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Musik im Ohr (Prosa)

 
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Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 50
Beiträge: 1313
Wohnort: Gera/Markkleeberg
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BeitragVerfasst am: 22.05.2011 20:00    Titel: Musik im Ohr (Prosa) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Musik im Ohr

Der Tag begann völlig harmlos.

Mein Autoschlüssel war verschwunden, mal wieder. Ich wusste ganz genau, wo ich ihn zuletzt hingelegt hatte, wo ich ihn vor wenigen Minuten noch gesehen hatte, wo er hätte sein müssen, doch da lag er nicht. Mein Termin rückte immer näher (glücklicherweise plante ich seit neuestem von vornherein einige Pannenminuten ein), im Radio lief eine Uraltschnulze und ich summte mit.
„Sag mir quando, sag mir wann.
Sag mir quando, quando, quando
ich dich wiedersehen kann.
Sag mir quando, sag mir wann.“

Dabei tänzelte ich durch den Flur, tauschte „wiedersehen“ durch „wiederfinden“ aus und versuchte mich rückwärts zu konzentrieren. Ich entdeckte den Schlüssel auf dem Abfalleimer neben dem Klo, stürmte zur Tür hinaus, nahm mehrere Stufen auf einmal und sang: „Sag mir quando, sag mir wann, lalalalalala.“
Ein toller Ohrwurm - das Lied würde mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf gehen, klasse!
Die Zündung vom Auto stockte, das kannte ich schon. Nach dem ersten Anlassen, ging der Motor regelmäßig aus, beim zweiten Mal konnte ich Glück haben, doch spätestens beim dritten Mal sprang die Karre an. Diesmal nicht. „Sag mir quando, sag mir wann, sag mir quando, quando, quando, geht das Mistding endlich an, sag mir quando, sag mir wann?“, sang mein Hirn. Beim sechsten Versuch klappt es und ich fuhr los.
Grüne Welle war gestern, jede, aber auch wirklich jede, Ampel zeigte rot. „Sag mir quando, sag mir wann …“ trommelten meine Finger auf’s Lenkrad. Ich würde zu spät kommen und das an meinem ersten Tag! Ich sah das puterrote Chefgesicht vor meinem geistigen Auge ungeduldig auf die Uhr starren. „Sag mir quando, sag mir wann …“
„Frau Meier, Sie sind weder die Erste noch die Letzte und werden auch nicht die Einzige bleiben“, tönte Dr. Altmanns Stimme neben der Melodie durch meinen Kopf.  Ich gab Gas und bremste nach wenigen Metern abrupt, weil eine Kuh mitten auf der Straße stand und mich treudoof und unschuldig anstarrte. Sie machte keinerlei Anstalten, sich vorwärts zu bewegen, das einzige was sich bewegte, waren Maul und Schwanz. „Verschwinde endlich“, brüllte ich aus dem Seitenfenster. „Sag mir quando, sag mir wann …“, tönte meine Hupe. Es war zum Verrücktwerden. Vorsichtig lenkte ich meinen Wagen um das Rindvieh herum, hielt auf dem Seitenstreifen und kramte mein Telefon heraus, um das Verkehrshindernis zu melden.
„Bitte warten, Sie werden umgehend an einen freien Mitarbeiter durchgestellt.“ Über die Warteschleifenmusik wunderte ich mich schon nicht mehr: „Sag mir quando, sag mir wann …“ Ich musste mich verwählt haben. Verdammt, sollen die doch zusehen, wer sie über die Straßenkuh informiert - ich nicht! Wütend warf ich das Handy auf dem Beifahrersitz und fuhr weiter.
Mit zehnminütiger Verspätung erreichte ich die Klinik, stürmte durch die Halle und drückte alle drei Fahrstuhlknöpfe auf einmal. Pling, Pling, Pling - „Sag mir quando, sag mir wann …“ - ich war kurz davor loszuschreien.
Im Aufzug bemerkte ich, dass ich meinen Kittel im Wagen vergessen hatte. Nochmal zurück? Nein, keine Zeit. Außerdem schlich das Ding in den vierten Stock, als würde es per Hand gezogen. „Sag mir quando, sag mir wann …“ Das Lied raubte mir den letzten Nerv!
Endlich öffnete sich die Tür, ich fegte zum Empfangstresen und bellte der Aufnahmeschwester entgegen: „Herr Dr. Altmann erwartet mich.“
Sie blickte mir in die Augen, etwas lange, wie mir schien und griff nach dem Telefonhörer.
„Einen Moment bitte.“
Ich entzifferte ihr Namensschild - „Schw. Margreth“. Was würde wohl auf meinem stehen?
Meine Finger trommelten im Takt „Sag mir quando, sag mir wann …“
Verdammte Kacke, verdammte Drecksscheiße, verdammt nochmal raus aus meinem Kopf!
„Wie bitte?“
Ich hoffte, ich hatte nicht laut gedacht.
„Ach nix“, antwortete ich leichthin. Wie lange dauerte das denn noch?
„Sag mir quando, sag mir wann …“
Dabei wippten meine Knie auf und nieder, auf und nieder. Verzweifelt versuchte ich, die Melodie aus meinen Ohren zu schütteln.
Schwester Margreth war aufgestanden, schaute mich mitfühlend an und wartete offensichtlich auf eine Antwort.
„Haben Sie etwas gesagt?“
„Wo Ihre Sachen sind, wollte ich wissen.“
„Äh, die sind noch im Auto. Es ging alles so schnell, ich wollte doch pünktlich da sein und …“
„Keine Sorge, jetzt sind Sie ja hier, wir kümmern uns um alles. Wie war noch Ihr Name?“
Ich runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach.
„Sag mir quando, sag mir wann …“
„Haben Sie ihren Ausweis dabei?“
Ich nickte.
Schwester Margreth rief nach einem kräftig aussehenden Pfleger im blauen Kittel.
„Wann kann ich endlich zu Dr. Altmann?“, wollte ich fragen. „Sag mir quando, sag mir wann …“, sang ich stattdessen.
„Bringen Sie Frau Meier bitte auf ihr Zimmer, Dr. Altmann wird dann später nach ihr sehen.“
Der Blaukittel nahm meinen Arm und zog mich mit sich. „Schw. Peter“ stand auf seinem Namensschild. Moment mal, hier lief doch gewaltig was schief! Ich wehrte mich und Peter griff fester zu.
„Das ist ein riesengroßes Missverständnis“, schluchzte ich, „was machen Sie denn mit mir?“
„Lass dich überraschen …“
Ich schwöre, das hat er gesungen - ich habe es ganz deutlich gehört.

