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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 19.06.2010 14:32    Titel: Schwanenteich eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Schwanenteich (in zwei Teilen)

Teil 1

Alte Geschichten erzählen uns: Sucht der Mensch auf seiner langen und beschwerlichen Irrfahrt durch das eigene Leben irgendwann nach einem stillen Ort des Rückzuges, wird er diesen am Ende immer in sich selber finden. Die Einsamkeit der Berge, des Meeres, oder auch die ruhige Atmosphäre eines Sees können dabei helfen, Gedanken und Erinnerungsstücke zu ordnen und das Leben wieder von Grund auf neu zu „initialisieren“. Ein geistiger und seelischer Reboot wäre das. Er, von Beruf Informatiker, besitzt diese Vorstellung eines inneren Systems, das auf diese Weise „zurückgesetzt“ und anschließend wieder ganz neu hochgefahren werden kann. Die Programme in seinem Kopf funktionieren nicht mehr richtig. Deswegen, und auch um sich selbst zu heilen, sucht er täglich das Ufer eines Sees auf, um dort Ruhe zu finden, oder auch jenen virtuellen „Resetknopf“ aus seiner Vorstellung, der sein Leben wieder in Ordnung bringen kann. Den richtigen Ort dafür auszumachen war nicht schwer für ihn gewesen. Denn im Grunde gibt es nur einen einzigen Ort, der dafür in Frage kommt: Jene Bank unter den hohen Silberpappeln, die mit so vielen Erinnerungen verknüpft ist und die einen besonders prächtigen Blick auf „ihren“ geliebten See bietet. Gleich neben dem Bootssteg, dort, wo an Pflöcken angebunden, die kleinen Ruderboote leicht auf dem Wasser schaukeln. Jetzt im Herbst kommt aber niemand auf den Gedanken, mit einem Holzboot hinaus auf den See zu rudern. Man wartet besser ab, bis der Frühling kommt und die Tage wieder heller und wärmer werden. Dann kehrt das Leben zurück an diesen einst so fröhlichen Ort. Er aber wartet als einziger Mensch nicht auf den Frühling, richtet sich stattdessen auf einen harten Winter ein. Und er spürt, dass dies ein ganz besonders langer und harter Winter für ihn werden wird.

An düsteren Herbsttagen wie heute ist es ganz still am See. Lediglich der Wind fährt leise durch das Schilf. Ein paar letzte Wasservögel ziehen friedlich auf der Wasseroberfläche ihre Bahnen. Sonst aber ist kein einziges Tier am See zu entdecken, geschweige denn irgendein menschliches Wesen, das hier spazieren gehen würde. Manchmal, wenn er stundenlang alleine auf der Bank sitzt, scheint es ihm, als wehe der Wind von irgendwo her traurige Violinenklänge aus einem Musikstück von Tschaikowsky zu ihm herüber. Allmählich kommt ein kalter Wind auf. Dennoch wird es ihm jetzt ganz warm ums Herz. Es sind die Erinnerung an die schönen Sommerabende, die ihn von innen wärmen, da hier am Ufer stets ausgelassenes Treiben herrschte. Kinder planschten im Wasser, verliebte Paare stolzierten wie die Kraniche auf den Uferwegen entlang. Jugendliche tollten herum und vergnügten sich mit gemeinschaftlichen Ballspielen. Laut ging es zu an der Uferpromenade. Im Gras lagen oder saßen die Familien auf ihren Wolldecken und ließen ihre Blicke über den See schweifen. Dort glitten Segelboote über die Wasseroberfläche. Es waren Tage zum Glücklichsein, damals im Hochsommer. Tage, die man am besten zusammen mit seinen Liebsten verbrachte.

Mit seiner Tochter kam er sehr häufig an diesen einst so fröhlichen Ort. Auch, als sie bereits schon im Rollstuhl saß, bestand sie immer wieder darauf, mit ihm die weißen Uferwege entlang zu fahren, am kleinen Kiosk ein Eis zu kaufen, oder sich auf den Holzbohlen durch das sumpfige Gelände zu kämpfen. Sie nannte diesen Wegabschnitt immer „meinen kleinen Dschungel“ und stellte sich vor, dass dort im Schilf ganz viele seltene Vögel brüteten. Danach sahen sie den Ruderbooten hinterher oder einfach nur den Spaziergängern zu, wie diese langsam die Wege abschritten. Am Spielplatz mussten sie immer besonders lange Halt machen. Das kleine Mädchen im Rollstuhl versuchte offensichtlich, all die Bilder von den  Kindern und ihrem ausgelassenen Tun mit seinen Augen einzufangen, um in schlechteren Zeiten an sie zurückdenken zu können, wenn es wieder in seinem Krankenzimmer lag und die weißen Wände und die Decke anstarren musste. Wenn sie in der Nähe der anderen Kinder war, fühlte sie sich glücklich, lachte viel, auch wenn sie abseits stand und alles nur beobachten konnte.

Am Krankenbett hatte er ihr unbeschreiblich schönes Lachen noch einige Male erleben dürfen. Mit diesem fröhlichen Lachen, das wie aus einer anderen Zeit herübergerettet klang, konnte sie an trüben Tagen das ganze, karge Zimmer wie mit einer hell strahlenden Lampe in wärmstes Sommerlicht tauchen. Dann schluckte er oft und hatte Tränen in den Augen. Er, der stets für alles verantwortlich war und sich immer nur Gedanken um die Zukunft gemacht hatte, anstatt jeden einzelnen Moment bewusst zu erleben. Und dabei ahnte er, dass ihnen nicht mehr viel Zeit miteinander übrig blieb. Ein Tag nach dem anderen wurde ihnen aber noch geschenkt, doch jeder konnte am Ende bereits der letzte sein. Der jetzige Moment war wichtig, sagte er sich immer wieder, ihn sollten wir genießen. Im Hier und Jetzt zu leben war ihm aber schon immer ganz besonders schwer gefallen. Stets hatte er nur Vorkehrungen für die Zukunft getroffen. Plötzlich aber sah er sich gezwungen, sofort zu leben und nicht erst in ein paar Jahren.

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prophet
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BeitragVerfasst am: 19.06.2010 19:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,
Du überraschst mich mein Freund. Von jedem hätte ich diesen Text erwartet,
aber nicht von Dir. Mag von den anfänglichen herzlichen Umarmungen herrühren, mit denen wir uns kennengelernt haben. Laughing
Der Text gefällt mir ausgesprochen gut. Diese Wehmut, sehr schön.
Sollte in Dir vielleicht doch ein Romantiker stecken? Laughing

lg p.
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Traumtänzerin
Fähnchen Fieselschreib

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BeitragVerfasst am: 19.06.2010 19:44    Titel: Antworten mit Zitat

Zerfieselerlaubnis?

_________________
Title sponsored by Boro, (c) by Alogius
---
Es genügt nicht, keine Meinung zu haben. Man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.
---
Eine spitze Zunge ist in manchen Ländern schon unerlaubter Waffenbesitz.
---
Dem wird befohlen, der sich selbst nicht gehorchen kann. (Nietzsche)
---
Inquisition war in der frühen Neuzeit der ganz große Burner.
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prophet
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BeitragVerfasst am: 19.06.2010 19:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hi, Zerfieselerin,

der prophet spricht immer nur für sich selbst. Das muss reichen.

lg p.
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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 19.06.2010 19:58    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi!

Vorab: Bei mir gibt es immer Zerfieselerlaubnis. Außerdem schreibe ich ja noch am 2. Teil und könnte Tipps gleich mit einfließen lassen. Allerdings ist die Überarbeitungsphase schon fast abgeschlossen.

Zitat:

Du überraschst mich mein Freund. Von jedem hätte ich diesen Text erwartet, aber nicht von Dir.

Ich verfasse vor allem konstant unterschiedliche Texte. wink
Zitat:

Diese Wehmut, sehr schön.

Wenn du erst noch den Rest liest. Ich habe beim Schreiben wirklich geweint. Ehrlich!
Zitat:

Sollte in Dir vielleicht doch ein Romantiker stecken?  

Na klar! Was hast du denn gadacht!

Jetzt bin ich mal auf das Zerfieselergebnis gespannt .

BN
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prophet
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BeitragVerfasst am: 19.06.2010 19:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ich auch! Laughing

lg p.
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Traumtänzerin
Fähnchen Fieselschreib

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BeitragVerfasst am: 20.06.2010 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

Vorab:
Zitat:
Hi, Zerfieselerin,

der prophet spricht immer nur für sich selbst. Das muss reichen
Question Kann dir nicht folgen.

Hallo BN.

Stehe dem Text zwiegespalten gegenüber. Zwar ist er mir stellenweise zu überladen (teilweise zu viele Bilder auf einmal, zu offensichtliche Emotionen, die durch ihre Darstellungsweise ihre eigentlich starke Wirkung nicht vollkommen entfalten können).
Die Intention gefällt mir allerdings sehr, ebenso wie die Stimmung, die transportiert wird.
Hab dir die diversen Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind, mal auseinander gepickt. Hoffentlich falle ich dir mit dieser Pingelei nicht auf die Nerven.

