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Karbid [außer Konkurrenz]


 
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Michel
Geschlecht:männlichBücherwurm

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Wohnort: bei Freiburg
Das goldene Niemandsland Der silberne Spiegel - Prosa
Silberne Neonzeit


BeitragVerfasst am: 01.11.2020 23:05    Titel: Karbid [außer Konkurrenz] eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es dunkelte bereits, als ich von einer geschäftlichen Unternehmung in den Bergdörfern nahe meiner Heimat zurückreiste. Ausgerechnet jetzt fiel die rechte Leuchte meines Automobils aus und ließ den Rand der Chaussee in tiefer Schwärze versinken. Kurze Zeit später polterte das rechte Vorderrad durch ein Schlagloch. Mit einem scharfen Knall platzte der Reifen. Das Fahrzeug brach aus, durchpflügte das Bankett der Chaussee und rutschte in den Straßengraben, wo es mit einem heftigen Ruck steckenblieb. Eine unsichtbare Hand schien mich gegen das Steuerrad zu schleudern. Weißglühende Sterne tanzten vor meinen Augen und ließen mich vor Schreck und Schmerzen aufschreien. Auch die zweite Karbidlampe erlosch und nur das Zischen des überhitzten Kühlers drang an meine Ohren. Es roch nach Dampf und heißem Schmieröl.
Es waren nur ein paar Minuten vergangen, als mich ein flackernder Lichtschein aufschreckte. Einen Augenblick lang fürchtete ich, der Wagen hätte Feuer gefangen. Allerdings roch ich keine Benzindämpfe und das Licht vor dem Wagen flackerte in einem bläulichen Schein, als wäre Mondlicht lebendig geworden.
Ich kniff die Augen zusammen und starrte nach draußen, wo drei leuchtende Bälle von der Größe einer Hand vor der Frontscheibe tanzten. Sie schienen frei in der Luft zu schweben.
Irrlichter, dachte ich. So sahen Irrlichter in den Gespenstergeschichten aus, die meine Frau so gern bei Lampenschein las, worauf sie sich beim Schlafengehen ängstlich an mich kuschelte.
Doch hier oben gab es keinen Sumpf, in dem sie hätten leben können. Ohnehin sollte ein wissenschaftlich gebildeter Mensch wie ich keinen Gedanken an übersinnliche Dinge verschwenden.
Die Lichter tanzten über die Motorhaube, als wollten sie sich an meinem Pech ergötzen. Eines von ihnen setzte sich auf den verbeulten Kotflügel und für einen Herzschlag vermeinte ich im Innern des Lichtes eine Gestalt zu erkennen, die spöttisch-sittsam die Beine übereinanderschlug. Ein anderes schien sogar eine bläulich schimmernde Hand auszustrecken und gegen das Glas zu klopfen, doch ich vernahm keinen Laut außer dem Zischen des Kühlers und meinem eigenen Atem. Als ich mich nicht regte, schwebten sie in einer kleinen Prozession zur Fahrertür und von dort nach oben zur Straße. Ich dachte, dass ich das Letzte von ihnen gesehen hätte, doch nach wenigen Augenblicken erschienen sie erneut, führten vor der Tür ihren absonderlichen Tanz auf und entschwanden wieder nach oben, als wollten sie mich auffordern, den Wagen zu verlassen.
Sie hatten recht. Hier unten im Graben würde mich niemand finden, selbst wenn noch ein verspäteter Reisender die Unfallstelle passierte. Mit einiger Mühe öffnete ich die verklemmte Tür, wuchtete mich hinaus und zwang mich, den Rand des Straßengrabens zu erklimmen.
Ich erreichte ihn keinen Augenblick zu früh. Hinter der Kurve leuchtete der Widerschein heller Lampen auf. Ein Automobil näherte sich. Niemals habe ich das Röhren eines Achtzylinders einladender erlebt als in jener Nacht. Ich riss Mantel und Jackett herunter, um durch mein weißes Oberhemd auf mich aufmerksam zu machen. Dann schloss ich geblendet die Augen, denn die Lichter des herannahenden Wagens leuchteten greller, als es die beste Karbidlampe je vermochte. Ich fragte mich, ob das Fahrzeug wohl eine der neuen Beck'schen Kohlebogenlampen mit sich führte, doch diese hätte wohl den gesamten Innenraum des Wagens ausgefüllt. Bevor ich den Gedanken verfolgen konnte, preschte das Fahrzeug um die Kurve und hielt auf mich zu.
Ich schwenkte die Arme, stets bereit, in den Graben zurückzuspringen, falls der Wagen seine Geschwindigkeit nicht verringerte. Doch er bremste ab, sobald die unwirklich hellen Scheinwerfer mich erfasst hatten, und kam knapp vor mir zum Stehen.