„Hiiiiilfe!“

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Isa
Geschlecht:weiblichSchreiberling


Beiträge: 167
Wohnort: München


BeitragVerfasst am: 23.05.2011 13:07    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber FFF-Teilnehmer,

ich hab mich wirklich bemüht, aber ich verstehs nicht ganz.
Sie will doch eine neue Stelle antreten, da die Rede vom Chef ist und am Ende, da sie so einen "verwirrten" , gestörten Eindruck hinterlässt, wird sie als Patientin aufgenommen.
Was dann aber mich verwirrt, ist der Satz am Anfang, "„Frau Meier, Sie sind weder die Erste noch die Letzte und werden auch nicht die Einzige bleiben“,...

Wie dem auch sei, ich kanns mir schon vorstellen, dass so ein Ohrwurm verrückt machen kann in Kombination mit der unerwarteten Kuh auf der Straße.
Gerne gelesen, wenn auch schwer gerätselt.

LG, Isa
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Hoody
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2602
Wohnort: Alpen


BeitragVerfasst am: 23.05.2011 15:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Maskenmann.

Ein toller, lustiger Text  Very Happy  Hat mir sehr gut gefallen. Du hast eine schöne Steigerung reingebaut und gegen Ende wäre ich fast mit durchgedreht lol2 Was alles so ein Ohrwurm anrichten kann. Verrückt. Es sind drei Personen drinnen, die Musik ist sehr gut eingebaut worden und der Stil gefällt mir.
Acht Federn von mir.

lg Hubi


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Ich bin wie eine Runde Tetris. Nichts will passen.

