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Das muss aufhören, meint Dietmar


 
 
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Minerva
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


Beiträge: 936

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Beitrag11.08.2022 18:00
Das muss aufhören, meint Dietmar
von Minerva
eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Der Blütenstaub auf dem Dachfenster ist die Milchstraße, rosarot gefärbt vom Morgen. Barfuß tapse ich die glattgetretenen Holzstufen nach unten. Kaffeepulver rieselt in die Filtertüte, und während die Maschine röchelt, atme ich den altvertrauten Duft dieser Küche ein. Der Geruch von Sauberkeit. Kein Fleck, kein Stäubchen, symmetrisch angeordnete Gardinenfalten.
Ich stürze den in Milch ertränkten Kaffee hinunter, widerstehe dem Drang zu flüchten, bevor Mutter erscheint. Verschütteter Kaffee, der benutzte Löffel auf der Arbeitsplatte – das wird ihr nicht gefallen. Sie ist es gewohnt, dass Amelie alles aufgeräumt und steril hinterlässt, aber wenigstens hat sie so etwas zu tun. Wie gestern, als sie meinen durcheinandergewürfelten Kofferinhalt in die Schränke geräumt hat. Kopfschütteln, leiser Vorwurf. Versagen wird wahrgenommen. Amelie ist unsichtbar.
Doch Mutter sagt nichts, räumt alles mit eingeübten Griffen auf, wischt die Flecken fort, als schlafwandle sie. Schlafwandeln ist ihr Dauermodus gewesen, als er noch hier gewohnt hat.
Erst am Vormittag spricht sie mit mir. Das Klavier sei schon wieder dissonant, aber bevor sie mich mit einer Litanei über den unfähigen Klavierstimmer einschläfert, schnappe ich mir meine Badetasche und mache mich auf den Weg in die Stadt.

*

Ich stehe auf dem Feld, Staub zwischen den Zehen und die Fußsohlen in den Sandalen eklig ausgetrocknet. Hat Amelie wieder nach Hause gehen wollen. Aber ich renne. Ähren kratzen über meine sonnengerötete Haut, und ich renne noch schneller bis zur einspurigen Straße in Richtung Stadt.

Flauschbälle von Pusteblumen wirbeln durch die Luft, zielsicher in meine Bikinizone. Das muss aufhören, meint Dietmar. Hektisch wische ich sie weg. Geplapper rauscht durch meinen Kopf und Köpfe durch meinen Bildausschnitt. Kinder kreischen, Mütter kreisen ihnen hinterher, drücken Sonnencremetuben auf Vätern leer, bis die Luft dick davon ist. Ich bin still. Abgeschnitten. Manchmal kann ich mich nicht bewegen, als hätte ich keinen Willen. Und sehe die Dinge von oben … von außen.
Und dann tauchst du auf, fragst mich, ob ich mit bei dir liegen will. Nicht die Bitch, bitte, bitte nicht die Bitch jetzt.
Er hat sie immer meine kleine Schlampe genannt, und als er weg gewesen ist, hat sie gesagt: Ich bin nicht mehr die kleine Schlampe, ich bin jetzt die große Bitch. Und der Bitch tut nichts weh.
Doch sie kommt nicht.
Du meinst, es sei heute ganz schön voll, aber ich kann bei dir bleiben. Ich nicke nur, schaue dich wahrscheinlich dumm an, festgeklammert an meinem Badetuch, breite es dann fahrig neben deinem aus. Sie haben fast die gleiche Farbe, das gleiche verwaschene dunkle Grün auf dem ausgedorrten Gras.

Ich öffne die Augen in verschwommenes Blaudunkel. Atembläschen durchdringen die Stille, ich sinke hinab. Als ich auftauche, sind die Bojen kleine Punkte unter der flimmernden Stadt. Du umkreist mich. Ich denke an einen Hai, aber die schauen nicht so.

Wir starren auf den Wasserspiegel. Unsere Gesichter verschwimmen zu einem, und ich verliere mich in diesem Spiel von Seegras und Fischen. Eine Libelle sirrt vor meiner Nase. Sie weckt mich. Du bist schon drei Schritte fortgegangen.
Am Medaillenautomat wirfst du lachend eine Münze ein und überreichst mir die Souvenir-Medaille mit dem Abbild des örtlichen Schlosses. Ich versuche, mir meine Rührung nicht anmerken zu lassen, ist ja nur dummes Touristenklimbim. Ein Zehn-Cent-Stück wird unter dem Druck mehrerer Tonnen plattgewalzt. Dann ist es sehr hübsch und viel wertvoller. Vielleicht brauche ich das auch.
Ich stecke die Medaille in die Tasche meiner Shorts, lasse die Finger darüber streicheln, während du sagst, du wohnst gleich um die Ecke, bist aber nur zu Besuch. Ich auch, sage ich, vielleicht etwas zu schnell, als ob es peinlich wäre, nicht von hier wegzukommen. Aber ich mag diese Gemeinsamkeit. Doch dann sagst du, du kommst gerade von einer Asien-Rundreise wieder und willst zum Wintersemester richtig loslegen an der Uni, mit Internationalem Recht; und ich hab’s noch nicht mal hinbekommen, mich für das Nachholen des Schulabschlusses anzumelden.
Der Druck meiner Gedanken wächst zu einem Knäuel Buchstabenkotze, das ich lieber herunterschlucke.

