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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Sonett


 

 
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toltec-head
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BeitragVerfasst am: 06.07.2012 17:02    Titel: Sonett eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das Sonett (Plural: die Sonette, von lat. sonus ‚Klang, Schall‘, auch: Klanggedicht oder auch lat. sonare ‚tönen‘ und ital. sonetto ‚Klinggedicht‘) ist eine Gedichtform. Der Name bedeutet „kleines Tonstück“ und wurde im deutschen Barock als „Klinggedicht“ übersetzt.
Wikipedia


Für Dich Musik rein fickbar,
Für mich ein Reim licht-klar.
Licht-klar, Reim-Raum, cool-chic,
Wunderbare Lebens Fick-Musik.

Wunderbarer Fick, cool und chic,
Im Raume, leise, wie ein Sieg: Musik.
Das Leben wie ein Reim, licht-klar,
Der Raum im Reim wie Musik: fickbar.

Wunderbare Fick-Musik,
Licht-klar, cool-chic.
Cool-chic, licht klar,
Reim-Raum fickbar.

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Harald
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BeitragVerfasst am: 06.07.2012 19:38    Titel: Antworten mit Zitat

Nun denn:


Es ist kein Sonett,

auch gar nicht so nett,

auch beileibe kein Sonettchen,

neues Genre >>

ein Fickettchen ...

 lol


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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 06.07.2012 19:52    Titel: Antworten mit Zitat

Deine Charakterisierung, Harald, ist diesem Gedicht sicherlich angemessen, aber ich denke, toltec hatte nie im Sinn, ein klassisch durchkonstruiertes Sonett zu verfassen, sondern er hat - meiner Meinung nach - den Begriff des "Klinggedichts" wörtlich genommen, was hier aber gründlich schiefgegangen ist. Die Häufung von "fickbar" wirkt hier eher an den (Scham-)Haaren herbeigezogen, um Musikalität zu erzeugen, wo keine ist, denn die ständige Erwähnung führt eher dazu, dass ich das Lesen ziemlich monoton und anstrengend finde. Mich beschleicht der Eindruck, dass die Poetik dieses Gedichts nicht im literarischen Sinn, sondern im erotischen zu verstehen ist: die Poesie als Quelle der sexuellen Erregung (toltec hat in seinem Rimbaud-Thread schon mal den Begriff der "Alchemie der Sexualität" erwähnt, in Anlehnung an Rimbauds berühmte "Alchemie des Worts").
Allerdings ist das "Fickett" in meinen Augen nur Makulatur für das, was dahinter ist, nämlich: nichts. Ich sehe - unfreiwillig - auf der einen Seite ein wild rammelndes Pärchen, auf der anderen einen vergewaltigten Reim. Und Letzteres passt zum Gedicht selbst: Es vergewaltigt die Musik durch eine unangemessene Häufung von Assonanzen. Gegen die hab ich eigentlich nichts einzuwenden, aber hier laufen sie der These, die toltec selbst aufgestellt, derart zugegen, dass es lachhaft wird: "Das Leben wie ein Reim, licht-klar, / Der Raum im Reim wie Musik: fickbar".


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(...) Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber. Paul Celan

Life is what happens while you are busy making other plans.
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Harald
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BeitragVerfasst am: 06.07.2012 20:09    Titel: Antworten mit Zitat

EdgarAllanPoe hat Folgendes geschrieben:
Ich sehe - unfreiwillig - auf der einen Seite ein wild rammelndes Pärchen, auf der anderen einen vergewaltigten Reim.


Ach, nachdem er so vehement abstreitet, dass "althergebrachte" Gedichtformen noch zeitgemäß sind, sehe ich hier lediglich den - misslungenen - Versuch, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen.

Dazu bedürfte es eines lupenreinen Sonetts, metrisch und endungstechnisch ohne Tadel, das sich über den Text selbst karikiert, in meinen Augen eigentlich unmöglich!

