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Fin de siècle


 

 
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Liluye
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 29
Beiträge: 24
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 15.07.2010 16:26    Titel: Fin de siècle eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Regenwasser treibt das leere Blatt
über Schwellen in die Dunstgesänge -
wandelnd durch die dunklen Säulengänge,
die der Sommer längst verlassen hat.

Ich bin schweigsam, überreif und satt.
An dem ganzen menschlichen Gedränge
finde ich nichts mehr, und die Behänge
meiner Seele ruhen müd' und matt.

Will die großen, ungelösten Fragen,
die mich drängten, drückten und beschwerten,
welken Rosen gleich zur Ruhe betten -

nur noch Stille. Will kein Wort mehr sagen,
das nicht singt - ob die versagten Gärten
uns noch unverschlossen wären, hätten

wir gelernt zu schweigen?

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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

Alter: 28
Beiträge: 3309
Wohnort: Greifswald
Bronzene Harfe Die Goldene Bushaltestelle
Goldene Feder Lyrik


Die Tauben
BeitragVerfasst am: 15.07.2010 18:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Inkognito!

Das ist ein sehr melancholisches, untypisches Sonett (sechzehn Verse, aber das merkt man kaum, so flüssig liest es sich). Auch der Trochäus, dessen Ton im Gesamten sehr traurig und bedrückend ist, ist dem Thema angemessen. "Fin de Siècle" passt nicht nur auf die Literaturepoche, sondern auch auf das Ende einer Beziehung und damit auf den Neubeginn, der da folgen mag - die Analyse der Fehler, die zu diesem fatalen Schluss geführt haben, legt das nahe. Manchmal ist es nicht erstrebenswert, alles auszukosten - ein Schweigen kann auch sein Bestes wirken; lieber einige Dinge unangetastet lassen, das, was man aber wirklich gerne tut, genießen. Da könnte ich mir gemeinsame Spaziergänge vorstellen, einfaches Beisammensein, nichts, was großartig danebengehen kann.
Doch die traurige, regelmäßig wie das "Regenwasser" fließende Melodie legt etwas anderes nahe - dass genau das passiert ist: die Überschreitung der Grenzen.
Dieses Gedicht ist das zweite Goldstück, das ich heute lese.

Liebe Grüße,

Eddie
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Liluye
Geschlecht:männlichGänsefüßchen

Alter: 29
Beiträge: 24
Wohnort: NRW


BeitragVerfasst am: 15.07.2010 22:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Eddie,

danke für das Lob und deine aufschlussreiche Deutung! Du hast Recht, der Titel ist ein wenig janusgesichtig und das Gedicht vielseitig interpretierbar. Manchmal sind Worte einfach "ein großer Überfluss", was man leider immer erst dann versteht, wenn es längst zu spät ist. Beziehungen wie Träume werden totgeredet, sie ertrinken in belanglosen Worten, wie ein leeres Blatt, das eigentlich darauf wartet, beschrieben zu werden...

Auf die Trauer folgt aber immer auch die Hoffnung auf einen Neubeginn. In diesem Sinne ist jedes bunte Herbstblatt auf der Straße schon ein früher Bote des Frühlings. Und vielleicht ergeht's dem LI beim nächsten Mal ja besser? Nur ob er den Weg zurück in die versagten Gärten findet, weiß ich nicht. Ich glaube, eher eröffnet sich ihm ein ganz neuer Pfad, während der alte langsam sterben muss, das Erblühen von etwas Neuem bedingt den Tod des Überkommenen.