*

Fuck, einfach nur fuck. Ich bin am falschen Ende der Stadt. Meine Tasche ist weg, der Himmel nun grau. Fünf Stunden. Mein Smartphone fällt mir fast aus der Hand. Ich zittere, und die Leute gucken komisch, weil ich mitten auf dem Weg stehen bleibe. Ich drehe mich um und laufe zurück durch die Stadt. Wenn ich nur wüsste, wo um die Ecke ist. Kopfschmerzen. Es riecht nach Regen, und ich schaffe es gerade vor den ersten Tropfen nach Hause, zu Mutters Haus.
Die Medaille ist weg. Ich prüfe die Hosentaschen drei Mal, dann werfe ich mir eine Benzo ein. Das muss aufhören, meint Dietmar. Ob das die Bitch war? Hat sie sie weggeworfen oder versucht, mit den Zähnen zu zerbeißen? Mein Kiefer tut weh. Dietmar entscheidet das ja, aber ich finde nicht, dass er das immer richtig macht.

Traumfunkel schweben um meinen Kopf, kleine Blasen, schillernd in extraterrestrischen Farben. Traum A hat nichts mit dir zu tun, sondern mit ihm. Aber er ist weg und Traum A will ich vergessen. Traum B ist von dir, doch ich kann ihn nicht fassen, so sehr ich auch darüber nachdenke. Nun bin ich verwirrt, puzzled, ein Puzzle. Was würde es darstellen? Vielleicht das Abbild einer dieser Picasso-Figuren.
Der Blütenstaub wird leise abgewaschen von einer Nieselwolke. Amelie mag das auch, wenn die Tropfen ihre Melodie spielen wie aufgehängte Knöchelchen, die im Wind klappern. In letzter Zeit ist es seltsam, ich verstehe nicht, warum sie sichtbarer werden, was Dietmar vorhat. Es gefällt mir nicht. Der Regen wird stärker, hackt auf die Scheiben. Ich sehe es zum ersten Mal.

*

Du stehst vor meiner Tür, fahl wie ein Bild, das in der Sonne verblasst ist. Schlammspritzer bis zum Knie. Du reichst mir meine Tasche, ich nehme deine Hand. Durchs Treppenhaus und die Dunkelheit führe ich dich ins Bad, lasse die Lampe aus. Künstliches Licht würde alles hässlich machen. Nur das Mondlicht sickert durchs Giebelfenster auf deine Schneehaut. Die schmutzige Schneehaut.
Ich weiß nicht, ob ich gehen oder bleiben soll, bis du meine Hand fasst und zur Wanne blickst. Am Wannenrand liegt meine Lieblingsseife mit Fichtennadelduft.
Ich kann Dietmar förmlich schreien hören: Hast du sie noch alle?!
Ich antworte nicht.
Die Seife gleitet über deinen Körper. Behutsam wasche ich dich, so wie man ein Kind wäscht. Meine Fingerspitzen tanzen, ziehen kleine Spiralen. Nichts fühlt sich mehr seltsam an, nur wünsche ich mir, zu wissen, was in deinem Kopf schreit. Aber ich frage bestimmt nicht, du fragst mich ja auch keine gestörten Sachen. Und du … du riechst wie der Wald am Morgen.

Du bist geblieben. Es ist wie Traum B gewesen, funkelnd und warm.
Der Tag ist auch warm, aber nicht unerträglich. Ich räume meine Badesachen gewissenhaft auf und durchsuche die Tasche, aber die Souvenir-Medaille bleibt verschwunden. Auch keine scheiß neue Nummer auf dem Smartphone, aber das war ja klar. Die Bitch löscht so etwas. Seit ich clean bin, ist sie nicht mehr oft da, nur wenn es darauf ankommt. Ihr tut es ja auch nicht weh.
Ich kippe das Dachfenster, die Nacht strömt schwül herein. Wolken bauschen sich über den schwarzen Baumspitzen, Blitze flackern mir ins Gesicht, und die ersten Tropfen platzen wütend auf der Scheibe. Ich strecke die Hand aus. Der warme Regen zerfließt zwischen meinen Fingern. Du zerfließt …

*

Um die Ecke ist ein Parallel-Universum, in der andere Zeiten herrschen, sich andere Begegnungen manifestieren, sich ein anderes Leben lebt. Ich suche ziellos. In der Stadt, am See, am Souvenirautomat. Wo ist die Medaille, wo bist du, wo bin ich? Warum ist da keine Nummer? Ich hasse die Bitch. Und ich suche den ganzen Tag, und nachts weine ich das Kissen klamm, während der Regen meine Scheiben streichelt. Dietmar findet das nicht hilfreich. Wenigstens meint er mal nicht, dass das aufhören muss. Dafür verzichte ich auch auf die Benzo.

