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Graenee
Geschlecht:weiblichGänsefüßchen


Beiträge: 36
Wohnort: Deutschland


BeitragVerfasst am: 08.03.2021 03:34    Titel: Ganz normal eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich habe vor einiger Zeit (zwei Jahre, Schande über mich...) einen Text geschrieben: "Hilfe, mein Hund ist eine Bestie!". Ich wurde angeregt, es mit einem Perspektivwechsel zu probieren und habe das nun endlich in Angriff genommen. Damit ist es für mich ein eigenständiger Text, aber ich freue mich auch über Vergleiche, welche Perspektive passender ist (etc.)! Vielen Dank im Voraus :)

P.S.: Irgendetwas stört mich an dem Text, aber es fällt mir schwer herauszufinden, was... Hilfe?
_________________________________________________________

In perfekter Harmonie treffen meine Pfoten auf den Boden. Ich achte darauf, dass meine Schulter nie die Beine meines Frauchens überholen - das ist ungezogen. Stolz recke ich den Hals und spitze die langen Ohren. Das mögen sie immer am liebsten. Wir stolzieren durch die Straßen und alle machen Platz. Köpfe drehen sich nach uns um, Münder werden aufgerissen. Ich kann ihre Angst riechen. Ich kann ihren Puls hören. Wovor haben sie Angst? Frauchen geht vorbei. Sie sind nicht Teil des Rudels und verdienen unsere Aufmerksamkeit nicht. Eine Frau sitzt auf einer Bank, sie riecht lecker. Ist das etwa ein Käsebrot? Sie sieht beschäftigt aus. Ich beschleunige meine Schritte und beginne aufgeregt zu hecheln. Es ist ein Käsebrot! Als sie den Kopf zu uns dreht, schnappt sie erschrocken nach Luft. Jetzt stinkt sie. Ich zucke mit den Ohren und lasse sie links liegen.

Die Sonne fühlt sich gut an. Glücklich wackel ich mit meiner Rute; ich habe mein Frauchen, was könnte mir fehlen? Da zerstört ein Kläffer die Idylle. Augenscheinlich Marke Chihuahua mit extra lautem Bell-Organ. Er pöbelt mich an und zerrt an seiner Leine. Unerzogene Ratte. Weiß er nicht, dass ich ihn mit einem Hieb meiner Pranke erledigen könnte? Ich bemerke, dass der Kläffer mein Frauchen stört und gebe mir Mühe ihn zu ignorieren. Wieso tut der Zweibeiner nichts? Zurückgehalten lediglich von einer lächerlichen Flexi-Leine, beginnt er nun sich aufzuspielen, als würde ich sich am liebsten auf mich stürzen. Frauchen schnaubt unglücklich und mir platzt der Kragen. Tief und grollend ertönt mein Knurren. Zieh leine, Chihuahua! Um meinen Punkt zu unterstreichen hebe ich die Lefzen ein winziges bisschen. Der Kläffer jault. Hastig greift der Mensch nach seinem Leichtgewicht-Handtaschen-Hund und bringt ihn fluchend in luftiger Höhe in Sicherheit. Leider bringt er ihn nicht zum Schweigen. Als wenn mich dieser kurze Abstand abhalten könnte, wenn ich wollte.

“Keine Manieren das Fußvolk”, sagt mein Frauchen und ich stimme ihr vollen Herzens zu. Zum Glück gehen wir weiter und schon bald habe ich den Vorfall vergessen. Heute ist ein guter Tag, das kann ich riechen. Frauchen holt sich ein Schoko-Eis. Ich weiß, dass ich die Waffel haben darf, wenn sie fertig ist.
Wir sitzen an einem Brunnen. Während Frauchen zufrieden an ihrem Eis schleckt, strecke ich mich auf dem Boden aus. Die Sonne wärmt mir die Muskeln und gleich kriege ich Waffel. Himmlisch. Ein Junge geht vorbei. Er schwenkt ein lebloses Plastikding in meine Richtung und sagt “Böse! Böse! Böse!”. Böse? Ich? Ich bin schneller als alle anderen beim Hundetreff und wenn ich mich auf die Hinterbeine stelle, bin ich genauso groß wie mein Frauchen. Ich beschütze meine Menschen. Ich kann auch ein paar Tricks. Und am wichtigsten: ich habe den dämlichen Kläffer nicht als Mittagssnack verputzt. Wenn der wüsste, wie viel Selbstbeherrschung das braucht.

