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Naiv


 

 
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ues
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 47
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 01.05.2016 03:33    Titel: Naiv eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gestern nach Feierabend
saß ich wie immer an der Bushaltestelle
und wartete.
Mit mir saß da noch
ein kleines Mädchen mit zwei langen Zöpfen.
Es baumelte mit den Beinen
und schaute sich selbst dabei zu.

Irgendwann sah ich von Weitem
meinen Bus kommen und wollte gerade aufstehen,
als ich das Mädchen
„Falsche Richtung“ murmeln hörte.

Ich blieb sitzen, schaute
dem vorbeifahrenden Bus hinterher
und frage mich bis heute, wieso
ich gut fünfundzwanzig Jahre lang annahm,
diese Linie brächte mich
nachhause.



_________________
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firstoffertio
Geschlecht:weiblichFlachmann-Preisträger


Beiträge: 6043
Wohnort: Irland
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BeitragVerfasst am: 01.05.2016 22:23    Titel: Antworten mit Zitat

Finde ich sehr gut. Kurz und sinnig.

Und wuerde das auch als Kurzprosa sehr gut finden.
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ues
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 47
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 03.05.2016 10:46    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke, firstoffertio! Das freut mich natürlich zu lesen. Smile

Lieben Gruß.


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Berni
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 60
Beiträge: 2176
Wohnort: Südhessen (aus NRW zugelaufen)


BeitragVerfasst am: 25.05.2016 23:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ich möchte mich hier unbedingt FirstOffertio anschließen. Der Text liest sich wirklich gut und endet irgendwie überraschend.
Was mich stört, ist die Formatierung des Textes. Viel zu unruhig für einen lyrischen Text. Vielleicht ist das der Grund, weshalb dieser gute Text so wenig Reaktion erfahren hat.

FirstOffertio hat vielleicht die Lösung schon genannt: Der Text ist eher gute Kurzprosa als erzwungene Lyrik. Mal ehrlich: das ist Prosa!

Ist am Ende deine Entscheidung.

LG
Berni

p.s. Ich finde das Ende so geil ... Very Happy Very Happy

und das auch:
Zitat:
in ein Taxi steigen und gen Himmel zeigen
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Gast







BeitragVerfasst am: 26.05.2016 08:47    Titel: Antworten mit Zitat

Gestern nach Feierabend
saß ich wie immer an der Bushaltestelle
und wartete.
Mit mir saß da Neben mir noch
ein kleines Mädchen mit zwei langen Zöpfen.
Es baumelte mit den Beinen
und schaute sich selbst dabei zu.

Irgendwann sah ich von Weitem
meinen Bus kommen und wollte gerade aufstehen,
als ich das Mädchen
„Falsche Richtung“ murmeln hörte.

Ich blieb sitzen, schaute
dem vorbeifahrenden Bus hinterher
und frage mich bis heute seitdem, wieso
ich gut fünfundzwanzig Jahre lang annahm,
diese Linie brächte mich
nachhause.


Gefällt mir ansonsten außerordentlich gut.

Tschö,
Monochrom
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Orpheus
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 61
Beiträge: 130
Wohnort: Osnabrück


BeitragVerfasst am: 26.05.2016 08:54    Titel: Antworten mit Zitat

Finde die Kürzungen von Monochrom machen den Text ruhiger. Er wird eher noch intensiver.
Deine Idee, das überraschende Ende und der Nachklang sind wirklich überwältigend.
Danke für diesen Gedanken aus dem Alltag.


_________________
Orpheus
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Orpheus
Geschlecht:männlichSchreiber-Lehrling

Alter: 61
Beiträge: 130
Wohnort: Osnabrück


BeitragVerfasst am: 26.05.2016 08:56    Titel: Antworten mit Zitat

Und selbst Bernd ist zufrieden. Das heißt schon was. Razz

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Orpheus
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 39
Beiträge: 20150

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BeitragVerfasst am: 08.06.2016 07:21    Titel: Antworten mit Zitat

Moin ues,
das gefällt mir, das gefällt mir sogar wahnsinnig gut. Flüssig geschrieben, sprachlich passt jedes Wort, das Bild ist lebendig und das Ende sitzt. Da kann man schon mal mit der Zunge schnalzen. Großartig.
Beste Grüße nach Berlin,
Martin


_________________
Das Leben geht weiter – das tut es immer.
(James Herbert)

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt untergeht, wird die eines Experten sein, der versichert, das sei technisch unmöglich.
(Sir Peter Ustinov)

Der Weise lebt still inmitten der Welt, sein Herz ist ein offener Raum.
(Laotse)
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 99
Beiträge: 1906
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 08.06.2016 16:46    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Da kann man schon mal mit der Zunge schnalzen. Großartig.


Schnalzst du jetzt vor oder nach der Behandlung, Martin? Wink

Für mich bedarf es keiner Änderungen. Ich finde es ausgesprochen gut gelungen - rhythmisch einwandfrei und gerade aufgrund seiner "Detailtreue" dem Erkenntnisprozess gemäß.

