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Die Stunde des Rotkehlchens


 
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cascail
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Alter: 67
Beiträge: 468
Wohnort: frankreich


BeitragVerfasst am: 08.09.2011 14:45    Titel: Die Stunde des Rotkehlchens eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Hallo! Ich weiss nicht ob ich hier im richtigen Bereich glandet bin.
Erstmal, meine Ur-Tastatur ist französisch und ich jongliere dauernd zwischen einer deutschen Tastatur und dieser hin und her. Das heisst im Klartext, manchmal gibt es ein ' ß' und manchmal, wenn ich so richtig in Fahrt bin wirds  dann eben ' ss'.
Ich schreibe ein Liebesgeschichte, die gleichzeitig ein bisschen Blut-und-Boden ist, (die Gegend in der das Buch spielt liegt mir kitschigerweise am Herzen) ein wenig Krimi. Naja, so eine Art Airportding, mit zugegebenermassen einigen Klischees. Mein literarischer Anspruch ist  gleich Null.  Es geht mir einfach nur darum, eine Geschichte zu schreiben. Ich wühle niemanden Seele herum und verfalle nicht in analytische Nabelbetrachtungen.Punkt.

Die Prota ist ein bisschen, aber wirklich nur ein bisschen, autobiographisch, der Rest ist pure Phantasie.
Ganz kurz zu mir: Ich lebe genau da, wo der Roman spielt und der Anfang ist fast echt. Aber dann verselbstständigt sich die Geschichte. Die Kochrezpte am Ende sind authentische Rezepte aus der Gegend.  Rolling Eyes                                                                                                                                                  
                                                                                                                                                                                                                   
                                               -1-        

  „ Verrückt!” Elena schüttelte den Kopf.  Das wars' sie musste verrückt sein! Welcher normale Mensch kam schon auf die blödsinnige Idee, ein gottverlassenes Haus in einem gottverlassenen Winkel der Zentralpyrenäen zu kaufen? Fünf steile Kilometer schlechte Piste vom nächsten, winzigen Dorf entfernt, in dem es gerade mal einen Bäcker, eine Einklassenschule und ein permanent leerstehendes, verstaubtes Café gab.  Wo man die Hauptstraße am helllichten Tag  dreimal auf und ab laufen konnte, ohne dass einem,  außer ein paar  schlafenden Hunden, jemand begegnete. Gut, es gab die eine oder andere streunende Katze aber sonst musste man schon verdammtes Glück haben, einer lebenden  Seele zu begegnen. Das Sensationellste was sie im Dorf erlebt hatte, waren ein paar Schafe, die sich auf den Dorffriedhof verirrt hatten und nicht mehr wussten, wie sie dort herauskommen sollten, und in Ermangelung von Gräsern und Kräutern alle Blumen und Pflanzen von den Gräbern gefressen hatten. Niemand ausser Ihr war da, um die pietätlosen Straftäter zu vertreiben. Sie hatte die gefräßigen Übeltäter aus dem Hintertürchen des Friedhofs gescheucht und war weiter ihrer  Wege gegangen. Es gab, so erfuhr sie später, wilde Gerüchte und Spekulationen über diese Freveltat und Elena hütete sich, die phantastischen Geschichten, die da gesponnen wurden durch so prosaische Erklärungen wie verirrte, verfressene Schafe zu banalisieren.



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Neopunk
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BeitragVerfasst am: 08.09.2011 15:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Cascail,

herzlich willkommen im Forum. Ich sage dir, was ich ab jetzt allen Neulingen sage. Hüte dich vor Wörtern!

Allerdings solltest du darauf achten, wo du deine Sachen einstellst; deine Geschichte gehört in die Werkstatt des Prosabereiches. Frage einfach einen Moderator (grüne Schrift) ob er deinen Post splitten kann.


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Maria
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BeitragVerfasst am: 08.09.2011 16:38    Titel: Antworten mit Zitat

vom Teppich in die Prosa Werkstatt.

VG
Maria


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TheSpecula
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BeitragVerfasst am: 08.09.2011 17:10    Titel: Antworten mit Zitat

Herzlich Willkommen, cascail.

Vielleicht zitiere ich zu Beginn ersteinmal James N. Frey:

"Autorengruppen werden Sie überall finden. Autoren suchen immer die Gesellschaft anderer Autoren. Das gehört zu ihrem Naturell. Es gibt im wesentlichen drei Arten von Autorengruppen: enthusiastische, literarische und Destruktive."

In einer enthusiastischen Gruppe, werden alle Werke in den Himmel gelobt und man mag sich. Intuitiv fühlt man sich hier vorerst auch am wohlsten.
In einer literarischen Gruppe tummeln sich die Autoren herum, die jedes Werk mit einem Anderen (Bekanntem) vergleichen und sonst auch eher wenig nützlich sind.
Die einzigst sinnvolle Gruppe ist die destruktive. Stelld ich auf einige Rückschläge ein. Es wird (nicht nur einmal) vorkommen, dass man kein gutes Haar an deiner Prosa lässt. Zuerst denkst du dann sicher, dass wir Alle total unausgeglichene Choleriker sind, denen die Chips ausgegangen sind, aber nach einiger Zeit merkt man, dass die Kritiker Recht hatten. Und nur durch gepflegte Kritik erreicht man mit der Zeit sein Ziel.

Und denk daran, dass jeder in diesem Forum schonmal an diesem Punkt war.

So, genug gelabert; Zu deinem Text:


Leider gefällt mir dieser noch überhaupt nicht. Er vermittelt mir genauso viel Spannung wie eine Tasse Anis-Kümmel-Tee, wenn man ihr beim ziehen zusieht.
Du beschreibst im Groben, dass dein Protagonist anscheinend leichtsinnig gehandelt hat und dass in der Statt nebenan, niemand ist, außer Hunde, Katzen und Schweine.


Zitat:
Das wars' sie musste verrückt sein!


Das war's! Sie musste verrückt sein! -, war sicher gemeint. Aber auf Rechtschreibung gehe ich eher ungerne ein, da ich aus persönlicher Erfahrung weiß, dass es nichts Ätzenderes gibt, als Leute die lediglich auf Rechtschreibfehler hinweisen. Da möchte Unsereiner glatt beim lesen des Beitrags rufen "ich weiß, dass da noch Rechtschreibfehler drin sind. Ich möchte meinen Stil kritisiert wissen!". Also, was deinen Stil angeht muss ich - neben dem Vergleich mit dem Tee - sagen, dass du ziemliche viele Stile durcheinander mixt. Wahrscheinlich ließt du viel oder zumindest ein bisschen mehr als Andere. Das war bei mir am Anfang auch so und ist auch immer noch in Zügen vorhanden, wenn ich schreibe. Doch versuche immer zu überlegen, ob dein Charakter auch GENAU DAS(!) gesagt hätte. Frage ihn! Stell ihm die Frage! Und wenn er weglaufen will, halt ihn zurück und kette ihn zur Not an, bis du die Antwort aus ihm herausgekitzelt hast. Im Allgemeinen gibt der Text nämlich einen ziemlich gemixten Eindruck ab. Zum Beispiel dein letzter Satz: Daraus könntest du locker 3 machen. Gönne dem Leser Pausen beim Lesen ohne stakatoartig zu werden.
Und versuche ein wenig präziser zu werden. Das Beispiel mit den Katzen oder mit den Schweinen hätte gereicht. Mir scheint, als seinen dir alle drei Ideen gleichzeitig gekommen und du wolltest Alle unterbringen. Es ist schwer und selbst erfahrene Autoren können es noch nicht, doch versuche deinen Text als Außenstehender zu betrachten. Wenn man sich gut konzentriert erkennt man den ein oder anderen Fehler.

Soweit erstmal zu deinem Text. Aber ich würde gerne mehr lesen! Und nimm meine Einleitung zu Herzen und nimm es nicht zu Herzen. wink Die Kritik ist in keinster Weise spöttisch gemeint öÄ.

Liebe Grüße,
TheSpecula


(Und entschuldige bitte grad die Rechtschreibfehler; Bin in Eile^^)


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cascail
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BeitragVerfasst am: 08.09.2011 17:29    Titel: Wie ist das mit der Rechtschreibung? pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Kümmel-Anistee, der hilft manchmal richtig gut.   Laughing
 Und superempfindlich bin ich auch nicht. Smile
Das mit den langen Sätzen muss ich mir abgewöhnen.Obwohl, manchmal ist es einfach so, da wird es lang. Rolling Eyes Und erkläre mir bitte gnauer, wie das mit den verschiedenen Stilen ist, damit ich das kapiere. Rolling Eyes Ich will ja hier was lernen, nicht? Wink


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cascail
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BeitragVerfasst am: 11.09.2011 18:44    Titel: Ich möchte einen Roman schreiben. pdf-Datei Antworten mit Zitat

Coucou, Ich bin ja neu hier und ich denke mir, nachdem ich hier so einiges durchforstet habe, werdet ihr mich in mini-kleine Stücke reissen aber ich schicke es trotzdem mal rüber. Ich habe mich weder mit dem Konjunktiv noch sonst was auseinander gesetzt. Und ich habe auch nicht vor, es an einen Verlag zu schicken. Es hat mir einfach Spass gemacht zu schreiben. Und damit gleich von vornherein klar ist: es ist kein Reisser, nur ein Roman, ohne literarischen Anspruch und die Zielgruppe sind Frauen, ab dreissig würde ich mal sagen. vv                                                                                                                                                       
                                                                                                                                                                                                                           -1-
                                
  „ Verrückt!” Lena schüttelte den Kopf.  Das war's sie musste  verrückt sein! Welcher normale Mensch kam schon auf die seltsame Idee, ein renovierungsbedürftiges Haus in einem gottverlassenen Winkel der Zentralpyrenäen zu kaufen? Fünf  Kilometer schlechte Schotterpiste vom nächsten, winzigen Dorf entfernt, in dem es gerade mal einen Bäcker, eine Einklassenschule und ein permanent leerstehendes, verstaubtes Café gab.  Wo man die Hauptstraße am helllichten Tag  entlang   laufen konnte, ohne dass einem  außer ein paar  schlafenden Hunden jemand begegnete?  Das Aufregendste, was Lena im Dorf bis jetzt erlebt hatte, waren ein paar Schafe, die sich auf den Dorffriedhof verirrt hatten und nicht mehr wussten, wie sie dort herauskommen sollten.  In Ermangelung von Gräsern und Kräutern hatten diese alle Blumen und Pflanzen von den Gräbern gefressen. Niemand war da,  die pietätlosen Straftäter zu vertreiben, außer ihr, Lena. Sie hatte die gefräßigen Übeltäter aus dem Hintertürchen des Friedhofs gescheucht und war weiter ihres Weges gezogen. Wie sie später erfuhr, gab es wilde Gerüchte und Spekulationen über diese Freveltat. Lena hütete sich tunlichst, die phantastischen Geschichten, die da gesponnen wurden durch so prosaische Erklärungen wie verirrte, verfressene Schafe zu banalisieren.
       In der nächsten Stadt war auch nicht gerade die Hölle los. Nur der einmal die Woche stattfindende Markt bildete da eine Ausnahme. Jeden Samstag ergoss sich ein Gutteil der die ganze Woche über unsichtbaren Bergbevölkerung auf das Champs de Mars  und es wimmelte nur so von Menschen. Nach einer Woche Alleinseins stürzte Lena   sich mit  Elan in diesen bunten Menschenauflauf.
Sie hatte durchaus nicht die Absicht, sich völlig zu isolieren und der große Markt gab ihr neben den wichtigen Einkäufen, die sie erledigen musste Gelegenheit, Bekanntschaften zu machen.

