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Gaias Überleben

 

 
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nebenfluss
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BeitragVerfasst am: 14.10.2018 19:00    Titel: Gaias Überleben eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Manche Menschen glauben, das Wichtigste sei, eine Meinung zu haben. Gründe, Fakten, Zusammenhänge, sagen sie, können in Maßen nützlich sein, doch wer immerzu nur wissen wolle, käme niemals zu einer Haltung und versinke in grübelnde Depression.
Da ich weder eine Meinung besitze noch meine psychisches Gleichgewicht zu verlieren trachte, habe ich beschlossen, ein Werkzeug zu sein, ein Bote von ihm, der mich in diesem Sinne erzog.

Wie jeder Montag beginnt auch dieser mit der Abholung meines Wochenauftrags im Bleiturm. Außer ihm ist niemand mehr dort. Der Aufzug ist menschenleer wie üblich und scheint nur noch durch seinen Willen zu funktionieren, ab und zu sein Wohnbüro in 150 Metern Höhe verlassen zu können, ohne tausende von Stufen hinabzusteigen. Das Ächzen der Seile, das Ruckeln zwischen den Etagen 22 und 23, der Blick durch die rostgesprengelte Lifttür auf die vorbeischwebenden Flure voller Unrat, zurückgelassener Kopierer und verstaubter Kaffeautomaten - all das schlägt mir aufs Gemüt. Ich wende mich zur Fahrstuhlwand, fixiere die digitale Stockwerkanzeige, die ich immer wieder neu zu lesen lerne. Zu viele LEDs sind ausgefallen, mit arabischen Ziffern hat das rote Leuchten kaum noch etwas gemein.
 
Die Tür nur angelehnt; niemand außer mir wünscht noch von ihm empfangen zu werden, man hat ihn vergessen oder verkennt seine Macht. Er verbringt seine Tage im Selbstgespräch, hält sich selbst Vorträge über Demokratie, Würde und unveräußerlichen Rechte, und wandert dazu in seinen bescheidenen Räumen umher. Es braucht drei Rundgänge an seiner Seite, bis er mich zur Kenntnis nimmt (oder so tut. Ich habe es aufgegeben, darüber Klarheit zu erlangen) und beginnt, über seine Bemühungen zu monologisieren, um Störungen, die Fortschritt sicher stellen sollen, „den Wald wachsen lassen“, wie er es gerne nennt. Ich soll zwei illegale Demonstrationen organisieren: erstens eine Marketingaktion der Empörkommlinge aus dem stahlblauen Wolkenkratzer, die bei im nur Nietzscheaner heißen und jederzeit leicht zu überreden sind, nach Feierabend noch ihre skrupellosen Überzeugungen auf der Straße zu propagieren. Schwieriger wird, die Esoteriker vom roten Minarett in Rage zu bringen und zu einem Protestmarsch gegen die Herrschaft des Geldes zu überreden.
Des Weiteren versorgt er mich mit einem mehrfach verschlüsseltem Darkweb-Account, über den ich der Regierung anonyme, höchst dringliche Hinweise auf einen Terroranschlag am Flughafen zukommen lassen soll, um sicherzugehen, dass die beiden Gruppen in der Innenstadt nicht durch die Polizei an einem blutigen Aufeinandertreffen gehindert werden.
Der Form halber bezeichne ich die Folgen als unabsehbar und leicht seiner Kontrolle entgleiten können. Er entgegnet erwartungsgemäß, genau das sei das Ziel. Manchmal müsse ein Fluss über die Ufer treten, um das System zu säubern; manchmal müsse etwas an den Wurzeln nagen, um Gaias Überleben zu sichern.   

Als am Sonntag im Fernsehen die Autos brennen, Menschen in bläulich schimmernden Designeranzügen und rötlichen Gewändern ihre Wut in die Mikrofone schreien, als alle Kanäle von Berichten über die ersten Todesopfer der Ausschreitungen und Verhaftungen von Flugzeugpassagieren dominiert werden, da spüre ich sie wieder, diese Last. Diese Last, keine Meinung zu haben und gesund bleiben zu wollen. Kurz vor den Achtuhrnachrichten schalte ich ab und gehe ins Bett. Ich muss fit sein für eine eine anstrengende Arbeitswoche.

