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wir ziehen durch die nacht


 

 
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

Alter: 28
Beiträge: 3309
Wohnort: Greifswald
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Goldene Feder Lyrik


Die Tauben
BeitragVerfasst am: 09.08.2011 08:40    Titel: wir ziehen durch die nacht eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

wir ziehen durch die nacht



I

der tanz verströmt ein falsches licht. gebar
er nicht schon lang den traum, der uns verstört,
der uns mit klauen greift & uns betört,
ist er für alle mit dem falschen blick altar?

du sagst, wir gehn stattdessen ein ins grau,
das uns den weg nicht weist. der fahle rauch
aus allem. kälte schleicht bald wie ein schlauch
im falschen garten. jeder blues ist eine frau.

das sagst du & ich glaubs dir nicht. test,
lachst du, es klingt jedoch wie aufgesetzt,
pokale der verluste bleiben dir als rest:

wir gehn in kalte höhlen wie zerfetzt,
zu menschen, deren letzte blicke glimmen,
der tanz gefriert am eis der trüben stimmen.
 
II

der tanz gefriert am eis der trüben stimmen,
das alles sprichst du vor dich hin, sang
der nebelnächte. welcher arm, der schwang
aus dem gestrüpp der klage, welches dimmen

vermag es, dir den weg zu zeigen? still
bin ich, die säule auf der neonstraße.
kann ich im ganzen falschen, irren maße,
denn nicht mehr alles tun, was ich tun will?

das kannst du nicht, das wirst du nicht & zeigst
auf starre dächer. mich wirst du nie täuschen,
selbst nicht in all den wahnsinnsräuschen,

die du mir auferzwingen willst. du schweigst,
wir gehen dennoch in die lichterschreine,
hellgrün blinkt oben licht, als führe eine –

III

- hellgrün blinkt oben licht, als führe eine,
so wiederholen wir im starren discolicht,
den toten wälderatem wie die gischt
in seinem kopf spazieren. edle weine

sind gegen solches denken nichts, sagst
du. wer ist die eine, die du hier so lobst,
frag ich, ist sie wie fallgeplatztes obst,
das du die ganze zeit so blass beklagst,

man könnte ja fast meinen, dunkel sei
dein leben, freude niemals dein revier.
so ist es auch, sagst du, das schwingen hier

zerfrisst mir meinen kopf, es ist ein klang
wie stahl in hinterhöfen, die ganz schlimmen,
die schildkröten der alten: wie ein glimmen

IV


die schildkröten der alten: wie ein glimmen
verfließen ihnen die gesichter. schaum
des tags, lachst du, ein immer schaler traum
vergangener gefährten. wie die stimmen,

so ist dann auch der rest: er ist verloren
im traben jenes stromverstärkten hämmerns,
das wie ein tier in schwülem tropendämmern
die nase reckt in faulen duft. verschworen,

so denkst du, sind die alle, mit gebärden,
als wollten sie aus worten wesen ziehn,
die ihnen helfen, schnell verglühte herden,

die durch die stahlverworfnen nächte fliehn.
so wie sie schreien in dem lärm, dass einer
den rest des tags entbeint & dann kann keiner

V


den rest des tags entbeint & dann kann keiner,
so hallt es von den spiegeln an der starren wand,
den weg mehr finden in dem neonland,
das sich vor unsren füßen streckt. meiner,
 
so sagst du, meiner. wer? das weiß ich nicht
& schaust so still auf vollgesprühte mauern,
dass mir der schweiß ausbricht, ein schauern
mich überläuft, als würde mir das licht

den atem stehlen, wie es hier verrinnt,
die wege in den abgrund nimmt & geht,
als obs geheimes tue wie das kind,

das dort alleine in der ecke steht:
die einsamkeit schleicht vor den bühnen,
nie sagen, es sei schön. in heißen dünen

VI

nie sagen, es sei schön. in heißen dünen
(so hallt es von den wänden wieder) stirbt
ein wort, das um das leben nicht mehr wirbt.
der klang spricht selbst noch von den leeren bühnen,

wenn keine gläser mehr am tresen klirren,
wenn die gesichter keine monde zeigen,
stattdessen nur den alten geisterreigen,
den niemand will im rauchgeschwärzten schwirren.

& tritt der dampf noch überall als fuß
des endlichen, so flüchten wir zum gleis,
das alles neonlampenlicht verschweißt

& nichts mehr zeigt als all den toten ruß,
den tage hier vergaßen. & ich weiß:
es geht ein wort im leiberzucken. weiß –

VII

 
vergeht ein wort im leiberzucken. weiß,
es geht nie mehr zurück, das lange schlagen
in jeder nacht, den preis davonzutragen
& in der straßenbahn, dem sommerheiß

des alten stadtbetriebs, den stillen schlaf.
dann steigst du aus am fahlen schallen
& siehst den staub auf alle gleise fallen,
derweil die frau auf deinen schatten traf.

