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Zukunft, längst vergangen


 
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holg
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1693
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 03.04.2020 18:00    Titel: Zukunft, längst vergangen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zukunft, längst vergangen

„Weißt du noch“, wird sie sagen, Lina, mit einem wehmütigen Lächeln, während die Kinder um die Büsche herum toben; dem Hund hinterher, der genau wie die Kinder wegen der ersten warmen Sonnenstrahlen völlig aus dem Häuschen sein wird. Der Weg wird der gleiche wie immer sein, zwischen Häusern und Feld, das frisch eingesät auf den Frühlingsregen wartet. Die Hecken werden geschnitten sein, die Rasenflächen vertikutiert. Forsythien und Weißdorn werden blühen, Meisen und Buchfinken durch das Buschwerk huschen.
„Weißt du noch, als wir dachten, es würde alles viel schlimmer kommen? Als wir dachten, die Welt ginge unter?“ Lina wird sich nicht unterhaken, sie wird sich nicht alle paar Sekunden nach den Kindern umsehen und sie ermahnen, dies zu tun und jenes zu lassen. Sie wird wissen, dass es ihnen gut geht, dass sie ein paar Minuten alleine klar kommen. Irgendwo wird eine Amsel tirilieren.
Lina wird Nachbarn begegnen. Den Grapows, die immer noch Hand in Hand die kleine Runde drehen, wie jeden Nachmittag vor dem Kaffee. Wie immer werden sie freundlich lächeln und grüßen. Den Schumanns, die am Wochenende wieder zum Grillen rüber kommen werden, zusammen mit den Knöpfis und den Gediks. Sie werden kurz mit ihr plaudern, erzählen, was ihre Großen gerade machen, und ‚bis Samstag‘ sagen. Vielleicht wird sie Arrouan erkennen, der unauffällig vorbei schwebt, mehr Schatten als Mensch. Nicht dein Ernst, wird Lina denken und lächeln. Und vielleicht wird sie einen Moment lang glücklich sein.
„Wir hatten ja keine Ahnung“, wird Lina sagen.
Doch einen Moment lang wird es wie früher gewesen sein.



Sie war da, Lina. Einer ihrer seltenen Besuche im realen Leben. Wir gingen spazieren, wie früher, den Weg zwischen den Häusern der Siedlung und dem Feld entlang. Kartoffeln wuchsen im Schatten der Photovoltaikflächen. Irgendwelche Ranken verdorrten an den Lattenzäunen, hinter denen sich die Gärten versteckten. Vor ein paar Jahren hatte einer damit angefangen, einen Pool angelegt und einen Zaun hochgezogen. Jetzt surrten die Umwälzpumpen überall. Kein Mensch war draußen unterwegs. Kreislaufwetter. Ozonwarnung.

„Hier hat sich mehr verändert, als ich dachte“, sagte Lina.
„Die Knöpfis wollen sich einen Aufzug einbauen lassen.“
„Die wohnen noch hier?“
„Sind die letzten, die geblieben sind.“
„Außer dir.“
„Außer mir.“
Lina hakte sich unter. Es fühlte sich vertraut an. Selbst nach all den Jahren.

„Du könntest …“, setzte sie an.
„Ich will hier nicht weg.“
„Aber du könntest von überall arbeiten.“
„Ich kann nicht“, wiederholte ich die alte Leier vom alternden Künstler, der wie jeder Dichter, jeder Maler letztendlich nur eines tut, „ich produziere Erinnerungen. Und die hängen an alldem hier.“
„Nichts davon ist echt.“
„Nur, weil es VR ist? Alles daran ist echt. Alles darin ist …“ Der immergleiche, alte Streit. Dieselbe Diskussion. Immer und immer wieder. Die Welt ist um uns herum zerbrochen. Krankheiten. Kriege. Klimawandel. Und wir stritten über nichts anderes. Wir haben uns darüber verliebt, haben uns darüber entfremdet, uns getrennt und wieder zusammen gefunden und wieder getrennt. Haben Anwälte aufeinander gehetzt und nichts von dem unterschrieben, was sie ausgehandelt hatten. Wir stritten. Weil Lina weiter geht und ich verweile. Weil Lina sich entwickelt und ich verharre. Weil Lina die Zukunft gestalten will. Und ich die Vergangenheit verwalte. Weil Lina nach vorne blickt. Und ich immer nur zurück. Selbst wenn ich an die Zukunft denke, scheint sie schon längst vergangen.
„Alles darin ist, was ich bin“, sagte ich.
Und dann schwiegen wir. Meisen huschten durch das Buschwerk.
„Weißt du noch“, sagte sie nach einer Weile, „als du mir diese Erinnerung geschickt hast? Ich war bei diesem Weinbauprojekt in Trondheim. Mit diesen Vögeln und den Kindern, die herumgetollt sind?“
Und einen Moment lang war es wie früher.