Der See liegt purpurn im Dämmerlicht, hinter mir die schlafende Stadt, die dem neuen Tag aus violetten Fenstern entgegen träumt. Wo, frage ich Kassiopeia, doch der Himmel bleibt sternenkalt und stumm, nur der Abglanz des Mondes flackert auf den Wellen und verrät mit ein Geheimnis.
Bald wird das Wasser eine Herbstsuppe aus Laub, und Sturmschwalben werden über ihre Reviere segeln. Und danach wird der Eistaucher rufen und ich ihm folgen. Mit meinen Stiefeln werde ich die obladendünne Eisschicht zerbrechen und die Splitter zählen, die wie winzige Schollen einer Puppenwelt davontreiben. Und ich kann sie alle sehen.

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Schlomo
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Alter: 66
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Beitrag22.08.2022 23:25

von Schlomo
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Schwieriger Text. Also wenn E-Literatur bedeutet, dass man sie nicht versteht, ist das - zumindest für mich - E-Literatur. Ich fand die Geschichte schon irgendwie spannend, hatte die Ahnung von Junkies und Schizophrenie, bin mir aber nicht sicher. So fremd habe ich mich selten in einer Geschichte gefühlt.

_________________
#no13
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V.K.B.
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Beitrag23.08.2022 15:01

von V.K.B.
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Hallo Inky,

Hu, noch so eine komplexe Geschichte, die man mehrfach lesen muss, um überhaupt was zu verstehen. Amelie (ich nenne sie mal so, in der Annahme, dass sie die ursprüngliche root-Ebene ist) wurde von ihrem Vater missbraucht, flüchtete sich in Drogen und geistert jetzt mit einer multiplen Persönlichkeitsspaltung durchs Leben. Sie ist eine hochgradig unzuverlässige Erzählerin (jedenfalls was das reale Außen betrifft) und wir damit im Genre der Anti-Story. Und das so tief, dass ein Erkennen der "Realität" gar nicht mehr möglich ist. Falls es sowas überhaupt gibt. Ist Realität nicht immer nur das, was sich gerade im Kopf abspielt, und cummings' verdammt gutes Paralleluniversum immer nebenan, aber unerreichbar? Wie eine mal kurz besessene Medaille, die sie von jemandem geschenkt bekommen hat, der aber vielleicht auch nur ein Aggregatzustand des Regens war? So vieles bleibt unklar, nur scheint Amelie in eine Katastrophe zu traumwandeln, Suizid oder komplette Dissoziation und Persönlichkeitsauflösung. Nur Dietmar hört den Schuss, aber wird er als Perönlichkeitsadmin ihr noch helfen können? Nein, er meint ja, es müsse aufhören. Wahrscheinlich alles. Traurig.

Unterm Strich:

E-Lit: Aber hallo
Sperrig: Auch das, ich musste zweimal lesen, um überhaupt was zu verstehen
Thema Sommergäste: sehr vage umgesetzt, aber damit auch sehr origniell. Perönlichkeitsaspekte und Hoffnungsträume führen sie durch den Sommer, doch der Winter kommt unaufhaltsam.
Begegnungen/Abschiede: Auch sehr originelle Umsetzung. Die Traumbegegnung, die Auseinandersetzungen mit den anderen Aspekten der Psyche, und der drohende Abschied vom Leben.
ungehörter Schuss: Falls ihre Mutter real ist und sie wirklich noch bei dieser lebt, scheint sie wieder mal die Augen zu verschließen. Wo ist Kenji Kamiyashi, wenn man ihn braucht? Evil or Very Mad (falls du jemand bist, der nach Aufhollesen was damit anfangen können wird, sonst habe ich falsch geraten)
Hintergrund Veränderung: Wie gesagt, sie befindet sich auf dem Weg in die Auflösung/Auslöschung
Persönliches Gefallen: Sehr. Muss ich noch viel dazu sagen? Das ist wieder ein Text, der genauso ist, wie ich mir einen gelungen 10k-Text vorstelle.

Mein dritter Platt: 8 Punkte für dich.


_________________
Warning: Cthulhu may occasionally jumpscare people …
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thepriest
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Beitrag23.08.2022 15:42

von thepriest
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Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine spannende Ausgangslage. Leider bleibt am Ende einmal mehr nur der last exit. Schade eigentlich, denn der Einblick in dieses faszinierende, komplexe Innenleben macht eigentlich Freude, auch wenn die etwas gar exzessiv eingesetzten Kraftausdrücke die Geschichte etwas über-würzen.

