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Diese Werke sind ihren Autoren besonders wichtig Roman Anfang "Skelett Stadt"


 

 
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Graenee
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BeitragVerfasst am: 03.03.2019 14:20    Titel: Roman Anfang "Skelett Stadt" eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

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Trübes Licht blendet mich, als ich ins Skelett der Stadt stolpere. Stützpfeiler und Überreste von Gebäuden ragen in den grauen Himmel, wie Knochen aus dem verstümmelten Körper einer Leiche. In der Ferne sehe ich das Headquarter, wie es sich stolz und arrogant in den Himmel reckt und fast alles andere im Umkreis überragt. Nach der Katastrophe war es eines der wenigen Gebäude, das noch stand und unsere einzige Zuflucht. Um Fragen wie die statische Sicherheit des Gebäudes macht sich niemand mehr Gedanken. Soweit wir wissen, konnte uns die Decke jederzeit auf den Kopf fallen und uns unter sich begraben. Einige von uns würden dieses Schicksal vielleicht bevorzugen…

Langsam gewöhnten sich meine Augen an das Licht. Normalerweise müsste ich spätestens jetzt mein Halstuch über Mund und Nase ziehen, doch letzte Nacht hat es geregnet. Das erste Mal seit Wochen. Glücklich atme ich die Staub-freie Luft ein und drehe mich zu meinem Begleiter um. Marcel hatte es wieder nicht lassen können und noch schnell in seinem Versteck in dem Tunnel, den wir das Maul nennen, nach seinen Sachen geschaut. Er hatte dort allerhand altes Holz hinterlegt und alles andere gesammelt, was ihm auf unseren Streifzügen über den Weg lief und interessant erschien. Mittlerweile hatte er eine Recht große Anzahl verschiedener Werkzeuge zur Holzbearbeitung zusammengetragen - nichts, was dem Kollektiv helfen könnte, nur Kleinkram um Dekogegenstände und ähnliches herzustellen.

Brydon und der Rest seiner Bande sahen es nicht gern, wenn man übermäßig viel Zeit mit Hobbys verbrachte und hielt auch nichts von solchem "Luxuskram". "Es gibt zu viel zu tun und jeder Einzelne muss sein Möglichstes tun, damit unser Überleben gesichert ist. Nur wenn wir zusammen arbeiten, wenn wir fokussiert bleiben, können wir es schaffen. Wir sind das Kollektiv und wir müssen zusammen halten." Seine Reden und immer gleichen Argumente konnte ich mittlerweile fast mitbeten. Unrecht hat er ja nicht… Nur die Umsetzung gefiel mir manchmal nicht. Als einer der Ersten, die aus dem Sumpf der Verwirrung und Verzweiflung aufgewacht waren, hatte er sich schnell als unser Anführer aufgeschwungen. Mit ihm kamen Rollenverteilungen, Routine, ein Zuhause. Er war es, der das Headquarter gefunden hat, der uns animiert und angeleitet hat, um es einigermaßen wohnlich zu machen, der uns einen Namen gegeben hat. Das Kollektiv. Der Name soll Gemeinsamkeit fördern, zeigen wer wir sind. Alle waren sehr beeindruckt von seinen Führungsfertigkeiten, auch ich - bis der erste "Regelbruch" begangen wurde. Joffrey, ein junger Mann von Anfang zwanzig aus Amerika, hatte auf einem seiner Streifzüge Essen geklaut. "Du bist ein Sucher, Joffrey. Was tun Sucher?" Der Junge war leichenblass geworden und hatte gestammelt. "Sie suchen Essen und anderen nützliche Dingen, die dem Kollektiv helfen könnten." Hilfloses Nicken, Tränen auf staubigen Wangen. "Und was hilft dem Kollektiv nicht, Jof? DER LUXUS DES EINZELNEN!", hatte Brydon ihn angeschrien. Dort, mitten im Speise- und Versammlungssaal des Headquarters, zwischen den Menschen des Kollektivs, wurde an diesem Tag ein Exempel statuiert. Und niemand hatte etwas gesagt. Ich schüttele den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Nächstes Mal werde ich mutiger sein, denke ich und glaube es sogar fast.

"Komm schon, Cel. Die Luft ist rein." Ich zwinkere ihm zu. "Im wahrsten Sinne des Wortes." Erneut atme ich tief ein. Die Luft riecht nach Frühlingsregen. Als ich eine noch halbstehende Hauswand berühre, ist der Stein angenehm warm.
"Es scheint als hätten wir einen schönen sonnigen Tag verpasst."
Hustend erscheint jetzt auch Marcel aus dem Schlund und lächelt über meine Begeisterung. 
"So gelöst hab ich dich ja eine Weile nicht gesehen. Was denn, hast du dir für heute schon genug Sorgen gemacht?", zwinkert er mir zu, doch das Lächeln erreicht seine Augen nicht ganz. Es war nicht die erste Bemerkung dieser Art, die er fallen ließ und würde sicherlich auch nicht die letzte bleiben. Ich runzle die Stirn, aber lächele ihm tapfer zu. Mir war ja selbst klar, dass ich mich verändert hatte. Die Situation war nunmal alles andere als sorglos, wie also sollte ich aufhören mir Gedanken zu machen? Wie sollte es weitergehen?


"Wir machen uns besser auf den Weg. Es gibt bestimmt bald Essen." Wie auf Knopfdruck knurrt mein Magen laut. Er hört es und zieht eine Augenbraue hoch. Wir lachen und machen uns auf den Rückweg durch die Ruinen. Fröhlich pfeifend geht er voran, Plastiktüte in der Hand.
Manchmal habe ich das Gefühl, er nimmt gar nichts ernst. Nachdem die Stadt von einem Tag auf den anderen in diese Wüste verwandelt worden war, waren die meisten von uns Wochen lang verzweifelt, verwirrt, aufgelöst. Nicht jedoch Marcel. "Es gibt Probleme, die man lösen kann und solche, die man nicht lösen kann. Wenn wir es lösen können - toll -, fertig und aus-die-Maus. Wenn nicht, wieso sollte man sich deswegen dann Gedanken machen? Es bringt ohnehin nichts."
Ach Marcel, dachte ich während ich ihm vorsichtig über Trümmerteile und Kadaver folgte. Eines vergisst du bei deiner Philosophie. Wie sollen wir wissen, ob wir eine Lösung finden können, wenn wir es nicht einmal versuchen?

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Calvin Hobbs
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BeitragVerfasst am: 03.03.2019 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Das Endzeitszenario empfinde ich als flüssig zu lesen und eingängig, fast etwas zu konventionell. Aber auch ohne Cliffhanger würde ich erstmal weiterlesen Daumen hoch²
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Graenee
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BeitragVerfasst am: 03.03.2019 16:17    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Das Endzeitszenario empfinde ich als flüssig zu lesen und eingängig, fast etwas zu konventionell. Aber auch ohne Cliffhanger würde ich erstmal weiterlesen :okok:


Was genau empfindest du als zu konventionell? Irgendwelche Ideen, was ich besser machen könnte?
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Calvin Hobbs
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Beiträge: 92
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BeitragVerfasst am: 03.03.2019 17:36    Titel: Antworten mit Zitat

Graenee hat Folgendes geschrieben:
Calvin Hobbs hat Folgendes geschrieben:
Das Endzeitszenario empfinde ich als flüssig zu lesen und eingängig, fast etwas zu konventionell. Aber auch ohne Cliffhanger würde ich erstmal weiterlesen Daumen hoch²


Was genau empfindest du als zu konventionell? Irgendwelche Ideen, was ich besser machen könnte?