Da rieche ich es - Merlin! Schon sehe ich den alten Mann. Meine Rute wackelt so schnell, ich habe das Gefühl gleich abzuheben. Er kommt auf uns zu und ich springe ihm entgegen. Die Menge raunt angstvoll auf. Ich schlecke ihm den Hals ab. Er hat kein Leckerchen dabei, aber das ist okay. Er krault mich hinter den Ohren. Genau da hab ich es besonders gern. Dann begrüßt er mein Frauchen. Sie freut sich auch ihn zu sehen. Aber ich weiß, dass er vor allem meinetwegen zu uns gekommen ist.

Wir machen uns auf den Rückweg. Die Schneise, die sich in der Menschenmenge bildet, bemerke ich nicht. Es ist ein ganz normaler Sonntag-Nachmittag.

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Rike La
Geschlecht:weiblichLeseratte


Beiträge: 182



BeitragVerfasst am: 08.03.2021 10:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Graenee,

hab mir deine Kurzgeschichte gerade durchgelesen und finde sie ganz niedlich. Ist auch fllüssig geschrieben, Rechtschreibung und Grammatik passen auch.

Und ich bin ein bisschen gerührt, weil das auch mein Hund sein könnte wink

Also: gerne gelesen!

Nur an einer Stelle bin ich gestolpert:

Zitat:
“Keine Manieren das Fußvolk”, sagt mein Frauchen


Meintest du das so, dass sie diesen Satz wirklich sagt oder ist das die Interpretation des Hundes? Würde ich vielleicht nochmal klarstellen im Text, weil das Frauchen sicher nicht diesen Satz sagen würde...

Liebe Grüße
Rike
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Nehemia
Geschlecht:weiblichWortedrechsler


Beiträge: 62
Wohnort: Über den Wolken


BeitragVerfasst am: 08.03.2021 11:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, stimmt. Sind damit diese kleinen Hundchen gemeint? Ansonsten hat mir diese Geschichte sehr gut gefallen! Ich habe zwar die  Geschichte mit der anderen Perspektive nicht gelesen, aber ich denke, mir gefällt diese Variante auch besser, weil sie so ungewöhnlich ist. Kann mich Rike nur anschließen!

LG Nehemia Very Happy


_________________
You‘ re always one decision away from a totaly different life.
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Jarandrel
Geschlecht:männlichWortedrechsler


Beiträge: 60
Wohnort: Hamburg


BeitragVerfasst am: 16.05.2021 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

Aus Sicht des großen Hundes auf die kleinen zu schimpfen, ist durchaus okay. wink

Grundsätzlich soll man immer die Perspektive der Figur wählen, die die größte emotionale Herausforderung hat, hab ich mir von einer Lektorin sagen lassen.

Warum die Frau auf der Bank auf einmal stinkt, habe ich nicht verstanden. Hat sie einen fahren lassen oder ist das nach dem Motto "Sie stinkt und hat Flöhe = geht uns nichts an" ?
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Seth Gecko
Geschlecht:männlichLeseratte


Beiträge: 127
Wohnort: Neu-Bielefeld


BeitragVerfasst am: 18.05.2021 03:18    Titel: Re: Ganz normal Antworten mit Zitat

Moin Graenee,

vielen Dank für deine(n) Text(e),

Du schaffts es in meinen Augen eindrucksvoll, mit wenigen Worten die Persönlichkeit (d)eines Rhodesian Ridgeback zu beschreiben. Die wenigen Sätze, die er knurrt, tragen fantastisch dazu bei. Auch der knapp gehaltene Stil sorgt dafür, dass mein Kopfkino in Farbe läuft.