Zitat:
Alte Geschichten erzählen uns: Sucht der Mensch auf seiner langen und beschwerlichen Irrfahrt durch das eigene Leben irgendwann nach einem stillen Ort des Rückzuges, wird er diesen am Ende immer in sich selber finden.
Es ist irgendwie klar, dass hier das "eigene Leben" gemeint ist. Würde ich weglassen.
Und eine Pingeligkeit meinerseits zu "selber": Mir gefällt "selbst" besser. Aber das ist Geschmackssache.
Die Aussage gefällt mir.

Zitat:
Die Einsamkeit der Berge, des Meeres, oder auch die ruhige Atmosphäre eines Sees können dabei helfen, Gedanken und Erinnerungsstücke zu ordnen und das Leben wieder von Grund auf neu zu „initialisieren“.
Klingt für mich wie aus einem "Wie-gestalte-ich-mein-Leben-richtig?"-Ratgeber. Ausschlaggebende Formulierung hierfür ist "können dabei helfen". Und: brauchst du das "oder"?
Das mit Anführungsstrichen betonte 'Fremdwort' "initialisieren" stört mich auch etwas. Wirkt gekünstelt.
Ich habe versucht, den Text umzuschreiben, aber die Ergebnisse waren noch unnatürlicher als deine Version. rotwerd

Zitat:
Ein geistiger und seelischer Reboot wäre das. Er, von Beruf Informatiker, besitzt diese Vorstellung eines inneren Systems, das auf diese Weise „zurückgesetzt“ und anschließend wieder ganz neu hochgefahren werden kann. Die Programme in seinem Kopf funktionieren nicht mehr richtig. Deswegen, und auch um sich selbst zu heilen, sucht er täglich das Ufer eines Sees auf, um dort Ruhe zu finden, oder auch jenen virtuellen „Resetknopf“ aus seiner Vorstellung, der sein Leben wieder in Ordnung bringen kann.
Der Übergang von 'Sage' zu 'Realität/Einführung des Protas' ist mir zu abrupt. Vielleicht auch, weil du keinen Absatz gesetzt hast und mein Hirn erst einmal kapieren musste "Hey, Wechsel!".
Beim ersten Satz dieses (zitierten) Abschnittes würde ich den Satzbau eventuell umdrehen (Vorschlag: (Das) wäre (wohl) ein geistiger und seelischer Reboot.).
Diesen verkürzten Satzbau fände ich ganz gut, um dem Leser eindeutig klar zu machen, dass es sich um den Gedankengang des Protagonisten handelt.
2. "zurückgesetzt": Was hast du immer mit deinen Anführungsstrichen? Confused Auch ohne sie wird der Wirkung kein Abbruch getan.

Zitat:
Jene Bank unter den hohen Silberpappeln, die mit so vielen Erinnerungen verknüpft ist und die einen besonders prächtigen Blick auf „ihren“ geliebten See bietet.
Die Bank bietet einen "besonders prächtigen Blick auf ihren geliebten See"? Wenn man es oberpingelig - also so wie ich - liest, muss man ein wenig schmunzeln. Natürlich weiß man, wie das gemeint ist, aber der Perfektion halber würde ich ein paar Wörtchen einfügen, etwa so:
Jene Bank unter den hohen Silberpappeln, die mit so vielen Erinnerungen verknüpft ist und von der sich dem Verweilenden ein besonders prächtiger Blick auf ihren geliebten See bietet.
"ihren" würde ich wieder nicht in Anführungsstriche, sondern kursiv setzen. Hat mich beim ersten Lesen irritiert.

Zitat:
Gleich neben dem Bootssteg, dort, wo an Pflöcken angebunden, die kleinen Ruderboote leicht auf dem Wasser schaukeln. Jetzt im Herbst kommt aber niemand auf den Gedanken, mit einem Holzboot hinaus auf den See zu rudern. Man wartet besser ab, bis der Frühling kommt und die Tage wieder heller und wärmer werden. Dann kehrt das Leben zurück an diesen einst so fröhlichen Ort. Er aber wartet als einziger Mensch nicht auf den Frühling, richtet sich stattdessen auf einen harten Winter ein. Und er spürt, dass dies ein ganz besonders langer und harter Winter für ihn werden wird. An düsteren Herbsttagen wie heute ist es ganz still am See. Lediglich der Wind fährt leise durch das Schilf. Ein paar letzte Wasservögel ziehen friedlich auf der Wasseroberfläche ihre Bahnen. Sonst aber ist kein einziges Tier am See zu entdecken, geschweige denn irgendein menschliches Wesen, das hier spazieren gehen würde.
smile Gefällt mir, die Passage. Sehr stimmungsvolles Bild, schön über ausdrucksstarke Wörter transportiert.

Zitat:
Manchmal, wenn er stundenlang alleine auf der Bank sitzt, scheint es ihm, als wehe der Wind von irgendwo her traurige Violinenklänge aus einem Musikstück von Tschaikowsky zu ihm herüber. Allmählich kommt ein kalter Wind auf. Dennoch wird es ihm jetzt ganz warm ums Herz.
Den ersten "Wind" würde ich weglassen und umschreiben (Vorschlag: Manchmal, wenn er stundenlang alleine auf der Bank sitzt, scheint es ihm, als wehe es von irgendwo her traurige Violinenklänge aus einem Musikstück von Tschaikowsky zu ihm herüber.)
Dann kann die Zerfieslerin auch nix von wegen Wortwiederholung meckern. wink
Anfangs fand ich die "Violinenklänge" ein wenig zu kitschig/übertrieben. Aber ich denke, da der gesamte Text romantisch gehalten ist, passt es dennoch ganz gut hinein. wink Geschmackssache.

Zitat:
Es sind die Erinnerung an die schönen Sommerabende, die ihn von innen wärmen, da hier am Ufer stets ausgelassenes Treiben herrschte.
Erinnerungen? Oder es ist die Erinnerung.

Zitat:
Kinder planschten im Wasser, verliebte Paare stolzierten wie die Kraniche auf den Uferwegen entlang. Jugendliche tollten herum und vergnügten sich mit gemeinschaftlichen Ballspielen. Laut ging es zu an der Uferpromenade. Im Gras lagen oder saßen die Familien auf ihren Wolldecken und ließen ihre Blicke über den See schweifen. Dort glitten Segelboote über die Wasseroberfläche. Es waren Tage zum Glücklichsein, damals im Hochsommer. Tage, die man am besten zusammen mit seinen Liebsten verbrachte.
Wie gemalt. Daumen hoch

Zitat:
Mit seiner Tochter kam er sehr häufig an diesen einst so fröhlichen Ort. Auch, als sie bereits schon im Rollstuhl saß, bestand sie immer wieder darauf, mit ihm die weißen Uferwege entlang zu fahren, am kleinen Kiosk ein Eis zu kaufen, oder sich auf den Holzbohlen durch das sumpfige Gelände zu kämpfen.
"bereits schon" ist 'doppelt gemoppelt. Eines der beiden Wörter reicht.
Zu Beginn und teilweise auch jetzt noch stört mich der Imperfekt etwas, er hatte bei mir den leicht gekünstelten Eindruck hinterlassen. Vielleicht wäre es lockerer, wenn du den Mammut-Satz "Auch..." ein wenig umkonstruieren würdest.
So zum Beispiel:
Mit seiner Tochter kam er sehr häufig an diesen einst so fröhlichen Ort. Selbst als sie bereits im Rollstuhl sitzen musste/saß, bestand sie immer wieder darauf, gemeinsam mit ihm die weißen Uferwege entlang zu fahren. Am kleinen Kiosk (unweit der Bänke) ein Eis zu kaufen. Sich auf den Holfzbohlen durch das sumpfige Gelände zu kämpfen.

Zitat:
Das kleine Mädchen im Rollstuhl versuchte offensichtlich, all die Bilder von den  Kindern und ihrem ausgelassenen Tun mit seinen Augen einzufangen, um in schlechteren Zeiten an sie zurückdenken zu können, wenn es wieder in seinem Krankenzimmer lag und die weißen Wände und die Decke anstarren musste. Wenn sie in der Nähe der anderen Kinder war, fühlte sie sich glücklich, lachte viel, auch wenn sie abseits stand und alles nur beobachten konnte.
Hm. Die Passage finde ich an und für sich sehr schön (und traurig). Aber: Brauchst du das "offensichtlich" so unbedingt? Hinterlässt bei mir einen gekünstelten Eindruck, gewollt-einfühlsam.

Zitat:
Am Krankenbett hatte er ihr unbeschreiblich schönes Lachen noch einige Male erleben dürfen. Mit diesem fröhlichen Lachen, das wie aus einer anderen Zeit herübergerettet klang, konnte sie an trüben Tagen das ganze, karge Zimmer wie mit einer hell strahlenden Lampe in wärmstes Sommerlicht tauchen.
Du bedrängst den Leser hier mit zu vielen Bildern/Eindrücken. Versuche vielleicht, die Beschreibungen etwas dezenter zu setzen. Weniger wirkt manchmal mehr.

[quoe]Dann schluckte er oft und hatte Tränen in den Augen. Er, der stets für alles verantwortlich war und sich immer nur Gedanken um die Zukunft gemacht hatte, anstatt jeden einzelnen Moment bewusst zu erleben. Und dabei ahnte er, dass ihnen nicht mehr viel Zeit miteinander übrig blieb.[/quote] Sehr sehr schöne Passage.