Es gibt Ruinen, DIE Katastrophe, Menschen auf der Suche nach Lebensmitteln, das Leben ist auf Essen, Trinken, Sex, Überleben und eine interessante "Macke" reduziert. Das ist jetzt nicht so prall, denn falls es nicht um eine Zeitreise geht, das Geschehene wieder rückgängig zu machen, werden die Figuren irgendwo zwischen Mad Max, Waterworld, Hunger Games und I am Legend landen. Vielleicht hast Du aber auch eine Überraschung auf Lager smile
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 03.03.2019 18:06    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber was Bewährtes gut umgesetzt als mit Gewalt was Neues ausprobieren, finde ich.
Mich stören ein paar Kleinigkeiten. Warum Headquarter und nicht Hauptquartier?
Kadaver...Da ja die Katastrophe oder was auch immer offensichtlich nicht erst gestern war, dürften nur noch bleiche Knochen herumliegen, spekuliere ich mal...
Ansonsten...gefällt mir. Die Beschreibungen sind passend, nicht so rudimentär, wie heute oftmals leider üblich.
Paar Rechtschreibfehler, aber dafür gibt es Spezialisten...
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Attingat
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BeitragVerfasst am: 03.03.2019 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Der Text ist flüssig geschrieben, was nicht oft vorkommt.
Der Text schafft eine Atmosphäre, was auch nicht jeder Text schafft. Ich würde daher den Hinweis von Thomas74 aufgreifen, und lieber auf das Bewährte setzen, bevor mit Neuem experimentiert wird, was regelmäßig in die Hose geht.

Zitat: ... nur Kleinkram um Dekogegenstände und ähnliches herzustellen.
Der Satz gefällt mir nicht. Wir sind nicht im Bastelladen (kleiner Scherz), sondern in einer zerstörten Welt. Die Kritik musste ich einfach loswerden.

Gruß

attingat
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Graenee
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BeitragVerfasst am: 04.03.2019 17:35    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Rückmeldungen! Ich habe den Text nach euren Rezensionen/Fragen noch einmal überarbeitet und hoffe, dass die Situation der Charaktere jetzt etwas klarer ist. z.B. Wieso Kadaver, wieso Headquarters,...



Trübes Licht blendet mich, als ich ins Skelett der Stadt stolpere. Stützpfeiler und Überreste von Gebäuden ragen in den grauen Himmel, wie Knochen aus dem verstümmelten Körper einer Leiche. Früher einmal hatte diese Stadt Masnow geheißen. Zumindest deuteten kaputte Straßenschilder und zerfetze Karten davon. Die wenigsten von uns erinnern sich an genug, um sich über irgendetwas sicher zu sein, nicht einmal über so profunde Dinge wie Stadtnamen.
In der Ferne sehe ich das Headquarter, ein ehemaliges Motel dessen Namen wir einfach übernommen hatten. Ein internationaler Name für seine internationale Kundschaft… Stolz und arrogant reckt es sich in den Himmel und überragt fast alles andere im Umkreis. Nach der Katastrophe war es eines der wenigen Gebäude, das noch stand und unsere einzige Zuflucht. Um Fragen wie die statische Sicherheit des Gebäudes machte sich niemand mehr Gedanken. Soweit wir wissen, konnte uns die Decke jederzeit auf den Kopf fallen und uns unter sich begraben. Einige von uns würden dieses Schicksal vielleicht bevorzugen…

Langsam gewöhnen sich meine Augen an das Licht. Normalerweise müsste ich spätestens jetzt mein Halstuch über Mund und Nase ziehen, doch letzte Nacht hat es geregnet. Das erste Mal seit Wochen. Glücklich atme ich die Staub-freie Luft ein und drehe mich zu meinem Begleiter um. Marcel hatte es wieder nicht lassen können und noch schnell in seinem Versteck in dem Tunnel, den wir das Maul nennen, nach seinen Sachen geschaut. Er hatte dort allerhand altes Holz hinterlegt und alles andere gesammelt, was ihm auf unseren Streifzügen über den Weg lief und interessant erschien. Mittlerweile hatte er eine Recht große Anzahl verschiedener Werkzeuge zur Holzbearbeitung zusammengetragen - nichts, was dem Kollektiv helfen könnte, nur Kleinkram. Er hatte bereits einiges an Geschick erlangt was die Herstellung von Brieföffnern und Löffeln angeht. Letzte Woche hatte er mir einen kleinen Anhänger geschenkt. "Ein Herz für mein Herz."

Lächelnd betaste ich die Form, die ich unter meinem Pullover verdeckt halte. Brydon und der Rest seiner Bande sahen es nicht gern, wenn man übermäßig viel Zeit mit Hobbys verbrachte und hielt auch nichts von solchem "Luxuskram". "Es gibt zu viel zu tun und jeder Einzelne muss sein Möglichstes tun, damit unser Überleben gesichert ist. Nur wenn wir zusammen arbeiten, wenn wir fokussiert bleiben, können wir es schaffen. Wir sind das Kollektiv und wir müssen zusammen halten." Seine Reden und immer gleichen Argumente konnte ich mittlerweile fast mitbeten. Unrecht hat er ja nicht… Nur die Umsetzung gefiel mir manchmal nicht. Als einer der Ersten, die aus dem Sumpf der Verwirrung und Verzweiflung aufgewacht waren, hatte er sich schnell als unser Anführer aufgeschwungen. Mit ihm kamen Rollenverteilungen, Routine, ein Zuhause. Er war es, der das Headquarter gefunden hat, der uns animiert und angeleitet hat, um es einigermaßen wohnlich zu machen, der uns einen Namen gegeben hat. Das Kollektiv. Der Name soll Gemeinsamkeit fördern, zeigen wer wir sind. Alle waren sehr beeindruckt von seinen Führungsfertigkeiten, auch ich - bis der erste "Regelbruch" begangen wurde. Joffrey, ein junger Mann von Anfang zwanzig aus Amerika, hatte auf einem seiner Streifzüge Essen geklaut. "Du bist ein Sucher, Joffrey. Was tun Sucher?" Der Junge war leichenblass geworden und hatte gestammelt, unfähig zusammenhängende Worte zu bilden. "Sie suchen Essen und andere nützliche Dinge, die dem Kollektiv helfen könnten." Hilfloses Nicken, Tränen auf staubigen Wangen. "Und was hilft dem Kollektiv nicht, Jof? DER LUXUS DES EINZELNEN!", hatte Brydon ihn angeschrien. Dort, mitten im Speise- und Versammlungssaal des Headquarters, zwischen den Menschen des Kollektivs, wurde an diesem Tag ein Exempel statuiert. Und niemand hatte etwas gesagt. Ich schüttele den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Nächstes Mal werde ich mutiger sein, denke ich und glaube es sogar fast.

