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Paterminos
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 31
Beiträge: 8



BeitragVerfasst am: 03.08.2016 12:53    Titel: Tagebuch eines Arbeiters - 1.Akt eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

1)Die Stadt erweckt mit ihren lauten Sirenen,
Schlaf knistert in den Augen von getrockneten Tränen.
Naturzustand, im Einklang mit dem Sein,
Vollkommenheit, dann strömen Erinnerungen ein.

2)Jede einzelne, ein Puzzle zu seiner Person,
unbedeutend, doch formen den Charakter schon.
Opfer oder Oscar, im Film seines Lebens,
Liebe bleibt ein Akt des Gebens.

3)Mit einem schmunzeln verscheucht er die Tiefgründigkeit,
und flitzt unter die Dusche aus Gründen der Zeit.
Reinigung des Leibes, Reinigung der Seele,
Für ihn mehr als nur Körperpflege.

4)Wissendes Wasser rinnt hinab,
Millionen Kreisläufe durchlebt gehabt.
Jedes Wesen einmal berührt,
und in Ozeanen zurückgeführt.

5)Erfahrungen gespeichert in Clustergebilden,
als Packeis verstaut in kalten Gefilden.
Schmilzt es dahin, setzt es Kreisläufe frei,
befreite Mutter Natur, am Ende der Zeit.

6)Wärmere Meere, Gase entweichen,
zum sterben der Meere wird´s wohl reichen.
Das Magnetfeld der Erde birgt Turbulenzen,
Magmafelder sprengen ihre Grenzen.

7)Die Pegel steigen, Menschen fliehen,
nicht nur vor Krieg, Fluten siegen.
Sonne verdunkelt, grauer Schnee fällt,
vom Ruß geschwärzten Dach der Welt.

8)Ureinwohner weichen für größere Plantagen,
niedergestreckt, falls sie einen Aufstand wagen.
Konzerne, Weltbank und wir stimmen zu,
nehmen den Urvätern ihre Seelenruh'.

9)Das einst geeinte, alte Europa,
gespaltene Zunge, gespaltene Persona.
Klempnert an der Seele, baumelt am Faden,
Medien mit Propaganda, voll beladen.

10)Düstere Zeiten, düstere Zeilen,
wir sollten im Hier und Jetzt verweilen.
Das Handtuch ergriffen, Weisheit getrocknet,
Maske der Verdrängung, Sklaven frohlocket.

11)Schenkel gespreizt zwischen Arm und Reich,
Geld abschaffen, es wär so leicht.
Aber die schuftende Hure wird weiter gepresst,
bis sie zuhause bleibt, erschöpft und gestresst.

12)Auf Gier folgt Verschwendung, auf Niedergang aus,
gefraggt holen wir letzte Ressourcen heraus.
Unter seinen Füßen nun der blanke Asphalt,
darunter verseuchtes Wasser alsbald.

13)Leuchtreklame am Sinnbild des Konsums,
überfüllte Regale im Auge des Supermarkt Monsuns.
Prasselnde Verheißungen als Werbeschauer,
preisen beschirmte Gifte von langer Dauer.

14)Die Schirmherren einst bekannte Personen,
würden zur Verantwortung gezogen.
Doch heute hinter Räten gut versteckt,
vor dem Gesetz frei und besser vernetzt.

15)Planen sie die Vernichtung der Armen,
nicht durch Gleichheit, eher durch verarmen.
Bis wir den Mittelstand vergessen,
Und Weichmacher unsere Hoden fressen.

16)Doch auch der Griff zur Pulle aus Glas,
Limo versetzt mit einer chemischen Süßungsart.
Der Umsatz des Teufels steckt im Detail,
gemessen wie lang der Blick auf Produkten verweilt.

17)Die Kasse verlangt ein stolzes Sümmchen,
Bargeldlos bezahlt, in ein paar Sekündchen.
Warum überhaupt, weiß keiner genau?
Zur besseren Verteilung den Berg hinauf.

18)Trinkgelder fallen aus, Bettler beraubt,
die letzten Lügen verzweifelt geglaubt.
Im Freitod den Kassen ein Schnippchen geschlagen,
in den letzten Zügen packt er Kippchen in' Wagen.

19)Berufe werden zu Jobs, berufen auf Lebenszeit,
wehklagende Berufene, ihr Leben zu geben bereit.
Viele verfluchen den Job, folg stets der Berufung,
verflochtene Verfluchung, Zeit für Urlaubsbuchung.

