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vergangen


 

 
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wortklang
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 18
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 09/01/2018 15:12    Titel: vergangen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

vergangen

wellen umspülen
gebrochene träume
blicke durchwühlen
die zwischenräume:
deine hand reicht nicht
in meine geschichte
ich bin gierig nach wechsel
wir bescheinigen uns sicherheiten
die nass von der leine tropfen

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Monochrom
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 490



BeitragVerfasst am: 10/01/2018 06:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,

gerne gelesen.

Da befindet sich viel auf Metaebenen. Das ist gerade so die Grenze, wo mancher schon behaupten könnte, dass der Text kryptisch und unverständlich wird.

Vorschlag. Mehr nachvollziehbare Bilder erschaffen.

vergangen

Zitat:
wellen umspülen


Welche Wellen? Meer? Fluss? Woher kommen sie?

Zitat:
gebrochene träume


Wie können Wellen gebrochene Träume umspülen? Sind es keine Wellen aus Wasser? Mir fallen keine Wellen ein, die Träume umspülen können.
Da befindet sich der Bildbruch, der weder vorbereitet, genügend ausgeschmückt wird, noch durch einen Zusammenhang klar wird.
Ich wette, an diesem Punkt steigen viele Leser schon aus.

Der restliche Text gefällt mir gut. Jedoch sehe ich keinerlei Zusammenhang zu den gebrochenen Träumen, noch zu dem Bild der Hand, die nicht in eine andere Welt passt.

Der Text ist zusammenhangslos, jedoch finden sich gute Formulierungen, die sich lohnen, weiter bearbeitet zu werden.

Grüße,
M.


_________________
Keine Ahnung, wo ich bin, aber die Worte schmecken.

@wortwegblog
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wortklang
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 18
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 11/01/2018 18:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lieber Monochrom,

Danke für Deine kritische Lektüre.

Ich versuche mal, durch ein paar Gedanken die Zusammenhänge klarer werden zu lassen:

Das Bild zu Beginn: Da liegen schwere Steine oder Totholz im Wasser, am Flussrand oder am Meeresufer, die Wellen umspülen sie. Metaphern für den Gegensatz von Lebendigem und Totem ("gebrochene träume"), oder für Trauertränen und Erinnerungen.

Doch da ist auch noch die Suche des LyrI: Zwischen den schweren Brocken fließt es ja; vielleicht lohnt es sich, dort, wo noch etwas lebt zwischen Ich und Du, mit  "blicke(n zu) durchsuchen".

Dann das Ergebnis: "Deine hand reicht nicht / in meine geschichte"; konsequenterweise will das LyrI einen "wechsel".

"sicherheiten" reichen nicht als Beziehungsfundament; sie beschränken sich auf Alltag, ständige Wiederholungen, - im Bild der "wäsche", mit Bezug zu den Wasser-Bildern zu Beginn.

LG wortklang
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Perry
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 65
Beiträge: 1671



BeitragVerfasst am: 13/01/2018 15:50    Titel: Hallo wortklang, Antworten mit Zitat

ich bin ein Fan von nachvollziehbaren Bildebenen, damit die eingebettete übertragene Aussage ohne Störung auf ihr treiben kann.
Deinem Komm entnehme ich, dass Du eine wassergetragene Gedankenebene im Sinn hattest, die ich mal versucht habe etwas deutlicher einzubringen. Vielleicht ist ja eine Anregung für Dich dabei:

vergangen

wellen umspülen
gestrandete träume
blicke durchpflügen
die zwischenräume:
unsere handzeichen
erreichen sich nicht mehr
ich bin gierig nach wechsel
schlägen bescheinigen uns
von der leine tropfende sicherheit

LG
Perry
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor


Beiträge: 4889
Wohnort: Irland
Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 13/01/2018 22:28    Titel: Antworten mit Zitat

Für mich ist da schon was vorbei. Deswegen lese ich eigentlich so:

wellen umspülen
gebrochene träume
blicke durchwühlen
die zwischenräume:
deine hand reicht nicht mehr
in meine geschichte
ich bin gierig nach wechsel
wir bescheinigten uns sicherheiten
die nass von der leine tropfen
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Monochrom
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 490



BeitragVerfasst am: 14/01/2018 16:37    Titel: Antworten mit Zitat

Welchen Zusammenhang haben das Wasser und die Zwischenräume?