"Komm schon, Cel. Die Luft ist rein." Ich zwinkere ihm zu. "Im wahrsten Sinne des Wortes." Erneut atme ich tief ein. Die Luft riecht nach Frühlingsregen. Als ich eine noch halbstehende Hauswand berühre, ist der Stein angenehm warm.
"Es scheint als hätten wir einen schönen sonnigen Tag verpasst."
Hustend erscheint jetzt auch Marcel aus dem Schlund und lächelt über meine Begeisterung. 
"So gelöst hab ich dich ja eine Weile nicht gesehen. Was denn, hast du dir für heute schon genug Sorgen gemacht?", zwinkert er mir zu, doch das Lächeln erreicht seine Augen nicht ganz. Es war nicht die erste Bemerkung dieser Art, die er fallen ließ und würde sicherlich auch nicht die letzte bleiben. Ich runzle die Stirn, aber lächele ihm tapfer zu. Mir war ja selbst klar, dass ich mich verändert hatte. Die Situation war nunmal alles andere als sorglos, wie also sollte ich aufhören mir Gedanken zu machen? Wie sollte es weitergehen?

"Wir machen uns besser auf den Weg. Es gibt bestimmt bald Essen." Wie auf Knopfdruck knurrt mein Magen laut. Er hört es und zieht eine Augenbraue hoch. Wir lachen und machen uns auf den Rückweg durch die Ruinen. Fröhlich pfeifend geht er voran, Plastiktüte in der Hand.

Manchmal habe ich das Gefühl, er nimmt gar nichts ernst. Nachdem die Stadt von einem Tag auf den anderen in diese Wüste verwandelt worden war, waren die meisten von uns Wochen lang verzweifelt, verwirrt, aufgelöst. Nicht jedoch Marcel. "Es gibt Probleme, die man lösen kann und solche, die man nicht lösen kann. Wenn wir es lösen können - toll -, fertig und aus-die-Maus. Wenn nicht, wieso sollte man sich deswegen dann Gedanken machen? Es bringt ohnehin nichts."

Ach Marcel, denke ich während ich ihm vorsichtig über Trümmerteile und Kadaver folge. Tiere und Menschen, die es allein nicht geschafft haben. Von einigen waren nicht mehr als bleiche Knochen übrig. Eines vergisst du bei deiner Philosophie. Wie sollen wir wissen, ob wir eine Lösung finden können, wenn wir es nicht einmal versuchen?
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Thomas74
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BeitragVerfasst am: 04.03.2019 20:22    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde es jetzt umständlicher erklärt und schwerer zu lesen

    "Trübes Licht blendet mich, als ich ins Skelett der Stadt stolpere. Stützpfeiler und Überreste von Gebäuden ragen in den grauen Himmel, wie Knochen aus dem verstümmelten Körper einer Leiche. Früher einmal hatte diese Stadt Masnow geheißen. Zumindest deuteten kaputte Straßenschilder und zerfetze Karten davon. Die wenigsten von uns erinnern sich an genug, um sich über irgendetwas sicher zu sein, nicht einmal über so profunde Dinge wie Stadtnamen.
     In der Ferne sehe ich das Headquarter, ein ehemaliges Motel dessen Namen wir einfach übernommen hatten. Ein internationaler Name für seine internationale Kundschaft… Stolz und arrogant reckt es sich in den Himmel und überragt fast alles andere im Umkreis. Nach der Katastrophe war es eines der wenigen Gebäude, das noch stand und unsere einzige Zuflucht. "

Ich hätte es so formuliert:
Vorschlag

Trübes Licht blendet mich, als ich durch das Skelett der Stadt stolpere, Träger und  Stützpfeiler wie die Rippen einer Leiche.
Früher, als dieser Ort noch einen Namen hatte, hieß er Masnow, aber so etwas spielt heute keine Rolle mehr.
In der Ferne sehe ich unser Hauptquartier, teils liebevoll, teils ironisch "Headquarter" genannt, wie sein Name in einer anderen Zeit, als dies ein Motel war. Großspurig der Name, arrogant seine Erscheinung, heute mehr denn je, ist es doch eines der letzten Gebäude, das noch über die Ruinen ragt. Unsere Zuflucht.


"
    Ach Marcel, denke ich während ich ihm vorsichtig über Trümmerteile und Kadaver folge. Tiere und Menschen, die es allein nicht geschafft haben. Von einigen waren nicht mehr als bleiche Knochen übrig. "


Ach Marcel; denke ich, während ich vorsichtig über verblichene Knochen und Stoffetzen steige. Das ist alles, was von den Menschen vor uns geblieben war. Nicht darauf zu treten ist das letzte bisschen Würde, welches ich ihnen bieten kann.
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Graenee
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BeitragVerfasst am: 05.03.2019 13:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Danke für die Vorschläge! Einige davon finde ich ziemlich gut! Der Rest passt leider nicht so richtig zu meinem Stil...

"Ach Marcel; denke ich, während ich vorsichtig über verblichene Knochen und Stoffetzen steige. Das ist alles, was von den Menschen vor uns geblieben war. Nicht darauf zu treten ist das letzte bisschen Würde, welches ich ihnen bieten kann."

So könnte ich das nicht übernehmen. Mir geht es an der Stelle darum, dass auch noch ganze Körper (vor allem Tiere) dort herumliegen. Tiere, die nicht genügend Nahrung gefunden haben oder verletzt waren, Menschen, die vielleicht auf dem Weg waren zum Kollektiv, aber zu schwach waren etc.
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RocketJo
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BeitragVerfasst am: 05.03.2019 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Aloha

Ich mische mich auch mal in die Ideenfindung ein, wenn ich darf. Ich versuche auch, noch nicht zu kleinlich zu sein. Gerade Anfänge sind ja tricky ^^
Zuerst mal: Es liest sich wirklich gut und man bekommt schon eine recht gute Vorstellung von der Stadt und auch von Marcel. Finde ich gut. Von Brydon habe ich auch schon ein recht gutes (und kein besonders positives) Bild.

Graenee hat Folgendes geschrieben:
Trübes Licht blendet mich, als ich ins Skelett der Stadt stolpere.


Wie Dunkel war es vorher? Wo kommt der Charakter her? Damit trübes Licht blendet, muss es schon stockdunkel gewesen sein. Der Satz an sich ist gut, aber ich persönlich würde irgendwo im Absatz erwähnen, warum die Augen der Erzählerin so ans Dunkel gewöhnt waren. Und "trübes Licht" passt nicht unbedingt mit "staubfreier Luft" zusammen, aber das ist kleinlich ^^
Ok, ich sehe gerade, dass die Erklärung für die Lichtempfindlichkeit tatsächlich da war. Aber ich würde es früher bringen.