        Aber was hatte sie, Lena  Klausen, siebenundzwanzig Jahre alt und bis jetzt eigentlich recht vernünftig, dazu getrieben, sich hier niederzulassen? Zumindest hatte sie immer angenommen, relativ klar zu sein. Sicher, ein paar Macken und Besonderheiten gab es schon, aber das hatten andere Menschen auch und deswegen verzogen diese sich doch auch nicht in die hinterletzte Ecke der Berge. Sie grübelte manchmal über ihre Beweggründe nach.Der Reiz der Berge konnte doch nicht der einzige Grund dafür sein, der Stadt und ihren Annehmlichkeiten so drastisch den Rücken zu zudrehen. Hatte sie irgendeine Neurose? Hatte man sie als Kind zu heiß gebadet? Und war es denn wirklich eine Flucht? Oder hatte sie irgendein tiefsitzendes, bisher unerkanntes Problem?  
        Sie saß, die Füße im Wasser, auf dem Rand der steinernen Viehtränke, welche von der eiskalten Quelle oberhalb des Weilers gespeist wurde und starrte auf das, was an anderen Tagen ' ihr' Tal war.  Normalerweise sah man die Dörfer an den Hängen liegen, die Straße, die sich wie ein graue Schlange durch Felder und Wiesen wand und auf der wie kleine Käfer bunte Autos entlang krochen. Der Blick auf die umliegenden Berge war atemberaubend. Heute jedoch war von alldem nichts zu erkennen. Die Berge waren nur noch graue Schemen, körperlos schwebten ihre blassen Umrisse in dem opalisierenden Hitzedunst, welcher das Tal völlig verschlungen hatte. Alles verschluckte dieser schmutzig- gelbliche Nebel, selbst die Sonne war nur noch eine blasse Scheibe ohne ihren gleißenden Strahlenkranz und Lena hatte das unwirkliche Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein. Wäre da nicht ein Traktor gewesen, der in nicht allzu weiter Entfernung tuckerte und die Stimmen der Bauern, die dort Heu machten, hätte sie fast daran glauben können.
       Sie wischte sich den Schweiß aus dem Nacken und wartete, bis das kalte Wasser ihr  die ersehnte Abkühlung verschaffte. Am liebsten hätte sie sich ganz in das Becken hineingelegt  aber sie wusste, dass der in der Nähe arbeitende Sohn des Bauern sie schon ein paarmal heimlich beobachtet hatte. Und das Letzte, was sie brauchte, war unnötiger Tratsch. Denn den würde es mit Sicherheit geben, wenn es herauskam, dass sie splitternackt am helllichten Nachmittag in der Viehtränke herumlag.Sie hatte versucht im Garten zu arbeiten aber die mörderische Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit, machten die Arbeit zur Qual. So  hatte sie beschlossen, es für heute gut sein zu lassen.
   Die Erde war durch die andauernde Trockenheit zu grauem Staub zerfallen und das Gras auf den Wiesen unterhalb war gelb und kraftlos. „Was wir dringend brauchen ist ein anständiges Gewitter! So richtig mit Blitz und Donner und einem ausgiebigen Guss oder  besser noch, einen dreitägigen Landregen, der richtig schön tief in die durstige Erde eindringen kann.”  Dachte Lena  während sie zwei blaugeflügelten Schmetterlingen nachsah, die in der unbeweglichen Luft ihren leichten Flug von Brombeerblüte zu Brombeerblüte  tanzten.
    Wie hatte alles angefangen? Vor zwei Jahren, im August, war sie mit   ihrem damaligen Freund Matthias  durch die Pyrenäen gezogen.  Lange fuhren sie durch hitzegebackene staubig-grüne mediterrane Vegetation. Selbst das Laub der Weinfelder  hing müde und schlaff an den seinen Stöcken. Sie durchquerten die gewaltige Schlucht der Aude. Schroffe, schwindelerregend hohe  Kalkwände schlossen den engen Audedurchbruch ein. Auf der schmalen, sich durch die Schlucht windende Straße war kaum Platz für entgegenkommende Fahrzeuge und des Öfteren befürchtete Lena, dass sie in den unter ihnen schäumenden Wildbach abgedrängt werden würden.
 Danach ging es in steilen Serpentinen aufwärts. Auf einem  Pass angekommen, hielten sie an und stiegen aus, um sich die Beine zu vertreten. Im Abendlicht  verschwammen in blauer Entfernung  ein Meer von wogenden Graden, golden überhaucht von der tiefstehenden Sonne. Im Vordergrund dichte Wälder, grüne Wiesen, auf denen rahmfarbene Kühe grasten. Malerische Dörfer mit roten Dachpfannen klebten an steilen Hängen und oben, auf den Gipfeln  der majestätischen Bergriesen  schimmerte silbrig der letzte Schnee!
 Lena hatte das erstmal in ihrem  Leben das Gefühl, dass sie zu hause angekommen war.Sie hatte versucht, es Mathias zu erklären, war aber auf Unverständnis gestoßen.
  Insgeheim schwor sie sich in diesem Moment, dass sie irgendwann in ihrem Leben hier hinziehen, wohnen wollte.
     Vorest sah sie keine Chance, dass dieser Traum jemals in Erfüllung gehen könnte. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt. Ihre Liebesgeschichte mit Mathias fand ein jähes Ende, als dieser eine andere Frau kennenlernte.  Lena knabberte  lange Zeit daran, so mir nichts, dir nichts, sitzengelassen worden zu sein. Zwar sah sie ein, dass sie eigentlich nicht besonders gut zueinander gepasst hatten aber ihr Stolz hatte es nur schwer verkraftet,  so in der Wüste stehengelassen worden zu sein. Kurz danach verstarb ihre Großtante Martha und vererbte ihr  überraschenderweise eine gute Stange Geld. Das war der Moment, wo für sie die Würfel gefallen waren. Warum weiter planlos in Deutschland rumhängen, wenn es sie mit aller Macht in die magischen Berge der Pyrenäen zog?
     Seit sie ihr Elternhaus vor acht Jahren verlassen hatte, war sie nirgendwo so richtig zuhause gewesen, hatte an keinem Ort  Wurzeln schlagen können, war eine ewig Reisende. Manchmal kam es ihr vor, als hätte sie immer nur aus Koffern gelebt.
    Vier Jahre in verschiedenen Staaten der USA, wo sie sich nie eingelebt hatte. Die Mentalität war ihr  fremd, die Städte mit ihren in strikte Quadrate eingeteilten Blocks zu seelenlos und gleichförmig, überall' McDonalds', 'Burgerking' und 'Kenntucky fried Chicken', egal wo man hinkam.
 Bei ihren Bekannten  galt sie als 'the commi-pinko-rat', was soviel hieß wie rosa angehauchte kommunistische  Ratte, was sie eigentlich gar nicht war.  Ihr gefiel  nur der überhebliche Imperialismus  der Regierung und der bedingungslose, blinde Patriotismus der  Leute nicht und das  wiederum verstanden die Amerikaner nicht. Sie hielten sie für so eine Art subversiven Terroristen, der ihr wunderbares Land nur schlecht machen wollte. Dabei war das gar nicht ihre Absicht gewesen. Sie wollte nur, dass sie kapierten, dass die Erde nicht am Atlantik im Osten, dem Pazifik im Westen, Kanada im Norden und Mexiko im Süden aufhörte und  andere Länder auch eine Existenzberechtigung hatten, ohne die Einmischung der USA. Und dass sie aufhörten ihr so blöde Fragen zu stellen, ob sie in Deutschland denn auch schon mal was von Strom und fließendem Wasser gehört hätte. Nach einer Weile hatte sie  keine Lust mehr, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Es war die Clique ihres damaligen Ehemanns gewesen, den sie zu überstürzt geheiratet hatte. Lena war einfach zu jung gewesen. Sie dachte, sie sei offen genug, um sich der amerikanischen Kultur nahtlos anpassen zu können und musste erstaunt feststellen, dass sie wohl einfach Europäerin war.
     So ging die Ehe durch diese Differenzen in die Brüche. Irgendwann wurde ihnen beiden klar, dass sie einfach nicht zueinander passten und sie ließen sich scheiden, ohne grossen Krach, eine unkomplizierte Scheidung in beider Einvernehmen und sie kehrte nach Europa zurück.
          Aber auch hier fasste sie nicht mehr richtig Fuß. Die kleine Stadt, in der sie aufgewachsen war sagte ihr nichts mehr. Ihre Eltern hatten das Haus verkauft und lebten auf den Balearen. Ihre Freundinnen und Freunde waren  verschwunden. Hatten entweder geheiratet und Kinder bekommen, gingen ihren Studien oder Berufen nach, waren in alle Winde zerstreut.
      Eine Weile wohnte Lena in einer Landwohngemeinschaft und dort merkte sie, dass sie ein ganz tiefes Gefühl für die Natur entwickelte. Gartenarbeit  machte ihr riesigen Spaß. Sie liebte es, in der Erde herumzuwühlen und dann das Aufgehen der Saat mitzuerleben, das Wachstum der Pflanzen zu beobachten. Der......


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Gast







BeitragVerfasst am: 11.09.2011 21:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
(und sei willkommen smile )

Uff ... also erstmal: du hast deinen Romananfang in den trash gestellt, ich finde aber, dass er in der Werkstatt besser aufgehoben wäre, falls du ernsthaft Feedback haben willst. Trashig finde ich daran nichts wink

Das liest sich doch alles sehr flüssig! Das ist für mich ein positiver Aspekt, denn ich glaube, du kannst erzählen. Mein Problem allerdings war hier, dass du so viel Information in diese ersten Seiten steckst, dass man schon bald das Gefühl hat, ein Exposé zu lesen. Es ist meines Erachtens nicht nötig, dass wir die gesamte Lebensgeschichte (und die halbe der Eltern, ihres Exfreundes, ihres Exmannes usw) in den ersten fünf Minuten des Romans erfahren. Ich glaube, du bist sehr ungeduldig, und möchtest vielleicht dein Setting, die Einführung in die Situation, also: die Ausgangsituation schnell und komplett "hinter dich bringen".
Man wird geradezu erschlagen von so viel Info. Und das, glaube ich, solltest du unbedingt vermeiden.

Mir haben deine Landschaftsbeschreibungen sehr gut gefallen (die gut hinzukriegen, ist nicht jedermanns Sache ...) und -wohldosiert - könnten die wohl deinen Roman zu etwas Besonderem verhelfen: du kennst dich dort aus, du kannst (deutschen) Leser/innen etwas erzählen/beschreiben, das sie (noch) nicht kennen, du hast ihnen hier sozusagen etwas voraus. Und "rahmfarbene" Kühe ... das klingt einfach gut smile (so nach Werther's Echte *mmh*)

Es gibt noch etwas, worauf du vielleicht achten müsstest: unnötige Wiederholungen.
Beispiel:
cascail hat Folgendes geschrieben:
Lena knabberte lange Zeit daran, so mir nichts, dir nichts, sitzengelassen worden zu sein. Zwar sah sie ein, dass sie eigentlich nicht besonders gut zueinander gepasst hatten aber ihr Stolz hatte es nur schwer verkraftet, so in der Wüste stehengelassen worden zu sein.


Also, ich glaube, mich würde dein Roman grundsätzlich interessieren, allerdings: nimm dir Zeit, stopf nicht alle Infos hintereinander, zeichne das Gesamtbild weniger gedrängt.
Die Ausgangssituation ist vielversprechend, ich kann mir vorstellen, dass deine Lena noch so einiges erleben wird. Einen Roman zu schreiben, einfach, um zu sehen, ob man es durchziehen kann, ist schon mal etwas Tolles, wer weiss, was dann daraus werden kann.

Liebe Grüsse aus dem Osten smile
Lorraine
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Eluise Weber
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BeitragVerfasst am: 12.09.2011 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo und herzlich willkommen im Forum. Mir hat deine Geschichte sehr gut gefallen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Du hast ganz wunderbar die Landschaft und vor allem die Stimmung, die sie hervorrufen kann, beschrieben. Die Neugier auf den Rest der Geschichte ist mit den Zeilen geweckt worden. Gibts noch ein bisschen mehr?

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LG Eluise Weber
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cascail
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BeitragVerfasst am: 12.09.2011 13:08    Titel: er hat auch schon einen Namen! pdf-Datei Antworten mit Zitat

Das ganze heisst die Stunde des Rotkehlchens.Bis jetzt 328 Seiten, im Anhang gibts Kochrezepte aus den Pyrenäen.

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Maria
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BeitragVerfasst am: 12.09.2011 14:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo cascail,
Lorraine hats angesprochen: sollte dein Werk nicht besser in die Werkstatt? Dort bekommst du mehr Detailkritik. Der Trash steht eher für Experimentelles, Kunst&Krempel, so in der Art. Inhaltlich denke ich, dass dein Stück hier nicht richtig ist. Ich verschieb den Text jetzt mal eigenmächtig in die Prosa-Werkstatt, bitte gib mir unbedingt Rückmeldung, wenn du nicht einverstanden bist wink
LG
Maria


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cascail
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BeitragVerfasst am: 12.09.2011 15:01    Titel: Verschieben pdf-Datei Antworten mit Zitat

Du kennst dich hier ja am besten aus! Also dann schiebe mal schön! Smile

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Nordlicht
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BeitragVerfasst am: 12.09.2011 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

*mehr lesen will*

Mir gefällt's smile Freilich gäb's noch einiges dran zu feilen, aber als Roman hat es inhaltlich ein richtig gutes Potential, finde ich.

Die Rückblende mit den vielen Infos ist nicht so glücklich, finde ich. Muss ich als Leserin wirklich sofort zu Anfang wissen, wann und mit wem sie das erste Mal in den Pyrenäen war, dass sie in den USA gelebt hat und auch mal in einer Land-WG? Ich denke nicht. Das ließe sich sicher peu à peu in den folgenden Kapiteln einstreuen.

Was für mich nicht so ganz passt, ist ihr Empfinden, etwas total Verrücktes getan zu haben mit dem Hauskauf und Umzug in die Pyrenäen. Sie kommt mir jetzt gar nicht wie die zarte Großstadtpflanze vor, für die das eine völlig aus der Art geschlagene Handlung ist  Laughing Ihre Wurzeln in D haben sich ja vorher schon arg gelockert, im Ausland zu leben ist für sie ein alter Hut und dann vor allem noch die Land-WG ... Für mich scheint es eher ein komplett logischer Verlauf der Dinge zu sein, dass sie in einem verwitterten Berghaus landet.
Insofern wirkt das betonen des "bin ich denn verrückt" als ziemlich künstlich und auf die Leserzielgruppe zugeschneidert. Wie's authentischer klänge (finde ich! Du kennst Deine Romanfigur natürlich am besten), wäre vielleicht ein Hinweis auf die Dinge, die ihr speziell hier Sorgen bereiten. Also zB die Renovierungsarbeiten ("mit dem Garten kenne ich mich ja ganz gut aus, aber ein Dach neu zu decken - bin ich denn wahnsinnig geworden"). Dann stellt sie sich nicht unbeholfener an, als sie tatsächlich ist.

Wie weit bist Du denn schon mit dem Buch gediehen? *wissen will*


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cascail
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BeitragVerfasst am: 12.09.2011 17:55    Titel: ok, ok, pdf-Datei Antworten mit Zitat

Es ist eigentlich schon ganz geschrieben. (das Buch) Ich danke euch für die guten Tips. Stimmt, ist nicht wirklich eine zarte Stadtpflanze. Und es IST eine logische Schussfolgerung, dass sie dahinzieht, was nicht unbedingt heisst, dass sie immer lucide ist.