20)Misanthropische Gedanken eines Proleten,
oder unwissender Aufstand eines Propheten?
Im Nahverkehr pilgert er voran,
nicht zu Gott, zur Arbeit, im Blaumann Gewand.

21)Ein lächeln und ein seufzen ein muss,
kollektives seufzen im Bus.
Resignation zu fühlen, Erschöpfung schier greifbar,
Wagen hält an, dem Bussteig schon nah.

22)Doch der Tag bricht an, müden Geister erwachet,
Tore zischen auf, komm Jung mach et'.
Motiviert bis zum Minus auf'm Stempeldisplay,
ab hier gilt verdrängen, was nicht okay.

23)Nicht denken und wünschen, auf keinen Fall erwarten,
viel Gemauschel von Fakten und Daten.
Verschiedene Derivate von genmanipulierten Saaten
Monopol Stellungen in diversen Staaten.

24)Gedankliche Banane beim packen der Sachen,
staatliche Ämter werden´s überwachen.
Das Lachen verkniffen, die Sachen ergriffen,
zum ersten Kunden, im Herzen zerrissen.

25)Während sich Bewegungsprofile in Mautstellen spiegeln,
und Baustellenstaus die Gemüter aufwiegeln,
versetzen ihn Songs in ein anderes Leben,
gedanklich bewegt er sich auf persönlichen Wegen

26)Er blickt auf die schönen Dinge der Welt,
Bilder im Kopf zusammen gestellt.
Freunde und Familie an vorderster Front,
dahinter die Liebsten zum Horizont.

27)Eine sticht aus der Masse heraus,
kein Superlativ reicht je für sie aus.
Auch er tritt aus der Masse heraus,
als Choleriker regt er sich auf.

28)Aber umringt von Feinden lässt er es zu,
gebettet auf Speeren zur ewigen Ruh'.
Ihr Zauber wirkt, jeder Speer wird zur Ähre,
gestorben wenn sie nicht gewesen wäre.

29)Jede Berührung wandelt den Zorn,
flammend versunken, Leidenschaft gebor'n.
Im Meer der Liebe, tiefste Gräben erkundet
Bis die erste Schweißnaht knarzt und vom Ende kündet.

30)Er versucht am Grunde die Liebe zu retten,
doch stieg der Druck von der Last seiner Ketten.
So löst sie den Anker, ihre Luke geschlossen,
Letztes Flackern im berstenden Auge zerflossen.

31)Lumineszenz als Köder für Lichthungrige Seelen,
Vorsicht geblendet, nicht im Stande zu wählen.
Verzerrende Küsse, die verschlingend sind,
Glaube genommen, verschlungenes Kind.

32)Dunkelstes Licht, an dem kein Schatten klebt,
Wird zur Eisprinzessin, die jetzt im Schatten lebt,
bis sie selbst Wogen aus Schatten webt.
Und als Schattenherrin die Schatten selbst bewegt.

33)Zur Mittagsstund, bricht die Nacht herein,
Allein mit seinen Gedanken vereint.
Widmet er sich dem letzten was blieb.
Flucht vor dem Alltag, mit den Geistern die er rief.

34)Verlassen und enttäuscht von der Welt,
sucht er die Fehler bei sich selbst.
Er steigt jetzt aus, es treibt ihn um
Geht Runde um Runde ums Auto herum.

35)Dabei umspielt eisiger Wind die Finger leise,
darin liegt Energie doch es ist nicht seine.
Tippt Schi mit den Händen und sie werden warm
Er schickt eine Botschaft: Sein Gegner sei gewarnt.

36)Plötzlich die Antwort und es trifft ihn der Schlag
Er spürte noch das böse unmittelbar
Die Sterne erblickt, vom Bewusstsein getrennt
Schwäche gezeigt für einen kurzen Moment.

37)Schmerz sitzt tief und durchflutet die Seele,
ein Sturm aus Dunkelheit, doch er berührt die Steele,
gleißendes Licht hüllt ihn ein,
schimmernde Rüstung wird nun sein.

38)Er sammelt und lenkt Energie zur Rechten,
wird das flammende Schwert des gerechten
Die liebe der Beschützten wird zum Schild,
gepanzerte Flügel schlagen Wild.