Bei dem Rückblick, wie Brydon das Kollektiv aufgebaut hat, würde ich mit Absätzen arbeiten. Ich empfand beim Lesen so den Tempuswechsel als verwirrend. Alternativ kannst du den ganzen Abschnitt auch im Präsenz lassen. Brydons Reden und Verhalten hat ja noch Auswirkungen auf die Gegenwart, wenn ich das richtig verstehe.

"Seine ewig gleichen Reden kann ich mittlerweile runter beten. Er hat ja auch nicht unrecht, aber seine Umsetzung stört mich.
Als einer der Ersten, die aus dem Sumpf der Verzweiflung aufgewacht waren, hat er sich zu unserem Anführer gemacht. [...] Alle waren von seinem Auftreten begeistert, bis der erste Regelbruch begangen wurde. [...]"

Die Geschichte mit Joffrey würde ich grausamer darstellen, vor allem auch Joffreys Alter vorheben (das wäre wichtiger als seine Nationalität in dem Moment). Brydon hat den Jungen vor aller Augen rund gemacht, der Junge hat angefangen zu weinen. Ok. Das ist aber nichts, weshalb man seinen Anführer schlecht findet. Die Reaktion von Brydon empfinde ich beim Lesen nicht als übertrieben. Entweder die Protagonistin braucht eine engere Bindung zu Joffrey oder du musst deutlicher machen, dass da noch mehr passiert ist. Vor allem muss die Strafe unverhältnismäßig sein. Wenn Brydon den Jungen umgebracht hat (wovon ich einfach mal ausgehe, bei den Infos, die ich habe), solltest du das aussprechen ^^
Und mach deutlicher klar, warum die Protagonistin nicht eingegriffen hat. Hatte sie Angst? War sie zu schwach? War sie noch zu sehr gefangen von Brydons Charisma?

Zitat:

"So gelöst hab ich dich ja eine Weile nicht gesehen. Was denn, hast du dir für heute schon genug Sorgen gemacht?", zwinkert er mir zu, doch das Lächeln erreicht seine Augen nicht ganz. Es war nicht die erste Bemerkung dieser Art, die er fallen ließ und würde sicherlich auch nicht die letzte bleiben.

Er zwinkert im Morsealphabet? Razz
Der zweite Satz wirkt steif. Vielleicht eher ein "Solche Bemerkungen waren typisch für ihn"?

Und die Stelle mit den Kadavern finde ich auch schwierig. Schwierig zu lesen und schwierig vom Verständnis. Ich weiß aber, worauf du hinauswillst. Vielleicht so iun der Art versuchen:

Ach Marcel, du vergisst bei deiner Philosophie, dass man nur eine Lösung finden kann, wenn man sie sucht.
Ich steige vorsichtig über den Arm einer hlabverwesten Leiche. Zwischen den Überresten von Tieren und Menschen, die in der Zeit seit der Katastrophe verhungert sind, ist es schwer, einen Pfad zu finden.

Ich hoffe, es hilft ein wenig weiter.
An sich finde ich den Anfang spannend genug, um ein wenig mehr erfahren zu wollen. Marcel und die Protagonistin sind sympathisch, was (bei mir) immer viel ausmacht. Lass also ruhig mehr hören, wenn du weiter voran kommst ^^

Gruß
Rocket
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Graenee
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BeitragVerfasst am: 06.03.2019 08:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Super, danke für die Rückmeldungen! Und gerne kleinlich sein, ich will mich ja verbessern :P

Ich lade gleich noch mal eine Überarbeitung hoch!

Hmm, hier hätte ich noch eine Frage/Anmerkung:
"Die Geschichte mit Joffrey würde ich grausamer darstellen, vor allem auch Joffreys Alter vorheben (das wäre wichtiger als seine Nationalität in dem Moment). Brydon hat den Jungen vor aller Augen rund gemacht, der Junge hat angefangen zu weinen. Ok. Das ist aber nichts, weshalb man seinen Anführer schlecht findet. Die Reaktion von Brydon empfinde ich beim Lesen nicht als übertrieben. Entweder die Protagonistin braucht eine engere Bindung zu Joffrey oder du musst deutlicher machen, dass da noch mehr passiert ist. Vor allem muss die Strafe unverhältnismäßig sein. Wenn Brydon den Jungen umgebracht hat (wovon ich einfach mal ausgehe, bei den Infos, die ich habe), solltest du das aussprechen ^^"

Hier wollte ich eigentlich extra nicht zu explizit werden und sage nur, dass "ein Exempel statuiert wurde". Ich dachte mir, der Leser kann sich einfach das Schlimmste denken/seine Fantasie benutzen. Und eventuell später im Buch wird das dann nochmal expliziter aufgelöst oder eben auch nicht.
Was denkt ihr?
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Graenee
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BeitragVerfasst am: 06.03.2019 09:10    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Sooo, ich hoffe, dass ich die meisten Anmerkungen umgesetzt habe. Habe jetzt auch mal versucht, Joffs "Exempel" zumindest ein bisschen deutlicher zu machen. Was denkt ihr?


Trübes Licht blendet mich, als ich ins Skelett der Stadt stolpere. Stützpfeiler und Überreste von Gebäuden ragen in den grauen Himmel, wie Knochen aus dem verstümmelten Körper einer Leiche. Früher einmal hatte diese Stadt Masnow geheißen. Zumindest deuteten kaputte Straßenschilder und zerfetze Karten davon. Die wenigsten von uns erinnern sich an genug, um sich über irgendetwas sicher zu sein, nicht einmal über so profunde Dinge wie Stadtnamen.
In der Ferne sehe ich das Headquarter, ein ehemaliges Motel dessen Namen wir einfach übernommen haben. Ein internationaler Name für seine internationale Kundschaft… Stolz und arrogant reckt es sich in den Himmel und überragt fast alles andere im Umkreis. Nach der Katastrophe eines der wenigen Gebäude, das noch steht und unsere einzige Zuflucht. Um Fragen wie die statische Sicherheit des Gebäudes macht sich niemand mehr Gedanken. Soweit wir wissen, konnte uns die Decke jederzeit auf den Kopf fallen und uns unter sich begraben. Einige von uns würden dieses Schicksal vielleicht bevorzugen…

Langsam gewöhnen sich meine Augen an das Licht. Normalerweise müsste ich spätestens jetzt mein Halstuch über Mund und Nase ziehen, doch letzte Nacht hat es geregnet. Das erste Mal seit Wochen. Glücklich atme ich die Staub-freie Luft ein und drehe mich zu meinem Begleiter um. Marcel hat es wieder nicht lassen können und noch schnell in seinem Versteck in dem Tunnel, den wir das Maul nennen, nach seinen Sachen geschaut. Er hatte dort allerhand altes Holz hinterlegt und alles andere gesammelt, was ihm auf unseren Streifzügen über den Weg lief und interessant erschien. Mittlerweile hatte er eine Recht große Anzahl verschiedener Werkzeuge zur Holzbearbeitung zusammengetragen - nichts, was dem Kollektiv helfen könnte, nur Kleinkram. Er hatte bereits einiges an Geschick erlangt was die Herstellung von Brieföffnern und Löffeln angeht. Letzte Woche hatte er mir einen kleinen Anhänger geschenkt. "Ein Herz für mein Herz." Der Anhänger ist eins meiner wertvollsten Besitztümer.

