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Babella
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 55
Beiträge: 600

Das goldene Aufbruchstück Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 13.09.2015 18:00    Titel: Logenplatz eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das erste Klappern kündigt wie üblich das Kommen von Dr. Grünschmidt an. Er ist sehr stolz darauf, morgens der erste zu sein. Auch heute lässt die Tür, durch die er aus der Parkgarage heraus das Schulgebäude betritt, einfach aus der Hand fallen. Es ist eine schwere Feuerschutztür, aber sie macht nicht so einen Radau wie die Holztüren an den Klassenzimmern. Als könnte ich mich durch einschleichende Dosierung – so würde es mein Hausarzt ausdrücken – an den Lärmpegel gewöhnen, der von nun an ständig anschwillt.
Dr. Grünschmidt grüßt in einer Art, die sagt: Ich bin hier nicht Oberindianer, aber fast, und du bist der Chef über das Reinigungspersonal, auch eine Art von Karriere.
Ich grüße zurück, das ist mein Job. Die Lehrer sagen immerhin Guten Morgen. Die Schüler grüßen selten, eigentlich nur, wenn sie zu mir geschickt wurden, um einen neuen Schwamm zu holen oder weil Kartons benötigt werden. Oder weil die Toiletten mal wieder unbenutzbar sind.
Meine Liste ist lang. In der zweiten Etage ist eine Tür kaputt, in der vierten muss ich nach dem Fenster am Gang schauen. Die Feuerwehr hat sich für 11 Uhr angesagt, um den nächsten Probealarm zu besprechen, und im Lehrerzimmer ist eine Lampe auszuwechseln.
Frau Schaubert kommt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man auf so hohen Absätzen laufen kann, aber sie denkt wohl, dass sie dadurch schlanker wirkt. Als könnte man ein Doppelkinn durch Stöckelschuhe korrigieren. Sie ist nett; der erste Kaffee, den sie in der Nische im Sekretariat kocht, ist für mich. Auch heute.
„Haben Sie schon gehört?“, beginnt sie, „die Ministerpräsidentin kommt nächste Woche zum Jubiläum.“
„Oh“, ich nehme einen Schluck; ihr Kaffee ist stark und gut. „Da muss ich mal gucken, wo der rote Teppich liegt. Müsste man wohl noch mal drübersaugen.“
Im Moment sind alle aus dem Häuschen wegen dieser Hundertjahrfeier. Sie fahren mit den Rollwagen voller Material über die Flure, hängen überall Plakate auf und üben Treppentänze, bei denen wüste Formationen gebildet und auch akrobatische Darbietungen einstudiert werden, die gern auch in den Pausen geübt werden, wenn kein Lehrer dabei ist. Ob das alles so erlaubt ist? Ich sage ja nichts. Obwohl, sie müssen mir Folge leisten, das steht in der Schulordnung. Sie müssen gehorchen, wenn ich ihnen sage, dass sie nicht im Hof rauchen und keine Kaugummis unter die Fensterbänke kleben dürfen.
Nach und nach treffen die anderen ein und das Getrappel und Geschwatze geht los. Bis es klingelt und alle in ihren Räumen verschwinden.
Sie lernen hier vieles, aber nicht, wozu eine Türklinke gut ist. Manchmal möchte ich nach oben gehen, mich vor die Klassen stellen und es erklären so wie der Mathelehrer die binomischen Formeln erklärt und der Geschichtslehrer die französische Revolution.
Um Viertel nach acht ist Ruhe. Ein paar Verspätete huschen noch über die Flure, und dann ist es zumindest bei mir in der Hausmeisterloge still. Ich kann meinen Wachposten verlassen. Die Sträucher vorn am Schulhof müssen gestutzt werden. Ich schließe gerade ab, da kommt ein Mädchen auf mich zugestürzt.
„Kommen Sie schnell, Herr Albach, schnell. Vanessa sie hat …“
Sie schnappt nach Atem, völlig außer sich.
Wir rufen Frau Schaubert und folgen der Schülerin; sie führt uns in den roten Turm, wo Vanessa reglos am Boden liegt, seltsam verdreht, die Arme im Rücken, die Beine, als wolle sie laufen, der Kopf seitlich geknickt.
„Was ist hier passier?“, fragt Frau Schaubert schroff. Ich wähle schon die Nummer vom Notarzt.
Das Mädchen druckst herum und stottert. Sie haben wohl eine Formation geübt. Ihre Geschichtslehrerin war zu spät und da …
Ein Handstand auf dem Geländer. Die spinnen doch.