Zitat:
Ein Tag nach dem anderen wurde ihnen aber noch geschenkt, doch jeder konnte am Ende bereits der letzte sein. Der jetzige Moment war wichtig, sagte er sich immer wieder, ihn sollten wir genießen. Im Hier und Jetzt zu leben war ihm aber schon immer ganz besonders schwer gefallen. Stets hatte er nur Vorkehrungen für die Zukunft getroffen. Plötzlich aber sah er sich gezwungen, sofort zu leben und nicht erst in ein paar Jahren.
Sorry, aber das wirkt auf mich wie in einem "Finde-deinen-Weg"-Nachschlagewerk. Die Sätze sind in inhaltlich zwar sehr eindrucksvoll, aber dass du "das Kind beim Namen nennst", macht die gesamte Wirkung platt/alle.


Das soll alles kein Angriff sein. Aber das weißte ja, denk ich mal.

Hugh, Miss Oberpingel hat gesprochen. Fang damit an, was du willst.

LG,
Traumtänzerin


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prophet
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BeitragVerfasst am: 20.06.2010 12:55    Titel: Antworten mit Zitat

Kann Dir nicht folgen.

lg p.
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 20.06.2010 13:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BN,

Ich beurteile gerne Texte im Ganzen, daher nur ein kleiner Einwand. Der erste Abschnitt liest sich für mich schwer. Vielleicht eine Aktion voranstellen?

auch ist:
Zitat:
Alte Geschichten erzählen uns: Sucht der Mensch auf seiner langen und beschwerlichen Irrfahrt durch das eigene Leben irgendwann nach einem stillen Ort des Rückzuges, wird er diesen am Ende immer in sich selber finden. Die Einsamkeit der Berge, des Meeres, oder auch die ruhige Atmosphäre eines Sees können dabei helfen, Gedanken und Erinnerungsstücke zu ordnen und das Leben wieder von Grund auf neu zu „initialisieren“.
das, was man eine These nennt, und erzählen soll, was das Nachfolgende zeigen wird (als Beweis). Die Frage ist (und ohne den zweiten Teil schwer zu beantworten), ob dein Text das wirklich braucht. Der erste Abschnitt ist auch mit Erinnerung bestückt, dabei wäre es einfacher, mit der Gegenwart anzufangen. Dazu böte sich der zweite Abschnitt an - aber, wie immer, ist das nur Murmels Meinung.

_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
*Flauschangriff - Piper/Weltbild 2014, Piper Fahrenheit 2017
*Katertage zum Verlieben - Thienemann 2014
*Bocktot - Gmeiner-Verlag 2017
*Brunnenleich - Gmeiner-Verlag Juli 2018
*Gut Gebellt, Katze - Edel Elements September 2018
*Schwarze Küste - Gmeiner Verlag Februar 2019
*Marias Geheimnis - Weltbild/Edel Elements 01.03.2019
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BeitragVerfasst am: 20.06.2010 18:52    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Traumtänzerin!

Recht herzlichen Dank für deine ausführliche Kritik und die Arbeit, die du dir gemacht hast. Supertoll! Nun zu den Details:

Zitat:

Stehe dem Text zwiegespalten gegenüber. Zwar ist er mir stellenweise zu überladen (teilweise zu viele Bilder auf einmal, zu offensichtliche Emotionen, die durch ihre Darstellungsweise ihre eigentlich starke Wirkung nicht vollkommen entfalten können).

Da es sich bei dem Ereignis um den größten Super-GAU handelt, der in der Vorstellung vieler existiert, erschien mir die Verwendung von offensichtlichen Emotionen als angemessen.

Zitat:

Die Intention gefällt mir allerdings sehr, ebenso wie die Stimmung, die transportiert wird.

Die melancholische Stimmung war für mich auch ein wesentliches Element.

Zitat:

Hab dir die diversen Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind, mal auseinander gepickt. Hoffentlich falle ich dir mit dieser Pingelei nicht auf die Nerven.

Nö, du nimmst mir nur Arbeit ab.

Zitat:

Zitat:
Alte Geschichten erzählen uns: Sucht der Mensch auf seiner langen und beschwerlichen Irrfahrt durch das eigene Leben irgendwann nach einem stillen Ort des Rückzuges, wird er diesen am Ende immer in sich selber finden.
Es ist irgendwie klar, dass hier das "eigene Leben" gemeint ist. Würde ich weglassen.
Und eine Pingeligkeit meinerseits zu "selber": Mir gefällt "selbst" besser. Aber das ist Geschmackssache.
Die Aussage gefällt mir.

Klanglich fehlt mir da was (vor Leben). Aber vielleicht habe ich mich an die Formulierung nur schon gewöhnt. Deinen Einwand verstehe ich. Zu selber/selbst: Es gibt bestimmte eine Regel, die uns sagt, welche Form die richtige ist und welche ugs. ist. Jetzt muss ich nur noch die Regel finden.

Zitat:

Zitat:
Die Einsamkeit der Berge, des Meeres, oder auch die ruhige Atmosphäre eines Sees können dabei helfen, Gedanken und Erinnerungsstücke zu ordnen und das Leben wieder von Grund auf neu zu „initialisieren“.
Klingt für mich wie aus einem "Wie-gestalte-ich-mein-Leben-richtig?"-Ratgeber. Ausschlaggebende Formulierung hierfür ist "können dabei helfen". Und: brauchst du das "oder"?
Das mit Anführungsstrichen betonte 'Fremdwort' "initialisieren" stört mich auch etwas. Wirkt gekünstelt.
Ich habe versucht, den Text umzuschreiben, aber die Ergebnisse waren noch unnatürlicher als deine Version.  

Nach Ratgeber soll es nicht klingen, hierzu werde ich noch in dem Murmel-Kommentar etwas sagen. Das "initialisieren" habe ich deswegen verwendet, weil die Geschichte aus Sicht eines Informatikers erzählt wird. Halte ich auch ein bisschen für grenzwertig, aber wenn nicht zu viele solche Ausrutscher im Text sind, kann man es vielleicht verkraften. Zum oder: Das "oder" unterbricht die Aufzählung zur "Einsamkeit". Aber es klingt nicht so schön, da hast du recht.

Zitat:

Zitat:
Ein geistiger und seelischer Reboot wäre das. Er, von Beruf Informatiker, besitzt diese Vorstellung eines inneren Systems, das auf diese Weise „zurückgesetzt“ und anschließend wieder ganz neu hochgefahren werden kann. Die Programme in seinem Kopf funktionieren nicht mehr richtig. Deswegen, und auch um sich selbst zu heilen, sucht er täglich das Ufer eines Sees auf, um dort Ruhe zu finden, oder auch jenen virtuellen „Resetknopf“ aus seiner Vorstellung, der sein Leben wieder in Ordnung bringen kann.
Der Übergang von 'Sage' zu 'Realität/Einführung des Protas' ist mir zu abrupt. Vielleicht auch, weil du keinen Absatz gesetzt hast und mein Hirn erst einmal kapieren musste "Hey, Wechsel!".
Beim ersten Satz dieses (zitierten) Abschnittes würde ich den Satzbau eventuell umdrehen (Vorschlag: (Das) wäre (wohl) ein geistiger und seelischer Reboot.).
Diesen verkürzten Satzbau fände ich ganz gut, um dem Leser eindeutig klar zu machen, dass es sich um den Gedankengang des Protagonisten handelt.
2. "zurückgesetzt": Was hast du immer mit deinen Anführungsstrichen?  Auch ohne sie wird der Wirkung kein Abbruch getan.

Die Übergangsproblematik ist mir auch bewusst und dieser seltsame Einleitungssatz sollte tatsächlich eine verbindende Funktion haben. Ist vielleicht wirklich nicht so sehr geglückt. Das umgangssprachliche Elemet sollte den Übergang ersichtlich machen.

Zitat:

Zitat:
Jene Bank unter den hohen Silberpappeln, die mit so vielen Erinnerungen verknüpft ist und die einen besonders prächtigen Blick auf „ihren“ geliebten See bietet.
Die Bank bietet einen "besonders prächtigen Blick auf ihren geliebten See"? Wenn man es oberpingelig - also so wie ich - liest, muss man ein wenig schmunzeln. Natürlich weiß man, wie das gemeint ist, aber der Perfektion halber würde ich ein paar Wörtchen einfügen, etwa so:
Jene Bank unter den hohen Silberpappeln, die mit so vielen Erinnerungen verknüpft ist und von der sich dem Verweilenden ein besonders prächtiger Blick auf ihren geliebten See bietet.
"ihren" würde ich wieder nicht in Anführungsstriche, sondern kursiv setzen. Hat mich beim ersten Lesen irritiert.

Den Verweilenden einzuführen ist gut. Das "ihren" kommt sehr plötzlich - war für mich ein Kunstgriff, darauf hinzuweisen, dass es letztendlich um eine "Zweierbeziehung" geht. Kursiv ist gut! Die Anführungszeichen könnte ich mir wirklich mal abgewöhnen.