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Fuchsia
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BeitragVerfasst am: 14.09.2011 12:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cascail und willkommen (bin auch neu hier).

Dein Anfang gefällt mir sehr gut, ist flüssig zu lesen, tolle Landschaftsbeschreibungen und gute Wortwahl.
Über den Inhalt deines Buches kann man jetzt allerdings nur spekulieren, ich weiß anhand deines ersten Kapitels leider noch nicht, wo das alles hinführt (und dass ist schade. Als Leser will ich ja wissen, was mich erwartet. Eine Abenteuergeschichte? Liebesroman? Aussteiger/Selbstfindungstrip?)
Du beginnst, indem du dem Leser die ganze Vorgeschichte der Figur hinklatscht. Das ist zu viel!
Fange langsam an und streue die Vorgeschichte nach und nach ein (wurde ja auch schon gesagt).
Desweiteren habe ich mal gelesen, dass man einen Roman nie mit der Innenschau/Selbstbetrachtung des Protagonisten beginnen soll, sondern ihn oder sie immer erst einmal in "Aktion" zeigen soll.
Vorschlag: Warum zeigst du uns nicht, wie sie an dem Friedhof mit den Schafen vorbei kommt und niemand ist da, außer ihr, dann verscheucht sie die Viecher. Der Leser fragt sich, wer ist diese Frau, wie kommt sie in so eine einsame Gegend. Neugierde ist geweckt. In der nächsten Szene kann sie dann zum Markt gehen und hört, wie die Dorfbewohner über die "Grabschändung" spekulieren; man erfährt, dass sie die neue Deutsche ist und gerade erst hergezogen ect.

Das ist nur ein Vorschlag, genaueres über den Aufbau könnte man erst sagen, wenn man den ganzen Roman bzw. den weiteren Verlauf kennt.
Es ist schwer, einen guten Einstieg in einen Roman zu finden, vermutlich sogar das schwerste.

Liebe Grüße
Fuchsia
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cascail
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BeitragVerfasst am: 12.10.2011 08:51    Titel: .... pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also ich habe jetzt eine zietlang wenig Zeit gehabt (habe ja eine megagrosse Family  Wink ). Trotzdem habe ich Einiges verändert.  Geht es so besser?
                                                                                                                                                                                                   
                                            -1-

      Lena saß auf dem Rand der steinernen Viehtränke. Nachdenklich sah sie zwei blau geflügelten Schmetterlingen nach, die im Flug von Brombeerblüte zu Brombeerblüte tanzten. Konnte es sein, dass sie ein ganz klitzekleines Bisschen verrückt war? Welcher normale Mensch kam schon auf die seltsame Idee, ein renovierungsbedürftiges Haus in einem gottverlassenen Winkel der Zentralpyrenäen zu kaufen? Fünf  Kilometer schlechte Schotterpiste vom nächsten Dorf entfernt, in dem es gerade mal einen Bäcker, eine Einklassenschule und ein permanent leerstehendes, verstaubtes Café gab.  Man konnte die Hauptstraße am helllichten Tag  entlang laufen, ohne dass einem  außer ein paar  schlafenden Hunden jemand begegnete.
     Das Aufregendste, was Lena im Dorf bis jetzt erlebt hatte, waren ein paar Schafe, die sich auf den Dorffriedhof verirrt hatten und nicht mehr wussten, wie sie dort herauskommen sollten. Lena hatte lautes Blöken hinter der hohen Friedhofsmauer gehört und war durch das rostige, schmiedeeiserne Tor getreten. Und richtig, etwa fünfzig Schafe trieben sich dort herum.  In Ermangelung von Gräsern und Kräutern fraßen sie gierig alle Blumen und Pflanzen von den Gräbern. Niemand  außer ihr war da,  die pietätlosen Straftäter zu vertreiben. Sie fand einen Rechen, der neben einem Wasserhahn an der Wand gelehnt war und damit scheuchte sie nicht ohne Mühe  die  gefräßigen Übeltäter aus dem Hintertürchen, das sie halboffen vorgefunden hatte, auf die dahinter liegende Weide zurück. Sie verschloss es sorgfältig wieder und zog weiter ihres Weges.  Wie sie später erfuhr, gab es wilde Gerüchte und Spekulationen über diese  ungeheuerliche Freveltat. Lena hütete sich tunlichst, die phantastischen Geschichten, die da gesponnen wurden durch so prosaische Erklärungen wie verirrte, verfressene Schafe zu banalisieren.
     
     Aber was hatte sie, Lena  Klausen, siebenundzwanzig Jahre alt und bis jetzt eigentlich recht vernünftig, dazu getrieben, sich   hier niederzulassen? Zumindest hatte sie immer angenommen, relativ normal zu sein. Sicher, ein paar Macken und Besonderheiten gab es schon, aber das hatten andere Menschen auch ; deswegen verzogen diese sich doch auch nicht in die hinterletzte Pampa.  Sie grübelte manchmal über ihre Beweggründe nach.
     Der Reiz der Berge konnte doch nicht der einzige Grund dafür sein, der Zivilisation und ihren Annehmlichkeiten so drastisch den Rücken zu zukehren oder etwa doch? Vielleicht hatte man sie als Kind zu heiß gebadet ? Oder hatte sie irgendein tiefsitzendes, bisher unerkanntes Problem? «Nein» sie schüttelte wieder den Kopf. Sie wollte ganz einfach genau hier sein, wo sie jetzt war.  Sie war nicht verrückt, sie liebte einfach diese Berge und damit war es gut! Es gab keinen Grund an ihrem Geisteszustand zu zweifeln. Sie war eben ein bisschen anders, sonst nichts.
    Die Bläulinge waren weiter geflattert und Lena saß immer noch, die Füße im Wasser, auf dem Rand der steinernen Viehtränke, welche von der eiskalten Quelle oberhalb des Weilers gespeist wurde und starrte auf das, was an anderen Tagen ' ihr' Tal war.  Normalerweise sah man die Dörfer an den Hängen liegen, die Straße, die sich wie ein graue Schlange durch Felder und Wiesen wand und auf der wie kleine Käfer bunte Autos entlang krochen. Der Blick auf die umliegenden Berge war atemberaubend. Heute jedoch war von alldem nichts zu erkennen. Die Berge waren nur noch graue Schemen, körperlos schwebten ihre blassen Umrisse in dem opalisierenden Hitzedunst, welcher das Tal völlig verschlungen hatte. Alles verschluckte der gelbliche Nebel. Selbst die Sonne war nur noch eine blasse Scheibe, ohne ihren gleißenden Strahlenkranz. Lena hatte das unwirkliche Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein. Wäre da nicht ein Traktor gewesen, der in nicht allzu weiter Entfernung tuckerte und die Stimmen der Bauern, die dort Heu machten, hätte sie fast daran glauben können.
       Sie wischte sich den Schweiß aus dem Nacken und wartete, bis das kalte Wasser ihr die ersehnte Abkühlung verschaffte. Am liebsten hätte sie sich ausgezogen und ganz in das kühle Becken gelegt aber sie wusste, dass der in der Nähe arbeitende Sohn des Bauern sie, sich hinter der Hecke verbergend, schon ein paar mal beobachtet hatte. Und das Letzte, was sie brauchte, war zusätzlicher Tratsch und den würde es mit Sicherheit geben, wenn es herauskam, dass sie am helllichten Nachmittag splitternackt in der Viehtränke herumlag.
     
Sie hatte versucht im Garten zu arbeiten aber die mörderische Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit, machten die Arbeit zu mühselig. Sie hatte beschlossen, es für heute gut sein zu lassen.  Morgen ist auch noch ein Tag, sagte sich Lena und sammelte ihre Werkzeuge ein.
Die Erde war durch die andauernde Trockenheit zu grauem Staub zerfallen und das Gras auf den Wiesen unterhalb war gelb und kraftlos.
 Regen! Sie sehnte sich nach einem ausdauernden Guss. Kein Gewitter, nein,da lief der Regen bloß oberflächlich ab.  Sie stellte sich eher einen   dreitägigen, richtig schön pieseligen Landregen vor, bei dem die Feuchtigkeit tief in den durstigen Erde eindringen konnte.
    Wie hatte alles angefangen? Vor zwei Jahren im August war sie mit   ihrem damaligen Freund Norbert  durch die Pyrenäen gezogen.  Lange fuhren sie durch hitzegebackene staubig-grüne mediterrane Vegetation. Selbst das Laub der Weinfelder  hing müde und schlaff an den seinen Stöcken. Sie durchquerten die gewaltige Audeschlucht. Zerklüftete, schwindelerregend hohe  Kalkwände ließen nur noch kleine Stücke des tiefblauen Himmels sehen. Auf der schmalen, sich  windenden Straße war kaum Platz für entgegenkommende Fahrzeuge und des Öfteren befürchtete Lena, dass sie in den unter ihnen schäumenden Wildbach abgedrängt werden würden. Danach ging es in steilen Serpentinen aufwärts. Auf einem  Pass angekommen, hielten sie an und stiegen aus, um sich die Beine zu vertreten. Im Abendlicht  verschwammen in blauer Entfernung  ein Meer von wogenden Graden, golden überhaucht von der tiefstehenden Sonne. Im Vordergrund dichte Wälder, grüne Wiesen, auf denen rahmfarbene Kühe grasten. Malerische Dörfer mit roten Dachpfannen klebten an steilen Hängen und oben, auf den Gipfeln  der majestätischen Bergriesen  schimmerte silbrig der letzte Schnee! Lena hatte das erste mal in ihrem Leben das Gefühl, dass sie zu hause angekommen war. Sie hatte versucht, es Norbert zu erklären, war aber auf Unverständnis gestoßen. Insgeheim schwor sie sich in diesem Moment, dass sie irgendwann in ihrem Leben hier hinziehen, wohnen wollte.

     Zurück in Deutschland ging zunächst alles seinen gewohnten Gang. Lena träumte weiter von den wilden Bergen, ohne ernsthaft daran zu glauben, dass ihr Traum jemals in Erfüllung gehen würde. Doch dann kam alles ganz anders. Ihre Liebesgeschichte mit Norbert fand ein jähes Ende, als dieser eine andere Frau kennenlernte. Lena pflegte  leine Weile ihr wundes Herz. Es hatte sie schwer getroffen sitzengelassen worden zu sein.  Sie zog  bei ihm aus in eine Land-WG . Dort entdeckte sie, dass sie ein ganz tiefes Gefühl für die Natur entwickelte. Sie liebte es, im Garten zu arbeiten. Fasziniert beobachtete sie das Aufgehen der Saat, das Wachstum der Pflanzen. Sie absolvierte eine Biodynamische Landwirtschaftslehre. Leider fand sie keine Arbeit auf diesem Gebiet und sie arbeitete weiter in ihrem alten Beruf als Übersetzerin. Als kurz darauf ihre Großtante Martha verstarb  und  ihr  überraschenderweise eine nette Summe Geld vererbte, waren für sie die Würfel gefallen. Kurzentschlossen kaufte sie von dem unerwarteten Geldsegen einen Ford Transitbus, packte die nötigsten Sachen ein und fuhr los, in die magischen Pyrenäen, um dort ihren Traum zu erfüllen und ein einsames Gehöft in diesen wilden, romantischen  Bergen zu erstehen.
                                          







                                            








                                              -2-

     Einfach war es nicht gewesen. Die Häuser hingen entweder an schwindelnden Abgründen oder über reißenden Wildbächen. Lange suchte sie nach dem Haus ihrer Träume. Was ihr vorschwebte,  war etwas in luftiger Höhe, mit weitem Ausblick auf die sie immer wieder aufs neue faszinierende Bergwelt. Lena klapperte die Immobilienhändler ab, fragte in den Dörfern  auf den Bürgermeistereien und in den Postämtern, in den Cafés und Kneipen. Jeder der ihr in die Quere kam, wurde Opfer ihrer Haussuche. Eines Tages bekam sie von einer Immobilienhändlerin einen Zettel mit einer Adresse in einem der vielen Täler in die Hand gedrückt und sie machte sich auf den Weg, den Besitzer des Berggehöftes aufzusuchen.

      Das Wetter war scheußlich. Es schüttete, was der Himmel  herzugeben vermochte und der sonst so klare friedlich über Felsen springende  Bergbach hatte sich in ein tobendes Monster verwandelt. Braune, schlammige Wellen brausten, Unrat mit sich führend, schäumend das Tal hinunter  und  von den malerischen Dörfern, die sich in den Talgrund und an die Südhänge schmiegten, konnte man fast nichts erkennen. Im dritten Dorf musste sie an ein paar Türen klopfen, um die angegebene Adresse ausfindig zu machen. Es war der denkbar ungünstigste Moment, sich ein Haus anzusehen aber der Besitzer hatte leider an anderen Tagen keine Zeit. Lena rannte, von Pfütze zu Pfütze hüpfend, durch den dicht fallenden Regen zu dem Haus.
     Sie klopfte an und wurde von einer Frau unbestimmten Alters herein gebeten. Lena betrachtete die Frau erstaunt. Diese trug eine graue toupierte Hochfrisur und ihre schmalen Lippen waren knallig rot geschminkt. Etwas ungewöhnlich in dieser Gegend, fand Lena. Sie hatte schon eine Menge mit der hiesigen Landbevölkerung zu tun gehabt und diese Frau unterschied sich ganz entschieden von den anderen Frauen, die sie kennen gelernt hatte. Jetzt bat sie sie in ein langgestreckte, niedrige Küche.
  