M.
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MosesBob
Geschlecht:männlichGehirn²

Administrator
Alter: 39
Beiträge: 20150

Das Goldene Pfand DSFo-Sponsor



BeitragVerfasst am: 09.06.2016 06:57    Titel: Antworten mit Zitat

menetekel hat Folgendes geschrieben:
Schnalzst du jetzt vor oder nach der Behandlung, Martin? Wink

Irgendwas an mir schnalzt, klappert oder zirpt immer. Ich weiß nur noch nicht, wo es herkommt. Laughing


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(James Herbert)

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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 99
Beiträge: 1906
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 10.06.2016 07:03    Titel: Antworten mit Zitat

Nach fünfminütigem Googeln, liebwerter Martin,
kann ich dir jetzt entgegenschmettern:

Wie gut, dass so wenige User an Misophonie leiden!  Razz
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Quadratschädel
Geschlecht:männlichSchreiberling

Alter: 65
Beiträge: 159
Wohnort: Berlin-Ost


BeitragVerfasst am: 10.06.2016 09:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Menetekel

ich lese das als reinen Prosatext, allein aus sprachlicher Sicht. Die Lyrik hat eine eigene Sprache, die sich von der Prosasprache auch im ungereimten Gedicht unterscheidet. Noch nicht gewusst?

Gruß, Quadratschädel
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llll
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 10.06.2016 10:04    Titel: Naiv Antworten mit Zitat

Ich find es sehr schön,
wie so schlichte "kleine" Worte hier treffend skizzieren,
worüber es viele unterschiedlichste Bücher und viele große Worte gibt.....


Nur für die letzte Strophe kleine Veränderungsvorschläge :

 >>> "Ich blieb sitzen,
          schaute dem abfahrenden Bus hinterher
          und frage mich bis heute,
          wieso ich (-) fünfundzwanzig Jahre lang annahm,
          diese Linie brächte mich
          nachhause."<<<
llll
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menetekel
Geschlecht:weiblichDichter und Denker

Alter: 99
Beiträge: 1906
Wohnort: Planet der Frühvergreisten


BeitragVerfasst am: 10.06.2016 17:03    Titel: Antworten mit Zitat

@ Quadratschädel

Zitat:
ich lese das als reinen Prosatext, allein aus sprachlicher Sicht. Die Lyrik hat eine eigene Sprache, die sich von der Prosasprache auch im ungereimten Gedicht unterscheidet. Noch nicht gewusst?

Gruß, Quadratschädel


Tja, meine Liebe,
das ist so ähnlich wie mit den Blankversen. Du scheinst dir ein individuelles theoretisches Gebäude errichtet zu haben, das leider noch keinen Einlass in die gängige Lehrmeinung gefunden hat. Macht aber nix.

Lies einmal Folgendes:

Zitat:
wir waren circa gleich groß damals wir waren gleich groß.
Aber heute, als sie wiederkam nach etlichen Jahren überragte
sie mich, ich war bedrückt. Ich sehe, die Jungen tragen
den schlaffen Rucksack, also der schlaffe Rucksack ist Mode
...

 (Interpunktion nicht von mir!)

Das ist jetzt aber bestimmt Prosa. Oder nicht?
Nein. Lyrik. Mayröcker, Friederike.

Die Merkmale der Lyrik ändern sich (nur nicht bei tradierten Formen, wie beispielweise dem Blankvers).  Razz
Aus germanistischer Sicht gibt es derzeit keine klare Definition, mit Ausnahme von Vers und ggfs. Reim. (Stand 2012)

Zitat:
Noch nicht gewusst?


Lächelnd grüßt dich
M.
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Berni
Geschlecht:männlichNebelpreisträger

Alter: 60
Beiträge: 2176
Wohnort: Südhessen (aus NRW zugelaufen)


BeitragVerfasst am: 10.06.2016 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

Lb. Menetekel Wink ,

ich mag nicht streiten, aber mal ganz abgesehen davon, dass man darüber diskutieren kann, ob Schubladen immer Sinn machen: ich habe ja weiter oben bereits erwähnt, dass ich diesen Text ebenfalls für Prosa halte.

Beim Lesen von Mayröckers Text lese ich doch einen gewissen Rhythmus heraus, und die stilistischen Wiederholungen (gleich groß, schlaffer Rucksack) lassen in meinen Augen eher an Lyrik denken als der Text oben. Da ist Rhythmus doch gar nicht erkennbar und auch keinerlei lyrische Charakteristiken außer der Formatierung. Was ist denn an dem Text Lyrik, möchte ich dich mal fragen? Stünde er als Prosatext formatiert da (wie der von dir eingestellte Text von Mayröcker), niemand käme auf die Idee, daraus Lyrik zu machen. Oder?

Für mich ist das ein guter, interessanter Kurzprosatext.

LG, ein schönes WE und einen guten Start in die EM,
Berni
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llll
Schreiber-Lehrling


Beiträge: 125



BeitragVerfasst am: 10.06.2016 19:09    Titel: Naiv Antworten mit Zitat

Dieses heiß umstrittene Oszillieren dieses Textes zwischen Prosa und Gedicht
ist im Gedicht selbst begründet und realisiert bestens die Spannung :
- Einerseits ist das frappierend Alltägliche buchstäblich "Prosaische" gelungen
ausgedrückt durch die schlichte prosahafte Sprache....
- Andererseits signalisiert die Anordnung in Gedichtform das absolut Besondere, den unsichtbaren Blitz aus heiterem Himmel, die Lebensveränderung, ja man könnte geradezu das vielmissbrauchte Wort Erleuchtung dafür verwenden......
Es wäre ein großer Verlust, wenn es wirklich als Prosa angeordnet würde, der spannende Widerspruch wäre nicht mehr wirksam.
ues wo biste ?
bitte sag was !
llll
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