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V.K.B.
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 47
Beiträge: 2474
Wohnort: Diaspora
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 14.10.2018 23:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Schneehase,
seit wann schreibst du denn bei Wettbewerben hier mit? Ich glaube jedenfalls, dich an Themen, Zynismus und Schreibstil erkannt zu haben. Und die Nietzscheaner waren dann schon quasi die Visitenkarte. Falls du, lieber Inko, jemand anders bist als ich annehme, bitte ich diese Mutmaßung zu verzeihen. Aber das würde mich sehr überraschen.

Die Geschichte gefällt mir, das ist typischer White Rabbit Humor (auch falls es jemand anders geschrieben haben sollte). Leicht abstrus, gesellschaftskritisch und schwarzhumorig ohne Ende. Habe ich sehr gerne gelesen.

Sprachlich sind leider, wohl ob des engen Zeitlimits, noch einige Schwächen drin. Gut gefallen hat mir die Themenumsetzung, die sich hier fast komplett auf der Metaebene verbirgt. Bringt der "Zivilisation" das Gesetz des Waldes zurück, und lasst die Fraktionen aufeinander losgehen, möge der Stärkere überleben. Ein komplett metaphorischer Meta-Wald respektive Dschungel, der perfekt ohne Bäume auskommt.

Trotz der Schwächen bisher eine der besten Geschichten, die ich gelesen habe, aber es sind ja erst vier, insofern kann ich noch nichts sagen. Würde mich aber arg wundern, wenn am Ende keine Punkte für diese Geschichte übrig sein sollten.

Aber die verteile ich immer erst, wenn ich alles gelesen habe.

Beste Grüße,
Veith

Edit: Hallo zweiter Gewinner-Text!


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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lebefroh
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 39
Beiträge: 359
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 09:08    Titel: Antworten mit Zitat

Das gefällt:

Zitat:
Ich soll zwei illegale Demonstrationen organisieren: erstens eine Marketingaktion der Empörkommlinge aus dem stahlblauen Wolkenkratzer, die bei im nur Nietzscheaner heißen und jederzeit leicht zu überreden sind, nach Feierabend noch ihre skrupellosen Überzeugungen auf der Straße zu propagieren. Schwieriger wird, die Esoteriker vom roten Minarett in Rage zu bringen und zu einem Protestmarsch gegen die Herrschaft des Geldes zu überreden.


Das gefällt weniger:

Dass ich nicht verstehe, was der mysteriöse Auftraggeber eigentlich will. Gaia = die Erde, schon klar. Aber wieso geht es der besser, wenn sich die Menschen an die Gurgel gehen?
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MoL
Geschlecht:weiblichQuelle


Beiträge: 1438
Wohnort: NRW
Das bronzene Stundenglas


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 09:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hm. So ganz verstehe ich die Geschichte nicht, ich werde sie in den kommenden Tagen noch ein paar Mal lesen. Ändert sich für mich nichts, bleibt dieser Kommentar hier stehen.
Das Thema sehe ich auch nicht wirklich umgesetzt, sorry - oder ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht.


_________________
"Hexenherz - Eisiger Zorn", acabus Verlag, Februar 2017.
"Die große acabus-Jubiläumsanthologie", acabus Verlag, Oktober 2018.
"Hexenherz - Glühender Hass", acabus Verlag, Januar 2019.
NEU - NEU - NEU:
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris, 31. Oktober 2019.
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Michel
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 48
Beiträge: 2362
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 11:02    Titel: Antworten mit Zitat

Am Anfang verlierst Du mich etwas. Das ist so schwurbelig-bedutungsvoll, dass ich innerlich fast zuklappe.
Das Szenario, eingefangen in knappen Beobachtungen und präzisen Bildern des Zerfalls, nimmt mich dann wieder ein. Großartig: Die ausfallenden Ziffern im Fahrstuhl; seltsam, dass er überhaupt noch funktioniert. "Mich erzogen" reißt mich dann wieder raus, da wird ahnungsvoll etwas angedeutet, das mir für eine kurze Geschichte zu groß, zu fantasy-haft scheint. Gut finde ich den banal daherkommenden Schluss: Sonntag Massenunruhen organisiert, Montag geht's zurück an den Schreibtisch. Der Bruch gefällt mir.
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Kiara
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1136
Wohnort: bayerisch-Schwaben


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hat Ähnlichkeiten mit einem Chef, den ich mal hatte Razz
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Catalina
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 47
Beiträge: 417
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 18:34    Titel: Antworten mit Zitat

Zugegeben, der Text, über den ich am längsten nachgedacht habe. Aber trotz langem Nachdenkens erschließt er sich mir nicht.