Zitat:

Zitat:
Gleich neben dem Bootssteg, dort, wo an Pflöcken angebunden, die kleinen Ruderboote leicht auf dem Wasser schaukeln. Jetzt im Herbst kommt aber niemand auf den Gedanken, mit einem Holzboot hinaus auf den See zu rudern. Man wartet besser ab, bis der Frühling kommt und die Tage wieder heller und wärmer werden. Dann kehrt das Leben zurück an diesen einst so fröhlichen Ort. Er aber wartet als einziger Mensch nicht auf den Frühling, richtet sich stattdessen auf einen harten Winter ein. Und er spürt, dass dies ein ganz besonders langer und harter Winter für ihn werden wird. An düsteren Herbsttagen wie heute ist es ganz still am See. Lediglich der Wind fährt leise durch das Schilf. Ein paar letzte Wasservögel ziehen friedlich auf der Wasseroberfläche ihre Bahnen. Sonst aber ist kein einziges Tier am See zu entdecken, geschweige denn irgendein menschliches Wesen, das hier spazieren gehen würde.
 Gefällt mir, die Passage. Sehr stimmungsvolles Bild, schön über ausdrucksstarke Wörter transportiert.

Oh, schön! Dann geh ich mal weiter zum nächsten Absatz.

Zitat:

Zitat:
Manchmal, wenn er stundenlang alleine auf der Bank sitzt, scheint es ihm, als wehe der Wind von irgendwo her traurige Violinenklänge aus einem Musikstück von Tschaikowsky zu ihm herüber. Allmählich kommt ein kalter Wind auf. Dennoch wird es ihm jetzt ganz warm ums Herz.
Den ersten "Wind" würde ich weglassen und umschreiben (Vorschlag: Manchmal, wenn er stundenlang alleine auf der Bank sitzt, scheint es ihm, als wehe es von irgendwo her traurige Violinenklänge aus einem Musikstück von Tschaikowsky zu ihm herüber.)
Dann kann die Zerfieslerin auch nix von wegen Wortwiederholung meckern.  
Anfangs fand ich die "Violinenklänge" ein wenig zu kitschig/übertrieben. Aber ich denke, da der gesamte Text romantisch gehalten ist, passt es dennoch ganz gut hinein.  Geschmackssache.

Die Violinenklänge sind für die Konstruktion der Geschichte sehr wesentlich. Das erkennt man jetzt aber noch nicht. Es handelt sich aber um eine versteckte Kleinigkeit, die wahrscheinlich von den meisten Lesern eh überlesen wird.

Zitat:

Zitat:
Es sind die Erinnerung an die schönen Sommerabende, die ihn von innen wärmen, da hier am Ufer stets ausgelassenes Treiben herrschte.
Erinnerungen? Oder es ist die Erinnerung.

Tippfehler. Danke für den Hinweis!

Zitat:

Zitat:
Kinder planschten im Wasser, verliebte Paare stolzierten wie die Kraniche auf den Uferwegen entlang. Jugendliche tollten herum und vergnügten sich mit gemeinschaftlichen Ballspielen. Laut ging es zu an der Uferpromenade. Im Gras lagen oder saßen die Familien auf ihren Wolldecken und ließen ihre Blicke über den See schweifen. Dort glitten Segelboote über die Wasseroberfläche. Es waren Tage zum Glücklichsein, damals im Hochsommer. Tage, die man am besten zusammen mit seinen Liebsten verbrachte.
Wie gemalt.  

Smile Wie komponiert, um im Kontext der Geschichte zu bleiben wink

Zitat:

Zitat:
Mit seiner Tochter kam er sehr häufig an diesen einst so fröhlichen Ort. Auch, als sie bereits schon im Rollstuhl saß, bestand sie immer wieder darauf, mit ihm die weißen Uferwege entlang zu fahren, am kleinen Kiosk ein Eis zu kaufen, oder sich auf den Holzbohlen durch das sumpfige Gelände zu kämpfen.  
"bereits schon" ist 'doppelt gemoppelt. Eines der beiden Wörter reicht.
Zu Beginn und teilweise auch jetzt noch stört mich der Imperfekt etwas, er hatte bei mir den leicht gekünstelten Eindruck hinterlassen. Vielleicht wäre es lockerer, wenn du den Mammut-Satz "Auch..." ein wenig umkonstruieren würdest.
So zum Beispiel:
Mit seiner Tochter kam er sehr häufig an diesen einst so fröhlichen Ort. Selbst als sie bereits im Rollstuhl sitzen musste/saß, bestand sie immer wieder darauf, gemeinsam mit ihm die weißen Uferwege entlang zu fahren. Am kleinen Kiosk (unweit der Bänke) ein Eis zu kaufen. Sich auf den Holfzbohlen durch das sumpfige Gelände zu kämpfen.

bereits schon: Danke für den Hinweis!
Imperfekt: In der Geschichte gibt es die Gegenwart, den Perfekt, den Imperfekt um die verschiedenen Zeiten zu unterscheiden. Seit ono habe ich das dringende Bedürfnis, keine Tempusfehler mehr zu machen.
Deine kurzen Sätze klingen besser als ein Mammutsatz.

Zitat:

Zitat:
Das kleine Mädchen im Rollstuhl versuchte offensichtlich, all die Bilder von den Kindern und ihrem ausgelassenen Tun mit seinen Augen einzufangen, um in schlechteren Zeiten an sie zurückdenken zu können, wenn es wieder in seinem Krankenzimmer lag und die weißen Wände und die Decke anstarren musste. Wenn sie in der Nähe der anderen Kinder war, fühlte sie sich glücklich, lachte viel, auch wenn sie abseits stand und alles nur beobachten konnte.

Hm. Die Passage finde ich an und für sich sehr schön (und traurig). Aber: Brauchst du das "offensichtlich" so unbedingt? Hinterlässt bei mir einen gekünstelten Eindruck, gewollt-einfühlsam.

Das offensichtlich habe ich deswegen verwendet, damit diese Stelle nicht nach Perspektivenfehler aussieht, weil eigentlich ist diese Geschichte ja aus der Perspektive des Vaters geschrieben. Es ist ja nur eine Vermutung des Vaters, die er durch die Beobachtung gewinnt.

Zitat:

Zitat:
Am Krankenbett hatte er ihr unbeschreiblich schönes Lachen noch einige Male erleben dürfen. Mit diesem fröhlichen Lachen, das wie aus einer anderen Zeit herübergerettet klang, konnte sie an trüben Tagen das ganze, karge Zimmer wie mit einer hell strahlenden Lampe in wärmstes Sommerlicht tauchen.
Du bedrängst den Leser hier mit zu vielen Bildern/Eindrücken. Versuche vielleicht, die Beschreibungen etwas dezenter zu setzen. Weniger wirkt manchmal mehr.

Da ich sonst immer sehr reduziert schreibe, dachte ich, mal ein bisschen auf die Gefühlstube drücken zu müssen.

Zitat:

Zitat:
Ein Tag nach dem anderen wurde ihnen aber noch geschenkt, doch jeder konnte am Ende bereits der letzte sein. Der jetzige Moment war wichtig, sagte er sich immer wieder, ihn sollten wir genießen. Im Hier und Jetzt zu leben war ihm aber schon immer ganz besonders schwer gefallen. Stets hatte er nur Vorkehrungen für die Zukunft getroffen. Plötzlich aber sah er sich gezwungen, sofort zu leben und nicht erst in ein paar Jahren.
Sorry, aber das wirkt auf mich wie in einem "Finde-deinen-Weg"-Nachschlagewerk. Die Sätze sind in inhaltlich zwar sehr eindrucksvoll, aber dass du "das Kind beim Namen nennst", macht die gesamte Wirkung platt/alle.

Verstehe! Vielleicht gibt es noch weitere Meinungen zu dieser Stelle und ich lasse mich breitschlagen (*aua!*)

Zitat:

Das soll alles kein Angriff sein. Aber das weißte ja, denk ich mal.

Hugh, Miss Oberpingel hat gesprochen. Fang damit an, was du willst.

Ich fand diese Kritik großartig! Ich werde mir darüber sicherlich noch mehr Gedanken machen, als die, die ich jetzt niedergeschrieben habe. So liebt man das DSFo!


Ciao
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BeitragVerfasst am: 20.06.2010 19:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Murmel,

Zitat:

Ich beurteile gerne Texte im Ganzen, daher nur ein kleiner Einwand. Der erste Abschnitt liest sich für mich schwer. Vielleicht eine Aktion voranstellen?

auch ist: Zitat:
...
das, was man eine These nennt, und erzählen soll, was das Nachfolgende zeigen wird (als Beweis). Die Frage ist (und ohne den zweiten Teil schwer zu beantworten), ob dein Text das wirklich braucht. Der erste Abschnitt ist auch mit Erinnerung bestückt, dabei wäre es einfacher, mit der Gegenwart anzufangen. Dazu böte sich der zweite Abschnitt an - aber, wie immer, ist das nur Murmels Meinung.