Manchmal gehe ich während der Stunden durch die Flure. Ich bin leicht, ich kann fast lautlos gehen. Die Türen sind alle zu, zugeschlagen, unfreundlich, abweisend.
Ich tue, als würde ich die Scharniere überprüfen, und dabei lausche ich auf das, was drinnen passiert.
Es ist so lange her. Ich habe damals nichts verstanden und heute verstehe ich auch nichts, und dann klappen die Türen und ich bin da, wo ich hingehöre: Draußen.

Ich hocke neben Vanessa und versuche, sie anzusprechen. Sie reagiert nicht. Frau Schaubert wirkt wackelig auf den Beinen, die Schülerin hat angefangen zu weinen.
Wiederbeleben? Herzmassage?
Der Notarzt am Telefon verneint. Nichts tun, warten. Sie sind gleich da.
Grünschmidt kommt. Er schickt das Mädchen weg. Da kommt die verspätete Geschichtslehrerin. Sie wird Ärger bekommen. Was für ein Tag.
Der Notarztwagen kommt mit Blaulicht auf den Schulhof gefahren. Der darf das. Alles geht sehr schnell. Tropf, Bahre, Untersuchung; Vanessa verschwindet im Krankenwagen. Es ist nicht lustig.
Grünschmidt geht, um die Eltern anzurufen. Frau Schaubert guckt mich hilflos an und stöckelt davon.
Ich will zurück in die Hausmeisterloge, um die Heckenschere zu holen. Aber meine Arme fühlen sich unendlich schwer an.

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Jack Burns
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 48
Beiträge: 1559



BeitragVerfasst am: 14.09.2015 22:25    Titel: Antworten mit Zitat

Sorry, ich kriege keine guten Kommentare hin. Deshalb von mir nur die Wertung. Ich hab mich an den Vorgaben und meinem Geschmack orientiert. Wenn beides passt gibt es Punkte.
Viel Glück!


_________________
Monster.
How should I feel?
Creatures lie here, looking through the windows.
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Tjana
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 58
Beiträge: 1863
Wohnort: Inne Peerle


BeitragVerfasst am: 15.09.2015 00:20    Titel: Antworten mit Zitat

Was bleibt hängen?
Schule, Hausmeister, der sich von rücksichtslosen Schülern gequält fühlt

Die Bedeutung des verunglückten Kindes verstehe ich nicht.

Bezug zum Thema? Hmmm, bisschen dünn


_________________
Wir sehnen uns nicht nach bestimmten Plätzen zurück, sondern nach Gefühlen, die sie ins uns auslösen
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten (Albert Einstein)
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Seraiya
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 914



BeitragVerfasst am: 15.09.2015 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

Der Text konnte mich leider nicht halten und hat mich sehr schnell verloren.
Hat es nicht in meine persönlichen Top Ten geschafft.

LG,
Seraiya


_________________
Einen Dummkopf erkennt man daran, dass er alles abtut, was er anhand eigener Erfahrungen nicht erklären kann.
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2292



BeitragVerfasst am: 15.09.2015 15:25    Titel: Antworten mit Zitat

Aufgabenstellung:
Zitat:
Bleibe thematisch sehr eng an den vorgegebenen Zeilen von Bernhard - der Bezug zum Zitat muss inhaltlich klar und deutlich zu erkennen sein


Türen ja, allerdings verschlossene. Und wenn sie dann wirklich zugeschlagen werden, dann sind sie eher Teil eines zu hohen Geräuschpegels als Anlass für eine Verärgerung.