 Wink


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lupus
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BeitragVerfasst am: 06.07.2012 21:58    Titel: Antworten mit Zitat

dass das kein kl. son. is weiss der t. ziemlich sicher selber
ich finde das swingt
umd es klingt m.e. genau so wie es klingen soll
gegen ende hin halt
und das fickbar klingt nicht nur immer ein bisserl anders
es bedeuted auch immer ein bisserl was anderes

ein bisserl lautmalerisch is es auch
ich denk mir in den hintergrund ein bisserl zeppelin
na
umd dann passt das schon
vielleicht nix fuer die annalen der lyrik
was solls
fuers poesiealbum is es auch nix und das is zu mindest schon einmal nicht schlecht

lgl


_________________
lg Wolfgang

gott ist nicht tot noch nicht aber auf seinem rückzug vom schlachtfeld des krieges den er begonnen hat spielt er verbrannte erde mit meinem leben

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"Ich bin leicht zu verführen. Da muss nur ein fremder Mann herkommen, mir eine Eiskugel kaufen und schon liebe ich ihn, da bin ich recht naiv. " (c) by Hubi
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toltec-head
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BeitragVerfasst am: 07.07.2012 08:44    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke Lupus für Deine aufmunternden Worte. Nach der Verschiebung in den Trash und der vernichtenden Kritik von Edgar und Harald, konnte ich sie gebrauchen.

Du deutest auch an, was die anderen geflissentlich übersehen haben, nämlich, dass zwischenmenschliche Kopulation hier wohl kaum das Thema ist. Wenn Edgar an so etwas hässliches wie ein "rammelndes Pärchen" denken muss, ist das vielleicht eher seinem zarten Alter geschuldet, in dem man - Forscher haben die entsprechenden Gehirnströme gemessen und sagen: alle 3 Sekunden - dauernd an so was denken muss. Und im Alter überflutet es einen, wenn die Dämme brechen, dann auch wieder. Wird dann aber zur reinen cosa mentale und wahren Obsession.

Mit all dem hat mein Gedicht nun wahrlich überhaupt nichts zu tun. Es geht um Kunst, Kunst und nochmals Kunst. Es ist die reinste Inzucht.

Aber ich bin Harald, Edgar und dem sich nicht zu erkennen gebenden Moderator (Pencacke?) letztlich doch auch dankbar. Wo wenn nicht im Lyrikbereich bei DSFo darf man denn heute bei der allgegenwärtig herrschenden repressiven Toleranz weiter die Illusion hegen, es ließe sich noch "épater le bourgeois"? Man sollte das gesamte Wohnzimmer samt gehäkelter Fernbedienung, Kartoffelchips und großem Angela Merkel Foto an der Wand zum Weltkulturerbe erklären. Was der dies einmal sprengende Taliban in seiner Ignoranz anders als ich, der ich ja die Phänomenologie des Geistes gleich mehrmals gelesen habe, nicht weiß: die im Fernsehen gespielten Romanzen, Familien- und Naturfilme, sie sind wirklich der Menschheit letzter Schluss.

Es ist daher nicht ganz ernst gemeint, wenn ich sage:

Für die Beschäftigung mit meinem Genicht
Dank ich Euch recht herzlich Ihr Lieben.
Und Angie auch fürs in den Trash verschieben.
Zwar wär ich als anständiges ehrliches Gedicht
Gern noch etwas im Wohnzimmer verblieben,
Die Chips hätten mich aber bald von selbst vertrieben.
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EdgarAllanPoe
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Die Tauben
BeitragVerfasst am: 07.07.2012 09:30    Titel: Antworten mit Zitat

Die Sex-Assoziation war mein erster Eindruck, was nichts mit meinem Alter, sondern der dauernden Verwendung des Wortes "fickbar" zu tun hat. Dass es um Kunst geht, war mir von Anfang an bewusst, schließlich meine ich nicht, dass du ein Gedicht übers reine Vögeln schreibst. In meinen Augen verbindest du die Poesie mit Erregung, im weitesten Sinne: Erhebung. Eine Dichtung, die die Sinne öffnet, das ist das Ziel vieler Autoren. Dass dir das hier gelingt, bezweifle ich ganz stark. Mich hast du jedenfalls auf keinen wie auch immer aussehenden Parnass geführt, sondern in den Abgrund gestürzt, und jetzt klingeln mir die Ohren.

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toltec-head
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BeitragVerfasst am: 07.07.2012 09:40    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Zitat:
Mich hast du jedenfalls auf keinen wie auch immer aussehenden Parnass geführt, sondern in den Abgrund gestürzt...


Der Weg nach oben und der Weg nach unten ist ein und derselbe.