»Was zum Teufel tun Sie um diese Stunde mitten auf der Chaussee?«, fragte eine männliche Stimme aus dem Dunkel hinter den Lampen. Sie war mir vom ersten Moment an unsympathisch, ohne dass ich dafür einen Grund hätte nennen können.
Ich schilderte meine unglückliche Lage und der Fahrer schwang sich aus seinem Automobil. Im Licht der Scheinwerfer entpuppte er sich als rechter Geck. Sein Gehrock wirkte wie aus der Zeit vor dem Großen Kriege und der Stock mit silbernem Handknauf hätte einem kaiserlichen Offizier der Alten Zeit wohl gestanden. Mit einem beherzten Griff montierte er einen der ungewöhnlichen Scheinwerfer ab und tauchte mein Automobil in gleißendes Licht.
»Den haben Sie ja schön in den Graben gesetzt«, erklärte er in selbstzufriedenen Tonfall, was mich noch weiter gegen ihn einahm. »Das Vorderrad hat ein paar Speichen eingebüßt und Ihre Scheinwerfer … Mich wundert nicht, dass Sie die Straße verfehlt haben. Wer auch immer die Karbidlampe erfunden hat, der sollte in der Hölle schmoren.«
Ich sagte nichts, was mein Gegenüber zu verärgern schien. »Den kriegen Sie nicht vor morgen aus dem Graben«, erklärte er brüsk. »Ich kann Ihnen anbieten, Sie bis zur nächsten Stadt mitzunehmen. Morgen müssen Sie dann ein Fuhrwerk kommen lassen oder, besser noch, einen Kraftwagen.«
»Könnten wir nicht wenigstens versuchen, ihn herauszuziehen?«, wandte ich ein. »Für Ihren Wagen sollte das ein Kinderspiel sein.«
Geschmeichelt strich er über die enorme Motorhaube seines Automobils und verfiel wieder in seinen jovial-überheblichen Ton. »Da könnten Sie recht haben. Aber lassen Sie sich gesagt sein, die Investition in ein paar ordentliche Scheinwerfer zahlt sich immer aus.«
Ich begutachtete die Lampe, die er noch immer in der Hand hielt, doch konnte ich kein Kabel erkennen, das die Versorgung mit elektrischer Energie hätte erklären können.
Der Fremde folgte meinem Blick. »Ein Einzelstück«, merkte er an. »Nicht ganz billig, aber wenn Sie Interesse haben, kann ich Ihnen ein Angebot machen.« Flugs zog er aus einer Tasche ein Etui und reichte mir eine Visitenkarte, die eine Adresse in der Landeshauptstadt nannte.
Aus der Kabine seines Sportwagens holte er ein Seil und wies mich trotz meiner Verletzung an, selbst hinabzusteigen und ein Seil an meinem Gefährt zu befestigen. Dazu leuchtete er mit seinem Scheinwerfer die Böschung hinab. So fand ich mühelos wie am helllichten Tag eine Stelle, an der ich das Seil befestigen konnte. Kurze Zeit später stand mein Fahrzeug wieder auf der Straße, wenn auch arg ramponiert. Mittlerweile konnte ich meinen Retter ganz gut einschätzen und ließ ein paar bewundernde Worte über die Kraft seines Wagens fallen. Sofort heiterte sich seine Miene auf. Er befestigte die Lampe wieder in ihrer Fassung und half mir, das beschädigte Rad auszutauschen.
Wir waren gerade mit der Arbeit fertig geworden, da ließ er mir den Schraubenschlüssel auf die Füße fallen. Mit einem Schmerzenslaut sprang ich auf, doch er schien meine Klage gar nicht wahrzunehmen und starrte wie gebannt auf die Motorhaube meines Automobils, über der drei bläuliche Lichtflecke tanzten. Im Licht des Scheinwerfers wirkten sie beinahe durchsichtig, doch jeder schien eine winzige Gestalt mit flammendem Haar zu enthalten. Just als ich hinsah, winkte mir eine davon neckisch zu.
Mein Helfer hielt sich nicht mit derartigen Betrachtungen auf. Er eilte zu seinem Wagen, öffnete den am Heck festgeschnallten Koffer und zog etwas heraus, das wie der Kescher eines Flussfischers aussah, aber aus Metallfäden gesponnen schien. Mit geübtem Schwung fing er die Lichter aus der Luft und hielt das Netz des Käschers zu, in dem nun drei leuchtene Bälle zappelten und tanzten. Blanker Triumph stand in seinem Gesicht geschrieben.
»Ich lasse mir niemals eine Gelegenheit entgehen«, erklärte er selbstgefällig. »Ich handle schnell und entschieden. Die drei Gesellen hier werden mir ein hübsches Sümmchen einbringen.«
Ich starrte mit gemischten Gefühlen durch die Maschen des Netzes. Mein Interesse an den Naturwissenschaften drängte mich, die leuchtenden Sphären genauer zu untersuchen. Gleichzeitig schien es mir ein schlechter Dank, meine Helfer nun der Gefangenschaft zu überlassen. Auch wenn ich als aufgeklärter Mensch davon ausgehen musste, dass mir meine Wahrnehmung einen Streich spielte, trat ich zu dem Netz, um seinen Inhalt näher zu betrachten.
