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firstoffertio
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Das bronzene Stundenglas Der goldene Spiegel - Lyrik (1)
Podcast-Sonderpreis Silberner Sturmschaden


BeitragVerfasst am: 04.11.2012 16:03    Titel: Titel noch unbekannt, zum Fortsetzen eBook pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ich experimentiere ja zur Zeit ein bisschen herum. Nun habe ich etwas angefangen, was sehr lang werden könnte. Ich will da ins Blaue hinein schreiben. Etwas surreal und phantastisch stelle ich's mir schon auch vor. Und logisch muss es nicht sein. Wie's halt kommen wird.

Nun würde ich gerne wissen: Geht das? Und erscheint das überhaupt irgendwie interessant so weit? Oder eher langweilig? Mit der Metrik will ich's nicht genau nehmen müssen, aber bin belehrbar. Jegliche Art von Kommentar würde mich freuen.


Sie trug im Inneren ein Spitzenkleid,
verziert mit Orchideen, die sie nie
gesehen. Dort wohnten Elefanten,
Mäuse, Hunde -  in Spinnennetzen, die sich
spannten, glitzerten, benetzt mit Tropfen.
In ihnen spiegelten sich Welten wie
der Wald, in dem sie sich allein bewegte.

Verschlungen waren alle Bäume mit-
einander dort, wie eine Handschrift, deren
Linien ein Garn, gestrickt zu einem
unlesbaren Text. Kein einzler Baum
liess sich erkennen, als ob der ganze Wald
ein einz’ger Baum, gebildet aus nur einem
Faden. Sie suchte sich hindurchzufinden

und kroch durch Schlingen, unter Maschenbildern,
immer bemüht, die Zwischenräume auszu-
nützen, bevor sie merkte, dass der Wald
ihr nachgab, wie ein Pullover war,
elastisch und flexibel. Sie konnte ihn
zur Seite schieben, heben: kein Holz-
geflecht, nicht starr. Er passte sich ihr an.

So ging sie schließlich unbekümmert weiter.
Bei Kälte wickelte sie sich ganz einfach
in ihren Wald und ließ an heißen Tagen
kühlen Wind von oben zu ihr wehn.
Am Boden fand sie Pilze und Kartoffeln.
Die briet sie auf dem Feuer, das sie in sich
trug, und schlief nicht hungrig ein am Abend.

Dann eines Tages fand sie eine Lichtung,
Ein alter Garten war’s. Und weiter südlich
endlich etwas Festes. Sie schlüpfte aus dem
Pullover heraus, betrat den Garten erst,
entdeckte Spuren alter Blumen- und
Gemüsebeete. Doch wucherten darüber
Unkraut, Moos, uralter Schachtelhalm.

Auch Walderdbeeren, Weidenröschen sah sie.
Und erstmals einzle Bäume, junge Eschen-
sämlinge. An manchen Stellen kratzten
Brombeeren sie, versuchten festzuhalten,
doch ging sie unter Vögeln, zwischen Faltern,
Schnecken, über Würmern weiter, ein Stück
noch durch den Wald, dann stand sie vor dem Festen.

Struktur gebaut einmal aus Stein, nun nur
Ruine, Reste eines Heims. Fast ganz
zerfallen waren Mauern unter moos-
bedeckten Haufen Stein auf Stein, aus Wänden
wieder Stein geworden, nur ein Teil
mit einem hohen Fenster hielt noch Stand,
ein Fenster ohne Drinnen oder Draußen.

12Wie es weitergeht »


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Malaga
Geschlecht:weiblichAutor


Beiträge: 770



BeitragVerfasst am: 04.11.2012 16:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
ich denke, das ist lyrische Pfosa, nicht Lyrik. Die Vers- und Zeileneinteilung scheint mir überflüssig.
Der Beginn ist außerordentlich schön.
Ich glaube, weiter lesen würde ich nur, wenn eine Richtung erkennbar wird, wohin es geht.
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lilli.vostry
Wortschmiedin


Beiträge: 1180
Wohnort: Dresden


BeitragVerfasst am: 05.11.2012 00:01    Titel: aw.ohnetitel Antworten mit Zitat

Liebe Firstoffertio,

mich erinnert das an eine TraumGeschichte in teils lyrischen Bildern, surreal versponnen, wie ein immer weiter aufgerolltes Garnknäul aus Worten... Und Du schaust ihnen zu, wohin es rollt.
Ein sprachliches Experiment also - ganz aus dem Unbewussten geschöpft und aneinandergefügt, offen, ins Ungewisse, in alle Richtungen...
Sehe ich das richtig?

Frage mich nur was Du damit bezweckst, willst Du es allein (öffentlich) fortschreiben wie eine Art Tagebuch oder können/sollen wollen dürfen andere die mögen, mitschreiben?

Gute Nacht erst mal.
Liebe Grüße,
Lilli


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Wer schreibt, bleibt und lebt intensiver
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Gast







BeitragVerfasst am: 05.11.2012 00:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Firstoffertio,

ich glaube, wenn du das nicht nur für dich selber schreiben willst, braucht das ganze zumindest den Ansatz einer Handlung ... Ich jedenfall würde irgendwann abspringen, wenn ein so langer Text gar keinen roten Faden erkennen ließe.

Gruß,

Soleatus
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last-virgin
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Beiträge: 596
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BeitragVerfasst am: 05.11.2012 10:34    Titel: re Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio,
liest sich gut, Dein Gedicht.
Und ich finde, nicht alles muß irgendwohin führen, für mich wird bis hierher ein Gehen ohne Weg und Ziel beschrieben, immer neues sehen und auch gleich verwenden und verarbeiten. Letztlich wird es trotzdem irgendwohin führen, ob gewollt oder nicht. Dinge werden einem begegnen und auch wieder verlassen..es ist eine Stimmungs und Geschmacksfrage, wie weit man mitgehen wird.
Den ganzen Weg aber wird das LI allein gehen..

in Strophe 3 würde mir das Ende dieser Strophe so besser gefallen

Du:
kein Holz-
geflecht, nicht starr. Er passte sich ihr an

 
ich:
kein Holz-
geflecht, nicht starr, passte  er sich ihr an.


In der letzten Strophe würde ich etwas streichen:

Struktur gebaut einmal aus Stein, nun nur
Ruine, Reste eines Heims. Fast ganz
zerfallen waren Mauern unter moos-
bedeckten Haufen Stein auf Stein, aus Wänden
wieder Stein geworden
, nur ein Teil
mit einem hohen Fenster hielt noch Stand,
ein Fenster ohne Drinnen oder Draußen.

sonst gern gelesen...

lg

last-virgin


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Das "Ganze" ist mehr als die Summe seiner Einzelelemente.
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 05.11.2012 23:34    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Vielen Dank für Eure Kommentare.

