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Vom Reden und Schweigen


 

 
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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 21.09.2009 18:41    Titel: Vom Reden und Schweigen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

    Vom Reden und Schweigen

Einst erzählte mir ein alter, weiser Mann folgende Geschichte, die ich seit jeher in meinem Herzen trage:
In einem armen Land, das fernab unserer Zivilisation lag, lebten die Menschen unruhig. Des Nachts lagen sie in ihren dunklen Zimmern, die Schatten wie dichte Ranken an den Wänden. Auf ihren Nachtschränken und an den Wänden thronten riesenhafte Uhren, die ihnen ihre verrinnende Zeit mit lautem Ticken verdeutlichten. Deswegen konnten die Menschen nicht schlafen; sie zogen sich die Decken über die Ohren und hielten sie sich zu, aber es brachte nichts. Wenn es Tag war, waren sie müde. Mit ihren Freunden konnten die Menschen nicht mehr reden, weil sie durch ihre Müdigkeit daran gehindert wurden; so schwiegen sie lieber und starrten die Wände an. Immer wieder versuchten die Freunde der Menschen, diese zum Sprechen zu bewegen, aber es half nichts. Niemals würden sie die Ursache für deren Schweigen und die Müdigkeit herausfinden. Also verließen sie unglücklich das Land, um sich mit redseligeren Leuten abzugeben, und so konnten sich die Menschen nur noch mit sich selbst unterhalten. Stattdessen schwiegen sie jedoch lieber, weil sie keine fehlgeschlagenen Gespräche mehr ertrugen.
Das, so sagte mir der alte, weise Mann, sei das Ergebnis, wenn man zu sehr auf Ängste und Albträume vertraue, anstatt mit Freunden darüber zu sprechen.



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(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
- JOHN LENNON, "Beautiful Boy"

Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern. (Aus der Begründung der Plattenfirma Decca, die 1962 die Beatles ablehnte.)
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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 21.09.2009 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

Moin,

kann es sein, dass Du einen anderen Text bearbeitet hast? Mir kam einiges sehr bekannt vor, und ich erinnere mich an den anderen Text. Der war wesentlich verschlossener, was mir sehr gefallen hat.

Dieser Text ist sehr klar und schlicht geschrieben, das Bild der Uhren ist hier gestreckt auf eine kleine Handlung, die in eine Weisheit am Ende mündet. Im Gegensatz zum älteren Text also klarer.
Mir gefällt das sehr gut, denn man kann beide nicht mehr vergleichen, so dass jeder eher für sich steht.
Deshalb:
Sehr gut geschrieben!

Danke
Gruß
Tom


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Nina
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BeitragVerfasst am: 21.09.2009 18:49    Titel: Re: Vom Reden und Schweigen Antworten mit Zitat

EdgarAllanPoe hat Folgendes geschrieben:
    Vom Reden und Schweigen

Einst erzählte mir ein alter, weiser Mann folgende Geschichte, die ich seit jeher in meinem Herzen trage:
In einem armen Land, das fernab unserer Zivilisation lag, lebten die Menschen unruhig. Des Nachts lagen sie in ihren dunklen Zimmern, die Schatten wie dichte Ranken an den Wänden. Auf ihren Nachtschränken und an den Wänden thronten riesenhafte Uhren, die ihnen ihre verrinnende Zeit mit lautem Ticken verdeutlichten. Deswegen konnten die Menschen nicht schlafen; sie zogen sich die Decken über die Ohren und hielten sie sich zu, aber es brachte nichts. [kleiner absatz]
Wenn es Tag war, waren sie müde. Mit ihren Freunden konnten die Menschen nicht mehr reden, weil sie durch ihre Müdigkeit daran gehindert wurden; so schwiegen sie lieber und starrten die Wände an. Immer wieder versuchten die Freunde der Menschen, diese zum Sprechen zu bewegen, aber es half nichts. [?] Niemals würden sie die Ursache für deren Schweigen und die Müdigkeit herausfinden. Also verließen sie unglücklich das Land, um sich mit redseligeren Leuten abzugeben, und so konnten sich die Menschen nur noch mit sich selbst unterhalten. Stattdessen schwiegen sie jedoch lieber, weil sie keine fehlgeschlagenen Gespräche mehr ertrugen.
Das, so sagte mir der alte, weise Mann, sei das Ergebnis, wenn man zu sehr auf Ängste und Albträume vertraue, anstatt mit Freunden darüber zu sprechen.


die fehlgeschlagenen gespräche gefallen mir. ansonsten habe ich dir ein paar worte und formulierungen rot markiert, die - wie ich finde - schöner gewählt werden könnten. da, wo das fragezeichen steht, erscheint mir der übergang zu abrupt, auch im satz danach. das fazit am ende bringe ich nicht ganz mit der geschichte zusammen.