39)Er hebt ab, Böen verscheuchen Schatten rasch,
ein Blick durchs Visier, den Körper erhascht.
Sprint, kreisförmiger Schlag, vom Stich gefolgt
Für den Überfall zahlt er nun Blutzoll.

40)Der Gegner gerissen, verpufft als Nebel,
der erste Schlag ging scheinbar daneben.
Doch ein gellender Schrei zerreißt die Nacht,
rematerialisierte Schwärze zu Fall gebracht.

41)Der Gegner kniet vor ihm das Schwert im Leib,
die Klinge ergriffen und stößt sie sich rein.
Er hebt den Kopf und lächelt breit,
er löst sich auf, es ist nicht vorbei.

Vielen Dank an die, die es bis hierhin geschafft haben smile

Ich freue mich über jede Rückmeldung, auch wenns nur ein "oh mein gott was für ein Scheiß" ist.

Der 2. Akt ist mehr oder weniger auch schon fertig, bei Interesse würde ich ihn auch gerne Posten smile

Aber jetzt bin ich erstmal gespannt, ob ihr irgendwas damit anfangen könnt, da ich wirklich viel Zeit in meinen namenlosen Arbeiter investiere.
 
Und zum Umfang: Am ende soll es ein lesenswertes Buch mit etwa 100 Seiten werden, demnach würden dem 1. Akt noch rund 60 Strophen fehlen, wenn man davon ausgeht das etwa 4 Strophen Pro Seite und 4 Akte angedacht sind. Das war meine Grundidee als ich angefangen habe. Schnell musste ich aber erkennen das es wohl zu viel wird, und jetzt wollte ich sehen ob man trotzdem noch die Handlung versteht ohne einfüllende Strophen, die die Umgebung beschreiben oder Tätigkeiten beschreiben, weil letztendlich schreibt man in ein Tagebuch nur Sachen die einen Bewegen.

Genug von mir jetzt seid ihr dran smile

PS: Das Gedicht die Büste ist ein abschnitt aus dem 2. Akt.

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Soleatus
Autor


Beiträge: 795



BeitragVerfasst am: 03.08.2016 23:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Paterminos!

Ich denke, das wird kaum jemand lesen.

- Selbst sehr gut gemachte, lange Erzählgedichte haben es heute schwer, weil die Leser diese Gattung kaum noch kennen, mit ihr nicht umgehen können und sie daher unbeachtet lassen.

- Es fehlt deinem Text an Klarheit und Nachvollziehbarkeit. Dir selbst, als Verfasser, der du "drinsteckst", ist sicher alles klar wie der helle Tag; ich, als Leser, rätsele von der ersten Strophe an, was hier eigentlich verhandelt werden soll. Und weil mir das so gar nicht klar wird, habe ich wenig verwunderlich auch schnell die Lust verloren, noch weitere Strophen zu lesen.

- Du hast aucg noch viele sprachliche Nachlässigkeiten drin, die beim Leser keinen guten Eindruck hinterlassen. Beispiel:

Mit einem Schmunzeln verscheucht er die Tiefgründigkeit (besser ohne Komma)

Insgesamt: Hm. Siehe oben - so wirst du kaum jemanden erreichen, ich vermute, du müsstest kürzer werden, klarer und verständlicher, was vor allem meint: du musst dem Leser von Anfang ein eine Vorstellung vermitteln, worum es geht.

Gruß,

Soleatus
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Paterminos
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 31
Beiträge: 8



BeitragVerfasst am: 04.08.2016 10:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Grundsätzlich geht es doch um einen Arbeiter das kann man dem titel ja schon entnehmen, der ein selbstfüllendes (darauf kommt es aber garnicht an) Tagebuch bei sich trägt, dass quasi seine Gedanken zu seiner Umgebung aufschreibt. Er geht also völlig alltagsmäßig zur Arbeit, aber auf dem Weg dorthin fallen ihm halt schon einige Sachen auf.

Ich finde halt den Klassen "Widerspruch" so schön, dass ein Arbeiter hier auf seinem Niveau  philosophiert, ich als Autor möchte hier natürlich bisschen zum denken anregen, auch mal zum Nachschlagen.

Sprachliche Mängel tun mir extrem Leid, ich geh schon Mehrmals die Texte durch, aber manchmal sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr, deswegen schick ich es ja auch in die Werkstatt. Und wenn der Gerold mir das nicht anzeigt, fällt mir es aufgrund meiner Rechtschreibschwäche extrem schwer diese Fehler zu finden. Sorry nochmals!