Malaga,

ich habe es mir mal als Prosatext formatiert, dafür scheint es mir so noch nicht geeignet. Dafür müsste ich umformulieren. Ich arbeite hier ja schon mit einem Rhythmus, der eine bestimmte Wirkung hat, der in Prosa fehlen würde. In der jetzigen Form kann ich besser fabulieren. Wie sich's dann zu Prosa umschreiben liesse, wäre interessant, mir aber im Moment fern.

Du, und auch Soleatus,

wollt eine Richtung, eine Handlung. (Mein Mann sagte auch: Schön skurril, aber er wisse noch nicht, wohin es führen soll.)
Ja, da wird sich Handlung ergeben, nur weiss ich die noch nicht. Ich möchte mir keinen plot vorher überlegen. So habe ich das gemeint. Wenn ich's hinterher weiss, was passiert ist, könnte das kurz formuliert werden, um Leser darauf einzustimmen. Ist aber so ja mit jedem längeren literarischen Werk, dass man als Leser erst beim Lesen die Handlung, den Inhalt richtig erfährt?

Soleatus, ist das mit der Metrik akzeptabel, oder gar nicht?

Lilli,

ich hab mich da beim schnellen Titel suchen unverständlich ausgedrückt. Ich will schon selber weiterschreiben. Aber die Idee, so etwas in Gemeinschaft zu machen, finde ich interessant.

Du hast ganz gut beschrieben, was ich vorhabe. Wie weit Unbewusstes eine Rolle spielt: Wahrscheinlich so viel wie immer.

Ich habe eine bestimmte Sache, an der ich mich orientiere, dann sollen Dinge, Assoziationen, Erinnerungen, Wissensfetzen etc hineinpurzeln in den Text.

last-virgin,

auch du hast verstanden, was meine Idee ist. Danke für die Änderungsvorschläge. Ich werde sie berücksichtigen, wenn ich so weit bin. Erst mal möchte ich etwas weiter fabulieren, ohne zu sehr zu urteilen. Das nimmt mir sonst zu früh den Schwung.

Ich möchte noch zwei Zitate anführen, die mir gefallen haben:

Ich habe kürzlich The Turn Of The Screw von Henry James gelesen, und auch ein altes Buch mit Aufsätzen über Phantastik in Literatur und Kunst. Darin endet ein Aufsatz über The Turn Of The Screw so:

"So gesehen stellt sie (die Sprache) sich daher auch als Medium dar, das kreative Impulse weckt, durch die es möglich ist, sich von der vorgegebenen, restriktiven und beschränkten Alltagswirklichkeit zu lösen, Freiräume zu schaffen, in denen sich das Individuum im Spiel ausdrücken kann. Gerade diese Möglichkeit scheint Henry James mit The Turn OF The Screw ergriffen zu haben. Bei aller Bedrohung und Verunsicherung rückt Phantasie in die Nähe des Spiels - The Turn OF The Screw als "ghost-story", aber eben auch als "amusette", und "jeu d'esprit".
E. Kreischer: Henry James' The Turn of the Screw

Und ich lese gerade immer wieder in Fritz Martin herumi: Deutsche Literaturgeschichte. Da fand ich heute über Brentano, von dem ich noch nie etwas gelesen habe (lohnt es sich?), dieses:
 
"Nicht um eine symbolisch-philosophische Sinndeutung ging es ihm, sondern um eine zwischen Heiterkeit und Ernst, Spiel und Andacht, Geheimnis und Groteskem frei schwebendes Fabulieren, das tiefer und wahrer die Grundformen des Lebens deutet als die nüchterne Vernunft."
S. 337
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 07.11.2012 00:08    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Ein wenig Grundriss war noch zu erkennen.
Genau sah sie sich um und suchte Spuren
von Leben, das hier früher einmal wohnte,
hob Steine von den Haufen, kratzte Moos
und krause Flechten weg, doch fand sie nichts
als Brennesseln und Scarlet Pimpernell,
und die zwei Vasen auf dem Fenstersims.

Tönern und rund, die kleine halb so hoch
wie ihre Schwester. Mit grossen Őffnungen,
die im Verhältnis zu den Körpern grade
so, dass Blumen darin stehen würden,
wie sie solln. Als sie zuerst die grosse
Vase in die Hand nahm, war diese leer.
Und aus der kleinen flog ein blauer Vogel.

Gesellte sich zu andern, die den Wald
in flinkem Flug von allen Richtungen
durchkreuzten. Durchs Fenster sah sie viel
Verkehr in ihrem Wald, der sich gewandelt
hatte. Da waren Stämme nun und Äste,
Zweige. Vor ihren Augen wuchsen ihnen
Laub, das sich sogleich im Wind bewegte.

Wie lange sie da stand und schaute, wusste
sie nicht mehr. Die kleine Vase hatte sie
noch in der Hand, da kam der kleine blaue
Vogel zurückgeflogen. Nun blickte sie
hinein und sah das Nest, das noch nicht fertig
war. Schnell stellte sie die Vase wieder  hin,
und liess den Vogel weiter in ihr baun.

“Wer ist sie denn?”,  hör ich dich fragen “Hat sie
denn keinen Namen? Und ist sie Göttin, Hexe,
Zauberin? Ein armes Mädchen, eine
alte Frau? Wo kommt sie her, wo will sie
hin? Was hat sie vor, wie sieht sie aus?”
Ich kann’s dir nicht beantworten, denn so
wie du les ich zum ersten Mal den Text.

Ich lese ihn in ihrem Wald und schreibe
ihn bloss nieder auf Papier. Komm lass uns
weiterlesen. Und wenn du einen Namen
für sie willst, dann denk dir selber einen
aus. Lass uns zusammen sie begleiten,
Antworten liegen da vielleicht. Auch du
lernst dich auf deinem Wanderweg nur kennen.

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Stimmgabel
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Bronzener Sturmschaden Der goldene Spiegel - Lyrik (2)



BeitragVerfasst am: 07.11.2012 20:34    Titel: Antworten mit Zitat

-

Hallo firstoffertio,

bleibe jetzt erst mal nur bei der ersten Einstellung / Zyklus-Serie.

Die Idee, die Du hier verfolgst, in die Tiefen der eigenen Seele, Psyche, gehirnalen Ecken, Bewusstes und Unbewusstes einzutauchen - Verborgnes vllt zu entdecken, Verborgenes doch nicht aufblättern zu können, usw ..., find ich schon sehr interessant,

weiter zu suchen, sich überraschen zu lassen, usw ...,
letztlich eine Suche nach sich selbst,
und dann auf diese Art eines quasi zyklischen Aufbaus.

