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Schutzengel


 
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Dienstwerk
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 23.06.2011 13:19    Titel: Schutzengel eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schutzengel

Anne blieb stehen und lauschte.
„Das nennt man Appendix“, hörte sie Onkel Max flüstern, dann quietschte das Bett und Mareike kicherte, als würde sie am Bauch gekitzelt.
Anne hielt den Atem an und versuchte, ihr Zähneklappern zu unterdrücken. Eigentlich wollte sie nur aufs Klo am Ende des Flures gehen, doch plötzlich musste sie nicht mehr.
Vorsichtig drückte sie die Klinke nach unten, schob mit dem Fuß die Tür einen Spalt auf und spähte hinein.
Im hinteren Teil des Zimmers stand Mareikes Bett unter dem Fenster, nur schwach vom Mond beleuchtet. Sie sah einen Schatten, der aus der Zimmerecke kroch und den gesamten Raum auszufüllen schien. Es war nicht der Schatten des Ficcus im Blumentopf auf dem Fensterbrett, vor dem Mareike manchmal Angst hatte, wenn sie nachts aufwachte. Nein, dieser bewegte sich und raunte Worte, die sie nicht verstehen konnte.
Anne schloss die Augen und sah seine Hände trotzdem.
„Hör auf, hör auf“, jammerte ihre kleine Schwester. Sie kicherte nicht mehr.
Onkel Max fluchte, nannte sie „kleines Biest“ und stammelte irgendwas von „Anfangsschwierigkeiten“.
„Geh weg“, quiekte das Mädchen. Es klang wie eine Sirene von ganz weit draußen.
„Na, wer wird denn weinen, Schätzchen? Das habe ich nicht so gemeint. Ich tu dir doch nichts.“
Anne hörte ihre Schwester schluchzen.
„Ach, komm, Kleines, ich wiege Dich in den Schlaf. Alles wird gut. Rutsch ein Stück.“
Beinahe hätte Anne losgeschrien, als sie einen Lufthauch spürte und etwas Weiches, das ihre nackten Waden berührte. Sie presste eine Hand vor den Mund, bückte sich, streichelte die Katze, die sich an ihren Beinen rieb und hoffte, sie würde nicht miauen.
Onkel Max musste trotzdem etwas gemerkt haben.
„Wer ist da?“
Sie hörte das verhasste Geräusch eines Reißverschlusses, der hochgezogen wird. Dann knarrte ein Dielenbrett im Zimmer - das, was sie und ihre Schwester immer vermieden, wenn sie beide heimlich nach unten in die Küche schlichen, um Kekse zu naschen, die Mama gebacken hatte. Seitdem Onkel Max bei ihnen wohnte, buk sie allerdings nur noch selten. Sie musste jetzt mehr arbeiten, manchmal auch nachts. Dann sollte ER auf die Kinder achten.
„Ist da wer?“, fragte Onkel Max lauter und begann auf den Dielen hin und her zu wippen, so dass es sich anhörte, als würde das ganze Haus mit den Zähnen knirschen.
Ihre Schwester wimmerte im Hintergrund, dazu kam ein dumpfes Pochen, dass sie kannte. Mareike schlug ihren Kopf gegen die Wand, nicht fest aber stetig.
Wie ähnlich sie sich doch waren.
„Hör auf mit dem Unfug“, herrschte der Onkel in die Zimmerecke und machte einen Schritt zurück. Doch dann hielt er inne, atmete schwer und überlegte es sich wohl anders.
Die Diele knarrte erneut.
„Ich komm jetzt raus, und dann gnade dir Gott, du neugierige Kröte!“
Auf der Kommode im Flur stand die Porzellanfigur, die Papa seinen Mädchen geschenkt hatte, kurz bevor er starb: Ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln und gefalteten Händen. Die schwere Ausführung - „damit er nicht so schnell kaputt geht, wenn er mal herunterfällt“.
Anne griff nach der Figur und umschloss sie fest mit beiden Händen. Die spitzen Falten des Umhangs gruben sich in ihre Handfläche.
Als Onkel Max die Tür aufriss und sie mit blinzelnden Augen anstarrte, schlug sie so fest zu, wie sie konnte. Gleichzeitig entleerte sich ihre Blase.
Als er fiel, hätte er beinahe die Katze unter sich begraben, die gerade noch davon springen konnte.
Anne schwankte einen Moment, trat aus der Pfütze und stellte die Figur wieder an ihren Platz. Nur ein Flügel war abgebrochen. Sie wunderte sich, wieso alles so still war.
Dann hörte sie Mareike schreien.
Ihre Stimme klang heiser, sie musste schon die ganze Zeit geschrien haben.
„Komm“, sagte Anne und streckte die Hand nach ihr aus.
Mareike kletterte aus dem Bett, lief zur Tür und stoppte vor dem reglosen Körper auf dem Boden.
„Hab keine Angst.“
Anne hob ihre Schwester hoch und trug sie aus dem Haus. Mareike klammerte sich an ihrem Hals fest und ließ auch nicht los, als sie bereits die Telefonzelle an der Straßenecke erreicht hatten.
„Er wird uns niemals wieder was von Liebe erzählen“, flüsterte Anne und griff nach dem Hörer.