Lächelnd betaste ich die grob geschnitzte Form, die ich unter meinem Pullover verdeckt halte. Brydon und der Rest seiner Bande sahen es nicht gern, wenn man übermäßig viel Zeit mit Hobbys verbrachte und hielt auch nichts von solchem "Luxuskram". "Es gibt zu viel zu tun und jeder Einzelne muss sein Möglichstes tun, damit unser Überleben gesichert ist. Nur wenn wir zusammen arbeiten, wenn wir fokussiert bleiben, können wir es schaffen. Wir sind das Kollektiv und wir müssen zusammen halten." Seine Reden und immer gleichen Argumente kann ich mittlerweile fast mitbeten. Unrecht hat er ja nicht… Nur die Umsetzung gefällt mir manchmal nicht.

Als einer der Ersten, die aus dem Sumpf der Verwirrung und Verzweiflung aufgewacht waren, hatte er sich schnell als unser Anführer aufgeschwungen. Mit ihm kamen Rollenverteilungen, Routine, ein Zuhause. Er war es, der das Headquarter gefunden hat, der uns animiert und angeleitet hat, um es einigermaßen wohnlich zu machen, der uns einen Namen gegeben hat. Das Kollektiv. Der Name soll Gemeinsamkeit fördern, zeigen wer wir sind. Alle waren sehr beeindruckt von seinen Führungsfertigkeiten, auch ich - bis der erste "Regelbruch" begangen wurde. Joffrey, ein junger Amerikaner von gerade mal 21 Jahren, hatte auf einem seiner Streifzüge Essen geklaut. "Du bist ein Sucher, Joffrey. Was tun Sucher?" Der Junge war leichenblass geworden und hatte gestammelt, unfähig zusammenhängende Worte zu bilden. "Sie suchen Essen und andere nützliche Dinge, die dem Kollektiv helfen könnten." Hilfloses Nicken, Tränen auf staubigen Wangen. Joffs panischer Blick war durch den Raum geschnellt, auf der Suche nach Hilfe, die nicht kam. "Und was hilft dem Kollektiv nicht, Jof? DER LUXUS DES EINZELNEN!", hatte Brydon ihn angeschrien. Dort, mitten im Speise- und Versammlungssaal des Headquarters, zwischen den Menschen des Kollektivs, wurde an diesem Tag ein Exempel statuiert. Und niemand hatte etwas gesagt. In Gedanken sehe ich noch immer seine blutende Stirn, nachdem Brydons Lakaien ihm mit einem heißen Eisen ein qualmendes "B" auf die Stirn gebrannt hatten. Ich schüttele den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Nächstes Mal werde ich mutiger sein, denke ich und glaube es sogar fast.

"Komm schon, Cel. Die Luft ist rein." Ich zwinkere ihm zu. "Im wahrsten Sinne des Wortes." Erneut atme ich tief ein. Die Luft riecht nach Frühlingsregen. Als ich eine noch halbstehende Hauswand berühre, ist der Stein angenehm warm.
"Es scheint als hätten wir einen schönen sonnigen Tag verpasst."
Hustend erscheint jetzt auch Marcel aus dem Schlund und lächelt über meine Begeisterung. 
"So gelöst hab ich dich ja eine Weile nicht gesehen. Was denn, hast du dir für heute schon genug Sorgen gemacht?", zwinkert er mir zu, doch das Lächeln erreicht seine Augen nicht ganz. Es war nicht die erste Bemerkung dieser Art, die er fallen ließ und würde sicherlich auch nicht die letzte bleiben. Ich runzle die Stirn, aber lächele ihm tapfer zu. Mir war ja selbst klar, dass ich mich verändert hatte. Die Situation war nunmal alles andere als sorglos, wie also sollte ich aufhören mir Gedanken zu machen? Wie sollte es weitergehen?

"Wir machen uns besser auf den Weg. Es gibt bestimmt bald Essen." Wie auf Knopfdruck knurrt mein Magen laut. Er hört es und zieht eine Augenbraue hoch. Wir lachen und machen uns auf den Rückweg durch die Ruinen. Fröhlich pfeifend geht er voran, Plastiktüte in der Hand.

Manchmal habe ich das Gefühl, er nimmt gar nichts ernst. Nachdem die Stadt von einem Tag auf den anderen in diese Wüste verwandelt worden war, waren die meisten von uns Wochen lang verzweifelt, verwirrt, aufgelöst. Nicht jedoch Marcel. "Es gibt Probleme, die man lösen kann und solche, die man nicht lösen kann. Wenn wir es lösen können - toll -, fertig und aus-die-Maus. Wenn nicht, wieso sollte man sich deswegen dann Gedanken machen? Es bringt ohnehin nichts."

Ach Marcel, denke ich während ich ihm vorsichtig über Trümmerteile und Kadaver folge. Tiere und Menschen, die es allein nicht geschafft haben, krank waren, verhungert sind. Von einigen waren nicht mehr als bleiche Knochen übrig. Eines vergisst du bei deiner Philosophie. Wie sollen wir wissen, ob wir eine Lösung finden können, wenn wir es nicht einmal versuchen?
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BeitragVerfasst am: 07.03.2019 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Die Exempelsache gefällt mir so schon viel besser. Wie du siehst, hatten wir von der Szene schon recht unetrschiedliche Vorstellungen gehabt, was nicht unbedingt förderlich ist, wenn es um Charakterisierung geht (meine Meinung).
Das einzige, was mich noch stört, ist jetzt die Darstellung von Joffrey. Ich weiß, ich habe gesagt, das Alter wäre wichtig (ich hatte ihn mir zuerst wesentlich jünger vorgestellt), aber eine exakte Angabe wie 21 Jahre passt, finde ich, nicht ins Setting. Ich meine, die Leute haben den Namen der Stadt vergessen/ verdrängt in der sie leben, aber sie zählen Lebensjahre? Das ist für mich  nicht stimmig. Ich weiß jetzt nicht, wie lange die Katastrophe her ist, aber ich würde versuchen, von dort aus zu zählen oder das irgendwie mit einzubauen. Ich weiß gerade gar nicht, wie ich das richtig ausdrücken soll. Ich hoffe, du verstehst mich trotzdem. Und ich sehe gerade, dass du das Alter sogar schon drin hattest. Vielleicht liegt mein Problem auch gar nicht da, sondern in Joffreys Reaktion auf Brydons Auftreten.
Ah nein. Jetzt sehe ich. Was mich stört ist das Wort "Junge". Ein Mann von Anfang zwanzig ist kein "Junge". Da muss "junger Mann" hin. Zusammen mit der Darstellung von den Tränen auf Jofs Wangen wirkt es auf mich nämlich eher so, als sei der gute Mann maximal in seinen jungen Teenagerjahren. Aber nicht falsch verstehen, dass er vor Angst weint, finde ich gut. Aber "Junge" ist halt unpassend ^^