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dürüm
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Vorlesbar I


Beitrag23.08.2022 20:06

von dürüm
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Hallo Inco,

gut und flüssig geschrieben.
Die multiplen Persönlichkeiten (Amelie, Dietmar, Bitch) sind gut beschrieben, und sowohl Erinnerungslücken als auch Halluzinationen und verfremdete Wahrnehmungen sind gut geschildert.

Sehr vielschichtig das Ganze.
Zum Teil schöne Wortkreationen, passend zur Prota.

Alles in allem, gerne gelesen.

6 Punkte

Gruß
Kerem


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(Seneca)
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d.frank
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D
Beitrag25.08.2022 00:04

von d.frank
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Habe es mehrmals gelesen und gern. Weil es so viele Bilder malt, die eher deutlicher werden, als sich abnutzen. Zuerst, na klar, ist das alles ziemlich verwirrend, die Persona, Dietmar, der meint, dass es aufhören muss, die anderen. Aber es ist nicht konstruiert verwirrend, sondern eher klassisch, wie es eben sein könnte, das wirkt in sich natürlich und kann nicht anders erzählt werden. Und es trägt die Geschichte auch nicht, es ist eher so wie Beiwerk, das kein Beiwerk, sondern eine von vielen Ebenen ist - puzzled, sagt der Text und erklärt es selbst. Die Farben, die Eindrücke, der routinierte und gleichzeitig hilflose Umgang mit der Situation, alles stimmig eingefangen, innen UND außen, bewegend, doch leise.
Dietmar mag ich nicht so, weil das Schublade ist, ebenso die klaviergebeutelte Mutter, aber egal, das andere macht das wett, deshalb 10 Punkte und Platz 2


_________________
Die Wahrheit ist keine Hure, die sich denen an den Hals wirft, welche ihrer nicht begehren: Vielmehr ist sie eine so spröde Schöne, daß selbst wer ihr alles opfert noch nicht ihrer Gunst gewiß sein darf.
*Arthur Schopenhauer
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d.frank
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D
Beitrag25.08.2022 00:05

von d.frank
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doppelt

_________________
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*Arthur Schopenhauer
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Constantine
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Beiträge: 3429

Goldener Sturmschaden Weltrettung in Bronze


Beitrag25.08.2022 08:56

von Constantine
Antworten mit Zitat

Bonjour Señora Incógnita

Im Text scheint es um eine Multiple Person mit vier Persönlichkeiten zu gehen:
    die Erzählerin
    Amelie (die körperliche Protagonistin)
    die (große) Bitch
    Dietmar


Zitat:
Der See liegt purpurn im Dämmerlicht, hinter mir die schlafende Stadt, die dem neuen Tag aus violetten Fenstern entgegen träumt. Wo, frage ich Kassiopeia, doch der Himmel bleibt sternenkalt und stumm, nur der Abglanz des Mondes flackert auf den Wellen und verrät mit <-- r  ein Geheimnis.
Bald wird das Wasser eine Herbstsuppe aus Laub, und Sturmschwalben werden über ihre Reviere segeln. Und danach wird der Eistaucher rufen und ich ihm folgen. Mit meinen Stiefeln werde ich die obladendünne Eisschicht zerbrechen und die Splitter zählen, die wie winzige Schollen einer Puppenwelt davontreiben. Und ich kann sie alle sehen.

Nur zur Vollständigkeit: ein kleiner Verschreiber.

Die Perspektive aus Sicht einer der multiplen Charaktere, die Amelie beschützen, wird strikt eingehalten. Dem Charakter wird mittels Beschreibungen und verspielten Verben (sprachlich) etwas drive gegeben:
Zitat:
Der Blütenstaub auf dem Dachfenster ist die Milchstraße, rosarot gefärbt vom Morgen. Barfuß tapse ich die glattgetretenen Holzstufen nach unten. Kaffeepulver rieselt in die Filtertüte, und während die Maschine röchelt, atme ich den altvertrauten Duft dieser Küche ein. Der Geruch von Sauberkeit. Kein Fleck, kein Stäubchen, symmetrisch angeordnete Gardinenfalten.
Ich stürze den in Milch ertränkten Kaffee hinunter, widerstehe dem Drang zu flüchten, bevor Mutter erscheint. Verschütteter Kaffee, der benutzte Löffel auf der Arbeitsplatte – das wird ihr nicht gefallen. Sie ist es gewohnt, dass Amelie alles aufgeräumt und steril hinterlässt, aber wenigstens hat sie so etwas zu tun. Wie gestern, als sie meinen durcheinandergewürfelten Kofferinhalt in die Schränke geräumt hat. Kopfschütteln, leiser Vorwurf. Versagen wird wahrgenommen. Amelie ist unsichtbar.
Doch Mutter sagt nichts, räumt alles mit eingeübten Griffen auf, wischt die Flecken fort, als schlafwandle sie. Schlafwandeln ist ihr Dauermodus gewesen, als er <-- scheint sich hier  um den Vater zu handeln, der seit geraumter Zeit weg ist. Hier wird das Wegsehen oder Nichtbeachten der Mutter angedeutet. noch hier gewohnt hat.
Erst am Vormittag spricht sie mit mir. Das Klavier sei schon wieder dissonant, aber bevor sie mich mit einer Litanei über den unfähigen Klavierstimmer einschläfert, schnappe ich mir meine Badetasche und mache mich auf den Weg in die Stadt.