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Aliah
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Alter: 24
Beiträge: 61
Wohnort: Kaff der Welt


BeitragVerfasst am: 23.05.2011 17:48    Titel: Antworten mit Zitat

Huhu smile

Hehe, ich konnte richtig fühlen, wies sie in den Wahnsinn getrieben hat lol2
Die Idee ist richtig gut und ich kann diese Situation auch sehr gut nachempfinden.
Gut gelungen. Auche eine gute Spannung find ich. Gut gut gut smile

LG
Aliah


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Amaryllis
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Das goldene Stundenglas Das Silberne Pfand


BeitragVerfasst am: 24.05.2011 10:38    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r Inko,

auch dieser Text ist bisher einer meiner Favoriten. Ich kenn das Lied zwar nicht, aber bei den phänomenalen Auswirkungen werde ich es mir vorerst wohl auch nicht anhören Wink Wirklich witzig-süß finde ich die Szene mit der treudoofen Kuh. Die Pointe war absehbar, sobald klar wurde, was für ein Ziel sie da eigentlich hat, aber das tat der Sache in meinen Augen keinen Abbruch. Wirklich eine schöne, runde Sache. Ich stell mir übrigens vor, dass Schwester Peter eine sehr schöne Stimme hat…

Liebe Grüße,
Ama


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Mein Leben ist ein Scherbenhaufen...
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Dienstwerk
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

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BeitragVerfasst am: 24.05.2011 22:23    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ha, ich habe einen Tippfehler gefunden!
Außerdem soll bitte zweimal "sang" durch "trällerte" oder "kreischte" oder so ersetzt werden.
Ach ja, und am Schluss spitzte Peter die Lippen...  wink

So, nun bin ich aber gespannt.

LG, Ana

PS: Das ist übrigens nicht meine Lieblingsmusikrichtung lol

Christoph Marr "Quando":
http://www.youtube.com/watch?v=bzif02szhvc&feature=related

Rudi Carrell "Lass dich überraschen":
http://www.youtube.com/watch?v=s9QGqeEIINA
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femme-fatale233
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Das Bronzene Pfand


BeitragVerfasst am: 25.05.2011 10:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo lieber Autor,
vom Schreibstil her würde ich spontan darauf tippen, dass dies eine Frau geschrieben hat.
Mir gefällt der Text gut, er ist zwar nicht besonders tiefschürfend, aber er ist leicht und erfrischend zu lesen und die Pointe ist natürlich wirklich wunderbar. Schön finde ich, dass Du versucht hast, eine Seite der Musik zu greifen, die uns täglich begleitet: Der Ohrwurm. Man hat beim Lesen wirklich das Gefühl der Song kriecht durch jeden Winkel des Kopfes hindurch.
Auch schön finde ich die Vorausdeutung "Der Tag begann völlig harmlos". Da weiß man sofort, was einen erwartet.
Lediglich im ersten Absatz würde ich etwas kürzen:

Zitat:
Mein Autoschlüssel war verschwunden, mal wieder. Ich wusste ganz genau, wo ich ihn zuletzt hingelegt hatte, doch da lag er nicht.


Das reicht völlig. Alles andere wirkt irgendwie so künstlich in dem sonst so leichten Lesefluss.
Wie viele Federn es genau werden, weiß ich noch nicht, aber im Moment schwankt mein Gefühl zwischen 6 und 7.
Liebe Grüße,
Caro
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Soraya
Geschlecht:weiblichWuchtbrumme

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BeitragVerfasst am: 25.05.2011 18:24    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber FFF-Teilnehmer,

so viel zu bewerten, so wenig Zeit ... Deshalb mach’ ich’s knapp. Ich bewerte nach folgenden Kriterien:

Sprache: Ab und an holpert's ein kleines bisschen, und ein paar Kommata haben sich auch verflüchtigt oder verirrt, aber im Großen und Ganzen fand ich das schon okay.

Idee und Umsetzung: Die Idee finde ich witzig, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu klamaukig umgesetzt. Gegen Ende der Geschichte wird es ein bisschen wirr, so mein persönlicher Leseeindruck, aber durchaus in Ordnung.

Berücksichtigung der Vorgabe, Atmosphäre: Ja, die Vorgaben sind berücksichtigt. Na ja, besonders atmosphärisch soll das wohl auch nicht daherkommen, deshalb ... War unterhaltsam, ja.

LG,

Sonja


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I get an urge, like a pregnant elephant, to go away and give birth to a book. -Stephen Fry-

Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen, die Träume, die wir spinnen und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden. -Heinz Rühmann als Dr. Johannes Pfeiffer, Die Feuerzangenbowle-
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Nihil
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Moderator
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Beiträge: 7467



BeitragVerfasst am: 27.05.2011 13:53    Titel: Antworten mit Zitat

Mmh,
die Geschichte hat mir insgesamt gut gefallen, weil der Themenbezug sehr deutlich zu erkennen war, Musik die gesamte Zeit über eine zentrale Rolle spielt und es sprachlich und formal auch nichts zu meckern gibt. Nett finde ich auch die Ironie des gewählten Liedes: Wann findet sie den Schlüssel, wann geht die Kuh aus dem Weg, wann dreht die Protagonistin endgültig durch?