Folgende Ecken, Auffälligkeiten sind mir persönlich und inhaltlich aufgekommen, mit denen ich nicht so recht klar komme.

Zum einen taucht mir das figurierte Grundbild des spinnenvernetz Verschlungenen, oder Pullover-verwebten, und nochmal verschlungen - oder unter etwas (z.B. Moos ...) versteckten, zu oft auf. Diese Wiederholungen lassen mich quasi auf der Leser-Stelle (... gleiche Metaphorik) permanent feststehen - komme einfach inhaltlich nicht weiter - klar, mein Empfinden ...

... dann dieser permanente, absolute Wechsel des Li, wie es auf seine eigene Suche geht:

Einmal heißt es: ... Orchideen, die sie nie gesehen ,
dann: Sie suchte sich hindurchzufinden ,
dann: So ging sie schließlich unbekümmert weiter ,
dann: Auch Walderdbeeren, Weidenröschen sah sie
dann: ein Fenster ohne Drinnen oder Draußen

Diese, sagen wir, klar abgegrenzt bewussten Befindlichkeiten liegen mir abwechselnd zu sehr konträr auseinander, als das ich hierdurch eine quasie LI Entwicklung seines Suchens logisch mitverfolgen kann ..., vllt gehts ja auch mir nur so Wink


firstoffertio, mal so viel zunächst zu meinen Gedanken und vor allem den irgendwie empfundenen Sperren, dem Li nachvollziehend folgen zu können/wollen ... / wieder ein Tschüss, Frank

-


_________________
Gabel im Mund / nicht so hastig...
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 07.11.2012 22:36    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Stimmgabel,

also ich glaube, das mit dem "in die Tiefen der eigenen Seele, Psyche, gehirnalen Ecken, Bewusstes und Unbewusstes einzutauchen - Verborgnes vllt zu entdecken, Verborgenes doch nicht aufblättern zu können" ist nicht ganz, was ich als Intention habe. Ich möchte einfach nur spontan, leicht dahin, ohne mir Beschränkungen aufzuerlegen, fabulieren. Dass dabei eigene Erfahrungen mit ins Spiel kommen, ist klar. Ich messe aber dem Unbewussten, Verborgenen, Psyche da nicht so viel Wichtigkeit bei. Eher so: In meinem Hirn, in mdeinem Haus, in meiner Fotosammlung, in meinem Buecherschrank, etc. hat sich natürlich im Lauf der Zeit einiges angesammelt. Das ist halt verstreut und je nachdem, um was es geht, fällt es wieder ein. Nun dachte ich, ich schreibe mal darauf los, und lass dies Wissen einfallen, wie's grad kommt, ohne zu einem bestimmten Thema, mit einem Plan und Plot zu schreiben. Es geht mir nicht darum, Unbewusstes hervorzukramen. Einfach spielen, mit dem, was mir zur Verfügung steht.

Gestern hatten wir ein handout in unserer Lyrikgruppe über Keats und "negative capability". Das wird etwas anders verstanden, aber ich finde mich in diesem Zitat von ihm, mit dem, was ich hier vorhabe, wieder:

'I mean Negative Capability, that is when man is capable of being in uncertainties. Mysteries, doubts, without any irritable reaching after fact and reason.'

http://www.keatsian.co.uk/negative-capability.htm

Im Gegensatz zu, was ich in diesen kurzen Texten kürzlich versucht habe, bestimmte Dinge anzugehen, die mich auch beschäftigen, die eher ernsten, verwirrenden, politischen, zeit-gegenwärtigen, mit dem Ziel, Position zu finden...

Zu deinen Anmerkungen zum Text: Ich will ja gerade keine Entwicklung aufzeigen. Das Ganze soll inkongruent, inkonsistent sein dürfen.  Einfach eine Geschichte werden dürfen, ohne Plan. Durchaus mit der Absicht: Es darf skurril, irrational, phantastisch sein. Es soll, wobei ich verrückte Verbindungen einlade, nicht ausschließe.  Ist gar nicht so einfach. Man verfallt so leicht in das Normale, Rationale. Es ist ein Experiment. Andererseits wurde bestimmt schon viel so geschrieben.


Versuche halt gerade, verschiedene Herangehensweisen zu probieren.
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 07.11.2012 22:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio,

ich spüre in dem Text deine Lust, dich einfach von den Worten und von einem Rhythmus treiben zu lassen. Du bist hier unterwegs in einer Welt, die du dir schreibend baust und alles ist möglich, jede Logik außer Kraft gesetzt. Innen und außen werden zwar genannt, aber auch sie entsprechen nicht dem, was sie uns bisher waren. Ich weiß noch nicht so recht, was ich davon halten soll.

In deinem Text erkenne ich einen wohltuenden Rhythmus und ich muss gestehen, ich übergebe mich spätestens nach der dritten Strophe nur noch dem Rhythmus, dem Wörterklang und höre auf, dem Inhalt zu folgen, oder mir Bilder vorzustellen.

Ich habe auch deine Antworten gelesen und denke seit dem eher darüber nach, was es ist, das du da ausprobieren möchtest, wohin du mit diesem Text willst und ich habe deine Zitate gelesen. Zum Beispiel das Brentano Zitat:

"Nicht um eine symbolisch-philosophische Sinndeutung ging es ihm, sondern um eine zwischen Heiterkeit und Ernst, Spiel und Andacht, Geheimnis und Groteskem frei schwebendes Fabulieren, das tiefer und wahrer die Grundformen des Lebens deutet als die nüchterne Vernunft."

Sein freischwebendes Fabulieren meint für mich etwas anderes, als ich hier in deinem Text finde, denn es ging ihm ja dennoch um eine Art Deutung der „Grundformen des Lebens“. Ein freies Fabulieren, jedoch mit irgendeiner Blickrichtung.

Es gibt hier einen Text, von Clemens Brentano und Achim von Arnim : „Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft“. Ich glaube da wird ganz gut klar, was er unter „schwebendes fabulieren“ versteht.  

http://85.214.96.74:8080/zbk/texte/A1638-volltext.htm

In deinem Text passiert etwas anderes. Und während ich mich so beim ersten Lesen eher einfach treiben lassen konnte, fing ich beim zweiten und dritten Lesen an etwas zu Suchen.

Habe eine Frage, um besser nachzuvollziehen, was du unter freies Fabulieren verstehst: Wonach entscheidest du bei deinem Schreibfluss, ob du nun nach rechts oder links abbiegst, was du zulässt an Idee  und was nicht? Ist es der Klang, der dich leitet, oder der Rhythmus? Gäbe es Dinge/Worte, die zum Beispiel nicht zugelassen würden? Zum Beispiel könntest du dir ein Motorrad vorstellen oder einen Wolkenkratzer? Ich versuche herauszufinden, ob es nicht doch ein inneres Schreibgesetz gibt und ob du vielleicht das herausfinden willst.