Wenn der Text als Hauptelement das Wasser beinhaltet, dann würde ich anstelle von Zwischenräume ein anderes Wort verwenden...

Wasser hat keine Zwischenräume!

Grüße,
Monochrom


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Keine Ahnung, wo ich bin, aber die Worte schmecken.

@wortwegblog
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purpur
Autor


Beiträge: 656



BeitragVerfasst am: 14/01/2018 19:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo wortklang,


Zitat
"vergangen

wellen umspülen
gebrochene träume
blicke durchwühlen
die zwischenräume:
deine hand reicht nicht
in meine geschichte
ich bin gierig nach wechsel
wir bescheinigen uns sicherheiten
die nass von der leine tropfen "


Dein Gedicht finde ich interessant und es gefällt mir. Deine "Analyse"
des "vergangen" in Form der von Dir gewählten Worte war für mich
nachvollziehbar, natürlich, ganz klar, im eigenen Bild- und Erlebnisrepertoir.
Zeile 7 bereitet dort einen gedanklichen Ereignisumschwung, der im Wort
"wechsel" seinen Kulminationspunkt findet, aber vom Wort "gierig"
dominiert wird. Dies zeugt von ungebändigter Leidenschaft, mit einem beinah
bedrohlichen Beigeschmack, gleich einem kurz "nachgesetzten Nackenbiß"!
 Kommt noch was?
HerzlichePpGrüße
Pia
PS... bin nicht fertig,  später mehr.
Mir gefällt auch gut der erzeugte Kontrast zwischen den obigen vier gereimten Zeilen
und anschließenden unteren.


_________________
.fallen,aufstehen.
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Tula
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling


Beiträge: 121
Wohnort: die alte Stadt


BeitragVerfasst am: 15/01/2018 01:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo wortklang

vergangen

Zitat:
wellen umspülen
gebrochene träume
blicke durchwühlen
die zwischenräume:
deine hand reicht nicht
in meine geschichte
ich bin gierig nach wechsel
wir bescheinigen uns sicherheiten
die nass von der leine tropfen


Auch bei diesem habe ich irgendwie den Eindruck, dass bei dir Sprache vor dem (auf Kosten des) Inhalt(s) kommt. Wenn die Träume bereits zerbrochen (ich denke sprachlich übrigens an 'zerbrochen' und nicht 'gebrochen') sind und irgendwo vor der Küste treiben, dann bescheinigen sich die Protagonisten keine Sicherheiten mehr. Oder ich verstehe die Absicht nicht. Ich vermute, dass die hier beschriebene Beziehung noch besteht, aber emotional bereits am Ende ist. So sehe ich das Problem eher am Anfang, zerbrochene Träume heißt bei mir "es ist aus". Ein gelangweiltes Plätschern des Wassers an bereits rundgespülten Steinen wäre bildlich treffender?

Ich würde am Anfang auch auf den Reim verzichten (da es nun mal ein ungereimtes ist).

Nichtsdestotrotz muss auch hier gestehen, dass du in einer sehr schönen lyrischen Sprache schreibst. Dass Blicke (oder Gedanken?) anderswo (durch)wühlen können, finde ich bemerkenswert, auch dass die Hand nicht in die Geschichte (sprich, das Leben, vorhergehende Erfahrungen usw.) des anderen reicht (obwohl sie körperlich da ist), gefällt mir.

LG
Tula


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aller Anfang sind zwei ...
(Dichter und Leser)
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wortklang
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 18
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 19/01/2018 22:11    Titel: vergangen pdf-Datei Antworten mit Zitat

firstoffertio hat Folgendes geschrieben:
Für mich ist da schon was vorbei. Deswegen lese ich eigentlich so:

deine hand reicht nicht mehr
in meine geschichte
ich bin gierig nach wechsel
wir bescheinigten uns sicherheiten
die nass von der leine tropfen



Vielen Dank für Dein Reinlesen und Weiterdenken!
Die Vergangenheitsform ist schlüssig, wenn ich die "gebrochenen träume" erhellen will.