Titel
Hat zwar eine schöne Doppeldeutigkeit, aber ob er tatsächlich tragend ist? (Wobei ich mich die ganze Zeit frage, was unter einem Titel zu verstehen ist, der die Geschichte trägt. Jede wirklich gute Geschichte würde vermutlich auch ohne Titel funktionieren) Zudem impliziert Logenplatz einen Blick von außen und der Hausmeister ist, selbst wenn er sich als Außenseiter sieht, doch immer Teil des Geschehens.

Die Story
Eindrücke eines Schulalltags, ein tragischer Unfall, Reflektionen des Hausmeisters über seine persönliche Situation, eine Direktorin auf High-Heels, die den Kaffee selbst kocht, ein Herr Dr. Grünschmidt, der, nachdem er an prominenter Stelle (Textanfang) erwähnt wird, im Verlauf des Texts keine größere Rolle mehr spielt [okay, das war jetzt nicht ganz fair], dazwischen verstopfte Klos und auszuwechselnde Glühbirnen. Ach ja, die Feuerwehr kommt auch noch und der Ministerpräsident hat sich angesagt. Dies alles steht zusammenhanglos nebeneinander.

Und das ist meiner Meinung nach die Schwäche der Geschichte. Der Autor scheint nicht wirklich zu wissen, was er denn erzählen will. Stoff genug ist vorhanden. Der selbstmitleidige, aber durchaus sympathische Hausmeister, der tragische Sturz der Schülerin; aber all das geht irgendwie unter in einem Einheitsbrei aus Schulalltag, bunt zwar, aber irgendwie unter Grauschleier.

Edit:
Am Ende gehört dieser Text zu den zwei oder drei, die es knapp nicht in die Punkteränge geschafft haben.


_________________
"Von Literatur verstehen Autoren so viel wie Vögel von Ornithologie." (Marceel Reich-Ranicki)

„Ist es nicht idiotisch, sieben oder gar acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann?“ (Mark Twain)
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hobbes
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 2983

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 15.09.2015 15:38    Titel: Antworten mit Zitat

Tja. Wieder kein Text für mich.

Handwerklich störender Kleinkram, vielleicht auch der begrenzten Zeit geschuldet, aber vor allem bleibe ich am Ende des Textes zurück und bin ziemlich unberührt.
Zitat:
Es ist nicht lustig.

Sagt er. Aber das kommt nicht an. Beim Leser, bei mir.

Ein besonderes Rätsel ist mir dieser Abschnitt hier:
Zitat:
Manchmal gehe ich während der Stunden durch die Flure. Ich bin leicht, ich kann fast lautlos gehen. Die Türen sind alle zu, zugeschlagen, unfreundlich, abweisend.
Ich tue, als würde ich die Scharniere überprüfen, und dabei lausche ich auf das, was drinnen passiert.
Es ist so lange her. Ich habe damals nichts verstanden und heute verstehe ich auch nichts, und dann klappen die Türen und ich bin da, wo ich hingehöre: Draußen.

Was soll dieser Zwischeneinschub? Er lenkt ab, führt aber zu nichts, zumindest sehe ich darin keinerlei Mehrwert für den Text.

Im Grund steht er für mich ein wenig sinnbildlich für den ganzen Text - er (der Text) schwankt von hier nach da, plötzlich hört er auf und man fragt sich, was jetzt eigentlich das Dahinter, das Thema ist. Und ob es eins gibt.
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Nihil
{ }