Aber mal eine Frage, bei welchem Prosabuch weißt du denn ohne Klappentext auf der ersten Seite worum es geht? In der Regel erfährst du Zeit, Raum, Namen, ist das hier nicht auch so? Okay namenloser, aber Wohnung, Neuzeit steht doch klar da? und das Was ist auch angedeutet mit dem Titel und mit der Zeile Oscar oder Opfer im Film seines Lebens. Es geht also um sein Leben und der Leser soll dieses bewerten, okay das kommt wirklich noch nicht so gut raus und bezieht sich logischerweise auf spätere Teile, und hier sollte ich wirklich noch genauer werden.

Gerne Mehr Kritik!

Euer Pater
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llll
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 04.08.2016 11:53    Titel: Antworten mit Zitat

Zuerst eine Kleinigkeit :
Kein Tagebuch, nur Theaterstücke haben einen 1. Akt !
Dann grundsätzlich :
Die Idee, ein Tagebuch eines Arbeiters zu schreiben, find ich sehr gut !
Aber :
Wenn es unbedingt in Vierzeilern geschrieben sein soll,
dann aber bitte wie Sahne fließend !!!
Warum nicht in Prosa ?
llll
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Paterminos
Geschlecht:männlichAbc-Schütze

Alter: 31
Beiträge: 8



BeitragVerfasst am: 04.08.2016 15:26    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hm zur Kleinigkeit: Also ich finde schon, dass das Wort Akt hier sehr trefflich ist, gerade weil ja im 2. Akt ein Szenenwechsel folgt. Auch die bildliche Sprache lässt mich nah zum Film kommen. So gesehen, sieht sich das Tagebuch selbst vielleicht eher als ein Drehbuch für den Film seines Leben.

Ob der Text fließt oder nicht kann ich leider nicht mehr beurteilen, da ich ihn natürlich viel zu häufig gelesen habe und sowohl wenn ich ihn vorlesen lasse als auch wenn ich ihn selber Vorlese, werde ich einfach vom Text mitgezogen. In dem Sinne finde ich schon, dass es fließt, gerade weil es doch Prosa ist. Die Reime am Ende, sowie die Wiederholungen, als auch die paar Alliterationen die ich verwendet habe sollten eigentlich zum "Flow" beitragen.

Schwierig zu lesende Wörter, wie "rematerialisierte" muss man natürlich mehrmals Lesen um die flüssig über die Lippen zu bekommen, man muss sich also auch mit dem Vortragen selbst beschäftigen, da es einem eben nicht mit Trochäen vorgekaut wird, und das persönliche Lesen und die persönliche Gewichtung jeder einzelnen Silbe, liegt in der Hand des Lesers. Deshalb habe ich die Reimprosa-Form gewählt.

Danke für die Kritik
Pater

PS: Ihr solltet es vielleicht wirklich mit vorlesen probieren, ich finde erst dann entfaltet der Text seine Wirkung.
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Rübenach
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2421



BeitragVerfasst am: 04.08.2016 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn du den Text als Prosa bezeichnest, wieso stellst du ihn dann im das Subforum Lyrik ein?

_________________
"Nothing bad can happen to a writer. Everything is material." (Philip Roth)
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2765

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.08.2016 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

Rübenach hat Folgendes geschrieben:
Wenn du den Text als Prosa bezeichnest, wieso stellst du ihn dann im das Subforum Lyrik ein?

Witzige Frage von Rübenach Laughing

Laut Kennzeichnung des Verfassers Paterminos ist unterhalb des Titels unter anderem "Prosagedicht" deutlich sichtbar. Ob man nun ein Prosagedicht im Prosa- oder Lyrikbereich einstellt, ist mMn Geschmackssache und jedem Verfasser selbst überlassen.
Aber das nur am Rande wie die von Rübenach gestellte nebensächliche Frage.

------------------------

Um noch etwas Konstruktives zum Prosagedicht an sich beizutragen:

Hallo Paterminos,
ich finde, mit deiner ambitionierten und experimentellen Herangehensweise (langes Prosagedicht in paarreimigen Vierzeilern, Unterteilung in Akten, eher filmisch-drehbuchartig, fragmentarisch, episodenhaft) wirst du evtl. ein breites Lesepublikum nicht erreichen. Ist vielleicht auch nicht dein Ding. Mir gefällt deine Idee ausgesprochen gut und ich möchte dich bestärken, bleib dran an deiner Idee.

