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Schwertzeit - Frischaufsatz


 

 
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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 24.03.2013 15:12    Titel: Schwertzeit - Frischaufsatz eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schwertzeit
1. Teil -Ein Fels der Ordnung;

Weit im Norden des Menschenreiches lagen die Herzlande eingepfercht im Relief des Kontinents.
Der späte Tag war nur ein grauer Schleier am Horizont. Ein kühler Nieselregen hüllte die Befestigungsanlagen unter Marcils nackten Füßen und Gorlevs schweren Soldatenstiefeln neben ihm in einen matten Schimmer.
Dunkelheit fraß ohne Pause die trostlose Stromebene des großen Flusses unter ihnen. Mit einer Hand auf die Brustwehr abgestützt, blickte Marcil hinab:
Wetterleuchten erhellte den Bauch der Wolkengebirge am Himmel und die Konturen des Herzlandes an der Erde, sodass er in der Ferne die feindlichen Kriegsbanner ausmachen konnte. Dort leuchteten auch die Lagerfeuer der Soldaten des Königs in respektvoller Entfernung, aber kein Laut drang von der in den schlammigen Senken versammelten Streitmacht herüber.
Aber so hoch über dem Abgrund boten die uneinnehmbaren Mauern mehr Schutz als jedes Gebet, das Marcil kannte. Schutz vor Pfeilen oder Belagerungswaffen-falls diese armselige Kriegsschar überhaupt schweres Gerät auffuhr.
Jedes Frühjahr weichte der wochenlang anhaltende Regen nämlich alle Straßen der Umgebung auf. Dann gelang es nicht einmal den fahrenden Händlern und Spielern, mit ihren Wagen bis in die Reichshauptstadt Galderan im Westen zu gelangen. Eigentlich die ungeeignetste Jahreszeit, einen Krieg zu beginnen, vom Winter einmal abgesehen.
So weit Marcil sich beim Grübeln auch in seinen Fellmantel zurückzog, Feuchtigkeit und Kälte schienen doch immer einen Weg bis an seine runzlige Haut zu finden. Jede Berührung mit dem kratzigen Stoff zeigte ihm außerdem, dass das Alter ihn empfindlich machte.
Gorlev hingegen, jung und kräftig gebaut, schien sich nicht am Regen zu stören. Er ließ seinen ruhelosen Blick über die Reihen des Feindes wandern. Dabei suchte er nach dem Rabenbanner, einem Krähenvogel auf olivgrünem Grund. Dem Zeichen des gerademal zarte vierzehn Jahre zählenden Monarchen.
„Der König zeigt seine Milchzähne“, knurrte Gorlev mehr zu sich selbst als zu Marcil. Der Geistliche hörte keinen Spott, obwohl seine Worte ihn vermuten ließen.
Tatsächlich war ein Kind ausgezogen, um diesen heiligen Ort zu bedrohen. Marcil hatte viel gelesen, in den Bibliotheken dreier Provinzen recherchiert und befreundete Abenteurer schickten dem Geistlichen für ein handsigniertes Gebetsbuch so manchen Schatz der Literatur. Deshalb wusste er, dass das, was man sich unter den Menschen im Reich erzählte, die Wahrheit darstellte:
Hier, am Fuße des Rokdal-Massivs am nördlichen Rand der Herzlande schmiegten sich die Festungsanlagen an einen mächtigen Felsriesen. Und von hier aus regierten die Infanten der Kirche heute die gesamte gläubige Welt, denn dies war seit Urzeiten der Nabel der Welt, wo Himmel und Erde sich berührten. Natürlich suchte die Kirche in diesen Tagen genau hier den Schutz ihres Gottes Bijarr.
„Der König kann die aptische Kirche nicht zu Fall bringen“, verkündigte Marcil bestimmt. Er stellte sich vor, wie der himmlische Herr seine Hand nach ihm ausstreckte. Das erste Mal seit vielen Tagen fühlte er sich ihm wieder nah.
„Nun“, meinte Gorlev mit Verdrossenheit, „Wenigstens hat unser Herr und Beschützer dem König schon einmal einen besonders schwachsinnigen Feldmarschall geschickt. Ich kenne den Kerl noch aus früheren Zeiten.“
Der Mann in Marcils Begleitung war in gewissem Sinne ein Verteidiger der Kirche, so wie er selbst es im Geiste war. Gorlev entstammte dem Geschlecht derer von Arken und verfügte über den militärischen Oberbefehl in dieser beispiellosen Festung als erster Kommandant der aptischen Garde.
Jene Familie von Arken hatte seit jeher vorzügliche Kämpfer und Taktiker hervorgebracht. Gorlev vereinte alle Vorzüge eines tapferen Mannes im Körper eines Bilderbuchsoldaten, den man in die Wirklichkeit gezeichnet hatte.
Doch im Grunde war er eine Marionette mit einigen angerissenen Fäden. Ihm oblag ausschließlich, die Truppen der Kirche in die Schlacht zu führen. So würde ausgerechnet er nichts davon erfahren, aus welchem Grund der König es wagte, einen Jahrhunderte alten Landfrieden zu brechen, warum die Kirche sich in diesem finsteren Gemäuer verkroch und die Ordnung von Jahrhunderten in nicht ferner Zukunft auf immer zusammenzubrechen drohte.
Dass ihm diese Tatsache gehörig gegen den Strich ging, merkte Marcil seiner Laune in den letzten Stunden an.
Der Geistliche kehrte erneut in sich. Dem kalten Wind konnte er so jedoch nicht entfliehen, ebenso wenig wie diesem wetterumtosten Ort. Er beobachtete interessiert jede Regung des Gardekommandanten, bis dieser wieder das Schweigen brach:
„So sehen also Land- und Gemeinschaftsfrieden auf Seiten der Krone und der Kirche aus! Seid behütet vom Fels der Ordnung in der Brandung des Chaos“, rezitierte der Soldat mit missmutigem Unterton eine religiöse Schrift, wie sie auch die Ritter der Kirche in ihrer Ausbildung aufgezwungen bekamen. Nun verteidigte er die Grundmauern dieses Felsens, anstatt in seinem Schutz zu kauern.
Marcil hätte am liebsten bitter aufgelacht. Ordnung! Von wegen.
Im Gegenteil schien die Ordnung jene Institution, welche sich gerade hinter Festungsmauern verbarg und an die er vor fast vierundsechzig Jahren sein Vertrauen gehängt hatte, endgültig verlassen zu haben.
Unheilvolle Macht schwoll weiter an, er glaubte ihr Pulsieren in jeder Fuge dieses Bauwerks zu spüren. Die Kirchenfürsten stellten seit dem Ende der imperialen Zeit schon keine in sich vorbildliche Gemeinschaft mehr dar. Arroganz und fehlende Tugend hatten Marcils Kirche bis aufs geistige Mark verdorben und ins Chaos gestürzt, ja sogar mit der Welt in Konflikt gebracht. Reichtum und Pracht des Klerus hatten die Kirche mit all ihren gewaltigen Täuschungen stark im Diesseits, aber schwach vor ihrem Gott gemacht.
Ihre heiligste Versammlung drohte, dieses Mal unfähig zu sein, wichtigste Entscheidungen zu bewerten, denn das Gewissen der Gläubigen war von ihnen allen gewichen, dachte Marcil wehmütig.
Dabei entschied das Konklave über Gedeih und Verderb ganzer Völker. Da Marcil sich auf soldatische Ironie verstand, pflichtete er Gorlev mit einem Kopfnicken bei.
Gibt es denn niemandem zu denken, dass zuvor es nicht einmal ein König gewagt hätte, diesen Rat in Frage gestellt hat, fragte Marcil sich mit einem Anflug von Verzweiflung. Und nun stand ein vierzehnjähriger Monarch vor ihren Toren.
Gorlev indes schritt nachdenklich in seinen eisenbeschlagenen Stiefeln den breiten Wehrgang in Richtung der gigantischen Sakralbauten ab. Der Versammlungssaal des aptischen Konklaves ruhte dort herrschaftlich auf einem gewaltigen Felsen. Gekrönt wurde das überirdische Bauwerk von einer Kuppel, um welche sich vier prächtige Türme anmaßend weit in den Himmel bohrten wie um die Wolken aufzuschlitzen. Die Wehrgänge verbreiterten sich vor ihnen immer weiter, mündeten in aneinandergereihten Basteien und wurden schließlich von mehreren Terrassen überlagert, über die Marcil dem Gardekommandanten nacheilte. Gorlev hielt mit sich Kriegsrat über die von Osten nahende Streitmacht:
„Zweihundert Männer aus der Hausmacht des Königs, dazu fünfhundertdreiundsechzig gelistete Rekruten aus den Stadtwachen und Bauernschaften rund um Galderan. Außerdem ließ er zweihundertsiebenundfünfzig leichte Söldner aus Nodorien unterm Rabenbanner anwerben, Wilde also.“
Er blieb stehen und wandte sich zu Marcil. Wenn Gorlev sprach, blinkten seine Zähne in seinem scharf geschnittenen Gesicht wie zwei Reihen Schachfiguren und zahlreiche verschorfte Kratzer aus den Übungskämpfen zuckten auf Wangen und Stirn umher.
Nach einer gewichtigen Pause fuhr er fort:
„Vermutlich werden ihre Vorräte für zweieinhalb Monate reichen, danach muss der Marschall des Königs sehen, wo seine Männer bleiben.“
Nun verzog Marcil anerkennend die Lippen. Er kannte den Kommandanten als scharfsinnig, wunderte sich aber über seine akribisch genaue Abschätzung. Allerdings verstand er auch rein gar nichts von der Kriegsführung.
„Die Inquisition hat mir diese Informationen zukommen lassen“, verriet der Soldat gleich darauf. „Fragt besser nicht, woher sie sie haben, Ehrwürdiger.“
„So, so“, murmelte der Geistliche, worauf er sich auf einen stummen Wink Gorlevs zur Innenseite der Mauer umkehrte.
Wieder einmal zeigte die Kirche, dass sie ein glühender Heißsporn war und voller Verachtung gegenüber den Drohungen eines Potentaten.
Sie sahen durch den Regenvorhang wie durch ein Gewirr silbriger Fäden hinunter in die Anlagen zwischen den großen Wällen, dann auf die Landschaft jenseits der Mauer.
Davor hatte man mehrere Schutzgräben hintereinander gezogen, sodass die Verteidigungslinie schon wie ein Schlachtfeld aus Morast aussah. Innerhalb jedoch türmten sich die Gebäude inmitten der zu Statuen geformten Felsen stockwerkhoch, ineinander, übereinander und aneinander gezwängt, verbunden durch Brücken oder kleine Aquädukte. Zwischen kleinen und großen Tempeln, Küchen- und Versorgungs-, sowie Gästehäusern und Gardeunterkünften führten in den Fels geschlagene Gassen bis zu den Gebäuden des Konklave, kaum überschaubar, geradezu wie ein Irrgarten. Es wirkte, als wäre sie von tausenden Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Architektur erbaut.
Diese im unwirklichen Grau versinkende Stadt des Glaubens schloss an diesem Tage wohl das erste Mal seit Jahrhunderten die Torflügel vor einer Belagerung.
Direkt unter Marcil mündeten die vielen kleinen Gassen auf einen gepflasterten Platz.
Dort wiederum blitzte Metall in den letzten Sonnenstrahlen auf. Ein Klirren und Scheppern dröhnte bei jedem gemeinsamen Schritt der Krieger, welche vollgerüstet unter einem weiß-goldenen Banner zu einem schaurigen Takt aufmarschierten. Die drei stilisierten goldenen Flammen auf wehenden Standarten schienen mit einem Mal drohend aufzulodern, obwohl sie aus Seide waren. Darunter bewegten sich die Söldner des mit der heiligen Inquisition betrauten Drei-Flammen Ordens träge in ihren Panzerrungen, mit kalten Herzen in der Brust.
Wenigstens unterstehen die skrupellosesten Kämpfer des Menschenreiches in diesem Moment einem Mann mit Vernunft, da Gorlevs unbestrittene Autorität über der dieses und anderer Orden steht, dachte Marcil.
Er glaubte gerade, den Blutdurst dieser menschlichen Kampfmaschinen mit ihren mörderischen Kriegshämmern wittern zu können. Schließlich sah er von Ekel erfüllt zu seinem Begleiter.
„Wird es eine Schlacht geben?“, fragte er vorsichtig-Die Vorstellung toter, zerschmetterter Körper behagte ihm ganz und gar nicht.
„Kann ich nicht sagen“, gab Gorlev kühl zurück. Wahrscheinlich zählte er die zur Verfügung stehenden Krieger. Einige Männer der Inquisitionen brüllten unten Befehle, das Schnauben von Pferden drang herüber.
Er will seinem König nicht entgegentreten, dachte Marcil. Ein Soldat, welcher sich vor seinem eigenen Herrscher verbarrikadierte, beging Verrat, egal ob er nun der Kirche diente oder nicht. Ihm wurde klar, wie hin- und hergerissen Gorlev sein musste.
Marcil wollte trotzdem nicht an der Treue dieses Mannes zweifeln. Seine inneren Auseinandersetzungen würde Gorlev in seinem Kopf austragen und schließlich würde der Glaube obsiegen. Dieser Soldat handelte nicht als gewissenloser Söldner, sondern als jemand, auf dessen Wort man sich verlassen konnte.
„Heute Abend wird das Konklave die Ratsversammlung einberufen“, überlegte der Gardekommandant, „Wenn wir innerhalb der nächsten zwölf oder vierundzwanzig Stunden keinen Kontakt mit dem König aufnehmen, werden die Geduldsfäden seiner hitzigen Berater reißen. Ihre Männer werden gegen die Mauern schwämmen und ich werde sie mit meinen und den Truppen der Inquisition vernichten müssen, wenn das Konklave nachher auch noch die falsche Entscheidung fällt.“
Marcil schluckte, als ihm schlagartig die auf seinen schmalen Schultern lastende Verantwortung bewusst wurde. Als Tahertan und damit erfahrenster Jurist der Kirche hatte er eigentlich für die rechtliche Anfechtung oder Absicherung solcher Entscheidungen zu sorgen. Er wählte zwischen Frieden und Krieg.
Und nun erinnerte Gorlev ihn auch noch zu allem Überfluss daran:
„Ihr habt einen weiten Weg hinter Euch bis zu dieser Festung, sodass Euch viel Zeit zum Nachdenken bereit stand. Ihr seid oberster Rechtsgelehrter des Konklaves, nur unseren Göttern verpflichtet. Welche Pläne hat die heilige Versammlung, dass unser Herrscher im Frühjahr dem eine Armee entgegen stellt? Wer unter den Geistlichen widersetzt sich Eurem Urteil, dass ich diese Festung gegen meinen eigenen König verteidigen muss?“
Beinahe hätte Marcil die Versuchung überwältigt, einen Soldaten in die hochmütigen Pläne der Inquisition einzuweihen. Gorlev würde mir zuhören, mich aber nicht verstehen, kalkulierte Marcil und schämte sich sofort für diesen Anflug von Schwäche.
„Bei Bijarr“, sagte er, „Die Rechtslehre der Tahertik erweist sich nur allzu oft als undankbare Kunst, mein Sohn.“
Neue, innere Unruhe schlich sich in Marcils Gemüt, er wollte nicht über seine Aufgaben im Konklave sprechen. Manche von ihnen wogen nämlich so schwer, dass er das Versagen seiner Persönlichkeit fürchtete und Schuldbewusstsein an ihm nagte. Unberechtigterweise, wie er sich einredete, schließlich hatte nicht er den Zorn des Königs auf die Kirche gezogen.
„Falls ihr einen Kampf gegen den aufgebrachten König“, sprach Marcil und seine Stimme fiel ein wenig in das Zappeln seines Körpers mit ein, „nicht verantworten wollt, steht es in Eurer Macht, die Tore zu öffnen. Dann allerdings wird die Inquisition ein schreckliches Blutbad anrichten, bei dem Ihr das erste Opfer seid.“
Wie lächerlich seine heisere Stimme auf den fast zwei Haupteslängen höher gewachsenen Gardekommandanten wirken musste. Tatsächlich aber nickte Gorlev als er begriff, dass die Geschehnisse im Konklave eben nicht in seiner Macht standen.
Marcil versuchte währenddessen verzweifelt, sich zu beruhigen, obwohl sich der Inhalt seiner Magengrube unangenehm zusammenzog. In seinem Kopf tobten die Gedanken umher, ein riesiger Uhrenzeiger tickte zur Untermalung in seinen Hirnwindungen.
Und plötzlich war da diese kaum wahrnehmbare Veränderung in Gorlevs Gesichtsausdruck. Der normale Anklang von Strenge darin kräuselte sich zu annähernd hasserfüllten Zügen, dann funkelte er Marcil boshaft an.
„Ich biete Euch meine Hilfe an“, knurrte er mit verhohlener Wut, Regen lief ihm die Stirn herunter und tropfte auf den Boden. Dann forderte er leise:
„Erzählt mir alles. Gewiss habt gerade Ihr am Wenigsten zu verlieren. Womit hat Euch die Inquisition gedroht, falls Ihr Euch heute Nacht ihrer Macht entgegen stellt?“