Moderator
Alter: 28
Beiträge: 7432



BeitragVerfasst am: 17.09.2015 15:58    Titel: Antworten mit Zitat

Das gefällt mir gut. Beim Unteroberindianer Grünschmidt musste ich tatsächlich an den Hausmeister an meinem Gymnasium denken; der hat sich aber eher wie Christoph Columbus gefühlt. Herr Arbach aber scheint ein anderer Typ zu sein. Und ich mag, wie er trotz alles Darstellens seiner Situation eher beiläufig charakterisiert wird. Zu Beginn dachte ich mir: Wie kann Herr Grünschmidt als Erster da sein, wenn Herr Arbach ihn bei der Ankunft grüßt? Dann wiederum könnte das eine, fast schon zu subtile, Anspielung darauf sein, dass der Hausmeister nicht zählt. Es zählen eben nur Lehrer. Durch das neugierige Lauschen an der Tür, durch das Eingständnis, dass er nie der Hellste war, durch die sardonische Bemerkung, dass er zum Besuch der Ministerin den roten Teppich mal wieder grundreinigen müsste. Auch wenn er von den Schülern nicht als Respektsperson wahrgenommen wird, sondern eher als Materialausgeber, zeigt er sich verlässlicher als die Lehrer. Gedankt wird es ihm nicht. Die zugeschlagenen Türe versteht er als Signal an ihn, fühlt sich dadurch ausgeschlossen und verletzt. Der Alltag geht so seine Wege und auch ein außergewöhnliches, wahrscheinlich und hoffentlich erstmaliges Ereignis kann den Verlauf anscheinend nicht aufbrechen. Die Schülerin, die im schlimmsten Fall gelähmt sein könnte, wird genau so „abgearbeitet“ wie das Stutzen der Hecke – auch wenn ihm das zuletzt sehr schwer fällt. Widerwillig, aber machtlos übergibt sich der Hausmeister dem Trott. Hinter allem steckt aber Frustration und Melancholie, die ihn mir sehr sympathisch machen.

Zudem muss ich herausstellen, dass das Türenschlagen hier sehr gut umgesetzt wurde. Die Türen knallen ständig, nicht nur einmal, und haben einen nachhaltigen Effekt auf den Protagonisten. Schön.
Zu bemängeln gäbe es einige Kleinigkeiten wie Flüchtigkeitsfehler hier und da, auf die es beim FFF nicht ankommt. Warum die Schüler nicht lernen, wozu eine Klinke gut ist, erschließt sich mir im Zusammenhang nicht usw. Aber wie gesagt, eigentlich Kleinkram.

Aus der Gewitterwolke über Herrn Arbachs Kopf kommt mit Sicherheit der ein oder andere Punkt gehagelt.
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Merope
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 746
Wohnort: Am Ende des Tals
Der Goldene Käse


BeitragVerfasst am: 17.09.2015 16:13    Titel: Antworten mit Zitat

- Thema erfüllt: Bin mir im Zweifel, ob das Thema getroffen ist.
- Originalität: Ganz gut.
- Form: Ok.
- Passt der Titel: Ja, schon
- Bleibt etwas davon im Gedächtnis: Nicht so sehr
- Wie hat's mir gefallen: Mäßig
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Drakenheim
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Wohnort: Daheim


BeitragVerfasst am: 19.09.2015 15:10    Titel: Antworten mit Zitat

Schöner Text, gut geschrieben. Ehrlich gesagt, als Schülerin habe ich mir auch keine Gedanken über den Hausmeister und sein Befinden gemacht.

Themenvorgabe insofern eingehalten, dass die geschlossenen Türen ihn außen vor lassen. Aber so richtig ruiniert war sein Tag erst, als das Mädchen zu Boden schlug.
Über den Titel habe ich gerade zweimal nachgedacht. Hausmeisterloge, hab's kapiert.
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BlueNote
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Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 19.09.2015 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

Beachtlich, was in dieser Geschichte alles steckt. Eigentlich auch Höchstpunktzahl, aber man kann sie ja unsinnigerweise nur einmal vergeben.
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Nina
Bestseller-Autor


Beiträge: 4122



BeitragVerfasst am: 19.09.2015 22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Nur ganz kurz: Gefällt mir, die Geschichte von dem kauzigen Hausmeister. Flüssiger Stil. Runde Geschichte. Türen sind auch drin. Schön, dass Du mitgemacht hast.