Sprachlich liesse sich noch feilen, z.B. der erste Vierzeiler:
Zitat:
1)Die Stadt erweckt mit ihren lauten Sirenen,
Schlaf knistert in den Augen von getrockneten Tränen.
Naturzustand, im Einklang mit dem Sein,
Vollkommenheit, dann strömen Erinnerungen ein.

mir ist das etwas zu distanziert. Klar, dein LI bzw. dein namenloser Arbeiter erwacht und bleibt somit zuerst aussen vor.
Anstelle des "erweckt" würde ich "weckt" empfehlen.
Das Bild des knisternden Schlafs in den Augen beisst sich für mich mit dem "erweckt/weckt". Viellecht kannst du es umstellen, dass dein Arbeiter vom knisternden Schlaf in den Augen von Sirenen geweckt wird und dann die Erinnerungen strömen.
Würde für mich von der Reihenfolge besser passen.

Mir wirkt, du hast deinem Prosagedicht teilweise mehr den Reim aufgezwungen und dich damit selbst in die Reim-Bredouille gebracht, wodurch mir einige Unsauberkeiten das Lesen mies machen.

Bei diesem Vierzeiler:
Zitat:
15)Planen sie die Vernichtung der Armen,
nicht durch Gleichheit, eher durch verarmen.
Bis wir den Mittelstand vergessen,
Und Weichmacher unsere Hoden fressen.

verlässt du mMn den Aufbau deiner Vierzeiler. Dieses "sie" bezieht sich auf  die vorangegangenn Schirmherren und damit gehören Nr. 14 und 15 zusammen. Die meisten anderne Vierzeiler stehen für sich und bilden für sich ein fertiges Konstrukt. Nr. 15 kann ohne Nr. 14 nicht funktionieren.  

Zitat:
21)Ein lächeln und ein seufzen ein muss,
kollektives seufzen im Bus.
Resignation zu fühlen, Erschöpfung schier greifbar,
Wagen hält an, dem Bussteig schon nah.

Hier und auch an anderen Stellen, müsstest du nochmal für dich checken, wann ein Verb ein Verb ist und wann es zu einem Substantiv wird.

Insgesamt ein sehr gesellschafts- und zivilisationskritischer Text, der eine Welt des Konsums, der Ausbeutung und Zerstörung zeichnet. Da würde ich mich eigentlich gleich wieder ins Bett verziehen und die Bettdecke über den Kopf schülpen.

Gerne gelesen.

LG,
Constantine
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Klemens_Fitte
Geschlecht:männlichSpreu

Alter: 37
Beiträge: 2081
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 04.08.2016 19:26    Titel: Antworten mit Zitat

Constantine hat Folgendes geschrieben:
Laut Kennzeichnung des Verfassers Paterminos ist unterhalb des Titels unter anderem "Prosagedicht" deutlich sichtbar. Ob man nun ein Prosagedicht im Prosa- oder Lyrikbereich einstellt, ist mMn Geschmackssache und jedem Verfasser selbst überlassen.


Bei aller Schwierigkeit der begrifflichen Definition und Abgrenzung: wenn man den vorliegenden Text als Prosagedicht bezeichnet, wird der Ausdruck inhaltsleer. Das Prosagedicht zeichnete sich ursprünglich dadurch aus, dass es auf gebundene Rede – bspw. Verse, Strophen, Reime – verzichtet. Wieso man diesen Text, der mit Endreimen, Strophen, Versen operiert, als Prosa – ungebundene Rede – oder Prosagedicht bezeichnen sollte, erschließt sich mir nicht.

Mal ein Beispiel für ein Prosagedicht, die 2. Hymne an die Nacht von Novalis:

Zitat:
Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. – Ewig ist die Dauer des Schlafs. Heiliger Schlaf – beglücke zu selten nicht der Nacht Geweihte in diesem irdischen Tagewerk. Nur die Thoren verkennen dich und wissen von keinem Schlafe, als den Schatten, den du in jener Dämmerung der wahrhaften Nacht mitleidig auf uns wirfst. Sie fühlen dich nicht in der goldnen Flut der Trauben – in des Mandelbaums Wunderöl, und dem braunenSafte des Mohns. Sie wissen nicht, daß du es bist der des zarten Mädchens Busen umschwebt und zum Himmel den Schoß macht – ahnden nicht, daß aus alten Geschichten du himmelöffnend entgegentrittst und den Schlüssel trägst zu den Wohnungen der Seligen, unendlicher Geheimnisse schweigender Bote.