Doch schneller als ein Gedanke zog der Irrlichtfänger es fort und warf es auf den Beifahrersitz seines Wagens. »Denen sollten Sie besser nicht zu nahe kommen. Die Burschen kennen keine größere Freude, als Unwissende zu verwirren und in die Irre zu locken.«
Ich muss wohl recht schafsmäßig dreingeblickt haben, denn er lachte auf und schlug mir auf die Schulter. »Sie zweifeln an Ihrer Wahrnehmung, mein Freund? Dann kommen Sie mal mit.«
Er führte mich zur Front seines Automobils, dessen Scheinwerfer die Szenerie noch immer in ihr grelles Licht tauchten.
»Kneifen Sie die Augen fest zusammen und blicken Sie von der Seite in das Licht«, wies er mich an. Ich tat wie geheißen und unwillkürlich entfuhr mir ein Laut größten Erstaunens. In dem Scheinwerfer tanzte ein Männlein, das den soeben in Gefangenschaft geratenen glich wie ein Ei dem anderen.
»Ganz recht«, lachte mein Helfer. »Auch aus kleinen Bösewichten kann immer noch etwas Gutes werden. Der da leuchtet mir schon fast ein halbes Jahr. Sie halten nicht ewig in dem Glas, aber verglichen mit solch einer armseligen Leuchte wie an Ihren Wagen doch erstaunlich lange. Wie viel Licht sie abgeben, wenn man sie chemisch behandelt, das sehen Sie ja selbst.«
Das war also das Schicksal, das meinen Rettern bevorstand.
Nun bin ich nicht nur ein Anhänger der modernen Wissenschaften, sondern auch der Philosophie. Ich darf mich rühmen, meinen Kant eingehend studiert zu haben, auch wenn ich keine Universität besucht habe. Ich fragte mich, wie mir zumute wäre, wenn man mich nur aufgrund einer speziellen Eigenschaft in ein winziges Glas sperrte und bis zur Erschöpfung dieser Eigenschaft nicht mehr herausholte.
»Es mag Ihnen seltsam erscheinen«, begann ich, »aber ich muss Sie bitten, diese Gesellen unverzüglich wieder freizulassen. Die drei haben mir geholfen, rechtzeitig auszusteigen, um Ihre großzügige Hilfe zu erhalten.«
»Sie wollen was?«, entgegnete der Irrlichtfänger entgeistert, bevor sein hochmütiger Gesichtsausdruck zurückkehrte. »Da helfe ich einem armen Tropf aus dem selbst verschuldeten Schlamassel«, erklärte er einem unsichtbaren Publikum, »und er will nichts Besseres, als mich um meinen wohlverdienten Gewinn zu bringen!« Zornig wandte er sich mir zu. »Sie sollten sich schämen, meine Großmut so zu vergelten. Sehen Sie zu, wie Sie allein weiterkommen mit Ihrer lächerlichen Klapperkiste.«
Ich setzte eine beschämte Miene auf, doch keinen Atemzug später eilte ich zu seinem Wagen, im Herzen gerechte Wut und im Kopf den Vorsatz, meine drei Helfer keineswegs diesem Menschen auszuliefern. Sie sollten nicht in einer Lampe enden.
Schon fasste ich den Stiel des Keschers und schüttelte das Netz auf, da packte mich der Irrlichtfänger von hinten, schleuderte mich zu Boden und warf die Autotür zu, hinter der die drei Lichtkugeln ängstlich durcheinanderschwirrten.
»Seien Sie froh, dass ich Sie nicht über den Haufen fahre«, stieß mein Gegner hervor. »Verdient hätten Sie es jedenfalls. Bleiben Sie doch, wo der Pfeffer wächst!«
Er eilte um sein Fahrzeug herum, warf sich mit gewandtem Schwung hinein und zog augenblicklich die Tür zu, bevor eins der Irrlichter entweichen konnte. Augenblicke später startete der Motor und das Fahrzeug fuhr mit durchdrehenden Reifen die Bergstraße hinab. Die winzige Heckscheibe des Wagens ließ nur ahnen, was drinnen vor sich ging, doch die blauen Lichter schienen um den Kopf des Fahrers zu schweben wie aufgeregte Monde um ihren Planeten.
Ich erhob mich, schmutzig und zerschlagen, um die Heimreise fortzusetzen. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, wenigstens eine Karbidlampe wieder zum Leuchten zu bringen. Im Schrittempo tastete ich mich den Berg hinab.
Als ich auf diese Weise eine ausgesetzte Stelle passierte, fiel mir erneut ein flackernder Schein auf, doch dieses Mal hatte er unverkennbar eine rötliche Färbung. Er kam vom Steilabfall neben der Straße. Ich hielt an und blickte hinab.
Tief unter mir lag am Ende des Geröllfeldes das brennende Wrack des Sportwagens. Erstickender schwarzer Rauch wälzte sich zur Straße herauf und entzog das verunglückte Fahrzeug meinem Blick. Als ein Windstoß die Rußschleppe zur Seite blies, erhaschte ich den Blick auf fünf bläuliche Kugeln, die über dem Wrack kreisten.
Es sah aus, als ob sie tanzten.