Im Moment versuche ich ein wenig warm mit deiner Idee und deinem Text zu werden.

Brauche noch Zeit.  Gruß Aranka


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"Wie dahingelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es gereiht aussieht und doch als Ganzes leuchtet?" (Peter Handke)

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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 07.11.2012 23:02    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Aranka,

danke für den link. Werde ich lesen. Ich sagte ja, ich kenne eigentlich nichts von Brentano. Bei den Zitaten gehe ich erst mal nachdem, was die Wörter mir sagen.

Zu deiner Frage, wie ich entscheide: Ich erwähnte, glaube ich, dass ich mich nach etwas richte, beim Fabulieren. Was es ist, will ich erst mal nicht verraten. Das würde mir vielleicht die Unbekümmertheit nehmen. Ganz etwas Einfaches, Banales. Es gibt mir das Nacheinander vor, von dem, worüber ich schreibe, ganz grob.

Zu Motorrad und Wolkenkratzer. Motorrad kann ich mir vorstellen, Wolkenkratzer nicht. Weil ich mit Motorrädern doch Erfahrungen habe, nicht aber mit Wolkenkratzern. So weit schränke ich es ganz automatisch ein, dass ich nicht Dinge einbeziehe, die ich nicht selbst kenne.

P.S. Ich bin von deinem link zum Originaltext von Brentano gegangen, und finde ihn herrlich.
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 07.11.2012 23:21    Titel: Antworten mit Zitat

Okay, es gibt also einen inneren Kompass. das wollte ich nur wissen. Werde mich bestimmt noch mal hier melden.
Gruß Aranka


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gitano
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BeitragVerfasst am: 08.11.2012 09:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio!
Zu Deinem Anliegen einen Lesetip:
"Surrealismus in Paris"von Karlheinz Bark (1986)
Reclam, Leipzig 1986, (1986)
gibt es bei A... für knapp 4€

Scheint mir für Dein Vorhaben wie gemacht

ich habe mich tatsächlich in diesen band eingelesen und habe - wie im Buch empfohlen - an lauten Stellen (Straßenrand, Einkaufszonen...) gelesen. 1986 fiel es mir schwer als Junspunt daraus etwas mitzunehmen...ausser Atmosphäre...dies hat sich natürlich etwas geändert.

Aus dem Buch kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie es die Lyriker der Epoche des S. in Angriff genommen haben. Denkt man dann noch an Dali...könnte man Anhaltspunkte für eine Konzeption sammeln.
Sollte Du demnächst in Berlin sein empfehle ich Dir die Dali Ausstellung an der Leipziger Straße (über 400 Arbeiten aus seinem Grafikwerk).

Zu Deinem Text melde ich mich später nochmal...
Liebe Grüße
gitano
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 08.11.2012 13:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio,

denke nun schon eine Weile über dein „Experiment“ nach und bin für mich auf der Suche, wie und wo ich deinen Versuch einordnen könnte, damit ich dann den Text auf dieser Folie betrachten kann.
Mir spukt dann immer wieder der Surrealismus durch den Kopf, auch wenn der von dir erwähnte John Keats ja der Romantik angehört. Wobei sicher der "Traum" beiden Richtungen ein Thema war.
In deinem Text denke ich aber auch an die „Schreibentwicklungen“ im Surrealismus. Ich setze hier mal kurze Auszüg aus dem Manifest von André Breton rein. Siehst du da dein Experiment vielleicht hin zielen?


André Breton : Manifest des Surrealismus (1924)

Elemente des Surrealismus Écriture automatique

1919 Entdeckung der écriture automatique (vgl. Siepe 1995, 342ff) wie sie von Breton und Soupault in den Champs magnétiques als Ergebnis eines auf der Basis von Intuition und Inspiration durchgeführten naturwissenschaftlichen Experimentes durchgeführt wurde. Hierbei geht es nicht um einen neuen Stil oder neue Schreibverfahren, sondern um die Erschließung innerer Vorgänge, die Fixierung psychischer Reaktionen. Damit bricht bereits eine wahre Ära der automatisch produzierten Textebricht an (Séancen, Schreiben in Trance, Traumprotokolle); so veröffentlicht Breton in Littérature das Protokoll einer Séance, auf der Crevel, Desnos und Péret als Medien fungieren und in Trance reden, schreiben und zeichnen.
Doch geriet dieses Verfahren schnell an seine Grenzen, wenn es um einen reinen und ungefilterten Automatismus ging: Immer wieder ergab sich die Tendenz zur Reproduktion, immer wieder griff der Autor mehr oder weniger in die sprachliche Gestaltung ein und geriet damit in die Gefahr sprachlicher oder ästhetischer Kontrolle. Trotz ihrer inhärenten Sprachattacke bleibt die écriture automatique letztlich wohl doch 'nur' ein neues poetisches Verfahren.

Bedeutung des Traums:

Traum als Katalysator zur Vereinigung zweier Welten, einer inneren und einer äußeren. Auch die Romantiker hatten den Traum schon zu ihrem Thema gemacht, jedoch unter anderen Vorzeichen. Der Surrealismus sieht den Traum mit dem Lustprinzip verbunden als Möglichkeit zur Wunscherfüllung. Im Unterschied zur wissenschaftlichen Anwendung richten die Surrealisten ihr Traumprogramm auf ein poetisches Ziel: dabei geht es nicht um die Erhellung des Bewußten durch das Unbewußte, sondern um den ausdrücklichen Vorrang des Unbewußten.

Zufall

In der Anfangsphase ein Prinzip zum Verfertigung von Texten, für literarische Gesellschaftsspiele und Gruppenausflüge, die Verfügbarmachung, "le hasard en conserve" (Duchamp) kam erst später. Der hasard objectif wurde zu einer zentralen Kategorie, die Breton als Begegnung einer äußeren Kausalität und einer inneren Finalität definiert. So gilt der Zufall als Begriff für die Konstitution des Subjekts und seiner Beziehung zur Wirklichkeit, aber auch als ästhetisch-organisierendes Prinzip, das nur scheinbar ohne den Künstler funktioniert.

Versuche mich ein wenig zu orientieren und dein textorganisierendes "Prinzip Zufall" zu finden.

Liebe Grüße Aranka


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BeitragVerfasst am: 08.11.2012 23:20    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Also, es fällt mir schwer, darüber nun schon so sehr zu reflektieren, wo ich mich doch erst auf das Spiel eingelassen habe. Ich sehe es zunächst als Spiel.