Schön.
Auch die abwechselnden Satzlängen, molekulare Ein-Wort-Sätze, sorgen für Abwechslung und Tempowechsel beim Lesen.

Zitat:

Er hat sie immer meine kleine Schlampe genannt, und als er weg gewesen ist, hat sie gesagt: Ich bin nicht mehr die kleine Schlampe, ich bin jetzt die große Bitch. Und der Bitch tut nichts weh.
Doch sie kommt nicht.

Hier die Andeutung des Mißbrauchs durch den Vater und der Persönlichkeit der Bitch.

Insgesamt abwechslungsreich geschrieben, nah an einer der Persönlichkeiten von Amelie dran, die Blackouts befürchtet und die auch stattfinden und dann beginnt das Rätselraten, was hat die Bitch wieder sabotiert. Seltsam nur, dass die Aktionen der Bitch als die einzige Bedrohung angesehen wird, weil sie zwischenmenschliches sabotiert, aber was ist mit Amelie und was ist mit Dietmar? Was tun sie, wenn sie die Kontolle über den Körper haben? Da scheint es keine direkte Interaktion untereinander zugeben. Auch scheint die Kommunikation bzw. ein Gedankenaustausch der erzählenden Persönlichkeit mit Dietmar vorzuliegen, da dessen Meinung ab und an durchschimmert, aber Amelie und die Bitch bleiben in ihren Aktionen geheimnisvoll und stumm. Hm.

Einer der besseren Texte des Wettbewerbs, auch wenn ich das Thema Multiple Person nicht mehr sehr neu finde und gefühlt fast in jedem der letzten Wettbewerbe vermute.

Ob es für Punkte reicht, wird sich zeigen.

Im Vergleich mit allen Wettbewerbstexten und da zehn Texte bepunktet werden müssen, bekommt dieser hier: sept points.

Merci beaucoup
Constantine
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Heidi
Geschlecht:weiblichReißwolf

Alter: 41
Beiträge: 1435
Wohnort: Hamburg
Der goldene Durchblick


Beitrag28.08.2022 19:21

von Heidi
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Das Thema

Vermutlich liegt hier eine Borderline-Persönlichkeitsstörung oder eine andere psychische Erkrankung vor. Nein, es könnte auch in Richtung dissoziative Identätissstörung gehen, da die Figur manchmal Dinge wie von außen sieht und dann dieser Satz kommt, der sich urplötzlich von der Ich-Perspektive in die dritte Person verwandelt:

Zitat:
Er hat sie immer meine kleine Schlampe genannt, und als er weg gewesen ist, hat sie gesagt: Ich bin nicht mehr die kleine Schlampe, ich bin jetzt die große Bitch. Und der Bitch tut nichts weh.


Das könnte ein Verweis auf sexuellen Missbrauch sein. Krass.

Aber im Grunde ist es für mich nicht relevant, was genau hier vorliegt, vielmehr geht es darum, dass die Geschichte einer verzweifelten Person erzählt wird, die trotz besseren Wissens nicht das tun kann, was sie eigentlich tun möchte bzw. eher das Nicht-tun von etwas, was sie nicht tun möchte, nicht schafft einzuhalten und darunter leidet.

Der Titel

Auf den ersten Blick hat mich der Titel eher an ein humoristisches Werk denken lassen; nach dem Lesen habe ich den Zusammenhang anders gesehen und denke, er ist schon gut gewählt und passt natürlich zum Inhalt und der Verzweiflung der Ich-Figur.

Der Anspruch / Die Ungefügigkeit / Die Eigenständigkeit

Doch, alle drei sind soweit erfüllt. Obwohl, ungefügig, na ja … dazu muss ich aber auch sagen, dass in diesem Wettbewerb kaum eine Geschichte richtig ungefügig ist und sich so richtig was traut (meine eingeschlossen).

Die Sprache

transportiert das Innenleben der Figur, ohne es zu zeigen oder zu benennen. Es sind Kleinigkeiten in der Wahrnehmung der Ich-Figur, die mehr sagen als jeder Dialog. Es ist eine sehr feine Sprache, die leicht vor sich hinfließt und einen Schleier von Traurigkeit hinterlässt.