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100% Fitte

»Es ist illusionär, Schreiben als etwas anderes zu sehen als den Versuch zur extremen Individualisierung.« (Karl Heinz Bohrer)
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llll
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 04.08.2016 19:52    Titel: Antworten mit Zitat

Noch etwas ganz Wesentliches, was bisher im Faden, so viel ich ihn las, noch nicht deutlich genug wurde :
Es muss SOFORT, schon ab der ersten Zeile von IHM die Rede sein, also ab sofort ER, IHM, IHN verwenden.....
Dann ist man gespannt, wer das ist und möchte mehr erfahren !

Die Stadt weckt ihn auf mit den ersten Sirenen.
Noch nisten im Aug ihm getrocknete Tränen,
Zu Ende sein Zustand des Träumens von Einheit im Sein,
Schon stürzen Erinnrung und Pflichten mit Macht auf ihn ein.

usw.
damit es ab SOFORT ganz persönlich ist........ und weiterhin BLEIBT !
Das heißt : Erst wenn wirklich eine Beziehung zum Protagonisten aufgebaut wurde,
kann in allgemeinere Weltbetrachtungen abgeschweift werden..........
llll
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2765

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.08.2016 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Klemens_Fitte hat Folgendes geschrieben:
Constantine hat Folgendes geschrieben:
Laut Kennzeichnung des Verfassers Paterminos ist unterhalb des Titels unter anderem "Prosagedicht" deutlich sichtbar. Ob man nun ein Prosagedicht im Prosa- oder Lyrikbereich einstellt, ist mMn Geschmackssache und jedem Verfasser selbst überlassen.


Bei aller Schwierigkeit der begrifflichen Definition und Abgrenzung: wenn man den vorliegenden Text als Prosagedicht bezeichnet, wird der Ausdruck inhaltsleer. Das Prosagedicht zeichnete sich ursprünglich dadurch aus, dass es auf gebundene Rede – bspw. Verse, Strophen, Reime – verzichtet. Wieso man diesen Text, der mit Endreimen, Strophen, Versen operiert, als Prosa – ungebundene Rede – oder Prosagedicht bezeichnen sollte, erschließt sich mir nicht.

Mal ein Beispiel für ein Prosagedicht, die 2. Hymne an die Nacht von Novalis:

Zitat:
Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. – Ewig ist die Dauer des Schlafs. Heiliger Schlaf – beglücke zu selten nicht der Nacht Geweihte in diesem irdischen Tagewerk. Nur die Thoren verkennen dich und wissen von keinem Schlafe, als den Schatten, den du in jener Dämmerung der wahrhaften Nacht mitleidig auf uns wirfst. Sie fühlen dich nicht in der goldnen Flut der Trauben – in des Mandelbaums Wunderöl, und dem braunenSafte des Mohns. Sie wissen nicht, daß du es bist der des zarten Mädchens Busen umschwebt und zum Himmel den Schoß macht – ahnden nicht, daß aus alten Geschichten du himmelöffnend entgegentrittst und den Schlüssel trägst zu den Wohnungen der Seligen, unendlicher Geheimnisse schweigender Bote.


Ich stimme dir voll und ganz zu, Klemens, was die Definition eines Prosagedichts angeht. Als Prosagedicht geht dieser hier vorliegende Text nicht durch. Es ist ersichtlich, dass der Text ein Gedicht ist.

Um den Faden nicht zu sehr off topic zuzuspamen:
Ich kann nur vermuten, dass der Verfasser sich seiner Textgattung selbst nicht sicher ist.
Die Einstellung im Lyrikbereich in Frage zu stellen, wie es Rübenach getan hat, war dahingehend eher mein missverständlich rübergebrachtes Thema, als ich Rübenach adressierte.

LG,
Constantine
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 04.08.2016 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Wow, das ist schon ein Unterfangen, so ein langes Gedicht zu schreiben. Respekt. Und dann soll das erst der 1. Akt sein.

Mich stören zunächst die Zahlen. Die sagen mir nichts, irritieren mich. Und wenn mich das Strophe für Strophe gefangen nähme, würden sie mich noch mehr stören.