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silke-k-weiler
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 45
Beiträge: 510



BeitragVerfasst am: 11.04.2020 19:33    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Texte,

das Umfeld des Protas hat sich verändert. Lattenzäune und Pools, Gärten verstecken sich, Nachbarn ziehen weg oder sind vielleicht sogar gestorben. Kein frisch eingesätes Feld mehr, sondern eine Photovoltaik-Fläche.
Einer in der Erinnerung verhaftet, diese konservierend (so wie sich bei anderen derzeit vielleicht die Ravioli-Dosen stapeln), die andere nach vorne blickend. In ihrer Unterschiedlichkeit begegnen sie sich, streiten sich und versöhnen sich.

Mir gefällt das alles sehr gut, weil es für mich immer noch recht offen ist. Ich finde zum einen das Thema auf einer konkreten Beziehungsebene zwischen zwei Menschen umgesetzt, aber auch mit durchaus aktuellen Bezügen, denn neben Corona gibt es ja noch jede Menge andere Dinge, die uns beschäftigen.

Danke dafür und einmal Punkte bitte!
VG
Silke
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Xeomer
Geschlecht:männlichLeseratte

Alter: 32
Beiträge: 136
Wohnort: Xeothon


BeitragVerfasst am: 11.04.2020 20:37    Titel: Antworten mit Zitat

Erinnerung knallt auf die Zukunft. Das aber wirklich einer mit seiner VR Brille in seinen Erinnerungen schwelgt, kann ich mir aktuell noch nicht so gut vorstellen. Erst wenn wir ein Holodeck haben.

Viele Grüße,
Xeomer


_________________
"Zone 84" Buchtrailer: youtube.com/watch?v=ZygK3Te0jV8
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DLurie
Geschlecht:männlichEselsohr


Beiträge: 350
Wohnort: Zwischen den Stühlen
DSFo-Sponsor Pokapro V & Lezepo III


BeitragVerfasst am: 12.04.2020 10:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

schöne, melancholische Geschichte, die mir auch sprachlich gut gefällt.

Zum Inhalt:
Der Künstler, der in der Vergangenheit verharrt, sich als Verwalter dieser Vergangenheit sieht, indem er schöne Erinnerungen daran in seinem Werk konserviert.
Seine Frau, eine Umweltaktivistin (?), die Zukunft gestalten will und ihrem Mann seine Passivität und Weltflucht  (nichts davon ist echt) vorwirft, was immer wieder zu Konflikten führt.
Ich bin mir nicht sicher, ob in der Geschichte auch Kritik am m.E. doch recht einseitigen Kunstverständnis des Mannes mitschwingt.
   

Meine Wertung: 4 Punkte

LG
DLurie
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RAc
Eselsohr


Beiträge: 412



BeitragVerfasst am: 12.04.2020 12:58    Titel: Re: Zukunft, längst vergangen Antworten mit Zitat

Postkartenprosa hat Folgendes geschrieben:
...


Ein Mann, der sich sein Leben komplett erträumt und in zwei verschiedenen Varianten in einer virtuellen Realität auslebt. In beiden dieser imaginären Welten gibt es eine Frau - Lina -, mit der er in einer der Varianten in einer familiären Idylle lebt, von der er in der anderen aber getrennt lebt. Die erste Variante ist im Futur geschrieben, die zweite aus der Rückwärtsperspektive, so dass die eine als Zukunft der Anderen ausscheidet.  