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Abari
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 00:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

coole Geschichte. Die wäre mir mindestens Punkte wert gewesen. Der antiquierte Ton aus der Karbidlampenzeit ist hübsch getroffen, die Story selber sauber durchgeführt.

Allein der Lampen ist es mir ein wenig zu viel. Das hätte man etwas mildern können. Sonst bin ich ja ganz geblendet von dem vielen Licht.


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Das zeigt Dir lediglich meine persönliche, höchst subjektive Meinung.
Ich mache (mir) bewusst, damit ich bewusst machen kann.

LG
Abari
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V.K.B.
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Goldene Gabel


BeitragVerfasst am: 02.11.2020 03:32    Titel: Antworten mit Zitat

Ich lass den Header mal weg:

Zitat:
flackerte in einem bläulichen Schein, als wäre Mondlicht lebendig geworden.
Seit wann ist Mondlicht blau?

Zitat:
Ohnehin sollte ein wissenschaftlich gebildeter Mensch wie ich keinen Gedanken an übersinnliche Dinge verschwenden.
Ich hätte da auch eher an Kugelblitze gedacht.

Zitat:
eine der neuen Beck'schen Kohlebogenlampen
Da musste ich jetzt erstmal googeln, um die Geschichte zeitlich verorten zu können. Jetzt ist mir auch klar, warum immer von "Automobil" gesprochen wird.

So, bin durch. Vorgaben alle umgesetzt, liest sich gut, "schöne" Idee, Irrlichter als Autoscheinwerfer zu missbrauchen Ob das Punkte gekriegt hätte, kann ich noch nicht sagen, die verteile ich erst, wenn ich alles gelesen habe. wink

Jedenfalls gerne gelesen,
Veith


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Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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hobbes
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 10:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Michel.

Ich mag die altertümliche Sprache. Ich mag auch die Idee, Irrlichter in Scheinwerfer zu stecken. Also Moment, ich finde die Idee natürlich höchst verwerflich, aber äh, du verstehst, was ich meine, ja?

Einen Ohrwurm habe ich jetzt auch,
Zitat:
In dem Scheinwerfer tanzte ein Männlein,

Ein Männlein tanz im Walde Lichte, ganz still und stumm, trallaliundtrallala ....

Ansonsten mag ich das Ende nicht. Da war doch noch so eine Geschichte, da musste ich ähnliches kommentieren, oh, der böse Mann bekommt seine gerechte Strafe, nein, das hätten wir ihm natürlich nicht gewünscht angel , aber na ja, irgendwie hat er es ja doch verdient, also tja, Pech gehabt, und zack, alles wieder gut.
Da ist ja eigentlich nichts dagegen zu sagen, wo sonst soll man sowas denn finden, wenn nicht in Geschichten. Ich finde es trotzdem latent unbefriedigend und auf gewisse Weise zu "einfach."
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

Darf man das denn jetzt schreiben? Jetzt, wo der Autor sich von vornherein angreifbar macht?

Ich hab überflogen. Embarassed
Mag es halt konzentriert, sozusagen


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Michel
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 15:31    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Darf man das denn jetzt schreiben?


Ich bin sozusagen überhaupt nicht kenntlich. smile Und freue mich über jede Rückmeldung, auch kritische. Nach x Wettbewerben hab ich da eine etwas dickere Haut entwickelt. Als nur zu, hau drauf.

Oder ist "hab's nur überflogen" eigentlich schon der Kern der Sache? Ich erinnere mich an das Autorengebot "Du sollst nicht langeweilen". Sol Stein? Egal.


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Michel
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 15:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Veith: Den Header kenn ich ja schon. Laughing
Stimmt, Kugelblitz wäre auch eine interessante Variante. Hm. Mondlicht: Wenn ich bei Vollmond aus dem Fenster sehe, ist alles in dieses kreidige Licht getaucht. (Wenn es grün ist, sehe ich es wg. Farbsehschwäche nicht.) Gegenüber dem Tageslicht wirkt das auf mich deutlich kälter oder eben: blau. Hm. Vielleicht färbe ich die Irrlichter auch noch etwas um; chemische Behandlung scheint ja zu helfen. Mr. Green


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Michel
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 15:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Abari hat Folgendes geschrieben:
Allein der Lampen ist es mir ein wenig zu viel. Das hätte man etwas mildern können. Sonst bin ich ja ganz geblendet von dem vielen Licht.
lol Du hättest die Geschichte mal sehen sollen, bevor ich die ganzen "blendend" und "grell" rausgestrichen habe!
Okay, das halte ich für die Überarbeitung im Auge.


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Michel
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 15:38    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

hobbes hat Folgendes geschrieben:
Ich mag die altertümliche Sprache. Ich mag auch die Idee, Irrlichter in Scheinwerfer zu stecken.
smile
Zitat:
Also Moment, ich finde die Idee natürlich höchst verwerflich, aber äh, du verstehst, was ich meine, ja?
Ja. *nickt weise*

Zitat:
Ansonsten mag ich das Ende nicht. Da war doch noch so eine Geschichte, da musste ich ähnliches kommentieren, oh, der böse Mann bekommt seine gerechte Strafe, nein, das hätten wir ihm natürlich nicht gewünscht angel , aber na ja, irgendwie hat er es ja doch verdient, also tja, Pech gehabt, und zack, alles wieder gut.
Ganz bewusst so gesetzt. Dieses modernistische "Die Welt ist gar nicht gut, alle Charaktere müssen innerlich zerrissen und moralisch zweideutig sein", das hätte für mich nicht zum Charakter der Geschichte gepasst. Und ja, ein wenig hat auch die 2000er-Grenze mitgewirkt.
Zitat:
Da ist ja eigentlich nichts dagegen zu sagen, wo sonst soll man sowas denn finden, wenn nicht in Geschichten. Ich finde es trotzdem latent unbefriedigend und auf gewisse Weise zu "einfach."
Zu einfach. Hm. Das nehme ich mir mit und probiere mal, es etwas organischer, in sich schlüssiger, weniger konstruiert zu konstruieren. Danke!