©C.G.
23.06.2011

Dieser Text entstand aus den Reizwörtern:
Anfangsschwierigkeiten, Worte, Liebe, Appendix, Katze, Blumentopf, Porzellanfigur, Telefon

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derSibirier
Dichter und Denker


Beiträge: 1309



BeitragVerfasst am: 23.06.2011 16:10    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt Autoren und Autorinnen, die unbedingt etwas zu Papier bringen möchten, aber es fällt ihnen nichts Gescheites ein. Sie wollen mit ihren Texten glänzen, oder Aufsehen erregen, um sich in ihrer Position als Autor bestätigt zu fühlen. Da ihnen aber nichts Geistreiches einfällt, bedienen sie sich der untersten Schublade, um vielleicht doch noch ein wenig Glanz auf ihre seichten Offenbarungen zu bringen.
Du bist eine gute Autorin, liebes Dienstwerk, und schreibst so einen Schmarren zusammen. Das wäre nicht schlimm, aber ein solch missglücktes Zeug der Öffentlichkeit vorzulegen, das ist mehr als schlimm.
Der Text überzeugt weder handwerklich, noch in seinem Ideenreichtum.
Abgegriffen, aüßerst abgegriffen, und an mancher Stelle ist der Text unbeholfen kindisch obendrein.


freundlich grüßt
der Sibirier
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Dienstwerk
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 23.06.2011 17:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Tatsächlich so schlimm?  ohh

Ich finde das Thema überhaupt nicht abgegriffen.
Was genau stört Dich denn?

LG, Ana
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lady-in-black
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Wohnort: Killer Förde
Der goldene Käfig Extrem Süßes!


BeitragVerfasst am: 23.06.2011 17:48    Titel: Antworten mit Zitat

Dienstwerk hat Folgendes geschrieben:
Tatsächlich so schlimm?  ohh



Hi Dienstwerk,  Cool

ich bin froh, dass der Sibirier den Anfang gemacht hat ... ich fand den Text nämlich auch etwas daneben. Embarassed

Zum handwerklichen kann ich nichts sagen, aber inhaltlich hat mich z.B. schon mal unglaublich gestört, dass es sich um eine Reizwortgeschichte gehandelt hat.
Überspitzt gesagt: Aus einem sehr ernsten Thema wird ein Jux ...
also etwas, bei dem ein kleines missbrauchtes Mädchen dann trotzdem wegen dem Appendix kichert.

Das passt schon mal nicht!

Beim Thema an sich würde ich auch nicht sagen, dass es abgegriffen ist. Aber so, wie du es schreibst, ist es das ...  Wink
Habe schon wesentlich besseres von dir gelesen.  Cool


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- Ich würde mich gerne geistig mit Dir duellieren ... aber ich sehe Du bist leider unbewaffnet.
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derSibirier
Dichter und Denker


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BeitragVerfasst am: 23.06.2011 17:52    Titel: Antworten mit Zitat

Wir befinden uns nicht in der Werkstatt, liebes Dienstwerk,
aber nur ein kleines Beispiel:

Zitat:
Gleichzeitig entleerte sich ihre Blase.


Vor langer Zeit schrieb einmal ein Autor, dass der Protagonist seinen Urin nicht mehr behalten konnte, dass er es gar nicht bemerkte, wie der Urin an seinen Beinen hinab rann, aus Schreck oder Ohnmacht, ich weiß es nicht mehr.
Die Welt war von dieser Betrachungsweise schockiert, und man zollte dem Autor unglaubliche schriftstellerische Gewandtheit zu. Ein Jahr später ließen zehn Autoren ihre Prots in zehn verschiedenen Büchern unbeabsichtigt pinkeln, um deren Ohnmächtigkeit auszudrücken. Ein paar Jahre später waren es dann hundert Bücher und es gab eine Zeit, da pinkelten die Prots in den Literaturforen um die Wette.
Das meinte ich zum Beispiel mit abgegriffen.

Und zum größten Teil ist deine Wortwahl im übrigen Text dahergesudelt.
Ein guter Autor braucht keine Kinder, denen Leid zugefügt wird, um eine Tragödie zu schreiben. Das machen nur Stümper.
Lass das Zeug löschen und wende dich Neuem zu.

Grüße
Sibirier
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Gast3
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BeitragVerfasst am: 23.06.2011 18:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ana,

ich lese deine Texte immer sehr gern, diesen finde ich leider so gar nicht gelungen, und mag ehrlich gesagt, nicht so recht glauben, dass er von dir ist.

Die kichernde Mareike finde ich dabei ebenfalls daneben, scheint mir sehr unpassend.