Leider bin ich nicht so recht gefangen genommen, ich habe es auch nicht geschafft, jede Strophe genau zu lesen.

Will mal nur an den ersten beiden zeigen, was es mir mühsam macht, das Lesen:

1)Die Stadt erweckt mit ihren lauten Sirenen, MEINST DU ERWECKT, ODER ERWACHT?
 Schlaf knistert in den Augen von getrockneten Tränen.
 Naturzustand, im Einklang mit dem Sein, DAS IST MIR ZU STEREOTYP
 Vollkommenheit, dann strömen Erinnerungen ein.

 2)Jede einzelne, ein Puzzle zu seiner Person, EIN PUZZLETEIL? BRAUCHT ES DIE PERSON?
 unbedeutend, doch formen den Charakter schon. DAS "SCHON", NEE, SYNTAX?
 Opfer oder Oscar, im Film seines Lebens, WESSEN?
 Liebe bleibt ein Akt des Gebens. HHM, DAS IST HIER INVERSION, NICHT? UND INHALTLICH ETWAS SIMPEL?

Also, was ich meine, so ein langes Gedicht muss echt super gut sein, damit man es aushält.
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Paterminos
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BeitragVerfasst am: 06.08.2016 12:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

1. Für mich ist das Reimprosa - Sadsch', also eine arabische Erzählform.  Aber ich will auf keinen Fall darüber Streiten. Aus meiner Sicht passt es sehr gut zur "Arbeiterklasse".

2. Finde ich super mit  "Ihm" ab der ersten Zeile und ich werde das tatsächlich sofort ändern. Das es zu distanziert ist, stimmt hier völlig.

3. "Planen Sie" gefiel mir persönlich auch irgendwie nicht, weil ich den Vorwurf auch nicht auf einzelne beschränken wollte, auch da geh ich aufjedenfall drüber und relativiere das etwas dadurch wird es vielleicht auch entzweit.

4. Mich persönlich stört es aber gar nicht, dass die Strophen aneinander hängen und ohne einander nicht funktionieren. Ich finde dadurch bekommt es noch mehr Lesefluss, weswegen ich es sogar versucht habe umzusetzen, dass sich einige direkt aufeinander beziehen, so gesehen als "neues" Stilmittel.

Ist mir offenbar nicht so gut gelungen?

5. Ja die Welt geht unter und der Arbeiter? Geht weiter arbeiten.

6. Die Zahlen dienen doch nur der Übersicht, ich denke ab 10 Strophen wirds gerade in nicht Papierform doch sehr unübersichtlich. In einem möglichen Endprodukt würde ich sie auch weglassen.

7. ich meine erweckt, die Stereotypen, kann ich nachvollziehen, finde ich aber nicht schlimm und verdeutlicht in meinen Augen auch den Unterschied zwischen Wachphase und Schlaf, und wenn du es lesen würdest, würde dir auffallen, dass ich es häufiger benutze um in die Parallelwelt seiner Gedanken verständlich zu gelangen. Und in dieser Gedankenwelt, kann ich dann auch wie gegen Ende Fantasyelemente einbauen. Das wird dann im 2. Akt sehr deutlich.
Ich finde wer man ist, bestimmen doch vor allem die Erinnerungen und Erfahrungen die man gesammelt hat, deswegen versteh ich dein Einwand mit den Puzzleteilen nicht.
Syntax Verschiebungen aufgrund von Reimen, sieht man eigentlich häufiger in der Lyrik, kann ich aber nachvollziehen.
Wessen? Ja natürlich im Leben des Arbeiters, ganz tief gebuddelt vielleicht auch das Leben des Autors.
"Liebe bleibt ein Akt des Gebens", ist übergeordnet. Es ist eine Aussage die immer bestand hat, und zu dieser Erkenntnis wird er gelangen. Außerdem ist es für mich als Autor ein kleines Gimmick, denn es bezieht sich direkt auf ein anderes Gedicht von mir, dass hier aber noch nicht gepostet ist.

Vielen Dank für die Rückmeldungen und ich verbessere schon fleißig. Gerne mehr, zerfetzt es, nur dadurch kann ich und es besser werden.
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 06.08.2016 22:47    Titel: Antworten mit Zitat

"Jede einzelne" Erinnerung sah ich nicht als gesammtes Puzzle, sondern als Teil des Puzzles, das die Person ausmacht.
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