Das hat mir besonders gefallen:
Zitat:
Manchmal gehe ich während der Stunden durch die Flure. Ich bin leicht, ich kann fast lautlos gehen.
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Literättin
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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Das silberne Stundenglas Der goldene Roboter
Lezepo 2015 Lezepo 2016


BeitragVerfasst am: 20.09.2015 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ich gebe zu: diese Geschichte von einem Hausmeister, der am Rande einer Art geschlossenen Gesellschaft steht: ich verstehe sie nicht im Zusammenhang mit dem gestellten Thema.

Hier scheinen mir zwei unabhängig voneinander funktionierende Geschichten zu einer zusammen gebastelt worden zu sein, was gefühlt am FFF-Zeitdruck gelegen haben mag.

Jedenfalls verspüre ich hier beim Lesen eine ähnliche "Schreibnotsituation" wie die, die ich beim Verfassen meiner eigenen Anfangsidee verspürt habe. Eine Art in der Mitte hängen bleiben und sich kurz verhaspeln bei dem Gedanken: und wie jetzt weiter?

Das bleibt aber meine rein persönliche Spekulation, mit der ich völlig daneben liegen kann.

Wie auch immer: hier scheint mir das dramatische Ende nicht zum Anfang und irgendwie auch nicht zum Titel zu passen. Und die zugeschlagenen Türen führen zudem auch noch ein "literarisch paralleles Eigenleben".

Einerseits geht es um den isolierten, missachteten Hausmeister in dieser um sich selbst kreisenden Welt der um den eigenen Erfolg bemühten Einzelkämpfer. Und dann um dieses Drama mit dem durch überzogenen Ehrgeiz und Nachlässigkeit der Verantwortlichen verursachten Unfall des Mädchens.

Beides für mich voneinander unabhängige Geschichten.

Für den ambitionierten Einstieg und die doch noch erkennbare Ausgangsidee hätte ich vielleicht noch das ein oder andere Pünktchen vergeben. Leider hatte ich an dieser Stelle aber nur noch rein geistige Anerkennungspunkte. Von diesen denke dir drei. Auch wenn sie dir für den Wettbewerb nichts nützen.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2605

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 20.09.2015 15:34    Titel: Antworten mit Zitat

Bonjour!

Ein Hausmeister, der den morgendlichen schulischen Betrieb beobachtet und seine Gedanken über die Lehrerschaft und seine Tätigkeiten mitteilt und dessen Tag durch einen Vorfall mit einer gestürzten und ohnmächtigen Schülerin "ruiniert" wird.
Auch wenn mir das Bild der zuschlagenden Türen etwas zu dick aufgetragen vorkommt, vor allem im Falle der Klassenzimmertüren, hat mir dein Beitrag gut gefallen. Die Aufgabenstellungen hast du gut umgesetzt und eine runde, überzeugende Geschichte geschrieben.
Der Titel gefällt mir sehr gut, Logenplatz, der Hausmeister als Beobachter und (tragischer) Außenseiter kommt gut rüber.

Du bist in meiner Top Ten:six points.

Merci beaucoup.

Constantine
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Jenni
Geschlecht:weiblichNebelpreisträger


Beiträge: 3727

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 22.09.2015 20:06    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Geschichte ist da ja schon erzählt. Und lebendig wird der Hausmeister auch für mich, der da von seinem Tag berichtet.
Wenn es aber ums Thema geht - da scheinst du mir etwas den Fokus verloren zu haben. Da ist der Lärmpegel an sich, Türenschlagen unter anderem, der ihm das Leben schwer macht. Dann ist da noch die Tatsache, dass die geschlossenen Türen der Klassenzimmer ihn an seine gefühlte (gesellschaftliche) Ausgrenzung erinnern. Aber eigentlich geht es um etwas anderes.