Automatisches Schreiben ist es nicht. Nachdem ich sehr früh die siebenzeiligen Strophen und diesen Rhythmus gewählt habe (wobei ich nicht weiss, ob er metrisch akzeptabel ist. Es wechseln, soweit ich es sehe, jambische und trochaeische FünfHeber meistens?) leitet mich das beim Schreiben.  Und ohne diese Vorgabe würde ich wieder überlegen: Wie formulierst du das?Ich hatte z.B. zweimal im handgeschriebenen acht Zeilen, und das erst beim Tippen bemerkt, dann eine weggelassen, oder umgeschrieben. Ich passe also, was mir einfaellt, formal an. Aber es kann sein, dass ich spaeter ummodle, Kapitel mache etc. Erst mal soll's halt passieren, die Geschichte.

Aranka, könntest du nochmal genauer erläutern, wie dieser Rhythmus auf dich wirkt? (Und gerne hätte ich etwas mehr Kommentare zum Inhalt und Text bisher.)

Es hat auch nichts mit eigenen Träumen zu tun. Aber da ich meine, dass bei Träumen das Hirn so Verbindungen macht, die wir im rationalen Tageszustand nicht machen, ist es sicher insofern träumerisch, weil ich auch solche zusammengeworfenen Wissens- und Erinnerungsfetzen zulassen will. Aber schon von mir gelenkt aufgrund der Vorgabe, die Nacheinander und Motive beeinhaltet.

Also auch nicht zufällig. Ich will nur nichts ausschließen, was normalerweise als unrichtig, unwichtig, unlogisch, kitschig, zu... befunden werden würde.

Aber es ist vor allem ein Spiel. Begonnen habe ich es nach einer Zeit von Nachdenken/Lesen über Verschiedenes. Ich kann es nicht genau jetzt festmachen. Es ist auch eine Reaktion auf ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber all der Information, die auf einen einfließt. Ich dachte, so kann ich vielleicht mal eine ganze Reihe eigentlich unzusammenhängende Wissens etc zusammenbringen.

Aber schon länger dachte ich z.B. so etwas zu spielen: Schau, was auf deinem Kühlschrank, im Regal, irgendwo in der Wohnung an einem Ort steht. Stell dir vor ein kleines Wesen, das da umhergeht und diese Welt erlebt. Obst, Marmeladengläser, leere Joghurtbecher, Bücher, Krimskrams... Und dann mach eine Geschichte draus. In die alles Moegliche einfließen kann, aber das wäre so ein Ausgangspunkt. Es ist nicht der jetzt, aber in dieser Art läuft es.
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BeitragVerfasst am: 08.11.2012 23:21    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Gitano, danke fuer deinen Hinweis auf das Buch!
Und bin gespannt auf deinen weiteren Kommentar.
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 08.11.2012 23:28    Titel: Antworten mit Zitat

Ich melde mich noch zum Text und auch zum Rhythmus. Habe eben noch einmal deinen Text gelesen. Suche noch nach einer Möglichkeit zu Kommentieren, aber ich finde noch keinen Zipfel, wo ich zupacken kann.
Ich lass von mir hören. Aranka


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BeitragVerfasst am: 09.11.2012 00:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio,

ich fange einfach mal an, sage was mir auffällt und einfällt und vielleicht auch wo ich Fragen habe.

Zitat:
Sie trug im Inneren ein Spitzenkleid,
verziert mit Orchideen, die sie nie
gesehen. Dort wohnten Elefanten,
Mäuse, Hunde - in Spinnennetzen, die sich
spannten, glitzerten, benetzt mit Tropfen.
In ihnen spiegelten sich Welten wie
der Wald, in dem sie sich allein bewegte.


Du beginnst auftaktig und sehr schnell nehme ich die regelmäßigen Wechsel von Hebung und Senkung in meinen Leserhythmus auf. Eine Irritation hatte ich beim ersten Lesen in Zeile 2 durch das Wort Orchideen. Ganz elegant sind auch die drei Wörtchen am Zeilenende nicht:„die sie nie“.
Auch fällt mir auf, dass du die Sätze oft reflexiv konstruiert, da musst du aufpassen, sonst wird es eintönig: Hier die Beispiele: Orchideen, die / Spinnennetze, die / der Wald, in dem , Handschrift, deren (S2)
Schön und unauffällig finde ich die Binnenreime gesetzt.

Bildlich sehe ich ein Spitzenkleid mit Orchideen verziert. Sehe Tiere, auch Spinnennetze, in denen Tropfen hängen. Was ich nicht gleich vor Augen habe ist die Anordnung der Dinge. Da muss ich schon meinen Kopf einschalten, um ein Gesamtbild zu bekommen, ansonsten bleiben die Elemente recht isoliert stehen.  „SIE“ trägt das Kleid „innen“. Und somit spielt sich alles in ihrem Innern ab, der Wald in einem Tropfen und ganze Welten. Ich fand es dann sehr erleichtern, als der Satz endete und zwar mit etwas, das wieder ohne Anstrengung vor mein Auge trat. Sie bewegt sich durch einen Wald.
Sie bleibt mir auch noch ganz ohne Gestalt. Ist sie ein Kind, eine Frau oder vielleicht gar kein menschliches Wesen.
Ich spüre hier die Fabulierlust der Autorin, kann diese jedoch auch nur genießen, wenn ich mich durch den Klang und den Rhythmus treiben lasse und die Dinge als Einzeldinge an meinem Auge vorbeiziehen lasse.
Hier soetwas wie Räumlichkeit herzustellen, ist schwierig. Die Dinge positionieren sich auch nicht zueinander.


Zitat:
Verschlungen waren alle Bäume mit-
einander dort, wie eine Handschrift, deren
Linien ein Garn, gestrickt zu einem
unlesbaren Text. Kein einzler Baum
liess sich erkennen, als ob der ganze Wald
ein einz’ger Baum, gebildet aus nur einem
Faden. Sie suchte sich hindurchzufinden


Hier verschlingt sich alles noch mehr. Obwohl du Dinge benennst, die in meiner Vorstellung existieren: Bäume, Handschrift, Faden,fügst du sie zusammen und trennst sie wieder, so dass ich irgendwann aufhöre, es mir vorzustellen. Ich wandere durch Worte, Begriffe. Wenn ich „hindurch“ lese, weiß ich was es auf der Begriffsebene heißt und vollziehe da die Inhalte nach, denn visuell funktioniert das nicht mehr. Hier ein Beispiel:“als ob der ganze Wald
ein einz’ger Baum, gebildet aus nur einem Faden.“

Zitat:
und kroch durch Schlingen, unter Maschenbildern,
immer bemüht, die Zwischenräume auszu-
nützen, bevor sie merkte, dass der Wald
ihr nachgab, wie ein Pullover war,
elastisch und flexibel. Sie konnte ihn
zur Seite schieben, heben: kein Holz-
geflecht, nicht starr. Er passte sich ihr an.