Meine roten Anmerkungen im Text stellen selbstverständlich nur meine eigene Meinung dar. Wenn du Änderungen übernehmen möchtest, gut. Wenn nicht, auch gut.

Graenee hat Folgendes geschrieben:
Ich habe vor einiger Zeit (zwei Jahre, Schande über mich...) einen Text geschrieben: "Hilfe, mein Hund ist eine Bestie!". Ich habe den besagten Text gelesen, bevor ich diesen Kommentar verschickt habe. Das hat auf jeden Fall geholfen, in mehrfacher Hinsicht. Ich wurde angeregt, es mit einem Perspektivwechsel zu probieren und habe das nun endlich in Angriff genommen. Ich finde, der Wechsel ist dir sehr gut gelungen. Hut ab! Damit ist es für mich ein eigenständiger Text, aber ich freue mich auch über Vergleiche, welche Perspektive passender ist (etc.)! Vielen Dank im Voraus smile Sehr gerne.

P.S.: Irgendetwas stört mich an dem Text, aber es fällt mir schwer herauszufinden, was... Hilfe? Ich gebe mir Mühe wink
______________________________________________________

In perfekter Harmonie treffen meine Pfoten auf den Boden. Ich achte darauf, dass meine Schulter nie die Beine meines Frauchens überholen - das ist ungezogen. Stolz recke ich den Hals und spitze die langen Ohren. Das mögen sie immer am liebsten. Wir stolzieren durch die Straßen und alle machen Platz. Köpfe drehen sich nach uns um, Münder werden aufgerissen. Ich kann ihre Angst riechen. Ich kann ihren Puls hören. Wovor haben sie Angst? Frauchen geht vorbei. Sie sind nicht Teil des Rudels und verdienen unsere Aufmerksamkeit nicht. Eine Frau sitzt auf einer Bank, sie riecht lecker. Ist das etwa ein Käsebrot? Sie sieht beschäftigt aus. Ich beschleunige meine Schritte und beginne aufgeregt zu hecheln. Es ist ein Käsebrot! Als sie den Kopf zu uns dreht, schnappt sie erschrocken nach Luft. Jetzt stinkt sie. Das fand ich super. So wie ich es verstehe, kann Abby die Angst der Frau riechen? Ich zucke mit den Ohren und lasse sie links liegen.

Die Sonne fühlt sich gut an. Glücklich wackel ich mit meiner Rute; ich habe mein Frauchen, was könnte mir fehlen? Da zerstört ein Kläffer die Idylle. Augenscheinlich Marke Chihuahua mit extra lautem Bell-Organ. Bell-Organ hat mich rausgerissen. Ich denke, du willst darstellen, dass Abby nicht weiß, was ein Mund ist? Vielleicht fällt dir noch eine bessere Formulierung ein. Er pöbelt mich an und zerrt an seiner Leine. Unerzogene Ratte. Daumen hoch Weiß er nicht, dass ich ihn mit einem Hieb meiner Pranke Haben Hunde Pranken? Ich assoziere das Wort eher mit Raubkatzen. Vielleicht lieber Kralle(n)? erledigen könnte? Ich bemerke, dass der Kläffer mein Frauchen stört und gebe mir Mühe ihn zu ignorieren. Wieso tut der sein Zweibeiner nichts? Zurückgehalten lediglich von einer lächerlichen Flexi-Leine, beginnt er nun sich aufzuspielen, als würde ich sich am liebsten auf mich stürzen. Frauchen schnaubt unglücklich und mir platzt der Kragen. Tief und grollend ertönt mein Knurren. Zieh leine, Chihuahua! Um meinen Punkt zu unterstreichen hebe ich die Lefzen ein winziges bisschen. Der Kläffer jault. Hastig greift der Mensch nach seinem Leichtgewicht-Handtaschen-Hund Daumen hoch und bringt ihn fluchend in luftiger Höhe in Sicherheit. Leider bringt er ihn nicht zum Schweigen. Als wenn mich dieser kurze Abstand abhalten könnte, wenn ich wollte. Der Satz wirkt irgendwie unfertig. Entweder: Als wenn mich dieser kurze Abstand abhalten könnte, wenn ich wollte. Oder: Als wenn mich dieser kurze Abstand abhalten würde. Wenn ich wollte, könnte ich.