    «Kommen sie schnell herein! Mein Güte, sie sind ja völlig durchnässt, Sie Ärmste! Hier, setzen sie Sie sich neben den Kamin zum  trocknen.» Lenas Augen gewöhnten sich  langsam an das Halbdunkel des Raums. Sie entdeckte einen Mann in einem tiefen Lehnsessel. Er war nicht nur riesig groß, nein er hatte auch einen ungeheuren Umfang. Unter schwarzen Augenbrauen blickten dunkle, scharfe Augen sie misstrauisch an.
«Komische Idee, so ein junges Ding, will sich in den Bergen ein Haus kaufen. Wo ist ihr Mann, junge Frau?», grummelte es aus dem Vielfachkinn.
«Der spinnt ja wohl, dieser Mafioso!», empörte Lena sich,
«ich kann doch wohl auch ohne einen Mann ein Haus kaufen!»  Aber ihr war auch klar, dass in dieser entlegenen Ecke Frankreichs andere Regeln herrschten als in grossen Städten und deswegen zog sie leicht die Augenbrauen hoch und sagte sie mit einem   kühlen Lächeln:
«Er ist beruflich momentan nicht abkömmlich. Da er volles Vertrauen zu meinen Fähigkeiten hat,  genau das Richtige zu finden, mache ich die Haussuche. Er schaut sich die in Frage kommenden Objekte dann später gemeinsam mit mir noch einmal an.»
 
«Na gut», brummte er nach dem er sie nochmals eingehend gemustert hatte, «serviere der jungen Dame einen Muskat, Janine!»
Sie bekam ein Wasserglas Muskat in die Hand gedrückt und nachdem sie es rasch ausgetrunken hatte, sagte er:
«Ja, dann wollen wir mal. Was haben Sie denn für einen Wagen?»
«Ich habe einen Ford Transit», antwortete Lena. Er schüttelte ablehnend den  mächtigen Kopf:
«Da nehmen wir besser  meinen Wagen.»
 Sie wurde ohne viele Umstände in seinen behäbigen Mercedes verfrachtet und schon bahnte der Wagen sich durch den Regen seinen Weg  das Tal hinauf. Die wie wild wedelnden Scheibenwischer kamen mit ihrer Arbeit kaum hinterher und Lena hatte das Gefühl, dass sie samt dem Auto in eine Unterwasserwelt eingetaucht wären. In dem  zweiten Dorf  talaufwärts bogen sie  links ab und fuhren  über den tobenden Bach. Noch war die Straße geteert aber  an einem grossen, verwitterten Holzkreuz  hörte der Teer auf. Dort lagen rechts und links der Straße zwei Gehöfte. Aber sie kletterten weiter den jetzt nur noch geschotterten Weg hinauf. Nach zwei weiteren Kilometer kamen sie an einen kleinen Weiler. Ein paar Scheunen, drei Häuser. Rauch stieg aus einem der Kamine auf.

      «Gar nicht mal so schlecht.» dachte Lena. Aber Irrtum! Es ging weiter. Immer höher auf einem immer schlechter werdenden Weg. Das Wasser schoss ihnen in schlammigen Bächen in den tiefen Fahrrinnen entgegen und oft hatte Lena Zweifel, ob sie überhaupt weiterfahren könnten. Doch unbeirrt kletterte der Mercedes den Weg hinauf.
«Meine Güte! Wo schleppen die mich bloß hin?», fragte sie sich. Es kam Lena mittlerweile so vor, als würden sie schon seit Stunden über den miserablen Weg holpern und rutschen. Nach einer  engen Serpentine kamen sie um eine weitere steile Kurve. Für einen kurzen Augenblick riss die dicke Wolkendecke auf und der Sturzregen machte eine  Pause.  Das weite Tal lag ausgebreitet zu ihren Füssen. Trotz der brodelnden Wolkenmassen ein Blick, wie man sich ihn schöner nicht  vorstellen konnte! Aber dann wurde das Tal wieder  verschluckt und der Regen setzte  mit erneuter Kraft ein.
Der Weg wurde flach und sie kamen auf ein Plateau. Eine riesige Pappel reckte sich neben einem steinernen Wasserbecken in die Höhe. Ein kleiner Weiler von mehreren Häusern und Scheunen schmiegte sich in eine flache Senke der  leicht hügeligen Hochfläche.
  
    Die Frau  hatte die ganze Zeit eifrig auf sie eingeredet und jetzt führten sie sie durch den strömenden Regen einen schmalen mit Brennesseln und Brombeeren überwachsenen Hohlweg hinauf zu einem Haus.
Sie drehte den  grossen Schlüssel in dem quietschenden Schloss herum, während ihnen das Wasser in Rinnsalen über das Gesicht lief und in den Kragen tropfte.   
Das Haus war eine Riesenenttäuschung. Winzig, mit verrotteten Böden, einem Blechdach und einem  kleinen, steilen Handtuch Land dabei. Die Scheune war einigermaßen passabel aber der Rest....
«Ist das nicht ein kuscheliges Häuschen! Sie könnten sofort hier einziehen Das Ganze ist für den lächerlichen Preis für achtzigtausend Euros zu haben!» sagte die Frau.
«Was?»,  «Achtzigtausend Euros?»fragte Lena entgeistert von so viel Unverfrorenhheit. Genau das ist es: lächerlich! Und ein kuscheliges Häuschen soll das sein? Eine lausige Bruchbude ist das!  
Die Frau sah sie an, mit einem Lächeln,welches zuckersüß und genauso falsch wie ihre Zähne war.
   
   »Achtzigtausend Euros! Die halten mich wohl für bescheuert! Ich bin vielleicht eine deutsche Touristin aber wenn die glauben, sie könnten die Leute so übers Ohr hauen, dann haben sie sich böse geschnitten!»  Für diesen Haufen Steine würde Lena nicht mal fünftausend Euros hinlegen! Höchstens  fünfhundert Quadratmeter Land, wenn man das Land nennen konnte. Es war ein kleiner steiniger Hügel, noch nicht einmal zu einem anständigen Steingarten tauglich, der nach Norden in das Plateau überging. Dort wuchs auch jetzt nichts außer kurzem, spärlichem Gras, Augentrost und Quendel, eine typische Magerwiese. Unmöglich, hier einen Gemüsegarten anzulegen. Vermutlich war unter der dünnen Humusschicht gleich der Fels. Nein, das war nichts für sie. Lena hatte schon sehr viele Häuser besichtigt, aber keines war in so einem desolaten Zustand gewesen. Also sagte sie mit fester Stimme:
«Ich glaube nicht, dass dieses Anwesen für unser Vorhaben geeignet ist.»
Der Mann grummelte unwirsch: «Sie sollten sich das aber nochmal überlegen, junge Frau! So ein günstiges Angebot bekommen sie nicht so schnell wieder. Schlagen sie besser jetzt zu!»
«Ich mache grundsätzlich keine festen geschäftlichen Zusagen, ohne dass mein Mann das Anwesen vorher in Augenschein genommen hat! Und wie gesagt, dieses Haus kommt auf gar keinen Fall in Frage.» Sie sah dem Mann dabei fest in die Augen und er verstand ihren Blick. Dieser sagte vollkommen deutlich, dass alle weiteren Diskussionen überflüssig seien. Lena hatte in den letzten Wochen der Haussuche gelernt «nein» zu sagen und die Stimmung der beiden Verkäufer war auf arktisch abgefallen, als sie den Berg wieder hinunter schaukelten. Es wurde kaum noch ein Wort zwischen ihnen und ihr gewechselt. Unten angekommen stieg sie mit kurzem Dank für die Mühe, die sich die beiden gemacht hatten und einem knappen Gruß in den Transit und fuhr davon. «Puh, was für ein halsabschneiderisches Gespann». Sie war froh ihnen mit heiler Haut entkommen zu sein. Dem Mann traute sie so ziemlich jede Schandtat zu und die Frau war eine echte Spinne.

     Sie warf noch einen Blick auf die vom Regen verschleierten  Berge und dachte an den Platz, wo das Haus gestanden hatte. Er war wirklich perfekt und der Blick von da oben war atemberaubend, zumindest das, was sie davon gesehen hatte. Es war eben zu schön, um wahr zu sein. Enttäuscht fuhr sie wieder das verregnete Tal hinunter, zurück zu der Ferienwohnung, die sie für ihre Suche gemietet hatte. Wieder ein Fehlschlag. Aber der Platz blieb wie eine Schallplatte mit Sprung in ihrem Kopf hängen.


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Micki
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BeitragVerfasst am: 12.10.2011 10:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Cascail,

ich hab grad den ersten Teil in Neuversion gelesen und finde nicht das es nach Sonntagsschreiben klingt. Du kannst schön erzählen! smile
Auch deine Methapern (sagt man das so?) kommen gut an. wink

Ausser die letzten beiden Abschnitte von Teil 1, konnte ich alles ganz deutlich vor mir sehen. Gefällt mir ausnehmend gut.

Aber die letzten beiden passen irgendwie nicht rein, finde ich.
Den Vorletzten Absatz würd ich drastisch kürzen und den letzten auch. Entält viel zu viel Input für den Leser und bringt mich raus aus der Geschichte.

Ich werd auch gerne weiterlesen!

Lg
Micki


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cascail
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BeitragVerfasst am: 22.11.2011 17:05    Titel: Das ist das sechste Kapitel. pdf-Datei Antworten mit Zitat

Erste  romantische Begegnung mit Prota Nr 2
Elena ist in dem Café auf dem Markt, wo sie sich wöchentlich mit ihren Freunden trifft. Das ist nicht das ganze Kapitel aber die erste Begegnung mit Leo.


     Und dann war da dieser Mann, Leo!
 Er tauchte an der Seite von Katrin und Markus auf und als sie den ersten Blick auf ihn geworfen hatte, schlug ihr Herz unwillkürlich schneller.
„Boah!”, staunte sie „das ist ja.... ! Wo haben die den denn aufgegabelt?” Sie schüttelte erstaunt den Kopf. Na gut, potthässlich sollten Männer ihrer Meinung nach vielleicht nicht gerade sein, aber eigentlich war ihr das Aussehen nicht wirklich wichtig. Eher spielte es eine Rolle, was ein Mann zu sagen hatte, seine Art mit Dingen umzugehen, und wenn das alles überzeugend attraktiv war, konnte man weitersehen.  
   „Oh no! Kann es sein, dass ich meine Hormone nicht im Griff habe?”, rätselte sie. „Um Himmels Willen! Bin ich schon so auf Entzug, dass der nächstbeste attraktive Mann bei mir den Zwang auslöst, ihn angraben?? Nee, nicht??”

 Verstohlen musterte sie ihn. Was war es nur, was sie so heftig auf diesen Neuankömmling reagieren ließ? Ok, er war groß, gut gebaut, hatte zupackende starke Hände, dunkelblonde Locken, mit von der Sonne ausgebleichten helleren Strähnen, einen ausdrucksvollen Mund und  …  Jetzt wusste sie was es ihn so aufregend machte! Es waren seine Augen. Die Augen eines Tigers. Groß, bernsteinfarben, strahlten sie einfach ein umwerfendes Paket von etwas schwer definierbarem aus. Magnetisch!! Das war es. Elena konnte einfach nicht umhin, immer wieder verstohlene Seitenblicke auf ihn zu werfen.
 
   Allerdings interessierte er sich nicht im mindestens für sie. Ja, er hatte anscheinend ihre Anwesenheit noch nicht einmal wahrgenommen. Er flirtete auf eine lässige, frivole Art mit Katrin. Markus saß dabei und grinste.
„Wie kann er nur?”, empörte sich Elena., „wenn so ein geballtes Bündel  Männlichkeit mit meiner Frau flirten würde, ich würde ihm augenblicklich eine reinhauen oder ihn im nächsten Fluss ersäufen”. Aber Elena musste zugeben, dass Markus von den Männern, die sie hier kennengelernt hatte einwandfrei der attraktivste war und genau wusste, dass er den Frauen gefiel. Vermutlich hatte er es einfach nicht nötig, sich um Katrin Sorgen zu machen.

    Nach diesen tiefschürfenden Überlegungen über das andere Geschlecht, wandte sie sich entschlossen Lucy zu, der Belgierin, zu. Diese tuschelte leise mit Nina, der temperamentvollen, hübschen, Französin, die Elena letzte Woche kennengelernt hatte und heute ohne ihren Mann Jeremy da war.

„Was habt ihr denn für düstere Geheimnisse?” fragte Elena neugierig.
„Mensch,Elena!”, flüsterte Nina, „hast du dir denn den heißen Typen noch nicht angeguckt. Das ist das attraktivste männliche Wesen, das ich je hier in dem Kaff habe frei rumlaufen sehen.” Nina schüttelte ihre langen schwarzen Haare und warf einen provozierenden Blick in Richtung dieses aufregenden Fremden. „Nichts zu machen, er reagierte nicht!”,schmollte sie.
„Na, ist eh egal,”seufzte sie bedauernd, „ich bin ja sowieso in festen Händen und außerdem bin ich schwanger, da kann ich mir solche Geschichten wohl nicht leisten”.

Sie redeten eine Weile über das Baby, das in vier Monaten kommen sollte und irgendwann kam das Thema auf Haare.
„Ich habe gehört in der Schwangerschaft sollen einem massenhaft die Haare ausfallen, aber bis jetzt habe ich noch nichts davon gemerkt”, sagte Nina und sie fingen an über so typisch weibliche Themen, wie gespaltene Haarspitzen und Pflegemittel zu reden. Beide, Lucy und Nina hatten lange glatte Haare die sie offen trugen.
Jetzt wandte sich Lucy an Elena: „Sag mal Elena, ich sehe dich immer nur mit einem Zopf oder hochgesteckten Haaren. Ich finde das echt schade, deine Haare haben eine so tolle Farbe und ich würde sie zu gerne mal offen sehen. Kannst du sie nicht mal aufmachen, nur so, damit man mal sieht wie lang und dick sie sind, ob glatt oder lockig?”
Elena zierte sich ein wenig:
„Für mich ist das einfach am praktischsten so! Sie kommen mir sonst immer in die Quere. Ich habe sie so lang, weil sie kurz völlig unmöglich zu bändigen sind und ich immer aussehe, als hätte ich gerade in einem Heuhaufen geschlafen und mit einer Mistgabel gekämpft. Aber ich kann sie ja mal aufmachen, wenn's denn sein muss!”
 „Au ja, mach' mal, warte, ich helfe dir”. Zusammen lösten sie die Nadeln aus ihrem festen Knoten und eine dicke Welle dunkelroter Locken ergoss sich über Elenas Schultern und Rücken.