- Doch mir ging es auch um eine Konsequenz: Das LyrI sucht noch in den "zwischenräumen" und sieht, dass das "wir" sich weiterhin nur "sicherheiten" bescheinigt. Diese vergangene und gegenwärtige Situation führt zu dem Wunsch nach "wechsel". Die Vergangenheitsform würde einen anderen Sinn ergeben.

LG,
wortklang
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wortklang
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 18
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 19/01/2018 22:40    Titel: vergangen pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, Tula, für Deine Auseinandersetzung mit meinem Text.
Das ist hilfreich.

- Zitat: Auch bei diesem habe ich irgendwie den Eindruck, dass bei dir Sprache vor dem (auf Kosten des) Inhalt(s) kommt. -

Dein Eindruck beschäftigt mich.
Ich bin manchmal in Gefahr, mich von der Sprache treiben zu lassen, oder anders ausgedrückt: Verstandesmäßig hinter den Worten und Bildern zurückzubleiben; das heißt, ich sitze manchmal vor meinen Texten und frage mich, was da in mir lebt und sich gerade ausgedrückt hat. Der Beweggrund ist immer eine Erfahrung, Gefühle, innere Bilder..., die ich dann zusammenpuzzle. Ich werde mehr darauf achten...

- Zitat: Wenn die Träume bereits zerbrochen (ich denke sprachlich übrigens an 'zerbrochen' und nicht 'gebrochen') sind und irgendwo vor der Küste treiben, dann bescheinigen sich die Protagonisten keine Sicherheiten mehr. Oder ich verstehe die Absicht nicht. -

"gebrochen" finde ich hier angemessener: Da ist noch der Schmerz spürbar; so weit vergangen soll das gar nicht erscheinen.
Man kann in einer Beziehung noch an gemeinsamen "sicherheiten" hängen, auch wenn sonst schon viel zer- oder gebrochen ist. Einer der vielen inneren Widersprüche.

- Zitat: Ich vermute, dass die hier beschriebene Beziehung noch besteht, aber emotional bereits am Ende ist. -

Ja, genau! Und doch ist das Wahrhaben und das Konsequenzen ziehen ein längerer Prozess mit manchmal recht widersprüchlichen Emotionen. Das soll sich in diesen etwas kantigen Versen auch ausdrücken.

- Zitat: So sehe ich das Problem eher am Anfang, zerbrochene Träume heißt bei mir "es ist aus". Ein gelangweiltes Plätschern des Wassers an bereits rundgespülten Steinen wäre bildlich treffender? -
Doch so eindeutig und klar ist das LyrI zunächst nicht.

- Zitat: Ich würde am Anfang auch auf den Reim verzichten (da es nun mal ein ungereimtes ist). -
Das wäre logisch. Andererseits gehören die "träume" und "zwischenräume "  zusammen; in beiden ist oder war Hoffnung und Sehnsucht.

- Zitat: Nichtsdestotrotz muss auch hier gestehen, dass du in einer sehr schönen lyrischen Sprache schreibst. Dass Blicke (oder Gedanken?) anderswo (durch)wühlen können, finde ich bemerkenswert, auch dass die Hand nicht in die Geschichte (sprich, das Leben, vorhergehende Erfahrungen usw.) des anderen reicht (obwohl sie körperlich da ist), gefällt mir. -

Danke, das freut mich sehr!

(Mit der Technik des Forums bin ich noch nicht ganz vertraut Sad  Kommt noch...)

LG
wortklang
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wortklang
Geschlecht:weiblichSonntagsschreiber


Beiträge: 18
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 19/01/2018 22:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

purpur hat Folgendes geschrieben:

Zeile 7 bereitet dort einen gedanklichen Ereignisumschwung, der im Wort
"wechsel" seinen Kulminationspunkt findet, aber vom Wort "gierig"
dominiert wird. Dies zeugt von ungebändigter Leidenschaft, mit einem beinah
bedrohlichen Beigeschmack, gleich einem kurz "nachgesetzten Nackenbiß"!

Mir gefällt auch gut der erzeugte Kontrast zwischen den obigen vier gereimten Zeilen
und anschließenden unteren.


Danke, purpur, für Dein Nachempfinden und -denken des Textes. Sehr schön finde ich, wie Du die Gegensätzlichkeiten beschreibst und die Dynamik bis zum "Nackenbiss"!

LG
wortklang
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