“Keine Manieren das Fußvolk”, sagt mein Frauchen und ich stimme ihr vollen Herzens zu. Durch diesen einen Satz bekommt das Frauchen in meinen Augen Charakter. Wie schon bei dem "stolzieren" ganz am Anfang. Ein bisschen Schicki-Micki-Nase hoch, aber Charakter. Fand ich gut. Zum Glück gehen wir weiter und schon bald habe ich den Vorfall vergessen. Heute ist ein guter Tag, das kann ich riechen. Frauchen holt sich ein Schoko-Eis. Ich weiß, dass ich die Waffel haben darf, wenn sie fertig ist.
Wir sitzen an einem Brunnen. Während Frauchen zufrieden an ihrem Eis schleckt, strecke ich mich auf dem Boden aus. Die Sonne wärmt mir die Muskeln und gleich kriege ich Waffel. Himmlisch. Ein Junge geht vorbei. Er schwenkt ein lebloses Plastikding in meine Richtung und sagt “Böse! Böse! Böse!”. Verstehe ich nicht. Trotz GoT-Anspielung im anderen Text. Böse? Ich? Ich bin schneller als alle anderen beim Hundetreff und wenn ich mich auf die Hinterbeine stelle, bin ich genauso groß wie mein Frauchen. Ich beschütze meine Menschen. Ich kann auch ein paar Tricks. Und am wichtigsten: ich habe den dämlichen Kläffer nicht als Mittagssnack verputzt. Wenn der wüsste, wie viel Selbstbeherrschung das braucht.

Da rieche ich es - Merlin! Schon sehe ich den alten Mann. Meine Rute wackelt so schnell, ich habe das Gefühl gleich abzuheben. Er kommt auf uns zu und ich springe ihm entgegen. Die Menge raunt angstvoll auf. Ich schlecke ihm den Hals ab. Er hat kein Leckerchen dabei, aber das ist okay. Er krault mich hinter den Ohren. Genau da hab ich es besonders gern. Dann begrüßt er mein Frauchen. Sie freut sich auch ihn zu sehen. Aber ich weiß, dass er vor allem meinetwegen zu uns gekommen ist.

Wir machen uns auf den Rückweg. Die Schneise, die sich in der Menschenmenge bildet, bemerke ich nicht. Es ist ein ganz normaler Sonntag-Nachmittag.


Mein Problem: Was willst du mir am Ende sagen? Da läuft eine Frau mit einem ziemlich großen Hund über ein Stadtfest. So what? Für mich liest sich dieser Text – so wie der andere, aus der Perspektive der Halterin – als ob da persönliche Erfahrungen mit eingeflossen sind? Sollte das nicht der Fall sein, verstehe ich deine Geschichte irgendwie nicht. Wenn in meiner Stadt solch ein großer, gut erzogener Hund an den Menschen vorbeiläuft, gucken viele, es fallen Sätze wie „Boah, voll das Kalb“, oder so. Aber mehr auch nicht. Weißt du, was ich meine?