Ach ja, ich gebe mich dann mal zu erkennen. Wahrscheinlich hast du's eh schon erraten. wink

Grüße,
L.
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EdgarAllanPoe
Geschlecht:männlichPoepulistischer Plattfüßler

Alter: 28
Beiträge: 3309
Wohnort: Greifswald
Bronzene Harfe Die Goldene Bushaltestelle
Goldene Feder Lyrik


Die Tauben
BeitragVerfasst am: 16.07.2010 09:18    Titel: Antworten mit Zitat

Nö, ich hatte nicht erraten, dass du dahinter steckst - aber der Stil passt zu dir. Wie konnte ich nur so doof sein. Laughing

_________________
(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
- JOHN LENNON, "Beautiful Boy"

Uns gefällt Ihr Sound nicht. Gitarrengruppen sind von gestern. (Aus der Begründung der Plattenfirma Decca, die 1962 die Beatles ablehnte.)
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versgerber
Geschlecht:männlichEselsohr

Alter: 29
Beiträge: 440
Wohnort: Berlin
Der Bronzene Wegweiser


BeitragVerfasst am: 16.07.2010 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

starkes Sprachgefühl. Man muss keine Hebungen zählen, weil es beim Lesen einfach fließt. Gerne mehr.
Daumen hoch


_________________
Lachen kann so leicht sein, wenn man genügend oder gar keine Gründe hat
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 40
Beiträge: 20166

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 17.07.2010 08:27    Titel: Antworten mit Zitat

EdgarAllanPoe hat Folgendes geschrieben:
Hallo Inkognito!

Das ist ein sehr melancholisches, untypisches Sonett (sechzehn Verse, aber das merkt man kaum, so flüssig liest es sich). Auch der Trochäus, dessen Ton im Gesamten sehr traurig und bedrückend ist, ist dem Thema angemessen. "Fin de Siècle" passt nicht nur auf die Literaturepoche, sondern auch auf das Ende einer Beziehung und damit auf den Neubeginn, der da folgen mag - die Analyse der Fehler, die zu diesem fatalen Schluss geführt haben, legt das nahe. Manchmal ist es nicht erstrebenswert, alles auszukosten - ein Schweigen kann auch sein Bestes wirken; lieber einige Dinge unangetastet lassen, das, was man aber wirklich gerne tut, genießen. Da könnte ich mir gemeinsame Spaziergänge vorstellen, einfaches Beisammensein, nichts, was großartig danebengehen kann.
Doch die traurige, regelmäßig wie das "Regenwasser" fließende Melodie legt etwas anderes nahe - dass genau das passiert ist: die Überschreitung der Grenzen.
Dieses Gedicht ist das zweite Goldstück, das ich heute lese.

Liebe Grüße,

Eddie

Liluye hat Folgendes geschrieben:
Hallo Eddie,

danke für das Lob und deine aufschlussreiche Deutung! Du hast Recht, der Titel ist ein wenig janusgesichtig und das Gedicht vielseitig interpretierbar. Manchmal sind Worte einfach "ein großer Überfluss", was man leider immer erst dann versteht, wenn es längst zu spät ist. Beziehungen wie Träume werden totgeredet, sie ertrinken in belanglosen Worten, wie ein leeres Blatt, das eigentlich darauf wartet, beschrieben zu werden...

Auf die Trauer folgt aber immer auch die Hoffnung auf einen Neubeginn. In diesem Sinne ist jedes bunte Herbstblatt auf der Straße schon ein früher Bote des Frühlings. Und vielleicht ergeht's dem LI beim nächsten Mal ja besser? Nur ob er den Weg zurück in die versagten Gärten findet, weiß ich nicht. Ich glaube, eher eröffnet sich ihm ein ganz neuer Pfad, während der alte langsam sterben muss, das Erblühen von etwas Neuem bedingt den Tod des Überkommenen.

Ach ja, ich gebe mich dann mal zu erkennen. Wahrscheinlich hast du's eh schon erraten. wink

Grüße,
L.

Hier scheinen sich zwei Menschen gefunden zu haben. Laughing

Nein, ernsthaft: Solche konstruktiven Unterhaltungen sind fast genauso schön wie das Sonett selbst. Schon der zweite Text von dir, der mich aufhorchen lässt, Liluye.

Beste Grüße,

Martin


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
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