Der Zeitungsstil (oder wie man ihn sonst nennen möchte), ist weniger dem Inhalt, sondern eherdem strukturellen Aufbau der Geschichte geschuldet. Das kann man natürlich anders machen, dann ist es aber nicht mehr die Konstruktion, die es einmal sein sollte. Ich denke auch, dass man das erst richtig beurteilen kann, wenn die ganze Geschichte vorliegt - und danach bewerten, ob diese Konstruktion akzeptabel ist oder nicht. Trotzdem vielen Dank, dass du dich jetzt schon mal gemeldet hast. Deine Anmerkung behalten wir erst einmal im Auge.

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BeitragVerfasst am: 20.06.2010 20:32    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Teil 2


Schau doch Papi, die Schwäne auf dem See leuchten in einem wundervollen Weiß. Wie majestätisch sie aussehen!“ Noch lange sahen sie an jenem Abend gemeinsam auf den See hinaus. „Sie sind eine Familie. Vater, Mutter und vier Kinder. Dort drüben im Dickicht haben sie wohl ihr Nest gebaut.“ Das Mädchen war ganz aufgeregt. „Eine richtige Familie …“, seufzte sie. „Wie glücklich sie sein müssen!“ Die Schwanenfamilie verschwand irgendwo im Schilf.
„Du Papi, glaubst du eigentlich, dass Schwäne auch in den Himmel kommen?“,  fragte sie. Sie liebte die großen Wasservögel über alles.“So gerne würde ich sie dorthin mitnehmen.“
„Ganz sicher“, sprach er mit gesenkter Stimme, „im Himmel wird alles noch viel schöner sein als auf der Erde“.
„Aber wenn ich ganz alleine dort oben bin, muss ich dann lange auf dich und meine Freunde, die Tiere, warten? Vielleicht vergeht im Himmel die Zeit ja viel schneller als auf der Erde und ich muss nur einen Tag ausharren, bis ich dich dann wieder bei mir habe“.
„Das kann gut sein“, überlegte er. „ Ich werde zu dieser Bank hier kommen und dann können wir miteinander sprechen. Damit dir dieser eine Tag, an dem du alleine im Himmel bist, nicht zu langweilig wird.“ Er versuchte ein Lächeln.
„Du meinst, wir können auch dann noch miteinander sprechen?“ Diese Aussicht machte das Mädchen offensichtlich sehr glücklich.
„Daran glaube ich ganz fest! Ich werde ganz stark an dich denken, dann wirst du meine Gedanken hören können.“
„Aber wirst du auch mich hören und das, was ich dir zu sagen habe?“
„Das kann ich jetzt noch nicht wissen. Im Himmel gibt es viele Geheimnisse. Aber dass du mich sehen und verstehen kannst, daran glaube ich ganz fest.“
Das Mädchen seufzte. Vielleicht hatte ihre bevorstehende Reise damit ein kleines Stück des Schreckens für sie verloren.



Anfangs versuchte er noch, diesen Gesprächen über den Tod auszuweichen, aber er merkte bald, dass seine Tochter ihre Gedanken nicht für sich behalten wollte. Sie wusste genau, dass sie nicht mehr lange zu leben hatte und schien sich bereits viele Wochen vorher auf den Tod einzustellen. Stück für Stück nahm sie Abschied von dieser Welt. Vielleicht würde ihr das Bild einer schönen zukünftigen Welt helfen, diesen schweren Abschied durchzustehen. Dennoch kämpfte sie täglich und mit aller Kraft, bis zu ihrem allerletzten Moment, um doch noch ein weiteres, kleines Stückchen vom Leben für sich zu erhaschen. Wie konnte dieses kleine Mädchen nur so stark sein, fragte er sich immer wieder? Nie beklagte sie ihre Situation,  sie fügte sich einfach in ihr Schicksal, das es doch so besonders schlecht mit ihr gemeint hatte.

Die schleichende Krankheit stellte er sich immer vor wie ein böses Tier, das sich tief im Inneren seines lieben Mädchens versteckt hatte und dort auf der Lauer lag. In ihren Knochen, in den Organen, in ihrem Herzen. Sie immer weiter von innen aushöhlte. Und dieses böse Tier nahm sich täglich ein größeres Stück von seinem Kind. Ein unberechenbar gewordenes Raubtier, das von niemandem mehr aufzuhalten war. Es schwächte das Kind, machte ihm Schmerzen, so dass es immer wieder weinen musste. Man konnte nichts tun, das Tier nicht herausholen aus dem jungen Körper. Die Ärzte hatten dazu immer wieder neue Versuche unternommen, das Mädchen überall aufgeschnitten, nach Spuren gesucht und jedes Mal wieder nur den weiter voranschreitenden Fraß des bösen Tieres zur Kenntnis nehmen müssen. Das Tier war nirgends und überall. Solche kindlichen Gedanken von der Krankheit seiner Tochter machte er sich, weil er die Wirklichkeit und die Fakten, wie sie die Ärzte ihm vermittelten, nicht ertragen konnte. Und alle zusammen waren sie so hilflos, denn täglich ging es weiter mit ihr bergab.

Irgendwann, seinem Kind ging es schon sehr schlecht, hob er es einfach aus dem Krankenbett heraus, nahm es in die Arme und packte es in sein Auto. Gemeinsam wollten sie ein letztes Mal zum See hinaus fahren. Dort mieteten sie sich ein Boot und ruderten auf den See, vorbei an den Enten, die lustig auf den Wellen des Fahrwassers schaukelten. Seine Tochter lachte die ganze Fahrt über, so als ob es kein Morgen mehr für sie gäbe. Sie konnte so fröhlich sein. Er jedoch dachte bei jedem Lachen, dass es möglicherweise das letzte war, das er je von ihr hören würde.  Ihre Schmerzen vergaß sie an jenem Sommertag für kurze Zeit. Kleine Kinder planschten am Ufer mit ihren Eltern. Hatten Spaß, bevor die Sonne unterging. Die Tochter saß die ganze Zeit überglücklich auf der hinteren Sitzbank des Bootes. Es war ein wunderschöner Sonntag. Ein Tag, so richtig geschaffen für die Erinnerung.   

An ihrem Grab hatte er hemmungslos geweint. All die unterdrückten Tränen, die er drei lange Jahre nicht weinen durfte, kamen plötzlich aus ihm herausgeflossen. Jetzt musste er nicht mehr stark sein, denn nun war er endgültig alleine. Die meisten Gedanken und Zukunftspläne ergrauten schlagartig in diesem Moment. All seine Erinnerungen erschienen ihm nun wie in einem dichten Nebel eingehüllt. Nur wenn er am See entlang schritt, konnte er seine Tochter wieder ganz deutlich neben sich sehen. Es war, als ob sie an seiner Hand lief und mit ihm sprach. In seiner Vorstellung konnte sie auch wieder laufen, sie hüpfte regelrecht an seiner Seite. So, wie es auch all die anderen kleinen Kinder neben ihren Vätern taten. Am See fühlte er sich seiner Tochter immer sehr nahe. Er hatte ihr ja auch fest versprochen, seine Gedanken an sie himmelwärts zu schicken, dort, an ihrem Lieblingsplatz. Und die sich im Wasser spiegelnden Bäume begannen vor seinen Augen zu verschwimmen und das salzige Wasser seiner Tränen brannte wie Feuer.


Ein plötzlicher Windstoß weht ihm eine große Schwanenfeder vor die Füße. Mit einem Lächeln hebt er sie auf und nimmt sie mit nach Hause. Dort setzt er sich an den Schreibtisch, taucht die Federspitze in ein Tintenfass und schreibt seiner Tochter einen Brief:


Meine über alles geliebte Annika!

Nun bin ich ganz alleine auf der Welt und denke jeden Tag an dich. Ich denke sogar jede Minute, in jedem Moment an dich. Es wäre so schön gewesen, wenn ich dich noch weiter bei mir behalten hätte können. Manchmal stelle ich mir vor, wie du groß geworden wärst. Ein frecher Teenager vielleicht, eine wunderschöne Frau. Dein Lachen wäre sicherlich noch genauso schön gewesen, wie es immer war. Ich wäre älter, du aber an jedem Tag nur noch schöner geworden. Irgendwann hättest du mich zu Grabe getragen. Aber das ist dir ja jetzt erspart geblieben. Glück gehabt! Leider ist es jetzt ja umgekehrt gekommen und ich musste dich, mein kleines Kind, zu Grabe tragen. Ich hoffe, dass es dir dort oben gut geht. Ich stelle mir vor, dass du jetzt im Himmel einer der vier kleinen Schwäne auf einem riesigen Himmels-Schwanensee bist. Das ist eine sehr schöne Vorstellung für mich. Ich liebe dich so!
Es umarmt dich ganz herzlich,

dein über alles trauriger Papi.
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Aknaib
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010 22:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BN,

da du deinen Text als einen dir wichtigen markiert hast, möchte ich dir raten ihn  nach Füllwörtern abzugrasen.
Im Teil 1 liegt der Anteil von Füllwörtern bei ca. 9%.
Spitzenreiter ist dieser Satz:
 
Zitat:
Im Hier und Jetzt zu leben war ihm aber schon immer ganz besonders schwer gefallen.


Lässt du alle fünf Füllwörter weg, bleibt die Aussage erhalten.