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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 24.03.2013 15:16    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

2. Teil-Drei Tage zuvor
Auf dem Marsch gen Norden zur Festung in den Herzlanden erinnerte Marcil sich besonders an den Gestank im Lager. Die Ausdünstungen zahlloser Menschen bei der Rast, ihrer Tiere und Exkremente, wehten gleichsam zu den Zelten der reisenden Oberschicht wie auch zu den selbst errichteten Behausungen der Söldner und des einfachen Begleitvolks herüber.
An drei von vier Tagen nach ihrem Aufbruch von Burg Luvain im Norden der Königssümpfe hatte es wie aus Kübeln gegossen, sodass Marcil während seiner Streifzüge durchs Lager mehrmals gestürzt war.
Wie durch ein Wunder verletzte er sich dabei trotz seines Alters nicht ernsthaft. Dieser Umstand erweckte eine leise Hoffnung in ihm, Bijarr würde ihn doch noch zu bedeutenderen Aufgaben benötigen.
Wenn er jedoch auf dem Hügel stand und in die schmutzig-braunen Wiesen, welche nur sporadisch von wild wuchernden Wäldchen mit niedrigen Bäumen unterbrochen wurden, überblickte, wurde dieser Hauch einer übernatürlichen Perspektive aus ihm herausgesogen, um Verbitterung zu weichen.
Zwischen den Zelten der Kirchenmänner, dieser grotesk geformten Stadt, verliefen die bevorzugten Routen des Tahertan. In Begleitung seines alten Freundes Bartolomé, verbrachte er hier die Zeit des Wartens, um Pläne zu schmieden und Gespräche zu führen.
Die Trampelpfade durch das vollgesogene Grün waren bis auf die Söldner der Kirche völlig leergefegt. Blätter, Überbleibsel des letzten Herbstes klebten an den bunten Stoffbahnen.
Schwärme von Insekten machten die raue Gegend um das gewaltige Marschlager noch unsympathischer. Marcil war Bijarr dankbar für jede Faser seiner neuen Fellkleidung.
Am ersten Tag in den Herzlanden waren sie noch einigen Händlern begegnet, Stammesangehörigen der Völker aus dem Norden, begegnet. Sie waren die einzigen, die zu dieser Zeit den Weg nach Galderan auf sich nahmen, das aber auch nur zu Fuß und meist ohne hinderliches Schuhwerk.
Sie alle brachten dem Fußvolk beunruhigende Neuigkeiten, doch mit dem reisenden Klerus wechselten sie kein Wort, außer über die Preise für Blutschmuck aus Bernstein und Felle.
Die Inquisition jedoch zog ihre Informationen aus jeder Quelle, die dieses unedle, aber doch wertvolle Wasser sprudeln ließ. So erfuhr Marcil von einem seiner Vertrauten, dass die Zeichen im Reich auf Krieg standen, auch auf dem noch vor ihnen liegendem Weg konnte ihnen Unheil drohen.
In den letzten zwei Tagen galt es deshalb, den Nabel der Welt vor den Truppen des Kindskönigs und seinen Vasallen zu erreichen.
Dabei bildete der bewaffnete Teil ihres Trosses selbst schon beinahe eine Armee. Der gesamte Ostflügel des Lagers war überdeckt von den Zelten der Inquisition, die jetzt nicht mehr blütenweiß, sondern mit Schlamm und Schmutz bespritzt waren.
„Warum hat der Ehrwürdige Ignatio Euch ausgerechnet hierher zum Treffen rufen lassen?“, fragte Bartolomé ihn zweifelnd, als sie sich an miefenden, eisernen Leibern vorbeipressten.
Niemand schien sich um die beiden alten Männer zu scheren, doch sie suchten trotzdem die Deckung von Latrinenhäuschen und Bergen von Gerümpel.
Auf dem Boden lag bei zersplitterten Kisten und durchgeweichten Säcken das wertvollste Porzellan verteilt, so sicher war man sich der abschreckenden Wirkung der Wachmannschaften gegen jeden Dieb der Gegend. So glich momentan die gesamte Umgebung einer riesigen, bewohnten Müllhalde.
„Ich habe ihn hierher rufen lassen“, quittierte Tahertan Marcil seinen Begleiter. Er versicherte sich befriedigt, dass ihn in diesem Aufzug niemand erkennen konnte, der sein Äußeres nicht zuvor eingehend studiert hatte.
Über ihnen zog ein Schwarm Krähen ihre Kreise - Marcil glaubte den Himmel voller böser Vorzeichen - zerfetzte Wolken und dazu die kalte, feuchte Luft. Womit er nichts Geringeres als Häresie betrieb, doch das interessierte ihn wenig, bedachte er das Ziel ihrer Reise.
Sie traten über die Reste einer zusammengefallenen Feldküche, wo ihnen noch Essensgerüchte entgegenwehten und näherten sich einem Ring aus verdreckten Prachtkutschen, die auf ihre morgige Abreise zu warten schienen.
In diesem Moment erstarkte der Regen, Bartolomé fluchte zurückhaltend, Marcil jedoch ging zielstrebig durch die Rauchfahne eines Lagerfeuers. Die darum versammelten Soldaten beachteten ihn gar nicht, denn anscheinend stritten sie um irgendetwas und fluchten sogleich über den Regenguss. Offenbar reizte sie die ganze Unternehmung bis aufs Blut.
Marcils Schuhe sanken mit einem schmatzenden Geräusch ein, worauf er einen Moment aushielt und lauschte. Die Himmelsflut verfälschte jedoch alle Geräusche und das Gebrüll der Söldner im Lager drang gedämpft herüber.
Sie duckten sich vor einen verlassenen Kutschbock, um aus dem Sichtfeld des inneren Rings zu treten. Ein paar Ratten flohen unter einen Bretterstapel. Bartolomé erschrak heftig erst wegen der Nager, dann wegen eines Schattens unter dem linken Vorderrad einer großen Kutsche. Auf ihren Vorhängen flossen die wohlgeformten Symbole der Inquisition im Wind, im totalen Kontrast dazu stand jedoch der eingequetschte Körper im Dreck.
„Eine Leiche! Das Gesicht am Boden, Bijarr kann ihn nicht sehen“, klagte Bartolomé allzu laut. Marcil indes versicherte sich, dass dieser junge Mann schon mehrere Stunden dort lag. An einem Arm trug er noch eiserne Schienen, matt wie der Tod selbst und der Körper stank. Alles verwest und versinkt; dieser Ort ist von Unheil belegt, dachte Marcil - und plötzlich:
„Der Gang zur Erde ist etwas Besonderes für Männer, die sich unbesiegbar und reich besoldet fühlen…“ Woher kam diese Stimme? Sie wirbelten herum, hoben ohne rechtes Ziel die Fäuste, in einer davon hielt Marcil sein großes Messer, das er immer unter seiner Kleidung versteckte. Darauf zeigte sich der Mann, der gesprochen hatte.
Sein Rumpf war eng verhüllt von weißem Leder, er trug die weißen Stiefel einer Kirchentruppe und eine Kapuze, die sein Gesicht nur wenig vor dem Regen schützte. Als er sich verbeugte, blitzten fleischige Lippen darunter hervor. Ansonsten sah er eher jungenhaft aus als männlich.
„Ich bringe Euch zu dem ehrwürdigen Ordensschöffen Ignatio, Ehrwürdige Tahertan Marcil und Schöffe Bartolomé aus Sin’t.“ Anstatt sich gemäß seinem Rang noch einmal zu verbeugen, bedeutete er ihnen durch Gesten Schweigen.
Widerstrebend folgten sie dem Fremden einige Meter an den Kutschen und den Rückwänden zweier Zelte vorbei, wo sie noch weitere Angehörige der Inquisition entdeckten.
Sie warteten in finsteren Ecken, die Gesichter abgewandt und gingen ihnen hinterher, nachdem die Geistlichen sie passiert hatten oder stellten sich in die Gegenrichtung auf wie Wachen. Es gab kein zurück.
„Das ist eine Falle!“ Bartolomé gelang es kaum noch zu flüstern, doch wenn Marcil sich ihre allesamt sehr jungen Bewacher ansah, kam er zu einem anderen Schluss:
„Ignatio hat gute Beziehungen zum Orden und sucht sich seine Diener selbst aus.“ –Bei Bijarr, hoffentlich-fügte er für sich hinzu. Der Himmel schwärzte sich inzwischen vor schweren Wolken. Krähengeschrei.

