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back to the roots


 
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 29.10.2017 18:23    Titel: back to the roots eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nach längerer, schreiberischer Abstinenz, spiele ich mit dem Gedanken, mich einem meiner anderen Projekte zu widmen. Meine Stärken liegen wohl doch eher im Zwischenmenschlichem, bzw. bin ich gerade ein wenig desillusioniert, was das Vorankommen mit meinem großen Fantasyprojekt betrifft.
Naja, und deshalb hier also der Einstieg zu einem Generationenroman, der sich mit den Auswirkungen einer erblich bedingten Störung der Psyche beschäftigt.
Ist er zu kitschig, zu typisch etc.?
Was haltet ihr von der schon umgesetzten Idee, den Stil, jeweiliger Sicht und Epoche anzupassen?
Dieses erste Kapitel zum Beispiel erzählt aus der hier noch kindlichen Sicht der Hauptfigur, während spätere Kapitel die Sicht der jungen Frau oder der Nachkriegszeitkindheit der Mutter übernehmen.
Gehen solch arge Stilbrüche innerhalb eines Buches für euch gar nicht?
Gibt es Beispiele, die erfolgreich mit solchen Brüchen arbeiten?
Vielen Dank, wie immer, für eure Zeit!
Und was den Titel betrifft, den möchte ich ganz unbedingt so stehen lassen, auch wenn er in einigen Ohren vielleicht nach Ratgeber klingt...wink



Von der Kunst zu lieben

Jedes Kind kommt mit Flügeln, von der Liebe bald zu Schwingen bereitet.
Gestutzt oder gar gebrochen aber von den Liebenden, die selbst nie zu fliegen gelernt haben.

Heute hatte Paul etwas zu Mea gesagt.
Das war an sich vielleicht nichts Besonderes, denn er sagte öfter etwas. Sätze wie: „Verpiss, Dich!“, oder: „Ihr könnt euch nur Lumpen leisten!“
Aber heute hatte Paul etwas gesagt, das Mea traurig gemacht hatte. Für gewöhnlich, wenn Paul sie ansprach, hörte sie nur ihren Atem oder das Kreischen der anderen Kinder auf dem Flur. Die Gemeinheiten blieben nur ein Wispern, wie der Wind es im Herbst in der Kastanie vor Meas Fenster anstimmte, und nur manchmal wurden sie laut wie der Schlagersänger, der ab Mitternacht bis in den Sonntag hinein über Meas Kopf durch die Decke dröhnte und von dessen Darbietung sie nur den Refrain verstand: „Comon sava comsi comsicomsa!“
Meas Mutter nannte es gute Laune Musik für versnobte Knallköpfe. Wenn der Nachbar vor der Tür stand, um sich wegen Unzel zu beschweren, nannte sie ihn höflich Herr Böllwiegel und hatte sich schon vorher hektisch das Haar hinter die Ohren gekämmt. Dem Nachbar gehörte nämlich das halbe Haus, er besaß eine Eigentumswohnung, und der stärkste Strich auf der Unterschriftensammlung hatte seine Handschrift getragen.
„Manchmal muss man seinen Ärger einfach herunterschlucken, Mea! Manchmal muss man eben nachgeben“, hatte ihre Mutter gesagt und Mea wollte verstehen, dass sie zu der Sorte Menschen gehörten, bei denen aus dem Manchmal ein Immer geworden war. Denn wie jedes Jahr hatte sie nicht zum Schwimmkurs gedurft, weil es zu wenig Plätze gab, und wenn die Frau Schmidthuber sich über die riesigen Haufen beschwerte, die niemals aus Unzels kleinem Dackelkörper kommen konnten, wurde Mea geschickt, sie aufzuheben.
Das komische Amt, dass ihre Miete bezahlte, hatte nicht nur manchmal nur so viel Geld übrig, dass Mea drei Wochen lang bei Tante Colli essen musste. Und wenn Meas Mutter mit wirren Haaren und leerem Blick die Tür öffnete, um dann den ganzen Nachmittag auf der Wohnzimmercouch zu liegen, dann gab Mea nach und sammelte die Flaschen, beseitigte Flecken, klopfte die Schulter ihrer Mutter unter der schweren Wolldecke, als wäre sie ein verschnürtes Paket, dessen Inhalt in Aufruhr geraten war. An solchen Tagen hatte sie manchmal gezeichnet, immer eines der gruseligen Bilder. Mea bekam Albträume von ihnen. Man sah gesichtslose Menschen darauf oder riesige, zu Schreien verzerrte Münder, die aussahen, als kämen sie aus der Leinwand heraus, um alles zu verschlingen.
„Sei froh, dass du nicht in meinen Kopf gucken kannst“, sagte ihre Mutter, wenn sie sich aufgerafft und die Tochter vor der Staffelei gefunden hatte.
„So sieht es darin aus.“
Mea hatte keine Vorstellung davon, wie es im Kopf ihrer Mutter wirklich aussah. Sie war sich nur ziemlich sicher, dass darin ein unglaubliches Durcheinander herrschte.
Es gab Tage, da putzte Maria Schrier bis hinter die Schränke und dann wieder gab es Tage, da fand Mea nichts Sauberes mehr in den Schubladen, und dann gab es auch Tage, da stellte sich Mea vor, wie es wäre, bei Tante Colli zu wohnen.
Aber von diesem Gedanken aus sah Mea ihre Mutter unter der Wolldecke liegen, wie sie bald nichts mehr essen und trinken würde und dann glaubte Mea, in ihrer Brust stecke eines der schreienden Münder und würde ihr Herz verschlingen.
Meas Mutter sagte, dass die Kunst ein brotloser Beruf sei. Die Leute würden nur für Dinge bezahlen, die sie auch verstanden, für das, was Platz in ihren Schubladenköpfen fand. Und dass die Leute Schubladenköpfe hatten, war der Grund, warum Mea und sie zu den Menschen gehörten, die immer nachgeben mussten.
Mea verstand nicht viel von diesen Überlegungen. Sie stellte sich vor, wie die Leute mit Schubladenköpfen wohl aussehen würden, ob sie dann drei hätten, eine für das Essen, eine für die Luft und eine für die Gedanken und dann musste Mea lachen, weil das Bild in ihrer Vorstellung so komisch aussah, und dann lachte auch ihre Mutter und drückte ihren Mund in Meas Halsbeuge und prustete so kitzelig hinein, dass Mea mit dem Po fast von der Couch rutschte.

1234Wie es weitergeht »




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*Arthur Schopenhauer
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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 29.10.2017 23:36    Titel: Re: back to the roots Antworten mit Zitat

Hallo Diana,
das mit der Schreibastinenz tut mir leid zu lesen. Ich hoffe, dass die Forenkritik, und damit auch meine, dich nicht in diese Abstinenz getrieben hat. Denn eigentlich fand ich Luis' Geschichte, obwohl wir uns nicht ganz einig waren, doch sehr erzählenswert.
Vielleicht liegt es ja nicht am Thema oder am Genre, sondern eher daran, dass man manchmal zu nah und zu lange an einer Geschichte sitzt? So, dass man den Wald selbst manchmal nicht mehr vor Bäumen sehen kann? Ich habe von diesen Geschichten auch ein paar auf dem Laptop liegen.
Aber eigentlich wollte ich ja etwas zu diesem Projekt schreiben:
Der Text gefällt mir richtig gut. Überhaupt nicht kitschig, wirkt sehr echt, sehr persönlich, sehr dicht, sehr originell und sehr nah dran. So sollte man überhaupt Geschichten über psychische Erkrankungen schreiben, ohne Selbstmitleid, ohne Stereotypen, dafür mit ganz viel Persönlichkeit.
In diesem kleinen bisschen Text steckt ganz viel drin. Gefällt mir wirklich sehr.
Zitat:
Was haltet ihr von der schon umgesetzten Idee, den Stil, jeweiliger Sicht und Epoche anzupassen?
Dieses erste Kapitel zum Beispiel erzählt aus der hier noch kindlichen Sicht der Hauptfigur, während spätere Kapitel die Sicht der jungen Frau oder der Nachkriegszeitkindheit der Mutter übernehmen.
Gehen solch arge Stilbrüche innerhalb eines Buches für euch gar nicht?

Mir gefällt die Erzählstimme so gut, dass ich mich schwer von ihr würde trennen wollen. Persönlich bin ich auch nicht so der Fan von großen Sprüngen in Büchern, aber wenn du diesen roten Faden einer vererbten psychischen Störung durch ein Buch weben willst, dann ist es vielleicht der richtig Weg. Machen kann man in der Literatur ja fast alles, nur stimmig muss es eben sein. Und wenn es sich stimmig für dich anfühlt, dann würde ich das auf jeden Fall ausprobieren.


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"But in the end, stories are about one person saying to another: This is the way it feels to me. Can you understand what I'm saying? Does it also feel this way to you?"
-Sir Kazuo Ishiguro
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BeitragVerfasst am: 30.10.2017 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

Mir gefällt das auch sehr gut.

Für mich sind solche Stilbrüche kein Problem. Mir scheint, für was du vorhast, geht es gar nicht anders.

Wenn du die anderen Perspektiven auch so überzeugend hin bekommst ...
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 30.10.2017 23:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Anne,

ich hab mich gefreut, dich hier zu finden!
Weil ich es eigentlich sehr schade fand, dass unsere Meinungsverschiedenheit dazu geführt hat, dass wir uns letztendlich lieber aus dem Weg gegangen sind.
Wahrscheinlich habe ich damals überreagiert, weil du der Tante an die Wäsche wolltest...wink lol2
Es war aber nicht direkt Kritik (und schon gar nicht die deine / in der AG bin ich schon noch über ein paar Kapitel hinausgekommen), die jetzt zur Umorientierung geführt hat. Anscheinend habe ich ein Faible dafür, mir Buchideen zu suchen, die mich in der Umsetzung vor wahre Bergketten stellen...
Bei Luis ist es das Gerüst aus schnellen und nebulösen Weltenreisen, mit dem die Leser sich letztendlich überfordert gezeigt haben. Es funktioniert so ein bisschen wie eine Diashow - kurzes Bild, viele Rätsel, verrückte Welt- und bevor der Leser sich heimisch fühlen kann, fällt er schon wieder. wink
Ich mag es eigentlich immer noch und brauche derzeit nur ein bisschen Abstand, vielleicht auch Kommentare wie deinen hier, die zur Abwechslung mal nicht das Haar in der Suppe finden wollen. wink
Weil ich natürlich nicht ganz blind bin, was meine Schreiberei betrifft und weiß, dass dieser Anfang was hermacht, habe ich ihn mit voller Geltungssucht hier online gestellt. Ich musste einfach mal wieder hören, dass ich schreiben kann... Embarassed Embarassed Wink
Das Projekt selber stellt mich aber vor ähnlich gelagerte Schwierigkeiten:
Was bei Luis die schnellen Wechsel zwischen den Welten sind, ist hier die Erzählperspektive. Als strahlender Ausweg steht der auktoriale Erzähler. Aber den mögen die Leute nicht und während ich an anderer Stelle gern auf ihn oder die neutrale Perspektive zurückgreife, kann ich mich hier (noch nicht) von Mea trennen, weil ein großer Teil der Atmosphäre und erwähnenswerter Gedanken dann wegfallen würde. Vielleicht habe ich aber auch ein generelles Problem mit der Perspektive ( alles Wälzen entsprechender Lehrliteratur hat bisher nichts gebracht, weil ich beim freien Schreiben einfach nicht darauf achte). Nun habe ich überlegt, diese Not zur Tugend zu machen und das Buch, statt es auf seine Perspektive hin zu überarbeiten, bewusst in den Brüchen zu halten. Ehrlich gesagt, denke ich, dass es sich wieder daran aufhängt, dass der Leser diesem Experiment nichts abgewinnen können wird.
Du schreibst ja auch selbst, dass du dich nicht wirklich damit anfreunden kannst. Ich werde vielleicht in den nächsten Tagen ein späteres Kapitel posten, dass in Handlung und Stil die Nachkriegskindheit behandelt. Wenn du dann noch dran bist, wirst du sehen, was ich meine und und vielleicht auch, ob es funktioniert oder komplett danebengeschossen wirkt.
Ich würde mich freuen!

Grüße
diana


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Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 31.10.2017 13:10    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Weil ich es eigentlich sehr schade fand, dass unsere Meinungsverschiedenheit dazu geführt hat, dass wir uns letztendlich lieber aus dem Weg gegangen sind.
Wahrscheinlich habe ich damals überreagiert, weil du der Tante an die Wäsche wolltest.