Der Gesamteindruck

Das Verhältnis zur Mutter, das anfänglich geschildert wird, klingt angespannt und so als würde die Ich-Figur in ihrer Entwicklung zurückgehalten (es kommen leichte Erinnerungen an 'Die Klavierspielerin' von Jelinek auf – vielleicht auch wegen des dissonaten Klaviers, aber natürlich auch, weil Mama hier den Koffer der erwachsenen Tochter ausräumt).
Das dissonante Klavier kann natürlich auch auf eine, wie weiter oben vermutet, dissoziative Identitätsstörung verweisen - bildlich gesprochen. Wobei ich mich jetzt auch nicht verirren möchte, was Begriffsähnlichkeiten betrifft. Es muss ja nicht immer alles durchdacht sein.

Mehr habe ich zum Text nicht zu sagen, nur dass die letzten beiden Absätze die Traurigkeit, die dieser Text ausstrahlt, bis ins unermessliche steigern. Hier wird die Geschichte von einem gebrochenen Menschen erzählt. Das was gebrochen ist, schwimmt am Ende weg, mit sehr viel Wehmut an eine Kindheit, die es (vermutlich) nie gegeben hat und dabei bleibt der Text immer leicht in seinem Ausdruck. Ein schweres Thema leicht auszudrücken halte ich nicht für leicht. Deshalb gibt es sechs Punkte.
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Globo85
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Beiträge: 654
Wohnort: Südwesten
Das silberne Eis in der Waffel DSFo-Sponsor


Beitrag29.08.2022 10:27

von Globo85
Antworten mit Zitat

"Multiple Persönlichkeit" oder Die erste Regel des Fight Club lautet …

Vorgaben:
  • Begegnungen und/oder Abschiede: Ja.
  • Anbahnende Veränderung: Das Cleanwerden.
  • Sommergäste/Nichtbeachteter Schuss: Hm. Schwierig.
  • Ist das E? Definitiv.

Eindrücke:
Uff. Da ist er. Der Fragezeichentext dieses Wettbewerbs, gibts ja (für mich) auch jedes Mal (mindestens) einen. Hm, ja, so wahnsinnig viel mehr, fällt mir dazu momentan nicht ein. Gut geschrieben ist der Text auf jeden Fall und wahrscheinlich verkenne ich da jede Menge. Tut dem ganzen auch kein Abbruch, denn ich lese den Text wirklich gern, auch wenn ich nicht so genau weiß, was da jetzt wirklich passiert. Son bisschen wie mit moderner Kunst.

Lieblingsstelle:
Zitat:
Fuck, einfach nur fuck. Ich bin am falschen Ende der Stadt.


Fazit:
Mein achter Platz und damit 3 Punkte.
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sleepless_lives
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Beitrag29.08.2022 23:42

von sleepless_lives
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Am Anfang holpert es ein wenig. Gerade wenn der Kaffeegeruch am stärksten sein sollte, wird der Geruch von Sauberkeit wahrgenommen (nicht beim Betreten der Küche), und die beschriebene Sauberkeit und Staubfreiheit kollidiert ein wenig mit dem Blütenstaub auf dem Dachfenster, das der Reinigung wohl aus welchem Grund auch immer entkommen ist. Aber dann baut sich mehr und mehr und sozusagen hinterrücks ein beklemmendes, aber immer auch einfühlsames Bild auf von psychischer Störung und ehemaliger Drogensucht. Vielleicht auch nur mentale Probleme aufgrund der letzteren, vielleicht mit einer traumatischen Erfahrung im Hintergrund. Nicht, dass das wichtig wäre, die Ursachen. Was überzeugt, ist das prekäre Jetzt des Aufenthaltes in der Wohnung der Mutter, das verletzliche Ich. Der Kampf der Protagonistin (Amelie, sehe ich das richtig?) um ein bisschen Normalität, ein wenig Sicherheit, ein wenig Selbstständigkeit. Und der Kampf um die Hoffnung, vielleicht sogar wieder ein bisschen Glück in ihr Leben bringen zu können. Wie die Geschichte aus den Fragmenten entsteht, alle für sich schon interessant, das ist bestechend. Es gibt viele unvermittelte Sprünge, konsequenterweise natürlich, und nicht immer werden sie gleich erkenntlich gemacht, konsequent auch das, wie zum Beispiel der Abschnitt, wo sie im Wasser sind. Man muss sehr genau und nicht nur einmal lesen. Wer das nicht tut, wird nicht viel von der Geschichte haben. Aber das ist gut. Hey, das ist der Zehntausender.  