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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 24.03.2013 15:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zwischendurch ein Wort ans Forum - Ich hoffe, dass die Administration mir den neuen Thread verzeiht, aber der alte war noch immer für nicht registrierte oder relativ neue Nutzer geschlossen. Außerdem litt die Übersichtlichkeit sehr an all den verschiedenen Versionen und Kommentaren - ich will diese aber auch nicht löschen lassen, da sich viele Mitglieder hier sehr viel hilfreiche Mühe für mich gemacht haben  Embarassed

Ich hoffe, dass diese Geschichte jetzt ein bisschen an Chronologie gewinnt und vielleicht auch an Aufmerksamkeit. Da dies erst mein zweiter Beitrag im Prosa-Forum ist, hoffe ich auch, dass man ihn so stehen lassen kann.

Liebe Grüße an die literarische Gemeinde
Uther Pendragon


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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 24.03.2013 15:33    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

3. Teil - Der Preis der Wahrheit
Wie Marcil erwartet hatte, endete ihr Weg bald. Sie befanden sich in einer Sackgasse, zur linken und rechten Seite türmte sich der Lagerschutt zu kleinen Bergen, dazwischen war eine Kutsche des Ordens eingeklemmt wie eine Barrikade. Bis auf die Stimmen des Regens war alles ganz still und einsam, obwohl sie sich etwa im Zentrum des gewaltigen Feldlagers befanden.
Einer ihrer Bewacher öffnete die Seitentür der Kutsche mit einem sandigen Quietschen. Dahinter lag ein großer, durch Vorhänge abgedunkelter Innenraum. Die Luft stand still, doch der Tahertan machte in einer Ecke das schlanke Profil einer Gestalt aus.
„Steig zu mir, Marcil, mein Freund.“ Endlich erkannte Marcil seinen Vertrauten an dessen heiserer Tenorstimme. Die Herzlande schienen auch Ignatios Gesundheit nicht gut zu bekommen.
Trotzdem lächelte er, als er sich vorbeugte, um dem Tahertan nach innen zu helfen. Hinter Marcil mühte Bartolomé sich in die Kutsche, dann nahmen sie beide auf den Samtbezügen gegenüber von Ignatio Platz. Sie sahen ihn, wie er sich die Hände rieb, um die Kälte zu vertreiben und ihren Atem wie einen Dämon des Winters durch den Kutschraum tanzen.
„Bijarr will uns ertränken“, klagte Ignatio beiläufig. Wie alle Kollegiumsmitglieder auf Reisen träumte er von seinem Anwesen in südlichen Gefilden im warmen Mnorland am Meer, einer weißen Oase inmitten von Obstgärten und Weinbergen, mit luftigen Terrassen und weitläufigen Kräutergärten.
Ignatio war groß und hager mit einer hellen Stelle ohne Haare auf dem Kopf, eingesunkenen Augen und einem verkniffenen, blassen Mund. Seine Ausstrahlung wirkte, so lange Marcil ihn kannte, schon immer unnatürlich, sie verlieh ihm etwas Unnahbares, wofür der Tahertan keine Erklärung fand.
Einem Mann wie Ignatio, wäre er niedrigerer Geburt, hätte man wohl Misstrauen entgegengebracht und ihn verschlagen genannt.
Aber Ignatio war kein Taschenspieler oder Scharlatan von der Straße, sondern stand in einer Reihe mit Bartholomé und den obersten Rechtsgelehrten der Kirche.
Auch wenn niemand wusste, wovor Ignatio Respekt hegte, Marcil respektierte seine zurückgezogene Art eher als die vieler anderer Kleriker. Er versuchte dabei, dessen unorthodoxe Sicht auf die Dinge nicht zu beachten.
„Womit haben wir es verdient, dieses schlammige Scheißfeld zu durchwaten, das man die Herzlande flucht?“ Ignatio zog einen der Vorhänge zurück, wodurch das Zwielicht von draußen in die Kutsche fiel.
„Warum tagt das Konklave nicht in den goldenen Hallen von Sin’t? Ein einfacher Palast mit den üblichen Verköstigungen hätte es auch getan.“
„Dafür bin ich verantwortlich“, antwortete Marcil, während sein Informant das Fenster wieder verdeckte.
„Auf dem holprigen Weg von meiner Heimat Banting nach Galderan kamen mir genügend finstere Einfälle, als ich überlegte, wovor sich der Orden am meisten fürchten könnte. Dabei war die namenlose Festung meine mit Abstand finsterste Idee.“ Er lächelte, auch wenn niemand in der Kutsche es sehen konnte.
„Ihre Fundamente stammen aus mythischen Zeiten und so mancher Narr wird das Gefühl haben, die häretischen Dämonen noch durch die Zwischenwände streifen und nach ihm rufen zu hören.“ Mit einem Mal fand Ignatio wohl doch etwas Begrüßenswertes an ihrer Reise, denn er gluckste leise.
„Außerdem“, sagte Marcil, „gilt sie als uneinnehmbar. Das liegt, wie ich denke, in unser aller Interesse und ist somit nichts, was ich als Tahertan rechtfertigen müsste.“
„Ihr seid ein altes, bantisches Schlachtross, mein Freund“, lobte Ignatio vergnügt, allerdings schwieg er kurz darauf.
Der Tahertan ermahnte: „Glaubt nicht, dass ich Freude an diesen Spielen habe. Doch manche Spiele müssen gespielt werden, damit die Figuren nicht hinter meinem Rücken vom Brett gestoßen werden.“
Bei diesem Gleichnis rieb Ignatio sich über die Halbglatze und verkündigte kurz darauf: „Ich stehe Euch zu Diensten, Ehrwürdiger“, trotzdem verlor er keine Sekunde diesen einmaligen Tonfall eines Mannes, der einen legitimen Grund dafür finden würde, wann immer er ein gegebenes Versprechen brechen wollte. Marcil verdrängte diesen Eindruck, so viele Warnungen Bartolomé auch gegen diesen Mann ausgesprochen hatte.
„Ich möchte nun mit Eurem Einvernehmen die Spielregeln anpassen.“, sprach er, seine Finger fummelten nervös an seiner Halskette. Dann überließ er seinem Begleiter das Wort. Bartolomés seltsam helle, blechern klingende Stimme erfüllte den Raum:
„Bei Bijarr“, begann er, „Ich muss Euch nicht daran erinnern, dass unsere geliebte Kirche am Wendepunkt der Gezeiten steht. Denn ob wir nun erkennen, dass die Kräfte des Bösen im Körper unserer Gemeinschaft gleichwohl wie in der weiten Welt gegen uns arbeiten oder ob dem Reich gewahr wird, welche Macht auf den Schultern weniger Männer ruht; in den nächsten Tagen werden sich ohne Zweifel viele Dinge verändern.“ Bartolomé trug einige ausgewählte Dokumente bei sich in einer braunen Ledermappe, welche sie vor der Witterung schützte. Marcil forderte ihn mit einer eiligen Handbewegung auf, Ignatio als vertrauenswürdige Person anzuerkennen und ihm die Papiere zu reichen.
Der Tahertan erklärte ruhig: „Dies sind Besitzurkunden über drei Weingüter auf den Egidien-Hügeln in Banting. Erste Anbaujahrgänge dort lassen sich bis in die Anfänge der imperialen Zeit zurückverfolgen und der Boden ist nach wie vor fruchtbar wie nirgendwo sonst in der gesamten Baronie.“
Ignatio nickte und schlug frömmelnd die Handflächen ineinander, als sammle er gerade die Festtagskollekte.
„Ich benötige Eure Stimme im Konklave“, ließ der Tahertan mit Nachdruck verlauten, „- und - eine Information.“
„Bijarr kennt Mittel und Wege“, erwiderte Ignatio beiläufig, während Bartolomé ein leises Brummen von sich gab, „Es soll geschehen, dass Euer Plan aufgeht.“
„In gewissem Sinne handelt es sich um einen Plan“, gab er zu Bartolomés offensichtlichem Verdruss zu.
„Bijarr kennt für alles eine Lösung, doch manchmal müssen wir selbst Hand anlegen und sie finden. Auch Andere schmieden Pläne, sodass wir uns als besonders geschickt hervortun müssen. Wir dürfen nicht im Nebel tappen wie der Beraterstab des Königs, welcher die Gefahr nur entfernt wittert. Es sollte mich aber schwer wundern, wenn Ihr die Lösung für mein Problem nicht schon kennt.“ So rang er ihm, den er hoffentlich als Informanten gewinnen würde, ein Grinsen ab. Vielleicht stand es Ignatio selbstgefällig ins Gesicht, das konnte er ohne Licht kaum ausmachen.
„Ich nenne dies alles eine Verschwörung“, klärte Marcil sie auf und er merkte, wie er in Wut geriet, „Sie bedroht die allumfassende Struktur des Reiches, der Menschen, die darin Leben und besonders Bijarrs Frieden.“ Er atmete die frostige Luft tief ein.
„Es ist von größter Wichtigkeit, dass ich einen Namen von Euren Agenten erfahre.“
Einen Namen. Die Inquisitionstribunale, die Söldnerheere und tausende von Hinrichtungen waren Ausgeburten der Kirche und hinterließen doch nur wenige Spuren, die sich ein Jurist überhaupt zu Nutze machen konnte. Im Laufe der Geschichte hatten immer gewisse Individuen versucht, der Inquisition zu wachsender Entscheidungskraft im Konklave zu verhelfen, um so selbst insgeheim Macht zu erlangen.
In diesem Fall jedoch spürte Marcil intuitiv, dass es um mehr ging als die üblichen Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Ordensgemeinschaften, von denen vier als von der Kirchengemeinschaft geduldet galten.
Gemeinsam mit Bartolomé hatte Marcil daheim im Süden dutzende verstaubte Archive durchwühlt wie ein Goldsucher. Nichts hatte sie in ihrer wilden Jagd davon abhalten können, hunderte alter Urkunden sicherzustellen oder zu kopieren. Keine Hinrichtung sollte vergessen werden, kein kirchlicher Erlass unentdeckt bleiben, nur um irgendein Vorgehensmuster der Inquisitoren zu entdecken.
Inzwischen machte jeder Archivar der gesamten Baronie Banting einen großen Bogen um Marcil, aus Angst, mit dem Tahertan in Verbindung gebracht zu werden. Marcil hatte Menschen gesehen, die aufgrund eines Drohpamphlets der Inquisition Selbstmord begangen hatten. Schon ihr Siegel tötete Menschen allein mittels grenzenloser Furcht. Wer konnte einen solchen Einfluss auf die Menschen im Reich innehaben? Wer wollte sich selbst an die Spitze der Kirche setzen?