Aber von der Stelle abgesehen finde ich das Bild jetzt stimmig. Bin auf mehr gespannt ^^
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BeitragVerfasst am: 07.03.2019 18:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank! Habe das jetzt nochmal umgeändert und Joff jünger gemacht :P

Hier dann mal die Fortsetzung:

Wir laufen und klettern und laufen und klettern, der Weg scheinbar ohne Ende. Als ich frisch den Suchern zugeteilt wurde, waren die Märsche die härteste Aufgabe gewesen und nicht selten musste einer meiner Begleiter mir helfen, damit ich überhaupt wieder nach Hause kam. Bisher hatten wir keine Kräfte auf die Räumung von Wegen verschwenden können und das Gelände war tückisch. Ein verstauchter Knöchel konnte hier den Tod bedeuten, vor allem damals. Heute ist die Regel Verletzte und Kranke zu retten, zumindest wenn das den Rest der Gruppe nicht gefährdet. Sie bekommen die Chance die vergeudete Arbeitskraft nach ihrer Genesung wieder gutzumachen. Ganz im Sinne des Kollektivs. Heute kommen wir gut voran, das gute Wetter und die frische Luft scheinen unsere Schritte zu beflügeln und Marcel ist in einer noch besseren Laune als üblich.

Kurz vor dem Headquarter ist die Straße von Ruinen übersät, auf der Straße ist kein Durchkommen. Wie immer biegen wir in die Reste eines scheinbar verfallenen Geschäftes für Damenmode ein, die Regale leer und staubig, lange geplündert. Wir ducken unter einem noch intakten Türrahmen hindurch und finden uns in einem stickigen Tunnel. Theoretisch sind wir noch immer auf Boden-Level, doch Geröll und zur Seite geräumter Müll säumen die Wände so hoch, dass wir uns minutenlang in Dunkelheit bewegen, unsere Schritte sicher durch monatelange Übung. Kurz vor Ende des Tunnels spenden vereinzelte Fenster (nicht durch Geröll zugefüllte Hohlräume in den Wänden) etwas Licht und frische Luft. 

"Was meinst du, was es heute gibt? Doch wohl nicht wieder Linsensuppe?"

"Wir können froh sein, wenn es mehr als verfaultes Brot ist.", erinnere ich ihn. Die Sucher haben in letzter Zeit immer weniger brauchbare Vorräte gefunden und das Kollektiv wuchs mit jedem Neuankömmling, der uns fand, an. Marcel grummelt mürrisch. Er mag es nicht an unangenehme Wahrheiten erinnert zu werden.

"Aber hey, wenn es verfaultes Brot ist, können wir immer noch eine Essenschlacht daraus machen.", versuche ich einen halbherzigen Scherz um die Stimmung aufzulockern.
"Ja stimmt, und dann werden wir alle für Verschwendungssucht von Brynden ausgepeitscht."

"Oder vielleicht auch nur gehängt?"
"Oder er hackt jedem von uns die linke Hand ab?"

"Vielleicht lässt er auch seine Jungs auf uns los." Ich wackle mit den Augenbrauen. "Dich würden sie doch sicher gern vernaschen. Alex guckt dich immer so intensiv an, wenn er vorbeiläuft." Er boxt mich in die Seite und wir lachen.

So vertieft in unsere Späße bemerken wir zu spät die Person, die sich uns in den Weg stellt. Nein, Personen, zwei. Marcel überrennt beinahe eine junge Frau, ich schätze sie auf Anfang zwanzig und verabscheue sie sofort. Hör auf, schalt ich mich. Eitelkeit hat keinen Platz in deinem neuen Leben. Ich zwinge mich sie anzulächeln und sie erwidert es sofort. Braune Augen, perfekte Haut, dunkle, seidige Locken. Wie zur Hölle schafft sie es in diesem Chaos so gut auszusehen? Und wie macht sie das mit ihren Haaren, dieser Glanz kann unmöglich natürlich sein.

"Ich bin neu und hab gehört, dass die hier hier Gold wert sind." Sie hebt vielsagend die Rolle brandneu wirkender Müllbeutel. Unwillkürlich sehe ich an meinem Arm hinab auf meine Tüte, in der ich meine Habseligkeiten und jetzt auch die Ergebnisse unseres heutigen Streifzuges trug. Noch hielt sie, aber lange konnte es nicht mehr dauern bis sie endgültig riss. Ich hatte in letzter Zeit wenig Glück gehabt bei der Suche nach brauchbaren Tüten oder Taschen. Obwohl wir als Sucher ein Vorrecht auf intakte Taschen hatten, waren auch Marcel und ich in letzter Zeit leer ausgegangen, niemand hatte momentan großes Glück was das angeht.

"Jedenfalls hab ich beschlossen Brydon meinen guten Willen zu beweisen, in dem ich sie einfach verteile. Brydon ist wohl ein ziemlich hohes Tier hier, was?", lacht sie spielerisch. Als wir nicht antworten fährt sie unbeirrt fort. "Mir wurde gesagt, dass hier Sucher durchkommen und die die Tüten am dringendsten brauchen. Obwohl so ein arroganter Typ namens Alex sich auch direkt eine geschnappt hat. Ich glaube er ist gar kein Sucher, ha!" Ein breites Grinsen zieht sich jetzt über ihr makelloses Gesicht und lässt sie strahlen. "Also… seid ihr Sucher oder nur Turteltäubchen?" Ich sehe zu Cel hinüber. Er starrt sie mit offenem Mund an, fasst sich, lässt ein Räuspern hören und sagt: "Wow, ja, gerne. Die können wir tatsächlich gut gebrauchen."

"Mein Name ist Natalya.", sie lächelt nur Cel an. Ähm, Entschuldigung? "Ja, danke. Das Angebot nehmen wir gerne an.", sage ich laut und endlich reißen sich die beiden von einander los und sehen mich an. 

"Ach", Natalya kichert und lehnt sich spielerisch zu Cel, während sie ihm einen perfekten Blick auf ihren Ausschnitt bietet, "ich glaube eine reicht für euch beide." Anmutig reißt sie eine der Tüten ab und reicht sie ihm. Sie lächelt mich an und ich kann keine Bosheit in ihrem Blick erkennen. Ich koche vor Wut. Was genau sollte das denn bitte? Erst so tun als wäre sie so großzügig und nett und dann so eine Show abziehen. Und Cel spielt auch noch mit und starrt sie nur unverwandt an und wieso sagt er nichts?!