Die Vorgaben darf man dann als erfüllt ansehen, wenn man Lina als real ansieht, denn ansonsten gibt es keine Begegnung und auch keine Gegnerschaft. Da AutorIn es aber sehr geschickt schafft, LeserIn hinter das Licht zu führen (und somit zwischen Realität und virtueller Welt nicht mehr wirklich unterscheiden kann), sehen wir sie mal als so real wie den namenlosen ihn an (was sie in seiner Welt vermutlich auch ist), und damit ist die Hürde Vorgabentreue erstmal übersprungen.

Ausgestaltung: Eine faszinierende Erzählweise, bei der Zeiten, Handlungen und Welten oszillieren und ineinander verschwimmen. Es braucht eine Weile, bis LeserIn herausfindet, was hier eigentlich passiert. Chapeau! Starke Texte mit viel Gedankenfutter!
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Lapidar
Geschlecht:weiblichBücherwurm

Alter: 58
Beiträge: 3231
Wohnort: in der Diaspora


BeitragVerfasst am: 12.04.2020 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

Diese Geschichte macht mir ein bisschen Angst. Denn wenn sich nichts ändert, könnte es so ausgehen.

_________________
"Dem Bruder des Schwagers seine Schwester und von der der Onkel dessen Nichte Bogenschützin Lapidar" Kiara
If you can't say something nice... don't say anything at all. Anonym.
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a.no-nym
Klammeraffe


Beiträge: 533



BeitragVerfasst am: 12.04.2020 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

dies ist ein neutraler Kommentar, um später ggf. eine Bewertung vornehmen zu können.

Freundliche Grüße
a.
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Amarenakirsche
Geschlecht:weiblichEselsohr

Alter: 27
Beiträge: 332
Wohnort: tief im Westen


BeitragVerfasst am: 13.04.2020 09:46    Titel: Antworten mit Zitat

Inhaltlich gefällt mir dieser Text gut. Es wird deutlich, dass die beiden Protas einfach zu verschieden sind, um zusammenzubleiben. Die Details über diese Zukunftswelt sind gut gelungen.
Den ersten Teil weiß ich nicht ganz einzuordnen. Ist das vergangen? Oder Wunschdenken?
Da der Text von ein paar anderen überholt wurde, gibt es von mir 4 Punkte.
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Susanne2
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 776
NaNoWriMo: 53854



BeitragVerfasst am: 13.04.2020 13:59    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe(r) AutorIn,

eine teilweise bedrückende Atmosphäre mit guten Erinnerungsfetzen als Trostpflaster gespickt. Ein Ehepaar zu Beginn in einer vertrauten und friedlichen Szene, mit Vögeln, Kindern und einem Hund, der herumtollt. Die Erinnerung an schwere Zeiten, die überwunden wurden, sie wirken zufrieden (aber ich frage mich: Wer ist Arrouan?). Und es gibt noch viele Nachbarn, die nach und nach verschwinden.

Im folgenden Teil das Ehepaar am Scheideweg und immer noch überlegend, wie sie das Dilemma lösen können, weil er bleiben und sie gehen möchte – am liebsten jeweils zusammen. Ein Besuch mit Reflexionen. An diesem Punkt erinnern sich beide an die Szene aus dem ersten Teil – und sie empfinden für kurze Zeit die Zufriedenheit, die sie damals empfunden haben. Ob das ausreicht, um wieder gemeinsam in die Zukunft (neu) zu starten?

Wegen sehr vieler guter Einsendungen, kann ich erst am Ende entscheiden, ob und wenn ja, wie viele Federn ich vergebe.

Freundliche Grüße
Sanne


_________________
Das Leben geht immer weiter - bis zum Tod.
(S.E.- BJ 1959)

----------------------------------------------------------
Wer seinen Kopf verliert, beweist damit noch lange nicht, dass er vorher einen gehabt hat ...
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V.K.B.
Geschlecht:männlich[Error C7: not in list]

Alter: 47
Beiträge: 3065
Wohnort: Nullraum
Das bronzene Niemandsland Die lange Johanne in Silber
Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 13.04.2020 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,
Puh, schwierige Geschichte. Der Anfang schon mal ungewöhnlich, in der Zukunftsform geschrieben. Erst später versteht man, dass der Künstler hier wohl zu antizipieren versucht, was Lina empfinden wird, wenn sie die von ihm programmierte Vergangenheitssimulation ausprobiert.

