gelesen Smile


-


_________________
Gabel im Mund / nicht so hastig...
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appo
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 115
Wohnort: Bremen


BeitragVerfasst am: 30.06.2014 17:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

eine düstere Endzeitfantasie lese ich da heraus. Ein Turm der sich inmitten der metallenen Stadt etabliert, wohl ohne von Menschen gebaut zu sein, sich aber ihrer bemächtigend. Die Stadt stellt du uns als Blaurauch ausatmendes Wesen vor, den Turm als etwas, das uns kontrollieren (?), zwingen will mittels seiner ewigen Helligkeit, die uns tags wie nachts in die Zimmer, unter die Lider kriecht. Ein wenig kommen mir die Bilder, die du benutzt, wie entliehen aus einem Fantasy-Epos vor, in der der dunkle Herrscher sich der Welt bemächtigt. Vielleicht lese ich da aber auch viel zu viel herein und du erzählst schlicht von einem Wolkenkratzer, der inmitten einer Stadt gebaut wird und mit seiner Größe und Millionen-Watt-Helligkeit alles um ihn herum be- und niederdrückt oder die Menschen auch nur am Schlafen hindert.
Die für den Wettbewerb vorgegeben Schlagworte, du hast die Stahlbetonzeit gewählt, laden zu solchen Ausdeutungen geradezu ein. Insofern überrascht mich der Text nicht, aber handwerklich ist er gut gemacht. Wie ich ihn bewerte, kann ich erst sagen, wenn ich alle Lyrik-Texte gelesen und kommentiert habe.

Gruß von Apo
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 30
Beiträge: 7479



BeitragVerfasst am: 30.06.2014 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

Auf den ersten Blick wirkt dieses Gedicht wie eine Momentaufnahme aus einer dystopischen Stadt. Blitze zucken am Himmel, selbst das tote Metall scheint lebendig, weil es atmet, die Luft selbst scheint hingegen drückend zu sein, zumindest verstehe ich es so. Den Blaurauch verstehe ich als Industriequalm? Auch wenn das nicht so recht in die Elektro-, Funk-Atmosphäre passen will. In der Mitte ist ein Turm entstanden, den kein Mensch gebaut hat, wie es scheint. Eine moderne mythologische Figur, die die Bewohner dieser Stadt oder Welt in einen ewig-erleuchteten Tag zwingt, den sie eher komatös als schlafend oder wirklich wach zu durchleben scheinen.
Ob der Turm ein Fernsehturm ist? Das Fernsehgerät als Medium fehlt hier, ist aber vielleicht auch nicht nötig, sehr wahrscheinlich wäre das auch zu plump und direkt. Vielleicht ist es auch ein Turm, der die Gedanken der Menschen unmittelbar beeinflussen kann, dann hätten wir es wirklich mit einer Dystopie und nicht „nur“ mit einem pessimistischen Foto unserer Zeit zu tun. Die künstlich aufgedrückten Empfindungen vertreiben jede echte Regung, machen uns gleichgültig und passiv.
Das finde ich insgesamt ziemlich gut, aber doch noch einen Tick zu allgemein gehalten. So im Allgemeinen. Natürlich ist es schwer, das in zwei Stunden mit begrenzten Versen und der Vorgabe des ersten Buchstabens pro Vers anders hinzubekommen, aber die nicht ganz so originelle Idee würde dich normalerweise etwas mehr Federn kosten. Auch wenn das Gedicht durchaus gelungen ist. :)
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niko
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 62
Beiträge: 200
Wohnort: Göttingen


BeitragVerfasst am: 30.06.2014 20:24    Titel: Antworten mit Zitat

hi,

das gefällt mir. fast keine akrostichon-geschuldete zeilenbrüche, eine geschlossene aussage mit guten lyrischen formulierungen, wie ich finde.

beste grüße: niko


_________________
Ein Gedicht auf dem Hintergrund der Biographie des Autors zu interpretieren ist so, als würde man einem schwimmenden Schiff das Wasser nehmen. (NJK)
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6077
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 30.06.2014 23:00    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schaue einerseits, ob ich das ganze Thema wiederfinde in den Gedichten.

Es geht um eine Stadt, in der hat sich ein Turm ohne uns errichtet (das finde ich seltsam ausgedrückt). Draußen scheint es zu blitzen, aber das könnte nur die Neonreklame am Turm sein, die LI nicht schlafen lasst. Das habe ich auf meiner Themensuche gefunden. Also, ja. Den traumlosen Tag deute ich außerdem als Aussage über heutiges Leben.

Außerdem richtet sich meine Bewertung danach, ob und wie verständlich mir eins wird.
Falls ich oben richtig lag, ist da Verständlichkeit. Nur die 'metallene Stadt' macht mir noch Probleme.

Und ich schaue, wie interessant das sprachliche Gestrick für mich ist.
Es ist nicht zu kompliziert, hätte aber vielleicht ein wenig mehr Raffinesse vertragen.
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Kissa
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 632
Wohnort: Saxonia
Der silberne Spiegel - Lyrik Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 01.07.2014 18:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Guy,
ich würde schon behaupten wollen, dass es Licht ist und kein Strom, dessen Finger sich in den Nachthimmel bohren.

Insgesamt jedoch finde ich die Idee sehr gut, das Thema absolut getroffen und das Akrostichon bestens bedient!