Ein trockenes Kichern aus dem Hintergrund lenkt meine Aufmerksamkeit auf ihren Begleiter, einen großen, schlanken Mann mit dunklen Haaren und Lachfältchen um die Augen. Den hab ich ja total vergessen…

"Entschuldigung.", beginne ich. Als Sucherin und Mitglied erster Generation des Kollektivs habe ich gewisse Pflichten und das Begrüßen neuer Mitglieder ist Brydon wichtig. Wenn sie sich nicht wohlfühlen tun sie nicht ihr Bestes für das Wohlergehen der Gruppe. "Mein Name ist Vanessa, das hier ist Marcel. Es freut mich, dass ihr euch dem Kollektiv angeschlossen habt. Vielleicht könnt ihr uns beim Abendessen ja mehr erzählen. Wo ihr herkommt, was ihr könnt…" Langsam bewege ich mich an den beiden vorbei Richtung Ausgang. Ich will einfach nur noch weg, sonst könnte es sei, dass ich Natalya ein blaues Auge verpasse oder ein paar Kratzer, die ihr bestimmt wundervoll stehen würden. Oder Cel, der es anscheinend noch immer nicht schafft, sie nicht anzugaffen.
"Wir sollten gehen, Cel. Die anderen warten bestimmt und Brydon auch." Er bemerkt meinen kalten Blick und hat zumindest den Anstand beschämt rot anzulaufen. Er dreht sich weg und beginnt mit stockenden Schritten, aber vollkommen wortlos auf den Tunnelausgang zuzugehen. Ich nicke den beiden verunsichert zu und folge ihm.

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RocketJo
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BeitragVerfasst am: 08.03.2019 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Aloha
Schön, dass es weitergeht ^^
Und sehr schön, dass wir jetzt in einer Lage sind, wo ich ein wenig mehr zu sagen darf. Erstmal: Der zweite Teil gefällt mir immer noch sehr gut und es ist schön, dass man einen Konflikt sich anbahnen sieht. Ich nehme doch stark an, dass die beiden nichts Gutes im Schilde führen? Der Einstieg in die Szene gefällt mir, von ein paar Schönheitsfehlern abgesehen, ganz gut. Die Dopplung von "Straße" im zweiten Absatz zum Beispiel wirkt ein wenig holrpg, den Nebensatz mit dem "Kein Durchkommen" kannst du eigentlich weglassen. Und Ruinen würde ich vielelicht mit "Trümmer" ersetzen. Ruinen sind Gebäude, aber ich sehe da eher Gebäudeteile liegen. Ein ganzes Haus springt ja eher selten auf die Straße ^^ Im selben Abschnutt ist auch das "scheinbar verfallene", hier kannst du das scheinbar weglassen, denn das Gebäude ist ja definitiv verfallen, der Beschreibung nach. Bei den Fenstern würde ich die BEschreibung in den Klammern in den Satz einbauen und das "Fenster" rauslassen oder alternativ die Klammern in Gedankenstriche wandeln.

So, das waren die Kleinigkeiten, die mir spontan aufgefallen waren. Wie gesagt, im Ganzen finde ich den Abschnitt sehr gut, inklusive den Neckereien von Cel und der Erzählerin. Die bringen schön Atmosphäre und auch Charakter und Beziehung der Beiden raus, sowas mag ich. Charakterisierung (gerade von beziehungen) über Dialog ist mir immer am Liebsten ^^
Die Dialoge danach stören mich allerdings schon, vor allem auch die Erzählstimme. Das schlägt ein wenig in dieselbe Kerbe wie das Nicht-Beschreiben der Strafe im letzten Teil. Ich werde also etwas ausfürhlicher ^^

Zitat:
Marcel überrennt beinahe eine junge Frau, ich schätze sie auf Anfang zwanzig und verabscheue sie sofort. Hör auf, schalt ich mich. Eitelkeit hat keinen Platz in deinem neuen Leben. Ich zwinge mich sie anzulächeln und sie erwidert es sofort. Braune Augen, perfekte Haut, dunkle, seidige Locken. Wie zur Hölle schafft sie es in diesem Chaos so gut auszusehen? Und wie macht sie das mit ihren Haaren, dieser Glanz kann unmöglich natürlich sein.


Viel zu zahm und die Reihenfolge der Ereignisse ist etwas schief. Die Erzählerin ist sosfort eifersüchtig auf die Schönheit, die da steht. Dann muss aber auch die Schönheit vor dem Gefühl kommen (oder direkt danach, bevor sie einen klaren Gedanken fasst. Aber davor wäre richtiger). Ich will zum einen ja wissen, warum sie sie verabscheut und zum anderen ist das das Reiz-Reaktions-Schema. Der Reiz (das hübsche Aussehen) steht vor der Reaktion (Abneigung) und die vor der Umsetzung (Selbstbeherrschung).
Und ich finde die Beschreibung zu zahm. Du darfst die Schönheit ruhig zynischer, giftiger, vielleicht sogar negativ beschreiben. So, wie die Protagonistin es wahrnimmt. Vielleicht in Richtung:
"Diese Locken, diese verdammten Haselnussaugen und dann die Haut! Wie zur Hölle hält sie ihre Haut in diesem Chaos so sauber? Hängt sie den ganzen Tag am Wasserloch? Die muss ihr Überleben doch mit ganz anderen Dingen sichern, nur vom Schönmachen kriegt man nichts zu essen. Verdammt! Und dieser Glanz in ihren Haaren. Waren die aus Plastik oder was?"
Du könntest für die Frau im weiteren auch ruhig Worte wie Püppchen oder Model benutzen. Irgendwas, was sie auf ihr Aussehen reduziert. Wenn der Charakter nicht in ihrer Erzählung (und damit ja ihren Gedanken und ihrer Wahrnehmung) heftiger reagiert, wirkt die Abneigung sonst eher aufgezwungen.

Zitat:
"Ich bin neu und hab gehört, dass die hier hier Gold wert sind." Sie hebt vielsagend die Rolle brandneu wirkender Müllbeutel. Zeilenumbruch
Unwillkürlich sehe ich an meinem Arm hinab auf meine Tüte, in der ich meine Habseligkeiten und jetzt auch die Ergebnisse unseres heutigen Streifzuges trug. Noch hielt sie, aber lange konnte es nicht mehr dauern bis sie endgültig riss. Ich hatte in letzter Zeit wenig Glück gehabt bei der Suche nach brauchbaren Tüten oder Taschen. Obwohl wir als Sucher ein Vorrecht auf intakte Taschen hatten, waren auch Marcel und ich in letzter Zeit leer ausgegangen, niemand hatte momentan großes Glück was das angeht.


Davon abgesehen ist der Absatz mit dem Glück und den Taschen ein wenig schief, nach meinem Empfinden. Da werden zu oft Worte wiederholt. Vielleicht statt dem "Ich" ein "Wir" nehmen?
"Sucher hatten zwar ein Vorrecht auf funktionierende Taschen, aber Marcel und ich waren in letzter Zeit leer ausgegangen. Wir hatten in letzter Zeit alle wenig Glück bei der Suche nach intakten Tüten."

Zitat:
"Jedenfalls hab ich beschlossen Brydon meinen guten Willen zu beweisen, in dem ich sie einfach verteile. Brydon ist wohl ein ziemlich hohes Tier hier, was?", lacht sie spielerisch. Umbruch
Als wir nicht antworten fährt sie unbeirrt fort. "Mir wurde gesagt, dass hier Sucher durchkommen und die die Tüten am dringendsten brauchen. Obwohl so ein arroganter Typ namens Alex sich auch direkt eine geschnappt hat. Ich glaube er ist gar kein Sucher, ha!" Ein breites Grinsen zieht sich jetzt über ihr makelloses Gesicht und lässt sie strahlen. "Also… seid ihr Sucher oder nur Turteltäubchen?" Umbruch
Ich sehe zu Cel hinüber. Er starrt sie mit offenem Mund an, fasst sich, lässt ein Räuspern hören und sagt: "Wow, ja, gerne. Die können wir tatsächlich gut gebrauchen."