Ich finde den Text und die Figur interessant. Im Kontext des Wettbewerbs sehe ich andere Texte weiter vorne.
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tronde
Hobbyautor


Beiträge: 405

Das goldene Aufbruchstück Das silberne Niemandsland


BeitragVerfasst am: 22.09.2015 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Die Hausmeister-Idee ist gut, nicht der Lärm in den Pausen, sondern das Türeschlagen nervt, weil er sich ausgeschlossen fühlt. wozu der Einschunb mit Vanessa da ist, erschließt sich mir nicht.
Titel/Text: ja
Zitat: ja

Grüße
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Michel
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1566
Wohnort: Südwest
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 23.09.2015 08:00    Titel: Antworten mit Zitat

Verträgt noch Schliff.
Hausmeister beobachtet die Schulgemeinschaft aus seiner besonderen Position heraus. Wo ist die eigentlich? Im Sekretariat oder im Kabuff gegenüber der Tiefgarage? Der Text lässt widersprüchliche Bilder entstehen.
Was mich einfängt, sind Sätze wie "... ich bin, wo ich hingehöre. Draußen." Das Symbolhafte der geschlossenen Türen, das ihm eine Rolle "draußen" zuweist.
Die zwei Schwerpunkte (Betrachtung seiner Position in der Schulfamilie; Unfall) sind eigentlich fein miteinander verschränkt: Allmähliche Einführung des Unglücks durch Beschreibung der Formationen auf der Treppe. Da weist noch nichts auf die Katastrophe hin, aber alles fügt sich am Ende zusammen.
Das abrupte Hin- und Herschalten zwischen den beiden Foki schadet allerdings dem Text. Hier fände ich eine Überarbeitung sinnvoll, die die Kanten gut vernäht.
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shatgloom
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BeitragVerfasst am: 23.09.2015 15:57    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt der Text, mir gefällt der Titel. Ich finde nur, das Thema ist hier zu wenig umgesetzt. Anfangs schlägt eine Tür, danach auch ab und zu oder sie sind zu.
Aber ich sehe hier nicht, das das Zuschlagen der Tür den Tag des Hausmeisters ruiniert. Irgendwie ist das Zuschlagen der Türen nicht wichtig für die Geschichte.
Die Story an sich gefällt mir ganz gut und mit einer anderen Vorgabe hätte ich sie besser bewertet.


_________________
Gruß von Karolin
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Violet_Pixie
Geschlecht:weiblichHobbyautor


Beiträge: 446
NaNoWriMo: 20863



BeitragVerfasst am: 25.09.2015 08:56    Titel: Antworten mit Zitat

Eine traurige Geschichte, mit einem Funken Wahrheit.

Menschen, die aufgrund ihres Jobs zweitklassig behandelt oder gar komplett ignoriert werden ...

Thema über Umwege getroffen.
Titel ist in Ordnung.

LG
Violet
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nebenfluss
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 3550
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 25.09.2015 11:55    Titel: Antworten mit Zitat

Eine zunächst ganz harmlos daherkommende kleine Geschichte, die sich beim zweiten Mal spannender liest als beim ersten. Das ist schon mal kein schlechtes Zeichen.
Beim ersten Durchgang fand ich es noch schwer mich zu orientieren. Mir war unklar, ob ich mich nun für die Stellung und den Berufsalltag dieses Hausmeisters interessieren soll oder für das verunglückte Mädchen. Beim zweiten Durchgang hat sich das alles mehr zu einer Einheit gefügt, und die Türen passen auch prima rein.
Interessant auch (für mich jedenfalls), dass es egal ist, welches meiner ausprobierten Bewertungsmaßstäbe ich anwende: Dieser Text landet immer auf dem gleichen Platz: dem vierten. Dann soll es wohl so sein.


_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Nathan Pascal
Geschlecht:männlichSchreiberassi

Alter: 25
Beiträge: 36



BeitragVerfasst am: 26.09.2015 04:45    Titel: Antworten mit Zitat

Okay, Kommentar, Zeit, Wertung:

1. Inhalt und Sprache

Sprachlich sehr normal und unauffällig (um nicht das Wort gewöhnlich zu nutzen, welches eigentlich unberechtigterweise einen negativen Beigeschmack hat), aber in Anbetracht des Erzählers erschiene alles andere auch unpassend (und gewöhnlich damit dann doch wieder akzeptabel.)