Ich glaube, ich habe in meinen letzten beiden Posts auch nicht den richtigen Ton gefunden. Das habe ich schon am nächsten Tag bereut. Sorry.
Zitat:
Anscheinend habe ich ein Faible dafür, mir Buchideen zu suchen, die mich in der Umsetzung vor wahre Bergketten stellen...

Das kenne ich auch. Aber ich glaube so halten wir uns selbst bei der Stange. Immer das gleiche machen, lockt ja keinen kreativen Kopf vorm Ofen hervor. Nur wenn man sich mehr vornimmt, als man leisten kann und dann verzweifelt, wird's eben schwer.
Zitat:
Ich musste einfach mal wieder hören, dass ich schreiben kann.

Das kannste. Da hab ich auch gar keinen Zweifel dran. Aber längere Stücke zu konstruieren, alle Fäden in der Hand zu behalten, ist dann noch mal ne andere Herausforderung. Ich glaube das lernt man auch nur, indem man den Karren ein paar mal gegen die Wand fährt.
Zitat:
Nun habe ich überlegt, diese Not zur Tugend zu machen und das Buch, statt es auf seine Perspektive hin zu überarbeiten, bewusst in den Brüchen zu halten. Ehrlich gesagt, denke ich, dass es sich wieder daran aufhängt, dass der Leser diesem Experiment nichts abgewinnen können wird.
Du schreibst ja auch selbst, dass du dich nicht wirklich damit anfreunden kannst.

Ich würde das echt einfach mal versuchen, und zwar so, wie du dir das selbst vorstellst. Ich musste bei meinem aktuellen Manuskript, das bei mir so langsam in die Endphase geht, auch total lange rumprobieren, bis das, was ich wollte, auch funktioniert hat. Aber ich hab dabei auch ne Menge gelernt. Deshalb war die Zeit nicht vertan.
Also, wie gesagt, gib dir ruhig den Raum, dich auszuprobieren und zu entwickeln. Der Anspruch sollte nicht sein, dass alles schon beim ersten Versuch sitzt. (!)
Und dann gilt es vielleicht auch die Frage zu klären, wohin du mit deinem Geschriebenen möchtest. Ich sehe da spontan zwei Möglichkeiten.

1: Du schreibst das, was dich bewegt, schreibst experimentell und so, wie es dir selbst richtig erscheint, verwirklichst dich auf deine Weise und stellst Leserbefindlichkeiten hintenan. Und dann akzeptierst du eben, dass deine Leserschaft begrenzt ist, dafür aber genau auf dieses Besondere, das nur du machst, total abfährt.
2: Du willst dass die Geschichte für eine größtmögliche Menge an Leuten funktioniert. Dann muss man wirklich eine ganze Weile rumprobieren und sich an eine klassischere Erzählweise annähern.

Beides halte ich für valide Herangehensweisen. Aber ich glaube, man muss sich für eine entscheiden. Sonst wird das Schreiben zum Frust.
Zitat:
Ich werde vielleicht in den nächsten Tagen ein späteres Kapitel posten, dass in Handlung und Stil die Nachkriegskindheit behandelt. Wenn du dann noch dran bist, wirst du sehen, was ich meine und und vielleicht auch, ob es funktioniert oder komplett danebengeschossen wirkt.
Ich würde mich freuen!

Ich bin gespannt.


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d.frank
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BeitragVerfasst am: 31.10.2017 15:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Sie wink

Zitat:
Mir gefällt das auch sehr gut.

Für mich sind solche Stilbrüche kein Problem. Mir scheint, für was du vorhast, geht es gar nicht anders.

Wenn du die anderen Perspektiven auch so überzeugend hin bekommst ...


Der auktoriale Erzähler wäre die erste Wahl, in den Nachkriegskapiteln arbeite ich auch mit ihm. Um den Bruch gewollter aussehen zu lassen, könnte man die Mea Kapitel in die direkte Sicht, später ins Präsenz setzen. So bekäme man einen Faden aus Vergangenem und Gegenwart, der die Brüche miteinander verbindet?

Danke für das Lob!

Grüße
diana


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d.frank
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BeitragVerfasst am: 31.10.2017 17:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich glaube, ich habe in meinen letzten beiden Posts auch nicht den richtigen Ton gefunden. Das habe ich schon am nächsten Tag bereut. Sorry.


Ok, cool...dann ging es dir ja ähnlich wie mir. wink
Ich habe es auch bereut, den Karren sofort an die Wand gefahren zu haben Exclamation

Zitat:
Das kenne ich auch. Aber ich glaube so halten wir uns selbst bei der Stange. Immer das gleiche machen, lockt ja keinen kreativen Kopf vorm Ofen hervor. Nur wenn man sich mehr vornimmt, als man leisten kann und dann verzweifelt, wird's eben schwer.


Ja! Der eigene Anspruch, oft steht er einem mehr im Weg, als dass er einem hilft, zu einem Ergebnis zu kommen. Crying or Very sad
Ich glaube aber, man wächst mit seinen Aufgaben und sollte sich IMMER mehr vornehmen, als man zum gegenwärtigen Zeitpunkt leisten kann.
Verzweiflung ist auch nicht das richtige Wort für meine Verfassung Luis betreffend. Ich glaube immer noch an das Projekt und ich weiß, dass es im Groben funktioniert, weil es ja schon steht und nur noch auf seine endgültige Polierung wartet. Es gibt andere Projekte auf meiner Festplatte, die ich guten Gewissens entsorgen würde, bei Luis sehe ich nach wie vor Potenzial und klammere mich auch so ein bisschen an die Vorstellung, die Reaktion der Leser wäre auch dem Umstand geschuldet, dass diese das Buch noch nicht im Gesamtwerk betrachten konnten.
So geht es mir manchmal selbst bei Filmen und Büchern: Ich verfolge fasziniert eine komplexe Handlung, um dann in meinem Misstrauen bestätigt oder positiv überrascht zu werden.
Nur das Weltenproblem und die Fantasyelemente sind so eine Sache. Wobei ich im tiefsten Bewusstsein eigentlich finde, dass es unerheblich ist, in welcher Art Welt man als Leser gestoßen wird und ob man deren Hintergründe sogleich durchschauen muss, weil mich persönlich vor allem die Personen interessieren, die diese Welt bevölkern und ich auch mit ungelösten Rätseln fertig wäre, solange diese nicht tragend für die Handlung sind und schlussendlich ins Leere laufen.
Die Mitstreiter meiner AG haben schon recht früh (in meinen Augen) nach Auflösung verlangt und statt dieser habe ich ihnen weitere Rätsel serviert.
Vielleicht, wahrscheinlich und hoffentlich hatte sich in ihnen nur das Misstrauen geregt, all die Fäden kämen nie auf einen schlüssigen Nenner. Naja, und die vielen Eigennamen und Absurditäten sind schon speziell und nicht jedermanns Sache...

Zitat:
Aber längere Stücke zu konstruieren, alle Fäden in der Hand zu behalten, ist dann noch mal ne andere Herausforderung. Ich glaube das lernt man auch nur, indem man den Karren ein paar mal gegen die Wand fährt.


Stimmt! Davon habe ich einiges in der Schublade und obwohl zwar unter jedem das Wörtchen Ende steht, fehlt es an irgendeiner Stelle für die Marktreife. Trotzdem. Das Urteil über Luis ist noch nicht gesprochen. wink
Ich brauche nur mal etwas Abstand von ihm, bevor ich mir an seinem Widerstand noch alle Zähne ausbeiße

Zitat:
Ich musste bei meinem aktuellen Manuskript, das bei mir so langsam in die Endphase geht, auch total lange rumprobieren, bis das, was ich wollte, auch funktioniert hat. Aber ich hab dabei auch ne Menge gelernt. Deshalb war die Zeit nicht vertan.


Diese Einstellung sollte man auf das ganze Leben herüberretten. Schwierigkeiten sollten einen nicht abschrecken, sondern anstacheln smile

Zitat:
Und dann gilt es vielleicht auch die Frage zu klären, wohin du mit deinem Geschriebenen möchtest. Ich sehe da spontan zwei Möglichkeiten.

1: Du schreibst das, was dich bewegt, schreibst experimentell und so, wie es dir selbst richtig erscheint, verwirklichst dich auf deine Weise und stellst Leserbefindlichkeiten hintenan. Und dann akzeptierst du eben, dass deine Leserschaft begrenzt ist, dafür aber genau auf dieses Besondere, das nur du machst, total abfährt.
2: Du willst dass die Geschichte für eine größtmögliche Menge an Leuten funktioniert. Dann muss man wirklich eine ganze Weile rumprobieren und sich an eine klassischere Erzählweise annähern.

Beides halte ich für valide Herangehensweisen. Aber ich glaube, man muss sich für eine entscheiden. Sonst wird das Schreiben zum Frust.


Das ist ja alles richtig! Aber ab hier lande ich wieder bei der Frage, die mich schon mein ganzes "Autorenleben" verfolgt: Ist es legitim, so viel Zeit für eine Sache aufzuwenden, die einem zunächst nichts in Aussicht stellt, außer der Befriedigung eigener Leidenschaften? Schreiben, gut schreiben kostet Zeit. Klar kann man sich selbst treu bleiben und tun, was einem vornehmlich Freude macht. Aber in jedem Tun steckt auch immer der Ehrgeiz, mit Anerkennung belohnt zu werden, und  wenn diese Anerkennung da draußen bei der großen Meinung liegt, die sich dann auch noch bereit zeigen muss, für das Endprodukt zu bezahlen....
Was eine schöne Gratwanderung, die einige Künstler schon gebrochen hat. Crying or Very sad

Wie auch immer, aufhören kann ich jedenfalls nicht und das ist ja eigentlich positiv zu bewerten. smile

Liebe Grüße
diana


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d.frank
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BeitragVerfasst am: 31.10.2017 21:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ok, hier also das 15. Kapitel, auktorial?

Kapitel 15

„Schwanger“, sagte Gabrielle über Wolfs Schulter hinweg, der gerade seinen Ausgehhut auf die Ablage drapierte.
„Was?“ Er blickte zu ihr hin und ließ sich die Jacke aus den Händen reißen. Kurz darauf fiel das Kleidungsstück wieder vom Haken.
„Sie ist schwanger, Wolf!“
„Und woher weißt du das?“ Gemessen an seiner Frau, blieb Wolf Jau pedantisch ruhig, als wäre seine Auffassungsgabe noch draußen im Regen. „Hat Maria es dir gesagt?“
„Natürlich nicht! Ich habe es gesehen. Sie hat versucht, es vor mir zu verstecken. Aber ich bin eine Frau, Wolf! Ich weiß schon, was da mit ihr los ist.“
„Und du bist dir auch sicher, Schatz? Du siehst viele Gespenster in letzter Zeit.“ Ein lapidares Zwinkern seines rechten Auges und der leicht angehobene Mundwinkel darunter brachten Gabrielle noch weiter auf.
„Ich weiß es, Wolf! Vor Monaten schon hat sie ihre erste Periode bekommen, das habe ich doch gemerkt. Und jetzt ist sie schwanger. Und Georg ist ein verliebter Dummkopf. Ich habe dir das gesagt! Ich habe dir gesagt, dass wir etwas tun müssen, aber du mit deinem Gerede, man soll sie machen lassen. Schwanger ist sie, Wolf! Und dabei gehen sie doch noch zur Schule.“
Tatsächlich hatte Wolf Jau seine Frau derart aufgelöst noch nicht gesehen. Er hatte sich an ihre, mit den Jahren wachsenden Befindlichkeiten gewöhnt, aber nun schien ihm, als hätten sie ihren Gipfel gefunden.
„Beruhige dich! Vielleicht redest du dir das nur ein, es sind doch noch Kinder.“
„Kinder, Wolf, ja das ist schon die ganze Zeit dein Reden. Lass doch die Kinder mal machen! Das Mädel hat Georg komplett unter der Fuchtel. Ich sag das die ganze Zeit, du sollst etwas unternehmen, hab ich gesagt!“
„Gabrielle!“ Wolfs Stimme wurde selten barsch, jetzt aber schnitt sie den Atem, den die Ehefrau stoßweise in den Flur presste.
Er schob ihre schmale Erscheinung in die Wohnküche, drückte sie an den Schultern auf einen der Stühle und hielt sie dort mit einem Blick gefangen.
„Wo sind die Beiden?“
„Ich weiß es nicht! Georg macht doch, was er will, seit Maria ihn verhext hat.“
„Verhext? Jetzt übertreibst du aber! Woher kommt denn nur deine Wut auf das Mädchen? Soll ich dich daran erinnern, wie du damals gesagt hast, das arme Ding gehe in dieser Familie ein, und dass du ihm eine gute Mutter sein könntest?“
„Aber  sie ist durchtrieben, Wolf! Sie bringt Georg um den Verstand. Er will die Lehre nicht anfangen. Jetzt will er um die Welt reisen, und all so ein Gespinst. Das hat Maria ihm in den Kopf gesetzt. Ich habe Angst, eines Tages machen sie wirklich so einen Leichtsinn und Georg wirft seine Zukunft weg. Und wenn sie jetzt schwanger ist. Dann ist das sowieso der Anfang vom Ende. Dann muss er sie aushalten, sie und das Kind, von seinem bisschen Lehrlingslohn, und er ist doch noch so jung, Wolf, er hat doch die Richtige noch gar nicht gefunden.“
„Ich glaube, du irrst dich", sagte Wolf Jau und blickte an seiner Frau vorbei auf das Stillleben, das Maria ihren Rettern zum Dank übereignet hatte. Er hielt es für beispielhaft, jemand hätte dieses Talent wirklich fördern sollen.
"Das Mädel ist doch harmlos, nur am Zeichnen den lieben langen Tag.“
 „Maria ist durch und durch Frau", ereiferte sich Gabrielle," Und das weiß sie auch auszunutzen. Du musst sie aus dem Haus jagen, Wolf! Und den Georg schicken wir auf eine weiterführende Schule, ins Internat, weit weg von den schlechten Einflüssen.“
„Gabrielle, das ist doch lächerlich! Hör dich doch nur an, ich glaube, ich lasse dich zu oft alleine.“
Obwohl ihr Ehemann den letzten seiner Sätze ironisch lächelnd touchiert hatte, verstummte Gabrielle und strich sich flüchtig das Haar aus der Stirn.
„Du musst mit ihm reden, Wolf! Und mit ihr. Sie soll zu einem Arzt gehen. Vielleicht kann man noch etwas tun. Du musst es ihr ausreden, hörst du, Wolf?“ Dann schien ihr das Gespräch beendet, sie setzte sich in den Ohrensessel neben den Kamin und strickte, wie sie gern betonte zur Beruhigung ihrer Nerven, wenn Wolf diese neuerliche Leidenschaft als altbacken und fromm bezeichnete, aber die Nadeln klapperten, als fielen sie, immer und immer wieder.