Was mich z. B. sehr stört, ist, dass ich keine Vorstellung davon habe, wie alt die beiden Mädchen sind bzw. wie groß der Altersunterschied ist. Wenn Anne den Onkel mit der Figur niederschlagen und Mareike aus dem Haus tragen kann, muss sie eigentlich schon größer/älter sein. Da könnte ich mir vorstellen, dass sie, die ja wohl leider "Erfahrungen" mit Max hat, anders reagiert und nicht still in der Tür stehen bleibt, während der bei Mareike liegt.  


Ich weiß jetzt nicht, wie ich es richtig ausdrücken soll, aber für mich kommt es so rüber, als hättest du dir um so ein ernstes Thema nicht ernsthaft genug Gedanken gemacht und es quasi auf Reizwort-Ebene einfach so herunter geschrieben. Ich will dir damit jetzt nicht zu nahe treten, aber das Empfinden hatte ich beim Lesen.

Liebe Grüße
schneestern


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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 23.06.2011 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ana,

ich möchte meinen Vorrednern ein wenig widersprechen.
Reizwörter als Vorgabe zu haben ist aus meiner Sicht nicht gleichbedeutend damit, nicht ernsthaft an einen Text heranzugehen oder in dem Rahmen kein ernstes Thema behandeln zu können.

Auch hast du das Thema nicht auf voyeuristische oder allzu altbekannte Art behandelt. Grundsätzlich bin ich auch kein Fan solcher Texte, weil der Sibirier da schon Recht hat, dass das ein gern genommenes Thema ist, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Das muss aber nicht heißen, dass sich niemand dieses Themas annehmen sollte.

Für den Mut, Mareike zu Anfang kichern zu lassen, möchte ich persönlich dir sagen: Toll und Daumen hoch! Denn genauso könnte es anfangen, beim ersten Mal. Und genau damit hebst du dich vom üblichen Schrott ab.
Mareike könnte kichern über den Anblick eines Penis, sie könnte kichern, weil sich das Wort "Appendix" so seltsam anhört, weil der Onkel sie tatsächlich am Bauch kitzelt - selbst ein nervöses Kichern könnte es sein.

Generell sind immer ambivalente Gefühle mit im Spiel, es ist nicht so, wie es uns in den meisten Filmen oder Büchern vorgeführt wird.

Das Verhalten der beiden Schwestern erscheint mir ebenfalls realistisch, auch das regungslose Stehen in der Tür. Dass die große Schwester nicht für sich selbst, wohl aber, um die Kleinere vor Schaden zu bewahren, plötzlich handlungsfähig wird, das geht zwar schon ein wenig in die Klischeerichtung, ist aber auch schlicht nachvollziehbar. Das mit dem "Schutzengel" ist natürlich arg konstruiert und auch das Ende eher unrealistisch - aber dafür ist es eine Geschichte. Da darf es auch schon einmal "gut" ausgehen.

Das mit dem Einnässen ist so etwas, das man oft in sehr schlechten Gruselgeschichten liest und ich finde das auch immer sehr platt - bei einem Kind ist es aber durchaus vorstellbar, und vor allem hast du das auch zu Anfang schon durch den Hinweis vorbereitet, dass das Mädchen zur Toilette wollte. In diesem Text geht das also in Ordnung, meine ich, auch wenn ich selbst es nicht mag.

Ansonsten hat es bei mir beim Lesen eigentlich nur an einer Stelle geholpert:
Zitat:
Dann knarrte ein Dielenbrett im Zimmer - das, was sie und ihre Schwester immer vermieden, wenn sie beide heimlich nach unten in die Küche schlichen,
"vermeiden" will mir da nicht recht passen.
Etwas unlogisch oder zumindest unerklärt fand ich es auch, dass die Mutter mehr arbeiten muss, weil der Onkel nun bei ihnen wohnt.

Liebe Grüße
Bananenfischin


_________________
»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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Aknaib
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BeitragVerfasst am: 23.06.2011 23:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ana,

nein, heute kommt keine vernichtende Kritik.
Ich sehe deine Geschichte gänzlich anders, als die KritikerInnen, die den Text für nicht gelungen halten.
Es kann nicht oft genug über dieses Thema geschrieben werden.
(Vielleicht hättest du dir verkneifen sollen, dass es ein ReizwortText ist, denn dies klingt angesichts der Themenbrizanz tatsächlich makaber)
Als einst Mitrarbeitende an einem Projekt über sexuellen Mißbrauch  war beim Lesen deiner Zeilen sofort das ohnmächtige Grummeln im Bauch, die Fassungslosigkeit wieder da.