Herzliche Grüße
Bianka
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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010 22:48    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Aknaib,

hast du den Text eigentlich gelesen, oder nur ein tool drüberlaufen lassen? Wie ist denn dein Urteil ausgefallen?

Gibt's auch ein tool für Wortwiederholungen? Das könnte ich gebrauchen.

BN
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Murmel
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010 23:30    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube, Papyrus hat so ein tool.

Es stört mich, das er nur von dem kleinen Mädchen spricht, die doch seine Tochter ist. Soll das Distanz schaffen? Die hat er doch nicht. Daher hielte ich es für besser, ihr einen Namen von Anfang an zugeben.

Der Name der Krankheit. Sicher benennt er das, voller Hass, und nicht nur als ein ominöses Tier. Der Kranke vielleicht selbst nicht, aber Angehörige tun das in der Regel schon.

Was ist mit der Mutter? Sie fehlt zu deutlich in so einer Situation.

Ich sehe den seelischen und geistigen Reboot am Ende nicht. Wozu dann die These vorne dran? Um sie zu widerlegen?

Mich würde unheimlich interessieren, was daraus entstünde, schriebst du in "Echtzeit" mit Rückblicken, aber so, dass wir mehr erleben, was er sieht und fühlt. Ich glaube, dann wäre das Erlebnis noch direkter und die Wandlung vom Informatiker zum Fühlenden Menschen intensiver und nachvollziehbarer, denn darauf möchtest du doch hinaus, oder?

Ein technisches Detail: muss man die Schwanenfeder nicht präparieren, um mit ihr schreiben zu können?

Fazit: ich halte es für ein gut gelungenes Experiment, mit Trauer und Gefühlen umzugehen, würde aber ein anderes Format bevorzugen. So, wie's ist, ist es self-indulgent, wie der Brite sagt.

 Wink


_________________
*Koppelmord - Carlsen Instantbooks 2013
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Ilona
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BeitragVerfasst am: 22.06.2010 15:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Blue Note

mir gefällt der Kontrast des Informatikervaters zu seinen unterdrückten Gefühlen rund um die kranke Tochter sehr gut. Ich empfinde den Stil als durchaus passend, mir sind allerdings schon einige Informatiker begegnet Wink

Nach meiner Erfahrung handelt es sich oft um Menschen diei sich hinter bits und bytes verstecken, und Gefühlen völlig hilflos gegenüber stehen.

Ein paar Mäkeligkeiten hätte ich noch anzubringen:

Zitat:
Die Programme in seinem Kopf funktionieren nicht mehr richtig. Deswegen, und auch um sich selbst zu heilen


selbst zu heilen stört hier, ein reboot ist doch gerade die Heilung.


Zitat:
Das kleine Mädchen im Rollstuhl versuchte offensichtlich


niemand kann wissen was kleine Mädchen denken, die Überlegungen des Vaters kommen zudem ziemlich altbacken daher.

Zitat:
unbeschreiblich schönes


unbeschreiblich ist überflüssig, wie schon das Wort sagt, beschreibt es nichts

Zitat:
Wie majestätisch sie aussehen


Seltsame Sprechweise für ein kleines Kind. Insgesamt wirkt das Kind in Deiner Erzählweise älter als man bei einer hüpfenden Kleinen vermuten sollte.

Insgesamt aber ein sehr berührender Text, schön Wink

Grüße von

Ilona
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BlueNote
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BeitragVerfasst am: 22.06.2010 19:09    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Murmel,

ich schätze deine kompetenten und zielgenauen Analysen. Auch in diesem Kommentar hast du wieder sehr richtige und wichtige Anmerkungen gemacht, die ich unmittelbar umsetzen kann. Allerdings läuft deine Kritik oft auch auf die Forderung hinaus, eine ganz andere Geschichte aus dem jeweiligen Text zu machen (ich erinnere mich da z.B. an die Geschichte „O sole mio“, die ich zusammen mit Biggi geschrieben habe und die inzwischen eine recht hohe Leserakzeptanz gefunden hat). Hilfreich fände ich es, wenn ein Leser erst einmal das vom Autor gewählte Gerüst, das der Geschichte zugrunde liegt, akzeptieren könnte und darauf aufbauend unterstützende Hilfestellung geben würde. Die Forderung, eine ganze Geschichte auf den Kopf zu stellen bzw. sie völlig neu zu erzählen, ist am Ende eines Schreibprozesses eher schwierig zu erfüllen. Die Herangehensweise beim Erzählen meiner Geschichte war es, sich den Personen und ihrem Schicksal ganz behutsam zu nähern, zunächst nur mit allgemeinen Aussagen über Trauerbewältigung, dann die konkrete Beschreibung der Trauer, eine nähere Betrachtung der Personen und der Krankheit, dem Zuhören eines Wortwechsels zwischen dem Vater und der Tochter und letztlich der persönliche Brief mit der wörtlichen Anrede (Name des Kindes) und quasi dem Wechsel zur Ich-Perspektive. Dies ist eine Steigerung, die zum Konzept gehört.
Zitat:

Es stört mich, das er nur von dem kleinen Mädchen spricht, die doch seine Tochter ist. Soll das Distanz schaffen? Die hat er doch nicht. Daher hielte ich es für besser, ihr einen Namen von Anfang an zugeben.

Wenn ich mich nicht irre, spricht nicht „er“ von seinem kleinen Mädchen, sondern der Autor tut es. Der Autor möchte durchaus den Abstand wahren (vielleicht aus Respekt?), der Protagonist („er“) hat ihn natürlich nicht. Würde das Kind von Anfang an einen Namen haben, würde das langsame Hinführen des Lesers an die zwei Personen nicht mehr erkennbar sein.
Zitat:

Der Name der Krankheit. Sicher benennt er das, voller Hass, und nicht nur als ein ominöses Tier. Der Kranke vielleicht selbst nicht, aber Angehörige tun das in der Regel schon.

Man macht sich oft recht irrationale Vorstellungen von solchen Dingen (ich spreche da leider aus Erfahrung). Mein Protagonist soll auch nicht einen Durchschnittsmenschen repräsentieren, sondern das Bild des „bösen Tieres“ ist seine ganz individuelle Sichtweise.
Zitat:

Was ist mit der Mutter? Sie fehlt zu deutlich in so einer Situation.

Die Mutter ins Spiel zu bringen war mir ehrlich gesagt zu umständlich. Das Fehlen siehst du aber vollkommen richtig als Fehlen. Wenn ich schriebe: Die Mutter sei in Amerika und kümmere sich nicht um die eigene (sterbende) Tochter, dann wäre das eine viel zu starke Note in der Geschichte, wenn sie bereits im Himmel auf die Tochter wartete, müsste die Geschichte umgeschrieben werden, wenn sich die Mutter  noch im Umfeld befände, müsste die Einsamkeit des Protagonisten geringer ausfallen. Für dieses Problem sehe ich im Moment noch keine Lösung.
Zitat:

Ich sehe den seelischen und geistigen Reboot am Ende nicht. Wozu dann die These vorne dran? Um sie zu widerlegen?

Ich denke, ich sollte die These zu Beginn noch um die Anmerkung ergänzen, dass manche Menschen viele Jahre auf der Suche nach ihrer inneren Stabilität seien und manche sie vielleicht nie mehr finden würden. So bliebe offen, ob sie der Protagonist je wieder erreichen würde.
Zitat:

Mich würde unheimlich interessieren, was daraus entstünde, schriebst du in "Echtzeit" mit Rückblicken, aber so, dass wir mehr erleben, was er sieht und fühlt. Ich glaube, dann wäre das Erlebnis noch direkter und die Wandlung vom Informatiker zum Fühlenden Menschen intensiver und nachvollziehbarer, denn darauf möchtest du doch hinaus, oder?

Das wäre aber dann, wie oben bereits erläutert, eine ganz anders erzählte Geschichte. Natürlich kann man das Thema auch anders erzählen. Mir war der diskrete Abstand (als Autor) beim Erzählen aber wichtig. Der Übergang des Informatikers zum fühlenden Menschen war übrigens nicht mein Hautmotiv (haben Informatiker denn von Grund auf keine Gefühle?).  Eher jenes, dass ein Mensch, der planerisch denkt, plötzlich auf „Lebensgenuss“ umschalten muss. Aber vielleicht geht das doch in die gleiche Richtung …
Der Ratschlag wird gerne gemacht: Mehr zu beschreiben, was der Protagonist sieht und fühlt. Mir waren die vorhandenen Beschreibungen aber schon vollkommen genug, ein Mehr würde ich als „self-indulgent“ empfinden (im Sinne von zügellos, hemmungslos, ausschweifend, schwelgerisch – das hat mir zumindest meine Übersetzung so ausgespuckt.)
Zitat:

Ein technisches Detail: muss man die Schwanenfeder nicht präparieren, um mit ihr schreiben zu können?

Wahrscheinlich schräg abschneiden, damit die Tinte in den Hohlraum der Feder fließt. Das zu recherchieren, hatte ich tatsächlich auch erwogen … war aber dann zu … beschäftigt.
Zitat:

Fazit: ich halte es für ein gut gelungenes Experiment, mit Trauer und Gefühlen umzugehen, würde aber ein anderes Format bevorzugen.