Maria, oben in dem kleinen Dachbodenzimmer, das die Jaus ihr sehr bald nach ihrem Einzug bei Ihnen zugestanden hatten, drehte sich vor dem goldgerahmten Spiegel, vor dem Gabrielle ihr noch vor ein paar Monaten so gern das Haar gekämmt hatte.
Sie war nackt bis auf einen Baumwollschlüpfer, so wie Georg es am Bachlauf gewesen war, an dem Tag, als er ihr wehgetan hatte.
„Du blutest nicht!“, hatte er gesagt, fast wie ein Forscher, der soeben im geschätzten Ablauf eines Experimentes gestört worden war, und es hatte sie so sehr beschämt, dass ihr Tränen liefen, wo sie eigentlich Wut fühlte.
„Ich habe das nur gehört, dass die Mädchen beim ersten Mal bluten. Das muss ja nicht bei jedem Mädchen so sein. Das ist bestimmt nichts Schlimmes, Mariechen, und jetzt wird es auch besser. Wir können es jetzt immer tun. Du hast dich so gewehrt, und jetzt war es doch schön, oder? Wenn du nur wüsstest, wie sehr ich dich liebe. Jetzt ist unsere Liebe besiegelt, Maria! Wir sind jetzt wie Mann und Frau.“ Und er hatte sie geküsst, auf die Tränen an ihren Wangen, ohne sie zu schmecken, und hatte sie gedrückt, als wollte er sie zerbrechen, und auf dem Weg nach Hause waren die Tränen versiegt, und die Familie hatte unter Gabrielles strengem Blick zu Abend gegessen, , die Georg so liebte.
Was genau da in ihr passiert war, wusste Maria nicht, es war eine dunkle Erinnerung, die sie gut fortschicken konnte. Was jetzt mit ihr passierte, ließ sich nicht wegdenken. Es umgab sie mit einer seltsamen Wolke aus Schmerz, Furcht und Zauber.
Zuerst hatte sie gedacht, sie habe in der letzten Zeit vielleicht zu wenig auf sich geachtet, hätte zu gut von Gabrielles Mahlzeiten gegessen. Aber der Rest ihres Körpers, die Arme und Beine, die Rippen und Taille waren zart geblieben. Umspannt von durchscheinender Haut, die bleicher war, als die, die sich nun über der Rundung ihres Bauches wölbte. Es schien hart darunter, fast als wären die Innereien versteinert, und Maria konnte nicht aufhören, die Hände darauf herumzudrücken, es abzuklopfen und zu piksen. Und wenn sie es getan hatte, so wie jetzt, dann folgte augenblicklich die Scham, sich so offen zu betrachten, denn auch die Brüste, ehemals klein und fest, waren größer und saftig geworden wie reife Trauben.
Man hatte Maria so weit aufgeklärt, dass sie wusste, dass Kinder nicht vom Himmel fielen. Sie stellte sich vor, dass sie vielleicht aus dem Nabel kämen. Die andere Öffnung war ihr noch immer zu übel, selbst jetzt noch, wo Georg ihr mehr als einmal versichert hatte, wie schön es dort sei.
Die Veränderungen ließen Maria sich vor einer Krankheit fürchten, einem Geschwür oder einem anderen Ding. Doch dafür sprachen weder die dichten, glänzenden Locken, noch die Vitalität und anziehende Aura, die Maria noch stärker auf Georg zu haben schien. Immer maßloser war er geworden, kam in der Nacht, während unten die Eltern schliefen, zu ihr und immer danach schwor er ihr, wie sehr er sie liebte, und wie sehr er sich wünschte, dem Elternhaus zusammen mit ihr zu entfliehen. Er war so ein Einfaltspinsel, das war es, was Maria in ihm sah. Doch gerade diese so unbekümmerte Art hatte sie doch an ihn gebunden. Nun war es allem voran Verzweiflung, die er weckte. Maria befürchtete, Gabrielle ganz gegen sich aufzubringen, wenn Georg sich ihr so offensichtlich näherte. Sie trug sich mit der Schuld, die von den Jaus geschenkte Zuflucht und deren Vertrauen zu verraten, wenn sie Georg nicht von sich abbrachte. Denn natürlich sah sie die Blicke, die Gabrielle ihr zuwarf. Und die wenigen Worte, die noch fielen, drehten sich im Kern doch immer um Georg. Ebenso fehlte Maria die mütterliche Zuwendung Gabrielles, die sie zwar nicht hatte annehmen können, die ihr jedoch vor Augen führte, was sie die ganze Kindheit lang vermissen musste.
Niemals hätte sie es gewagt, sich gegen einen der beiden Jaus zu stellen, aber ebenso wagte sie nicht, deren Sohn zu widersprechen.
In diesen Verstrickungen und mit den Vorgängen in ihrem Körper entdeckte Maria aber auch ein neues Bewusstsein für sich selbst.
Wenn sie jetzt in den Spiegel schaute, fand sie sich immer öfter schön. Ihr Gesicht, das so oft Anlass zum Spott gegeben hatte, strahlte ihr jetzt entgegen. Die weiblichen Rundungen, die sie stets verleugnet und verabscheut hatte, erweckten eine schüchterne Neugier.
Und als Wolf Jau ohne Vorwarnung in der Dachkammer stand und sie sah, fast nackt, nur der linke Busen unter einem Schwall schwarzer Haare vergraben, da entdeckte Maria auch in ihm das Begehren, das seinem Sohn in jeder Minute aus den Augen sprang.

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Beiträge: 897
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BeitragVerfasst am: 03.11.2017 23:40    Titel: Antworten mit Zitat

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Das ist ja alles richtig! Aber ab hier lande ich wieder bei der Frage, die mich schon mein ganzes "Autorenleben" verfolgt: Ist es legitim, so viel Zeit für eine Sache aufzuwenden, die einem zunächst nichts in Aussicht stellt, außer der Befriedigung eigener Leidenschaften? Schreiben, gut schreiben kostet Zeit. Klar kann man sich selbst treu bleiben und tun, was einem vornehmlich Freude macht. Aber in jedem Tun steckt auch immer der Ehrgeiz, mit Anerkennung belohnt zu werden, und  wenn diese Anerkennung da draußen bei der großen Meinung liegt, die sich dann auch noch bereit zeigen muss, für das Endprodukt zu bezahlen....
Was eine schöne Gratwanderung, die einige Künstler schon gebrochen hat.

Ich verstehe deine Zerrissenheit, auch wenn ich selbst eher Pop-Literatur schreibe und deshalb nicht das Gefühl habe, mich verbiegen zu müssen um ein breiteres Publikum anzusprechen.
Vielleicht musst du erst mal rausfinden, ob es eine Schnittmenge gibt zwischen dem, was dich künstlerisch befriedigt und dem, was sich gut unter die Leute bringen lässt. Ich glaube, die gibt es.

Zum Kapitel 15: Für mich ist es jetzt schwer zu urteilen, ob die Sprünge in der Zeit funktionieren, wenn du auch im Manuskript springst. Aber da ich auch noch ein bisschen Zeit zum drüber nachdenken hatte, glaube ich schon, dass man das gut hinkriegen kann. Ich lese viel Fantasy und dort springen Autoren auch in verschiedenen Zeiten und Storylinien, die sich lange oder gar nicht kreuzen, hin und her. Warum soll das nicht auch mit Generationssprüngen klappen ...

Ich habe dir noch ein paar Anmerkungen im Text gemacht. Wie sinnvoll die sind, ohne die vorangegangenen Kapitel zu kennen, weiß ich nicht.
(Hinweis: Du hast manchmal ein paar verirrte Leerzeichen im Text.)

d.frank hat Folgendes geschrieben:
„Schwanger“, sagte Gabrielle über Wolfs Schulter hinweg, der gerade seinen Ausgehhut auf die Ablage drapierte.
„Was?“ Er blickte zu ihr hin und ließ sich die Jacke aus den Händen reißen. Kurz darauf fiel das Kleidungsstück wieder vom Haken.
„Sie ist schwanger, Wolf!“
„Und woher weißt du das?“ Gemessen an seiner Frau, blieb Wolf Jau pedantisch ruhig, als wäre seine Auffassungsgabe noch draußen im Regen. „Hat Maria es dir gesagt?“
„Natürlich nicht! Ich habe es gesehen. Sie hat versucht, es vor mir zu verstecken. Aber ich bin eine Frau, Wolf! Ich weiß schon, was da mit ihr los ist.“
„Und du bist dir auch sicher, Schatz? Du siehst viele Gespenster in letzter Zeit.“ Ein lapidares Zwinkern seines rechten Auges und der leicht angehobene Mundwinkel darunter brachten Gabrielle noch weiter auf.
„Ich weiß es, Wolf! Vor Monaten schon hat sie ihre erste Periode bekommen, das habe ich doch gemerkt. Und jetzt ist sie schwanger. Und Georg ist ein verliebter Dummkopf. Ich habe dir das gesagt! Ich habe dir gesagt, dass wir etwas tun müssen, aber du mit deinem Gerede, man soll sie machen lassen. Schwanger ist sie, Wolf! Und dabei gehen sie doch noch zur Schule.“
Tatsächlich hatte Wolf Jau seine Frau derart aufgelöst noch nicht gesehen. Er hatte sich an ihre, mit den Jahren wachsenden Befindlichkeiten gewöhnt, aber nun schien ihm, als hätten sie ihren Gipfel gefunden.
„Beruhige dich! Vielleicht redest du dir das nur ein, es sind doch noch Kinder.“
„Kinder, Wolf, ja das ist schon die ganze Zeit dein Reden. Lass doch die Kinder mal machen! Das Mädel hat Georg komplett unter der Fuchtel. Ich sag das die ganze Zeit, du sollst etwas unternehmen, hab ich gesagt!“
„Gabrielle!“ Wolfs Stimme wurde selten barsch, jetzt aber schnitt sie den Atem, den die Ehefrau stoßweise in den Flur presste.
Er schob ihre schmale Erscheinung in die Wohnküche, drückte sie an den Schultern auf einen der Stühle und hielt sie dort mit einem Blick gefangen.
„Wo sind die Beiden?“
„Ich weiß es nicht! Georg macht doch, was er will, seit Maria ihn verhext hat.“
„Verhext? Jetzt übertreibst du aber! Woher kommt denn nur deine Wut auf das Mädchen? Soll ich dich daran erinnern, wie du damals gesagt hast, das arme Ding gehe in dieser Familie ein, und dass du ihm eine gute Mutter sein könntest?“
„Aber  sie ist durchtrieben, Wolf! Sie bringt Georg um den Verstand. Er will die Lehre nicht anfangen. Jetzt will er um die Welt reisen, und all so ein Gespinst. Das hat Maria ihm in den Kopf gesetzt. Ich habe Angst, eines Tages machen sie wirklich so einen Leichtsinn und Georg wirft seine Zukunft weg. Und wenn sie jetzt schwanger ist. Dann ist das sowieso der Anfang vom Ende. Dann muss er sie aushalten, sie und das Kind, von seinem bisschen Lehrlingslohn, und er ist doch noch so jung, Wolf, er hat doch die Richtige noch gar nicht gefunden.“
„Ich glaube, du irrst dich", sagte Wolf Jau und blickte an seiner Frau vorbei auf das Stillleben, das Maria ihren Rettern zum Dank übereignet hatte. Er hielt es für beispielhaft, jemand hätte dieses Talent wirklich fördern sollen.
"Das Mädel ist doch harmlos, nur am Zeichnen den lieben langen Tag.“
 „Maria ist durch und durch Frau", ereiferte sich Gabrielle," Und das weiß sie auch auszunutzen. Du musst sie aus dem Haus jagen, Wolf! Und den Georg schicken wir auf eine weiterführende Schule, ins Internat, weit weg von den schlechten Einflüssen.“
„Gabrielle, das ist doch lächerlich! Hör dich doch nur an, ich glaube, ich lasse dich zu oft alleine.“
Obwohl ihr Ehemann den letzten seiner Sätze ironisch lächelnd touchiert hatte, verstummte Gabrielle und strich sich flüchtig das Haar aus der Stirn.
„Du musst mit ihm reden, Wolf! Und mit ihr. Sie soll zu einem Arzt gehen. Vielleicht kann man noch etwas tun. Du musst es ihr ausreden, hörst du, Wolf?“ Dann schien ihr das Gespräch beendet, sie setzte sich in den Ohrensessel neben den Kamin und strickte, wie sie gern betonte zur Beruhigung ihrer Nerven, wenn Wolf diese neuerliche Leidenschaft als altbacken und fromm bezeichnete, aber die Nadeln klapperten, als fielen sie, immer und immer wieder.


