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Das Leben des ues (KW 5* / 2017)


 

 
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ues
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 47
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 29.01.2017 23:39    Titel: Das Leben des ues (KW 5* / 2017) eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

MONTAG


   19:00 Uhr

Besuche meinen ersten Poetry Slam.



   19:02 Uhr

Springe aus meinem Schneidersitz, knalle mein Berliner Kindl Holunderblüte auf den Boden und brülle in Richtung Bühne: „SPRICH MAL NORMAL, DU BLÖDE SCHLAMPE!!!“

[Und alle so: „Uhhhhhhhhh.“]

Drei ihrer Ex-Freunde stürmen auf mich los und polieren mir die Fresse.

[Und alle so: „Ahhhhhhhhh.“]

Das … war aber auch das … einzig Echte an … diesem Abend.
Das, und meine drei blauen Augen.



   19:23 Uhr

Noch auf dem Weg in die Notaufnahme bin ich schon wieder versöhnlich gestimmt mit der Veranstaltung.
Zücke mein iPhone und google, wann und wo der nächste Slam in Berlin stattfindet.
#schmerzbelebt





DIENSTAG


   19:50 Uhr

Gedenke, mir einen trendy Salat zuzubereiten.

Entsteine Avocado.
Öffne Dose mit Palmherzen.
Wasche eine Gurke.

Merke: Letzteres fühlt sich irgendwie … falsch an.



   22:10 Uhr

Es gibt so Tage, an denen ich ehrlich befürchte, langsam verrückt zu werden.
Da bereite ich mir dann eben trendy Salate zu, halte für Radfahrer oder appelliere an die Vernunft einzelner Menschen.





MITTWOCH


   12:44 Uhr

Als Dichter – erkläre ich meiner Kollegin – werde ich oft gefragt, was wäre, hätte ich nur noch einen Vers zu leben.
Ich antworte dann immer – führe ich fort –, auf diese Vorstellung könne ich mir keinen (haha) Reim machen.



   18:05 Uhr

Meine Kollegin vertraut mir an, meinen Witz von heute Mittag nicht verstanden zu haben.
Ich nicke.



   18:28 Uhr

Wenn schon beruflich den ganzen Tag mit Menschen zu tun haben, dann im nächsten Leben bitte als Pathologe.





DONNERSTAG


   22:00 Uhr

Komme gerade von meiner ersten Ü-30-Party.

Was soll ich sagen?

Nette Leute.
Tolle Musik.
Super Stimmung.










Doch, ehrlich.





FREITAG


   22:55 Uhr

Telefoniere mit meinem besten Freund Jochen.
Jochen fragt, ob es mich eigentlich belaste, keine Freunde zu besitzen.



   23:00 Uhr

Notiere: Das Leben ist ein Scheiß gegen meins.



   23:05 Uhr

Beschließe, mir ein Ekzem wachsen zu lassen, es Jochens Mudda zu taufen und mich stattdessen mit diesem anzufreunden.





SAMSTAG


   0:00 – 23:59 Uhr

Verbringe den kompletten Samstag im Bett. Aus Gründen.





SONNTAG


   9:09 Uhr

Besuche die Gebeine meiner Oma mütterlicherseits auf dem Friedhof.
Meine Oma mütterlicherseits war keine sehr nette Oma.
Genau genommen war meine Oma mütterlicherseits sogar eine echte Arschloch-Oma-mütterlicherseits.

Doch der Friedhof ist wirklich sehr hübsch. Und top gepflegt. Daumen hoch.

Außerdem halte ich immer gern Ausschau nach Beerdigungen.
Findet eine statt, mische ich mich heimlich unter die Trauergemeinde und heul drauf los.
Bieten Beerdigungen dem heterosexuellen Mann doch die einzige Gelegenheit, öffentlich zu flennen, ohne entweder an Verwegenheit einzubüßen oder die Bekanntschaft abscheulich empathischer Personen zu machen.