Liebe Grüße
Kissa


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Schreibe, wie du redest, so schreibst du schön.
Gotthold Ephraim Lessing
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HerbertH
Geschlecht:männlichAutor


Beiträge: 552
Wohnort: terra sol III


BeitragVerfasst am: 01.07.2014 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

titel ist thematisch
denn stahlbetonzeit akrostichon passt dazu
auch licht zuckt passt zu den fingern leuchtet neon
inhaltlich haut die story nicht um
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Rainer Zufall
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 65
Beiträge: 799

Pokapro und Lezepo 2014


BeitragVerfasst am: 03.07.2014 07:28    Titel: Antworten mit Zitat

Dein Gedicht, und hallo Inco, ist von wohltuender Einfachheit.
Ich habe ein Bild, eine Atmosphäre vor Augen und empfange eine Stimmung,
ob das nun eine ist, die du erzeugen wolltest, ich weiß es nicht. Für mich jedenfalls ist es das Gefühl, am Rande einer Stadt ganz früh morgens (oder spät in der Nacht) wach zu sein, und auf die Helligkeit der Hochhäuser (oder hier eines besonderen) schauen zu müssen.
Schön, hab ich gerne gelesen.
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Zinna
Geschlecht:weiblichschweißt zusammen, was


Beiträge: 1666
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Das Silberne Pfand Lezepo 2015
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BeitragVerfasst am: 06.07.2014 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Blitze, Gewitterstimmung in Stadt und Haus greifen, sind gut eingesetzt.
Der Eingang in dein Gedicht gefällt mir, nimmt mich mit hinein.
Doch mit dem Turm mit seiner zentralen Bedeutung habe ich Schwierigkeiten, ich kann ihn nicht insgesamt und auch nicht in die  Bilder der zweiten Hälfte des Gedichts einordnen.

Ich lese: Der Turm hat sich errichtet und zwingt uns in seinen ewigen traumlosen Tag.
Hmm… Ich kann den Turm einfach nicht sehen, auch als Metapher nicht greifen, auch in der Titelfunktion funktioniert er für mich nicht.

Tut mir leid, aber die Worte der unteren Hälfte bleiben nur Worte für mich.

Die Themenvorgabe Stahlbetonzeit und Neonlicht kann ich als umschrieben umgesetzt abnehmen.

Sicher sehen und lesen andere Leser es anders, ich bin gespannt auf die anderen Kommentare.

Lieber Gruß
Zinna


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(c) Zinna
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Honig
Geschlecht:weiblichSchreiberassi


Beiträge: 45
Wohnort: NRW
Bronzene Neonzeit


BeitragVerfasst am: 07.07.2014 11:41    Titel: Antworten mit Zitat

Die Wortschöpfung blaurauch gefällt mir.
Das Gedicht ist spricht sehr schön die Sinne an.


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@kerstinhonig
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Mardii
Stiefmütterle

Alter: 60
Beiträge: 1838



BeitragVerfasst am: 07.07.2014 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

Dieses Gedicht mit seinen enigmatischen Methaphern und seinen querstehenden Inversionen, macht mich ganz konfus und ich sage erleichtert "Uff", als ich es endlich kapiert habe.
Zitat:

stromfinger
tanzen am himmel.


"stromfinger" = Blitze

"blaurauch" ist so eine Wortschöpfung, die mir garnicht eingehen will. Wie wäre es mit "blauer rauch" oder auch "blauer dunst" Laughing

Zitat:
mittendrin
errichtet hat sich dort ein
turm -
ohne uns


Gehe ich recht in der Annahme, dass es sich bei bewusstem "turm", um eine Windhose oder auch Zyklon genannt handelt?

Zitat:
er zwingt uns
in seinen ewigen, traumlosen
tag.


Ein sehr schöner Abschluss, der das Bild erhöht. Nicht einfach "mit, reisst er uns", sondern "er zwingt uns", was einen wunderbaren Abschluss des Achrostichons bildet.

Ich bin geteilter Meinung, aber sehr zugeneigt.

LGM


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`bin ein herzen´s gutes stück blech was halt gerne ein edelmetall wäre´
Ridickully
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Malaga
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 789



BeitragVerfasst am: 07.07.2014 22:09    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir sehr gut.
Grusliges Bild. Insbesondere der Schlusssatz. Dystopie?  Acht Federn. (Hätten aber genauso gut zehn sein können, hab nur keine mehr übrig. Wink )
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Oliver.Twist
Schreiber-Lehrling

Alter: 34
Beiträge: 124
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 09.07.2014 01:06    Titel: Antworten mit Zitat

Der Turm hat sich ohne uns errichtet: er ist in unserer Mitte, als ein herrschendes Fremdes. Er bezwingt uns, die ihm ausgeliefert sind.

Es ist eine dystopische (oder als Allegorie auf eine als entfremdet empfundene Gegenwart funktionierende!) "Stahlbetonzeit" - die mir in ihrer (metallschwangeren aber nicht ins schlecht-wagnerianische abgleitenden) Sprache gut gefällt und mich an den Ton-Steine-Scherben-Song "Wir sind im Licht" erinnert (der "Turm der Herrschaft").
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Kissa
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 632
Wohnort: Saxonia
Der silberne Spiegel - Lyrik Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 11.07.2014 18:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ahhh, Daumen hoch
herzlichen Glückwunsch zum Sieg, Strichpunkt!

Liebe Grüße
Kissa


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Gotthold Ephraim Lessing
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