Wer Dietmar ist oder war, ist mir jedoch trotz allem nicht klar geworden. Das hier
Zitat:
Ich kann Dietmar förmlich schreien hören: Hast du sie noch alle?!

würde nicht zu einem Therapeuten oder Sozialpädagogen passen, aber auch nicht für den Freund (im Sinne von boyfriend) der Protagonistin angesichts der Situation. Wahrscheinlich ist er aber einfach auch keine reale Person oder nur das verinnerlichte Überbleibsel eines einstmals wichtigen Menschen für die Protagonistin. Obwohl es mit dem ersteren stark in die Gefahr gerät, in eine dieser trivial erzählten Multiple-Persönlichlkeiten-Geschichten abzugleiten. Und überhaupt der Name. Dietmar. Wirklich? Das scheint zu billig zu sein, einen etwas eingestaubten Namen zu verwenden. Warum hier ein Stereotyp verwenden, warum nicht die Leser:innen ihn an seinen Äußerungen erkennen lassen. Sonst ist der Titel jedoch exzellent gewählt.

Die Sprache ist für mich haarscharf am Rande, in der Tat hat sie mich beim ersten Lesen in die Flucht getrieben: Zu blumig. Aber eigentlich passt sie zur Protagonistin, eigentlich ist das schon einigermaßen stimmig. Meistenteils. Sehr oft wird sie mir immer noch zu viel. "Traumfunkel schweben um meinen Kopf", "der Regen meine Scheiben streichelt", "schlafende Stadt, die dem neuen Tag [...] entgegen träumt". Naja.  

Gäbe es einen Extra-Preis für das Ende einer Geschichte in diesem Wettbewerb und ich hätte ihn zu vergeben, du würdest ihn wohl erhalten. Wie sich hier die verschiedenen Stimmungen mischen, wie trotz der Verzweiflung und Traurigkeit auch ein Schimmer von Hoffnung aufleuchtet, das ist schon stark. Selbst Dietmar wird milder und es macht den Eindruck, als ob die Protagonistin sich trotz allem ein wenig mehr der Realität nähert und damit wieder umzugehen lernt.
Muss ich dort die Sprache noch öfters ignorieren, sind die letzten Sätze uneingeschränkt überzeugend:
Zitat:
Bald wird das Wasser eine Herbstsuppe aus Laub, und Sturmschwalben werden über ihre Reviere segeln. Und danach wird der Eistaucher rufen und ich ihm folgen. Mit meinen Stiefeln werde ich die obladendünne Eisschicht zerbrechen und die Splitter zählen, die wie winzige Schollen einer Puppenwelt davontreiben. Und ich kann sie alle sehen.


Mein dritter Platz, dir sind 8 Punkte entgangen.


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Kojote
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Beitrag30.08.2022 17:28

von Kojote
Antworten mit Zitat

Liebes verfassendes Wesen,

eine tiefdüstere Geschichte, die durch makabre, phantastische Atmosphäre auffällt.

Leider ist tiefdüstere Literatur nicht mein Ding. Dein Beitrag ist gut geschrieben, leider reicht es von meiner Seite nur für einen Punkt.

Ciao
Kojote


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holg
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Bronzenes Licht Der bronzene Roboter


Beitrag01.09.2022 15:56

von holg
Antworten mit Zitat

Eindringlicher Text. Eine betörend unscharfe Meditation über die Welt eines Menschen auf dem Weg zurück ins Leben. Drogenenzug und/oder Therapie sind geschafft. Das heimische Zimmer wieder bezogen.
Doch es gibt immer wieder Leerstellen, ein Tag in Fragmenten. Persönlichkeitsanteile, manifestiert in Einzelpersonen bestimmen das Handeln und das Erinnern oder Nichterinnern. Bei Angst- oder Unruhezuständen helfen Benzodiazepine. Ein Leben auf Messers Schneide.

Das ist in wunderbaren Bildern stilistisch toll und präzise beobachtet erzählt, modernes Kino (Gondry/Kaufmann) jenseits klassischer Psychomanierismen, das Fragen hinterlässt und nachhallt, lange nachdem das letzte Wort gelesen ist.

Schönes Ding.


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Why so testerical?
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nicolailevin
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Wohnort: Süddeutschland


Beitrag01.09.2022 16:56

von nicolailevin
Antworten mit Zitat

Es ist eigenartig: Sobald mir beim Lesen klar wird, dass dieser Auflauf von Namen und Charakteren auf eine multiple Persönlichkeit zurückgeht (so interpretiere ich es jedenfalls), verliere ich schlagartig das Interesse an der Geschichte. Ich bin nicht mehr bereit, mich anzustrengen, um dem komplizierten Fortgang zu folgen. Es ist eh alles eingebildet, ich höre nur die Stimmen in ihrem Kopf, die sollen doch sagen, was sie wollen, in meiner Realität ist es bedeutungslos.

Keine Punkte von mir, und von mir und von mir auch nicht.
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silke-k-weiler
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Beiträge: 732

Das goldene Schiff Der goldene Eisbecher mit Sahne


Beitrag02.09.2022 20:31

von silke-k-weiler
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Lieber Text,

ich hab Dich jetzt dreimal gelesen und bin immer noch ein bisschen verwirrt. Meine Deutung: Es geht um eine dissoziative Persönlichkeit. Amelie ist eine davon, das lyrische Ich eine andere. Und der Rest ein Verschwimmen, sich Auflösen, an anderer Stelle wieder auftauchen ...
Der Hinweis auf das Kubistische mit Picasso.
Hm, darf ich einem Text, den ich nicht zu 100% raffe, Punkte geben? Shocked
Wie gut, dass es meine Punkte sind und ich damit machen kann, was ich will.