Maria, oben in dem kleinen Dachbodenzimmer, das die Jaus ihr sehr bald nach ihrem Einzug bei Ihnen zugestanden hatten, drehte sich vor dem goldgerahmten Spiegel, vor dem Gabrielle ihr noch vor ein paar Monaten so gern das Haar gekämmt hatte.
Sie war nackt bis auf einen Baumwollschlüpfer, so wie Georg es am Bachlauf gewesen war, an dem Tag, als er ihr wehgetan hatte.
„Du blutest nicht!“, hatte er gesagt, fast wie ein Forscher, der soeben im geschätzten Ablauf eines Experimentes gestört worden war, und es hatte sie so sehr beschämt, dass ihr Tränen liefen, wo sie eigentlich Wut fühlte.
„Ich habe das nur gehört, dass die Mädchen beim ersten Mal bluten. Das muss ja nicht bei jedem Mädchen so sein. Das ist bestimmt nichts Schlimmes, Mariechen, und jetzt wird es auch besser. Wir können es jetzt immer tun. Du hast dich so gewehrt, und jetzt war es doch schön, oder? Wenn du nur wüsstest, wie sehr ich dich liebe. Jetzt ist unsere Liebe besiegelt, Maria! Wir sind jetzt wie Mann und Frau.“ Und er hatte sie geküsst, auf die Tränen an ihren Wangen, ohne sie zu schmecken, und hatte sie gedrückt, als wollte er sie zerbrechen, und auf dem Weg nach Hause waren die Tränen versiegt, und die Familie hatte unter Gabrielles strengem Blick zu Abend gegessen, , Hoppla, wer hat den Nebensatz gefressen? die Georg so liebte.
Was genau da in ihr passiert war, wusste Maria nicht, es war eine dunkle Erinnerung, die sie gut fortschicken konnte. Was jetzt mit ihr passierte, ließ sich nicht wegdenken. Es umgab sie mit einer seltsamen Wolke aus Schmerz, Furcht und Zauber.
Zuerst hatte sie gedacht, sie habe in der letzten Zeit vielleicht zu wenig auf sich geachtet, hätte zu gut von Gabrielles Mahlzeiten gegessen. Aber der Rest ihres Körpers, die Arme und Beine, die Rippen und Taille waren zart geblieben. Umspannt von durchscheinender Haut, die bleicher war, als die, die sich nun über der Rundung ihres Bauches wölbte. Es schien hart darunter, fast als wären die Innereien versteinert, und Maria konnte nicht aufhören, die Hände darauf herumzudrücken, es abzuklopfen und zu piksen. Und wenn sie es getan hatte, so wie jetzt, dann folgte augenblicklich die Scham, sich so offen zu betrachten, denn auch die Brüste, ehemals klein und fest, waren größer und saftig geworden wie reife Trauben. Klingt sehr sexualisiert, beißt sich daher mit dem Gefühl der Scham, das du beschreibst.
Man hatte Maria so weit aufgeklärt, dass sie wusste, dass Kinder nicht vom Himmel fielen. Sie stellte sich vor, dass sie vielleicht aus dem Nabel kämen. Die andere Öffnung war ihr noch immer zu übel, selbst jetzt noch, wo Georg ihr mehr als einmal versichert hatte, wie schön es dort sei.
Die Veränderungen ließen Maria sich vor einer Krankheit fürchten, einem Geschwür oder einem anderen Ding. Doch dafür sprachen weder die dichten, glänzenden Locken, noch die Vitalität und anziehende Aura, die Maria noch stärker auf Georg zu haben schien. Nebensatz passt für mich vom Sinn/Ausdruck her nicht zusammen. Immer maßloser war er geworden, kam in der Nacht, während unten die Eltern schliefen, zu ihr und immer danach schwor er ihr, wie sehr er sie liebte, und wie sehr er sich wünschte, dem Elternhaus zusammen mit ihr zu entfliehen. Er war so ein Einfaltspinsel, das war es, was Maria in ihm sah. Doch gerade diese so unbekümmerte Art hatte sie doch an ihn gebunden. Nun war es allem voran Verzweiflung, die er weckte. Maria befürchtete, Gabrielle ganz gegen sich aufzubringen, wenn Georg sich ihr so offensichtlich näherte. Sie trug sich mit der Schuld, die von den Jaus geschenkte Zuflucht und deren Vertrauen zu verraten, wenn sie Georg nicht von sich abbrachte. Denn natürlich sah sie die Blicke, die Gabrielle ihr zuwarf. Und die wenigen Worte, die noch fielen, drehten sich im Kern doch immer um Georg. Ebenso fehlte Maria die mütterliche Zuwendung Gabrielles, die sie zwar nicht hatte annehmen können, die ihr jedoch vor Augen führte, was sie die ganze Kindheit lang vermissen musste. Sinnzusammenhang nicht ganz sauber, find ich.
Niemals hätte sie es gewagt, sich gegen einen der beiden Jaus zu stellen, aber ebenso wagte sie nicht, deren Sohn zu widersprechen.
In diesen Verstrickungen und mit den Vorgängen in ihrem Körper entdeckte Maria aber auch ein neues Bewusstsein für sich selbst.
Wenn sie jetzt in den Spiegel schaute, fand sie sich immer öfter schön.

Mir gefällt, dass du so nah dran, bzw. drin bist in deinen Charakteren. Das hier fällt stilistisch sehr raus. Wirkt ein bisschen auf die Nase gebunden. Vielleicht kannst du das zeigen, als so direkt zu schreiben? Würde auch dem Tempo des Textes guttun, weil du in dieser Szene schon so viel Vergangenes im Zeitraffer abhandelst.
Ihr Gesicht, das so oft Anlass zum Spott gegeben hatte, strahlte ihr jetzt entgegen. Die weiblichen Rundungen, die sie stets verleugnet und verabscheut hatte, erweckten eine schüchterne Neugier.
Und als Wolf Jau ohne Vorwarnung in der Dachkammer stand und sie sah, fast nackt, nur der linke Busen unter einem Schwall schwarzer Haare vergraben, da entdeckte Maria auch in ihm das Begehren, das seinem Sohn in jeder Minute aus den Augen sprang.


_________________
"But in the end, stories are about one person saying to another: This is the way it feels to me. Can you understand what I'm saying? Does it also feel this way to you?"
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 04.11.2017 15:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Anne smile

Freu mich, dich zu sehen!
Wir sind ja doch gar nicht so unterschiedlich, was den Stilgeschmack angeht (hatte ich aber schon im Gefühl, deshalb das echte Bedauern), du legst den Finger auf Passagen, die auch mir ins Auge springen. Nur an einer Stelle bin ich anderer Meinung (jedenfalls jetzt noch, nach dem ersten Lesen) wink

Zitat:
Vielleicht musst du erst mal rausfinden, ob es eine Schnittmenge gibt zwischen dem, was dich künstlerisch befriedigt und dem, was sich gut unter die Leute bringen lässt. Ich glaube, die gibt es.


Klar gibt es die! Das Problem sind wohl meine eigenen Extreme. Ich will weg von diesem 0815 Gelaber, das die Geschehnisse einfach nur aneinanderreiht. Ich mag es nicht, wenn mir in Büchern der xte Rückenschauer, aufsteigende Panik, brennende Angst begegnen. Ich möchte das bitte selber fühlen dürfen, herausgeschält aus den Sätzen, die mir der Autor zwischen den Zeilen zuflüstert.
Ich bin leider noch nicht dort angekommen, wo bewunderte Autoren stehen, und bei dem Versuch, ihnen nachzueifern, lande ich noch zu häufig daneben.
Bei Luis zum Beispiel gab es von Anfang an die Stimmen, die nach mehr Innenleben verlangten, selbst Ziggy, die ich als Gegenpol beigesteuert habe, konnte den Wunsch nach greifbaren Emotionen nicht befriedigen.
So schreibe ich einfach nicht und so will ich auch nicht schreiben...
Ich schreibe, wie ich lese und ich mag es, eine Figur sanft zu begleiten und erst im Verlauf in ihr anzukommen. Ich mag es auch, ganz von oben auf sie zu sehen, so finde ich Platz für eigene Gefühle und Deutungen - etwas, das für mich der Kern des Lesens ist.
Der zweite Punkt bei Luis, die fantastischen Elemente und Eigennamen, auch hier war ich nicht ganz bei meinen Kritikern. Einerseits soll Luis fühlen und panisch werden, andererseits soll er sich Zeit nehmen, die Dinge so eingehend zu betrachten, dass sie sofort und in ihrer Gänze im Leser bildlich werden. Zu viele Eigennamen (ganz ehrlich, mich stört das nicht / ich vergleiche das mal mit verschiedenen Sprachen: so viele Wörter für das gleiche Ding und selbst ohne Sprachwissen könnte man ihre Bedeutung erahnen, solange es einen bekannten Kontext gibt, in dem man sie lesen kann), zu viel Unbekanntes.
Auf meiner Seite aber der Wunsch (wenn ich schon sprachlich auf dem Boden bleiben soll) mich anderweitig zu verwirklichen.
Naja, genug davon...was kaue ich dir jetzt ein Ohr damit ab Surprised Wink

Zitat:
Zum Kapitel 15: Für mich ist es jetzt schwer zu urteilen, ob die Sprünge in der Zeit funktionieren, wenn du auch im Manuskript springst. Aber da ich auch noch ein bisschen Zeit zum drüber nachdenken hatte, glaube ich schon, dass man das gut hinkriegen kann. Ich lese viel Fantasy und dort springen Autoren auch in verschiedenen Zeiten und Storylinien, die sich lange oder gar nicht kreuzen, hin und her. Warum soll das nicht auch mit Generationssprüngen klappen ...


Handwerklich funktioniert das! Die Frage ist eben, ob der Leser es einem verzeiht, wenn er im Grunde drei Bücher auf einmal lesen muss.
Ein glänzendes Beispiel für das Problem mit meinem Schreiben. Ich habe mich damals an den Text gesetzt, um eine Kinder/Jugendgeschichte für den Goldenen Pick zu erarbeiten. Schon im zweiten Kapitel bekam die Geschichte eine Selbstständigkeit und bewegte sich auf einen Handlungsverlauf zu, der das angestrebte Publikum komplett überfordert hätte. Ein Erwachsenenroman rein aus Kindersicht? Ne, da fehlte letztendlich eine Komponente, also die anderen Perspektiven dazu, das Problem mit ihnen dann wieder, dass sie nicht, wie für Perspektivwechsel üblich, unbedingt das Fehlende aufarbeiten, sondern eher einen anderen Blickwinkel zulassen und damit wieder die Frage, ob man den Leser damit eher langweilen würde...
Ich sag ja, einfach geht bei mir nicht! Laughing
Ich werde wohl mit etlichen unfertigen Projekten das Zeitliche segnen und kann nur hoffen, dass sich vorher noch jemand findet, der sie zum Abschluss bringt. Rolling Eyes Wink Laughing

Jetzt habe ich aber wirklich genug geschwafelt, deshalb zu deinen Anmerkungen:

Zitat:
und die Familie hatte unter Gabrielles strengem Blick zu Abend gegessen, , Hoppla, wer hat den Nebensatz gefressen? die Georg so liebte.