Diese Geschichte zu lesen hat für mich eine heilsame Wirkung (wahrscheinlich mehr als sie zu Schreiben). Es sind hauptsächlich die stillen Passagen, die melancholischen Erinnerungen, die ich als tröstlich empfinde.

Ich danke dir sehr für deine kritischen Anmerkungen und hoffe, du empfindest meine Antwort nicht so, als hätte ich dir nur in allen Punkten widersprochen.


Viele Grüße

BlueNote

(Illona-Kommentar folgt)
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Traumtänzerin
Fähnchen Fieselschreib

Alter: 25
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BeitragVerfasst am: 22.06.2010 19:21    Titel: Antworten mit Zitat

Na dann mach ich mich mal an Teil 2 - falls erwünscht. Falls nicht erwünscht haste Pech gehabt. Razz


Zitat:
Schau doch Papi, die Schwäne auf dem See leuchten in einem wundervollen Weiß. Wie majestätisch sie aussehen!“
Stopp! Hast du schon mal ein kleines Mädchen gehört, das [i]so redet?! Blink Also ich nicht. Es ist mir zwar klar, dass du die Atmosphäre in die direkte Rede einbauen möchtest. An sich gibt's da ja nix dran zu meckern ... aber: dann benutze bitte Wörter, die auch Klein-Max Mustermann im Alltagswusel sagen würde (in so einer Situation und natürlich auch mit entsprechender Begeisterung). Bei den Kleinkindern, die ich (vom Babysitten) her kenne, würden weniger Adjektive und mehr Beschreibungen/Sätze benutzen.
So in etwa:
"Schau doch, Papi, wie hell die Schwäne (da) auf dem See leuchten! Wie schön weiß die sind!" Und er richtete seinen Blick auf die Stelle, auf die die kleine Kinderhand (weit ausgestreckt) deutete. Majestätisch glitten die Vögel über das (dunkle) Wasser und er freute sich mit seiner (kleinen) Tochter.
Nur ein Vorschlag (wie alles hier) und nur eine Pi-mal-Daumen-Version, damit du dir vorstellen kannst, was ich ungefähr meine.


Zitat:
Noch lange sahen sie an jenem Abend gemeinsam auf den See hinaus. „Sie sind eine Familie. Vater, Mutter und vier Kinder. Dort drüben im Dickicht haben sie wohl ihr Nest gebaut.“ Das Mädchen war ganz aufgeregt. „Eine richtige Familie …“, seufzte sie. „Wie glücklich sie sein müssen!“ Die Schwanenfamilie verschwand irgendwo im Schilf.
Dass es sich bei den Schwänen um eine Schwanenfamilie handelt, hat mich total überrumpelt. Fände es besser/schöner, wenn du das vorher leicht andeuten würdest beziehungsweise beschreibst.

Zitat:
“So gerne würde ich sie dorthin mitnehmen.“
Würde den Satz umbauen. Findest du nicht auch, dass
"Ich würde sie so gern(e) dorthin (/dahin?) mitnehmen." natürlicher für ein kleines Mädchen wirkt?

Zitat:
Vielleicht vergeht im Himmel die Zeit ja viel schneller als auf der Erde und ich muss nur einen Tag ausharren, bis ich dich dann wieder bei mir habe“.
Wuhahahahaaa! Shocked BN.
Das ist ein Kind!!

Zitat:
„Das kann gut sein“, überlegte er. „ Ich werde zu dieser Bank hier kommen und dann können wir miteinander sprechen. Damit dir dieser eine Tag, an dem du alleine im Himmel bist, nicht zu langweilig wird.“ Er versuchte ein Lächeln.
Schöne/r Gedanke/Aussage, wenn auch traurig.

Zitat:
„Du meinst, wir können auch dann noch miteinander sprechen?“ Diese Aussicht machte das Mädchen offensichtlich sehr glücklich.
Gib's zu. Du magst das Wort "offensichtlich".

Zitat:
Vielleicht hatte ihre bevorstehende Reise damit ein kleines Stück des Schreckens für sie verloren.
Was ist ein "Schreckenstück"?

Zitat:
Anfangs versuchte er noch, diesen Gesprächen über den Tod auszuweichen, aber er merkte bald, dass seine Tochter ihre Gedanken nicht für sich behalten wollte.
Würde einen Punkt nach "auszuweichen" setzen. Dann kann der erste Satzteil ganz für sich wirken. Sonst geht er ein wenig unter.

Zitat:
Sie wusste genau, dass sie nicht mehr lange zu leben, hatte und schien sich bereits viele Wochen vorher auf den Tod einzustellen.
Komma? Nur a gfui. wink

Zitat:
Stück für Stück nahm sie Abschied von dieser Welt. Vielleicht würde ihr das Bild einer schönen zukünftigen Welt helfen, diesen schweren Abschied durchzustehen.
Adjektive, Adjektive, Adjektive! Huch, die haste aber gern. Tipp: Ein wenig reduzieren, beziehungsweise umschreiben mit eigenen Teilsätzen und aufteilen in mehrere Sätze (die Infos) verpacken.

Zitat:
Wie konnte dieses kleine Mädchen nur so stark sein, fragte er sich immer wieder?
Vorschlag: Er fragte sich immer wieder, wie dieses kleine Mädchen nur so stark sein konnte. oder: Immer wieder fragte er sich, wie dieses kleine Mädchen nur so stark sein konnte..



Zitat:
Die schleichende Krankheit stellte er sich immer vor wie ein böses Tier, das sich tief im Inneren seines lieben Mädchens versteckt hatte und dort auf der Lauer lag. In ihren Knochen, in den Organen, in ihrem Herzen. Sie immer weiter von innen aushöhlte. Und dieses böse Tier nahm sich täglich ein größeres Stück von seinem Kind. Ein unberechenbar gewordenes Raubtier, das von niemandem mehr aufzuhalten war. Es schwächte das Kind, machte ihm Schmerzen, so dass es immer wieder weinen musste. Man konnte nichts tun, das Tier nicht herausholen aus dem jungen Körper. Die Ärzte hatten dazu immer wieder neue Versuche unternommen, das Mädchen überall aufgeschnitten, nach Spuren gesucht und jedes Mal wieder nur den weiter voranschreitenden Fraß des bösen Tieres zur Kenntnis nehmen müssen. Das Tier war nirgends und überall. Solche kindlichen Gedanken von der Krankheit seiner Tochter machte er sich, weil er die Wirklichkeit und die Fakten, wie sie die Ärzte ihm vermittelten, nicht ertragen konnte. Und alle zusammen waren sie so hilflos, denn täglich ging es weiter mit ihr bergab.
Schönes Sinnbild. Habe deswegen alles zitiert, weil mir der Vergleich so gefallen hat.

Den zweiten Teil des zweiten Teils schaff ich wahrscheinlich nicht mehr.
Vielleicht morgen, okay?

LG, die
Zerfieseltante


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Murmel
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BeitragVerfasst am: 22.06.2010 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo BN,

Natürlich hast du mir in allen Punkten widersprochen.  Laughing

Aber kein Problem, schließlich setze ich mich gerne eine halbe Stunde hin, um dir eine Kritik zu schreiben, der du im Einzelnen widersprechen kannst. wink

Meine Kritik und Vorschläge entspringen immer meiner ehrlichen Meinung; ob die der Autor teilt, oder nicht, bleibt dem Autoren überlassen, und wenn er keinen Handlungsbedarf sieht oder anderer Meinung ist, auch gut.

Es kann natürlich passieren, dass ich den Eindruck bekomme, der Autor legt keinen Wert auf meine Meinung, dann lasse ich es in Zukunft bleiben, denn meine halbe Stunde kann ich auch anders verwenden. Nicht wahr?


self-indulgent heißt,  zu nachsichtig mit sich selbst zu sein.

Grüße

Murmel.


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Traumtänzerin
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BeitragVerfasst am: 23.06.2010 12:49    Titel: Antworten mit Zitat

Zweiter Teil, zweiter Teil.

Zitat:
Irgendwann, seinem Kind ging es schon sehr schlecht, hob er es einfach aus dem Krankenbett heraus, nahm ]b]es[/b] in die Arme und packte es[b] in sein Auto.
Sehr distanzierte Formulierung. "Es" klingt verdächtig nach einer Sache. Aber das ist ein Kind und somit ein Mensch! Wenn du Distanz ausdrücken willst, würde ich nicht diesen Weg wählen, es zu "verdingseln", denn das ist dann keine Distanz mehr, sondern vielmehr Respektlosigkeit, wenn man es überspitzt sieht.
Was hältst du stattdessen von:
Irgendwann (einmal), seinem Kind ging es schon sehr schlecht, hob er [b]das kleine Mädchen einfach aus dem Krankenbett (heraus brauchste net unbedingt), hielt den kleinen Körper in seinen Armen und ließ seine Tochter sanft auf den Beifahrersitz seines Autos gleiten.


Zitat:
Gemeinsam wollten sie ein letztes Mal zum See hinaus fahren.
Pingeligkeitshalber angemerkt: Was hältst du davon, "gemeinsam" hinter "sie wollten" zu setzen und den Satz in zwei Parataxen aufzuteilen?
Ungefähr so:
Sie wollten gemeinsam/ noch einmal zum See hinaus fahren. Ein letztes Mal.
Meiner Meinung nach kommt dem "letzten Mal" dadurch mehr Bedeutung zu.