Mir gefällt, wie vielleicht am besten von allen Beiträgen des Wettbewerbs, das Zugeschlagen-Werden der Türen nicht allein als leidvoller Faktor behandelt wird, sondern vielmehr ihre Wirkung, durch das Abweisende und die Distanz, was sich in dem (hoffentlich wirklich implizierten und nicht nur von mir interpretierten) niedrigen Bildungsgrad und Selbstbewusstsein des Erzählers widerspiegelt, was letztlich zu dem Unfall führt, da der Erzähler sich nicht traut, den Schülern die Übungen zu verbieten.
Hier verbindet sich die tatsächliche und die metaphorische Ebene des Türenschlagens besonders gut miteinander und mit dem Textinhalt. Finde ich.

Lediglich, wie der Teil, der das Außenvorstehen näher behandelt, in den Textfluss eingearbeitet ist, wirkt auf mich etwas holprig und unglücklich- wenn nicht gar nachträchlich - eingefügt.

2. Thema und Titel

Ja... zum Thema habe ich mit bei 1. schon geäußert, fürchte ich.

Der Logenplatz als Titel gesellt sich wieder exzellent zu der Zuschauerrolle und dem Ausgeschlossen-Sein, dem sich der Erzähler ausgesetzt sieht. Ebenfalls toll gewählt.


Wertung:
Wertung? Achja... hat noch jemand nach so vielen bewerteten Texten das Gefühl, sich immer zu wiederholen?
Guter mittlerer Punktebereich, vielleicht sogar unterer guter Punktebereich, wird sich letztlich im Vergleich mit der Konkurrenz erweisen. Würdigung enthalten.

Wiederholt
Nathan Pascal
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halcyonzocalo
Geschlecht:männlichEinsamer Trancer

Alter: 28
Beiträge: 1252
Wohnort: Irgendwo im Nirgendwo


BeitragVerfasst am: 26.09.2015 15:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hey, diese Geschichte gefällt mir ziemlich gut. Leider habe ich während des Lesens ununterbrochen das Gesicht des Hausmeister aus Scrubs vor Augen gehabt. Laughing Der Hausmeister, den fast niemand bemerkt, der nicht wertgeschätzt wird, der sich selbst als Nicht-Teil der Schulgesellschaft fühlen muss und die Lehrer, Direktoren argwöhnisch beobachtet -das kommt hier meiner Meinung nach sehr gut rüber. Besonders der Schreibstil gefällt mir hier gut - nüchtern und teilweise emotionslos einerseits und gleichzeitig schwingt da aber immer so eine Melancholie mit; das ist sehr gelungen. Auch der Titel passt hier wunderbar. Insgesamt also ein wirklich schicker Beitrag, der sicherlich auch von meiner Seite bepunktet wird.

Edit: Ich habe deinem Text 7 Punkte gegeben. Mein Sieger stand direkt fest, bei den Plätzen 2-4 ist mir die Entscheidung sehr schwer gefallen. Aber ich denke, ein vierter Platz ist auch nicht schlecht, oder? Wink


_________________
Die minimaldeterministische Metaphernstruktur mit ihrer mytophoben Phrasierung spiegelt den ideeimmanent abwesenden Bedeutungsraum.
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holg
Geschlecht:männlichDichter und Denker


Beiträge: 1406
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 27.09.2015 12:57    Titel: Antworten mit Zitat

Schulhausmeisters Leid.
Nicht nur, dass die Kinder Türen zufallen lassen, auch hoher Besuch hat sich angesagt und es git einen Unfall, weil eine Schülerin ein Kunststück trainiert.
Und haben Herr A. und Frau S. da nicht einen Moment?

Irgendwie eine hastige Seifenoper, die ein bisschen viel will für einen so kleinen Text.

Sehe gute Ansätze, aber mehr Konzentration auf das eigentliche Thema (?????) täte gut.

Titel ist gut.


_________________
Froh zu sein bedarf es wenig.
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