Politische, manipulative Machenschaften, blau gegen rot. Wer hier initiiert, ist mir nicht ganz klar. Auch nicht, wofür der Erzähler bzw. die Schachfiguren stehen... Was der Wald mit alledem zu tun hat, ist mir auch nicht ganz klar...

Den Schreibstil aber mag ich. Doch auf die Gefahr hin, aus mangelnder Bildung ein geniales Gleichnis zu verkennen: der Text sagt mir leider nichts.
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rncw
Geschlecht:weiblichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 92
Wohnort: Wonderland


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 21:33    Titel: Antworten mit Zitat

Grundsätzlich in Ordnung. Der Text skizziert für mich eine Art Anarchie, die beim Lesen jedoch nur angedeutet rüberkommt. Trotzdem hinterlässt es einen bleibenden Eindruck aufgrund der Kontraste, die aufgeziegt werden (ergibt z.B. keine Meinung = Gesundheit).

_________________
Nicht Gelegenheit macht Diebe,
Sie ist selbst der größte Dieb;
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Die mir noch im Herzen blieb.

Dir hat sie ihn übergeben
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Daß ich nun, verarmt, mein Leben
Nur von dir gewärtig bin.

Doch ich fühle schon Erbarmen
Im Karfunkel deines Blicks
Und erfreu in deinen Armen
Mich erneuerten Geschicks.

(J. W. Goethe, Hatem)
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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 41
Beiträge: 944
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 15.10.2018 21:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ziemlich düster und ziemlich interessant.
Ich würde fast interpretieren wollen, dass die Menschen hier die Bäume sind.
Irgendeiner sitzt in seinem lichtlosen Turm und ein anderer merkt es nicht (grob übersetzt, weil der will ja nichts merken ). Auch ziemlich schwierig, hier den Bösen zu finden. Fanatismus ist niemals gut. Der Mann im grauen Anzug bezieht keine Stellung. Wer sieht hier den Wald vor lauter Bäumen nicht? Und am Ende?
Der Text beschäftigt mich. smile


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Lapidar
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger

Alter: 57
Beiträge: 3127
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 16.10.2018 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr düster... leider gar nicht so abwegig.

_________________
"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
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Heidi
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Beiträge: 1257
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 16.10.2018 20:51    Titel: Antworten mit Zitat

Noch so ein Text mit (hervorgekramtem), niederschmetterndem Inhalt.

Zitat:
Da ich weder eine Meinung besitze noch meine psychisches Gleichgewicht zu verlieren trachte, habe ich beschlossen, ein Werkzeug zu sein, ein Bote von ihm, der mich in diesem Sinne erzog.


Wahnsinns-Erkenntnis eines Menschen. Sehr reflektiert für jemanden, der keine Meinung besitzt. Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute fast, dass ein Mensch, der so handelt, wie es diese Figur tut, nicht um seine Meinungslosigkeit weiß bzw. sie verdrängt, um auszuhalten, was auszuhalten ist. Mir kommt die Autorenstimme zu sehr durch, weniger die Figur an sich. Es ist der Autor der zu mir spricht, so fühlt es sich an, das finde ich schade.
Natürlich kann in einem literarischen Text Reflexion der Figur als Stilmittel angewandt werden, mir persönlich würde aber ein "anderer" Weg besser gefallen, so dass die Handlungen der Figur für sich alleine sprechen und die Gedanken nichts mehr hinzuzufügen haben.

Inhaltlich wolltest du mMn zu viel, mir kommt es jedenfalls so vor. Diese beiden Demos, die aufeinander zugehetzt werden, um ein Blutbad herauszufordern, was dann letztendlich auch aufgeht, der "Chef", der das alles anleiert, der scheinbar Ahnungslose, der seine Pflicht tut. Mir fehlt ein wenig die Basis, die Gründe der Ich-Figur. Warum handelt sie, wie sie handelt? Das kommt mMn zu wenig raus.