Und zu deiner Frage, was dich an dem Text stört, meine Überlegung: Das Stadtfest wird aus dieser Perspektive nicht erwähnt. Am Ende, die Schneise in der Menschenmenge, versteht man mMn nicht, wenn man den vorherigen Text nicht gelesen hat. Vielleicht ist es das, was dich stört?

Soweit meine Gedanken, ich hab deine beiden Texte sehr gerne gelesen und finde, du hast Talent.
Beste Grüße,
Seth


_________________
Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.
Friedrich Dürrenmatt
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Natalie2210
Geschlecht:weiblichKlammeraffe

Alter: 35
Beiträge: 596



BeitragVerfasst am: 18.05.2021 12:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!

Ich kenne nur den Text, den du eingestellt hast (sie wollen am Stadtfest sein? das kommt gar nicht raus).

Ich glaube, deinem Text fehlt einfach Spannung. Es ist eine Beschreibung, alle "aufregende" Ereignisse, wie das Käsebrot, der kleine Hund, der Junge der sagt "böse, böse" bzw dann der Mann, den der Hund so freudig begrüßt - das poppt auf und verschwindet sofort wieder. Der Hund ist am Anfang der Geschichte genau der gleiche wie am Ende. Er hat nichts "gelernt".

lg,
Natalie
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Selanna
Geschlecht:weiblichReißwolf


Beiträge: 1171
Wohnort: Süddeutschland


BeitragVerfasst am: 18.05.2021 13:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Graenee,

hier auch noch mein Senf zu Deinem Text Wink
Zitat:
In perfekter Harmonie treffen meine Pfoten auf den Boden. Unter perfekter Harmonie kann ich mir hier nichts vorstellen. Wenn mein Hund läuft, läuft er geschmeidig, fließend, etc., aber ich käme nicht darauf, das als harmonisch zu bezeichnen. Ich achte darauf, dass meine Schulter Schultern, da das Prädikat im Plural steht nie die Beine meines Frauchens überholen - das ist ungezogen. Stolz recke ich den Hals und spitze die langen Ohren. Das mögen sie immer am liebsten. Wir stolzieren durch die Straßen und alle machen Platz. Köpfe drehen sich nach uns um, Münder werden aufgerissen. Ich kann ihre Angst riechen. Ich kann ihren Puls hören. Wovor haben sie Angst? Frauchen geht vorbei. Sie sind nicht Teil des Rudels und verdienen unsere Aufmerksamkeit nicht. Eine Frau sitzt auf einer Bank, sie riecht lecker. Ist das etwa ein Käsebrot? Sie sieht beschäftigt aus. Ich beschleunige meine Schritte überholt er hier das Frauchen?, hab ich mich gefragt und beginne aufgeregt zu hecheln. Es ist ein Käsebrot! Als sie den Kopf zu uns dreht, schnappt sie erschrocken nach Luft. Jetzt stinkt sie. Ich zucke mit den Ohren und lasse sie links liegen.

Die Sonne fühlt sich gut an. Glücklich wackel ich mit meiner Rute; ich habe mein Frauchen, was könnte mir fehlen? Da zerstört ein Kläffer die Idylle. Augenscheinlich Marke Chihuahua mit extra lautem Bell-Organ. Er pöbelt mich an und zerrt an seiner Leine. Unerzogene Ratte. Weiß er nicht, dass ich ihn mit einem Hieb meiner Pranke erledigen könnte? Ich bemerke, dass der Kläffer mein Frauchen stört und gebe mir Mühe ihn zu ignorieren. Wieso tut der Zweibeiner nichts? Zurückgehalten lediglich von einer lächerlichen Flexi-Leine, beginnt er nun würde ich streichen, hat keinen Mehrwert   sich aufzuspielen, als würde ich er   sich am liebsten auf mich stürzen. Frauchen schnaubt unglücklich und mir platzt der Kragen. Tief und grollend ertönt mein Knurren. Zieh leine, Chihuahua! Um meinen Punkt zu unterstreichen hebe ich die Lefzen ein winziges bisschen. Der Kläffer jault. Hastig greift der Mensch nach seinem Leichtgewicht-Handtaschen-Hund und bringt ihn fluchend in luftiger Höhe Du könntest Dich auch für eines entscheiden: fluchend oder luftige Höhe in Sicherheit. Leider bringt er ihn nicht zum Schweigen. Als wenn mich dieser kurze Abstand abhalten könnte Als ob mich… abhielte? Nur als Vorschlag , wenn ich wollte.