*antizipatorische Fähigkeiten



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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 913
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 06.02.2017 18:26    Titel: Antworten mit Zitat

Gefällt mir gut!
Obwohl es so Tagebuch/Notizen - artig daherkommt, wirkt es frisch, echt und herrlich bissig, auf eine selbstironische und wunderbar bodenständige Art. Ganz ohne Beschreibung etwaiger Äußerlichkeiten habe ich ein Bild deines Erzählers vor Augen und kann mir seine zwischen Selbstgefälligkeit und Selbsternüchterung schwankende Miene ausmalen.
Ein Misanthrop, der auch sich selbst nicht leiden kann. Ist mir symphatisch, ob er nun will oder nicht, und bei den Themen Alienaugen, zu waschende Gurke, trendy Salate (sag mal wohnst du im schönen p-berg?), zu pflegendes Jochen-Ekzem, der Wahl zwischen dem Einbüßen von Verwegenheit oder der Bekanntschaft mit abscheulich empathischen Personen hätte ich beinahe Tränen gelacht, wäre ich nicht so ein abscheulich verdrossener Zeitgenosse. lol2
Ich würde weiterlesen, mich vielleicht irgendwann langweilen, ziemlich sicher irgendwann melancholisch werden und dann auf einer Beerdigung aufkreuzen.
Bis hierhin hatte ich aber meinen Spaß, danke dafür

diana
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James Blond
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 66
Beiträge: 469
Wohnort: HAMBURG


BeitragVerfasst am: 13.02.2017 13:54    Titel: Antworten mit Zitat

Äußerst erfrischend und amüsant zu lesen!

Hervorhebenswert scheint mir darüber hinaus der sparsame Umgang mit Worten. Welch angenehmer Kontrast zu den üblichen Wortinflationsblasen hier. So verstreicht die Woche flott und noch die Sonntagsgebeine von Arschloch-Omi auf dem gepflegten Friedhof passen ins Bild.

Das Fremdgehen auf Beerdigungen zum ungestörten Abheulen ist allerdings geklaut, ich überlege noch, woher.

Große Zustimmung übrigens zur Abscheulichkeit der Empathie. Es gibt nichts Widerwärtigeres, Hinterfotzigeres als Empathie: Sie nützt dem, der sie zeigt und schadet ihren Opfern. Probates Mittel, um sich mit Menschlichkeit zu duschen, ohne dafür zu zahlen oder aber, um noch raffiniertere Foltermethoden auszutüfteln.
 Laughing
Liebe Grüße
JB
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BlueNote
Geschlecht:männlichStimme der Vernunft


Beiträge: 6891
Wohnort: NBY
Ei 4



BeitragVerfasst am: 13.02.2017 14:05    Titel: Antworten mit Zitat

Witzig! Mir aber zu literaturfern. Mehr was für ne Schülerzeitung, oder so ...
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d.frank
Geschlecht:weiblichAutor

Alter: 40
Beiträge: 913
Wohnort: berlin


BeitragVerfasst am: 13.02.2017 18:12    Titel: Antworten mit Zitat

@James Blond

Ich glaube, das ist aus Fightclub von Chuck Palahniuk
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ues
Geschlecht:männlichSchreiberassi


Beiträge: 47
Wohnort: Berlin


BeitragVerfasst am: 14.02.2017 02:47    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hui, hier ist ja richtig was los! Entschuldigt bitte mein verzögertes Erscheinen. Rolling Eyes

Aber der Reihe nach ...

@diana

Wow, danke! Freue mich sehr über deinen tollen (und nicht minder unterhaltsamen!) Kommentar.
Zwischen Selbstgefälligkeit und Selbsternüchterung schwankende Miene, schreibst du, und triffst damit - werfe ich einen raschen Blick in den Spiegel - wohl ins Schwarze. Ich würde es übrigens so forrmulieren: Schätze, du darfst ruhig alle Menschen hassen, wenn du auch dich selbst, äh, über dich selbst, so, lachen kannst. Ja.
Und um Gottes Willen, nein - Prenzberg ist Feindesland! Schlimm genug, dass da Busse und Bahnen durchfahren, in denen man schon mal sitzt. Very Happy

Lieben Gruß dir



@James

Danke dir!

Und scheiße, ja ... Das Fremdgehen auf Beerdigungen müsste tatsächlich aus Palahniuks Fight Club sein. Diana wird recht haben. Ich erinnere mich vage. Ich schwöre, ich hatte das zum Zeitpunkt des Schreibens echt nicht parat! Wie unangenehm. Sollte ich streichen.