Es sind ja nicht viel Texte da, also wirst du vermutlich Pünktchen abkriegen. Mal sehen wo du bei mir landest.

Nun ist leider doch keins mehr übrig. Vielleicht beim nächsten Mal.


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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 17.10.2018 11:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, ich weiß, wer hier dahintersteckt und weiß auch, dass er souverän schreiben kann. Der Text hat eine dichte Atmosphäre, zeigt einen stimmigen Ausschnitt einer (Charakter)Welt und hat eine stilsichere Sprache. Dafür gibt's Punkte.

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"But in the end, stories are about one person saying to another: This is the way it feels to me. Can you understand what I'm saying? Does it also feel this way to you?"
-Sir Kazuo Ishiguro
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Nihil
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BeitragVerfasst am: 17.10.2018 15:32    Titel: Antworten mit Zitat

Nach dem ersten Lesen entwich mir ein dezidiertes Hum!, von dem ich leider, da ich Kopfhörer trug und Led Zeppelin über eine Aufnahme zuhörte, nicht genau sagen konnte, ob es eher zustimmend oder eher ablehnend war.

Nach erneutem Lesen kam das Hum! ein zweites Mal zum Vorhall, aber mehr wollte es mir nicht über sich verraten. Was ich hier las, soll wohl von einer Propagandamaschine handeln. Vielleicht ruft der Springer-Verlag aus der BILD-Schaltzentrale der Macht, oder ähnlich vergleichbarer Ekel, einen Agenten zu sich, trachtend, die Welt zu vernichten. Gründe bleiben aus. Ein wenig flach bleiben da die Meinungsbilder, von denen ja, laut Text, jeder eines haben soll. Die letzte Schlacht wird geschlagen. Nietzscheaner vs. Esoteriker vom roten Minarett? Das mutet gar populistisch und islamophob an.

Mein finales Urteil: Hum!
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d.frank
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Beiträge: 944
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BeitragVerfasst am: 17.10.2018 18:13    Titel: Antworten mit Zitat

Das hier war eigentlich mein 12 Punkte Text und dazu will ich auch nach wie vor stehen, aber es gibt keinen Wald, nur die interessante Thematik

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shatgloom
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BeitragVerfasst am: 20.10.2018 16:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich weiß nicht, ob ich diese Geschichte richtig verstanden habe.
Mir kommt da immer so eine Art Gott in den Sinn, der seinen Diener auf die Erde schickt, die verschiedenen Gruppierungen gegeneinander aufwiegelt und dadurch Tot und Vernichtung schafft. Und das alles, um die Erde vor dem Untergang zu bewahren. Wenn das der Grundgedanke der Geschichte ist, gefällt er mir. Da kommt ja auch der Wald zu Wort, den es ja dann erst wieder nach der Vernichtung der Menschheit geben wird.
Mir sind manche Formulierungen zu ungenau oder unverständlich. Beispiel:

"...und beginnt, über seine Bemühungen zu monologisieren, um Störungen, die Fortschritt sicher stellen sollen, „den Wald wachsen lassen“, wie er es gerne nennt."  

oder
"...Der Form halber bezeichne ich die Folgen als unabsehbar und leicht seiner Kontrolle entgleiten können."

Von daher bin ich nicht sicher, ob ich den Sinn der Geschichte richtig verstehe.


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Gruß von Karolin
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Tjana
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BeitragVerfasst am: 20.10.2018 17:38    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, aber ich verstehe weder die Metapher noch den Sinn der ganzen Aktionen, die "der Held" veranlassen soll.

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Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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menetekel
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Beiträge: 2029
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BeitragVerfasst am: 22.10.2018 17:32    Titel: Antworten mit Zitat

"In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod",
fällt mir dazu ein. Vielmehr noch ein Sich-Heraushalten oder gar die Manipulation aktiverer Mitbürger unter dem Vorwand der Rechtswahrung. Nicht ohne sich  selbst "einer höheren Macht" zugehörig zu fühlen: ein willfähriges, glückliches Werkzeug.