Erwischt! Im Ausgangstext standen hier Senfeier. Laughing
Die passten mir aber nicht zu einer doch eher gut situierten Familie und einem verzogenen Sohn. Ich hatte eigentlich noch recherchieren wollen und habe das dann glattweg vorm Hochladen vergessen. Confused

Zitat:
waren größer und saftig geworden wie reife Trauben. Klingt sehr sexualisiert, beißt sich daher mit dem Gefühl der Scham, das du beschreibst.


Stimmt, stimmt, stimmt!
Auch wenn der Erzähler es benennt. Oder ist es überhaupt ein Erzähler?
Ich oute mich und gebe zu, dass ich an dieser Stelle gar nicht sagen kann, in welcher Perspektive ich mich hier eigentlich bewege..
Auktorial, weil die Sicht zwischen drei Personen springt und eher von oben drauf sieht? Personal, weil die Perspektive zwar springt, aber immer bei den jeweiligen Personen bleibt?

Zitat:
Die Veränderungen ließen Maria sich vor einer Krankheit fürchten, einem Geschwür oder einem anderen Ding. Doch dafür sprachen weder die dichten, glänzenden Locken, noch die Vitalität und anziehende Aura, die Maria noch stärker auf Georg zu haben schien. Nebensatz passt für mich vom Sinn/Ausdruck her nicht zusammen. Immer maßloser war er geworden, kam in der Nacht, während unten die Eltern schliefen, zu ihr


Problem der Perspektive. Spräche ein auktorialer Erzähler, könnte der diese Überleitung durchaus herleiten. Er wüsste um die Vorgänge im Inneren Marias und könnte gleichzeitig auf sie draufblicken. Da der Text in der Perspektive aber wohl unsauber ist, geht die Wirkung hier verloren?

Zitat:
Denn natürlich sah sie die Blicke, die Gabrielle ihr zuwarf. Und die wenigen Worte, die noch fielen, drehten sich im Kern doch immer um Georg. Ebenso fehlte Maria die mütterliche Zuwendung Gabrielles, die sie zwar nicht hatte annehmen können, die ihr jedoch vor Augen führte, was sie die ganze Kindheit lang vermissen musste. Sinnzusammenhang nicht ganz sauber, find ich.


Vielleicht nicht unbedingt der Sinnzusammenhang, aber die Fülle der Informationen, die an dieser Stelle nichts zur Sache tun. Also doch der Sinnzusammenhang lol2
Ich bin ja schon leise Wink Laughing Laughing
Auch sprachlich klänge der Abschnitt ohne das Angefügte runder!

Zitat:
In diesen Verstrickungen und mit den Vorgängen in ihrem Körper entdeckte Maria aber auch ein neues Bewusstsein für sich selbst.
Wenn sie jetzt in den Spiegel schaute, fand sie sich immer öfter schön.
Mir gefällt, dass du so nah dran, bzw. drin bist in deinen Charakteren. Das hier fällt stilistisch sehr raus. Wirkt ein bisschen auf die Nase gebunden. Vielleicht kannst du das zeigen, als so direkt zu schreiben? Würde auch dem Tempo des Textes guttun, weil du in dieser Szene schon so viel Vergangenes im Zeitraffer abhandelst.


Was genau? Der erste oder der zweite Satz?
Darüber muss ich nachdenken, deine Anmerkung ist weder schnell erfasst, noch schnell beantwortet. Gezeigt wird es ja letztendlich schon im oberen Absatz, als Maria sich vor dem Spiegel dreht. Um die Überleitung zum Erkennen des Begehrens zu schaffen, erwähne ich es hier ein zweites Mal. Denn es braucht ja diese Form des Selbstbewusstseins, um die Blicke Wolf Jaus richtig zu deuten. Vielleicht ist es auch nur der erste Satz, der zu viel Distanz schafft, weil er zu umständlich und lehrerhaft daherkommt?
Jedenfalls lohnt es sich, darüber nachzudenken! Danke!!


Viele Grüße
diana


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BeitragVerfasst am: 04.11.2017 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hai Diana,
Zitat:
Was genau? Der erste oder der zweite Satz?

Beide.
Zitat:
Vielleicht ist es auch nur der erste Satz, der zu viel Distanz schafft, weil er zu umständlich und lehrerhaft daherkommt?

Eher zu einfach und lehrerhaft. Wie sie sich im Spiegel betrachtet und dann plötzlich Gefallen an sich selbst und dem Blick des Wolf Jaus findet, sagt viel mehr aus. Das funktioniert viel besser als dieses "Jetzt findet sie sich plötzlich doch ganz hübsch."
Letzteres kann man natürlich auch machen, aber das passte für mich einfach nicht in den Rest des Textes. Du beschreibst das, was ich meine, eigentlich selbst im nächsten Zitat.
Zitat:
Klar gibt es die! Das Problem sind wohl meine eigenen Extreme. Ich will weg von diesem 0815 Gelaber, das die Geschehnisse einfach nur aneinanderreiht. Ich mag es nicht, wenn mir in Büchern der xte Rückenschauer, aufsteigende Panik, brennende Angst begegnen. Ich möchte das bitte selber fühlen dürfen, herausgeschält aus den Sätzen, die mir der Autor zwischen den Zeilen zuflüstert.

Ich finde, da bist du schon. Jetzt geht es "nur" noch darum beim Konstruieren und Überarbeiten den roten Faden zu finden. Und ein bisschen Hartnäckigkeit. Du darfst halt dich, deine Charaktere und deine Leser nicht gleich aufgeben, wenn es nicht beim ersten Anlauf sitzt.
Zitat:
Bei Luis zum Beispiel gab es von Anfang an die Stimmen, die nach mehr Innenleben verlangten, selbst Ziggy, die ich als Gegenpol beigesteuert habe, konnte den Wunsch nach greifbaren Emotionen nicht befriedigen.
So schreibe ich einfach nicht und so will ich auch nicht schreiben...

Für jedes "Problem" im Text gibt es mehrere Lösungsansätze. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die es Lesern leichter machen, sich in die Köpfe und Herzen der Protagonisten hineinzufühlen. Dafür muss man nicht immer mit seiner Idee oder seinem Stolz brechen. Manchmal ist das nur das Zögern eines Charakters, ein unausgesprochenes Wort, eine Marotte, ein stiller, verletzlicher Moment, eine irrationale Angst, die wir alle kennen. Gerade in der Fantasy sind diese realen, nachfühlbaren Elemente wichtig. Das Fantastische ist am besten erfahrbar durch das Vertraute.
Greifbare Emotionen sind für mich ja schon ein wichtiger Faktor in Erzählungen und selbst in ernsthafter und experimenteller Literatur. Den Wunsch danach finde ich also nicht ungewöhnlich. Ich würde ihn deshalb nicht einfach so abtun und versuchen, herauszufinden, ob dieser Wunsch dir nicht dabei hilft, deine Charaktere noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, nicht komplett umzustricken, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, eine zusätzliche Dimension zu gewinnen. Aber das nur so als Denkanstoß, denn ich war ja nicht in deiner AG. Kann natürlich auch sein, dass du andere Leute finden musst, die deine Vision besser verstehen. Wobei der wiederholte Ruf nach "greifbareren Emotionen" einen ja schon aufhorchen lassen sollte. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass der arme Luis sich spätestens in Kapitel 3 unsterblich verliebt und in Kapitel 12 die Welt gerettet haben muss.
Zitat:
Einerseits soll Luis fühlen und panisch werden, andererseits soll er sich Zeit nehmen, die Dinge so eingehend zu betrachten, dass sie sofort und in ihrer Gänze im Leser bildlich werden.

Manchmal fordern Leser und AG-Partner Dinge ein, die sich widersprechen, klar. Und natürlich gäbe es auch einiges zu sagen über das Etappenlesen und das Auseinandernehmen eines Textes unter dem Mikroskop, so, wie das in AGs gewöhnlich passiert, aber für mich klingt das bei dir, als fändest du andere Sichtweisen auf deinen Text grundsätzlich bedrohlich und ein klein bisschen lästig. Was ich dir dafür raten sollte, weiß ich nicht. Entweder man legt sich da noch mehr Stolz zu, dass einen negatives Feedback überhaupt nicht mehr trifft und man dann einfach sein Ding macht. Oder man macht sich ein bisschen weniger stolz und damit beweglicher, weniger verletzlich und damit experimentierfreudiger.

Ich hoffe, ich überschreite damit nicht meine Kompetenzen, aber ich fürchte, dass du dich selbst oft ausbremst und aufreibst am Leserfeedback. Mir kommt zusätzlich auch wieder der Gedanke, dass du den großen Dingen, die du mit deinen Texten erreichen willst, vielleicht auch noch gar nicht leisten kannst. Ich bin der Auffassung, dass ganz große Literatur dadurch entsteht, dass man sich viel ausprobiert, Lösungsstrategien und Frusttoleranz entwickelt. Und das schafft man nur, indem man sich durch seine Manuskripte durchbeißt. Und auch durch Leserfeedback, so schwierig das auch sein mag. Dieses Feedback muss deinen Text nicht gefälliger machen, sondern kann dazu beitragen, einen neuen Zugang zu dem zu finden, was du erzählen willst. (Nicht komplett neu allerdings, denn ich persönlich finde, dass du in deinen Fähigkeiten schon recht weit bist und auch weißt, was du willst. Das ist schon ne Menge wert.)


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BeitragVerfasst am: 04.11.2017 22:26    Titel: Antworten mit Zitat

Den ersten Teil in Kapitel 15 finde ich irgendwie so üblich. Habe mir erlaubt, etwas darin rum zu kürzen. Ist aber nur mein persönliches Lesen, wahrscheinlich.

„Schwanger“, sagte Gabrielle über Wolfs Schulter hinweg, der gerade seinen Ausgehhut auf die Ablage drapierte.
„Was?“ Er blickte zu ihr hin und ließ sich die Jacke aus den Händen reißen. Kurz darauf fiel das Kleidungsstück wieder vom Haken.