Nur eines erscheint mir trotz aller Ambivalenzen denen Mißbrauchsopfer unterliegen ebenfalls nicht stimmig.
Das ist das eingangs erwähnte Kichern. Dieses Kichern kommt bei mir als Leserin so an, als wäre es ein freudiges Kichern über einen gelungen Streich des Onkes und dies passt für mich nicht zur Szenerie. So wie BF schreibt, versuche ein nervöses Kichern rüberzubringen

Und es ist in diesem Fall nicht, wie Bananenfischin schreibt.
Bananenfischin hat Folgendes geschrieben:
Für den Mut, Mareike zu Anfang kichern zu lassen, möchte ich persönlich dir sagen: Toll und Daumen hoch! Denn genauso könnte es anfangen, beim ersten Mal. Und genau damit hebst du dich vom üblichen Schrott ab.
Mareike könnte kichern über den Anblick eines Penis, sie könnte kichern, weil sich das Wort "Appendix" so seltsam anhört, weil der Onkel sie tatsächlich am Bauch kitzelt - selbst ein nervöses Kichern könnte es sein.Bananenfischin
Denn das war kein Anfang vom Anfang, wie diese Textzeilen zeigen:
Zitat:
Ihre Schwester wimmerte im Hintergrund, dazu kam ein dumpfes Pochen, dass sie kannte. Mareike schlug ihren Kopf gegen die Wand, nicht fest aber stetig.
Hiermit ist gesagt, dass der Mißbrauch bereits über längere Zeit läuft.
In diesen wenigen Worten steckt u.a. der Aufschrei der gequälten Kinderseelen beider Schwestern.  

Ich gratuliere dir zum Mut diesen Text, so wie er ist, hier einzustellen.
Mit wenigen Zeilen ist dir ein authentische Momentaufnahme zum Thema Missbrauch gelungen.

Herzliche Grüße
Bianka

Wer zum Thema Mißbrauch authentische Texte lesen möchte:
Wie viele Tränen hat die Seele
http://www.amazon.de/Wie-viele-Tr%C3%A4nen-hat-Seele/dp/3936544174/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1308861750&sr=1-1

Bittere Tränen
http://www.amazon.de/Bittere-Tr%C3%A4nen-Petra-Pauls/dp/3936544050/ref=pd_sim_b_1

Weil wir so viele sind
http://www.amazon.de/Weil-wir-viele-sind-%C3%9Cberlebende/dp/3936544190/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1308862089&sr=1-1
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Bananenfischin
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BeitragVerfasst am: 23.06.2011 23:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Bianka,

ich habe die von dir zitierte Textpassage anders gelesen.

Du schreibst:
Zitat:
Denn das war kein Anfang vom Anfang, wie diese Textzeilen zeigen:
Zitat:
Zitat:
Ihre Schwester wimmerte im Hintergrund, dazu kam ein dumpfes Pochen, dass sie kannte. Mareike schlug ihren Kopf gegen die Wand, nicht fest aber stetig.

Aber da fehlt ein aus meiner Sicht der entscheidende, nachgestellte Satz:
Zitat:
Wie ähnlich sie sich doch waren.

Das "dumpfe Pochen" kennt Anne bisher nicht von ihrer Schwester, sondern nur, weil sie es selbst so gemacht hat.
Das jedenfalls ist meine Lesart. smile

Für mich liest es sich also so, als hätte sich der Onkel bisher nur an der Großen vergriffen. Dafür spricht unter anderem auch dies:
Zitat:
Onkel Max fluchte, nannte sie „kleines Biest“ und stammelte irgendwas von „Anfangsschwierigkeiten“.


Liebe Grüße
Bananenfischin


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Dienstwerk
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 02:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Sibirier
Zitat:
Es gibt Autoren und Autorinnen, die unbedingt etwas zu Papier bringen möchten, aber es fällt ihnen nichts Gescheites ein. Sie wollen mit ihren Texten glänzen, oder Aufsehen erregen, um sich in ihrer Position als Autor bestätigt zu fühlen. Da ihnen aber nichts Geistreiches einfällt, bedienen sie sich der untersten Schublade, um vielleicht doch noch ein wenig Glanz auf ihre seichten Offenbarungen zu bringen.


Himmel, was ist Dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?
Beginnt so konstruktive Kritik?
Ich gehe mal wohlwollend davon aus, dass Du mir nicht unterstellst, wahllos Texte auf die Menschheit loszulassen, nur um Aufsehen zu erregen, sondern dass dieser Passus allgemein gehalten ist. Ebenso werte ich „unterste Schublade“ und „seichte Offenbarungen“, denn sonst müsste ich mich persönlich beleidigt fühlen.

Zitat:
Du bist eine gute Autorin, liebes Dienstwerk, und schreibst so einen Schmarren zusammen. Das wäre nicht schlimm, aber ein solch missglücktes Zeug der Öffentlichkeit vorzulegen, das ist mehr als schlimm.


Danke. Doch nur weil ich ein paar gute Texte verfasst habe, muss nicht am laufenden Band Preisverdächtiges aus meiner Feder fließen. Schön wär’s. Dann bräuchte ich hier nichts mehr einstellen, mit dem Ziel kreatives Feedback zu bekommen und aus Fehlern zu lernen, sondern würde beratungsresistent über den Dingen stehen und mit meiner Schreibe Kohle ohne Ende verdienen.

derSibirier hat Folgendes geschrieben:
Wir befinden uns nicht in der Werkstatt, liebes Dienstwerk,
aber nur ein kleines Beispiel:

Zitat:
Gleichzeitig entleerte sich ihre Blase.