Heraklit
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Gast







BeitragVerfasst am: 07.07.2012 18:16    Titel: [color=red][size=24]Im Pelz des Leobarden[/size][/color] Antworten mit Zitat

Es schallt Musik durch meinen Living Room und
der Goldfisch grinst mich an aus seinem Glas,
Angela Merkel öffnet spitz den Kanzlermund,
den Euro rettend unterstreicht er irgendwas.

Ich cräshe Chips zu Coldplay und Franz Ungenachs ge-
nialen Tonkunstwerken. Weltkunst klingt zum Tick-
en meiner nachterhellten Uhr, die lachser-
frischt spachtelnd ich fernbedien' im Glück,

zu lauschen Goldfischs Nachtgesang im warmen
geweihten Lyrikzimmer: harter Arbeit milder Lohn.
Die Muschel barg ich sanft in meinen Armen.

Nur Chaos dort, doch Klanggold hier! Ein Hurensohn
beschuldigt Worterotik mich. Ich schlag ihn wund
und zwink're hin zur Domina im Hintergrund.
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Gast







BeitragVerfasst am: 07.07.2012 19:22    Titel: Antworten mit Zitat

à th
Dein Genicht verweigert sich dem Rhythmus, den du ihm hättest geben können, manchmal verstehe ich nicht. Eigentlich verstehe ich fast nie jemand. Also Männer. Hat sich der Text geweigert? Hast du dich ihm verweigert?
Mir gefällt es, aber vielleicht nur, weil du bei mir einen Stein im Brett hast, wer weiss.
Es singt, auf jeden Fall.
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toltec-head
Hobbyautor

Alter: 43
Beiträge: 309



BeitragVerfasst am: 08.07.2012 09:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Guten Morgen Lorraine,

Deine Besuche sind mir immer besonders willkommen. Dominik schrieb mir kürzlich in einer PN zu einem meiner Threads: "Ich schreib da jetzt nix mehr drunter, bevor nicht auch Lorraine oder so, was geschrieben hat."

Und du hattest ja schon lange nichts mehr geschrieben und deshalb freu ich mich jetzt.

Aber: Was ist denn das? (wie Aranka immer so schön sagt)

Zitat:
Dein Genicht verweigert sich dem Rhythmus, den du ihm hättest geben können


Und keine zwei Zeilen später:

Zitat:
Es singt, auf jeden Fall (gemeint: das Gedicht).


Ist das Frauenlogik? Oder einfach: Am Ende noch mal was nettes (was Du Dir ergo hättest sparen können)?

Und schließlich:
 
Zitat:
Mir gefällt es, aber vielleicht nur, weil du bei mir einen Stein im Brett hast, wer weiss.


Ist das noch Textkritk oder schon Flirt?

Lorraine, ich bin nicht Bananenfisch. Bitte keine Kumpaneien.

Icke mach hier Literatur.

Will keine Steine im Brett sondern meinetwegen in die Fresse.  

************
Dominik,

Du jetzt auch im Griff des grassierenden Sonettenfiebers?

Zitat:
Adieu, valour; rust, rapier; be still, drum; for your manager is in love; yea, he loveth. Assist me, some extemporal god of rhyme, for I am sure I shall turn sonnet.


Auf jeden Fall hast Du Dir schon einmal ein Plätzchen im Schatten junger Rosenblüten erschrieben. Also ab ins Wohnzimmer!, will ich damit sagen. So wird hier nämlich der Nicht-Trash-Bereich genannt. Weiß nicht, ob Du das wusstest. Ist witziger Weise auch in anderen Internetlitearturforen so. In Hannover heißt so etwas auch die "Gute Stube".

Wußtest Du eigentlich das:

Nur die frechen unter den Buben
Kommen in die gute Stuben.
Freche Frauen
Gehören
Verhau
en.


Wer ist denn Herr Ungemach? Wieder einer Deiner high-brow Musicalschreiber?

LG à tous vom Herrn Sonett
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Gast







BeitragVerfasst am: 08.07.2012 14:34    Titel: Das Ungenach mit Sonetten Antworten mit Zitat

Und die Frage wäre ja noch, mit wem sie eigentlich flirtet. "Dein GeNicht" (n beabsichtigt?), bezieht es sich auf das ganz oben oder auf das, was direkt vor ihrer Antwort kam?