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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 21.09.2009 19:03    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nina und Tom, danke für eure Kommentare und das Lob!
Tom, weißt du was? Den Text hab ich meiner Deutschlehrerin vorgesetzt - die hat mir 13 Punkte gegeben Smile Danke auch noch mal für deine Bekräftigung.
Nina, als so "unpassend" hab ich die Formulierungen gar nicht empfunden, werde aber über deine Vorschläge nachdenken.

Eddie


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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 21.09.2009 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Tom, weißt du was? Den Text hab ich meiner Deutschlehrerin vorgesetzt - die hat mir 13 Punkte gegeben

Wenigstens mal eine sinnvolle Lehrerentscheidung!


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Nina
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BeitragVerfasst am: 21.09.2009 19:05    Titel: Antworten mit Zitat

von unpassend hab ich gar nix geschrieben. Wink  Razz

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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 21.09.2009 19:05    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sorry, Nina, ich werde wohl langsam müde. Confused
@ Tom: Ja, das ist es!


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Nina
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BeitragVerfasst am: 21.09.2009 19:16    Titel: Antworten mit Zitat

immer diese fehlgeschlagenen gespräche aber auch... Wink Smile


macht doch nix. man kann sich ja mal verlesen. Wink


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Eredor
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Traumtagebuch
BeitragVerfasst am: 21.09.2009 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde, Eddie, der letzte Satz ist überflüssig.
Du kannst in diesem wirklich tollen Text auch sehr gern indiskret bleiben.

Aber sag mal, versuchst du, ein kleiner Kafka zu werden? wink
Hab eben wieder einen Text für die Schule gelesen, und die Kürze der Kurzgeschichte (höhö) hat mich an den lieben Herrn mit Bindungsproblemen erinnert.

Was ich sehr schön finde, ist das Bild der großen tickenden Uhren.
Bei den anderen Satzteilen kann ich mich nicht entscheiden, ob das von dir verwendete Wort "schweigen" zu viel des Guten ist oder nicht.

Mir hat es auf jeden Fall gefallen und ich hoffe, du kannst mit meinem wirren Eindruck was anfangen lol2
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Alogius
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Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 21.09.2009 22:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde, es würde dem Text schaden, wenn er die Weisheit am Ende nicht hätte.
Damit wir uns richtig verstehen:
Bin wohl niemand, der Verrätselungen ablehnt (im Gegenteil!), aber gerade hier ist der Bruch mit der momentanen Forentradition und auch unabhängig davon geradezu eklatant und wichtig. wink


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gepuzzelt
Schreiberling


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BeitragVerfasst am: 22.09.2009 00:41    Titel: Antworten mit Zitat

Lass mich auch ein paar Bemerkungen zu deinem Text machen, Eddie, weil ich ihn im Großen und Ganzen inhaltlich für beinah gelungen halte, wenn nur ein paar Dinge überdacht werden müssten. Ich werde ihn ein bisschen auseinanderrupfen, hoffe aber, dass alles nachvollziehbar ist.

Zitat:
Einst erzählte mir ein alter, weiser Mann folgende Geschichte, die ich seit jeher in meinem Herzen trage:

Das Wörtchen "alter" finde ich redundant, da sowohl in den Begriffen "weise" wie auch "einst" schon zum Ausdruck gebracht wird, dass es sich hier um eine betagtere Person handelt (wie wohl auch das LI schon fortgeschritteneren Alters sein muss)

Zitat:
In einem armen Land, das fernab unserer Zivilisation lag, lebten die Menschen unruhig.


Ich möchte Nina hier Recht geben, dass das Wort "unruhig" vielleicht etwas unpassend ist, oder zu inhaltsschwach. Den Relativsatz fände ich zugunsten eines "fernab unserer Zivilisation" aufgehoben besser.

Zitat:
Des Nachts lagen sie in ihren dunklen Zimmern, die Schatten wie dichte Ranken an den Wänden.


Das Bild der Schatten als Ranken an den Wänden gefällt mir ganz ausnehmend. Für das Wort "dunkel" gibt es sicherlich sprechendere Alternativen, sei es nur "abgedunkelt" oder "grau", oder was auch immer.