Grüße



@BlueNote

Literaturfern? Stimmt. Schülerzeitung? Nee.

Dank & Gruß


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James Blond
Geschlecht:männlichHobbyautor

Alter: 66
Beiträge: 469
Wohnort: HAMBURG


BeitragVerfasst am: 14.02.2017 09:01    Titel: Antworten mit Zitat

Kleiner Nachtrag:

Wenn literaturfern, dann Literaturforum! wink

Beerdigungstourismus:

Bin mir nicht so sicher: Ging es bei Fighting Club nicht um Selbsthilfegruppen?

Erinnere mich noch an den Film  "Restless", wo ein Jugendlicher sich im schwarzen Anzug auf Beerdigungen herumtreibt und an den Klassiker "Harold and Maude", in dem sich die Protagonisten aufgrund der entsprechenden Vorliebe auf einer Beerdigung kennenlernen.

Aber es gibt vermutlich auch noch andere Werke.

Grüße
JB
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Pickman
Geschlecht:männlichAutor

Alter: 52
Beiträge: 534
Wohnort: Diaspora


BeitragVerfasst am: 27.02.2017 08:30    Titel: Antworten mit Zitat

Literatur - was mag das sein? Für mich gehört auch die Gebrauchsanleitung meines Toasters dazu.

Ues' Text ist recht kurzweilig, und das ist häufig genug das einzige, was ich in einer Lektüresituation verlange.

Dass auch andere Autoren es für angezeigt halten, ihre Protas fremde Beerdigungen besuchen zu lassen, halte ich für unproblematisch. Es sollte allerdings einen nachvollziehbaren Grund für diesen Zeitvertreib geben. Wenn dem Held zum Heulen ist - warum ist das so? Die vorhergehenden Tage liefern eine ganze Reihe guter Gründe. "Montag war scheiße, Dienstag auch usw., daraufhin musste ich am Sonntag erstmal zum Flennen auf den Friedhof" - das könnte das Muster sein. Was mich im vorliegenden Text stört, ist der Hinweis auf die Regelmäßigkeit dieses Treibens ("immer"). Er passt nicht zum Tagebuchcharakter des Textes und nimmt einiges von der Leichtigkeit der Lektüre. Ich möchte mir in solchen Texten nicht merken müssen, was die Gewohnheiten des Protas sind.
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Constantine
Geschlecht:männlichNebelpreisträger


Beiträge: 2765

Goldener Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 27.02.2017 22:16    Titel: Re: Das Leben des ues (KW 5* / 2017) Antworten mit Zitat

Hallo ues,

ein kurzes Feedback, in der Hoffnung deine mehrwöchige Forumabstinenz währt nicht lange.

Für mich liest sich dein Text eher wie Blog-Einträge oder wie auf Twitter denn wie aus einem Tagebuch.
Der Ton gefällt mir, die Umsetzung weniger. Was für mich mislungen ist, ist dein Sonntag. Im Vergleich zu den anderen Einträgen, fällt er ziemlich aus dem Rahmen und wird mir zu geschwätzig. Da liesse sich einiges kürzen/trimmen und der Sonntag mehr auf die Spur bringen:

ues hat Folgendes geschrieben:



SONNTAG


   9:09 Uhr

Besuche die Gebeine meiner Oma mütterlicherseits auf dem Friedhof.
Meine Oma mütterlicherseits war keine sehr nette Oma.
Genau genommen war meine Oma mütterlicherseits sogar eine echte Arschloch-Oma-mütterlicherseits.

Doch der Friedhof ist wirklich sehr hübsch. Und top gepflegt. Daumen hoch.

Außerdem halte ich immer gern Ausschau nach Beerdigungen.
Findet eine statt, mische ich mich heimlich unter die Trauergemeinde und heul drauf los.
Bieten Beerdigungen dem heterosexuellen Mann doch die einzige Gelegenheit, öffentlich zu flennen, ohne entweder an Verwegenheit einzubüßen oder die Bekanntschaft abscheulich empathischer Personen zu machen.


Wenn du hier eine chronologische Zeitlinie wie bei den anderen Einträgen einbaust und das Gedachte als Erlebtes auffächerst, sprich: als Handlung verfasst, würde es mMn besser zum Gesamttext passen.

LG Constantine
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