„Sie ist schwanger, Wolf!“
Und woher weißt du das?“ Gemessen an seiner Frau, blieb Wolf Jau pedantisch ruhig, als wäre seine Auffassungsgabe noch draußen im Regen. „Hat Maria es dir gesagt?“
Natürlich nicht! Ich habe es gesehen. Sie hat versucht, es vor mir zu verstecken. Aber ich bin eine Frau, Wolf! Ich weiß schon, was da mit ihr los ist.“
„Und du bist dir auch sicher, Schatz? Du siehst viele Gespenster in letzter Zeit.“ Ein lapidares Zwinkern seines rechten Auges und der leicht angehobene Mundwinkel darunter brachten Gabrielle noch weiter auf. „Ich weiß es, Wolf! Vor Monaten schon hat sie ihre erste Periode bekommen, das habe ich doch gemerkt. Und jetzt ist sie schwanger. Und Georg ist ein verliebter Dummkopf. Ich habe dir das gesagt! Ich habe dir gesagt, dass wir etwas tun müssen, aber du mit deinem Gerede, man soll sie machen lassen. Schwanger ist sie, Wolf! Und dabei gehen sie doch noch zur Schule.“
Tatsächlich hatte Wolf Jau seine Frau derart aufgelöst noch nicht gesehen.erlebt Er hatte sich an ihre, mit den Jahren wachsenden Befindlichkeiten gewöhnt, aber nun schien ihm, als hätten sie ihren Gipfel gefunden.
„Beruhige dich! Vielleicht redest du dir das nur ein, es sind doch noch Kinder.“
„Kinder, Wolf, ja das ist schon die ganze Zeit dein Reden. Lass doch die Kinder mal machen! Das Mädel hat Georg komplett unter der Fuchtel. Ich sag das die ganze Zeit, du sollst etwas unternehmen, hab ich gesagt!“
„Gabrielle!“ Wolfs Stimme wurde selten barsch, jetzt aber schnitt sie den Atem, den die Ehefrau stoßweise in den Flur presste.
Er schob ihre schmale Erscheinung in die Wohnküche, drückte sie an den Schultern auf einen der Stühle und hielt sie dort mit einem Blick gefangen. „Wo sind die Beiden?“
„Ich weiß es nicht! Georg macht doch, was er will, seit Maria ihn verhext hat.“
„Verhext? Jetzt übertreibst du aber! Woher kommt denn nur deine Wut auf das Mädchen? Soll ich dich daran erinnern, wie du damals gesagt hast, das arme Ding gehe in dieser Familie ein, und dass du ihm eine gute Mutter sein könntest?“
Aber  sie ist durchtrieben, Wolf! Sie bringt Georg um den Verstand. Er will die Lehre nicht anfangen. Jetzt will er um die Welt reisen, und all so ein Gespinst. Das hat Maria sie ihm in den Kopf gesetzt. Ich habe Angst, eines Tages machen sie wirklich so einen Leichtsinn und Georg wirft seine Zukunft weg. Und wenn sie jetzt schwanger ist. Dann ist das sowieso der Anfang vom Ende. Dann muss er sie aushalten, sie und das Kind, von seinem bisschen Lehrlingslohn, und er ist doch noch so jung, Wolf, er hat doch die Richtige noch gar nicht gefunden.“
„Ich glaube, du irrst dich", sagte Wolf Jau und blickte an seiner Frau vorbei auf das Stillleben, das Maria ihren Rettern zum Dank übereignet hatte. Er hielt es für beispielhaft, jemand hätte dieses Talent wirklich fördern sollen.
"Das Mädel ist doch harmlos, nur am Zeichnen den lieben langen Tag.“
 „Maria ist durch und durch Frau", ereiferte sich Gabrielle," Und das weiß sie auch auszunutzen. Du musst sie aus dem Haus jagen, Wolf! Und den Georg schicken wir auf eine weiterführende Schule, ins Internat, weit weg von den schlechten Einflüssen.“
„Gabrielle, das ist doch lächerlich! Hör dich doch nur an, ich glaube, ich lasse dich zu oft alleine.“
Obwohl ihr Ehemann den letzten seiner Sätze ironisch lächelnd touchiert hatte, verstummte Gabrielle und strich sich flüchtig das Haar aus der Stirn.
„Du musst mit ihm reden, Wolf! Und mit ihr. Sie soll zu einem Arzt gehen. Vielleicht kann man noch etwas tun. Du musst es ihr ausreden, hörst du, Wolf?“ Dann schien ihr das Gespräch beendet, sie setzte sich in den Ohrensessel neben den Kamin und strickte, wie sie gern betonte zur Beruhigung ihrer Nerven, wenn Wolf diese neuerliche Leidenschaft als altbacken und fromm bezeichnete, aber die Nadeln klapperten, als fielen sie, immer und immer wieder.


Maria, oben in dem kleinen Dachbodenzimmer, das die Jaus ihr sehr bald nach ihrem Einzug bei Ihnen zugestanden hatten, drehte sich vor dem goldgerahmten Spiegel, vor dem Gabrielle ihr noch vor ein paar Monaten so gern das Haar gekämmt hatte.
Sie war nackt bis auf einen Baumwollschlüpfer, so wie Georg es am Bachlauf gewesen war, an dem Tag, als er ihr wehgetan hatte.
„Du blutest nicht!“, hatte er gesagt, fast wie ein Forscher, der soeben im geschätzten Ablauf eines Experimentes gestört worden war, und es hatte sie so sehr beschämt, dass ihr Tränen liefen, wo sie eigentlich Wut fühlte.
„Ich habe das nur gehört, dass die Mädchen beim ersten Mal bluten. Das muss ja nicht bei jedem Mädchen so sein. Das ist bestimmt nichts Schlimmes, Mariechen, und jetzt wird es auch besser. Wir können es jetzt immer tun. Du hast dich so gewehrt, und jetzt war es doch schön, oder? Wenn du nur wüsstest, wie sehr ich dich liebe. Jetzt ist unsere Liebe besiegelt, Maria! Wir sind jetzt wie Mann und Frau.“ Und er hatte sie geküsst, auf die Tränen an ihren Wangen, ohne sie zu schmecken, und hatte sie gedrückt, als wollte er sie zerbrechen, und auf dem Weg nach Hause waren die Tränen versiegt, und die Familie hatte unter Gabrielles strengem Blick zu Abend gegessen, , die Georg so liebte. Wen liebt er?Was genau da in ihr passiert war, wusste Maria nicht, es war eine dunkle Erinnerung, die sie gut fortschicken konnte. Was jetzt mit ihr passierte, ließ sich nicht wegdenken. Es umgab sie mit einer seltsamen Wolke aus Schmerz, Furcht und Zauber.
Zuerst hatte sie gedacht, sie habe in der letzten Zeit vielleicht zu wenig auf sich geachtet, hätte zu gut von Gabrielles Mahlzeiten gegessen. Aber der Rest ihres Körpers, die Arme und Beine, die Rippen und Taille waren zart geblieben. Umspannt von durchscheinender Haut, die bleicher war, als die, die sich nun über der Rundung ihres Bauches wölbte. Es schien hart darunter, fast als wären die Innereien versteinert, und Maria konnte nicht aufhören, die Hände darauf herumzudrücken, es abzuklopfen und zu piksen. Und wenn sie es getan hatte, so wie jetzt, dann folgte augenblicklich die Scham, sich so offen zu betrachten, denn auch die Brüste, ehemals klein und fest, waren größer und saftig geworden wie reife Trauben.
Man hatte Maria so weit aufgeklärt, dass sie wusste, dass Kinder nicht vom Himmel fielen. Sie stellte sich vor, dass sie vielleicht aus dem Nabel kämen. Die andere Öffnung war ihr noch immer zu übel, selbst jetzt noch, wo Georg ihr mehr als einmal versichert hatte, wie schön es dort sei.
Die Veränderungen ließen Maria sich vor einer Krankheit fürchten, einem Geschwür oder einem anderen Ding. Doch dafür sprachen weder die dichten, glänzenden Locken, noch die Vitalität und anziehende Aura, die Maria noch stärker auf Georg zu haben schien  als?. Immer maßloser war er geworden, kam in der Nacht, während unten die Eltern schliefen, zu ihr und immer danach schwor er ihr, wie sehr er sie liebte, und wie sehr er sich wünschte, dem Elternhaus zusammen mit ihr zu entfliehen. Er war so ein Einfaltspinsel, das war es, was Maria in ihm sah. Doch gerade diese so unbekümmerte Art hatte sie doch an ihn gebunden. Nun war es allem voran Verzweiflung, die er weckte. Maria befürchtete, Gabrielle ganz gegen sich aufzubringen, wenn Georg sich ihr so offensichtlich näherte. Sie trug sich mit der Schuld, die von den Jaus geschenkte Zuflucht und deren Vertrauen zu verraten, wenn sie Georg nicht von sich abbrachte. Denn natürlich sah sie die Blicke, die Gabrielle ihr zuwarf. Und die wenigen Worte, die noch fielen, drehten sich im Kern doch immer um Georg. Ebenso fehlte Maria die mütterliche Zuwendung Gabrielles, die sie zwar nicht hatte annehmen können, die ihr jedoch vor Augen führte zeigte, was sie die ganze Kindheit lang vermissen musste.
Niemals hätte sie es gewagt, sich gegen einen der beiden Jaus zu stellen, aber ebenso wagte sie nicht, deren Sohn zu widersprechen.
In diesen Verstrickungen und mit den Vorgängen in ihrem Körper entdeckte Maria aber auch ein neues Bewusstsein für sich selbst.
Wenn sie jetzt in den Spiegel schaute, fand sie sich immer öfter schön. Ihr Gesicht, das so oft Anlass zum Spott gegeben hatte, strahlte ihr jetzt entgegen. Die weiblichen Rundungen, die sie stets verleugnet und verabscheut hatte, erweckten eine schüchterne Neugier.
Und als Wolf Jau ohne Vorwarnung in der Dachkammer stand und sie sah, fast nackt, nur der linke Busen unter einem Schwall schwarzer Haare vergraben, da entdeckte Maria auch in ihm das Begehren, das seinem Sohn in jeder Minute aus den Augen sprang
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BeitragVerfasst am: 05.11.2017 12:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nabend Anne Wink

Zitat:
Eher zu einfach und lehrerhaft. Wie sie sich im Spiegel betrachtet und dann plötzlich Gefallen an sich selbst und dem Blick des Wolf Jaus findet, sagt viel mehr aus. Das funktioniert viel besser als dieses "Jetzt findet sie sich plötzlich doch ganz hübsch."


Hmm, ok.....aber die Tatsache, dass sie sich "hübsch" findet, ist aus dem ersten Absatz nicht unbedingt herauszulesen, sie könnte sich auch einfach aus reinem Interesse vor dem Spiegel drehen. Deshalb hielt es für wichtig, ihren selbstbewussten Blick noch einmal klar herauszustellen und eine Überleitung für das Erkennen des Zusammenhangs zwischen Marias tatsächlicher Schönheit und deren Wirkung zu schaffen. Es ist an dieser Stelle im Verlauf das erste Mal, dass Maria sich als Frau wahrnimmt, deshalb wollte ich es hier auch direkt gesagt haben.

Zitat:
Ich finde, da bist du schon. Jetzt geht es "nur" noch darum beim Konstruieren und Überarbeiten den roten Faden zu finden. Und ein bisschen Hartnäckigkeit. Du darfst halt dich, deine Charaktere und deine Leser nicht gleich aufgeben, wenn es nicht beim ersten Anlauf sitzt.


Danke smile
Das tue ich ja auch nicht! Wenn es aber so grundsätzliche Dinge sind wie ein Handlungsfaden, der ja eigentlich schon vor mir liegt und auf dem schlussendlich alles Andere aufbaut, wo sollte ich dort groß ansetzen?
So geschehen zum Beispiel bei Luis und Ziggy, die anfänglich von einer Misteriösität in die nächste geschubst werden. Das wiederum generierte nichts als fragezeichen in den Augen meiner Leser und damit fingen die Probleme an. Im Umkehrschluss bräuchte ich also eine Lösung, die im Kern schon alles verrät, das sich eigentlich erst langsam auftun soll.

Zitat:
Manchmal ist das nur das Zögern eines Charakters, ein unausgesprochenes Wort, eine Marotte, ein stiller, verletzlicher Moment, eine irrationale Angst, die wir alle kennen. Gerade in der Fantasy sind diese realen, nachfühlbaren Elemente wichtig. Das Fantastische ist am besten erfahrbar durch das Vertraute.


Ich bin betriebsblind! Für mich waren diese Dinge drin... Crying or Very sad
Und ich habe Schwierigkeiten mit dem Spagat aus Tempo und Innehalten.

Zitat:
Greifbare Emotionen sind für mich ja schon ein wichtiger Faktor in Erzählungen und selbst in ernsthafter und experimenteller Literatur. Den Wunsch danach finde ich also nicht ungewöhnlich. Ich würde ihn deshalb nicht einfach so abtun und versuchen, herauszufinden, ob dieser Wunsch dir nicht dabei hilft, deine Charaktere noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, nicht komplett umzustricken, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, eine zusätzliche Dimension zu gewinnen. Aber das nur so als Denkanstoß, denn ich war ja nicht in deiner AG. Kann natürlich auch sein, dass du andere Leute finden musst, die deine Vision besser verstehen. Wobei der wiederholte Ruf nach "greifbareren Emotionen" einen ja schon aufhorchen lassen sollte. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass der arme Luis sich spätestens in Kapitel 3 unsterblich verliebt und in Kapitel 12 die Welt gerettet haben muss.


Weißt du, möchtest du vielleicht einfach mal reinlesen?
Es bringt ja nichts, wenn dir der Text dazu fehlt...
Allerdings ist es in der AG wirklich still geworden, übersetzt heißt das, es bliebe bei einer Auseinandersetzung zwischen dir und mir.
Ich würde mich freuen, denn eigentlich hätte ich dich sowieso gern dabei gehabt. wink
Im Gegenzug, also wenn es gewünscht und jetzt nicht schon überflüssig ist..du weißt schon.... Embarassed

Zitat:
Manchmal fordern Leser und AG-Partner Dinge ein, die sich widersprechen, klar. Und natürlich gäbe es auch einiges zu sagen über das Etappenlesen und das Auseinandernehmen eines Textes unter dem Mikroskop, so, wie das in AGs gewöhnlich passiert, aber für mich klingt das bei dir, als fändest du andere Sichtweisen auf deinen Text grundsätzlich bedrohlich und ein klein bisschen lästig.