Hi toltec-head,
ich hasse mich ja selber dafür, aber ich kann nicht widerstehen, Erklärungen abzugeben. Wo doch mein voriger Text eigentlich überhaupt nichts aussagen, sondern nur die Leute ein wenig herumüberlegen lassen wollte.

Der Anstoß für diese Antwort kam ja nicht wirklich von dir, sondern von Harald und seiner Eintragung:

[quote]Nachdem er vehement abstreitet, dass althergebrachte Gedichtformen zeitgemäß sind, sehe ich lediglich den - misslungenen - Versuch, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Dazu bedürfte es eines lupenreinen Sonetts, metrisch und endungstechnisch ohne Tadel, das sich über den Text selbst karikiert, in meinen Augen eigentlich unmöglich![/quote]

Nach dieser Stellungnahme kann man doch eigentlich gar nicht mehr auf der Meta-Ebene, literaturbetrachtend und -erklärend, antworten, sondern, was an dieser Stelle Not tut, ist, sich selber als Dichter zu probieren, ihm ein Sonett nach der "althergebrachten" Form zu servieren - und das müsste in etwa das aussagen, was dein Gedicht sagte.

Was ich an dieser Stelle gern gehabt hätte, wäre eine neue Harald-Antwort gewesen: "Das war jetzt ein Sonett. Aber ein schlechtes." Und dann erzählt er uns mal, welche formalen Kriterien da alle nicht erfüllt wurden.

Wie du ja weißt, schreibe ich eigentlich gar keine Lyrik, habe nie welche geschrieben, habe schon mal welche gelesen, aber wenig, glaube ich nicht, dass ich das gut könnte, aber glaube ich doch, man soll es lassen, wenn man es nicht gut kann - und nicht die Texterforen damit zustopfen.

Es war tatsächlich das allererste Sonett, an dem ich mich je versuchte. Und ich glaub, so bald tu ich das nicht wieder. Es ist doch ein vertrackt schweres Teufelsding. Und es scheint da auch noch weitere Kriterien zu geben als bloß dieses Versezählen. Da gibt's wohl irgendwelche Einschnitte in der Mitte der Zeile, die hübsch wären. Und die Dreizeiler am Ende sollen wohl irgendwie die Bilanz ziehen aus allem Vorhergegangenen. Und das Ende soll den Anfang spiegeln. Und was weiß ich.

Jedenfalls dachte ich bei Haralds Forderung (eigentlich müsste jetzt, aber das geht meines Erachtens gar nicht) augenblicklich an:
"Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs" von Robert Gernhardt
[quote]Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und wills echt nicht wissen:[/quote]

(Die versierten DSFo-Autoren werden sogleich bemerken, dass er zweimal in einer Zeile das Wort "echt" verwendet. Zeigt sogleich, dass es ein Nicht-Schreiben-Können Autor ist, Robert Gernhardt eben.)

Wenn man den Harald oben so liest, hat man den Eindruck, der hat von dem Sonett noch nie was gehört. Obwohl das jetzt schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Obwohl mir, als ich einstens Erstsemester der Litwiss war und in einer Vorlesung "Einführung in die Lyrik" saß von einem Professor, der mittlerweile das Konkurrenzunternehmen zum Großen Conrady aufgemacht hat, ebendieses Gernhardt-Gedicht als Lehrbeispiel für die Sonettform vorgestellt worden ist, so zirka 1980 war das. Und obwohl Gernhardts "Materialien" mittlerweile auch bei Conrady stehen.

Oder wenn nicht da, dann doch zumindest in Karl Otto Conrady (Hg.): In höchsten Höhen. Eine Gedicht-Revue. Berlin 2005, nach der ich gegriffen habe, um vorher mir mal aufs Papier zu malen, wie das denn nun ist mit den Hebungen, Senkungen und Reimen bei Sonetten.

Ich guckte dann nachher beim Texten den Gernhardt gar nicht mehr an, sondern nur noch dieses Blatt mit den Bogen und den Strichen. Und das war schon verflixt: Anscheinend war da in allen 12 Zeilen ein 5-hebiger Jambus gewesen. (Komplett überall bei Gernhardt, nicht so bei mir.) Aber immer die erste und die dritte Zeile von den ersten drei Strophen haben am Ende noch eine zusätzliche unbetonte Silbe stehen. Nicht so die erste Zeile der Schlusstrophe, dafür dort dann die beiden letzten Zeilen. Und es reimt sich auf unbetonten Silben! (Also mal reimt es sich auf unbetonten, mal auf betonten.) Hei verflixt aber auch, was für eine "Wichserei" - wie Gernhardt schreiben würde.