„Wow,” staunte Nina und Lucy rief begeistert:
„Mensch! Guckt euch das mal an. Und das versteckt Elena in einem  Gretchenknoten!”
Damit hatte sie die ungeteilte Aufmerksamkeit des ganzen Tisches auf Elena gezogen und diese wäre am liebsten im Erdboden versunken. Hilflos spürte sie, wie ihr die Röte heiß ins Gesicht schoss.Obwohl sie nicht schüchtern war, so plötzlich in den Mittelpunkt gerückt zu werden brachte Elena doch ziemlich in Verlegenheit. Ohne es wirklich zu wollen, warf sie einen raschen Blick auf den Fremden, und was sie da sah, ließ es ihr augenblicklich noch heißer werden.
 „Du liebes Bisschen,” stöhnte sie, „der guckt mich an, wie der Wolf, kurz bevor er das Schaf frisst.”

Der Blick dieser jetzt leicht zusammengekniffenen, goldenen Augen war direkt und vollkommen eindeutig. Was er sagte, hätte er in laut gesprochenen Worten nicht klarer oder deutlicher ausdrücken können. Es war der Blick eines Raubtiers, dass gerade Witterung aufgenommen hatte und jetzt seine zukünftige Beute  unverhohlen hungrig in Augenschein nahm. „Du kannst meinetwegen ruhig flüchten”, sagte er,
 „ aber du hast nicht die geringste Chance mir zu entkommen.”

Hastig raffte Elena ihre ungebärdige Haarmasse wieder zusammen. Mit zitternden Fingern flocht sie mehr schlecht als recht einen dicken Zopf. Unwillkürlich sah sie wieder zu ihm hin und sah ein leicht ironisches Lächeln um seinen Mund spielen. Irgendwie hatte sie auf einmal das Gefühl sie säße völlig nackt am Tisch und  bei der eindeutigen Aussage dieses Blickes liefen ihr heiße und kalte Schauern über den ganzen Körper. Sie musste sehen, dass sie aus seiner Reichweite kam, bevor er auf noch dümmere Gedanken kam.
 
Nina gab ihr einen Stups in die Seite und flüsterte:
„Elena, wenn mich dieser Mann so angucken würde, ich würde auf der Stelle anfangen zu sabbern!” Dieses  unverholen schamlose Geständnis brach Elenas nervöse Spannung und sie musste lachen. Schließlich war das auch nur ein Mann und sie war schon mit etlichen Männern fertig geworden. Sie war immerhin siebenundzwanzig und hatte nichts von einer Jungfrau an sich, aber sicher war sicher!

„Ich glaube, ich verkrümele mich jetzt lieber, bevor das hier noch weiter geht! Ich brauche meine Energie für eine Menge andere Dinge als für ein erotisches Geplänkel! So wie dieser Mann aussieht hat er sicherlich jede Menge tolle Frauen im Repertoire und zu einem kleinen Erlebnis bin ich mir zu schade. Brauch‘ ich nicht! Will ich nicht!” flüsterte sie Nina zu und ihm warf sie einen Blick zu, der besagen sollte:
„Krallen weg, du Raubtier!”
Diese Nachricht kam hundertprozentig an, aber alles was sie bewirkte war, dass sich sein Grinsen nur noch vertiefte. Sie raffte ihre restlichen Einkäufe zusammen und entschuldigte sich bei den anderen mit der Ausrede:
  „Ich muss noch einen Haufen erledigen, morgen kommt mein Hausverkäufer und da muss ich fit sein.” Der Mann warf den Kopf in den Nacken und brach in Gelächter aus:
 „Geordneter Rückzug!” sagte er, aber sie war schon um den Tisch herum, verabschiedete sich kurz in die Runde und ergriff die Flucht. Markus rief ihr noch nach: „Vergiss nicht, Donnerstag  kommen wir zu dir rauf!” Sie hob kurz die Hand, zum Zeichen, dass sie ihn gehört hatte. Es lag nicht in ihrer Kraft, sich noch einmal um zudrehen.

 „Was bildet der Kerl sich los ein”, fauchte sie wütend, „ich bin doch kein Beutetier, dass man sich mir nichts, dir nichts, unter den Arm packt, um es bei passender Gelegenheit aufzufressen! Na warte du, du wirst schon noch sehen mit wem du es zu tun hast!” Sie manövrierte den Ford zornig aus der engen Parklücke und hätte beinahe eine Frau beim Zurücksetzen angefahren. Sie ging mit sich ins Gebet.
 „Ich muss mich  zusammenreißen, sonst baue ich noch einen saublöden Unfall, und dass ist dieser dreiste Blödmann ganz gewiss nicht wert!” schalt sie sich.  Trotz allem musste sie sich eingestehen, dass noch nie ein männliches Wesen einen derartig aufwühlenden Eindruck auf sie gemacht hatte. Besser für ihr Seelenheil, sie ging diesem Mann aus dem Weg! Wenn sie ehrlich war, konnte sie sich nur zu gut vorstellen, wie aufregend es wäre, seine nähere Bekanntschaft zu machen.
”Flausen!”, schimpfte sie vor sich hin. „Ich muss vernünftig sein und mir diesen Kerl aus dem Kopf schlagen. Der ist eine Nummer zu gefährlich für mich und das Letzte, was ich hier brauche, ist ein gebrochenes Herz zum Verpflegen. Nee, meine Süße, vergiss den schleunigst wieder!”

      Etwas vom Kir und von dieser aufwühlenden Begegnung benebelt rollte sie Richtung Les Artigues. Auf dem Weg nach oben traf sie Gaston, der sie einlud, auf eine Viertelstunde in sein Haus herauf zu kommen.
   Das alte Naturgebäude mit den kleinen Sprossenfenstern und dem Giebelbesetzten, steilen Schieferdach war über und über mit Blumen bewachsen. In ausrangierten Kochtöpfen und Keramikkrügen wucherten üppige Geranien, Begonien und Petunien. An den Hauswänden rankten Kletterrosen, Clematis und Prunkwinden. Eine Orgie aus süßen Düften, die sich mit dem strengen Geruch des Schafmists mischte................


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Das goldene Aufbruchstück Das goldene Gleis
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BeitragVerfasst am: 23.11.2011 11:44    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe nur den ersten Teil (alt und neu) gelesen. Liest sich gut, nach der Überarbeitung noch mehr als vorher, ein bisschen lebendiger.
In der alten Version dachte ich zum Beispiel an der Stelle, als sie in der Viehtränke sitzt „ah – endlich passiert mal was“ und kurz danach „och nee, und jetzt die Wetternachrichten, was soll das denn“.
In den neuen Version erfahre ich den Grund für die Wetterbeschreibung. Aha, sie hat im Garten gearbeitet, der ist ausgetrocknet, deshalb wünscht sie sich ein Gewitter.
Gefällt mir viel besser. So hat sogar das Wetter seine Berechtigung.

Trotzdem ist mir der Anfang zu stagnierend. Ähnlich wie das beschriebene Wetter für mich auch die Geschichte lahmgelegt. Als dann auch noch die Rückblende kommt - „Wie hatte alles angefangen? ... „ - habe ich endgültig keine Lust mehr, weiterzulesen. Ich will (noch) nicht so viel von dem hören, was längst vorbei ist. Eine Andeutung in der Art „als sie vor x Jahren zum ersten Mal hier gewesen war, hatte sie nie geglaubt ...“ würde mir erst mal reichen.
Denn irgendwie habe ich mich mit der Figur noch nicht so angefreundet, dass ich ihre komplette Geschichte hören möchte. Du beschreibst sie nur, sie und die Umgebung. Das machst du gut, trotzdem fehlt mir etwas. Dass Lena etwas tut, dass sie handelt, dass sie vom Garten ins Haus geht, ein Butterbrot isst, mit den Schmetterlingen tanzt, keine Ahnung.
Oder wie es ihr geht – ich habe keine Ahnung. Fühlt sie sich einsam, vermisst sie jemanden, etwas, Kino, Theater, Konzerte? Geht es ihr (noch) gut mit der Entscheidung, dieses Haus zu kaufen?
Aber bitte nicht beschreiben a la „sie fühlte sich einsam“, sondern vielleicht eher „heute würde sie sich sogar über glotzenden Sohn des Bauern freuen“.
Oder diese Stelle:
Zitat:
Lena hatte das unwirkliche Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein.

Genießt sie dieses Gefühl? Wünscht sie sich, die Traktoren würden näher kommen? Wünscht sie sich, sie würde überhaupt nichts (menschliches) hören?

Fazit: Ich falle wohl genau in deine Zielgruppe und von dem, was ich bisher von der Geschichte weiß, ist das genau das, womit ich gerne faule Sonntagnachmittage auf der Couch verbringe. Leider momentan noch in der Kategorie, bei der ich mich über zuviel Informationen ärgere und anfange, die Seiten zu überfliegen, bis endlich wieder eine interessantere Stelle kommt.
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BeitragVerfasst am: 26.11.2011 17:45    Titel: Ich model um.Roman, Stunde des Rotkehlchens pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich versuche, die Geschichte nach euren Kritiken etwas anders aufzubauen.



                                                          Prolog

    Elena saß, die Füße im Wasser, auf dem Rand der steinernen Viehtränke. Sie sah zwei blau geflügelten Schmetterlingen nach, die im Flug von Brombeerblüte zu Brombeerblüte tanzten. Wie sehr sie dieses Tal liebte! Bis noch vor zwei Tagen war sie fest überzeugt gewesen, den Himmel auf Erden gefunden zu haben. Doch jetzt musste sie traurig feststellen, dass sich ein paar besonders heimtückische Schlangen in ihr Paradies eingeschlichen hatten.

    Mit einem Hauch von Nostalgie dachte Elena an ihr bis vor kurzem aufregendstes Erlebnis, unten, im Dorf. Ein paar Schafe hatten sich in den kleinen Dorffriedhof hinein verirrt. Diese wolligen Vierbeiner, waren anscheinend intellektuell etwas einfach gestrickt. Obwohl ein kleines, auf die Weide führendes Pförtchen halb offen stand, wussten die Schafe nicht mehr, wie sie dort herauskommen sollten. Elena hatte lautes Blöken hinter der hohen Friedhofsmauer gehört und war durch das rostige, schmiedeeiserne Tor getreten. Und richtig, eine kleine Herde desorientierte Tiere trieb sich dort herum. In Ermangelung von Gräsern und Kräutern hatten sie alle Blumen und Pflanzen gefressen, die sie samt der grossen Blumentöpfe von den polierten Granitplatten geworfen hatten. Die traurigen Überreste lagen wild verstreut und arg zerrupft, fast bis auf die Stengel abgefressen zwischen den Grabstätten herum. Jetzt, da ihnen die Blumen ausgegangen waren, verlangten die Schafe lauthals, diese unergiebige Stätte umgehend wieder zu verlassen. Niemand außer Elena war da, die pietätlosen Straftäter zu vertreiben. Sie fand einen Rechen, der neben einem Wasserhahn an der Wand lehnte und scheuchte, nicht ohne Mühe und begleitet von einigen höchst uneleganten Flüchen, die gefräßigen Übeltäter durch das Hintertürchen, auf die dahinter liegende Weide zurück. Sie verschloss es sorgfältig und zog weiter ihres Weges. Wie sie später erfuhr, gab es wilde Gerüchte und Spekulationen über diese zerstörerische Freveltat. Elena hütete sich tunlichst, die phantastischen Geschichten, die da gesponnen wurden durch so prosaische Erklärungen wie verirrte, verfressene Schafe zu banalisieren.

     Elena hatte sich in einem weit vom Dorf entfernt gelegenen Weiler auf einem kleinen Hochplateau einen Hof gekauft. Der Weiler hatte schon seit Urzeiten leer gestanden und ihre nächsten Nachbarn wohnten hundert Höhenmeter weiter unterhalb, Richtung Dorf. Lange hatte sie nach diesem, ihrem Traumhaus suchen müssen und jetzt ? Jetzt! Sie schüttelte betrübt den Kopf. Freunde hatten sie davor gewarnt, sich so weitab jeglicher Zivilisation niederzulassen. Ihr Bruder hatte ihr sogar auf den Kopf zu gesagt, dass sie wohl nicht mehr so ganz dicht sei, sich ohne triftigen Grund in der hinterletzten Pampa  zu verkriechen.
„ Sag mal Schwesterherz,hast du etwa irgendwas ausgefressen? Sucht dich am ende die Polizei, oder warum willst du dich da oben verstecken?” hatte er sie kopfschüttelnd gefragt.
War sie ein bisschen verrückt? Nein, dachte sie entschieden. Es gab keinen Grund an ihrem Geisteszustand zu zweifeln. Sie hatte bloss ein paar Bedürfnisse, die sich vom Gros der Bevölkerung unterschieden, sonst nichts. Wie hätte sie denn auch auf die Idee kommen können, dass es in dieser Ecke ein paar Leute gab, die offensichtlich ganz und gar nicht davon begeistert waren, dass sie hier oben ihr Domizil aufgeschlagen hatte?
   Die Bläulinge waren weiter geflattert und Elena saß immer noch auf dem Rand des Wasserbeckens, welches von der eiskalten Quelle oberhalb des Weilers gespeist wurde und starrte auf das, was an anderen Tagen ' ihr' Tal war. Der undurchdringliche, triste schmutziggelbe Nebel passte genau zu ihrer Stimmung. Normalerweise sah man die Dörfer an den Hängen liegen, die Straße, die sich wie eine graue Schlange durch Felder und Wiesen wand und auf der wie bunte Käfer winzige Autos entlang krochen. Der Blick auf die umliegenden Berge war atemberaubend. Heute jedoch war von alldem nichts zu erkennen. Die Berge waren nur noch graue Schemen, körperlos schwebten ihre blassen Umrisse in dem opalisierenden Hitzedunst, welcher das Tal völlig verschlungen hatte. Selbst die Sonne war nur noch eine blasse Scheibe, ohne ihren gleißenden Strahlenkranz. Elena hatte das unwirkliche Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein.