Bei dem Punkt muss ich aber eine Einschränkung machen, denn das Ende liest sich wie draufgesetzt, ohne dass sich darin ein wirklicher Sinn erkennen ließe. Eigentlich bin ich mir noch nicht einmal sicher, wie ich es deuten soll. Wenn sie sich tatsächlich eingebildet haben sollte, eine Ärztin zu sein, auch wenn sie nur Patientin ist (dafür spräche, dass sie den Kittel vergisst / gar nicht erst hat), frage ich mich, wie das Personal ihren Wahnsinn erkennt. Da der noch nicht einmal für den Leser angedeutet wurde (Ohrwürmer machen jeden verrückt, das reicht noch nicht für ne Einweisung), fände ich das die unbefriedigenste Lösung. Vorstellbar ist auch, dass das Personal sich nur einen Spaß mit der Neuen erlauben wollte, die das möglicherweise sogar irgendwie merkt? (Wegen des übertriebenen Hilfeschreis.) Da wäre die Offenheit am Ende aber auch nicht mehr als ein Trick und ganz schlüssig wird es auch so nicht. Das finde ich schade, weil ansonsten leicht mehr Federn drin gewesen wären (wenn alles zusammengepasst hätte).

Ansonsten habe ich wie gesagt wenig zu meckern. Die Idee eines Ohrwurms ist vielleicht nicht besonders originell (eigentich gar nicht), aber die Umsetzung gefällt mir ganz gut. Bringt mich auf die Idee eines Ohrwurms, der sich noch ein kleines Stückchen weiter durchfrisst. Eine Wertung vergebe ich erst nach dem Vergleich mit allen anderen Texten. Möglicherweise entsteht dadurch auch eine bessere/schlechtere Note, als man nach der Kritik erwartet hätte. Die entsteht nämlich größtenteils spontan.
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Leene
Autor


Beiträge: 724



BeitragVerfasst am: 27.05.2011 19:34    Titel: Antworten mit Zitat

Wundervoll! Ich bin verliebt in diesen Text. smile Leicht und lustig geschrieben, ein bisschen skurril, ideenreich, originell. Was für ein Missverständnis.  Laughing  

Wann ich wohl nicht mehr dran denken muss, an den Ohrwurm-Text? Sag mir quando, quando, quando…  Laughing
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Nordlicht
Geschlecht:weiblichWaldschrätin


Beiträge: 4160



BeitragVerfasst am: 27.05.2011 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo flinke Feder,

ich bin nach folgendem Bewertungsschema vorgegangen:

-Wie stark ist das Thema Musik im Text ausgedrückt, verwertet und verwirklicht worden?
-Wie gut ist der Text sprachlich gelungen (Rechtschreibung, Grammatik, originelle Verwendung von Wörtern, Flüssigkeit, Vermittlung von Bildern)?
-Wie originell ist die Textidee?

 Laughing Find ich klasse, die wahnsinnig machende Qualität eines Ohrwurms hast Du gut rübergebracht und gleichzeitig fragt man sich am Ende (ich mich zumindest), ob die Frau nicht doch einen Schaden hat.
Originelle Verarbeitung des Themas, lustig, man überlegt am Ende noch etwas, und flüssig geschrieben (Schw. Peter ist auch super  Laughing ). Mit mehr Zeit hättest Du sprachlich sicher noch mehr rausholen können.
7 Federn.


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If I waited for perfection, I would never write a word - Margaret Atwood
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Akiragirl
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BeitragVerfasst am: 28.05.2011 11:14    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe/r FFF Autor/in,

Bevor ich mit meiner Kritik beginne, möchte ich mich schon einmal im Voraus entschuldigen, falls ich jemandes Gefühle verletzen sollte. Ich versuche, meine Meinung immer sachlich und möglichst konstruktiv darzulegen. Dennoch spielt bei jeder Kritik auch die subjektive Wahrnehmung eine große Rolle – also bitte nehmt nichts, von dem was ich schreibe, persönlich smile

Der beste Satz von allen ist der hier:
Zitat:
sag mir quando, quando, quando, geht das Mistding endlich an

