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Nach dem Sturm


 

 
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Firilion
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 338



BeitragVerfasst am: 20.05.2008 11:04    Titel: Nach dem Sturm eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nach dem Sturm
Reifgeschlagenes Holz
in meterlosen Reihen.
Wie gestrandete Wale,
die ihr Leben,
im weißen Sand aushauchen.
Der Sägespangeruch
von öligen Eisenzähnen
hat sich in ihre Haut gebissen.
Ausgedörrte Adern pulsieren noch
und klagen an;
Hilfeschreie gellen über den Strand,
doch das Leben ist bereits abgereist.


Audio liefere ich vielleicht im Laufe der Woche nach

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Brynhilda
Felix Aestheticus

Alter: 40
Beiträge: 9709
Wohnort: Oderint, dum probent.


Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) - Zum 200. Geburtstag
BeitragVerfasst am: 20.05.2008 11:08    Titel: Re: Nach dem Sturm Antworten mit Zitat

Firilion hat Folgendes geschrieben:
Audio liefere ich vielleicht im Laufe der Woche nach


Ja, mach das unbedingt.
Ich höre dir so gern beim Rezitieren zu.

Und das Gedicht ist wunderbar. Und auch ein wenig beängstigend.
Und muß an die Aufräumarbeiten nach Kyrill denken.

Und gleichzeitig ist das ein großes Gleichnis der allumfassenden Vergänglichkeit.

Hochachtungsvoll,
Ilka
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Egopus
Cholyriker

Alter: 57
Beiträge: 958
Wohnort: Duisburg


BeitragVerfasst am: 20.05.2008 11:37    Titel: Antworten mit Zitat

Na geht doch. Cool

Hammertext, mit so viel bildlicher Gewalt,
dass man jeden Moment meint zu spüren.
Fantastische Wortwahl und ein auf den Punkt gebrachtes Werk.

Dieser Text hinterlässt einen sehr emotionalen Eindruck und versteht es in jeder Zeile den Leser zu binden.
Ich selber habe den Text jetzt fünfmal gelesen und konnte immer wieder
neue Bilder sehen.

Das ist Lyrik in ihrer vollkommenen Art.


danke für diesen Hochgenuss.


Neun Federn
Michael


_________________
Brachial-Poet
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Taugenichts
Geschlecht:männlichDichter und Denker

Alter: 34
Beiträge: 1286



BeitragVerfasst am: 20.05.2008 12:07    Titel: Antworten mit Zitat

Technisch und sprachlich bist du einfach klasse.
Trotzdem hab ich zwei Anmerkungen:

Der Sägespangeruch
von öligen Eisenzähnen
hat sich in ihre Haut gebissen.

Was soll das denn? Der Geruch hat sich in ihre Haut gebissen? Nicht die Eisenzähne? Wieso riechen ölige Eisenzähne nach Sägespähnen. Sie produzieren welche klar, aber riechen werden sie nach Harz und Öl, wenn überhauot nach mehr als Öl.


Ausgedörrte Adern pulsieren noch

Wieder sowas. Wenn sie ausgedörrt sind pulsieren sie auch nicht mehr.


Kann es sein, dass hier das Gefühl vor den Worten mit dir durchgegangen ist, an manchen Stellen?


_________________
Hellseherei existiert nicht. Die Leute glauben mir mein Geschwätz nur, weil ich einen schwarzen Smoking trage.
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Firilion
Geschlecht:männlichHobbyautor


Beiträge: 338



BeitragVerfasst am: 20.05.2008 12:29    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Taugenichts hat Folgendes geschrieben:


Der Sägespangeruch
von öligen Eisenzähnen
hat sich in ihre Haut gebissen.

Was soll das denn? Der Geruch hat sich in ihre Haut gebissen? Nicht die Eisenzähne? Wieso riechen ölige Eisenzähne nach Sägespähnen. Sie produzieren welche klar, aber riechen werden sie nach Harz und Öl, wenn überhauot nach mehr als Öl.


Ich werde versuchen, das zu erklären, wenngleich es sehr schwer fällt, dies in Worte zu gießen:
Wie bekannt ist, wohne ich in Siegen und um diese Stadt ist eigentlich nur Wald. Da hat der letzte Sturm massiv gewütet und teilweise hat man den Wald nicht wiedererkannt. Da ich dort aber gerne spazieren und joggen gehe, schreckt mich auch das nicht ab. Und als die Aufräum und Abholzaktionen begannen, stapelten sich endlos viele gefällte Bäume im Wald am Wegesrand und der ganze Wald roch nach frischen Holz. Unglaublich intensiv. Der Geruch kam von den Bergen an Sägespänen und aus den offenen Stämmen. Nach Öl riecht es da nicht, denn das Öl der Zähne einer Motorsäge ist wenig und vergleichsweise neutral vom Geruch. Aber diese öligen Kettensägenzähne haben den Geruch ja produziert, weil sie die Späne abwerfen. Dieser Geruch, wenn man nahe an so einen Stamm geht und ganz intensiv einatmet, ist so stark, das er wie in die Rinde eingebrannt ist. Das ist atemberaubend wundervoll, man kann es kaum beschreiben.

Zitat:

Ausgedörrte Adern pulsieren noch

Wieder sowas. Wenn sie ausgedörrt sind pulsieren sie auch nicht mehr.


Kann es sein, dass hier das Gefühl vor den Worten mit dir durchgegangen ist, an manchen Stellen?


Hast Du schon einmal solche riesigen Holzberge im Wald gesehen? Wie sie gefällt dort liegen, von Ästen befreit, nackt und hilflos? Sie trocknen langsam aus und dann auf einmal siehst Du, wie an einem solchen ausgedörrten Stamm noch Leben ist, wie er in seiner letzten Verzweiflung einen ganz dünnen Ast mit einem einzelnen, grünen Blatt hervorbringt. Und dieses Blatt schreit in den Wald: Ja, ich lebe noch, hier ist noch Leben! Doch der anklagende Schrei verhallt auf den weiten kahlgeschlagenen Flächen, denn das Leben ist bereits abgereist.
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jim-knopf
Geschlecht:männlichDichter und Trinker

Alter: 31
Beiträge: 4494
Wohnort: München
Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor
Goldene Feder Lyrik


BeitragVerfasst am: 20.05.2008 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

gefällt mir außerordentlich.

Besonders der Vergleich von Holz und Wal, die sich zu vermischen scheinen und am Ende wie Eins wirken.

Grüsse
Jim
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Tom Boy
Geschlecht:weiblichHobbyautor

Alter: 32
Beiträge: 375



BeitragVerfasst am: 20.05.2008 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Eines der besten Gedichte, die ich seit langem gelesen habe.
Gerade die Stellen, die hier zuvor kritisiert wurden - diese Vermischung von Sinneseindrücken und Ereignissen - finde ich am besten. Man fühlt sich mitten im Geschehen, am Schauplatz, und man ist ganz überwältigt.
Von meiner Seite: alle Daumen hoch!
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