    Sie wusste, dass dieser Schein trog. Sie war durchaus nicht allein hier. Da  waren  schon mal die Bauern, die in nicht allzu weit entfernt Heu machten, und das durchdringende Kreischen einer Motorsäge, etwas unterhalb des Wegs. Ein Traktor kam aus dem naheliegenden Wald getuckert, eine große Ladung frisch geschlagenes Holz auf dem Anhänger. All das war eher beruhigend und vollkommen normal, wäre da nicht die Anwesenheit ihrer mysteriösen Wächter gewesen! Ohne diese Kerle, die in den Hecken herumkrochen, um sie zu beobachten, wäre ihre Welt noch völlig in Ordnung. Was wollten diese schrägen Vögel von ihr? Wenn sie das doch nur wüsste! Sie würde Markus und Katrin anrufen, um sie um Rat zu fragen. Vielleicht auch Gaston, den alten Schäfer. Der kannte sich wahrscheinlich am besten hier oben aus.Vielleicht konnte der ihr einen Tip geben, was das alles zu bedeuten hatte. Zu dumm auch, dass sie immer noch keinen Telefonanschluss im Haus hatte und ihr Handy nur auf dem Hügel hinter dem Haus funktionierte.
    Sie wischte sich den Schweiß aus dem Nacken und wartete, bis das kalte Wasser ihr die ersehnte Abkühlung verschaffte. Am liebsten hätte sie sich ganz ausgezogen und in das kühle Becken gelegt. Es hätte ihr aber gerade noch gefehlt, von den diesen unheimlichen Spannern am helllichten Nachmittag, splitternackt in der Viehtränke herumliegend, erwischt zu werden! No way! Den Gefallen würde sie diesen Kerlen nicht tun!

   Sie hatte versucht im Garten zu arbeiten. Solange die Bauern hier in der Nähe arbeiteten, hatte sie sich relativ sicher gefühlt. Aber jetzt litt sie unter  der mörderischen Hitze, der hohen Luftfeuchtigkeit, welche die Arbeit so mühselig machten. Sie hatte beschlossen, es für heute gut sein zu lassen. Morgen war ja auch noch ein Tag. Elena  sammelte ihre verstreuten Gartenwerkzeuge ein.
Die Erde war durch die andauernde Trockenheit zu grauem Staub zerfallen und das Gras auf den Wiesen unterhalb war gelb und kraftlos.
 Regen! Sie sehnte sich nach einem ausdauernden Guss. Kein Gewitter, nein, da lief der Regen bloß oberflächlich ab. Sie stellte sich eher einen dreitägigen, richtig schön pieseligen Landregen vor, bei dem die Feuchtigkeit tief in die durstige Erde eindringen konnte.Vielleicht würde das auch die Spanner für eine Weile vertreiben und sie könnte sich ein wenig entspannen.

    Auf dem Weg zum Haus kehrten ihre Gedanken zum Beginn ihres  Bergabenteuers zurück. Vor zwei Jahren, im August, war sie mit ihrem damaligen Freund Norbert durch die Pyrenäen gezogen. Lange fuhren sie durch hitzegebackene staubig-grüne mediterrane Vegetation. Selbst das Laub der Weinfelder hing müde und schlaff an den Stöcken. Sie durchquerten die gewaltige Audeschlucht. Zerklüftete, schwindelerregend hohe Kalkwände ließen nur noch kleine Puzzleteile des tiefblauen Himmels sehen. Auf der schmalen, sich windenden Straße war kaum Platz für entgegenkommende Fahrzeuge und des Öfteren befürchtete Elena, dass sie in den unter ihnen schäumenden Wildbach abgedrängt werden würden. Danach ging es in steilen Serpentinen aufwärts. Auf einem Pass angekommen, hielten sie an und stiegen aus, um sich die Beine zu vertreten. Im Abendlicht verschwammen in blauer Entfernung ein Meer von wogenden Graden, golden überhaucht von der tiefstehenden Sonne. Im Vordergrund dichte Wälder, grüne Wiesen, auf denen rahmfarbene Kühe grasten. Malerische Dörfer mit roten Dachpfannen klebten an steilen Hängen und oben, auf den Gipfeln der majestätischen Bergriesen schimmerte silbrig der letzte Schnee! Elena hatte das erste Mal in ihrem Leben das Gefühl, dass sie zu Hause angekommen sei. Eine schon immer in ihr wohnende, vage Sehnsucht,  die sie bisher noch nicht hatte benennen können, war auf einmal zu einem klaren, konkreten Bild geworden. Sie hatte versucht, es Norbert zu erklären, war aber lediglich auf Unverständnis gestoßen. Insgeheim schwor sie sich in diesem Moment, dass sie irgendwann genau hier hinziehen, leben wollte.
     Zurück in Deutschland ging zunächst alles seinen gewohnten Gang. Elena träumte weiter von den wilden Bergen, ohne ernsthaft daran zu glauben, dass ihr Traum jemals in Erfüllung gehen würde. Doch dann kam alles ganz anders. Ihre Liebesgeschichte mit Norbert fand ein jähes Ende, als dieser eine andere Frau kennenlernte.Sie zog bei Norbert aus in eine Land-WG und pflegte ihr wundes Herz .Und dort entdeckte sie zu ihrem eigenen Erstaunen,  eine weitere neue Seite an sich. Sie liebte es, im Garten zu arbeiten. Fasziniert beobachtete sie das Aufgehen der Saat, das Wachstum der Pflanzen. Doch das war ihr nicht genug. Tief in ihr war eine Unruhe, eine Unzufriedenheit, die an ihr nagte. Sie wartete. Sie wusste nicht recht auf was. Sie war nur sicher, dass etwas passieren würde.

     Elena  arbeite wie bisher in ihrem Job als Übersetzerin. Ein guter Job, eigentlich, zudem er ihr räumliche Unabhängigkeit verschaffte aber zu oft schweiften ihre Gedanken ab, in weite Wälder, auf sonnendurchflutete Lichtungen, hohe Gipfel, auf denen sie sich frei und im Einklang mit ihrer Seele gefühlt hatte. Als kurz darauf ihre Großtante Martha starb und Elena eine recht ansehnliche Summe Geld vererbte, waren für sie die Würfel gefallen. Kurzentschlossen kaufte sie von einem Teil des unerwarteten Geldsegens einen Ford Transitbus, packte die nötigsten Sachen ein, verkaufte den Rest ihrer Möbel an ihren Zimmernachfolger in der WG und fuhr los, in die Pyrenäen, um dort ihren Traum, ein einsames Gehöft in diesen wilden, einsamen Bergen zu erstehen zu verwirklichen.


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BeitragVerfasst am: 28.11.2011 20:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hi cascail,

sprachlich ist das flüssig, auch wenn man sicher noch einiges ändern könnte. Inhaltlich finde ich es wirklich interessant und es wär genau das Ding, was ich gerne lese.

Woran es für mich allerdings immer noch hakt, und da sehe ich den Unterschied zur ersten Version nicht, ist, dass es wieder mit dem Rückblick anfängt. Oder viel mehr, es fängt mit einer sehr kurzen aktuellen Szene an (Füße baumeln und zwiespältiges Gefühl), um sofort in die nahe Vergangenheit zu schweifen, dann die fernere Vergangenheit, Gegenwart, Vergangenheit ... das ist ein wenig, als wenn man eine sehr kurvenreiche Straße fahren würde. Dinge sausen an einem vorbei und man fühlt sich am Ende etwas durchgeschüttelt und planlos.

Die Infos, die du in den Rückblenden vermittels, sind zwar interessant, könnten aber mM besser später, im Verlaufe der Geschichte eingestreut werden, da sie mir an dieser Stelle eigentlich nichts über den Plot aussagen. Du hast ja ein gesamtes Buch Zeit, ihren Hintergrund aufzurollen.

Für mich würde es besser funktionieren, wenn der Anfang zB so strukturiert wäre (nur ein Vorschlag!):
- Elena mit Schafen auf Friedhof
- nach ihrem Schafeinsatz geht sie nach Hause (Möglichkeit, dabei nebenbei das Dorf, die Landschaft zu beschreiben und daraus hervorgehen zu lassen, wie einsam sie wohnt)
- dort macht sie sich im Garten zu schaffen, bis sie in der Viehtränke Abhühlung sucht
- und dann ... ? Irgendwo auf den ersten zwei Seiten muss deutlich werden, wohin die Reise gehen soll. Was ist Elenas Konflikt, den sie in deinem Buch lösen wird?

Lass deutlich werden, was ihr Problem ist, was sie erreichen will, und lass mich als Leserin sie lieber durch ihren Schafeinsatz und ihren Garten kennenlernen als über die Infos mit der Tante, Norbert, Land-WG, Übersetzerin ...

Es ist mit den Protagonisten in einem Buch ähnlich wie mit Leuten, die man kennenlernt - man erlebt sie in einer bestimmten Situation, redet über was aktuelles, aber was sie über die letzten X Jahre gemacht haben und welche Schicksalsfügungen dazu geführt haben, dass man sie nun in eben dieser Situation trifft - das lernt man erst im Laufe der Zeit wink

Ein wenig klingt an, dass sie sich beobachtet fühlt, aber falls das dein roter Faden für die Geschichte ist, kommt es mir nicht deutlich genug heraus. Also mein Fazit wäre - was ist Elenas Konflikt? Den in den Anfang einarbeiten, die Rückblicke erst mal auf Eis legen und ein paar Kapitel später zB in Gesprächen mit Leuten verbraten (da kann man super und relativ unauffällig Infos einschmuggeln, solange es nicht endlose Vorträge werden  Laughing ).

Ich hoffe, das hilft! Dein Material ist gut, alles nur eine Frage der Strukturierung smile


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cascail
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BeitragVerfasst am: 29.11.2011 06:46    Titel: Danke pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also ich bin heute gaaanz früh aufgewacht und grübel, grübel, ich werde versuchen das anders zu strukturieren. Bis jetzt ist mir noch keine Erleuchtung gekommen aber ich muss ja nicht an einem Tag erleuchtet werden!Und ich muss heute endlos viel machen. Keine Zeit!!!!!!

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BeitragVerfasst am: 02.01.2012 19:23    Titel: Anfang von einem Roman pdf-Datei Antworten mit Zitat

Nochmal überarbeitet  Rolling Eyes

                                                                                                                                                                   
                                                             Prolog

    Die zwei Männer   setzten ihre   Rucksäcke ab und ließen sich ins hohe, trockene Herbstgras fallen. Um sie herum  Kiefern, die noch relativ klein waren und den Blick auf die umliegenden Berge frei gaben. Der Herbst kleidete die bewaldeten Hänge in  bunten Farben. Goldene Birken, rostig angehauchter Ahorn, noch immer grüne Buchen und Eschen, das leuchtende  Rot der wilden Kirschbäume woben einen bunten Teppich. Aber die beiden Männer hatten für die verschwenderisch geschmückte Landschaft keinen Blick übrig.Sie hatten einzig und allein Interesse an der niedrigen Felswand, die sich am Ende des kleinen Plateaus erhob. Auch die beiden fast verfallenen Scheunen schienen sie nicht bemerkt zu haben.
„Und Sie meinen wirklich, hinter dieser blinden Wand befände sich ein weitläufiges Höhlensystem? Mit grossen Sälen und diese Wand sei nur fünfzig Zentimeter dick und man könne einen Durchbruch  machen?”
„Ganz sicher. Wir haben auf ihre Anfrage hin das Gebiet geophysisch untersucht und mit dem Georadar dieses Höhlensystem gefunden.”
„Erstaunlich, dass niemand diese Höhlen entdeckt hat.”
„Eigentlich nicht. Da es keinen oberirdischen Zugang gibt, konnte sie auch niemand finden.”
 Der erste Mann erhob sich und ging auf die Felswand zu.
„Könnte man hier einen Eingang schaffen?”
„An dieser Stelle ist die Felswand am dünnsten und sie ist auch relativ glatt. Es wäre der optimale Platz für einen Durchbruch.”
„Unsere Auftrag ist streng vertraulich behandelt worden, wie abgemacht?”
Der zweite Mann nickte. „Nur ich und der Hubschrauberpilot, Hervé Pujol haben sich mit diesem Auftrag befasst.”
„Haben sie den Plan da? Gibt es irgendwo eine Kopie davon?”
Der zweite Mann reichte ihm ein Portfolio.
„Da Sie ausdrücklich um Geheimhaltung gebeten haben, haben wir keinen zweiten Plan hergestellt. Auch auf der Festplatte meines Computers habe ich alle Angaben gelöscht.Aber warum diese Geheimniskrämerei?”
Der erste Mann nestelte an seiner Weste. Langsam hob sich seine Hand, er dreht sich um.  Bevor sein Gesprächspartner Zeit hatte, sich zu wundern, bevor er auch nur den Mund wieder öffnen konnte befand sich ein ordentliches, kleines rotes Loch in seiner Stirn.