Nahe der Realität geschrieben und mit leichtem Sarkasmus gewürzt.
Und es gefällt mir, wie du landläufige Klischees bedienst, ohne ins Platte zu fallen.
Ebenso dein pragmatisches Finale:

Zitat:
Diese Last, keine Meinung zu haben und gesund bleiben zu wollen. Kurz vor den Achtuhrnachrichten schalte ich ab und gehe ins Bett. Ich muss fit sein für eine eine anstrengende Arbeitswoche.


Angetan
m.


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Alles Amok! (Anita Augustin)
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Eliane
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 760



BeitragVerfasst am: 23.10.2018 21:26    Titel: Antworten mit Zitat

Liest sich weitgehend flüssig, das Bild der Gesellschaft klingt durch, ohne zu beschreibend zu sein.

Zitat:
scheint nur noch durch seinen Willen zu funktionieren, ab und zu sein Wohnbüro in 150 Metern Höhe verlassen zu können, ohne tausende von Stufen hinabzusteigen

Hier verliere ich mich im Satz. Der ist mir etwas zu verquer formuliert.

Zitat:
manchmal müsse etwas an den Wurzeln nagen, um Gaias Überleben zu sichern.

Von Nietzsche verstehe ich nicht viel, aber über die Gaia-Hypothese habe ich gerade ein sehr interessantes Buch gelesen und finde sie in Deinem Text zumindest nicht in der dort beschriebenen Form wieder. Was ich leider auch nicht wirklich finde, ist der Wald, trotz der Wurzeln, die Du hier nennst und dem "Wald wachsen lassen" an anderer Stelle. Sorry!

Einen Punkt gibt es trotzdem.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2834

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 25.10.2018 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!


Zitat:
Da ich weder eine Meinung besitze noch meine psychisches Gleichgewicht zu verlieren trachte, habe ich beschlossen, ein Werkzeug zu sein, ein Bote von ihm, der mich in diesem Sinne erzog.


Zitat:
Als am Sonntag im Fernsehen die Autos brennen, Menschen in bläulich schimmernden Designeranzügen und rötlichen Gewändern ihre Wut in die Mikrofone schreien, als alle Kanäle von Berichten über die ersten Todesopfer der Ausschreitungen und Verhaftungen von Flugzeugpassagieren dominiert werden, da spüre ich sie wieder, diese Last. Diese Last, keine Meinung zu haben und gesund bleiben zu wollen.


Diese beiden Passagen scheinen für mich von zentraler Bedeutung für den Protagonisten und auch für den Text zu sein und so, wie sich mir der Prota verkaufen möchte, so unglaubwürdig und zu dick unter der Nase reibend trägt er es mir zu Beginn und am Ende auf, dass ich ihm das Pseudointellektuelle und seine Last, die er spürt, nicht abnehme. Er hat sich bewusst für seine Tätigkeit entschieden und sieht die Vorteile seiner Meinungslosigkeit und seines Opportunismus. Niemand zwingt ihn dazu. Was es mit der Aussage "gesund bleiben zu wollen" auf sich hat, weiß ich nicht. Inwiefern würde er krank werden, würde er nicht für seinen Arbeitgeber arbeiten? Wenn dies ein Kniff ist, um den Charakter mehrdimensional und/oder gebrochen zu zeigen, so geht der für mich leider nach hinten los.

Was die Wettbewersvorgaben angeht, so scheint das Gedicht
Zitat:
Der Pfad ist zu gewunden.
Die Geräusche zu laut.
Das Licht zu hell.
Die Stille zu leise.
Die Nächte zu dunkel.
Das Leben zu kurz.
Nichts zu erkennen.
Nichts zu verstehen.

Der Wald ist viel zu voll von Bäumen.

mehr Pate gestanden zu haben, als das eigentliche Thema "Wald, ohne Bäume".
Egal. Schwamm drüber. Das gab es reichlich Texte, die sich mehr am Gedicht orientierten.

Punkte? Wir werden sehen.

Merci beaucoup.
Constantine
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Malaga
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 833



BeitragVerfasst am: 26.10.2018 13:12    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich gefällt mir der Text ganz gut, auch die Erzählstimme, die Sprache. Aber ich finde den Wald nicht. Trotzdem Punkte.
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