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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 17:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hasch mich, ich bin ein Glühlämpchen. Oder: Don't kesch and drive.

Protagonist wird von Irrlichtern "gerettet", nachdem er sein auch 1920 schon altmodisches Gefährt in den Graben gesetzt hat. Die tatsächliche Hilfe kommt allerdings von einem Blasebalg und Irrlichthäscher, der nicht nur hilft, das Gefährt wieder zu ertüchtigen, sondern auch noch die hilfreichen Lichter einfängt, um sie zu Geld (oder wenigstens zu Glühwürmchen) zu machen. Als Revanche für ihre Hilfe befreit der Protagonist die Lichter, die daraufhin absehbar den davonfahrenden Fiesewicht durch in den Tod stürzen lassen. Erinnert daran, dass man nicht bei der Fahrt mit dem Handy spielen soll .

Temporale Schwierigkeiten nicht nur in der Formulierung, sondern auch in der Textverortung. Denn die Kohlenbogenlampe war zumindest in der Beck'schen Variante ja nur vor dem Großen Krieg zu haben, danach war es ja schon ein AEG-Patent. Kann natürlich sein, dass der Protagonist weniger pedantisch ist als der Rezensent, den aber die Suche nach Details in einen Wikipedia-Vortex gezogen und damit komplett vom Text abgelenkt hat. Spricht weder für Kohle- noch für Spannungsbogen.

Gleichzeitig bietet mir die Internetsuche an, dass ich mit Karbid auch Schädlinge beseitigen könnte. Ist das eine Doppelbödigkeit im Titel? Denn arrogante PS-Protzer braucht ja nun wirklich niemand, erst recht nicht, wenn sich ihr Wohlstand auf Ausbeutung und Unterdrückung basiert.

Die Umsetzung ist überwiegend gefällig, wenngleich gerade am Anfang in der Schilderung des Unfalls eher schwierig.
Zitat:
Eine unsichtbare Hand schien mich gegen das Steuerrad zu schleudern.

Das Verunfallen ist ja in der Regel kein besonders langsamer Prozess. In diesem Satz aber wird der Aufprall dermaßen entzerrt und sogar entzeitlicht, dass kaum erkennbar ist, wie es da auch nur ansatzweise zu einer Verletzung kommen soll. Wer verunfallt (vor allem vor Erfindung des Haltegurts) dürfte beim Aufprall des Fahrzeugs sich sofort mit dem Lenker verkeilt wiedergefunden haben und nicht von unsichtbarer Hand dorthingeschleudert. Das Hilfsverb "schien" verlängert die Spanne zwischen Aufprall und Schleudern zusätzlich.
Zitat:
Weißglühende Sterne tanzten vor meinen Augen und ließen mich vor Schreck und Schmerzen aufschreien.

Schreit der Protagonist nicht des Aufpralls, sondern der Sterne wegen?

Grundsätzlich aber flüssig zu lesen, das befürchtete One-Hit-Wonder der Irrlichter wurde glücklicherweise wieder aufgefangen und dann hübsch mit der Lampe verwoben. Vorgaben des Wettbewerbs eingehalten, trotzdem keine Punkte: viel zu spät eingestellt wink

PS: Ich hoffe, du bereust nicht doch noch, dass ich mitkommentiert habe. Hat mich nämlich schon gefreut zu lesen, dass du meine Kommentare als hilfreich empfunden hast. Zumindest habe ich versucht, die gleichen Maßstäbe anzulegen wie bei den Texten, die tatsächlich im Wettbewerb standen.
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RAc
Klammeraffe


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BeitragVerfasst am: 02.11.2020 18:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, was soll ich den Ausführungen von anderswolf noch hinzufügen? Nachdem sich seine und meine Rezensionen für Mogmeiers Text fast 100% überdecken, könnte ich seine Rezension hier allenfalls noch umschreiben. Das ist ein Nachteil der außer-Konkurrenz-Texte (oder ein Vorteil, wenn man es aus Effizienzaspekten betrachtet).

Aber halt, ich bin hier wohlwollender. Ich empfinde die Schreib- und Darstellungsweise als sehr charmant und gelungen. Hier geht es weniger um den Inhalt als um die Zeitreise, die ich als sehr gelungen empfinde. Alle Vorgaben erfüllt, wie anderswolf richtig ausführt. Und ein Happy End... warum nicht. Für den Bösling ist es das ja nicht.