Hier holpert es ein wenig in der 4. Zeile und die Worttrennung ist für mich auch nicht ganz einsichtig.
Ich weiß, dass ich hier nicht mit irgendeiner Logik ankommen kann, und ich bin ja auch in Der Lage, mir ein Spitzenkleid ins Innere zu denken, auch noch Tiere darin und eigentlich ja die gesamte Welt. Auch könnte da ja einer drin spazieren, aber das Sie selbst in sich herumspaziert? Also diese in der ersten Strophe aufgebaute Räumlichkeit stößt bei mir an Grenzen. Das habe ich in Strophe 2 und 3 beim lesen gemerkt.

Zitat:
So ging sie schließlich unbekümmert weiter.
Bei Kälte wickelte sie sich ganz einfach
in ihren Wald und ließ an heißen Tagen
kühlen Wind von oben zu ihr wehn.
Am Boden fand sie Pilze und Kartoffeln.
Die briet sie auf dem Feuer, das sie in sich
trug, und schlief nicht hungrig ein am Abend.


Hier liest es sich ganz entspannt. Das „schließlich unbekümmert“ spüre ich und der Text transportiert eine Handlung und endet in einer „wohltuenden“ Aussage. Diese Strophe hat mich dann auch wieder aufmerksamer und dennoch unangestrengter lesen lassen.

So, unterbreche hier erst einmal. Vielleicht kann ich am Ende, zu einem Gesamteindruck gelangen.

Liebe Grüße Aranka


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gitano
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BeitragVerfasst am: 09.11.2012 11:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio!
Bevor ich direkt auf den Text eingehe, bitte ich Dich ein paar Kleinigkeiten zu beachten:
Der Text ist größer als die meisten Texte hier in der Lyrik und erhat eine Fülle von Ideen...ein schon erkennbare "Machart".
Mir ist es unmöglich alle Gedanken in einen Kommentar unterzubringen und: Ich habe z.Zt. ne "Kaputte " rechte Hand....tipen ist zwar Teil meines täglichen Aufbautrainigs...aber es geht langsam und ich haue ständig daneben...will sagen: es ist verzwickt! ich würde die gern ein paar mehr Gedanken da lassen, als es mir derzeit möglich ist...
Vielleicht in Episoden (auch "Handtrainingseinheiten" wink   )

Meine Buchempfehlung zeigte wgen Deiner eigenen Charakterisierung in Richtung Surrealismus...deshalb auch die Hinweise.
Beim Lesen und Sackenlassen fiel mir auf, dass ich nun eher den Eindruck des Fiktional Phantastischen im Vordergrund sehe...wenn man denn in so einem so frühen Arbeitsstadium eine Charakterisierung schon benötígt. Schnittmengen zum Surrealen gibt es natürlich ...aber Surrealistisches ist nach meiner Erfahrung schon etwas anders angelegt.
UNten dazu ein Gedichtbeispiel von Robert Desnos...das ich "typisch" finde.
Konzeptionelle Techniken wie Entkleidung, Überbetonung, Reduktion auf Einzelnes, Verbindung undVermischung, Umdeutungwaren, semantische Entsprechung... damals vorherrschend.
Schönes, einfaches  Beispiel: der Begriff "Handschuh"
Ein Schuh für die Hand, kann man eine Schleife binden?, hat er eine Sohle?....Irritationen die typisch sind für Surreales. Hingegen "InnenFutter" ist eine Schnittmenge...und ist keine Nahrung, die irgendwo innendrin im Handschuh vorhanden ist.

Kurz noch zur Metrik...wieder meine "Deutung"
Für mich spielt die Metrikin dem Text keine tragende Rolle - eher die Rhythmik des Textes...dies wieder meiner "musikalischen Höre" geschuldet.

Die ersten Zeilen:
v = Senkung, -  = Hebung, // =  Zäsur, /= Takt
(Symbolik aus: Wagenknecht "Deutsche Metrik" (2009) )

v-/ v - v v/ v - v-/
v -/ v - v - v / v v -    (Enjambement! und Endung von Orchideen = e - en)
v - v/ v - v / - v - v /
- v/ - v// v - v - v/ - v (Enjambement)
- v/ - v v /  v - /v - v /
v - v/ - v v  v/ - v v  (Enjambement)
v -/ v v - v/ - v v - v//

Ich muß dazu sagen, dass meine Lesart auch sehr von Wortlängen / Klanglängen beeinflusst ist (siehe Voß "zeitmessung der deutschen Sprache 1801)

Wie Aranka schon bemerkte, beginne die Zeilen in unterschiedlichem "Metrum" /Gewichtung:
Z 1,2 und 3 steigend
Z 4 und 5 fallend
Z 6 und 7 steigend
reimlose Zeilen,
ABER:
doch recht ungewöhnlich: Siebenzeiler

Eine durchgehende metrische Ordnung kann ich nicht erkennen

Inhaltlich finde ich als gedanklichen Plot:
Eintauchen, Umschauen, Auftauchen...dies alles natürlich mit Kontextkontrasten: Realität /Fiktion- Phantastisches...wobei es für mich zunächst unerheblich ist, ob die Eindrücke "Wahrnehmung oder Fantasie sind.

So habe ich in "Bedeutungssentenzen" gelesen:
/ = mögliche "Gelenke" für Deutungen
(die Lesart ist also nich tmit der metrischen identisch)

Sie trug im Inneren/ ein Spitzenkleid,/
verziert/ mit Orchideen,/ die sie nie
gesehen. /Dort wohnten Elefanten,/
Mäuse, Hunde /- in Spinnennetzen, die sich
spannten, glitzerten,/ benetzt mit Tropfen./
In ihnen spiegelten sich Welten wie
der Wald,/ in dem sie sich allein bewegte. /

das "sie" erscheint mir in Mehrfachbezug auf das Subjekt "Sie" und die Lebewesen im Wald.

Dieser Einführung kann ich auch in ihrer "Verschachtelung" recht gut folgen. weiter...(ohne Enjambement....)