Zitat:
Auf ihren Nachtschränken und an den Wänden thronten riesenhafte Uhren, die ihnen ihre verrinnende Zeit mit lautem Ticken verdeutlichten.


Das Wort "riesenhaft" scheint mir unglücklich gewählt. Aber das ist sicherlich Geschmacksache.
Das "ihnen ihre" und auch das "ihren" davor brachten mich gleich beim ersten Lesen zum Innehalten. Das Erste könnte man zugunsten von "den Nachtschränken" auflösen. Bei zweiteren fällt mir spontan keine Verbesserung ein. Das "verdeutlichen" klingt mir zu sehr nach analytischer Interpretation. Etwas Bildhaftes würde ich hier bevorzugen.

Zitat:
Deswegen konnten die Menschen nicht schlafen; sie zogen sich die Decken über die Ohren und hielten sie sich zu, aber es brachte nichts.


Ein Stolperstein hier ist das Wörtchen "sie", weil der Bezugsrahmen nicht klar hervorgehoben ist. Ich las es erst als Bezugswort zu "Decke", was natürlich wenig Sinn machte.

Zitat:
Wenn es Tag war, waren sie müde.


Die Wortwiederholung könnte man auflösen, indem man den Nebensatz zugunsten einer Partizipialkonstruktion aufgibt: "Am Tag" böte sich da an.

Zitat:
Mit ihren Freunden konnten die Menschen nicht mehr reden, weil sie durch ihre Müdigkeit daran gehindert wurden; so schwiegen sie lieber und starrten die Wände an.


Wärst du so lieb und erklärtest mir die Bedeutung des Semikolon? Mir wäre hier ein Punkt lieber. Das "daran gehindert wurden" klingt mir nicht bildhaft genug und könnte für mein Empfinden satter eingefärbt werden.

Zitat:
Immer wieder versuchten die Freunde der Menschen, diese zum Sprechen zu bewegen, aber es half nichts. Niemals würden sie die Ursache für deren Schweigen und die Müdigkeit herausfinden.


Du bringst eine neue Menschengruppe hier herein, die "Freunde". In der Darstellung bis dato erschien es mir, dass die Übermüdung alle "Menschen" dieser Zivilisation fernab beträfe. Das hat mich hier verunsichert. Solltest du nur eine bestimmte Gruppe innerhalb der Zivilisation gemeint haben, dann wäre es besser gewesen, das zu einem früheren Zeitpunkt in deiner Geschichte zum Ausdruck gebracht zu haben.

Zitat:
Also verließen sie unglücklich das Land, um sich mit redseligeren Leuten abzugeben, und so konnten sich die Menschen nur noch mit sich selbst unterhalten. Stattdessen schwiegen sie jedoch lieber, weil sie keine fehlgeschlagenen Gespräche mehr ertrugen.


In den Zeilen oben hattest du schon gesagt, dass Gespräche mit der Gruppe von "Freunden" nicht mehr möglich waren. Können Selbstgespräche "fehlgeschlagene Gespräche" sein? Ich bin mir da nicht sicher, zwar haben sie keinen anderen Adressaten als einen selbst, aber sind sie daher "fehlgeschlagen"? Das Wort scheint mir daher nicht ganz angemessen.

Zitat:
Das, so sagte mir der alte (sic!), weise Mann, sei das Ergebnis, wenn man zu sehr auf Ängste und Albträume vertraue, anstatt mit Freunden darüber zu sprechen.


Wie Eredor habe ich Schwierigkeiten mit diesem letzten Satz, wohl vor allem, weil du hier "Albträume" ansprichst, die man bei Schlaflosigkeit streng genommen nicht haben kann. Das Wort "vertrauen" erschließt sich mir hier nicht und klingt fast ein bisschen zu positiv, da es sich für mich eher so darstellt, dass die "Menschen" durch ihre Schlaflosigkeit zwangsläufig Ängste entwickeln, die sie aber nicht haben wollen.

Edgar, ich finde, dass diese kurze Geschichte ein großes Potential hat.
Aber im Moment erscheint sie mir als eine Rohfassung, die einer Verfeinerung und eines Gesundschleifens bedarf.

gepuzzelt
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Nina
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BeitragVerfasst am: 22.09.2009 09:45    Titel: Antworten mit Zitat

hi gepuzzelt,

ich habe es so verstanden, dass die "fehlgeschlagenen gespräche" jene waren, die man zuvor noch mit anderen geführt hatte. und weil dies zu häufig passierte, wurde man zum "selbstgesprächler".

lg
nina


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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 22.09.2009 19:01    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Erst einmal danke ich euch allen für die Kommentare - und besonders dir, gepuzzelt, für deine hilfreichen Anmerkungen! -, aber ich denke, ich muss darüber eine Nacht lang schlafen.