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JT
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Ei 7


BeitragVerfasst am: 05.05.2013 21:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo UtherPendragon,

ich hab mich mal ein wenig an deinem Text versucht. Was mir aufgefallen ist, du neigst zu langen Schachtelsätzen. Einige würde ich entschachteln, nicht alle. Hin und wieder hat es mich aus dem Lesefluss gerissen.

Zitat:
Schwertzeit
1. Teil -(Leerzeichen)Ein Fels der Ordnung;

Weit im Norden des Menschenreiches lagen die Herzlande eingepfercht im Relief des Kontinents.
Der späte Tag war nur ein grauer Schleier am Horizont. Ein kühler Nieselregen hüllte die Befestigungsanlagen unter Marcils nackten Füßen und Gorlevs schweren Soldatenstiefeln neben ihm (neben wem? Mir fehlt der konkrete Bezug) in einen matten Schimmer.
Dunkelheit fraß ohne Pause die trostlose Stromebene des großen Flusses unter ihnen. Mit einer Hand auf die(der?) Brustwehr abgestützt, blickte Marcil hinab:
Wetterleuchten erhellte den Bauch der Wolkengebirge am Himmel und die Konturen des Herzlandes an(auf?) der Erde, sodass er in der Ferne die feindlichen Kriegsbanner ausmachen konnte. Dort leuchteten auch die Lagerfeuer der Soldaten des Königs in respektvoller Entfernung, aber kein Laut drang von der in den schlammigen Senken versammelten Streitmacht herüber.
Aber so hoch über dem Abgrund boten die uneinnehmbaren Mauern mehr Schutz als jedes Gebet, das Marcil kannte. Schutz vor Pfeilen oder Belagerungswaffen(Leerzeichen)-(Leerzeichen)falls diese armselige Kriegsschar überhaupt schweres Gerät auffuhr.
Jedes Frühjahr weichte der wochenlang anhaltende Regen nämlich alle Straßen der Umgebung auf. Dann gelang es nicht einmal den fahrenden Händlern und Spielern, mit ihren Wagen bis in die Reichshauptstadt Galderan im Westen zu gelangen. Eigentlich die ungeeignetste Jahreszeit, einen Krieg zu beginnen, vom Winter einmal abgesehen.
So weit(1W) Marcil sich beim Grübeln auch in seinen Fellmantel zurückzog, Feuchtigkeit und Kälte schienen doch immer einen Weg bis an seine runzlige Haut zu finden. Jede Berührung mit dem kratzigen Stoff zeigte ihm außerdem, dass das Alter ihn empfindlich machte.
Gorlev hingegen, jung und kräftig gebaut, schien sich nicht am Regen zu stören. Er ließ seinen ruhelosen Blick über die Reihen des Feindes wandern. Dabei suchte er nach dem Rabenbanner, einem Krähenvogel auf olivgrünem Grund. Dem Zeichen des gerademal zarte vierzehn Jahre zählenden Monarchen.
„Der König zeigt seine Milchzähne“, knurrte Gorlev mehr zu sich selbst als zu Marcil. Der Geistliche hörte keinen Spott, obwohl seine Worte ihn vermuten ließen.
Tatsächlich war ein Kind ausgezogen, um diesen heiligen Ort zu bedrohen. Marcil hatte viel gelesen, in den Bibliotheken dreier Provinzen recherchiert und befreundete Abenteurer schickten dem Geistlichen für ein handsigniertes Gebetsbuch so manchen Schatz der Literatur. Deshalb wusste er, dass das, was man sich unter den Menschen im Reich erzählte, die Wahrheit darstellte:
Hier, am Fuße des Rokdal-Massivs am nördlichen Rand der Herzlande schmiegten sich die Festungsanlagen an einen mächtigen Felsriesen. Und von hier aus regierten die Infanten der Kirche heute die gesamte gläubige Welt, denn dies war seit Urzeiten der Nabel der Welt, wo Himmel und Erde sich berührten. Natürlich suchte die Kirche in diesen Tagen genau hier den Schutz ihres Gottes Bijarr.
„Der König kann die aptische Kirche nicht zu Fall bringen“, verkündigte Marcil bestimmt. Er stellte sich vor, wie der himmlische Herr seine Hand nach ihm ausstreckte. Das erste Mal seit vielen Tagen fühlte er sich ihm wieder nah.
„Nun“, meinte Gorlev mit Verdrossenheit, „Wenigstens hat unser Herr und Beschützer dem König schon einmal einen besonders schwachsinnigen Feldmarschall geschickt. Ich kenne den Kerl noch aus früheren Zeiten.“
Der Mann in Marcils Begleitung war in gewissem Sinne ein Verteidiger der Kirche, so wie er selbst es im Geiste war. Gorlev entstammte dem Geschlecht derer von Arken und verfügte über den militärischen Oberbefehl in dieser beispiellosen Festung als erster Kommandant der aptischen Garde.
Jene Familie von Arken hatte seit jeher vorzügliche Kämpfer und Taktiker hervorgebracht. Gorlev vereinte alle Vorzüge eines tapferen Mannes im Körper eines Bilderbuchsoldaten, den man in die Wirklichkeit gezeichnet hatte.
Doch im Grunde war er eine Marionette mit einigen angerissenen Fäden. Ihm oblag ausschließlich, die Truppen der Kirche in die Schlacht zu führen. So würde ausgerechnet er nichts<=>davon erfahren, aus welchem Grund der König es wagte, einen Jahrhunderte alten Landfrieden zu brechen, warum die Kirche sich in diesem finsteren Gemäuer verkroch und die Ordnung von Jahrhunderten in nicht ferner Zukunft Komma auf immer zusammenzubrechen drohte.
Dass ihm diese Tatsache gehörig gegen den Strich ging, merkte Marcil seiner Laune in den letzten Stunden an.
Der Geistliche kehrte erneut in sich. Dem kalten Wind konnte er so jedoch nicht entfliehen, ebenso wenig wie diesem wetterumtosten Ort. Er beobachtete interessiert jede Regung des Gardekommandanten, bis dieser wieder das Schweigen brach:
„So sehen also Land- und Gemeinschaftsfrieden auf Seiten der Krone und der Kirche aus! Seid behütet vom Fels der Ordnung in der Brandung des Chaos“, rezitierte der Soldat mit missmutigem Unterton eine religiöse Schrift, wie sie auch die Ritter der Kirche in ihrer Ausbildung aufgezwungen bekamen. Nun verteidigte er die Grundmauern dieses Felsens, anstatt in seinem Schutz zu kauern.
Marcil hätte am liebsten bitter aufgelacht. Ordnung! Von wegen.
Im Gegenteil schien die Ordnung jene Institution, welche sich gerade hinter Festungsmauern verbarg und an die er vor fast vierundsechzig Jahren sein Vertrauen gehängt hatte, endgültig verlassen zu haben.
Unheilvolle Macht schwoll weiter an, er glaubte ihr Pulsieren in jeder Fuge dieses Bauwerks zu spüren. Die Kirchenfürsten stellten seit dem Ende der imperialen Zeit schon keine in sich vorbildliche Gemeinschaft mehr dar. Arroganz und fehlende Tugend hatten Marcils Kirche bis aufs geistige Mark verdorben und ins Chaos gestürzt, ja sogar mit der Welt in Konflikt gebracht. Reichtum und Pracht des Klerus hatten die Kirche mit all ihren gewaltigen Täuschungen stark im Diesseits, aber schwach vor ihrem Gott gemacht.
Ihre heiligste Versammlung drohte, dieses Mal unfähig zu sein, wichtigste Entscheidungen zu bewerten, denn das Gewissen der Gläubigen war von ihnen allen gewichen, dachte Marcil wehmütig.
Dabei entschied das Konklave über Gedeih und Verderb ganzer Völker. Da Marcil sich auf soldatische Ironie verstand, pflichtete er Gorlev mit einem Kopfnicken bei.
Gibt es denn niemandem zu denken, dass zuvor es nicht einmal ein König gewagt hätte, diesen Rat in Frage zu stellen gestellt hat, fragte Marcil sich mit einem Anflug von Verzweiflung. Und nun stand ein vierzehnjähriger Monarch vor ihren Toren.
Gorlev indes schritt nachdenklich in seinen eisenbeschlagenen Stiefeln den breiten Wehrgang in Richtung der gigantischen Sakralbauten ab. Der Versammlungssaal des aptischen Konklaves ruhte dort herrschaftlich auf einem gewaltigen Felsen. Gekrönt wurde das überirdische Bauwerk von einer Kuppel, um welche sich vier prächtige Türme anmaßend weit in den Himmel bohrten Komma wie um die Wolken aufzuschlitzen. Die Wehrgänge verbreiterten sich vor ihnen immer weiter, mündeten in aneinandergereihten Basteien und wurden schließlich von mehreren Terrassen überlagert, über die Marcil dem Gardekommandanten nacheilte. Gorlev hielt mit sich Kriegsrat über die von Osten nahende Streitmacht:
„Zweihundert Männer aus der Hausmacht des Königs, dazu fünfhundertdreiundsechzig gelistete Rekruten aus den Stadtwachen und Bauernschaften rund um Galderan. Außerdem ließ er zweihundertsiebenundfünfzig leichte Söldner aus Nodorien unterm Rabenbanner anwerben, Wilde also.“
Er blieb stehen und wandte sich zu Marcil. Wenn Gorlev sprach, blinkten seine Zähne in seinem scharf geschnittenen Gesicht wie zwei Reihen Schachfiguren(komischer Vergleich) und zahlreiche verschorfte Kratzer aus den Übungskämpfen zuckten auf Wangen und Stirn umher.
Nach einer gewichtigen Pause fuhr er fort:
„Vermutlich werden ihre Vorräte für zweieinhalb Monate reichen, danach muss der Marschall des Königs sehen, wo seine Männer bleiben.“
Nun verzog Marcil anerkennend die Lippen. Er kannte den Kommandanten als scharfsinnig, wunderte sich aber über seine akribisch genaue Abschätzung. Allerdings verstand er auch rein gar nichts von der Kriegsführung.
„Die Inquisition hat mir diese Informationen zukommen lassen“, verriet der Soldat gleich darauf. „Fragt besser nicht, woher sie sie haben, Ehrwürdiger.“
„So, so“, murmelte der Geistliche, worauf er sich auf einen stummen Wink Gorlevs zur Innenseite der Mauer umkehrte.
Wieder einmal zeigte die Kirche, dass sie ein glühender Heißsporn war und voller Verachtung gegenüber den Drohungen eines Potentaten.
Sie sahen durch den Regenvorhang Kommawie durch ein Gewirr silbriger Fäden Komma hinunter in die Anlagen zwischen den großen Wällen, dann auf die Landschaft jenseits der Mauer.
Davor hatte man mehrere Schutzgräben hintereinander gezogen, sodass die Verteidigungslinie schon wie ein Schlachtfeld aus Morast aussah. Innerhalb jedoch türmten sich die Gebäude stockwerkhoch Komma inmitten der zu Statuen geformten Felsen stockwerkhoch, ineinander, übereinander und aneinander gezwängt, verbunden durch Brücken oder kleine Aquädukte. Zwischen kleinen und großen Tempeln, Küchen- und Versorgungs-, sowie Gästehäusern und Gardeunterkünften führten in den Fels geschlagene Gassen Komma bis zu den Gebäuden des Konklave, kaum überschaubar, geradezu wie ein Irrgarten. Es wirkte, als wäre sie von tausenden Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Architektur erbaut.
Diese im unwirklichen Grau versinkende Stadt des Glaubens schloss an diesem Tage wohl das erste Mal seit Jahrhunderten die Torflügel vor einer Belagerung.
Direkt unter Marcil mündeten die vielen kleinen Gassen auf einen gepflasterten Platz.
Dort wiederum blitzte Metall in den letzten Sonnenstrahlen auf. Ein Klirren und Scheppern dröhnte bei jedem gemeinsamen Schritt der Krieger, welche vollgerüstet unter einem weiß-goldenen Banner zu einem schaurigen Takt aufmarschierten. Die drei stilisierten goldenen Flammen auf wehenden Standarten schienen mit einem Mal drohend aufzulodern, obwohl sie aus Seide waren. Darunter bewegten sich die Söldner des mit der heiligen Inquisition betrauten Drei-Flammen Ordens träge in ihren Panzerrungen, mit kalten Herzen in der Brust.
Wenigstens unterstehen die skrupellosesten Kämpfer des Menschenreiches in diesem Moment einem Mann mit Vernunft, da Gorlevs unbestrittene Autorität über der dieses und anderer Orden steht, dachte Marcil.
Er glaubte gerade, den Blutdurst dieser menschlichen Kampfmaschinen mit ihren mörderischen Kriegshämmern wittern zu können. Schließlich sah er von Ekel erfüllt zu seinem Begleiter.
„Wird es eine Schlacht geben?“, fragte er vorsichtig(Leerzeichen)- (Leerzeichen)Die Vorstellung toter, zerschmetterter Körper behagte ihm ganz und gar nicht.
„Kann ich nicht sagen“, gab Gorlev kühl zurück. Wahrscheinlich zählte er die zur Verfügung stehenden Krieger. Einige Männer der Inquisitionen brüllten unten Befehle, das Schnauben von Pferden drang herüber.
Er will seinem König nicht entgegentreten, dachte Marcil. Ein Soldat, welcher sich vor seinem eigenen Herrscher verbarrikadierte, beging Verrat, egal ob er nun der Kirche diente oder nicht. Ihm wurde klar, wie hin- und hergerissen Gorlev sein musste.
Marcil wollte trotzdem nicht an der Treue dieses Mannes zweifeln. Seine inneren Auseinandersetzungen würde Gorlev in seinem Kopf austragen und schließlich würde der Glaube obsiegen. Dieser Soldat handelte nicht als gewissenloser Söldner, sondern als jemand, auf dessen Wort man sich verlassen konnte.
„Heute Abend wird das Konklave die Ratsversammlung einberufen“, überlegte der Gardekommandant, „Wenn wir innerhalb der nächsten zwölf oder vierundzwanzig Stunden keinen Kontakt mit dem König aufnehmen, werden die Geduldsfäden seiner hitzigen Berater reißen. Ihre Männer werden gegen die Mauern schwämmen und ich werde sie mit meinen und den Truppen der Inquisition vernichten müssen, wenn das Konklave nachher auch noch die falsche Entscheidung fällt.“
Marcil schluckte, als ihm schlagartig die auf seinen schmalen Schultern lastende Verantwortung bewusst wurde. Als Tahertan und damit erfahrenster Jurist der Kirche hatte er eigentlich für die rechtliche Anfechtung oder Absicherung solcher Entscheidungen zu sorgen. Er wählte zwischen Frieden und Krieg.
Und nun erinnerte Gorlev ihn auch noch zu allem Überfluss daran:
„Ihr habt einen weiten Weg hinter Euch bis zu dieser Festung, sodass Euch viel Zeit zum Nachdenken bereit stand. Ihr seid oberster Rechtsgelehrter des Konklaves, nur unseren Göttern verpflichtet. Welche Pläne hat die heilige Versammlung, dass unser Herrscher im Frühjahr dem eine Armee entgegen stellt? Wer unter den Geistlichen widersetzt sich Eurem Urteil, dass ich diese Festung gegen meinen eigenen König verteidigen muss?“
Beinahe hätte Marcil die Versuchung überwältigt, einen Soldaten in die hochmütigen Pläne der Inquisition einzuweihen. Gorlev würde mir zuhören, mich aber nicht verstehen, kalkulierte Marcil und schämte sich sofort für diesen Anflug von Schwäche.
„Bei Bijarr“, sagte er, „Die Rechtslehre der Tahertik erweist sich nur allzu oft als undankbare Kunst, mein Sohn.“
Neue, innere Unruhe schlich sich in Marcils Gemüt, er wollte nicht über seine Aufgaben im Konklave sprechen. Manche von ihnen wogen nämlich so schwer, dass er das Versagen seiner Persönlichkeit fürchtete und Schuldbewusstsein an ihm nagte. Unberechtigterweise, wie er sich einredete, schließlich hatte nicht er den Zorn des Königs auf die Kirche gezogen.
„Falls ihr einen Kampf gegen den aufgebrachten König“, sprach Marcil und seine Stimme fiel ein wenig in das Zappeln seines Körpers mit ein, „nicht verantworten wollt, steht es in Eurer Macht, die Tore zu öffnen. Dann allerdings wird die Inquisition ein schreckliches Blutbad anrichten, bei dem Ihr das erste Opfer seid.“
Wie lächerlich seine heisere Stimme auf den fast zwei Haupteslängen höher gewachsenen Gardekommandanten wirken musste. Tatsächlich aber nickte Gorlev als er begriff, dass die Geschehnisse im Konklave eben nicht in seiner Macht standen.
Marcil versuchte währenddessen verzweifelt, sich zu beruhigen, obwohl sich der Inhalt seiner Magengrube unangenehm zusammenzog. In seinem Kopf tobten die Gedanken umher, ein riesiger Uhrenzeiger tickte zur Untermalung in seinen Hirnwindungen.
Und plötzlich war da diese kaum wahrnehmbare Veränderung in Gorlevs Gesichtsausdruck. Der normale Anklang von Strenge darin kräuselte sich zu annähernd hasserfüllten Zügen, dann funkelte er Marcil boshaft an.
„Ich biete Euch meine Hilfe an“, knurrte er mit verhohlener Wut, Regen lief ihm die Stirn herunter und tropfte auf den Boden. Dann forderte er leise:
„Erzählt mir alles. Gewiss habt gerade Ihr am Wenigsten zu verlieren. Womit hat Euch die Inquisition gedroht, falls Ihr Euch heute Nacht ihrer Macht entgegen stellt?“