Nein! Das streite ich immer noch ab. wink
Nur manchmal wollte sich mir ein Gefühl aufdrängen, aus den Kommentaren spräche eine Art von Häme (vielleicht impliziert aus meiner ständigen Verteidigungssucht) oder unbewusste Vorurteile und weil ich mit denen auch im echten Leben zu tun habe, erzeugten sie schon einen unbewussten Groll, der mich noch stärker in eine Abwehrstellung getrieben hat Crying or Very sad

Zitat:
Was ich dir dafür raten sollte, weiß ich nicht. Entweder man legt sich da noch mehr Stolz zu, dass einen negatives Feedback überhaupt nicht mehr trifft und man dann einfach sein Ding macht.


Oh nein, lieber nicht! Die logische Schlussfolgerung daraus wäre dann ja Arroganz und die hat einen noch nie wachsen lassen.

Zitat:
Oder man macht sich ein bisschen weniger stolz und damit beweglicher, weniger verletzlich und damit experimentierfreudiger.


Das habe ich versucht....und dann habe ich mich komplett verzettelt Sad

Zitat:
Ich hoffe, ich überschreite damit nicht meine Kompetenzen, aber ich fürchte, dass du dich selbst oft ausbremst und aufreibst am Leserfeedback. Mir kommt zusätzlich auch wieder der Gedanke, dass du den großen Dingen, die du mit deinen Texten erreichen willst, vielleicht auch noch gar nicht leisten kannst.


Das mag sein...aber das schreckt mich nicht!
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten. wink

Zitat:
Ich bin der Auffassung, dass ganz große Literatur dadurch entsteht, dass man sich viel ausprobiert, Lösungsstrategien und Frusttoleranz entwickelt.


Das denke ich auch! Und ich hatte auch nicht vor, Luis ganz aufzugeben.

Zitat:
Und das schafft man nur, indem man sich durch seine Manuskripte durchbeißt. Und auch durch Leserfeedback, so schwierig das auch sein mag.


Es war weniger das Feedback, das mich vorerst rausgekickt hat, denn das plötzliche Ausbleiben des selbigen. Wenn dir nach und nach alle Leser wegbrechen, muss die Geschichte wohl einfach scheiße sein. Sad
Tja, was soll ich sagen...im Endeffekt denke ich das noch nicht mal, weil ich in dieser Sache anscheinend nach wie vor unbelehrbar bin...
Was ich denke, ist, dass man mir das Ganze einfach nicht "zugetraut" hat und unter diesem Gesichtspunkt hätte ich auch keine Lust, an einer Sache dranzubleiben, die sich letztendlich als völlig daneben herausstellen könnte.


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d.frank
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BeitragVerfasst am: 05.11.2017 16:04    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio,

interessant wie unterschiedlich der Text bewertet wird. Daran zeigt sich mal wieder, dass man es einfach nicht jedem Recht machen kann.
Während Anne am ersten Teil kaum etwas auszusetzen hatte, sympathisierst du eher mit dem zweiten Teil. Ich bin insofern deiner Meinung, dass auch ich den ersten Abschnitt eher der Unterhaltungsliteratur zuordnen würde (beinahe ausschließlich show) und  auch ich finde einige Redundanzen darin.
Mit vielen deiner Kürzungsvorschläge wäre ich also einverstanden, allerdings wäre ich weniger rabiat zugange, weil ich die wörtliche Rede gern dazu nutze, Charakterisierungen und Stimmungen einzufangen.

Besonders im ersten Absatz nimmt der von dir stark gekürzte Text der Figur des Wolf Jau die versteckte Erhabenheit, mit der er seine Frau belächelt. Mit den Kürzungen klingt er nur noch barsch und aufs Wesentliche reduziert, so als nähme er Gabrielle überhaupt nicht mehr ernst. Sicher, das tut er auch nicht. Aber es ist weniger autoritäre Erhabenheit, mit der er auf sie sieht, denn eine verspielte Gleichgültigkeit, die Gabrielle trotzdem zugewandt bleibt.


Eine Anmerkung von dir verstehe ich nicht:

Zitat:
„Gabrielle!“ Wolfs Stimme wurde selten barsch, jetzt aber schnitt sie den Atem, den die Ehefrau stoßweise in den Flur presste.



Und ich hätte gern ein Fazit gehört, wenn du Zeit und Lust dazu hast.

Grüße
diana


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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 05.11.2017 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Hmm, ok.....aber die Tatsache, dass sie sich "hübsch" findet, ist aus dem ersten Absatz nicht unbedingt herauszulesen, sie könnte sich auch einfach aus reinem Interesse vor dem Spiegel drehen. Deshalb hielt es für wichtig, ihren selbstbewussten Blick noch einmal klar herauszustellen und eine Überleitung für das Erkennen des Zusammenhangs zwischen Marias tatsächlicher Schönheit und deren Wirkung zu schaffen. Es ist an dieser Stelle im Verlauf das erste Mal, dass Maria sich als Frau wahrnimmt, deshalb wollte ich es hier auch direkt gesagt haben.

Wenn du diese Direktheit hier brauchst und willst, dann lass es einfach so drin. Du musst deine Entscheidungen nicht rechtfertigen. Ich wollte dir nur gesagt haben, dass ich deine Stärke darin sehe, Szenen und Charaktere gut zu bebildern und du diese Direktheit eigentlich nicht brauchst. Bilder und Andeutungen wirken auf die meisten Menschen stärker, als eine direkte Benennung. Aber wie gesagt: wenn es dir richtig erscheint, bleib dabei.
Zitat:
So geschehen zum Beispiel bei Luis und Ziggy, die anfänglich von einer Misteriösität in die nächste geschubst werden. Das wiederum generierte nichts als fragezeichen in den Augen meiner Leser und damit fingen die Probleme an. Im Umkehrschluss bräuchte ich also eine Lösung, die im Kern schon alles verrät, das sich eigentlich erst langsam auftun soll.

Das ist genau das, was ich meinte. Du gehst davon aus, dass deine Leser alles verraten haben möchten. Für mich liest sich das eher so, als hätten ihnen Orientierungspunkte gefehlt. (Sage ich natürlich wieder, ohne es genau zu wissen.)
Zitat:
Ich bin betriebsblind! Für mich waren diese Dinge drin... Crying or Very sad
Und ich habe Schwierigkeiten mit dem Spagat aus Tempo und Innehalten.

Ist diese Betriebsblindheit auch noch da, wenn du das Manuskript einige Wochen, oder sogar Monate, liegenlässt?
Zitat:
Weißt du, möchtest du vielleicht einfach mal reinlesen?

Eigentlich habe ich die Zeit dafür gerade nicht, denn ich habe noch zwei andere AGs, aber wenn du mit meinem Feedback ein bisschen warten kannst, kannst du mich gern einladen.
Zitat:
Nur manchmal wollte sich mir ein Gefühl aufdrängen, aus den Kommentaren spräche eine Art von Häme (vielleicht impliziert aus meiner ständigen Verteidigungssucht) oder unbewusste Vorurteile und weil ich mit denen auch im echten Leben zu tun habe, erzeugten sie schon einen unbewussten Groll, der mich noch stärker in eine Abwehrstellung getrieben hat Crying or Very sad

Das Gefühl habe ich auch, dass Feedback in dir etwas lostritt, was gar nicht die Intention deines Gegenübers war. Ich glaube auch, dass du zu schnelle Schlüsse ziehst, was das Ziel oder die Botschaft an dich als Empfängerin der Kritik war. In meiner AG hatten meine Leser zum Beispiel Schwierigkeiten mit meiner kratzbürstigen (bewusst unsympathisch gestalteten) Protagonistin. Ich wusste, dass ich genau diese Protagonistin aber behalten muss, um diese Geschichte zu erzählen. Also habe ich nicht die Protagonistin von Grund auf geändert, sondern habe nur Kleinigkeiten angefügt. Ich habe durch das Geschehen meine Leser quasi dazu genötigt, auch ein bisschen Empathie für sie zu empfinden und ich habe auch dafür gesorgt, dass ihr unsympathisches Verhalten Konsequenzen hat, die ihr irgendwann auf die Füße fallen. Und ich habe ihrem uncharmanten Verhalten einen gewissen Witz gegeben, mit dem sie sich quasi selbst entwaffnet.
Verstehst du, was ich meine? Ich habe meinen Lesern die Chance gegeben, sich diesem biestigen Gör anzunähern, sodass sie nicht die ganze Zeit nur von ihr genervt waren, oder noch schlimmer: sie unrealistisch und zweidimensional und damit für Leser nicht erfahrbar und nicht erfühlbar war.
Zitat:
Oh nein, lieber nicht! Die logische Schlussfolgerung daraus wäre dann ja Arroganz und die hat einen noch nie wachsen lassen.

Denke ich auch.
Zitat:
Zitat:
Oder man macht sich ein bisschen weniger stolz und damit beweglicher, weniger verletzlich und damit experimentierfreudiger.

Das habe ich versucht....und dann habe ich mich komplett verzettelt Sad

Das ist eine schmale Gratwanderung, das stimmt. Aber die lohnt sich, weil man diese Gelassenheit auch für andere Lebensbereiche gut gebrauchen kann. Wie du da hinkommst, ist eine individuelle Angelegenheit. Für mich persönlich war es wichtig, mein Geltungsbedürfnis, von dem du auch schon gesprochen hast, hintenanzustellen. Leichter gesagt als getan, ich weiß. Auch für mich ist das jedes Mal, wenn ich mich an den Laptop setze, eine Herausforderung. Aber ohne dieses gewisse Loslassen würde ich gar nichts zu Ende gebracht kriegen.
Zitat:
Das mag sein...aber das schreckt mich nicht!
In der Mitte von Schwierigkeiten liegen die Möglichkeiten. wink

Gute Einstellung. Deshalb glaube ich, dass du diese Schwierigkeiten auch überwunden kriegst.
Zitat:
Es war weniger das Feedback, das mich vorerst rausgekickt hat, denn das plötzliche Ausbleiben des selbigen. Wenn dir nach und nach alle Leser wegbrechen, muss die Geschichte wohl einfach scheiße sein. Sad
Tja, was soll ich sagen...im Endeffekt denke ich das noch nicht mal, weil ich in dieser Sache anscheinend nach wie vor unbelehrbar bin...
Was ich denke, ist, dass man mir das Ganze einfach nicht "zugetraut" hat und unter diesem Gesichtspunkt hätte ich auch keine Lust, an einer Sache dranzubleiben, die sich letztendlich als völlig daneben herausstellen könnte.

Wie gesagt, völlig daneben ist die Geschichte mit Sicherheit nicht, aber man muss bereit sein, an den Stellschrauben zu drehen und den Leserwunsch nach Änderungen nicht als Infragestellen der Gesamtidee verstehen.
Ich nehme an, dass es für deine AG-Partner schwierig ist, zu kritisieren, wenn man spürt und liest, welche Verzweiflung und Defensivmechanismen das bei dir auslöst. Vielleicht kannst du dich ja mal damit auseinandersetzen. Es gibt viele Artikel, Videos und Bücher zum Thema Kritik. Mir hat das sehr geholfen.


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d.frank
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BeitragVerfasst am: 05.11.2017 20:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
Das ist genau das, was ich meinte. Du gehst davon aus, dass deine Leser alles verraten haben möchten. Für mich liest sich das eher so, als hätten ihnen Orientierungspunkte gefehlt. (Sage ich natürlich wieder, ohne es genau zu wissen.)


Nein, damit triffst du den Nagel wohl auf den Kopf!
Orientierungspunkte, richtig....stattdessen eine Lawine aus immer neuen Rätseln

Zitat:
Ist diese Betriebsblindheit auch noch da, wenn du das Manuskript einige Wochen, oder sogar Monate, liegenlässt?


Nein...jedenfalls nicht in den Ausmaßen, übersehen kann man natürlich immer etwas. Aber das ist auch kein neuer Tipp für mich....und schon bin ich wieder bei den Vorurteilen wink
Luis lag ganze Jahre herum - ok es gibt auch neu geschriebene Passagen - aber die ersten Kapitel habe ich nur geringfügig abgeändert und seine sture Zurückgezogenheit war mir auch beim objektiven Lesen noch nicht als Manko aufgefallen. Für mich "funktioniert" er auch ohne Aufmüpfigkeit und Panikattacken. Die Momente, in denen er doch mal aus sich herauskommt, sind Momente, die ihn auch treffen. Vielleicht bin ich ja auch betriebsblind im Sinne von: Meiner Figur darf niemand zu Nahe?

Zitat:
Eigentlich habe ich die Zeit dafür gerade nicht, denn ich habe noch zwei andere AGs, aber wenn du mit meinem Feedback ein bisschen warten kannst, kannst du mich gern einladen.