Der zweite Text lässt dann irrtümlich vermuten, hier hätten wir die Simulation und wie sie wirklich aufgenommen wird, doch das ist ein Red Herring. Er hat ihr die Simulation geschickt, sie diese im Off ausprobiert und genau das gedacht, was er antizipiert hatte. Alles richtig verstanden?

Kommen wir zu den Vorgaben: BeGegnerIn-Thematik gut umgesetzt (mit einer Menge der Aspekte, die das Wort beinhaltet), doch im ersten Text ist sie nur vage gestreift. Generell habe ich ein Problem, hier zwei separate Texte zu sehen, das ist für mich ein Text und nicht zwei, auch wenn der erste optisch wie grammatikalisch abgetrennt und abgegrenzt ist. Kann ich dem Text irgendwas davon ankreiden? Ich weiß es nicht. Dafür gefällt er mir eigentlich viel zu gut.

Damit sind wir beim persönlichen Gefallen, und hier kannst du punkten. In dieser Kategorie meine interne Höchstwertung.

Das gibt Punkte, und nicht wenig.

beste Grüße,
Veith


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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Ribanna
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 57
Beiträge: 570
Wohnort: am schönen Rhein...


BeitragVerfasst am: 15.04.2020 15:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, das ist schön.
Das Thema passt, die Geschichte gut ausgedacht und handwerklich gut geschrieben.
Die Idee ist gut und originell.

Gefällt mir im Großen und Ganzen.


_________________
Wenn Du einen Garten hast und eine Bibliothek wird es Dir an nichts fehlen.
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d.frank
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 41
Beiträge: 1047
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 15.04.2020 15:54    Titel: Antworten mit Zitat

Willkommen in der Matrix. Am Ende weiß doch niemand, ob wir wirklich real sind.
Schöne, traute Scheinwelt mit den Grapows und den Knöpfis und den Grillabenden. Das hat für mich auch einen guten Bezug zum Umgang mit diesen Zeiten, in denen wir grade feststecken: Den Schein wahren? Sich zurückziehen und nur träumen von einem besseren Leben, einer besseren Welt? Darauf warten, dass sich alles schon irgendwie von selbst wieder einrenkt und letztendlich stagnieren? Nur verwalten und aufheben? Des Dichters sinnlose Tätigkeit?
Oder tatkräftig anpacken? Ran an die Front? Eine gelungene Allegorie auf Bestimmungen und was es ausmacht, dieses Leben. Es ist schon ein bisschen paradox, dass allzu menschliche Eigenschaften gleichzeitig Verständnis und Unglauben hervorrufen.

Edit:
Sieben Punkte, weil ich darüber echt ewig nachdenken kann.


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Jenni
Geschlecht:weiblichPapiertiger


Beiträge: 4053

Das goldene Aufbruchstück Die lange Johanne in Gold


BeitragVerfasst am: 17.04.2020 10:14    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Beziehung/Begegnung zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Bleiben und Weitergehen, zwischen Erinnerung und dem Kampf um eine Zukunft in einer sterbenden Welt. Das ist schön erzählt, gute Figurentypen, die ich dir glaube, und ein nostalgischer und doch nicht melodramatischer Ton. Mag ich. 6 Punkte
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Phenolphthalein
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1260

DSFo-Sponsor


BeitragVerfasst am: 17.04.2020 14:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inkognito,