& steigt an raugeputzten hausfassaden
der atem eines tags, der nur zerstört,
was alle vor ihm bauten: unbetört

sind die gesichter der mänaden,
gespenster wandern hin auf allen dünen –
es nicht, sagt der student, auf allen bühnen –

VIII

es nicht, sagt der student, auf jeder bühne  
ja, welche bühnen denn, ich frage ihn,
auf welche bühnen kannst du jetzt noch ziehn,
da du nun nichts mehr hast, du wanderdüne:

der sand der dürre reibt dir in den augen,
klebt in dem uhrwerk aus verworfnem stahl,
das dir in jeder nacht den atem stahl,
sodass du flohst dahin in falschem glauben,

den sinn zu finden, welcher um dich trieb
wie totes holz, das jeder in die seen taucht
& dir verzweiflung in die augen schrieb,

damit du taumelst in den langen schlauch,
der dir die ganze nacht sein wird: es heißt,
es sei so ähnlich. nicken aus dem kreis

IX

ists doch das gleiche: nicken aus dem kreis
um dich herum. & längs um uns steht wald.
wir hören, wie der lockruf darin schallt,
uns zu fontänen zieht, die in dem weiß

des wassers nymphen zeigen. diese tauchen
mit körpern wie aus schönen spiegeln auf,
verändern wesen (unsren lebenslauf)
mit ihrem singen. dieses feuerrauchen

um tresen dieser bar aus edelstahl.
dann sagt mir unvermittelt der student:
das schimmern, das wir suchen, ist so fahl,

dass wir es niemals sehen, wie es brennt. -
das schöne ist dann nur ein böser test
um ihn herum. nur kälte bleibt als rest.

X


um ihn herum. nur kälte bleibt als rest,
es sei denn, dies ist nur ein test,
der ihn zu einem bessren leben zwingt,
das schöne schließlich auf den nachtweg bringt.

er sagt: von diesen dingen träume ich,
die mir, der ich ums flackerfeuer schlich,
den weg ins helle zeigen. das versteht,
dem ständig kalter wind um ohren weht,

die nicht mehr frieren können. schneller halt
sei nicht mehr möglich, sagen viele. hallt
dann nähe auch aus deinem schönen mund,

er wirkt doch wie ein kalter, tiefer schlund.
so ist es, einzig und allein ein letzter rest,
sag ich danach, der tanz ist wie ein letzter test.

XI

- sag ich danach, der tanz ist wie ein letzter test:
und meinem körper, der dem schnee gefällt,
ist bald der letzte schicksalsspruch gefällt,
der aus den wolken fällt wie eine pest:

ich denk an das gebüsch in unsrem wald.
dort kriechen schlangen in der nässe,
die von dem regen kommt; die fahle blässe
der menschen in den parks ist die gewalt,

lässt alle in die discotheken fliehen,
ein wirr aus leibern durch die nächte ziehen,
bis in der pisse nach dem bier der spiegel

des bessren lebens scheint: der große riegel,
dass nun ein licht am tresen für uns brennt –
was meinst du denn damit?, fragt der student.

XII

was meinst du denn damit?, fragt der student.
dass uns von allem nur ein eisschrank trennt,
sag ich, den wir nicht öffnen können, weil
er uns erscheint wie jener irre pfeil,

den auf uns schoss die nacht. du spürst ihn doch,
was du als letztes siehst, ist nur ein großes loch
in deinem blick: das du nie schautest. grau
wird dann der himmel morgen & so blau

wirst du dich fühlen, dass in diesem grellen
kein rauschen du mehr fühlst. wogen schnellen
entlang den neonwäldern. das sind wagen,

die den gestank der tage in sich tragen.
so wirst du ihn bald spüren. trübe schicht:
ganz einfach, wir erfinden niemals wieder licht.

XIII

ganz einfach, wir erfinden niemals wieder licht:
es blendet uns zu sehr. wir wanken immer
durch wälder, schatten, bis jede tiefe schicht
nicht mehr geschieht. & der rote schimmer

des tags verfolgt uns doch mit seinem tritt.
er nimmt uns auf die lange reise mit,
durch züge, glasfabriken, kirchenhallen,
dass wir in trockne kreidegruben fallen,

die uns mit ihrem staub bemalen. trinken
das flirren dürrer erde. im warmen laufen
die hände uns davon in spiegel. winken,

das ist uns niemals mehr erlaubt. schlaufen
des denkens überall. alles ist die pflicht,
wenn wir die nacht nicht sehn & ihr gesicht.

XIV

wenn wir die nacht nicht sehn & ihr gesicht,
dann stolpern wir durch sümpfe, hören pfeifen,
das sich im ohrgang fortpflanzt, eine schicht
des alten willens: wie den mühlstein schleifen

wir unsre augen überall, selbst am lügen.
von diesen wegen kann uns niemand bringen,
so flüsterst du & alles wasser trüben,
das wär nicht möglich, nacht & blau verschlingen:

das sei ein märchen. hallen der fabriken: all
das schöne sterben. neonlicht. ein glanz.
dann fliehts dahin in jenem schnellen fall,

den wir so fürchten wie die nacht, den tanz:
wir kleben immer an dem nächtehemd,
das hängt in dieser bar & uns verbrennt.

XV

der tanz gefriert am eis der trüben stimmen.
hellgrün blinkt oben licht, als führe einer
die schildkröten der alten: wie ein glimmen
den rest des tags entbeint. & dann kann keiner

mehr sagen, es sei schön. in heißen dünen
vergeht ein wort im leiberzucken. ich weiß
es nicht, sagt der student, auf allen bühnen
ists doch das gleiche: ein nicken aus dem kreis

um ihn herum. nur kälte bleibt als rest,
sag ich danach, der tanz ist wie ein letzter test:
wie meinst du denn damit?, fragt der student.

ganz einfach: wir erfinden niemals wieder licht,
wenn wir die nacht nicht sehn & ihr gesicht,
das hängt in dieser bar und uns verbrennt.

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Gast







BeitragVerfasst am: 09.08.2011 09:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inkognito,

ich glaube nicht, dass diese Forums-Darstellung von Sonettenkränzen sinnvoll ist - man hat nie alles im Auge, es ist eine Sucherei, die man schnell aufgibt. Da muss es andere Möglichkeiten geben?

Beim stichprobenartigen Lesen habe ich gesehen, dass du einige vier- und sechshebige Verse drin hast (z.B. V, VII, VIII). Ist das Absicht?

Gruß,

Soleatus
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