                                                              
                                                            -1-

  Elena ging langsam die Treppe hinauf. Sie war ausgelaugt.Immer wieder stahlen sich Tränen in ihre Augen und sie hoffte inständig, dass jemand da sein würde, der sie tröstete.In der Küche der Land WG war eigentlich immer jemand. Sie ging hinein. Niemand. Kein Ofen an, Stille. Verdammt, wo waren sie denn alle? Ausgerechnet heute,wo sie dringend jemanden brauchte, dem sie ihren Kummer erzählen konnte.
„Mist! Alle ausgeflogen!”seufzend verließ sie die ungastliche Küche.
 Auch ihr Zimmer war kalt und leer! Der Ofen stand schwarz und still in seiner Ecke. Fröstelnd zog sie ihren Mantel enger um sich. Keine Frage, ihn jetzt auszuziehen.

     Als heute Morgen um halb sechs das Telefon geklingelt hatte und die Stimme der Krankenschwester sie unsanft aus der Welt der Träume gerissen hatte, war nicht der Moment gewesen, sich um solche Banalitäten zu kümmern,wie einen Ofen anzumachen. Diese kühle, emotionslose Stimme, die ihr mitgeteilt hatte, dass ihre Tante Jeanne mit einem Oberschenkelhalsbruch, bei sich Komplikationen entwickelt hätten, dort eingewiesen worden sei, und dass es wenig Hoffnung gebe, dass sie diese überleben würde.
     Sie war aufgesprungen, war in ihre Klamotten geschlüpft und hatte ihr störrisches altes Auto dazu gebracht, die fünfzig Kilometer im Rekordtempo zurückzulegen. Im Krankenhaus angekommen eilte sie durch die überheizte Gänge. Das Linoleum unter ihren Schuhen gab seltsam quietschige Geräusche von sich. Details, die unglaublich unwichtig waren fielen ihr auf. Der fahlgrüne Anstrich der Wände. Warum mussten sie solche entmutigenden Farben benutzen? Wie sollte ein kranker Mensch bei diesem traurigen Anblick Kraft schöpfen, ein Heilungsprozess angeregt werden?
     Tür Nr. 135. Man hatte ihre Tante von der Intensivstation hierher verlegt. Keine Aussicht auf Besserung, keine Überlebenschance! Der Platz wurde für hoffnungsvollere Kandidaten benötigt. Mit klammen Herzen betrat sie das Zimmer. Ihre Tante wirkte so winzig, so zerbrechlich in dem weissen Krankenhausbett. Die Augen hielt sie geschlossen und ihr Atem ging mühsam. Eine ältere Krankenschwester schrieb etwas auf ein Bord, welches sie dann an das Fußende des Bettgestells aufhängte. Freundlich bat sie Elena mit einer einladenden Handbewegung, ihr auf den Flur zu folgen.
   „ Frau Dumont ist gestern Abend mit einem komplizierten Bruch eingeliefert worden. Der Nachbar, der über ihr wohnt, hat sie gefunden. Er wollte ihr eine Illustrierte aus der Stadt mitbringen, um die sie ihn gebeten hatte.
Als sie auf sein Klingeln nicht öffnete, hat er versucht, sie anzurufen. Aber sie ging nicht ans Telefon. Das kam ihm dann doch sehr verdächtig vor. Anscheinend hatte er einen Schlüssel  den ihre Tantesie ihm für Notfälle überlassen hatte.”
    Elena wusste davon, dass Karl, der Architekt, der in Tante Jeannes Haus die große Wohnung im ersten Stock gemietet hatte, ein zuverlässiger Freund geworden war und zusammen mit seiner Frau ab und an nach dem Rechten sah.
Sie nickte.
„Ja, ich kenne ihn. Aber warum hat er mich nicht gleich angerufen. Er weiß doch, wie nah mir Tante Jeanne, ich meine Frau Dumont, steht!”
Die Krankenschwester zuckte  ratlos die Schulter.
„Das können Sie natürlich nicht wissen! Entschuldigung! Tut mir leid! ”
„Ihre Tante wird vermutlich den Tag nicht überleben, es ist erstaunlich, dass es nicht schon vorbei ist aber ich glaube, sie hat auf Sie gewartet und einfach noch nicht loslassen wollen.”