Die Geschichte wäre zwar kein Kandidat für die Top 5 gewesen, aber im unteren mittleren Punktebereich wäre da sicher noch ein Plätzchen gewesen. Dazu hätte ich sogar einen Kaffee gereicht (igitt, was ein armseliges Wortspiel...)
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Westmonster
Leseratte


Beiträge: 102



BeitragVerfasst am: 03.11.2020 12:06    Titel: Antworten mit Zitat

Die Stimmung in dieser Geschichte war für mich wunderbar steampunkig! Und da Steampunk eine Epoche ist, die es gar nicht gibt, sind sämtliche Anachronismen, die hier evtl googlegestützt auffindbar wären, als hinfällig zu ignorieren! Die Idee mit den Irrlichtern als semi-nachhaltige Glühbirnenalternative gefällt mir auf die gleiche Weise wie hobbes, und ich freue mich, ganz oldskool, über Happy Ends, umso mehr je mehr Fiesewichte (*klau*) ums Leben kommen.

Wie schön, dass ihr eure Stories auch noch eingestellt habt, merci!


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silke-k-weiler
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BeitragVerfasst am: 03.11.2020 12:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Michel,

ich schließe ich Westmonster an, das hatte den Steampunk-Touch, den ich etwas vermisst hatte. Und ... Irrlichter ... na sowas Laughing
Aber liebe, die dem Prota scheinbar einen Weg aus ihrer misslichen Lage weisen. Oder weisen sie auf den Fiesling hin, der gleich auftaucht? "Schöne" Idee, die Wesen für Zwecke des Fortschritts zu missbrauchen. Evil or Very Mad
Ich mag die Sprache, die Stimmung, das einzige Wort, über das ich stolpere, ist tatsächlich "Sportwagen". Das scheint mir etwas arg modern.

Am Ende kann man ja, wenn man sich dabei besser fühlt, annehmen, der Herr sei aus dem Wagen geschleudert worden, bevor das Gefährt explodierte, und liege nun benommen zwischen den Büschen. (Aber recht geschieht ihm!)

Gefällt!

VG
Silke
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Michel
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BeitragVerfasst am: 03.11.2020 17:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

anderswolf hat Folgendes geschrieben:
Hasch mich, ich bin ein Glühlämpchen. Oder: Don't kesch and drive.
lol

Zitat:
Temporale Schwierigkeiten nicht nur in der Formulierung, sondern auch in der Textverortung.
... (hoffentlich nur) Temporäre Schwierigkeiten, diesen Satz zu verstehen. Embarassed Bei Dir würde ich Anspielungen auf den Temporallappen des Großhirns ebenso erwarten wie Hinweise auf Tempusfehler in der Geschichte. Ich verstehe so: Schwierigkeiten, den Zeitpunkt des Geschehens genauer einzugrenzen.
Hm.
Zitat:
Denn die Kohlenbogenlampe war zumindest in der Beck'schen Variante ja nur vor dem Großen Krieg zu haben, danach war es ja schon ein AEG-Patent.
Die Lampe wurde möglicherweise noch eine Zeitlang nach ihrem Erfinder benannt, aber da habe ich mir Freiheiten genommen. Grob gesagt, habe ich die Geschichte auf ca. 1924 gesetzt. Das spielt auch in der Ausdrucksweise des Erzählers eine Rolle, aber da hab' ich mich möglicherweise etwas mehr vertan.
Zitat:
Kann natürlich sein, dass der Protagonist weniger pedantisch ist als der Rezensent, den aber die Suche nach Details in einen Wikipedia-Vortex gezogen und damit komplett vom Text abgelenkt hat. Spricht weder für Kohle- noch für Spannungsbogen.
Immerhin habe ich es hingekriegt, dass Du die Kohlebogenlampe nachgeschlagen hast. Razz

Zitat:
Gleichzeitig bietet mir die Internetsuche an, dass ich mit Karbid auch Schädlinge beseitigen könnte. Ist das eine Doppelbödigkeit im Titel?
Es ehrt mich, dass Du mich zu solcher Subtilität imstande siehst. Aber nein, so weit habe ich nicht gedacht. "Karbid" war eine Notlösung mangels gefälligerer Alternativen.
Zitat:
Die Umsetzung ist überwiegend gefällig, wenngleich gerade am Anfang in der Schilderung des Unfalls eher schwierig.
Autsch. "Gefällig" lese ich nicht als Lob. Laughing
Zitat:
Das Verunfallen ist ja in der Regel kein besonders langsamer Prozess. In diesem Satz aber wird der Aufprall dermaßen entzerrt und sogar entzeitlicht, dass kaum erkennbar ist, wie es da auch nur ansatzweise zu einer Verletzung kommen soll.

Hier möchte ich gern widersprechen. Mir war es beinahe schon ein Anliegen, die heute übliche Hochgeschwindigkeitschreibe zurückzudrehen. Den Ich-Erzähler nehme ich eben nicht als unmittelbar, sondern mit zeitlicher Verzögerung erzählend wahr, sozusagen am Kaminfeuer, später. Da hat er alle Zeit der Welt. Bzgl. "schien" gehe ich allerdings mit, das sperrte sich schon beim Schreiben und für eingehende Ausbesserungsversuche blieb keine Zeit mehr.
Zitat:
Zitat:
Weißglühende Sterne tanzten vor meinen Augen und ließen mich vor Schreck und Schmerzen aufschreien.

Schreit der Protagonist nicht des Aufpralls, sondern der Sterne wegen?
dito. Auf den Satz bin ich nicht stolz.