Darüber musste ich echt laut lachen! smile
Du hast das Thema Ohrwurm auf eine locker-lustige Art und Weise aufgegriffen, mit der sich jeder leicht identifizieren kann (wer kennt das nicht, wenn einen so ein Lied ewig nicht loslässt?). Dabei schreibst du schön flüssig und kurzweilig. Einzig negativ aufgefallen ist mir die z.T. sehr fehlerhafte Kommasetzung, die das Lesen des Textes ein Stück weit Anstrengend gemacht hat. Vor allem setzt du Kommata an Stellen, wo absolut keine hingehören, was dem Text einen falschen Rhythmus gibt.
Zwei Beispielstellen:
Zitat:
Nach dem ersten Anlassen, ging der Motor regelmäßig aus
(…)
aber auch wirklich jede, Ampel zeigte rot.

In beiden Fällen kein Komma.

Zwei Dinge haben mich an der Geschichte besonders gestört:
Zum einen wird mit die Liedzeile mit dem „Sag mir quando“ ein paar mal zu häufig wiederholt. Mir ist schon klar, dass es ein Stilmittel ist, um zu zeigen, dass die Prota das Lied nicht aus dem Kopf bekommt, aber es ist dermaßen inflationär, dass es mich irgendwann beim Lesen nervte.

Der zweite, wahrscheinlich wichtigere Punkt betrifft das Ende. Ich bin mir nicht sicher, aber sie arbeitet doch dort im Krankenhaus … Wird sie dann irgendwie am Ende statt als Mitarbeiterin als Patientin „aufgenommen“, weil sie wegen diesem Lied so verrückt geworden ist, dass man sie für psychisch krank hält?
Irgendwie war mir das insgesamt zu sehr an den Haaren herbeigezogen und grotesk. Bis dahin war es eine nette, etwas verrückte, aber dennoch realistische Geschichte. Mit dem Ende driftest du in Klamauk ab, was mich leider eher kopfschüttelnd als lachend zurückließ.

Das Thema Musik hast du toll aufgegriffen und ordentlich in den Mittelpunkt deiner Geschichte gestellt.

Ich vergebe dafür 5 Federn.
Mein Bewertungsdurchschnitt lag in diesem Wettbewerb bei 4,96 (also rund 5) Federn.

Liebe Grüße
Anne


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"Man bereut nicht, was man getan hat, sondern das, was man nicht getan hat." (Mark Aurel)
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Gast







BeitragVerfasst am: 29.05.2011 10:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Federschwinger/in,

diesmal kann ich aufgrund der relativ geringen Teilnahme jeden Text etwas ausführlicher kommentieren. Die Themenvorgabe war ja sehr offen, also reicht es mir, wenn es irgendwie um Musik geht. Wenn ich Rechtschreib- oder Interpunktionsfehler erwähne, dann um sie dir zu zeigen – bewertet habe ich sie, aufgrund des Zeitdrucks, nicht.
Meinen Geschmack habe ich, so weit es ging, außer Acht gelassen und versucht mich auf die handwerkliche, logische und kreative Ausarbeitung zu beschränken.

Oh, oh... ein Ohrwurm vom allerfeinsten, wer kennt das nicht? Deine Story finde ist unterhaltsam und witzig. Obwohl mit das jetzt dann doch ein bischen zu viel „quando“ war. Gerne gelesen.

Liebe Grüße
Monika
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

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Beiträge: 3309
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Bronzene Harfe Die Goldene Bushaltestelle
Goldene Feder Lyrik


Die Tauben
BeitragVerfasst am: 29.05.2011 10:20    Titel: Antworten mit Zitat

Sehr humorvolle Erzählung über einen grässlichen Ohrwurm, der bis zur Paranoia führt. Der Schreibstil und die Dialoge sind flott, die Figuren wirken nicht der Vorlage gemäß eingeschustert, sondern wie glaubhafte Nebencharaktere. Mir hat dieser Text Spaß gemacht.
Sieben Federn.


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(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
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The Brain
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BeitragVerfasst am: 29.05.2011 13:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inko,

das ist ja mal ein unerfreulicher Albtraum ...

Lässt mich schmunzeln - das ist doch mal was.

Aber warum "Schw. Peter"?  Als Einleitung zum - hier stimmt doch was nicht?
Darüber bin ich etwas gestolpert.