Eddie


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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 29.09.2009 10:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hat jetzt doch eine Woche gedauert. Entschuldigung! Ist es so besser?


    Vom Reden und Schweigen



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lupus
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BeitragVerfasst am: 29.09.2009 11:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

'seit jeher' bedeutet doch eigentlich 'immer schon'. (sollt ich mich täusschen, vergiss es )Wenn du das gemeint hast, wär die Erzählung des alten Mannes also eigentlich unnötig, was nix macht, eröffnet neue Perspektien.

Wenn du 'seit damals' meinst, müßtest du 's auch so oder ähnlich schreiben.

Was meinst du?

LGL


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lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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MrPink
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Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 29.09.2009 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

EdgarAllanPoe hat Folgendes geschrieben:
Hat jetzt doch eine Woche gedauert. Entschuldigung! Ist es so besser?


    Vom Reden und Schweigen



Einst erzählte mir ein alter, weiser Mann folgende Geschichte, die ich seit jeher in meinem Herzen trage:
Das seh ich wie lupus.

In einem armen Land fernab unserer Zivilisation lebten die Menschen in Angst. Des Nachts lagen sie in ihren Zimmern, die Schatten wie dichte Ranken an den Wänden. Auf ihren Nachtschränken und an den Wänden thronten riesenhafte Uhren, die ihnen die verrinnende Zeit mit lautem Ticken verdeutlichten.
Das klingt mir ein wenig staksig im Kontext deiner märchenhaften Sprache. Deswegen konnten die Menschen nicht schlafen; der Bezug zum Vorherigen wird auch ohne dieses Wort deutlich, ich würde es weglassen sie zogen sich die Decken über die Ohren, aber es brachte nichts. Am Tag aber waren sie müde. Mit ihren Freunden, die alle aus entlegeneren Gebieten kamen und daher kaum fähig waren, sich um sie zu kümmern, konnten die Menschen nicht mehr reden, weil sie durch ihre Müdigkeit daran gehindert wurden; so schwiegen sie lieber und starrten die Wände an.Du baust hier ein 2. Element ein, die Entfernung, der Bezug zur Zeit wird mir nicht ganz deutlich, entweder sollte die Entfernung mehr Gewicht bekommen, oder nur Nebensache bleiben, so sitzt sie zwischen den Stühlen Immer wieder versuchten die Freunde der Menschen, diese zum Sprechen zu bewegen, aber es half nichts. Die Freunde sind wohl auch Menschen, die in anderen Ländern leben, wird allerdings nicht eindeutig klar, da du von den Menschen schreibst, besser hier noch mal die Menschen in dem armen Land zu erwähnen, verschafft Klarheit Niemals würden sie die Ursache für deren Schweigen und die Müdigkeit herausfinden. Also verließen sie unglücklich das Land, um sich mit redseligeren Leuten abzugeben, und so konnten sich die Menschen nur noch mit sich selbst unterhalten. Stattdessen schwiegen sie jedoch lieber, weil sie keine Gespräche mit sich selbst mehr ertrugen.
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Generell wird der Bezug zum "wahren Leben" schon deutlich. Ich finde nur, deine Worte sind zu schön und laden zum Phantasieren ein, da passiert es schnell, dass man den eigentlichen Aussagen vorbeiträumt, was wiederum sehr schade ist, denn die sind ja absolut richtig und wichtig.
Die Geschichte könnte in sich noch schlüssiger und eindeutiger sein, gerne auch noch ausgeschmückter, so daß man sich noch tiefer fallen lassen kann und genießen. Ein letzter Satz als Brückenschlag ins Hier und Jetzt würde ausreichen. Ein richtiges Gleichnis eben, tolle Ansätze, wunderschöne Sprache, jetzt noch ein bisschen mehr Verspieltheit, und eine packende Erkenntnis am Ende, das wär´s.

Ist natürlich meine eigene kleine Meinung, sonst nichts.

andi


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Alogius
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Die Goldene Bushaltestelle Goldene Feder Prosa (Anzahl: 2)


Vom Verschwinden der Muse
BeitragVerfasst am: 29.09.2009 12:47    Titel: Antworten mit Zitat

Da mir die erste Variante bereits gefallen hat, mir diese auch passt, ändert sich nichts an meiner Bewertung. wink

(Fürs Protokoll^^)


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