Nachzulesen hier:
[url]www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/.../Einführung07.pdf[/url]

Kommt ein schönes PDF. Da dann mit "Bearbeiten/suchen" "Gernhardt" eingeben - und schon steht's vor einem.

Wie sich vielleicht mit der Zeit mal herumsprechen wird, steht in meinen Texten nicht immer, was ich eigentlich sagen will. Also schon, aber nicht mmer. Coldplay sind tatsächlich nicht, was ich für genial halte. Also, die geh'n, aber ganz das Wahre sind sie wirklich nicht. Und nun hätte ich zusammen mit einer grandiosen Rockgruppe da noch gerne einen topbedeutenden und superernsthaften Klassikmusikkompositeur drin gehabt. Jedoch dachte ich, ich nehme da mal einen erfundenen, damit Leute, die selber sich bei klassischen Komponisten viel besser auskennen als ich, vielleicht meinen, sie würden jemand noch immer nicht kennen wie dieses Gernhardt-Sonett, das sonst ja wirklich jeder kennt. Und da dann zu googlen anfangen, die Vorstellung machte mir Spaß.

Ich hätte natürlich einen Namen nehmen können, der sich besser ins Metrum gefügt hätte, wäre ja mit Links gegangen, wenn man sich den einfach ausdenken darf. Aber irgendwoher war gerade das Wort "Ungenach" (also nicht Tippfehler für "Ungedach", nicht meinen!) in mein Hirn gedrungen. So heißt ein Werk von Thomas Bernhard, welcher selber ja auch angeblich stets die allererlesenste Musik gehört hat, wenn er abends allein daheim gewesen ist. Ich hatte mich früher immer gefragt, wie man diesen Titel ausspricht. Wie Ungemach, also mit Akzent auf der letzten Silbe? (Denn, dass man da beim Lesen sofort meint, "Ungemach" gesehen zu haben, das dürfte ja wohl mitgespielt haben, dass er diesen Titel aussuchte.) Nun handelt es sich dabei aber um einen real existierenden kleinen Ort in Oberösterreich. Die Aussprache wäre also objektiv feststellbar und ich vermute sie lautet Úngenach, Akzent auf der ersten Silbe und ganz kurzes e und das ng so verschmolzen wie in Zeitung.

In meinem Gedicht muss aber natürlich un [b]GÉ[/b] nach gelesen werden. Sonst hat es mit dem Metrum schon mal gar nicht mehr hin. Ist aber ja dieser mährische Komponist aus der Renaissance gewesen, ihr wisst schon.
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BeitragVerfasst am: 08.07.2012 14:49    Titel: Antworten mit Zitat

2012 toltec head fick und chic

Hi toltec-head,

ich möchte mich hierzu ähnlich wie lupus äußern.  Smile
Da swingt was lautmalerisch ins Ohr – und hat weiß Gott nix mit einem Fickgerammel menschen-ähnlicher Gebilde zu tun – müsste eigentlich ein jeder „befriedigter“ Wink Leser erkennen dürfen, mM.

Für mich ist da ein Li, dass sich in voller Hingabe hin -und her-reflektierend der Musik hingibt – echt da reinfallen und bereichert wieder rausfallen kann. (vllt generell Kunst – doch, was wäre eine generelle Kunst? hi, hi ..., letztl egal ...)

Soll heißen, Dein extranisches Sonett hat sicher "etwas" (zumindest für mich, und meiner sowieso Nähe zu metrischen (echten!) Brüchen ...), und zwar etwas „mehr“ in sich. Auch könnte ich es allemal als Sonett begreifen – eben, ein Heute Sonett. Dennoch, sicherlich das kleinste Etwas ..., was hier einer ernsten Kritik unterläwe, hi, hi

Doch klaro, da sind nunmal faktisch modulierende Fehlecken markant drin, die gerade die zweite Strophe echt ausnocken. Und müsste doch gar nicht sein – oder?
Oder toch?

Und hierin sehe ich auch gleichbedeutend z.B. Romans(Jim K) vorgenommen Kritik an Deiner KritikResistens sinnig vorgetragen MMn!
Altbackene Metrik umgesetzt zu überwinden – aber Hallo, natürlich, und warum denn nicht!