Du musst keine Arbeit tun! Einfaches Lesen (wenn es denn wenigstens ein bisschen Freude macht) und ein kurzes Fazit wären völlig ausreichend.

Zitat:
Also habe ich nicht die Protagonistin von Grund auf geändert, sondern habe nur Kleinigkeiten angefügt. Ich habe durch das Geschehen meine Leser quasi dazu genötigt, auch ein bisschen Empathie für sie zu empfinden und ich habe auch dafür gesorgt, dass ihr unsympathisches Verhalten Konsequenzen hat, die ihr irgendwann auf die Füße fallen. Und ich habe ihrem uncharmanten Verhalten einen gewissen Witz gegeben, mit dem sie sich quasi selbst entwaffnet.
Verstehst du, was ich meine? Ich habe meinen Lesern die Chance gegeben, sich diesem biestigen Gör anzunähern, sodass sie nicht die ganze Zeit nur von ihr genervt waren, oder noch schlimmer: sie unrealistisch und zweidimensional und damit für Leser nicht erfahrbar und nicht erfühlbar war.


Ja, verstehe ich! Klingt nach Ziggy wink lol2

Zitat:
Ich nehme an, dass es für deine AG-Partner schwierig ist, zu kritisieren, wenn man spürt und liest, welche Verzweiflung und Defensivmechanismen das bei dir auslöst.


Ja,ganz bestimmt! Arty zum Beispiel habe ich damit wohl verschreckt (die Kommentare kamen schon in grün, aus Rücksicht auf meine Kritikunfähigkeit... Embarassed
Und wer weiß, vielleicht, nach dem ich dann den geänderten Text hochgeladen hatte und sich herausstellte, dass ich das Ganze eher verschlimmbessert habe..
Wenn ich versuche, mich in den Gegenpart zu fühlen, dann würde ich mich wohl selbst auch als anstrengend empfinden Embarassed
Vehementes Diskutieren, abgelöst von völliger Verzweiflung, durchdrungen von der "Drohung" alles hinschmeißen zu wollen...
Das würde ich auch nicht auf dem Gewissen haben wollen und dafür wäre mir meine Zeit gleichsam zu schade.
Vielleicht sollte ich es dann wirklich als Lob am Buch werten, dass man trotzdem eine ganze Weile lang durchgehalten hat.


Zitat:
Vielleicht kannst du dich ja mal damit auseinandersetzen. Es gibt viele Artikel, Videos und Bücher zum Thema Kritik. Mir hat das sehr geholfen.


Ok, klingt nach einem Weg, den es sich lohnt zu beschreiten. smile


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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 05.11.2017 21:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Diana,

einen Satz, den du geschrieben hast, finde ich total spannend:
d.frank hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht bin ich ja auch betriebsblind im Sinne von: Meiner Figur darf niemand zu Nahe?

Je tiefere Einblicke man in seine Charaktere zulässt, desto verwundbarer macht man sie und damit auch sich selbst. Das tut dann natürlich besonders weh, wenn man merkt, dass sie nicht so ankommen, wie man es sich vorgestellt hat. Aber vielleicht hilft dir der Gedanke, dass der große Abstand zu Charakteren ja offenbar auch nicht funktioniert. Lesen ist doch auch deshalb so schön, weil man so nah dran ist an Charakteren. Probiere doch erst mal für dich allein aus, wie es ist, sich diesen Figuren neu zu nähern. (Dafür gibt es zum Beispiel Übungen, Fragebögen und Gedankenexperimente online und in Schreibratgebern, wenn du da Orientierungshilfen brauchst.) Diese Annäherung finde ich ja schon für sich genommen schwierig manchmal, weil man ja vor allem mit sich selbst in Kontakt kommt und wir in unsere eigene Psyche oft nicht so tief hineingucken wollen.
Vielleicht kannst du aber diesen eventuell auftretenden Hemmungen und Berührungsängsten ja mit einer gewissen Form von Abenteuerlust begegnen. Sich und seine Charaktere zu erforschen, kann sehr spannend sein. Bei mir funktioniert dieser heraufbeschworene Forschergeist ganz gut. Meine Wissbegierigkeit ist nämlich immer ein kleines bisschen größer als meine Angst.
Zitat:
Du musst keine Arbeit tun! Einfaches Lesen (wenn es denn wenigstens ein bisschen Freude macht) und ein kurzes Fazit wären völlig ausreichend.

Oki.
Zitat:
Ja,ganz bestimmt! Arty zum Beispiel habe ich damit wohl verschreckt (die Kommentare kamen schon in grün, aus Rücksicht auf meine Kritikunfähigkeit... Embarassed
Und wer weiß, vielleicht, nach dem ich dann den geänderten Text hochgeladen hatte und sich herausstellte, dass ich das Ganze eher verschlimmbessert habe.

Du wirst aber irgendwann lernen, welche Kritik du umsetzt, welche nicht und vor allem auf welche Weise, nämlich so, dass du dir und der Idee treubleibst.

Zitat:
Vielleicht sollte ich es dann wirklich als Lob am Buch werten, dass man trotzdem eine ganze Weile lang durchgehalten hat.

Ja, ich bin ja auch nicht zufällig hier.
Zitat:
Zitat:
Vielleicht kannst du dich ja mal damit auseinandersetzen. Es gibt viele Artikel, Videos und Bücher zum Thema Kritik. Mir hat das sehr geholfen.

Ok, klingt nach einem Weg, den es sich lohnt zu beschreiten. smile

Auf jeden Fall! Kritikfähigkeit ist eine Fähigkeit wie jede andere, aber essenziell. Und es ist doch auch eine so große Chance. Die eigenen Texte, die eigenen Kopfwelten durch unterschiedliche Augenpaare betrachten zu können, ist auch ein großes Geschenk.


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BeitragVerfasst am: 05.11.2017 22:45    Titel: Antworten mit Zitat

d.frank hat Folgendes geschrieben:
Hallo firstoffertio,

...  weil ich die wörtliche Rede gern dazu nutze, Charakterisierungen und Stimmungen einzufangen...

Besonders im ersten Absatz nimmt der von dir stark gekürzte Text der Figur des Wolf Jau die versteckte Erhabenheit, mit der er seine Frau belächelt.

Eine Anmerkung von dir verstehe ich nicht:

Zitat:
„Gabrielle!“ Wolfs Stimme wurde selten barsch, jetzt aber schnitt sie den Atem, den die Ehefrau stoßweise in den Flur presste.



Und ich hätte gern ein Fazit gehört, wenn du Zeit und Lust dazu hast.

Grüße
diana


Fazit ist schwer zu geben, weil ich den Text zwischen 1 und 15 nicht kenne.

Ich finde, dass du die Stimmungen und Charakterisierungen in Teil 1 von 15 ja eher nicht in der wörtlichen Rede hattest, sondern im Erzähltext.

Die Frau erschien mir, trotz ihrem vielen Gerede, etwas unterwürfig, deswegen strich ich einige "Wolf"s.

Seine Stimme schnitt den Atem der Frau, den ...
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d.frank
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BeitragVerfasst am: 07.11.2017 12:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Anne,

ich würde bestreiten wollen, dass mir der Zugang zu meinen Figuren fehlt. Eher ist es so, dass ich beschriebene Emotionen nicht mag. Begegnen sie mir in Büchern, lege ich selbige meist zur Seite.
Allerdings sind sie auch typisches Merkmal der Unterhaltungsliteratur und da ich mich mit Luis ja in diesem Genre bewege, kann ich die Leser verstehen.
Du hast sicher Recht, dass es sich lohnen könnte, die Kapitel noch mal darauf abzuklopfen. Der schnelle Einbruch in verschiedene Welten ist da das größere Problem. Ihn anders aufzubereiten, nähme der Story ihren Grundriss.
Die einzige Lösung, die ich sehe, ist es, schon früher mit den Hintergründen herauszurücken oder die Welten weniger auszuschmücken.
Wenn ich allerdings an Carrol denke, dann begegnet mir auch hier zunächst kein offensichtlicher Faden, ich muss mich darauf einlassen, dass ich von einer Absurdität in die nächste gestürzt werde.

Zitat:
Du wirst aber irgendwann lernen, welche Kritik du umsetzt, welche nicht und vor allem auf welche Weise, nämlich so, dass du dir und der Idee treubleibst.


Manchmal denke ich, es wäre besser, jemanden zu finden, der selbst gar nicht schreibt wink

Zitat:
Auf jeden Fall! Kritikfähigkeit ist eine Fähigkeit wie jede andere, aber essenziell. Und es ist doch auch eine so große Chance. Die eigenen Texte, die eigenen Kopfwelten durch unterschiedliche Augenpaare betrachten zu können, ist auch ein großes Geschenk.


Natürlich, aber zu dieser Fähigkeit gehört auch Vertrauen und ich glaube da liegt mein größtes Problem Embarassed Crying or Very sad


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Poolshark
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BeitragVerfasst am: 07.11.2017 19:50    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Eher ist es so, dass ich beschriebene Emotionen nicht mag. Begegnen sie mir in Büchern, lege ich selbige meist zur Seite.

Das ist doch aber genau das, was ich meine. Nachvollziehbare Emotionen müssen nicht beschrieben, vorverdaut und mundgerecht abgeliefert, sondern erzeugt werden. Eine gute Geschichte, die emotional nichts mit einem macht ... gibt es so was?
Zitat:
Manchmal denke ich, es wäre besser, jemanden zu finden, der selbst gar nicht schreibt

Menschen, die nicht schreiben, braucht man auf jeden Fall als Testleser. Das schreibende Volk ist ja mitunter sehr viel kritischer als Normalsterbliche. Aber ich glaube auch dieses Feedback wird dich nur kränken, wenn du es als Einschränkung und Attacke gegen das Besondere empfindest.


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BeitragVerfasst am: 07.11.2017 21:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
Das ist doch aber genau das, was ich meine. Nachvollziehbare Emotionen müssen nicht beschrieben, vorverdaut und mundgerecht abgeliefert, sondern erzeugt werden. Eine gute Geschichte, die emotional nichts mit einem macht ... gibt es so was?


Nein!
Was den Kritikern aber fehlte, war das Innenleben.
Es reichte nicht, die Figur den Kopf senken zu lassen, sie sich trauen zu lassen etc.

Es fehlten Sätze, die deutlicher werden. Und eben das ist nicht so meins...
Luis ist ein geduldiger, introvertierter Charakter und kommt erst langsam, um nicht zu sagen mit Hilfe der Geschehnisse aus sich heraus.
Oder das ewige Show dont Tell; ich nutze es, aber an Stellen, an denen es mir handwerklich sinnvoll erscheint.
Als Überleitung komme ich nun wieder darauf zu sprechen, dass ein Buch im "Entstehungsprozess" manchmal auch schwer zu beurteilen ist. Ohne die Absichten des Autors zu kennen, bleibt einem manchmal nichts Anderes übrig, als sein Urteil erst am Ende zu fällen. Entweder ergeben die Kniffe dann einen Sinn oder man darf sich zu Recht veralbert fühlen.
Als Beispiel habe ich bei Luis die Einführung einer besonderen Komponente nicht ins Show gestellt, weil diese ihren knalligen Auftritt erst später haben soll. Wieso, weshalb, warum, das weiß natürlich nur ich. Was beim ersten Lesen noch merkwürdig scheint, könnte beim zweiten Lesen und mit Kenntnis des Gesamten dann plötzlich Sinn ergeben. Und das wäre schon ein Traum, ein Buch fertigzukriegen, das man nicht nur einmal lesen möchte.

Zitat:
Menschen, die nicht schreiben, braucht man auf jeden Fall als Testleser. Das schreibende Volk ist ja mitunter sehr viel kritischer als Normalsterbliche. Aber ich glaube auch dieses Feedback wird dich nur kränken, wenn du es als Einschränkung und Attacke gegen das Besondere empfindest.


Ich denke, Menschen, die nicht schreiben, sind weniger besetzt von "Regeln" und können sich unvoreingenommener auf einen Text einlassen.
Natürlich fehlt ihnen an anderer Stelle dann vielleicht wieder die Lesart, sich Leerstellen dazudenken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schwierig und langwierig ist, jemanden zu finden, bei dem die Chemie rundum stimmt ( und damit meine ich nicht, jemanden, der nichts auszusetzen hätte) und ich glaube, Lektoren müssen nicht nur in Literatur bewandert sein, um in ihrem Job glänzen zu können.


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BeitragVerfasst am: 07.11.2017 23:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nein!
Was den Kritikern aber fehlte, war das Innenleben.

Okay, schau ich mir beizeiten mal an.


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