Ein Text im Futur. Ja, Wettbewerbe. Die Spielwiese für Experimente. Lassen wir mal außer Acht, ob und wie viel davon Erwartungen der handlungstragenden Person sind, oder wie viel davon auktorial ist, denn das wird dem Text, bzw. dem, was du damit erreichen willst, nicht gerecht.
Ein schönes Beispiel, warum ein Autor etwas so macht, wie er es macht, ist das allemal.
Aber es ist gleichzeitig auch etwas, dass nur als Kurzgeschichte funktioniert. Doch das schmälert nicht die Intension oder die Wirkung des Textes. Du scheinst alles durchdacht zu haben. Du spielst mit dem Titel und dem Text bzw. deren Wirkung.
Es ist auf jeden Fall außergewöhnlich. Doch ist es auch genial? Ist es also außergewöhnlich gut?
Um ehrlich zu sein finde ich die Gestaltung des zweiten Textes besser. Das liegt daran, dass ich an dem Gefühlsleben der Personen interessiert bin, an dem was sie prägt oder prägte, an dem, was dazu führte, dass sie so sind, wie sie sind. Das finde ich in Text zwei mit relativ wenig Worten dargestellt.
Diese Qualität des Textes traue ich im Moment nur sehr wenigen Leuten im Forum zu und zwei davon sitzen in der Organisation dieses Wettbewerbs, einer ist schon länger nicht mehr online gewesen.
Und trotzdem ist der Text nicht mein Favorit. Ja, ein wenig Subjektivität kann ich mir nicht absprechen. Bin halt Mainstreamler und das ist dieser Text, wie ich finde, nicht.
Es wird trotzdem Punkte geben. Ja, und trotz dessen, dass du nicht meinen Faforiten geschrieben hast, ist dieser Text Schreiberisch der Beste. Unterhalten hat mich nur ein Text mehr. Daher gibt es 10 Punkte.
Zu gerne würde ich jetzt wissen, wer der Autor hinter dem Werk ist. Da muss ich wohl warten. Smile

Viele Grüße,
Pheno


_________________
Willst du die Bescheidenheit des Bescheidenen prüfen, so forsche nicht, ob er Beifall verschmäht, sondern ob er den Tadel erträgt.

Franz Grillparzer
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hobbes
Geschlecht:weiblichTretbootliteratin


Beiträge: 3675

Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
Ei 4 Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 18.04.2020 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Tja, nun. Leider nicht meins, dieser Text.
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Katinka2.0
Geschlecht:weiblichEselsohr


Beiträge: 265



BeitragVerfasst am: 18.04.2020 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Autor/in,

Du hast Aufgabestellung Nr. 1 – Texte spielen an demselben Ort in unterschiedlichen Zuständen – kreativ umgesetzt und das vorgegebene Thema erkennbar in beiden Texten verarbeitet.

The time after – interessante Story, hat beinahe was Science-Fiction-Mäßiges. Ich musste erst einmal Arrouan googlen. Als Ergebnis kam dann das Bild eines Großhandels, der ziemlich raffinierte Dessous verkauft. Und ein Charakter namens Arrouan aus der Comicserie Nomad. Ich denke, Du meinst die Comicfigur, oder Laughing?
Sehr coole Zukunftsvision, wobei es die Technik, eine virtuelle Realität zu erschaffen, ja schon ein paar Jährchen gibt. Ich sehe nichts Verwerfliches daran, Erinnerungen so lebendig wie möglich zu halten. Es ist wichtig, nicht zu vergessen, was war, um es möglicherweise schätzen zu lernen, bei dem, was kommt. Nur leben sollte man in der Gegenwart. Ich glaube nicht, dass es auf Dauer glücklich macht, sich an Vergangenes zu klammern. Anpassen scheint mir da die bessere und natürlichere Lösung zu sein, so wie es Deine Protagonistin Lina handhabt.

Dein Beitrag gefällt mir, regt zum Nachdenken an. Du hast einen schönen Schreibstil, sehr bildhaft und stimmungsvoll.
Zitat:
Meisen huschten durch das Buschwerk.

Das fühlt sich so friedlich an, ich liebe diesen Satz!

Fazit: Du bekommst auf jeden Fall Punkte!

LG Katinka
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Eliane
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 818



BeitragVerfasst am: 18.04.2020 22:28    Titel: Antworten mit Zitat

Vorgaben:

Begegnung: Definitiv.
Gegner: Ja, wenn auch dezent durchklingend: Die Exfrau als Gegnerin.
In: Auch ja.