Doch, wie es Roman explizifierte: Dies bedarf natürlich einen Kennntnis-Umgang, geade mit der hiesigen, alten Metrik-Lehre.
Was ist mMn Dein eckiges Dichte-Problem (ich weiß ja, Du, als Resistenzler hast natürlich für Dich diesbzgl Null Problemo)?
Für mich sind es Deine ab und an falschen Zäsuren, falsch oder gar nicht sichtbar gesetzt. Und wäre doch gerade bei Deinem grundsätzlich, alternierenden Stil recht einfach umzusetzen.

Dafür gibts einerseits Hebungs-Paar-Worte, die durch sich selbst eine Zäsur (ein Rhythmus-Wechsel Päusle) sprachklanglich einfordern – oder andererseits, einfach richtige Satzzeichen zu setzen. Das wärs dann fürs allererste doch schon.
Genauso mittelds Enjambements umsetzbar ...

Bin mal an Dein Werk rangegangen – mal probiert, es etwas zäsierend modulierender (zumindest für mich) umzusetzen.

Es geht los:

Für Dich – Mus ik rein fickbar,
Für mich ein Reim licht-klar.
Licht-klar, Reim-Raum, cool-chic,
Du Wunderbar – Leb (oder Lebst, Lebt, ...) Fick in der Musik.

Wunderbarer Tick. Cool und chic, / (oder Tic)
Ein Sieg im Leise-Raum: Musik / (Enjambement)
Wird/ist(usw) Leben wie ein Reim, licht-klar./ (oder mMn besser ohne Punkt als 2. Enjambement)
Erklingt im Raum im Reim, fickbar.

Wunderbare Fick-Musik,
Licht-klar, cool-chic.
Cool-chic, licht klar, / ( auch mögl dergl andere Kombis wie Cool-licht, Tic-klar)
Reim-Raum fickbar.

--------------------


toltec-head,
Was meinst Du dazu, zu diesem Hubberle Versuch?

Für mich wärs so durchgängig, plus Zäsuren, modulierend.

Für Erste, erst mal ein Tschüss, Stimmgabel / und hat mir gut gefallen, hier mal bei Dir reinzuschauen.

--


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Gabel im Mund / nicht so hastig...
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toltec-head
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BeitragVerfasst am: 08.07.2012 15:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Uff! Das haut mich um.

Muss ich mir erst mal aufschreiben und laut vergleichend mit meiner Fassung lesen. Mach das mit eigenen Sachen auch immer so.

Beim hastigen Lesen gefällt mir Tick in der zweiten Strophe und der dann insgesamt fehlende Fick nicht. Aber das heisst nichts. Tick passt prima zu Musik. Und wohlmöglich ist es ja tatsächlich ein Fick zuviel.

Also kommt Zeit, kommt Rat. Ach ja, einmal schlafen drüber ist auch (bei den mit wichtigen Sachen jedenfalls ) wichtig.

Danke erst einmal für Deine intensive Beschäftigung mit dem Gedicht.

Ja es wäre schön, wenn wir hier bei DSFo ein Art "Combat des anciens et modernes" vom Zaune brechen könnten. Ich hab dazu in der Theoriewerkstatt auch noch unter "Reim, Metrum und Zeit" unter Angabe eines Superhirns Ausführungen gemacht.

*****************

Dominik,

danke für Deine Erläuterungen. "Kalte Spiele" notier ich mir mal als schönen Titel für ein Gedicht ("Kalte Jagden" vielleicht noch besser).

Ich finds auch als klassisches Sonett sehr gelungen :)

Mögen Harald und andere Sonettspezialisten sich nun fachmännisch dazu äußern...

LG Toltec
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BeitragVerfasst am: 08.07.2012 15:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ah Mensch!

Aus irgendwelchen Gründern erschien bei der Antwort oben von mir der Inhalt überhaupt nur, wenn ich "BBCode deaktivieren" klickte. Dann aber gehen die URL nicht.

Hab dann gesehen, dass das mit dem PDF aus Kiel nicht funktioniert. Da muss man erst selber noch in der Suchmaschine danach suchen.