Zitat:
Grundsätzlich aber flüssig zu lesen, das befürchtete One-Hit-Wonder der Irrlichter wurde glücklicherweise wieder aufgefangen und dann hübsch mit der Lampe verwoben. Vorgaben des Wettbewerbs eingehalten, trotzdem keine Punkte: viel zu spät eingestellt wink
lol

Zitat:
PS: Ich hoffe, du bereust nicht doch noch, dass ich mitkommentiert habe. Hat mich nämlich schon gefreut zu lesen, dass du meine Kommentare als hilfreich empfunden hast. Zumindest habe ich versucht, die gleichen Maßstäbe anzulegen wie bei den Texten, die tatsächlich im Wettbewerb standen.
Je regrette rien … Nein, ich freue mich über Deinen Kommentar und nehme ihn als Ansporn, der letzten Lackschicht der Geschichte noch etwas mehr Glanz zu verleihen. Ganz nebenbei lese ich Deine Kommentare auch als eigenes künstlerisches Werk und mit aufrichtigem Vergnügen (und etwas Angst vor dem nächsten Absatz, wenn mein Werk besprochen wird). Danke!

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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 03.11.2020 18:17    Titel: Antworten mit Zitat

Michel hat Folgendes geschrieben:
Bei Dir würde ich Anspielungen auf den Temporallappen des Großhirns ebenso erwarten wie Hinweise auf Tempusfehler in der Geschichte. Ich verstehe so: Schwierigkeiten, den Zeitpunkt des Geschehens genauer einzugrenzen.

Jein.

 lol

Tatsächlich meine ich verschiedenes: natürlich die Frage, wann findet das statt (muss ja nach dem Großen Krieg sein, andererseits die Sache mit der Beck'schen Lampe, dann wieder erzählt das ja jemand, der vielleicht die Beck'sche Lampe noch von vor dem Krieg kennt, die dann aber eigentlich nicht mehr neuartig ist). Darüber hinaus aber auch Sachen wie das scheinende Schleudern (die, da hast du recht, wirklich nur durch die Formulierung so seltsam wirkt) und dann der Satz, neben den ich mir das mit der Temporalen Schwierigkeit dick notiert habe:
Zitat:
So sahen Irrlichter in den Gespenstergeschichten aus, die meine Frau so gern bei Lampenschein las, worauf sie sich beim Schlafengehen ängstlich an mich kuschelte.

Da kräuselt sich mit der Temporallappen (oder die Stirn), weil da (zumindest in meinem Lesezentrum) eine Gleichzeitlichkeit hergestellt wird zu der Erzählzeit des Unfalls. Vielleicht ist das auch gar keine Tempus-Schwierigkeit, sondern eher eine der Konsekution (falls das so heißt), aber irgendwie klingt das komplett falsch, und spätestens hier war das mit dem Zeitlichen abgesegnet.
Oder so.

Zitat:
Autsch. "Gefällig" lese ich nicht als Lob. Laughing

Stimmt. Würde ich auch nicht, wo ich jetzt drüber nachdenke. Darum vielleicht besser so: Mir gefällt dieser altertümelnde Ton nicht, was natürlich an der zeitlichen Verortung im Jahr 1924 hängt, mich beim Lesen aber etwas ungeduldig werden lässt. Grundsätzlich ist das allerdings wohlgesetzt, ich kann mich also nicht beim Text darüber beschweren, dass ich einer schnelllebigen und schnelllesenden Welt entstamme.

Zitat:
Je regrette rien … Nein, ich freue mich über Deinen Kommentar und nehme ihn als Ansporn, der letzten Lackschicht der Geschichte noch etwas mehr Glanz zu verleihen. Ganz nebenbei lese ich Deine Kommentare auch als eigenes künstlerisches Werk und mit aufrichtigem Vergnügen (und etwas Angst vor dem nächsten Absatz, wenn mein Werk besprochen wird). Danke!

Danke für diese Worte. Denn wie ich ja schon Sonntag (in anderer Formulierung) schrieb: Mitunter ist mir nicht immer ganz klar beim Schreiben der Kommentare, was sie anrichten könnten. Hülfe ja auch nicht, wenn ich mich aufgrund ihrer potentiellen Wirkung zensierte. Manchmal wünschte ich mir einfach nur, ich könnte meine Kritik wertschätzender formulieren. Vielleicht beim nächsten Wettbewerb (oder ich übe mal im Werkstatt-Bereich).

Edit: Je ne regrette rien. Das habe ich also vom Französisch-LK. Sprechen kann ich es nicht mehr, unvollständig gesetzte Verneinungen kann ich so nicht stehen lassen hmm
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Michel
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BeitragVerfasst am: 04.11.2020 09:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Jetzt habe ich doch etwas zu bedauern. Und merke mir: Niemals Sprachen verwenden, die ich nicht beherrsche. Laughing

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BeitragVerfasst am: 04.11.2020 09:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