Vor langer Zeit schrieb einmal ein Autor, dass der Protagonist seinen Urin nicht mehr behalten konnte, dass er es gar nicht bemerkte, wie der Urin an seinen Beinen hinab rann, aus Schreck oder Ohnmacht, ich weiß es nicht mehr.
Die Welt war von dieser Betrachungsweise schockiert, und man zollte dem Autor unglaubliche schriftstellerische Gewandtheit zu. Ein Jahr später ließen zehn Autoren ihre Prots in zehn verschiedenen Büchern unbeabsichtigt pinkeln, um deren Ohnmächtigkeit auszudrücken. Ein paar Jahre später waren es dann hundert Bücher und es gab eine Zeit, da pinkelten die Prots in den Literaturforen um die Wette.
Das meinte ich zum Beispiel mit abgegriffen.


Aha. Wie man sich doch an einem Satz künstlich hochziehen kann.
Die von Dir dargestellte Betrachtungsweise des Einnässens in der Literatur war mir bis dato völlig unbekannt. Mit der knappen Aussage, dass sie in eben diesem Moment urinierte, war genau das gemeint: Ihre Blase entspannte sich vor Erleichterung, aufgrund der vorherigen Anspannung, wegen was auch immer - sie pinkelte auf den Boden.
Nur habe ich das so, wie Du es oben anprangerst, überhaupt nicht geschrieben. Sorry, allein Du selbst hast diesen Satz „abgegriffen“.

Zitat:
Und zum größten Teil ist deine Wortwahl im übrigen Text dahergesudelt.
Ein guter Autor braucht keine Kinder, denen Leid zugefügt wird, um eine Tragödie zu schreiben. Das machen nur Stümper.


Wenn der Text so auf Dich gewirkt hat, dann habe ich mehr richtig gemacht, als Du mir zugestehen willst.
Es gibt keinen einzigen Satz, in dem den Kindern plastisch Leid zugefügt wird. Die beanstandete Szenerie findet ausschließlich in Deinem Kopf statt und genau das ist beabsichtigt. Denk mal drüber nach.

Im Übrigen ist Dein Tonfall unter aller Kanone!

LG, Ana
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Dienstwerk
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 02:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Lady

lady-in-black hat Folgendes geschrieben:

Zum handwerklichen kann ich nichts sagen, aber inhaltlich hat mich z.B. schon mal unglaublich gestört, dass es sich um eine Reizwortgeschichte gehandelt hat.
Überspitzt gesagt: Aus einem sehr ernsten Thema wird ein Jux ...


Das tut mir sehr leid, denn es war keineswegs meine Absicht, ein ernstes Thema zu verjuxen - im Gegenteil.

Vielleicht hätte ich den Hinweis, dass ich mich von Reizwörtern zu dem Text habe inspirieren lassen, weglassen sollen. Ich wollte lediglich verdeutlichen, warum manche Wörter auftauchen, die nicht unbedingt nötig gewesen wären. Bei einer gründlichen Überarbeitung würde ich z.B. zuerst die Worte "Appendix" und "Anfangsschwierigkeiten" rausschmeißen.

Zitat:
... also etwas, bei dem ein kleines missbrauchtes Mädchen dann trotzdem wegen dem Appendix kichert.


Wo steht denn am Anfang, dass sie missbraucht wird?
Warum soll ein kleines Mädchen nicht kichern, wenn ihr Onkel, der bislang immer nett zu ihr war und dem sie vertraut, etwas Lustiges sagt oder tut. Basiert Missbrauch nicht auf missbrauchtem Vertrauen? So beginnt es doch!

Danke für's Lesen.

LG, Ana
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derSibirier
Dichter und Denker


Beiträge: 1309



BeitragVerfasst am: 24.06.2011 07:04    Titel: Antworten mit Zitat

Nun gut, vielleicht liegt mein Tonfall daran, dass ich es nicht vertrage, wenn Kindern Leid zugefügt wird und es noch weniger vertrage, wenn ein Autor/eine Autorin sich dieses Themas annimmt, um Worte zu verarbeiten, die ihn/sie reizen.

Zu deiner literarischen Gewandtheit:

Zitat:
Anne blieb stehen und lauschte.
Gleich im ersten Satz bedienst du dich eines "und's", obwohl es nicht von Nöten ist, Anfänger schreiben auf diese Art und Weise. Solch nicht überzeugende Satzkonstruktionen folgen übrigens noch mehrere - das meinte ich mit dahergesudelt.
„Das nennt man Appendix“, hörte sie Onkel Max flüstern, dann (ja, dann - und dann - "Sudel") quietschte das Bett und Mareike kicherte, als würde sie am Bauch gekitzelt.
Dass man durch eine geschlossene Tür das quitschen eines Bettes hören kann, ist keine Frage, aber ein Mensch, der flüstert? Für mich ein Logikfehler.
Anne hielt den Atem an und (siehe oben) versuchte, ihr Zähneklappern zu unterdrücken. Eigentlich (was dieses "Eigentlich" hier verloren hat, würde mich auch noch interessieren) wollte sie nur aufs Klo am Ende des Flures gehen, doch plötzlich musste sie nicht mehr. "doch plötzlich" möchte ich am liebsten dreimal unterstreichen, bei allem Respekt, liebes Dienstwerk, aber so schreiben Mittelschüler, das meinte ich mit kindisch.)
Vorsichtig (Wortschatz!) drückte sie die Klinke nach unten, schob mit dem Fuß die Tür einen Spalt breit auf und spähte hinein. (Das Kind drückt mit dem Fuß die Tür auf, obwohl es die Klinke in der Hand hält? Das macht vielleicht ein betrunkener Mensch, ein Kind, das behutsam sein möchte, wohl nicht.)
Im hinteren Teil des Zimmers stand Mareikes Bett unter dem Fenster (du schreibst dies, als wäre es ein recht lebendiges Bett, das einmal dort steht und einmal da.), nur schwach vom Mond beleuchtet. Sie sah einen Schatten (Schatten?), der aus der Zimmerecke kroch (ein Schatten, der kriecht?) und den gesamten Raum auszufüllen schien. Es war nicht der Schatten des Ficcus im Blumentopf auf dem Fensterbrett, vor dem Mareike manchmal Angst hatte, wenn sie nachts aufwachte. Nein, dieser bewegte sich und raunte Worte, die sie nicht verstehen konnte.
Anne schloss die Augen und sah seine Hände trotzdem. (sprunghafte Erzählweise)


Aber lassen wir es gut sein,
für mich, ein schwacher Text.

Grüße
aus Sibirien
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Dienstwerk
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Wohnort: Gera/Markkleeberg
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 13:55    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

@Sibirier
Damit kann ich doch schon wesentlich mehr anfangen, auch wenn ich Deine Intention nicht nachvollziehen kann, eine einfache Erzählweise einer seichten/platten/schulaufsatzmäßigen Schreibweise gleichzusetzen.

Ich bewundere Autoren, die mit poetischen, geistreichen, philosophischen Gedankensprüngen ein literarisches Kunstwerk schaffen und obendrein den Leser damit erreichen. Mich amüsieren Leute, die das nicht können, es aber trotzdem versuchen.

Zumindest behandelst Du mich nun nicht mehr wie einen gestandenen Autor, der plötzlich hanebüchenen Schrott fabriziert. Ersteres bin ich nämlich nicht und über das zweite kann man streiten.

Deine Textanmerkungen werde ich überdenken. Danke dafür.

Der Begriff "Reizworte" wurde erst hier im Forum kreiert. Dass allein dieser Zusammenhang zwischen Wort und Text manchem sauer aufstößt, habe ich gemerkt und mich schon dafür entschuldigt. Verstehen kann ich die Aufregung trotzdem nicht.
Es ist doch völlig wurscht, woher ein Autor seine Inspirationen für eine Geschichte zieht, ob aus einer Zeitungsmeldung, einer selbsterlebten Begebenheit, einer Beobachtung oder eben aus vorgegebenen Worten. Daraus Umkehrschlüsse auf die Qualität des Inhalts ziehen zu wollen, mit dem Ziel die eigene Befindlichkeit über die Absicht des Autors zu stellen, empfinde ich als anmaßend.
Du magst es nicht, wenn jemand über Kindesmissbrauch schreibt?
Gut, dann schau doch weg.
Oder magst Du es nicht, wie jemand darüber schreibt? Das ist etwas anderes und diskussionswürdig.

Ich mag es ebensowenig, wenn Kindern Leid zugefügt wird, doch das passiert ständig und oft sogar in unmittelbarer Nachbarschaft.
Ich habe noch nie zuvor einen Text über dieses Thema geschrieben, obwohl es mich sehr bewegt, ich bereits viel darüber gelesen habe und mir "Fallbeispiele" aus dem näheren Umfeld bekannt sind. Außerdem bin ich selbst Mutter und kein siebzehnjähriges Mädchen, das mal eben einen fiktiven Text hinknallt, um aus Außensicht seinen Senf zu einem brisanten Thema breitzustreichen, in der Hoffnung Mitschülern oder dem Lehrer zu imponieren.

Wahrscheinlich gehört die Geschichte wirklich in die Werkstatt, denn ich habe vor, gründlich daran zu arbeiten.

LG, Ana
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Merkwürdig, dieses Mal habe ich weniger Schwierigkeiten mit dem Text, im Gegensatz zu denen, die gerne gelobt werden. Er präsentiert sich handwerklich solide und sprachlich erzählergerecht und setzt sich mit einem immer aktuellen Thema auseinander. Gut, es gibt noch Stellen, die stilistisch Verbesserung gebrauchen können (Der Sibirier hat davon schon einige aufgezeigt), doch der Text lässt sich gut lesen.

Er ist erträglich, da auf das plakative Darstellen verzichtet wird, ohne die Eindringlichkeit zu verlieren.

Interessant immer, wenn Wirklichkeit als Klischee bezeichnet wird. Das unfreiwillige Urinieren gehört zum Komplex der Körpersprache, wie das Augenbrauen hochziehen und Mundaufklappen. Die angewandte Körpersprache muss nur zur Situation passen. Hier passt sie, da im Vorfeld schon festgestellt wurde, dass sie Harndrang hatte.