Wollte dann diesen Link einfügen, der müsste den Gernhardt sofort zeigen.
http://www.fulgura.de/sonett/karussel/253.htm

Aber dann hatte ich wohl so oft meine Antwort aufgerufen und verändert, dass ich die jetzt nicht mehr aufmachen darf ("Fair Play!"). Drum musste ich den zweiten Link noch mal extra posten, sorry.
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Gast







BeitragVerfasst am: 08.07.2012 17:21    Titel: Antworten mit Zitat

toltec-head hat Folgendes geschrieben:
Guten Morgen Lorraine,

Deine Besuche sind mir immer besonders willkommen. Dominik schrieb mir kürzlich in einer PN zu einem meiner Threads: "Ich schreib da jetzt nix mehr drunter, bevor nicht auch Lorraine oder so, was geschrieben hat."

Und du hattest ja schon lange nichts mehr geschrieben und deshalb freu ich mich jetzt.

Aber: Was ist denn das? (wie Aranka immer so schön sagt)

Zitat:
Dein Genicht verweigert sich dem Rhythmus, den du ihm hättest geben können


Und keine zwei Zeilen später:

Zitat:
Es singt, auf jeden Fall (gemeint: das Gedicht).


Ist das Frauenlogik? Oder einfach: Am Ende noch mal was nettes (was Du Dir ergo hättest sparen können)?

Das hätt ich mir ganz bestimmt nicht ersparen können, denn ich kam ja deshalb her, weil es zu mir sang, mit Klang und allem drum und dran, aber - Frauenlogik hin oder her - was hat jetzt Gesang zwingend mit Rhythmus zu tun???
(ernst gemeint)


Und schließlich:
 
Zitat:
Mir gefällt es, aber vielleicht nur, weil du bei mir einen Stein im Brett hast, wer weiss.


Ist das noch Textkritk oder schon Flirt?
Weder. Noch. "Mir gefällt es" ist etwas wenig, um als Textkritik durchzugehen, und ok, das mit dem Brett hätt ich mir sparen/dir ersparen können. Flirt? Was ist das? Du hast mir gesagt, dass ich leider eine Frau sei, und mit jungen Männern flirte ich nie.

Lorraine, ich bin nicht Bananenfisch. Bitte keine Kumpaneien.
Tu t'es fait comprendre. Je ne vais pas recommencer.

Icke mach hier Literatur.
Das ist es ja eben.

Will keine Steine im Brett sondern meinetwegen in die Fresse.  
Dann mach dein Sonett gefälligst so, dass ich es rhythmisch singen kann!

************
Dominik,

Du jetzt auch im Griff des grassierenden Sonettenfiebers?

Zitat:
Adieu, valour; rust, rapier; be still, drum; for your manager is in love; yea, he loveth. Assist me, some extemporal god of rhyme, for I am sure I shall turn sonnet.


Auf jeden Fall hast Du Dir schon einmal ein Plätzchen im Schatten junger Rosenblüten erschrieben. Also ab ins Wohnzimmer!, will ich damit sagen. So wird hier nämlich der Nicht-Trash-Bereich genannt. Weiß nicht, ob Du das wusstest. Ist witziger Weise auch in anderen Internetlitearturforen so. In Hannover heißt so etwas auch die "Gute Stube".

Wußtest Du eigentlich das:

Nur die frechen unter den Buben
Kommen in die gute Stuben.
Freche Frauen
Gehören
Verhau
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urgs

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toltec-head
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BeitragVerfasst am: 08.07.2012 20:27    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Lorraine schrieb

Zitat:
...natürlich gehen mir die immer wieder diskutierten Fragen um das Aufbrechen von Formen, die mE schon längst geklärt sind, ein wenig auf den Keks, bestimmt werden Formen verformt, sobald sie als Form erkannt sind, das ist nichts Neues, und wer sagt, dass man nur postformen darf, wenn man sich auskennt, der kennt sich natürlich aus.


Die Ontogenese rekapituliert die Phylogenese. Wir befinden uns in einem Embryo.

Gibt doch im Ulysses sogar ein Kapitel, das nach diesem Prinzip aufgefbaut ist.

Außerdem macht es Spaß, die "querelle des anciens et modernes" nachzuspielen.

Aber über Rhythmus werd ich mir noch mal Gedanken machen. Singen ohne Rhythmus? Warum eigentlich nicht? Wenn man halt so allein vor sich hin singt. Find das als Ton eigentlich recht angemessen.

Europahymnen mögen andere anstimmen.
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