Verschlungen/ waren alle Bäume/ mit-
einander/ dort, /wie eine Handschrift,/ deren
Linien/ ein Garn,/ gestrickt /zu einem
unlesbaren Text./ Kein einzler Baum/ (Elision "einzler" ist unschön)
liess sich erkennen,/ als ob der ganze Wald
ein einz’ger Baum/, gebildet / aus nur einem
Faden./ Sie suchte sich hindurchzufinden
...(es folgt ein Enjambement)

mein Eindruck:
Der zweite Abschnitt ist inhaltlich dichter,
es gibt eine Reihe von Mehrfachdeutungsmöglichkeiten
die Bedeutungen sind m.M.n. eher verschachtelt als denn auch rückbezüglich...
Die Schreibart/Gedankenführung schafft eine gewisse Atmosphäre zu einem "immer tieferen Ort" zu gelangen...sich von Realität zu entfernen.
stilistisch wirkt es auf mich eher Prosaähnlich

das Gegenteil wäre wohl Extremverdichtung:
Wald. Verästelung
endlos erzählende Textur
in einer Krone


soweit erstmal zu einem erstenTexteindruck
Zum Abschluss noch das angekündigte Gedicht, dass ich für typisch surrealistsich halte und das auf den zweiten Blick durchaus "mörderische" Gedanken enthält.

Robert Desnos
Das Verb in Mokassins
(entnommen aus: Karheiz Barck (1986) Surealismus in Paris 1919 - 1939 (Reclam jun. Leipzig)

Du selbstmordest mich so gefügig
Dennoch werde ich eines Tages dich sterben
Ich wird diese makellose Dame erkennen
Und langsam werde ich schneien auf ihren Mund
     und gewiß werde ich regnen auch wenn ich spät
     werde, wenn ich schönes Wetter sei
Uns liebt es so wenig unsere Augen
Und ich träufele diese Tränen ohne Vernunft
selbstredend und ohne Traurigkeit...
Ohne!

So weit ersteinmal...
Fortsetzung ist sehr wahrscheinlich wink

Liebe Grüße
gitano
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Aranka
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BeitragVerfasst am: 09.11.2012 13:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo firstoffertio,

ich mache mal einfach so weiter mit meinen verstreuten Eindrücken.

Zitat:
Dann eines Tages fand sie eine Lichtung,
Ein alter Garten war’s. Und weiter südlich
endlich etwas Festes. Sie schlüpfte aus dem
Pullover heraus, betrat den Garten erst,
entdeckte Spuren alter Blumen- und
Gemüsebeete. Doch wucherten darüber
Unkraut, Moos, uralter Schachtelhalm.


Hier wird „Zeit und Dauer“ spürbar und schafft mir irgendwie auch Raum. Die erste Zeile ist sehr wohltuend. Die Worte wie „Lichtung“, klingen nach dem, was sie mir sagen und malen. Schön hier auch das Zeilenende:“südlich“, damit verbinde ich Wärme, die ich hier auch spüre. Und dann das „endlich“. Ja, hier atmet der Text wie der Leser (ich) oder auch umgekehrt, der Leser atmet gerne mit dem Text: „endlich etwas Festes“. Ja, die Sehnsucht nach etwas Festem, woran ich mich ein wenig halten kann in diesem Text, der mich sogartig in immer neue Windungen und Verschlingungen geführt hat, mal sehr lustvoll und verführerisch und mal mit Anstrengung.

Zitat:
endlich etwas Festes. Sie schlüpfte aus dem
Pullover heraus, betrat den Garten erst,
entdeckte Spuren alter Blumen- und


Gut finde ich hier auch den Punkt nach Festes und ein Rhythmuswechsel. Vielleicht wünschte ich ihn auch in der Zeile danach noch deutlicher. Hinter das „heraus“ und auch das „erst“ würde ich gerne ein Fragezeichen setzen. Hier zeichnet der Text mir das Bild eines Gartens in braun/grün Tönen und dazu passend das Klangbild in U und A und O.

Zitat:
Auch Walderdbeeren, Weidenröschen sah sie.
Und erstmals einzle Bäume, junge Eschen-
sämlinge. An manchen Stellen kratzten
Brombeeren sie, versuchten festzuhalten,
doch ging sie unter Vögeln, zwischen Faltern,
Schnecken, über Würmern weiter, ein Stück
noch durch den Wald, dann stand sie vor dem Festen
.

Hier kommt ein wenig Farbe ins Bild, auch Konturen. („einzle“ klingt für mein Ohr nicht gut.) Auch hier der Rhythmuswechsel (fallend)in Z3/4 für mich gut passend zur inhaltlichen Ebene.(kratzen/ festhalten) Dann wieder ein ausholender schreitender Rhythmus, zum Schluss wieder fester werdend.
Das ist so eine Strophe, in der ich einfach wunderbar mit gehen kann und auch wahrnehmen kann, was der Text mir so anbietet.

Zitat:
Struktur gebaut einmal aus Stein, nun nur
Ruine, Reste eines Heims. Fast ganz
zerfallen waren Mauern unter moos-
bedeckten Haufen Stein auf Stein, aus Wänden
wieder Stein geworden, nur ein Teil
mit einem hohen Fenster hielt noch Stand,
ein Fenster ohne Drinnen oder Draußen.


Hier spüre ich „Gebautes“. Etwas miteinander (einmal) Verbundenes. Durch Stilelemente wie Alliteration und Wiederholung gut abgebildet. Und der Schluss verweist mich wieder an den Anfang. „Ohne Drinnen oder Draußen“. Das scheint hier ein durchgängiges Prinzip zu sein. Vielleicht wird hier der Versuch gemacht die Trennung zwischen Drinnen und Draußen aufzuheben.

Wenn ich für mich ein erstes Fazit ziehe, nachdem ich nun einmal jede Strophe befragt habe, hat der Text in Klang, Rhythmus und in seinen „fantastisch, manchmal surrealen Schilderungen und Bildern" etwas Verführerisches, Mitreißendes. Die ersten drei Strophen hatten für mich auch etwas Anstrengendes, in den verwirrenden Wechseln und dem irritierenden Weg in immer kleinere Räume des Innen, das sich dann im Tropfen wieder zum Wald dehnte.

Ich lass das jetzt einfach einmal bei mir sinken. Vielleicht kannst du aus meinen noch ungeordneten Eindrücken etwas entnehmen an Texteindruck.

Liebe Grüße Aranka


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BeitragVerfasst am: 09.11.2012 22:19    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Gitano und Aranka,

vielen lieben Dank für eure ausführlichen Kommentare. Sie freuen mich sehr, und ich möchte mir für sie etwas Zeit lassen, bevor ich antworte.
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firstoffertio
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BeitragVerfasst am: 10.11.2012 15:50    Titel: pdf-Datei Antworten mit Zitat

Hallo Aranka, ich schreibe einfach mal in deinen Beitrag rein:

Aranka hat Folgendes geschrieben:
Hallo firstoffertio,

ich fange einfach mal an, sage was mir auffällt und einfällt und vielleicht auch wo ich Fragen habe.