Du hättest ruhig intensiver werden können, mit etwas mehr Reflektion von Anna, die etwas ruhige Erzählstimme kontrastiert mit den Ereignissen.

Danke fürs Lesenlassen.

Murmel.


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
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*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
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*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
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Maria
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Beiträge: 7729

DSFo-Sponsor Ei 1
Ei 4


BeitragVerfasst am: 24.06.2011 15:00    Titel: Antworten mit Zitat

Moin Ana,

schließe mich Murmel an, ich find den Text nicht anmassend, zu rührig, Schmarren schon gar nicht. Die Welt ist nicht rosa, nicht schwarz und weiß, sehe auch keinen Grund Themen nicht anzufassen, weil sie genau das zeigen:

Zitat:
da auf das plakative Darstellen verzichtet wird, ohne die Eindringlichkeit zu verlieren.

genau


Zu Deiner Frage: nein. Es sei denn, Du möchtest das so, aber ich persönlich sehe keinen Grund.

Lieber Gruß
M


_________________
Give me sweet lies, and keep your bitter truths.
Tyrion Lannister
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Ernst Clemens
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 15:23    Titel: Antworten mit Zitat

hallo ana,

du hast deinen text aus der sicht eines kleinen mädchens geschrieben. hier geht es um "einfache" gedanken, nicht um hoch philosphisches. deshalb gefällt mir auch die einfache wortwahl.

einige logikfehler wurden schon aufgedeckt.

Zitat:
Anne blieb stehen und lauschte.
„Das nennt man Appendix“, hörte sie Onkel Max flüstern, dann quietschte das Bett und Mareike kicherte, als würde sie am Bauch gekitzelt.
Anne hielt den Atem an und versuchte, ihr Zähneklappern zu unterdrücken. Eigentlich wollte sie nur aufs Klo am Ende des Flures gehen, doch plötzlich musste sie nicht mehr.


mich würde interessieren: warum zähneklappern? sie wusste ja zum damaligen zeitpunkt noch nicht, was sich in dem zimmer abspielte. oder schloß sie allein aus der tatsache, dass der onkel im kinderzimmer war darauf, dass die schwester mißbraucht wird?

der markierte satzteil ist arg umgangssprachlich.



Zitat:
Nein, dieser bewegte sich und raunte Worte, die sie nicht verstehen konnte.
bei geschlossener türe konnte sie das flüstern des onkels verstehen. bei der offenen türe nicht mehr? oder hatte sie einfach die ausdrücke, die der onkel benutzte noch nicht gekannt?

mich würde deine überarbeitete fassung interessieren!

herzliche grüße
ernst
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derSibirier
Dichter und Denker


Beiträge: 1309



BeitragVerfasst am: 24.06.2011 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
du hast deinen text aus der sicht eines kleinen mädchens geschrieben. hier geht es um "einfache" gedanken, nicht um hoch philosphisches. deshalb gefällt mir auch die einfache wortwahl.


Ich lese wohl nicht recht, mein Herr,
das funktioniert nur aus der Ich-Perspektive heraus, eine gewollt naive Erzählweise. Trägt ein allwissender Erzähler die Geschehnisse vor, darf man einen kleinen literarischen Anspruch erwarten oder zumindest darauf hoffen, dass die Ana darüber nachdenkt, wenn man ihr schon gegen das Schienbein tritt. In dieser Form ist die Geschichte nur ein weiterer Aufsatz im Prosabereich. Und das ist nicht böse gemeint, liebe Ana, denk darüber nach.

bitter grüßt
derSibirier
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Hoody
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2602
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 18:54    Titel: Antworten mit Zitat

Finde es eigentlich solide geschrieben. Die Diskussion hat mich doch gelockt. Das Ende finde ich ein bisschen abrupt, aber is sicherlich Geschmackssache. Hat mich nicht gestört, aber da ginge ein bisschen mehr. Aber ansonsten ist es nicht "schnulzig" oder übermäßig pervers/brutal, was ich sehr gut finde. Solche Geschichten gibt es natürlich viele, also kann ich nicht unbedingt den Text soo hoch loben, weil im Endeffekt war dort kein neues Gefühl für mich vorhanden. Leichtes Gänsehautgefühl, so ein unangenehmes, kurzes Kribbeln und dann Augen zu und durch.
Nur dein Satzbau gefällt mir nicht immer unbedingt so gut. Ist auch so eine Sache. Hätte ich normal gelesen, dann wäre es mir wahrscheinlich kaum aufgefallen. Aber du benutzt sehr gerne solche Sätze:
Tom lehnte seinen Körper über die Brüstung, beobachtet Maria auf der anderen Straßenseite und beinahe hätte er das Gleichgewicht verloren.
Du sollst da keine poetischen Satz drauß machen. Aber durch ein bisschen umstellen, teilen oder Show dont tell, könnte man es "retten". Besonders der Anfang. Da  musste ich Sibirier teilweise zustimmen.
Zitat:

Anne blieb stehen und lauschte.