RAc hat Folgendes geschrieben:
Hm, was soll ich den Ausführungen von anderswolf noch hinzufügen? […]
Aber halt, ich bin hier wohlwollender. Ich empfinde die Schreib- und Darstellungsweise als sehr charmant und gelungen.
love
Zitat:
Hier geht es weniger um den Inhalt als um die Zeitreise, die ich als sehr gelungen empfinde. Alle Vorgaben erfüllt, wie anderswolf richtig ausführt. Und ein Happy End... warum nicht. Für den Bösling ist es das ja nicht.
Beim Schreiben hatte ich den Eindruck, dass eine Pointe unangemessen wäre bei dieser Art von Geschichte. Wie beim Märchen: Es verbrennt halt nicht Gretel im Ofen und Prinzen werden nicht zu Fröschen wie so oft in der Realität.
Danke für die Rückmeldung!
Porrigde zum Kaffee zum Plätzchen? lol


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BeitragVerfasst am: 04.11.2020 09:42    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Westmonster hat Folgendes geschrieben:
Die Stimmung in dieser Geschichte war für mich wunderbar steampunkig!
Jetzt wollte ich schon widersprechen, denn im Steampunk kommt doch irgendeine Form alternativer Realität vor und nicht bloß alte Autos!
Dann fiel mir das Irrlicht wieder ein. Embarassed
Zitat:
Und da Steampunk eine Epoche ist, die es gar nicht gibt, sind sämtliche Anachronismen, die hier evtl googlegestützt auffindbar wären, als hinfällig zu ignorieren!
Da möchte ich nicht ganz mitgehen. Ob eine Geschichte realistisch ist, lässt sich im Phantastik-Umfeld nur schwer festlegen. Glaubhaft, d.h. realistisch innerhalb der konstruierten Welt, sollte sie auf jeden Fall sein. Je näher ich diese Welt an der realen anlege, desto genauer muss ich aufpassen, dass mir kein anderswolf den Technik-Bullshit googelt und mir Fehler nachweist. Dieses "Es ist halt alternative Realität" wirft man den Phantasten ja immer gern vor, obwohl das schon 2016/2017 von der (alternativen?) Realität überholt wurde.
Zitat:
Die Idee mit den Irrlichtern als semi-nachhaltige Glühbirnenalternative gefällt mir auf die gleiche Weise wie hobbes, und ich freue mich, ganz oldskool, über Happy Ends, umso mehr je mehr Fiesewichte (*klau*) ums Leben kommen.
Wie oben: Ja, für mich schien das einfach passender als eine pseudomoderne, innerlich zerrissene Nicht-Lösung.

Zitat:
Wie schön, dass ihr eure Stories auch noch eingestellt habt, merci!
Ich freu mich auch mächtig. Vor allem über Eure Kommentare. Dann schwebt die Geschichte nicht so im echofreien Raum.

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BeitragVerfasst am: 04.11.2020 09:51    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

silke-k-weiler hat Folgendes geschrieben:
Irrlichter ... na sowas Laughing
Um die gängigen Tropes kommen wir eben doch nicht herum. Wobei: Sind das Tropes oder ganz einfach Teile der beschriebenen Realität? In einer nicht-phantastischen Geschichte würde sich auch niemand über ein Auto oder eine Straßenbahn beschweren, weil die soooo oldschool sind und schon jeder darüber geschrieben hat.
Zitat:
"Schöne" Idee, die Wesen für Zwecke des Fortschritts zu missbrauchen. Evil or Very Mad
Diese Idee von der technisierten Zivilisation, die alles Heimliche und Zauberhafte zerstört, hat ja schon Tolkien am Ende des HdR eingebaut. Auch ein Trope? Laughing
Zitat:
Ich mag die Sprache, die Stimmung, das einzige Wort, über das ich stolpere, ist tatsächlich "Sportwagen". Das scheint mir etwas arg modern.
Hm, muss ich noch mal googeln, ab wann das verwendet wurde. Danke für den Hinweis.

Zitat:
Am Ende kann man ja, wenn man sich dabei besser fühlt, annehmen, der Herr sei aus dem Wagen geschleudert worden, bevor das Gefährt explodierte, und liege nun benommen zwischen den Büschen. (Aber recht geschieht ihm!)
Unfall liegt im Auge des Betrachters? Laughing

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BeitragVerfasst am: 04.11.2020 09:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gerade noch mal Tante Wiki bemüht: Der Bugatti Typ 35B kam wohl 1925 auf den Markt und protzt mit genau so einer langen Motorhaube, wie ich sie beschrieben habe.

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anderswolf
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BeitragVerfasst am: 04.11.2020 09:58    Titel: Antworten mit Zitat

Fein, da muss ich ja gar nicht selbst die Technik nachgoogeln lol
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BeitragVerfasst am: 07.11.2020 17:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Michel,
Das ist im Prinzip eine feine Geschichte.
Ich mag den Stil und wie sich der Protagonist mit diesem Snob auseinandersetzen muss.

Aber mir sind da Zuviel Lichter. Klar ist das wichtig, weil Irrlichter und wie Leidener Männlein in Flaschen eingeschlossene, chemisch behandelte Kollegen, aber irgendwie finde ich, dass da schon sehr drauf herumgeritten wird.

Der Schluß ist recht versöhnlich, da das scheinbar vergebliche Aufbegehren des Protagonisten doch irgendwie funktioniert hat und die Lichtlein das des Fieslings ausblasen und die Kollegen befreien konnten.

Witzig fand ich, dass du wie Sleepless gut hundert Jahre alte Leuchtentechnik hervor gräbst.


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