Zitat:
Seine Tochter lachte die ganze Fahrt über, so, als ob es kein Morgen mehr für sie gäbe.


Zitat:
Sie konnte so fröhlich sein. Er jedoch dachte bei jedem Lachen, dass es möglicherweise das letzte war, das er je von ihr hören würde.  Ihre Schmerzen vergaß sie an jenem Sommertag für kurze Zeit. Kleine Kinder planschten am Ufer mit ihren Eltern. Hatten Spaß, bevor die Sonne unterging. Die Tochter saß die ganze Zeit überglücklich auf der hinteren Sitzbank des Bootes.
Die Tochter?! Ist mir schon wieder zu distanziert. Aber es kommt ja immer darauf an, was du ausdrücken willst mit dieser Distanz. Mir persönlich ist sie allerdings zu stark. Und: "überglücklich" als Adjektiv beabsichtigt, oder Leertaste zwischen "über" und "glücklich" vergessen?
Der Vater hat eine Vorahnung. Hm. An sich sehr schön (und traurig), aber vielleicht gestaltest du den Absatz etwas anders. Das Mädchen mehr beschreiben, eingebettet als Gedanken des Vaters? Etwa so:
Sie konnte so fröhlich sein. Aber bei jedem Lachen dachte er, dass es möglicherweise das letzte war, das er je von ihr hören würde. An diesem Sommertag vergaß sie ihre Schmerzen für kurze Zeit, wirkte losgelöst und frei. Stolz blinzelte er sie zu und sah sie liebevoll an. Um sie herum plantschten kleine Kinder am Ufer mit ihren Eltern. (Sie) hatten Spaß, bevor die Sonne unterging. Seine Tochter saß die ganze Zeit über (strahlend vor Glück) auf der hinteren Sitzbank des Bootes.

Zitat:
Es war ein wunderschöner Sonntag. Ein Tag, so richtig geschaffen für die Erinnerung.
Hmpf. So so so. Hm. Macht irgendwie die Stimmung/ den Gedanken ein wenig kaputt durch die Relativierung. wink Tipp: Weglassen.

Sodala, muss schon wieder. Dritter Teil folgt. Vielleicht schaff ich den auch heute noch vor'm Konzert. wink

LG,
Traumtänzerin


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The Brain
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BeitragVerfasst am: 23.06.2010 14:22    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber BlueNote,

ich hatte es dir angedroht...

Die Geschichte gefällt mir ausgesprochen gut. Sie vermag mein Herz zu treffen.
Du hast das Szenario sehr gefühlvoll vermittelt. Der Leser neigt dazu sich ein Tränchen aus dem Auge zu wischen.

Zu kritisieren habe ich, dass du seeehr viele Worte brauchst. Füllworte, die einem das Lesen manchmal etwas anstrengend machen. Ich denke der Text würde noch an Aussagekraft gewinnen, wenn du das "Unkraut" zwischen den Rosengleichen Worten entfernst ....

Durchforste deinen Text (1.Teil) einmal nach wenn und aber, das meine ich wörtlich. Die sind wirklich sehr oft präsent.

Zitat:
Ein Tag nach dem anderen wurde ihnen aber noch geschenkt, doch jeder konnte am Ende bereits der letzte sein. Der jetzige Moment war wichtig, sagte er sich immer wieder, ihn sollten wir genießen


Das rote ist eigentlich ein bisschen zu viel und verdirbt ein wenig die Satzmelodie ....


Die Sätze sind allgemein etwas "umständlich" geschrieben. Viele Adjektive, sehr ausladende Beschriebungen. Könnte manchmal etwas weniger vertragen.


Zitat:
Ihre Schmerzen vergaß sie an jenem Sommertag für kurze Zeit.


da ist wieder so ein Satz .....
Für kurze Zeit ...... würde sich harmonischer fügen.

Zitat:
In seiner Vorstellung konnte sie auch wieder laufen, sie hüpfte regelrecht an seiner Seite


Wieder so ein Wort zu viel ... ergibt so eigentlich keinen Sinn? ... und by the way ... das "sie" würde ich auch weglassen ...

Zitat:
Er hatte ihr ja auch fest versprochen


schon wieder ...
 
Zitat:
Ich denke sogar jede Minute, in jedem Moment an dich.


Die logische Steigerung aus Tag, Minute wäre Sekunde .... Ist ein Moment eine Steigerung zur Minute???? Weiß es gerade auch nicht so ....



Das mit der kindlichen Sprache finde ich jetzt nicht als sehr störend. Kinder können, je nach ihrem Umfeld, bereits erstaunliche Wortkreationen schaffen. Insbesondere Kinder, die an einem solchen Schicksal, wie es deine Prota ereilt, wachsen. Allerdings die Bezeichnung "ausharren" wirkt im Kontext etwas unpassend auf mich ....






Zitat:
Hilfreich fände ich es, wenn ein Leser erst einmal das vom Autor gewählte Gerüst, das der Geschichte zugrunde liegt, akzeptieren könnte und darauf aufbauend unterstützende Hilfestellung geben würde.


Ich habe mich bemüht dieser treffenden Formulierung gerecht zu werden.
Ist ja sowieso nur meine Meinung, die ich hier zum Besten gebe.

Trotz meiner Kritik - ein wunderschönes Werk!



Liebe Grüße

The Brain


P.S. .... und übrigens - ich hasse dich nicht! Kritik muss man einstecken können!


_________________
Dinge wahrzunehmen,
der Keim der Intelligenz

(Laotse)

***********

Die Kindheit endet nicht mit dem Erwachsenwerden.
Sie begleitet dich durch all deine Lebenstage.

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Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

(Hermann Hesse)
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BeitragVerfasst am: 23.06.2010 15:25    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hi Ilona,
Zitat:

mir gefällt der Kontrast des Informatikervaters zu seinen unterdrückten Gefühlen rund um die kranke Tochter sehr gut. Ich empfinde den Stil als durchaus passend, mir sind allerdings schon einige Informatiker begegnet

Ich gehe ja grundsätzlich davon aus, dass man meinen Stil als zu reduziert ansieht. Traumtänzerin fand ihn dagegen stellenweide zu ausgeschmückt. Schön, dass es dir passt.
Zitat:

Nach meiner Erfahrung handelt es sich oft um Menschen diei sich hinter bits und bytes verstecken, und Gefühlen völlig hilflos gegenüber stehen.

Eine interessante Spezies also. Wenn man das Sterben der eigenen Tochter miterlebt, helfen natürlich die bits und bytes auch nichts mehr - und ein Verstecken sowieso nicht.
Zitat:

Zitat:
Die Programme in seinem Kopf funktionieren nicht mehr richtig. Deswegen, und auch um sich selbst zu heilen

selbst zu heilen stört hier, ein reboot ist doch gerade die Heilung.

Für den Ausdruck „heilen könnte ich einen besseren finden.
Zitat:

Zitat:
Das kleine Mädchen im Rollstuhl versuchte offensichtlich

niemand kann wissen was kleine Mädchen denken, die Überlegungen des Vaters kommen zudem ziemlich altbacken daher.

Meine Idee war, dass das Wort „offensichtlich“ genüge, um klar zu machen, dass sich der Vater nur Mutmaßungen über die Gedanken der Tochter machte. Er weiß es natürlich nicht – aber es kann auf ihn doch den Eindruck machen. Vielleicht sollte ich das so schreiben: es machte auf ihn den Eindruck …
Zitat:

Zitat:
unbeschreiblich schönes

unbeschreiblich ist überflüssig, wie schon das Wort sagt, beschreibt es nichts

In dem Text habe ich sehr oft zu Superlativen gegriffen – einfach, weil die Situation, die es zu beschreiben galt, so außergewöhnlich ist. Man könnte es etwas dezenter machen – das nehme ich mir vor.
Zitat:

Zitat:
Wie majestätisch sie aussehen

Seltsame Sprechweise für ein kleines Kind. Insgesamt wirkt das Kind in Deiner Erzählweise älter als man bei einer hüpfenden Kleinen vermuten sollte.

Traumtänzerin hat diese Stelle ja bereits verbessert, so dass es sich mehr nach Kind anhört. Zwischen der „hüpfenden Kleinen“ und der (hauptsächlichen) Erzählzeit liegen 3 Jahre Krankheit. Du hast aber recht: So als kann die Tochter noch gar nicht sein.
Zitat:

Traumtänzerin hat diese Stelle ja bereits verbessert, so dass es sich mehr nach Kind anhört. Zwischen der „hüpfenden Kleinen“ und der (hauptsächlichen) Erzählzeit liegen 3 Jahre Krankheit. Du hast aber recht: So als kann die Tochter noch gar nicht sein.

Traumtänzerin hat diese Stelle ja bereits verbessert, so dass es sich mehr nach Kind anhört. Zwischen der „hüpfenden Kleinen“ und der (hauptsächlichen) Erzählzeit liegen 3 Jahre Krankheit. Du hast aber recht: So als kann die Tochter noch gar nicht sein.
Das freut mich sehr!


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