Lieblingsstelle: Mit meinen Stiefeln werde ich die obladendünne Eisschicht zerbrechen und die Splitter zählen, die wie winzige Schollen einer Puppenwelt davontreiben. Und ich kann sie alle sehen.

VG
Silke
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Nachtvogel
Geschlecht:weiblichWortedrechsler

Alter: 31
Beiträge: 85
Wohnort: Münster


Beitrag03.09.2022 01:55

von Nachtvogel
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Ich habe erst beim zweiten Lesen verstanden, dass es hier um eine Person mit multipler Persönlichkeitsstörung geht. Und ich finde, du hast das erzählerisch genial gemacht. Die Persönlichkeiten sind gut voneinander abgegrenzt und kann ich mir gut vorstellen - die ordnungsliebende Mutter, die sensible Amelie, der kontrollierende Dietmar, die unberechenbare Bitch und natürlich die Erzählerin. Die Verzweiflung, die die Persönlichkeitsstörung über die Erzählerin bringt, wird sehr gut verdeutlicht. Auch der Kontrollverlust. Ob die mit "du" angesprochene Person jetzt wirklich echt war (ich glaube schon), bleibt etwas unklar; die Erinnerung "zerfließt" ja (so habe ich das zumindest gedeutet). Insgesamt ein toller Text, der zum Nachdenken anregt!

10 Punkte
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Minerva
Geschlecht:weiblichKlammeraffe


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Beitrag03.09.2022 19:18

von Minerva
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Der Einstieg ist langweilig, wen willst du damit ködern? Cool

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Reimeschreiberin
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Beiträge: 197



Beitrag04.09.2022 10:59

von Reimeschreiberin
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Bei dem Wettbewerb wurden sehr vielseitige Texte eingereicht. Es sind so viele gute Geschichten dabei, dass mir die Bewertung nicht leicht fiel. Letztlich hat es Dein Text, liebe/r Inko, leider nicht in meine Top Ten geschafft.
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MoL
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Das bronzene Stundenglas


Beitrag04.09.2022 15:33

von MoL
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Lieber Inko!

Wow.

Hat eine Weile gedauert, bis ich durchgestiegen bin, aber das macht die Sache ja noch interessanter. Deine Geschichte ist mein persönlicher Platz 2.


_________________
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gemeinsam mit Leveret Pale:
"Menschen und andere seltsame Wesen"
----------------------------------
Hexenherz-Trilogie: "Eisiger Zorn", "Glühender Hass" & "Goldener Tod", Acabus Verlag 2017, 2019, 2020.
"Die Tote in der Tränenburg", Alea Libris 2019.
"Der Zorn des Schattenkönigs", Legionarion Verlag 2021.
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nebenfluss
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Beiträge: 5372
Wohnort: mittendrin, ganz weit draußen
Podcast-Sonderpreis


Beitrag04.09.2022 17:23

von nebenfluss
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Leider noch kein Kommentar.

_________________
fehlende Quellenangabe: mein Kopf.
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Minerva
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Beiträge: 936

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Beitrag04.09.2022 21:44

von Minerva
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Danke für eure Kommentare, Interpretationen und Punkte. Hat mich sehr gefreut.
Ich antworte im Laufe der Woche noch einmal genauer darauf.

Nun einen schönen Abend noch beim 10k-Sommerfest.


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Minerva
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Beiträge: 936

DSFo-Sponsor


Beitrag05.09.2022 10:30

von Minerva
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Schlomo hat Folgendes geschrieben:
Schwieriger Text. Also wenn E-Literatur bedeutet, dass man sie nicht versteht, ist das - zumindest für mich - E-Literatur. Ich fand die Geschichte schon irgendwie spannend, hatte die Ahnung von Junkies und Schizophrenie, bin mir aber nicht sicher. So fremd habe ich mich selten in einer Geschichte gefühlt.


Hallo Schlomo,

danke für deinen Kommentar. Versteh ich, dass es schwierig ist, weil es ein Mindestmaß an Wissen über die dissoziative Identitätsstörung (früher multiple Persönlichkeitsstörung) erfordert und die Abgrenzung zur Schizophrenie oder dem, "was man halt so darüber weiß" oder wie es in bspw. Fightclub dargestellt ist. Und natürlich muss man das dann auch noch alles aus dem Text herauslesen können. Laughing

Ich schreibe später noch eine kleine Interpretationshilfe, die ein bisschen Licht ins Dunkel bringt.

Liebe Grüße


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