Thema erfüllt 6 Federn
Schreibstil 7 Federn
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gefällt 7 Federn


macht 7 Federn


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Gast







BeitragVerfasst am: 29.05.2011 18:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Deine Geschichte ist witzig (na ja, das Ende ...  Shocked ), so geschrieben, dass man fast ausser Atem kommt, die Hektik bringst du sehr gut 'rüber, wirklich. Dein spritzig-lapidarer Stil passt hier wunderbar und: Wer kennt das nicht, eine Uraltschnulze, die einem partout nicht mehr aus dem Kopf will, auch und gerade, wenn man sie gar nicht ausstehen kann!

Die Idee selbst ist vielleicht nicht neu, aber die "musikalische" Variante ist dir super gelungen, Kompliment!
Gruss
Lorraine
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Probber
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BeitragVerfasst am: 30.05.2011 07:49    Titel: Antworten mit Zitat

lol

Moin Guy,
mir hat deine Geschichte sehr gut gefallen. Von der leicht schusseligen Protagonistin, die anfangs noch von der Schnulze tänzelt und sich Mühe gibt, sich nicht unter kriegen zu lassen über den langsamen Zerfall ihrer Nerven.
Das Ende ist vielleicht etwas überdreht, aber irgendwie fügt es sich auch ganz gut ein. Dass sie ihren Namen vergißt, ist vielleicht wirklich zu viel, aber dafür gibt es auch einen Schwarzen Peter, auf den man sämtliche Schuld abladen kann.
Hab' mich gut amüsiert. smile
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Jocelyn
Bernsteinzimmer

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BeitragVerfasst am: 30.05.2011 15:03    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Ohrwurm mit Folgen. Hihi, hat mich amüsiert, gute Wertung.

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Hardy-Kern
Kopfloser

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Beiträge: 4948
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BeitragVerfasst am: 30.05.2011 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Was hast du denn genommen, als du das geschrieben hast? Smile
Die Batterie muss wohl aus einem Russenpanzer sein, wenn das Auto beim sechsten Start noch anspringt. Das: 'Sag mir Quando', etwas zu oft aufgesetzt, macht müde.

Trotzdem ein guter Gag, der mir auch verrät, wer das geschrieben hat.
Bin gespannt ob meine Vermutung stimmt.

8 Federn von,

Hardy
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Nicki
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Beiträge: 4742
Wohnort: Mönchengladbach
Ei 10


BeitragVerfasst am: 31.05.2011 14:30    Titel: Antworten mit Zitat

LiebeR AutorIn
leider habe ich wegen meines Urlaubs nicht die Zeit, zu jedem Text einen ausführlichen Kommentar zu schreiben. Ich habe jedoch alle gelesen und werde deshalb auch mein Hühnchen rupfen und die Federn verteilen. Gegebenenfalls werde ich später gerne einen ausführlichen Kommentar posten.
MfG
Nicki
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adelbo
Geschlecht:weiblichDichter und Denker


Beiträge: 1890
Wohnort: Im heiligen Hafen


BeitragVerfasst am: 31.05.2011 15:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo
eine Geschichte wie aus dem richtigen Leben untermalt, von "sag mir quando" und temperamentvollen verbalen Gefühlsausbrüchen. Ich überlege was mir mehr im Ohr bleibt.
Thema Musik ist vorhanden.  Also muss nicht gekämpft werden.  Laughing
Es gibt zwei Dinge, die mich stören. Es ist definitiv zu viel "sag mir quando", im Text und die Sprache ist mir etwas zu burschikos.
Ansonsten ein gut geschriebener Text mit viel Unterhaltungswert. Gerne gelesen.
adelbo


_________________
„Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“

Bertrand Russell
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Bananenfischin
Geschlecht:weiblichBestseller-Autor

Moderatorin

Beiträge: 4878
Wohnort: NRW
Goldene Feder Prosa Pokapro IV & Lezepo II
Silberne Harfe



BeitragVerfasst am: 31.05.2011 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Thema getroffen, ich fand es witzig, wie die Figur den Liedtext abgeändert hat, denn das kenne ich ... ebenso wie die allseits bekannten hartnäckigen Ohrwürmer. Die Wandlung ins Skurrile am Ende gefällt mir nicht so gut; ich könnte mir auch vorstellen, dass sie eher der zur Neige gehenden Zeit geschuldet ist.

_________________
»Ob ich mir eine Dramatisierung meiner Bücher vorstellen kann? Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen, in meinen letzten vier Büchern gibt es keine Handlung.« (Andreas Maier im Gespräch mit Raimund Fellinger, 2015)
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