2. Teil(Leerzeichen)- (Leerzeichen)Drei Tage zuvor
Auf dem Marsch gen Norden zur Festung in den Herzlanden erinnerte Marcil sich besonders an den Gestank im Lager. Die Ausdünstungen zahlloser Menschen bei der Rast, ihrer Tiere und Exkremente, wehten gleichsam zu den Zelten der reisenden OberschichtKomma wie auch zu den selbst errichteten Behausungen der Söldner und des einfachen Begleitvolks herüber.
An drei von vier Tagen Komma nach ihrem Aufbruch von Burg Luvain im Norden der Königssümpfe Komma hatte es wie aus Kübeln gegossen, sodass Marcil während seiner Streifzüge durchs Lager mehrmals gestürzt war.
Wie durch ein Wunder verletzte er sich dabei trotz seines Alters nicht ernsthaft. Dieser Umstand erweckte eine leise Hoffnung in ihm, Bijarr würde ihn doch noch zu bedeutenderen Aufgaben benötigen.
Wenn er jedoch auf dem Hügel stand und in die schmutzig-braunen Wiesen, welche nur sporadisch von wild wuchernden Wäldchen mit niedrigen Bäumen unterbrochen wurden, überblickte, wurde dieser Hauch einer übernatürlichen Perspektive aus ihm herausgesogen, um Verbitterung zu weichen.
Zwischen den Zelten der Kirchenmänner, dieser grotesk geformten Stadt, verliefen die bevorzugten Routen des Tahertan. In Begleitung seines alten Freundes Bartolomé, verbrachte er hier die Zeit des Wartens, um Pläne zu schmieden und Gespräche zu führen.
Die Trampelpfade durch das vollgesogene Grün waren Komma bis auf die Söldner der Kirche Komma völlig leergefegt. Blätter, Überbleibsel des letzten Herbstes Komma klebten an den bunten Stoffbahnen.
Schwärme von Insekten machten die raue Gegend um das gewaltige Marschlager noch unsympathischer. Marcil war Bijarr dankbar für jede Faser seiner neuen Fellkleidung.
Am ersten Tag in den Herzlanden waren sie noch einigen Händlern begegnet, Stammesangehörigen der Völker aus dem Norden, begegnet. Sie waren die einzigen, die zu dieser Zeit den Weg nach Galderan auf sich nahmen, das aber auch nur zu Fuß und meist ohne hinderliches Schuhwerk.
Sie alle brachten dem Fußvolk beunruhigende Neuigkeiten, doch mit dem reisenden Klerus wechselten sie kein Wort, außer über die Preise für Blutschmuck aus Bernstein und Felle.
Die Inquisition jedoch zog ihre Informationen aus jeder Quelle, die dieses unedle, aber doch wertvolle Wasser sprudeln ließ. So erfuhr Marcil von einem seiner Vertrauten, dass die Zeichen im Reich auf Krieg standen, auch auf dem noch vor ihnen liegendem Weg konnte ihnen Unheil drohen.
In den letzten zwei Tagen galt es deshalb, den Nabel der Welt vor den Truppen des Kindskönigs und seinen Vasallen zu erreichen.
Dabei bildete der bewaffnete Teil ihres Trosses selbst schon beinahe eine Armee. Der gesamte Ostflügel des Lagers war überdeckt von den Zelten der Inquisition, die jetzt nicht mehr blütenweiß, sondern mit Schlamm und Schmutz bespritzt waren.
„Warum hat der Ehrwürdige Ignatio Euch ausgerechnet hierher zum Treffen rufen lassen?“, fragte Bartolomé ihn zweifelnd, als sie sich an miefenden, eisernen Leibern vorbeipressten.
Niemand schien sich um die beiden alten Männer zu scheren, doch sie suchten trotzdem die Deckung von Latrinenhäuschen und Bergen von Gerümpel.
Auf dem Boden lag Komma bei zersplitterten Kisten und durchgeweichten Säcken Komma das wertvollste Porzellan verteilt, so sicher war man sich der abschreckenden Wirkung der Wachmannschaften gegen jeden Dieb der Gegend. So glich momentan die gesamte Umgebung einer riesigen, bewohnten Müllhalde.
„Ich habe ihn hierher rufen lassen“, quittierte Tahertan Marcil seinen Begleiter. Er versicherte sich befriedigt, dass ihn in diesem Aufzug niemand erkennen konnte, der sein Äußeres nicht zuvor eingehend studiert hatte.
Über ihnen zog ein Schwarm Krähen ihre Kreise - Marcil glaubte den Himmel voller böser Vorzeichen - zerfetzte Wolken und dazu die kalte, feuchte Luft. Womit er nichts Geringeres als Häresie betrieb, doch das interessierte ihn wenig, bedachte er das Ziel ihrer Reise.
Sie traten über die Reste einer zusammengefallenen Feldküche, wo ihnen noch Essensgerüchte entgegenwehten und näherten sich einem Ring aus verdreckten Prachtkutschen, die auf ihre morgige Abreise zu warten schienen.
In diesem Moment erstarkte der Regen, Bartolomé fluchte zurückhaltend, Marcil jedoch ging zielstrebig durch die Rauchfahne eines Lagerfeuers. Die darum versammelten Soldaten beachteten ihn gar nicht, denn anscheinend stritten sie um irgendetwas und fluchten sogleich über den Regenguss. Offenbar reizte sie die ganze Unternehmung bis aufs Blut.
Marcils Schuhe sanken mit einem schmatzenden Geräusch ein, worauf er einen Moment aushielt(anhielt) und lauschte. Die Himmelsflut verfälschte jedoch alle Geräusche und das Gebrüll der Söldner im Lager drang gedämpft herüber.
Sie duckten sich vor einen verlassenen Kutschbock, um aus dem Sichtfeld des inneren Rings zu treten. Ein paar Ratten flohen unter einen Bretterstapel. Bartolomé erschrak heftig erst wegen der Nager, dann wegen eines Schattens unter dem linken Vorderrad einer großen Kutsche. Auf ihren Vorhängen flossen(flatterten/wehten) die wohlgeformten Symbole der Inquisition im Wind, im totalen Kontrast dazu stand jedoch der eingequetschte Körper im Dreck.
„Eine Leiche! Das Gesicht am Boden, Bijarr kann ihn nicht sehen“, klagte Bartolomé allzu laut. Marcil indes versicherte sich, dass dieser junge Mann schon mehrere Stunden dort lag.(der Satz ist irgendwie nicht stimmig. Will er nicht einfach nur prüfen, ob er tot ist?)An einem Arm trug er noch eiserne Schienen, matt wie der Tod selbst und der Körper stank. Alles verwest und versinkt; dieser Ort ist von Unheil belegt, dachte Marcil - und plötzlich:
„Der Gang zur Erde ist etwas Besonderes für Männer, die sich unbesiegbar und reich besoldet fühlen(Leerzeichen)…“ Woher kam diese Stimme? Sie wirbelten herum, hoben ohne rechtes Ziel die Fäuste, in einer davon hielt Marcil sein großes Messer, das er immer unter seiner Kleidung versteckte. Darauf zeigte sich der Mann, der gesprochen hatte.
Sein Rumpf war eng verhüllt von weißem Leder, er trug die weißen Stiefel einer Kirchentruppe und eine Kapuze, die sein Gesicht nur wenig vor dem Regen schützte. Als er sich verbeugte, blitzten fleischige Lippen darunter hervor. Ansonsten sah er eher jungenhaft aus als männlich.
„Ich bringe Euch zu dem ehrwürdigen Ordensschöffen Ignatio, Ehrwürdige Tahertan Marcil und Schöffe Bartolomé aus Sin’t.“ Anstatt sich gemäß seinem Rang noch einmal zu verbeugen, bedeutete er ihnen durch Gesten Schweigen.
Widerstrebend folgten sie dem Fremden einige Meter an den Kutschen und den Rückwänden zweier Zelte vorbei, wo sie noch weitere Angehörige der Inquisition entdeckten.
Sie(diese) warteten in finsteren Ecken, die Gesichter abgewandt und gingen ihnen hinterher, nachdem die Geistlichen sie passiert hatten oder stellten sich in die Gegenrichtung auf wie Wachen. Es gab kein zurück.
„Das ist eine Falle!“ Bartolomé gelang es kaum noch zu flüstern, doch wenn Marcil sich ihre allesamt sehr jungen Bewacher ansah, kam er zu einem anderen Schluss:
„Ignatio hat gute Beziehungen zum Orden und sucht sich seine Diener selbst aus.“ (–)Bei Bijarr, hoffentlich(Leerzeichen)- (Leerzeichen)fügte er für sich hinzu. Der Himmel schwärzte sich inzwischen vor schweren Wolken. Krähengeschrei.