Lass Marcel ein wenig länger starren. Lass ihn schlucken. Lass ihn unwillkürlich näher zu Natalya gehen, den Kopf schieflegen, grinsen. Mach deutlicher, dass er sie attraktiv findet!
Vor allem: Lass die Erzählerin hier schon darauf reagieren. Es muss nicht unbedingt in ihere Erzählung oder ihren Gedanken sein. Sie könnte die Hände in die Hüfte stemmen und einen Schritt zwischen die beiden treten. Lass sie Natalya im Auge behalten, misstrauisch. Abelehnend. Mehr Emotion, ich meine, die Erzählerin ist doch eifersüchtig, oder nicht? ^^

Zitat:

"Mein Name ist Natalya.", sie lächelt nur Cel an. Umbruch
Ähm, Entschuldigung? Umbruch
"Ja, danke. Das Angebot nehmen wir gerne an.", sage ich laut und endlich reißen sich die beiden von einander los und sehen mich an. 

"Ach", Natalya kichert und lehnt sich spielerisch zu Cel, während sie ihm einen perfekten Blick auf ihren Ausschnitt bietet, "ich glaube eine reicht für euch beide." Anmutig reißt sie eine der Tüten ab und reicht sie ihm. Sie lächelt mich an und ich kann keine Bosheit in ihrem Blick erkennen. Ich koche vor Wut. Was genau sollte das denn bitte? Erst so tun als wäre sie so großzügig und nett und dann so eine Show abziehen. Und Cel spielt auch noch mit und starrt sie nur unverwandt an und wieso sagt er nichts?!


Nicht "laut sagen". Entweder ein starkes Sprachverb nehmen (schreien? brüllen?), was aber eher unpassend wirkt oder du lässt sie genau an dieser Stelle zwischen die beiden treten und vielleicht schon nach den Tüten grapschen. Grapschen, nicht greifen. Da muss überall die unterdrückte Wut rein, mach die Szene saftig ^^
Und "anmutig"? Das Wort passt nicht. Würdest du eine Person, die du nicht ausstehen kannst, als "anmutig" bezeichnen? Spontan würden mir jetzt einfallen "überbetont", "ausladend", "theatralisch", "überdramatisch", "lasziv", "provokant", "beiläufig". Je nachdem, auf welchen Aspekt die Erzählerin eher eingehen will. Lasziv und provokant wären meine Favoriten.
Den Teilsatz mit der Bosheit würde ich auch eher rauslassen. Ich persönlich finde, dass das nicht in die Stimmung passt. Ich nehme aber auch an, dass du die beiden Personen negativ darstellen möchtest.
Bei der Sache mit der Show, lass die Erzählerin ruhig den Verdacht äußern, dass Natalya ihr Marcel ausspannen will oder versucht, Bryndon um den Finger zu wickeln.
Und ich glaube nicht, dass Marcel unverwandt starrt. Starren ist gut, aber er zeigt doch Interesse an ihr, oder nicht? Meinetwegen lass ihn sich den Hals verrenkten, um Natalya in den Ausschnitt zu starren. Ich meine, sie bietet es ihm ja schon an Wink

Zitat:
Ein trockenes Kichern aus dem Hintergrund lenkt meine Aufmerksamkeit auf ihren Begleiter, einen großen, schlanken Mann mit dunklen Haaren und Lachfältchen um die Augen. Den hab ich ja total vergessen…

"Entschuldigung.", beginne ich. Als Sucherin und Mitglied erster Generation des Kollektivs habe ich gewisse Pflichten und das Begrüßen neuer Mitglieder ist Brydon wichtig. Wenn sie sich nicht wohlfühlen tun sie nicht ihr Bestes für das Wohlergehen der Gruppe. "Mein Name ist Vanessa, das hier ist Marcel. Es freut mich, dass ihr euch dem Kollektiv angeschlossen habt. Vielleicht könnt ihr uns beim Abendessen ja mehr erzählen. Wo ihr herkommt, was ihr könnt…" Langsam bewege ich mich an den beiden vorbei Richtung Ausgang. Ich will einfach nur noch weg, sonst könnte es sei, dass ich Natalya ein blaues Auge verpasse oder ein paar Kratzer, die ihr bestimmt wundervoll stehen würden. Oder Cel, der es anscheinend noch immer nicht schafft, sie nicht anzugaffen.
"Wir sollten gehen, Cel. Die anderen warten bestimmt und Brydon auch." Er bemerkt meinen kalten Blick und hat zumindest den Anstand beschämt rot anzulaufen. Er dreht sich weg und beginnt mit stockenden Schritten, aber vollkommen wortlos auf den Tunnelausgang zuzugehen. Ich nicke den beiden verunsichert zu und folge ihm.


Der Satz "Oder Cel ..." steht falsch. Ich verstehe ihn, aber er wirkt an der Stelle wie nachträglich eingefügt. Das passt zwar dazu, dass du in den Gedanken von Vanessa bist, aber irgendwie finde ich, dass sich das seltsam liest. Überall sonst aber auch. Ich würde den Satz ganz weglassen.
Vielleicht packt sie ihn besser am Handgelenk und zieht ihn zu sich. Unterdrückt den Impuls, ihm die Tüte ins Gesicht zu schlagen. Sowas. Also, Marcel nochmal als eigene Handlung nehmen.
Aber davon abgesehen gefällt mir der letzte Abschnitt wieder sehr gut ^^

So, das war eine lange Kritik, eine sehr ausführliche. Und eine, wo ich mich nicht zurücknehmen wollte, weil ich die Geschichte soweit echt mag ^^
Ich bin nur gerade bei Dialogszenen recht empfindlich, was den Dialog und das durmherum angeht. Ich hoffe, dass du das als positiv aufnimmst ^^

Was halt allgemein in dem Abschnitt wichtig wäre: die Eifersucht von Vanessa greifbarer machen. VIEL greifbarer. Ansonsten wirkt sie flach und tussig. Wie Natalya *lach* Nur, dass ich das bei Natalya gut finde. Vor alle, wenn du willst, dass man eine Abneigung gegen sie entwickelt.
Oh, und ich bin sehr froh, dass man den Namen der Protagonistin jetzt erst erfährt. Ob du's glaubst oder nicht, ich hätte sie sonst von Anfang an für ein unerträgliches Gör gehalten. Aber ich komme aus einer Generation, wo Vanessa ein antagonistenname war Rolling Eyes
Aber so finde ich es gut. Ich glaube auch, dass der Name passt, er fühlt sich jedenfalls nicht schief an (und er durchbricht so schön meine eigene Assoziation. Das ist wirklich gelungen ^^)

Gruß
Rocket
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