   Elena wischte eine Träne ab. Vorgestern noch hatte sie mit Tante Jeanne Weihnachtseinkäufe gemacht. Klar, die alte Dame war nicht mehr sehr gut zu Fuß aber sie war so fröhlich gewesen. Und jetzt das! Sie trat wieder in den Raum, setzte sich an das Bett ihrer Tante und nahm ihre magere, mit Altersflecken übersäte  Hand.
    Tante Jeanne öffnete die Augen und als sie Elena erkannte, stahl sich ein mühsames Lächeln auf das müde, faltige Gesicht.
„Elena, mein Liebling”, wisperte sie, „schön, dass du es noch geschafft hast!”
„Nicht reden Tatie. Natürlich bin ich gleich gekommen. Was machst du denn für Sachen!”
Sie schluckte das Schluchzen, das in ihrer Kehle aufstieg hinunter. Krampfhaft versuchte sie entspannt und munter zu klingen. Aber der Kloß in ihrem Hals war zu dick, würgte sie. Sie bekam kein Wort heraus. Was sollte sie in dieser Situation sagen. Sie streichelte der Tante das  Gesicht.
 „Weine nicht, Kleines! Ich bin alt und hatte ein schönes, erfülltes Leben. Wenn ich jetzt gehe, ohne lange Krankheit, dann ist das doch ein gutes Ende, findest du nicht? Kurz, und naja, mit allem was sie mir hier eingeflösst haben, relativ schmerzlos”, lächelte sie, „aber ich habe dir noch ein paar Sachen zu sagen”. Sie schloss einen Moment die Augen um wieder Energie zu sammeln
„.Das Haus! Du bekommst zwei Drittel von dem Erlös. Das heisst, falls du es nicht behalten willst, denn in dem Fall ist es laut einer Klausel unverkäuflich. Wieder machte sie eine Pause.Ein Hustenanfall schüttelte sie und sie rang nach Luft.
„Nicht reden jetzt, Tatie!”
„Doch, denn das habe ich in meinem Testament festgelegt. Es ist für dich, der Rest geht an deinen Cousin Pierre. Ich habe mit Karl schon darüber geredet. Er würde das Haus kaufen, wenn du es nicht bewohnen möchtest.” Sie schwieg einen Moment.
 Dann: „Du redest doch immer von den Pyrenäen, dass du dir so gerne ein Haus dort unten kaufen möchtest. Mit dem Geld, das du für den Verkauf des Hauses bekommst, sollte das möglich sein.” Sie lächelte Elena an.
„Tatie, das ist doch jetzt wirklich völlig unwichtig!”
„ Nein, ich möchte, dass du deinen Traum verwirklichen kannst! Du bist doch vor zwei Jahren mit Norbert im Süden von Frankreich herumgezogen und es hatte dir so gut gefallen, da dachte ich..... Mach deinen Traum wahr, Kleines ”.
Wieder schüttelte sie ein Hustenanfall. Die Schwester kam wieder herein und überprüfte einen Tropf, der an dem Linken Arm der Tante befestigt war. Tante Jeanne schloss die Augen. Sie sah erschöpft aus. Elena streichelt sie weiter, was sie zu beruhigen schien. Dann sank ihr Kopf ein wenig zur Seite und die Krankenschwester trat näher. Sie sah Elena an und schüttelte wortlos den Kopf.
     Es war vorbei. Elena liefen jetzt haltlos die Tränen übers Gesicht und sie schluchzte laut auf. Die Krankenschwester nahm sie wie ein kleines Kind in den Arm und streichelte ihr über den Rücken.
„Sie müssen bedenken, dass sie einen schönen Tod hatte! Wenn ich  da an manche anderen denke, die sich endlos quälen! Nicht jedem ist das vergönnt, glauben sie mir, ich weiß, wovon ich rede.”
Elena wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und nickte. Sie kramte in ihrer Tasche nach einem Kleenex und schnäuzte sich.
   „Sie haben ja recht, aber es ging so wahnsinnig schnell! Ich war einfach nicht darauf vorbereitet. Sie hat mich in meiner Teenager und Studienzeit bei sich beherbergt. Sie stand mir sehr nah! Und jetzt! Einfach weg. Es tut so weh. Es kommt mir vor, als hätte ich irgendwas versäumt. Ihr noch so viel zu sagen!”murmelte sie mit erstickter Stimme.
„Ich glaube so ist es meistens, wenn ein Familienmitglied plötzlich stirbt. Meine Mutter ist letztes Jahr an einem Herzinfarkt gestorben. Da ging es mir genauso.”  Elena löste sich aus der tröstlichen Umarmung.
„Ich habe in einer halben Stunde Schichtwechsel. Wenn Sie möchten können wir irgendwo zusammen einen Kaffee trinken gehen.”, fuhr die Krankenschwester fort.
Elena schüttelte dankend den Kopf. Sie glaubte nicht, jetzt in der Verfassung zu sein, sich in ein mit mehr oder weniger fröhlichen Menschen gefülltes Kaffee zu setzen. Nein, das war völlig unmöglich!
„Das ist wirklich sehr nett von ihnen aber ich glaube ich gehe eine Weile in ihre Wohnung, um sie noch ein wenig bei mir zu spüren.” Sie putzte sich nochmal die Nase.
„Wie verhält es sich mit den Formalitäten?Was muss ich tun?”
„Ach lassen Sie nur, das kann auch bis morgen warten!”
 Elena schüttelte wieder den Kopf.
Die Vorstellung, unvermeidliches aufzuschieben war ihr zuwider. Es war ein Teil ihres Charakters, unangenehme Dinge möglichst schnell zu erledigen,und dieser lästige Papierkram gehörte nun mal dazu. Besser sie brachte das schleunigst hinter sich. Auch wenn ihr der Gedanke daran verhasst war.
    Die Schwester gab ihr die Instruktionen und sie bedankte sich bei ihr. Sie streichelte noch einmal Tante Jeannes Gesicht und drückte einen Kuss auf ihre Stirn.Dann wandte sie sich entschlossen um und flüchtete fast aus dem unpersönlichen Zimmer. Sie ging zur Administration des Krankenhauses. Danach verließ sie wie in Trance das weitläufige Gebäude. Den Wind, der unangenehm kalt durch die kahlen Äste des Parks fegte, bemerkte sie kaum. Mechanisch fuhr sie den Weg zum Kaiser-Friedrich Ring. Sie fand einen Parkplatz, nicht allzu weit vom Haus ihrer Tante entfernt. Dort angekommen holte sie ihren Hausschlüssel heraus. In dem Moment ging die Tür auf und Karl kam heraus.
„Wie geht es deiner Tante?” fragte er besorgt.
„Elena schüttelt nur den Kopf und erneut stieg eine Tränenflut in ihr auf.
„Ich verstehe. Komm rein. Du brauchst einen Cognac! „
Er ging mit ihr wieder die Treppe hinauf, an Taties Wohnung vorbei und führte sie in sein modernes Wohnzimmer. Sie ließ sich in eins der tiefen, riesigen Sofas fallen und begrub ihr Gesicht in den Händen. Nachdem sie sich wieder gefasst hatte fragte sie anklagend:
„Warum hast du mich nicht gleich angerufen?”
„Das habe ich ja versucht aber euer Telefon war permanent besetzt und deine Handynummer habe ich nicht!”
Mittlerweile hatte er zwei große Cognacschwenker aus dem Schrank genommen, schenkte eine  ansehnliche Menge ein und reichte ihr  das Glas.
„Ach Elena, es tut mir so leid! Sie war so ein lieber Mensch! Sie wird auch uns sehr fehlen. Sie ist praktisch die Oma von unserem Matthias! Und auch Sabine wird sehr geknickt sein.”
Elena seufzte tief: „Ja, sie wird uns fehlen. Ich muss gleich meine Eltern anrufen. Kann ich dein Fixtelefon benutzen?Am besten,ich bringe es hinter mich. Du weißt ja, dass sie eigentlich die Tante meines Vaters war?”
Sie holte ihr Notizbüchlein aus der Tasche wählte die Nummer ihrer Eltern, auf den Balearen. Es war ihre Mutter die abnahm. Sie erklärte ihr, was vorgefallen war .
„Wir sehen zu, dass wir morgen früh den ersten Flug bekommen und dann sind wir da, mein Schatz. Kommst du solange klar?”
   Elena ärgerte sich ein wenig. Natürlich würde sie klarkommen. Sie kam immer irgendwie klar. Ihre Mutter war okay aber sie war so eine Art Windhauch, wenn man sie brauchte war sie eigentlich immer gerade am anderen Ende der Welt. Der Grund, warum sie bei Tatie gelebt hatte, war Papas‘ Diplomatenlaufbahn gewesen. Elena hatte auf die Dauer die ständigen Ortswechsel ihrer Eltern nicht verkraftet.Immer wieder neue Schulen, auf die sie sich  hatte einstellen müssen. Immer wieder musste sie neue Freunde finden. Mit dreizehn hatte sie dann den Aufstand geprobt und hatte es schließlich durchgesetzt, bei Tante Jeanne in Wiesbaden leben zu dürfen.
„Soll ich euch auf dem Flughafen abholen?”
„Nein, nein, das ist nicht nötig. Wir werden uns ein Auto mieten. Das ist am praktischsten. Dann sind wir für alles was erledigt werden muss unabhängiger. Warte mal, ich sitze gerade am Rechner, da geht ein Flug um 8:15 von Palma nach Frankfurt. Wir sind dann um 10:05 in Frankfurt. Vielleicht sollten wir uns irgendwo zum Mittagessen treffen? Oder du kommst einfach in die Wohnung und wir sehen weiter!”
„In Ordnung, Mama. Also dann bis Morgen.”
Sie hängte ein und Karl fragte:
„Hat Jeanne noch was über das Haus gesagt? Sie hat nämlich ein paarmal mit mir darüber geredet. ”
„Ach hör doch auf damit. Das ist wirklich im Moment völlig unwichtig. Da können wir drüber reden, wenn ich wieder halbwegs geradeaus fühlen kann.”
Sie schwiegen beide eine Weile.
„Ich glaube, ich fahre jetzt besser nach Hause. Eigentlich wollte ich eine Weile in Tante Jeannes Wohnung gehen aber das bringe ich nicht über mich.”
„Okay, halte die Ohren steif, und wahrscheinlich sehen wir uns morgen, wenn deine Eltern hier sein werden.”
Sie nickte und verabschiedete sich von ihm.
   Sie fuhr diesmal über die Platte Richtung Neuhof. Sie hatte keine Lust auf die hektische Autobahn. Wie es sich herausstellte war das keine sonderlich gute Idee gewesen. Sie war noch nicht ganz oben, als es heftig zu schneien anfing. Auch das noch! Das hatte ihr gerade noch gefehlt! Langsam schlich sie im zweiten Gang das restliche Stück den Berg hinauf. Hoffentlich wurde es nicht so viel, dass sie die Schneeketten aufziehen musste. Aber sie hatte Glück, der Schnee bleib noch nicht auf der Fahrbahn liegen und sie kam ohne weitere Hindernisse in ihrer WG. an. Die Aussicht, dass es dort ein paar Menschen gab, die ihr sie in ihrem Kummer trösten konnten, ihr zuhören würden, hielt sie einigermaßen bei der Stange. Doch jetzt war sie da und alle waren irgendwo anders, ausgeflogen.
  Erst einmal musste sie zusehen,dass es hier warm wurde! Die warf ihre Handtasche aufs Bett und fing an Pappe klein zu reißen, schichtete Kleinholz, darüber und ließ ein Streichholz aufflammen. Rasch fing das trockene Material Feuer und sie konnte größere Holzstücke nachlegen. Bald würde es schön warm sein. Sie kroch unter die Bettdecke nahm ihr Handy und wählte Norberts Nummer. Sie ließ es dreimal klingeln und eine Frauenstimme antwortete. Elena legte verblüfft wieder auf. Sie überprüfte, ob sie die richtige Nummer getippt hatte. Doch es war die Nummer von Norbert. Was machte, in drei Teufelsnamen eine Frau mit seinem Handy?
Sicher, die Dinge standen mit ihnen nicht zum besten und sie hatten sich nach dem Streit am vergangenen Sonntag, als er bei ihr hier draußen war, quasi getrennt. Aber von einer anderen Frau war dabei nicht die Rede gewesen! Das machte ihre traurige Stimmung nicht besser!
 Es klopfte an die Tür. Elena rief:
„Komm rein, wer immer es auch sein mag!”
Es war ihre Nachbarin Vera. Sie hatte gerötete Wangen und lachte:
„Mensch Elena, wir kommen gerade zurück vom Schlittenfahren am Feldberg.... Was machst du denn für ein Gesicht! Elena, warum weinst du? Was ist los?”
Elena berichtete ihren schrecklichen Tagesablauf.
„Und jetzt wollte ich gerade Norbert anrufen und da hatte ich eine Frau an der Strippe! Das hat mir den Rest gegeben!”
„Ach, Elena, das kann doch auch ganz harmlos gewesen sein! Ich meine, vielleicht hat eine Arbeitskollegin das Handy gebraucht. So was passiert mir auch manchmal. Ich meine, dass ich mir ein Handy ausleihe, weil ich  Dussel vergessen habe, die Batterie aufzuladen!”
„Ich weiß nicht, Vera! Bei uns hängt ja schon eine Weile der Haussegen ganz schön schief und nach dem Krach am Sonntag....”
„Was ist denn eigentlich los bei euch? Ich meine, es geht mich ja eigentlich nichts an aber ich bin doch deine Freundin, da kannst du schon mal ein bisschen Ballast bei mir abwerfen.Ich weiss ja, dass ihr euch oft streitet aber warum?”
„Ach, das ist weil wir uns anscheinend in verschiedene Richtungen entwickeln. Als ich Norbert kennenlernte, hat er ja noch Wirtschaftswissenschaften studiert und ich war auf der Sprachschule. Wir haben zwei Jahre zusammen gewohnt und dann fing er an zu arbeiten und ich bekam meinen Job bei dem Sachbuchverlag. Und ich habe mich in der Stadt nicht mehr so wohl gefühlt und er war auf einmal ziemlich karrierebewusst.”Sie dachte einen Moment nach: „Karrieregeil trifft es besser! Fing an, mit Leuten auszugehen, die ich ziemlich oberflächlich und irgendwie super aufgemotzt fand. Und du weißt ja, wie sehr ich es mag im Garten rumzuwühlen und wie gerne ich hier draußen lebe. Ich fühlte mich auf den Partys, auf die wir gingen unwohl. Ich kam mir vor wie eine Landpomeranze unter all diesen Schickimickitypen und durchgestylten Frauen. Sie redeten über Themen, die mich entweder nicht im geringsten interessierten oder von denen ich nichts kapierte. Zu gut Deutsch, ich langweilte mich zu Tode und wurde auch von den Leuten nicht akzeptiert. Deswegen bin ich hierher gezogen. Und wenn er hier draußen ist, dann kapselt er sich auch immer von allen ab. Er sagt, ihr wärt alle weltfremde unverantwortliche Träumer und unrealistische Weltverbesserer. Naja, Hippies eben und nicht gesellschaftsfähig. Das alles hat halt peu à peu zu unserer Entfremdung geführt. Und wenn ich es recht bedenke, wäre es sowieso höchste Zeit, dass wir mit all dem Blödsinn aufhören. Bis jetzt hat sich aber keiner von uns beiden endgültig lösen können. Wie heißt noch dieser treffende Spruch?”
„Die Sicherheit des vertrauten Elends?”, fragte Vera.
„Ja, genau den meine ich! Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann muss ich eingestehen, dass es keine Liebe ist, die uns noch zusammenhält. Da gibt es keine Zukunft. Er passt nicht mehr in mein Leben und ich nicht mehr in seines. Punkt. Nun muss nur noch einer von uns den Mut aufbringen das ganze zu beenden. Und dann stirbt Tante Jeanne einfach so, von heute auf Morgen. Vorgestern haben wir noch Weihnachtseinkäufe zusammen gemacht, waren im Maldaner und haben uns mit Torte vollgestopft und haben über Gott und die Welt getratscht und jetzt: Weg! Einfach weg!” Wieder fingen die Tränen zu fliessen an.
„Weisst du was, mein Schatz, ich braue uns jetzt einen schönen steifen Glühwein und dann ziehen wir uns einen herzerwärmenden Kitschfilm rein, in dem alles rosarosig ist. Kochen kann heute mal jemand anderes.Ich komm gleich wieder.”
Dankbar sah Elena ihr nach. Kochen und Einkaufen waren Elenas Job in der WG und eigentlich machte es ihr viel Spass, mit dem knappen Budget,trotzdem gutes Essen zu kochen. Aber nach kochen war ihr heute wirklich nicht zumute.
 Das Ding mit Norberts Handy nagte an ihr. Sie sah zum Fenster hinaus. Schneeflocken tanzten an der am Haus angebrachten Laterne ihren wirbelnden Reigen. Es war schon fast dunkel und eine Puderzuckerschicht bedeckte den grossen Hof, auf dem jetzt einige Autos geparkt waren. War es heute eigentlich überhaupt richtig hell geworden? Sie kroch tiefer unter ihre Bettdecke und tippte erneut auf Norberts Handynummer. Diesmal war es Norbert der antwortete. Erleichtert meldete sie sich.
„Hallo, Norbert. Bist du schon zu Hause oder arbeitest du noch?”
„Elena? Hast du vorhin schon mal angerufen und wieder eingehängt?”
„Ja, das war ich. Ich hatte da eine Frau am Telefon und dachte, ich hätte mich geirrt. Aber es war dein Handy!”
„Elena, wir müssen reden!”
Elena schwante, über was er mit ihr reden wollte.
„So sag doch was Elena!”
„Was soll ich denn sagen. Ich habe dich auch nicht aus Sehnsucht angerufen, sondern ich brauchte jemanden zum reden. Tante Jeanne ist heute Morgen ganz plötzlich gestorben.”
„Oh Gott, Elena! Das ist ja schrecklich für dich. Es tut mir ehrlich leid! Ich komme raus!”
„Nein, lass das lieber. Hier schneit es wie blöd und es ist nicht nötig, dass du Kopf und Kragen riskierst, in dem du auf den glatten Taunusstrassen rumrutschst. Ja, und was du mir sagen willst, kann ich mir auch selber zusammenreimen. Wird ja auch langsam Zeit, dass einer von uns beiden die Kurve kriegt! Vielleicht am Wochenende? Aber was gibt’s da schon noch grossartig zu reden! Ich wünsche dir alles Gute! Sieh zu, dass ihr es richtig gebacken bekommt!”
„Elena, so warte doch!” Aber sie hängte ein und lehnte sich in den Kissen zurück.  Heute noch eine Diskussion über Beziehungen zu führen ging eindeutig über ihre Kräfte!
Es klopfte erneut an ihrer Zimmertür.
„Hier ist der versprochene Glühwein und Lea ist auch gleich mitgekommen. Zu zweit werden wir dich bestimmt besser trösten können.” Vera trug vorsichtig das Tablett mit den dampfenden Gläsern herein und stellte es auf den kleinen Tisch am Fenster. Lea kam ein wenig schüchtern hinterher. Vera breite eine ganz Palette CDs vor ihr aus.
„Welchen willst du?”
Elena nahm wahlos eine CD und hielt sie ihr hin.Vera studierte das Cover:
„Das sind ‘die Wasser der Hügel‘, ein Pagnolschinken aus Frankreich mit Gerard Depardieu und Daniel Auteuil! Willst du nicht was neueres?”
Elena schüttelte den Kopf. Sie mochte französische Filme, zumal sie sich zu erinnern glaubte, dass der Film in der Provence spielte und ein paar schöne Landschaftsbilder würden vielleicht ihre düstere Stimmung ein wenig heben.
„Ach ja, und Achim und Nina kochen heute Abend, darum brauchst du dich schon mal nicht zu kümmern! Hast du heute überhaupt schon was gegessen?” fragte Vera besorgt. Elena schüttelte den Kopf. Sie hatte nicht einmal im Traum dran gedacht! Sie verspürte auch jetzt nicht das geringste Bedürfnis nach Nahrung. Sie nahm einen kleinen Schluck von dem Glühwein, der ihr direkt bis in die Zehen sackte. Ihr wurde dass erst Mal heute richtig warm. Es war ihr gar nicht aufgefallen, dass sie immer noch gefroren hatte. „Innerliche Tiefkühltruhe”, dachte sie.
Sie sassen zu dritt in Elenas breitem Bett und schauten sich den Film an. Elena war froh, dass ihre Wahl gerade auf diese CD gefallen war. Der Film gefiel ihr, auch wenn er zum Ende hin sehr traurig war.
Sie ging nicht mit zum Essen hinunter. Sie keine Lust beim Abendessen allen anderen mit ihrer sauertöpfischen Miene den Abend verderben. Sie sagte Vera, die sie drängte mitzukommen, dass sie sich später ein Brot machen würde. Als die beiden Frauen gegangen waren öffnete sie eine Flasche Rotwein. Heute Abend würde sie sich betrinken. Vielleicht könnte sie dann schlafen und nicht mehr nachdenken. Sie legte noch einmal den Ofen nach und kuschelte sich in die Bettdecken. Sie liess nur eine Kerze neben ihrem Bett brennen und langsam löste sich der Knoten in ihrem Magen. Sie weinte noch ein wenig und irgendwann war sie so weit, die Kerze löschen zu können, wissend, dass der Schlaf nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.

     Weihnachten verbrachte sie auf Mallorca, bei ihren Eltern und als sie im Februar wieder zu Hause angekommen war, hatte der Hausverkauf stattgefunden. Ihr Vater hatte alle amtliche Schritte erledigt. Mittlerweile hatte Elena sich auch soweit wieder erholt, dass sie darüber nachdenken konnte, was sie mit dem Geld anstellen wollte. Ihre Tante hatte es richtig gesehen, als sie ihr riet, sich ein Haus in den Pyrenäen zu kaufen. Es war ein Traum, den sie geträumt hatte, ohne zu glauben, dass sie ihn je würde verwirklichen können. Und nun lag ein fettes Bündel Geld auf ihrem Konto. Norbert gehörte ihrer Vergangenheit an und sie war  frei, zu tun, was sie wollte. Anfangs beängstigte sie diese Freiheit ein wenig, aber je mehr sie darüber nachdachte, desto schmackhafter wurde  die Vorstellung, loszuziehen, sich auf der Suche nach dem Haus ihrer Träume zu machen. Sie suchte einen Nachmieter für ihr Zimmer, kaufte sich einen gebrauchten Ford Transitbus und organisierte ihren grossen Absprung in die mystische Bergwelt der Pyrenäen.

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