3. Teil - Der Preis der Wahrheit
Wie Marcil erwartet hatte, endete ihr Weg bald. Sie befanden sich in einer Sackgasse, zur linken und rechten Seite türmte sich der Lagerschutt zu kleinen Bergen, dazwischen war eine Kutsche des Ordens eingeklemmt wie eine Barrikade. Bis auf die Stimmen des Regens war alles ganz still und einsam, obwohl sie sich etwa im Zentrum des gewaltigen Feldlagers befanden.
Einer ihrer Bewacher öffnete die Seitentür der Kutsche mit einem sandigen Quietschen. Dahinter lag ein großer, durch Vorhänge abgedunkelter Innenraum. Die Luft stand still, doch der Tahertan machte in einer Ecke das schlanke Profil einer Gestalt aus.
„Steig zu mir, Marcil, mein Freund.“ Endlich erkannte Marcil seinen Vertrauten an dessen heiserer Tenorstimme. Die Herzlande schienen auch Ignatios Gesundheit nicht gut zu bekommen.
Trotzdem lächelte er, als er sich vorbeugte, um dem Tahertan nach innen zu helfen. Hinter Marcil mühte Bartolomé sich in die Kutsche, dann nahmen sie beide auf den Samtbezügen gegenüber von Ignatio Platz. Sie sahen ihn, wie er sich die Hände rieb, um die Kälte zu vertreiben und ihren Atem wie einen Dämon des Winters durch den Kutschraum tanzen.
„Bijarr will uns ertränken“, klagte Ignatio beiläufig. Wie alle Kollegiumsmitglieder auf Reisen träumte er von seinem Anwesen in südlichen Gefilden im warmen Mnorland am Meer, einer weißen Oase inmitten von Obstgärten und Weinbergen, mit luftigen Terrassen und weitläufigen Kräutergärten.
Ignatio war groß und hager mit einer hellen Stelle ohne Haare auf dem Kopf, eingesunkenen Augen und einem verkniffenen, blassen Mund. Seine Ausstrahlung wirkte, so lange Marcil ihn kannte, schon immer unnatürlich, sie verlieh ihm etwas Unnahbares, wofür der Tahertan keine Erklärung fand.
Einem Mann wie Ignatio, wäre er niedrigerer Geburt, hätte man wohl Misstrauen entgegengebracht und ihn verschlagen genannt.
Aber Ignatio war kein Taschenspieler oder Scharlatan von der Straße, sondern stand in einer Reihe mit Bartholomé und den obersten Rechtsgelehrten der Kirche.
Auch wenn niemand wusste, wovor Ignatio Respekt hegte, (hier Punkt) Marcil respektierte seine zurückgezogene Art eher Komma als die vieler anderer Kleriker. Er versuchte dabei, dessen unorthodoxe Sicht auf die Dinge nicht zu beachten.
„Womit haben wir es verdient, dieses schlammige Scheißfeld zu durchwaten, dass man die Herzlande flucht?“ Ignatio zog einen der Vorhänge zurück, wodurch das Zwielicht von draußen in die Kutsche fiel.
„Warum tagt das Konklave nicht in den goldenen Hallen von Sin’t? Ein einfacher Palast mit den üblichen Verköstigungen hätte es auch getan.“
„Dafür bin ich verantwortlich“, antwortete Marcil, während sein Informant das Fenster wieder verdeckte.
„Auf dem holprigen Weg von meiner Heimat Banting nach Galderan kamen mir genügend finstere Einfälle, als ich überlegte, wovor sich der Orden am meisten fürchten könnte. Dabei war die namenlose Festung meine mit Abstand finsterste Idee.“ Er lächelte, auch wenn niemand in der Kutsche es sehen konnte.
„Ihre Fundamente stammen aus mythischen Zeiten und so mancher Narr wird das Gefühl haben, die häretischen Dämonen noch durch die Zwischenwände streifen und nach ihm rufen zu hören.“ Mit einem Mal fand Ignatio wohl doch etwas Begrüßenswertes an ihrer Reise, denn er gluckste leise.
„Außerdem“, sagte Marcil, „gilt sie als uneinnehmbar. Das liegt, wie ich denke, in unser aller Interesse und ist somit nichts, was ich als Tahertan rechtfertigen müsste.“
„Ihr seid ein altes, bantisches Schlachtross, mein Freund“, lobte Ignatio vergnügt, allerdings schwieg er kurz darauf.
Der Tahertan ermahnte: „Glaubt nicht, dass ich Freude an diesen Spielen habe. Doch manche Spiele müssen gespielt werden, damit die Figuren nicht hinter meinem Rücken vom Brett gestoßen werden.“
Bei diesem Gleichnis rieb Ignatio sich über die Halbglatze und verkündigte(verkündete) kurz darauf: „Ich stehe Euch zu Diensten, Ehrwürdiger“, trotzdem verlor er keine Sekunde diesen einmaligen Tonfall eines Mannes, der einen legitimen Grund dafür finden würde, wann immer er ein gegebenes Versprechen brechen wollte. Marcil verdrängte diesen Eindruck, so viele Warnungen Bartolomé auch gegen diesen Mann ausgesprochen hatte.
„Ich möchte nun mit Eurem Einvernehmen die Spielregeln anpassen(.)“, sprach er, seine Finger fummelten nervös an seiner Halskette. Dann überließ er seinem Begleiter das Wort. Bartolomés seltsam helle, blechern klingende Stimme erfüllte den Raum:
„Bei Bijarr“, begann er, „Ich muss Euch nicht daran erinnern, dass unsere geliebte Kirche am Wendepunkt der Gezeiten steht. Denn ob wir nun erkennen, dass die Kräfte des Bösen im Körper unserer Gemeinschaft Komma gleichwohl wie in der weiten Welt Komma gegen uns arbeiten oder ob dem Reich gewahr wird, welche Macht auf den Schultern weniger Männer ruht; in den nächsten Tagen werden sich ohne Zweifel viele Dinge verändern.“ Bartolomé trug einige ausgewählte Dokumente bei sich in einer braunen Ledermappe, welche sie vor der Witterung schützte. Marcil forderte ihn mit einer eiligen Handbewegung auf, Ignatio als vertrauenswürdige Person anzuerkennen und ihm die Papiere zu reichen.
Der Tahertan erklärte ruhig: „Dies sind Besitzurkunden über drei Weingüter auf den Egidien-Hügeln in Banting. Erste Anbaujahrgänge dort lassen sich bis in die Anfänge der imperialen Zeit zurückverfolgen und der Boden ist nach wie vor fruchtbar Komma wie nirgendwo sonst in der gesamten Baronie.“
Ignatio nickte und schlug frömmelnd die Handflächen ineinander, als sammle er gerade die Festtagskollekte.
„Ich benötige Eure Stimme im Konklave“, ließ der Tahertan mit Nachdruck verlauten, „- und - eine Information.“
„Bijarr kennt Mittel und Wege“, erwiderte Ignatio beiläufig, während Bartolomé ein leises Brummen von sich gab, „Es soll geschehen, dass Euer Plan aufgeht.“
„In gewissem Sinne handelt es sich um einen Plan“, gab er zu Bartolomés offensichtlichem Verdruss zu.
„Bijarr kennt für alles eine Lösung, doch manchmal müssen wir selbst Hand anlegen und sie finden. Auch Andere schmieden Pläne, sodass wir uns als besonders geschickt hervortun müssen. Wir dürfen nicht im Nebel tappen Komma wie der Beraterstab des Königs, welcher die Gefahr nur entfernt wittert. Es sollte mich aber schwer wundern, wenn Ihr die Lösung für mein Problem nicht schon kennt.“ So rang er ihm, den er hoffentlich als Informanten gewinnen würde, ein Grinsen ab. Vielleicht stand es Ignatio selbstgefällig ins Gesicht, das konnte er ohne Licht kaum ausmachen.
„Ich nenne dies alles eine Verschwörung“, klärte Marcil sie auf und er merkte, wie er in Wut geriet, „Sie bedroht die allumfassende Struktur des Reiches, der Menschen, die darin Leben und besonders Bijarrs Frieden.“ Er atmete die frostige Luft tief ein.
„Es ist von größter Wichtigkeit, dass ich einen Namen von Euren Agenten erfahre.“
Einen Namen. Die Inquisitionstribunale, die Söldnerheere und tausende von Hinrichtungen waren Ausgeburten der Kirche und hinterließen doch nur wenige Spuren, die sich ein Jurist überhaupt zu Nutze machen konnte. Im Laufe der Geschichte hatten immer gewisse Individuen versucht, der Inquisition zu wachsender Entscheidungskraft im Konklave zu verhelfen, um so selbst insgeheim Macht zu erlangen.
In diesem Fall jedoch spürte Marcil intuitiv, dass es um mehr ging als die üblichen Streitigkeiten zwischen den verschiedenen Ordensgemeinschaften, von denen vier als von der Kirchengemeinschaft geduldet galten.
Gemeinsam mit Bartolomé hatte Marcil daheim im Süden dutzende verstaubte Archive durchwühlt Komma wie ein Goldsucher. Nichts hatte sie in ihrer wilden Jagd davon abhalten können, hunderte alter Urkunden sicherzustellen oder zu kopieren. Keine Hinrichtung sollte vergessen werden, kein kirchlicher Erlass unentdeckt bleiben, nur um irgendein Vorgehensmuster der Inquisitoren zu entdecken.
Inzwischen machte jeder Archivar der gesamten Baronie Banting einen großen Bogen um Marcil, aus Angst, mit dem Tahertan in Verbindung gebracht zu werden. Marcil hatte Menschen gesehen, die aufgrund eines Drohpamphlets der Inquisition Selbstmord begangen hatten. Schon ihr Siegel tötete Menschen allein mittels grenzenloser Furcht. Wer konnte einen solchen Einfluss auf die Menschen im Reich innehaben? Wer wollte sich selbst an die Spitze der Kirche setzen?