Zitat:
Sie trug im Inneren ein Spitzenkleid,
verziert mit Orchideen, die sie nie
gesehen. Dort wohnten Elefanten,
Mäuse, Hunde - in Spinnennetzen, die sich
spannten, glitzerten, benetzt mit Tropfen.
In ihnen spiegelten sich Welten wie
der Wald, in dem sie sich allein bewegte.


Du beginnst auftaktig und sehr schnell nehme ich die regelmäßigen Wechsel von Hebung und Senkung in meinen Leserhythmus auf. Eine Irritation hatte ich beim ersten Lesen in Zeile 2 durch das Wort Orchideen. Ganz elegant sind auch die drei Wörtchen am Zeilenende nicht:„die sie nie“.
Auch fällt mir auf, dass du die Sätze oft reflexiv konstruiert, da musst du aufpassen, sonst wird es eintönig: Hier die Beispiele: Orchideen, die / Spinnennetze, die / der Wald, in dem , Handschrift, deren (S2)
Schön und unauffällig finde ich die Binnenreime gesetzt.

Ich finde es ja richtig gut, dass ihr den Rhythmus erkennt, den ich auch im Sinn habe, wobei ich nicht genau weiss, wie er zustande kommt. Ich weiss, bei dreisilbigen Worten wie Orchideen in einer Zeile ändert er sich immer etwas, aber ich dachte mir, das bringt auch wieder etwas Abwechslung. Mit den RelativSätzen hast du wahrscheinlich nicht unrecht. Darauf kann ich bei einer Überarbeitung genauer achten.

Bildlich sehe ich ein Spitzenkleid mit Orchideen verziert. Sehe Tiere, auch Spinnennetze, in denen Tropfen hängen. Was ich nicht gleich vor Augen habe ist die Anordnung der Dinge. Da muss ich schon meinen Kopf einschalten, um ein Gesamtbild zu bekommen, ansonsten bleiben die Elemente recht isoliert stehen.  „SIE“ trägt das Kleid „innen“. Und somit spielt sich alles in ihrem Innern ab, der Wald in einem Tropfen und ganze Welten. Ich fand es dann sehr erleichtern, als der Satz endete und zwar mit etwas, das wieder ohne Anstrengung vor mein Auge trat. Sie bewegt sich durch einen Wald.

Ja, das ist sicher etwas verwirrend gleich am Anfang. Was nicht ungewollt ist.

Sie bleibt mir auch noch ganz ohne Gestalt. Ist sie ein Kind, eine Frau oder vielleicht gar kein menschliches Wesen.

Ich weiss nicht, ob du schon die Fortsetzung gelesen hast. Da habe den Leser daraufhin schon angesprochen.

Ich spüre hier die Fabulierlust der Autorin, kann diese jedoch auch nur genießen, wenn ich mich durch den Klang und den Rhythmus treiben lasse und die Dinge als Einzeldinge an meinem Auge vorbeiziehen lasse.
Hier soetwas wie Räumlichkeit herzustellen, ist schwierig. Die Dinge positionieren sich auch nicht zueinander.

Das gefällt mir als Reaktion erst einmal ganz gut.

Zitat:
Verschlungen waren alle Bäume mit-
einander dort, wie eine Handschrift, deren
Linien ein Garn, gestrickt zu einem
unlesbaren Text. Kein einzler Baum
liess sich erkennen, als ob der ganze Wald
ein einz’ger Baum, gebildet aus nur einem
Faden. Sie suchte sich hindurchzufinden


Hier verschlingt sich alles noch mehr. Obwohl du Dinge benennst, die in meiner Vorstellung existieren: Bäume, Handschrift, Faden,fügst du sie zusammen und trennst sie wieder, so dass ich irgendwann aufhöre, es mir vorzustellen. Ich wandere durch Worte, Begriffe. Wenn ich „hindurch“ lese, weiß ich was es auf der Begriffsebene heißt und vollziehe da die Inhalte nach, denn visuell funktioniert das nicht mehr. Hier ein Beispiel:“als ob der ganze Wald
ein einz’ger Baum, gebildet aus nur einem Faden.“

Wenn du mal versuchen würdest, das zu zeichnen? Ich fände es interessant, was dabei herauskommen würde. Vielleicht von oben mal draufschaun?
Hier kann ich einige Hinweise geben, was u.A. reingeflossen ist: Ich stricke auch. Ich habe eine sehr unleserliche Handschrift mit vielen Schlingen und Schlenkern. Ich habe schon oft gedacht, eine Seite voll geschrieben mit ihr sieht aus wie Gestrick.


Zitat:
und kroch durch Schlingen, unter Maschenbildern,
immer bemüht, die Zwischenräume auszu-
nützen, bevor sie merkte, dass der Wald
ihr nachgab, wie ein Pullover war,
elastisch und flexibel. Sie konnte ihn
zur Seite schieben, heben: kein Holz-
geflecht, nicht starr. Er passte sich ihr an.


Hier holpert es ein wenig in der 4. Zeile und die Worttrennung ist für mich auch nicht ganz einsichtig.
Ich weiß, dass ich hier nicht mit irgendeiner Logik ankommen kann, und ich bin ja auch in Der Lage, mir ein Spitzenkleid ins Innere zu denken, auch noch Tiere darin und eigentlich ja die gesamte Welt. Auch könnte da ja einer drin spazieren, aber das Sie selbst in sich herumspaziert? Also diese in der ersten Strophe aufgebaute Räumlichkeit stößt bei mir an Grenzen. Das habe ich in Strophe 2 und 3 beim lesen gemerkt.

Ich musste lachen, als ich das las: "aber das sie selbst darin herumspaziert?" Finde ich als Idee gut, und auch nicht ganz unpassend eigentlich... Aber gedacht hatte ich mir bei der ersten Strophe, dass der Wald ausserhalb von ihr ist, sie in ihm, und er spiegelt sich drinnen in den Tropfen.

Zitat:
So ging sie schließlich unbekümmert weiter.
Bei Kälte wickelte sie sich ganz einfach
in ihren Wald und ließ an heißen Tagen
kühlen Wind von oben zu ihr wehn.
Am Boden fand sie Pilze und Kartoffeln.
Die briet sie auf dem Feuer, das sie in sich
trug, und schlief nicht hungrig ein am Abend.


Hier liest es sich ganz entspannt. Das „schließlich unbekümmert“ spüre ich und der Text transportiert eine Handlung und endet in einer „wohltuenden“ Aussage. Diese Strophe hat mich dann auch wieder aufmerksamer und dennoch unangestrengter lesen lassen.

Da passt deine Reaktion ja gut zum Inhalt.

So, unterbreche hier erst einmal. Vielleicht kann ich am Ende, zu einem Gesamteindruck gelangen.

Liebe Grüße Aranka
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