“Keine Manieren das Fußvolk”, sagt mein Frauchen und ich stimme ihr vollen Herzens zu. Zum Glück gehen wir weiter und schon bald habe ich den Vorfall vergessen. Heute ist ein guter Tag, das kann ich riechen. Frauchen holt sich ein Schoko-Eis. Ich weiß, dass ich die Waffel haben darf, wenn sie fertig ist.
Wir sitzen an einem Brunnen. Während Frauchen zufrieden an ihrem Eis schleckt, strecke ich mich auf dem Boden aus. Die Sonne wärmt mir die Muskeln und gleich kriege ich Waffel. Himmlisch. Ein Junge geht vorbei. Er schwenkt ein lebloses Plastikding in meine Richtung und sagt “Böse! Böse! Böse!”. Das verstehe ich nicht. Was für ein Plastikding ist das?   Böse? Ich? Ich bin schneller als alle anderen beim Hundetreff Gut, er ist ein Hund und der Verstand begrenzt: Aber Schnelligkeit hat nichts mit Gut oder Böse zu tun, die Argumentation hinkt und wenn ich mich auf die Hinterbeine stelle, bin ich genauso groß wie mein Frauchen Auch Größe ist kein gutes Argument . Ich beschütze meine Menschen. Ich kann auch ein paar Tricks. Und am wichtigsten: ich habe den dämlichen Kläffer nicht als Mittagssnack verputzt. Wenn der wüsste, wie viel Selbstbeherrschung das braucht. Laughing

Da rieche ich es - Merlin! Schon sehe ich den alten Mann. Meine Rute wackelt so schnell, ich habe das Gefühl gleich abzuheben. Er kommt auf uns zu und ich springe ihm entgegen. Die Menge raunt angstvoll auf. Ich schlecke ihm den Hals ab. Er hat kein Leckerchen dabei, aber das ist okay. Er krault mich hinter den Ohren. Genau da hab ich es besonders gern. Dann begrüßt er mein Frauchen. Sie freut sich auch ihn zu sehen. Aber ich weiß, dass er vor allem meinetwegen zu uns gekommen ist.

Wir machen uns auf den Rückweg. Die Schneise, die sich in der Menschenmenge bildet, bemerke ich nicht Dann kann das auch nicht im Text stehen, oder? Wink . Es ist ein ganz normaler Sonntag-Nachmittag.

Du könntest noch ein paar Kommafehler ausmerzen.
Ein Hund, der einschüchtert, das aber selbst nicht ganz begreift -- aber an anderer Stelle ist er sich seiner Kraft doch sehr bewusst. Er ist wohl erzogen, aber mit ein paar kleinen Ausnahmen. Ist das vielleicht der Punkt, der Dich selbst stört? Dass sein Selbstverständnis/Verhalten nicht ganz konsequent ist?
Ein hübscher Text, die Perspektive ist amüsant. Gerne gelesen. Gleich, wie die Perspektive vorher war, diese hier passt sehr gut und gibt dem Text etwas Eigenes. Mit Ausnahme der Argumentation (die man aber mit dem Hundeintellekt gut begründen könnte) und dem winzigen Perspektivfehler am Ende hat mich am Text nichts gestört, ich kann Dir bei Deiner Frage also leider nicht wirklich helfen.

Liebe Grüße
Selanna


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Nur ein mittelmäßiger Mensch ist immer in Hochform. - William Somerset Maugham
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