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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 06.05.2013 13:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Jt!

Ich hätte ja nicht wirklich damitgerechnet, dass sich noch einmal jemand an dieses Monstrum herantraut. Wie schön =)
Und einen Haufen Arbeit hast du dir dabei auch noch gemacht, ich danke dir sehr. Demnächst mache ich mich wieder an den Plot heran, denke ich. Demnächst, weil morgen noch ein wichtiger Termin bei mir ansteht. Deine Einwürfe mögen mich leiten. Ich hoffe du verzeihst mir, dass ich sie nicht einzeln hier würdige, denn über das meiste davon sehe ich gerade keinen Diskussionsbedarf.
Zitat:

ich hab mich mal ein wenig an deinem Text versucht. Was mir aufgefallen ist, du neigst zu langen Schachtelsätze
Das stimmt wohl, ich versuche mich in dieser Beziehung bereits durch diverse Schreibübungen zu verbessern.
 Einen schönen Tag wünscht
Uther Pendragon


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Teutoni62
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BeitragVerfasst am: 07.05.2013 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hi UtherPendragon,

hab mal kurz in Deinen Anfang reingelesen – mein persönlicher Eindruck: Dein Text ertrinkt in Adjektiven und Metaphern. Insgesamt wirkt Dein Text auf mich schwerfällig und durch die vielen Schachtelsätze ist es anstrengend / ermüdend ihn zu lesen.

Andererseits hat Deine Geschichte Potential, dass aber z.T. durch ungeschickte langatmige Formulierungen / Erklärungen und durch sparsam gesäte Dialoge enorm an Drive verliert.

Fazit: Für einen Abenteuerroman passiert zu wenig – wirkt Dein Text zu passiv.

Ich hoffe Du kannst mit meiner Text-Kritik etwas anfangen.

Liebe Grüße,
Frank


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"Die Fantasie ist eine gewaltige Kraft. Manchmal hilft sie sogar zu überleben."

Henning Mankell
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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 08.05.2013 13:28    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Tag, Teutoni!

Zitat:
Ich hoffe Du kannst mit meiner Text-Kritik etwas anfangen
Ich kann mit jeder konstruktiven Kritik etwas anfangen. wink
Zitat:

Fazit: Für einen Abenteuerroman passiert zu wenig – wirkt Dein Text zu passiv.
Eigentlich war meine Absicht lediglich, die Klassifizierung Fantasy zu umgehen. Im Nachhinein hätte ich es aber ruhig so einordnen sollen.
Zitat:
Andererseits hat Deine Geschichte Potential, dass aber z.T. durch ungeschickte langatmige Formulierungen / Erklärungen und durch sparsam gesäte Dialoge enorm an Drive verliert.
Ich glaube, du hast vor allem an den berüchtigten Ecken und Kanten recht, welche das Gesamtbild stören. Habe andere Teile der Geschichte auch schon stilistisch verändert und Experimente gemacht und ich werde auch dieses Kapitel fortsetzen, sobald ich wieder ganz gesund bin.
Zitat:
hab mal kurz in Deinen Anfang reingelesen – mein persönlicher Eindruck: Dein Text ertrinkt in Adjektiven und Metaphern. Insgesamt wirkt Dein Text auf mich schwerfällig und durch die vielen Schachtelsätze ist es anstrengend / ermüdend ihn zu lesen.
Ich kenne deine ganz persönliche Abscheu gegen diesen Schreibstil ja schon, dank deiner Anmerkungen in der Vergangenheit lol2 Hier handelt es sich auf jeden Fall um etwas, woran ich noch arbeiten muss. Du kannst dann ja mal vorbeischauen, ob deine Ansprüche besser erfüllt sind. Btw, wie läuft dein Buchverkauf?

Liebe Grüße mit einem Dankeschön
Uther Pendragon


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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 13.10.2013 01:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lang, lang ists her! Als nach sieben Monaten endlich wieder die Inspiration an mein Fenster klopfte und rief: "Hier bin ich, vergiss mal kurz deine Arbeit" - da musste es die Schwertzeit sein.

Dieses Kapitel bereitet mir bekanntlich mehr schwierigkeiten als die übrigen, die Schachtelsätze drängen sich bei komplizierten Plots, die sich hin- und wieder verändern, geradezu auf, um mir selbst immer wieder eine gedankliche Grundlage zu schaffen.

Aufgrund eurer großartigen Kommentare und all der Hilfe möchte ich nun einen weiteren Anlauf wagen! Ich habe versucht, Eure Anmerkungen dabei zu berücksichtigen - natürlich existiert auch noch die alte Form des Textes, zu der ich notfalls wieder zurückkriechen kann.

Ich bitte darum, dass Vorwissen aus den vorangegangenen Kapiteln nicht zu berücksichtigen wink

Na dann - viel Spaß! Wenn ich Bock habe, lade ichs vielleicht noch als Podcast hoch!


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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 13.10.2013 01:54    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

1. Teil - Ein Fels der Ordnung
Im äußersten Norden des Menschenreiches lag eine von Plateaus umschlossene Tiefebene, die bei den Kartographen als „Herzland“ bekannt war, obwohl dies kein passender Name war für jene dünn besiedelte, unwirtliche Gegend.
Größere Ansiedlungen fehlten im weiten Umkreis, außerdem galt das leere Land bei Reisenden als vergiftete Ödnis. Die Stunden waren hier lang, Marcil hasste jede einzelne Sekunde, die ihm mit Feuchtigkeit in den verkalkten Knochen saß.
Dieser späte Tag war nur ein grauer Schleier. Ein Nieselregen hüllte die Befestigungsanlagen unter Marcils nackten Füßen in einen Schimmer wie von angelaufenem Silber.
Marcil hatte nach dem Beten eigentlich nur kurz zum Nachdenken an die frische Luft gehen wollen, dann jedoch war ihm Gorlev begegnet, der Kommandant dieser Festung.
Gemeinsam hielt das ungleiche Paar, der alte Mann und der Soldat, Ausschau auf die Stromebene. Dunkelheit fraß das Gelände tief unter ihnen.
Jedes Mal, wenn Wetterleuchten die Wolkengebirge am Himmel durchdrangen, blitzten in der Ferne Werkzeuge auf, Helme, Waffenstahl und Fahnenstangen. Die Truppen des Königs hatten ihre Belagerungseinrichtungen in die Schlammsenken hinter dem Fluss gebracht und dort Feuer für die Nacht angezündet.
Aufgrund des schlechten Wetters hatten sie die Errichtung eines geordneten Lagers wohl auf morgen verschoben. Der elende Haufen war nicht gerade zu beneiden.
Im Morgengrauen hatten Späher sich noch bis an die Mauern gewagt, im Verlauf des Tages dann war der Rest ihrer Armee angerückt, aber in respektvoller Entfernung zum Halten gekommen.
Die Erkenntnis, dass es sich bei dieser Anlage am Fuße des mächtigen Rokdal-Massivs um eine wehrhafte, eine legendäre – eine uneinnehmbare Festung handelte, hatte sie außer Reichweite von Gorlevs Armbrustdivisionen getrieben und sie sogar Palisaden zu ihrem Schutz errichten lassen. Die Verteidigungsbastionen blieben unbehelligt, bis jetzt. „Sie kamen ohne eine wirkliche Vorstellung darüber, was sie hier erwarten würde“, meinte Gorlev. Es gehörte zu seinen Gewohnheiten, Kriegsrat mit sich selbst zu halten, wie Marcil gelernt hatte.
Und es stimmte. Obwohl dieser Ort geographisch gesehen mehr oder minder die Mitte des Königreiches bildete, verwendeten kaum Menschen ihre Zeit auf eine Reise dorthin.
Das Land war karg, im Frühling weichte der Regen alle Straßen der Umgebung auf, sodass keinem Händler mit seinen Waren die Durchreise gelang und ihr generell schlechter Ruf besorgte den Rest.
Marcil sehnte sich nach der Sonne, seinem Anwesen im Süden und echten Weinbergen, während die Kälte unter seinen Fellmantel kroch. Er fror erbärmlich, was seiner Vermutung nach ein Zeichen fortschreitenden Alters war, fortschreitend auf das Ende hin.
„Bald sollten sie beginnen, die Straße über den Fluss weiter abzuriegeln und einen Wall im Westen aufschütten, wenn sie es ernst meinen. Jetzt muss unser König seine Milchzähne zeigen, sonst erlebt er seine Mündigkeit auf einem anderen Stern.“
Bitterkeit schwang in den Worten des Kämpfers mit. Der Schmerz, den eine Nation erlitt wenn sie zerriss – er keimte schon jetzt in Gorlev von den Arken. Kirche gegen Staat, Stab gegen Schwert, was sollte Gutes dabei herauskommen? An Marcil vorbei schritt er unruhig in seinen schweren Stiefeln auf und ab, mal auf den schneebedeckten Gipfel im Hintergrund über den Gemäuern zu, mal davon weg nach Süden.
„Noch hat der König seinen eigenen Landfrieden nicht gebrochen“, wandte Marcil ein, „schließlich ist meines Wissens noch kein Pfeil geflogen.“
Aber der Kommandant lachte verächtlich, mit Zähnen weiß wie Schnee, zwei Reihen davon wie Schachfiguren. Er sagte: „dreihundert Männer aus der Hausmacht des Königs und seiner Leibwache, eintausendachthundertneunundsechzig Rekruten aus der Stadtwache und den Bauernschaften rund um unsere Hauptstadt Galderan, dazu dreihundertundachtzig Berufssoldaten! Außerdem ließ sein Heerführer über tausend Söldner aus Nodorien anwerben, Wilde also. Wenn Eure Kirche diesen Aufmarsch für einen Feiertagsausflug mit anschließendem Buhurt hält, weiß ich, wem ich in Zukunft meine Treue schenke. Ob es aber zu einer Schlacht kommt“, fügte er an, „weiß nur unser himmlischer Gebieter. Unser Schicksal bricht an diesen Türmen, das müsst Ihr einsehen, Eminenz.“
Marcil packte ein Schauer bei dem Gedanken an die Armee vor seinen Toren, ganz wie man es vom Stand eines Geistlichen auch erwarten sollte. Wie ein Speer aus Eis steckte das Gefühl, am Ende der Welt in die Enge getrieben zu sein, in seinen Eingeweiden.
Gorlev hingegen fuhr mit sachlicher Akribie fort: „Ihre Vorräte sind begrenzt und werden für weniger als drei Monate reichen, unsere Speicher hingegen sind voll. Es gilt daher, ihre Nachschubsrouten irgendwie zu unterbrechen. Eure Kirchenfürsten sollten gezwungen werden, mir ihre Kavallerie für einen Ausfall anzuvertrauen, wenn die Not kommt.“
„Woher kennt Ihr ihre Truppenstärke?“, fragte Marcil müde, „Ich sehe nur Feuer und Zelte.“ Der Krieg war nie sein Fach gewesen, Gorlev bekannt als taktisches Genie und doch – ein Hellseher konnte er nicht sein.
„Die Inquisition hat mir fast alle Informationen über das Aufgebot und die Unterstützer des Königs zukommen lassen“, verriet er und verwendete noch immer den Begriff König anstelle von Feind, „fragt besser nicht, woher sie sie haben, Ehrwürdiger.“
Marcil nickte wissend und drehte sich entlang der eigenen Achse, um die belagerte Stadt durch den Regenvorhang zu überblicken. Dieser seltsame Ort flößte ihm seit seiner Ankunft eine unbestimmte Furcht ein, vergleichbar mit der drückenden Atmosphäre eines stillgelegten Bergwerks.
Über das Jahr lebte keine Menschenseele in den aberhunderten Gebäuden, einige Verweser, Söldner und Schreiber der Kirche, die die Festung während ihrer Abwesenheit instand hielten, ausgenommen, sowie Gorlev von den Arken mit seiner Garde. Sie fristeten ihr Dasein in einem grauen, toten Irrgarten im Fels, über den sich steinerne Brücken und Aquädukte zogen.
Marcil kam es manchmal, wenn er über die Wehrgänge spazierte und versuchte, die Steifheit seines Körpers loszuwerden, so vor, als wüchse diese Anlage direkt aus dem Fels des Rokdal-Massivs heraus und hätte nichts Menschliches an sich.
Dass zwischen und in den Tempeln, Küchen, Gäste- und Gardehäusern seit dieser Woche aber tausende von Menschen untergebracht waren, schien ihrer Natur zu widerstreben. Die Leute bewegten sich in dunklen Gassen, die Schall und Laternenlicht gleichermaßen schluckten, sodass man nicht viel von ihnen mitbekam. Was am bedauerlichsten war, niemand konnte heraus, ohne den Reitern des Königs in die Hände zu fallen.