Ort/Ereignis/Objekt: Selber Ort, zwei Zustandsformen, virtuell und echt, wobei die Grenze verschwimmt. Schön gemacht.

Ich mag diesen Text und seine Wehmut. Auch dass sich die vergangene Zukunft in der Zeitform spiegelt, in der er geschrieben ist. Ich habe das Gefühl, nicht alles zu verstehen, was der Text sagen willl, und genau das macht ihn noch besser.

Punkte: Auf jeden Fall.
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nebenfluss
Geschlecht:männlichPapiertiger


Beiträge: 4198
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


BeitragVerfasst am: 19.04.2020 00:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ein VR-Programmierer in einer dystopisch anmutenden Zukunft projiziert Erinnerungen an die gute alte Zeit in eine virtuelle Gegenwart. Der erste Text zeigt wohl ein solches Werk(wobei der letzte Satz nicht wirklich zu ihr gehört?), bezogen wohl auf eine glückliche Fortführung des persönlichen Familienglücks unter der Prämisse, es (was auch immer) sei alles nicht so schlimm gekommen.
Die Entfremdung der beiden ähnelt thematisch der in Sauer"kirschen, macht aber nichts, weil ganz anders umgesetzt. Irritiert hat mich Arrouan, der mehr als Schatten denn als Mensch vorbeischwebt, woraufhin Lina sich fragt, ob das sein Ernst sei. Ganz charmante, aber kryptische Textstelle, hinter der wahrscheinlich mehr steckt als das, was sich insgesamt 600 Wörtern darlegen lässt(?)


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fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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lilli.vostry
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BeitragVerfasst am: 19.04.2020 04:13    Titel: aw: Antworten mit Zitat

Hallo,

eine schöne, traurig-komische erzählte Geschichte über ein altes Paar, über das Vergehen von Zeit, Verweilen in Vergangenem und zukünftige Erinnerungen.

Etwas verwirrend das Schriftbild und verschachtelt die einzelnen Textfragmente.
Nicht gleich zu verstehen, doch dann kann man viel entdecken.

Frohe Schreibgrüße,
Lilli


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Malaga
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 900



BeitragVerfasst am: 19.04.2020 11:10    Titel: Antworten mit Zitat

Neutraler Kommentar
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Missing Tales
Schmierfink


Beiträge: 52
Wohnort: Zwischen den Zeilen, Deutschland


BeitragVerfasst am: 19.04.2020 17:30    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber unbekannter Schreiber,

Dies ist ein überwiegend neutraler Kommentar, damit ich bewerten kann. Vielleicht schaffe ich später noch etwas ausführlichere Kritik.

Trotzdem einmal ein paar knappe Worte:
ich fand es eine spannende Zukunftsvisio. Es klingt für mich, als begegnen sich beide eher in einer Art virtuellem Raum, ähnlich dem Holodeck von Star Trek. Sollte es so eine Technologie jemals geben, wird es sicherlich Szenen wie diese geben, in denen Nostalgiker noch mehr in ihrer Vergangenheit verharren als mit den Mitteln, die jetzt bereits zur Verfügung stehen. Die unterschiedlichen Atmosphären der zwei Szenen hast du sehr schön dargestellt, Begegnungen mal etwas anders.

Ich habs sehr gern gelesen
wünsche viel Erfolg beim Wettbewerb,

lg Missing Tales


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Und zwischen den Zeilen eine Unendlichkeit
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holg
Geschlecht:männlichReißwolf


Beiträge: 1693
Wohnort: knapp rechts von links
Der bronzene Roboter


BeitragVerfasst am: 21.04.2020 17:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:
Einer in der Erinnerung verhaftet, diese konservierend (so wie sich bei anderen derzeit vielleicht die Ravioli-Dosen stapeln), die andere nach vorne blickend. In ihrer Unterschiedlichkeit begegnen sie sich, streiten sich und versöhnen sich.
... Ich finde zum einen das Thema auf einer konkreten Beziehungsebene zwischen zwei Menschen umgesetzt, aber auch mit durchaus aktuellen Bezügen,

Danke dafür, Silke.


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Froh zu sein bedarf es wenig.
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