Erzeugt kein Bild.
Anna lauschte an der Tür.
Ist das  blieb stehen wichtig? Finde ich nicht unbedingt.

Zitat:
Eigentlich wollte sie nur aufs Klo am Ende des Flures gehen, doch plötzlich musste sie nicht mehr.

Hier würde ich einen Grund nennen. Würde mir jedenfalls besser gefallen.

Zitat:
Vorsichtig drückte sie die Klinke nach unten, schob mit dem Fuß die Tür einen Spalt auf und spähte hinein.

und spähte hinein - steht so einsam da. Solche Stellen hattest du paar mal drinnen. Sie fallen kaum auf, aber irgendwie hängen die einfach in der Luft.

Wieso dieses: Blase entleeren? Könnte man das nicht streichen? Finde, es hat keine bestimmte Funktion im Text.

Ansonsten kam ich flüssig durch. die erwähnten Punkte werden wohl alle Geschmackssache sein. Edit: Sehe gerade, es wurde schon angesprochen. Bin davon immer noch nicht überzeugt. Könnte man das mit der Pipi nicht klarer rausarbeiten? Also so "nebensächlich" eingeworfen gefällt es mir schon. Aber es ist für mich keine Information, die Notwendig ist. Auch wenn sie vorher musste, dann plötzlich nicht mehr und durch die Situation es einfach rausläuft. Könnte man in meinen Augen streichen oder bisschen klarer ausarbeiten bzw., vielleicht stört mich auch einfach der Satz. Sie entleere die Blase. Wenn du den änderst, würde es mir wahrscheinlich nicht mehr auffallen.

lg Hubi
Edit: Habe hoffentlich alle entlaufenden Ts eingefangen. Sorry, die Taste hängt.


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Schundliterat
Schreiberassi


Beiträge: 70



BeitragVerfasst am: 24.06.2011 19:05    Titel: Antworten mit Zitat

Was mir an dem Text nicht gefällt: Er versucht eine emotionale Reaktion beim Lesen zu erzwingen, in dem er das Thema "sexueller Missbrauch" BEnutzt. Das nennt man Exploitation.

Lassen wir mal den Pädo Onkel weg, dann habe ich folgenden Plot: Böser Mann bedroht Kind, anderes Kind zieht ihm eine über, beide flüchten -> "Der Böse Mann wird uns nie mehr weh tun". Mehr kann ich da nicht heraus lesen.

Ich kann verstehen was der Sibirier meint. Du benutzt ein heikles Thema, um einem 0815 Text Relevanz zu verleihen.

Was auch nicht passt, ist die Charakterisierung des Onkels als sexgeiler Chauvie ("Du Biest"). Das ist BILD Niveau. Pädophile sind sexuel gestört, das was Du hier darstellst, ist ein Vergewaltiger, dem es um Machtausübung geht.
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 20:20    Titel: Antworten mit Zitat

Eigentlich mag ich mich nicht in Kritiken einmischen, tue es aber trotzdem:

@Schundliterat: Aber ich sehe einen anderen Plot. Anna macht eine Entwicklung durch, vom Opfer zum Täter, und wie kommst du auf Pädophil? Das ist deine Interpretation. Ich sehe nur sexuellen Missbrauch von Abhängigen, und das ist im Übrigen das häufigste Vorkommen von sexuellen Straftaten.

@Sibirier: empfindest du dass als aus der auktorialen Perspektive geschrieben? Ich nicht. Es fehlen die Wertungen des Erzählers und die Erweiterung der Sicht auf den Onkel und der jüngeren Schwester. Der Eindruck entsteht meines Erachtens aus einer gewissen Distanz, die zu überbrücken offenbar so manchem Schriftsteller schwerfällt.


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
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derSibirier
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BeitragVerfasst am: 24.06.2011 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

Ein auktorialer Erzähler braucht sich selbst nicht Kund zu tun, manchmal ist es recht schwer, eine Klassifizierung zu finden. Auf den ersten Blick scheint es die personale Erzählperspektive zu sein, aber schau dir bitte einmal dieses Element an, liebe Murmel:
Zitat:

Es war nicht der Schatten des Ficcus im Blumentopf auf dem Fensterbrett, vor dem Mareike manchmal Angst hatte, wenn sie nachts aufwachte. Nein, dieser bewegte sich und raunte Worte, die sie nicht verstehen konnte.


Grüße
Sibirier
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Schundliterat
Schreiberassi


Beiträge: 70



BeitragVerfasst am: 24.06.2011 20:54    Titel: Antworten mit Zitat

Murmel hat Folgendes geschrieben:


@Schundliterat: Aber ich sehe einen anderen Plot. Anna macht eine Entwicklung durch, vom Opfer zum Täter, und wie kommst du auf Pädophil?


Ich weiss nicht, evtl. weil man Leute, die Kinder missbrauchen, in der Regel so nennt? Oder sind die Mädls in der Geschichte 16+? Das kommt nicht so rüber.
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