@->Me

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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 16.10.2013 16:49    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Wie versprochen folgt als kleines Gimmik jetzt die Podcast-Version! (Absolut unprofessioneller Machart, da ich es nicht gewohnt bin, in ein Mikrophon zu sprechen).
Natürlich will ich auch verhindern, dass der allzu lange Text potentielle Leser und Kritiker abschreckt wink Am liebsten würde ich auch meine Stimme weiter verbergen, aber die Google-Vorleserin wollte ich jetzt nicht mit meinem Geschreibsel belästigen, die Gute hat so auch schon genug zu tun!

Allgemein hoffe ich, dass ich mich langsam von meiner akuten Adjektivitis (Teutoni) erhole! smile

(An den verwendeten Sounds habe ich keine Rechte, allerdings entstammen sie einer CD aus einer Computerzeitschrift und ich kann sie daher für meine nichtkommerziellen Zwecke verwenden)


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BeitragVerfasst am: 16.10.2013 17:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ahja.

Zur Geschichte nichts - es ist einfach nicht mein Genre, der Grundton passt aber m.E.

Zum Gimmick: klingt blechern Confused Leider, leider, denn du liest super und deine Stimmfarbe finde ich grandios. Die hat so was Knuspriges unten drunter.

Wahrscheinlich mit dem Headset aufgenommen und dann entrauscht? Oder? Was hast du für ein Mikro?
Ich müsste mal nachdenken, welchen Filter man drüberjagen könnte ... oder man fragt jemanden, der sich damit auskennt. smile

Zum Lesen: der Effekt ist ein Müh zu laut, du kommst kaum drüber. Und das Lesetempo ist, für mich zumindest, nicht zu schnell (sollte aber auch nicht schneller werden) - aber es bräuchte etwas mehr "Absätze". Pausen genau da, wo auch Absätze sind und: vor und nach der wörtlichen Rede.
Sonst wird das Brei für's Ohr.

Ich freue mich, wenn die Audiofunktion mit Leben erfüllt wird smile
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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 16.10.2013 17:41    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sei mir willkommen, allsehendes Wundereinhorn, du, welches Blinde wieder sehen lässt! lol2

Zitat:
Zur Geschichte nichts - es ist einfach nicht mein Genre, der Grundton passt aber m.E.
Und sowas nennt sich nun Einhorn. tstststs Nein, die Einstellung ist nachvollziehbar, man muss schon auf eine ganz eigene Art etwas verstockt sein, um "voll auf Fantasy abzufahren", meiner Meinung nach.

Zur Aufnahme:
Ich besitze ein waschechtes Mikro für 14.99 von Speedlink/Saturn. Die einzige preiswerte Variante, bzw. die einzige Variante, die man nicht bestellen und dann Drölf einhalb Wochen darauf warten muss, denn ich brauchte das Mic damals sehr dringend für ein Geburtstagsgeschenk.

Blechern ist das richtige Wort, die Stimme ist so belegt, dass sie mir selbst nicht mehr gefällt. Deine Anregung den Filter betreffend will ich mal in die Tat unsetzen und einen Experten konsultieren. Wenns der Filter nicht tut, gehts halt doch zum HNO-Arzt.

Den Effekt mach ich beim nächsten Teil leiser, gute Idee (Weiß sogar, wie das geht) und trainiere nochmal vor der Aufnahme.
Zitat:
Ich freue mich, wenn die Audiofunktion mit Leben erfüllt wird
Ich denke, dass gerade längere Texte dadurch an Attraktivität gewinnen können. Wahrscheinlich trete ich jetzt die Lawine von Podcast-Beiträgen los!

herzliche Hobbit-Orks-Feen-Elfen-Zwerge-Grüße und danke nochmal! und falls du dich doch mal für das Genre erweichen lässt: Fili, Kili, Uther at your Service!
Uther Pendragon


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UtherPendragon
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BeitragVerfasst am: 30.11.2013 22:18    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Soo, offensichtlich hatte ja niemand etwas an dem überarbeiteten Kapitel 1 auszusetzen.
Die wörtliche Rede ist natürlich ziemlich gewaltig und überdreht und ich bin mir darüber im Klaren, dass sie kein Kind des Realismus ist. Aber so isses eben. Bin im Moment eh recht aktiv. Daher folgt nun die Forsetzung:


Unten, in fünfzig Fuß Tiefe, dröhnte der Gleichschritt aufmarschierender Krieger auf dem Pflaster. Über dem Platz wehte eine sakrale Standarte: drei goldene Flammen auf weißem Grund – Das Zeichen der Inquisition. Marcil beobachtete die Waffenschau der schwer gerüsteten Kämpfer der Inquisitionstruppen auf einem kleinen Platz. Sie präsentierten den Söldnerführern der Kirchenmänner ihre Spezialität: schwere Kriegshämmer und glänzende Vollharnische.
Marcil roch schwelendes Feuer, das Blut geschlachteter Tiere und die Angst der Pferde, wahrscheinlich, weil er in seiner Kindheit oft mit den Rössern seiner Familie zu tun gehabt hatte. Müsste ein Herold sein Wappen führen, so hätte er den steigenden Rappen gewählt anstelle von Feder und Tinte, die heute seine Waffen und Erkennungszeichen waren. Wieder schlug Metall auf Stein, sobald die Kriegsmaschinerie sich bewegte, Tapp, Tapp, Kling; Tapp, Tapp, Kling – zum Untergang!
„Wird es eine Schlacht geben?“, fragte Marcil mehr an sich selbst gerichtet, im Sinne eines Stoßgebets, nicht mehr. Doch Gorlev verstand es als ernst gemeinte Frage.
„Heute Abend“, sprach er, „eröffnet Euresgleichen das Konklave. Ich schätze, dass der König aus diesem Grund hier ist.“ Die Pferde schnaubten und rumorten irgendwo in ihren Ställen.
Als Marcil nichts zurückgab, wurde Gorlev etwas lauter: „Ich wüsste zu gern, was der König von Euch und Eurem Stand verlangt, Tahertan.“ Seine Augen funkelten, das berechnende Kalkül wich Zorn. So genau wüsste ich das auch gern, ging es Marcil durch den Kopf, doch auf diese Weise konnte er sich nicht bloßstellen.
Er entschied daher, Gorlevs Wissbegier auszusitzen. Auch, wenn postwendend ihr aller Leben in den Händen dieses Mannes liegen könnte, konnte sein Leben ebenso schnell verwirkt sein wie das anderer, die den intimsten Kreisen der Kirchenherren allzu nah auf den Pelz gerückt waren.
 „Wenn ich bis zum Morgengrauen keine Botschaft zum Stab unseres Königs schicke, verlieren die die Geduld. Dann habt ihr den Zwist besiegelt und ganz Lenori mit in diese Angelegenheit gerissen.“
"Noch drei Stunden bis zum Konklave", dachte Marcil mit geballten Fäusten, bevor er sich die Hände rieb, um sie zu wärmen. Nächstes Mal nehme ich Fäustlinge mit! Noch drei Stunden, bei Bijarr, bei Gott!
Gerade wollte er sich, zugegeben ein wenig unhöflich, zum Gehen wenden, da kreischte nasser Stahl ihm hinterher: ein Schwert, welches mit voller Wucht aus seiner Scheide gerissen wurde. Marcil fror buchstäblich auf der Stelle fest, obwohl er heftiger zitterte als damals während seiner ersten Messe.
Seine Zähne klapperten in der Erwartung der Klinge, aber nichts geschah. Als er sich umdrehte und unwillkürlich die Hände ausstreckte, legte Gorlev ihm sein riesiges Schwert auf die Handflächen. Von seiner geäderten Klinge rann der Regen, floss, rann, perlte – wie Blut.
„Wie fühlt sich das an?“, knurrte der Kommandant. Das Stück war schwer, doch Marcil ließ es nicht fallen. „Bevor ich es auch nur einem Königlichen einen Zoll tief in den Bauch ramme und damit den Frieden unserer Kinder und Kindeskinder aushauche, will ich, dass ihr wisst, was ich fühle.“
„Ich habe keine Söhne“, entgegnete Marcil kühl. Mit diesem Teil seines Amtes hatte er sich sein Leben lang abgefunden.
„Darum geht es nicht. Seht, oberster Gelehrter, ich habe nicht weiter als diesen Streifen Stahl“, er nahm es beim Heft und schleuderte es über ihre Köpfe, „und meine Stimme“, das Schwert verschwand wieder am Gürtel des Kommandanten,
„ich habe keinen König mehr und es wird mir auch mit meinen Kindern so ergehen, denn Arles ist mit uns in dieser Festung gefangen und Falk dient den Königstreuen im Westen. Man wird ihn dort als wertvolle Geisel betrachten. Welche Pläne also hat das Konklave, die mich zwingen, meinem Herrn und Gebieter entgegenzutreten?!“
Hübsche Rede, dachte Marcil, derer ähnliche werde ich heute noch zahlreich hören. Jedoch wollte er nicht über seine Aufgaben im Konklave oder die heilige Versammlung in Gänze sprechen.
„Ihr seid ein Söldner, Euer Gebieter ist unser aller Gebieter, vertreten durch Mutter Kirche“, gab er zu bedenken, „Falls Ihr aber einen Kampf gegen einen wildgewordenen König nicht verantworten wollt, steht es in Eurer Macht, die Tore zu öffnen. Dann aber wird die Inquisition ein Blutbad anrichten, das als Schlachtfest in den Herzlanden die Geschichtsschreibung erfreuen wird und bei dem Ihr das erste Opfer seid.“

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